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412. Vorsicht vor der Tagesschau

Freitag, 22. August 2014 | Autor:

Foto – NAI

Vorsicht vor der Tagesschau

Die Tagesschau hat sich gerade wieder einmal „modernisiert“. Stolz präsentiert man den neuen Tisch.Ansonsten bleibt alles beim Alten: Herrschaften über vierzig mit finsterer Miene verlesen Nachrichten von DIN-A4-Blättern. Der deutsche Zuschauer hört und sieht die reine Wahrheit – so denkt er jedenfalls. 

 

Aber vielleicht ist ja die konservative Verstocktheit der Tagesschau der Garant für Professionalität und Wahrhaftigkeit? Mitnichten. Seit Jahren verfolge ich die Tagesschau und erlebe hautnah, wie die ARD das Geschehen hier in Israel in tendenziöse Berichte verpackt, während sie sich offiziell ihrer Ausgewogenheit rühmt. Die Tagesschau verfälscht Fakten, verdreht die Abfolge von Geschehnissen, verschweigt Wichtiges, übertreibt anderes – und immer rückt sie dabei Israel in ein schlechtes Licht.

Die Tagesschau berichtet überproportional in Sachen Israel. Die ARD hat im vergleichsweise winzigen Israel mehr Korrespondenten als in China. Dreißig afrikanische Länder werden von vier Journalisten abgedeckt – genau so viele wie Israel. Das führe zwangsläufig dazu, schrieb mir die Tagesschau, dass über Israel mehr berichtet werde als über andere Länder. Israel bekommt in der Tagesschau mehr Aufmerksamkeit als Russland, China und viele andere wichtige und große Länder. Dabei sind die Beziehungen zu Israel für Deutschland weder wirtschaftlich noch militärisch oder anderweitig existentiell. Über Israel wird mit einer Intensität berichtet, als sei es das 17. Bundesland.

Das in Israel kritischste Blatt, die linke Haaretz, hat von vier nationalen Tageszeitungen mit Abstand die wenigsten Leser. Zugleich ist es für die Tagesschau die Quelle Nummer Eins, während die populärste israelische Tageszeitung, die I s r a e l HaYom (Mitte-Rechts) überhaupt nicht zitiert wird und die Zeitungen der Mitte, Yediot Achronoth und Maariv, nur ab und zu. Auch die englischsprachige Jerusalem Post(Mitte-Rechts) hat keine Chance. Die Tagesschau bevorzugt willentlich die Haaretz.

Die Tagesschau bringt Stories, die Israel in ein negatives Licht stellen (ein wegen Vergewaltigung verurteilter ehemaliger Staatspräsident, eine Umweltverschmutzung oder der Mord an einem Homosexuellen) an prominenter Stelle, während Raketenbeschuss oder Terroranschläge mit jüdischen Opfern meist nicht einmal erwähnt werden. Es sei denn, die Tagesschau kann von einer israelischen „Vergeltung” berichten. In solchen Fällen verdreht die Tagesschau auch gern die Reihenfolge der Ereignisse. Die israelische Reaktion erscheint dann in der Überschrift wie ein Übergriff.

Inoffiziell erreichte mich die Aussage eines Tagesschau-Mitarbeiters, wonach die Tagesschau von ihren Berichterstattern‚ „israelkritische“ Berichte wünscht, in denen Palästinenser grundsätzlich nicht als „Terroristen“ zu bezeichnen sind. Man kann das selbst überprüfen. Allenfalls sind es „Radikale“, „Militante“ oder „Aktivisten“, nie aber „Terroristen“.

Die Tagesschau deklariert Tel Aviv gelegentlich fälschlicherweise als „israelische Hauptstadt“. Beim Bildmaterial setzt man vornehmlich auf israelisches Militär und arabische „Opfer“. Bewaffnete Hamaskämpfer und andere Terroristen sowie israelische Beerdigungen und verletzte Israelis sind kaum zu sehen. Israels Premierminister wird stets finster blickend gezeigt. Besonders gern stellt die Tagesschau Netanjahu als einen Manipulator hin, der mit den angeblich irrationalen Ängsten der Bürger spielt und sie für antidemokratische Machenschaften missbraucht, während das Volk angeblich immer mehr von ihm abrückt. In Wahrheit ist Netanjahu mehrheitlich gewählt und bekommt bei Umfragen heute noch größere Zustimmung als vor seiner Wahl. Auf der anderen Seite hütet sich die Tagesschau sehr vor Kritik an Mahmud Abbas, der defacto ein Diktator ist. Er kontrolliert die PA seit Jahren ohne Wahlen mit einem korrupten und brutalen Polizeiapparat, lässt offiziell Terroristen als Helden und Vorbilder feiern und propagiert offen einen judenreinen Staat auf israelischem Boden.

Warum positioniert sich die Tagesschau antiisraelisch? Warum werden Millionen Zuschauer absichtlich gegen den jüdischen Staat vereinnahmt? Sind es die Redakteure und Korrespondenten, die ihre Berichte antiisraelisch färben? Oder befriedigt man eine mehrheitlich antiisralische Nachfrage? Oder arbeitet man einfach nur naiv und unprofessionell, die skrupellos lügende palästinensische Propaganda nachplappernd?

Vielleicht ist es von allem etwas. Auf meine vielen E‑Mails, die ich der Tagesschau schrieb, bekam ich auch hier und da mal eine Antwort. Mir wurde mitgeteilt, dass Wahrhaftigkeit für die Tagesschauredaktion quantitativ festzustellen sei. Denn, so erklärten sie, wenn Zuschriften eine antiisraelische Berichterstattung kritisierten, andere aber eine proisraelische, so sei dies als Erweis ihrer Ausgewogenheit zu werten. In einer Antwort heißt es:

„Für die Bedeutung für unser Programm kann ich sagen: Israel hat eine große Relevanz. Das liegt zum einen am hohen Gewaltanteil in dieser Region, der historisch bedingt und daher in den Köpfen der Menschen präsent ist. Dass dies der Fall ist, scheint mir historisch an die deutsche Verantwortung für das Schicksal der jüdischen Menschen gekoppelt. Ihre Redaktion tagesschau.de”.

Von Ulrich J. BECKER

Ausgabe NAI August 2014

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Thema: Zeitgeist

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