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424. Lieber Katholik

Freitag, 12. Dezember 2014 | Autor:

Petersdom-Wolfgang-Stuck

Petersdom-Wolfgang-Stuck Wikipedia

Lieber Katholik,

pünktlich zum Papstbesuch hier in Deutschland habe ich beschlossen, dir mal wieder einen Brief zu schreiben.
Es gibt bekanntlich jede Menge verschiedener Kirchen und Gemeinden, die alle an den Gott der Bibel glauben und du bist stolzes Mitglied der größten Kirche. Du hast mir in deinem letzten Brief geschrieben, dass du mit der ein oder anderen Entscheidung in der Kirche nicht ganz einverstanden bist, aber im Großen und Ganzen bist du ja zufrieden. Wer ist schon perfekt? Wohl keiner außer Gott.

Es ist übrigens sehr schön, dass wir beide an Gott glauben. Das ist heutzutage ja nicht mehr selbstverständlich und es verbindet uns in gewisser Weise. Auch dass wir uns beide auf die Bibel als Gottes Wort berufen eint uns, obwohl wir ja von der Kirche her ganz anders geprägt sind. Es ist schon schade, dass die Christenheit es über die Jahrhunderte nicht geschafft hat, sich brüderlich zu vereinen. Vielleicht sollte man noch einmal genau betrachten, was die verschiedenen Kirchen und christlichen Strömungen eigentlich trennt.

Weist du, als ich angefangen habe, dir diesen Brief zu schreiben, wollte ich dir eigentlich vorhalten, was deine Kirche in ihrer langen Geschichte schon alles für schlimme Dinge getan hat. Du hast bestimmt schon selbst viel darüber gehört.
Aber dann, als ich so darüber nachdachte, ist mir wieder eingefallen, wie viele schlechte Dinge ich eigentlich selbst schon getan habe. Da hat mir Gott einmal wieder meine eigenen Sünden vor Augen geführt. Es steht mir also gar nicht zu, dich oder deine Kirche auf moralischem Gebiet anzugreifen. Wir sehen dabei aber wiederum unsere menschliche Beschränktheit, womit wir wieder etwas hätten, das uns eint.

Eine Sache will ich dir aber unbedingt schreiben. Nicht etwa, um mich über dich zu erheben oder dich von oben herab zu belehren, sondern weil ich es für die wichtigste Erkenntnis über Jesus Christus halte und es mich traurig machen würde, wenn sie jemand nicht verstünde.
Versteh mich bitte nicht falsch, ich will damit nicht deine religiösen Gefühle verletzten. Sei dir stattdessen sicher, dass du mir trotz allem sehr am Herzen liegst.

Es geht darum, was es für uns Menschen bedeutet, dass Jesus für uns damals am Kreuz gestorben ist. Ich bitte dich, dass du dir etwas Zeit nimmst und dich ehrlich vor dir selbst damit auseinander setzt.

Das Opfer von Christus ist ja auch heute noch Mittelpunkt jeder Messe. Wie allgemein bekannt ist, starb Jesus am Kreuz für die Sünden der Welt. Gott hat sich dort praktisch selbst bestraft für das, was eigentlich wir Menschen gesündigt haben.
So weit, so gut. Jeder aufrichtige Katholik glaubt das. Was ich daran aber nicht verstehe, ist zum Beispiel, dass viele Leute darüber hinaus auch an das Fegefeuer glauben. Wenn jetzt Jesus meine Sünde schon am Kreuz vergeben hat, wofür schickt mich Gott dann noch in das Fegefeuer? Ich habe doch keine Schuld mehr vor ihm, wenn schon Jesus stellvertretend für meine Vergehen bestraft worden ist. Gott ist doch gerecht?

Das führt uns zu der Frage hin, unter welchen Bedingungen Gott uns die Vergebung vom Kreuz zuerkennt. Erst einmal einleuchtend ist die Meinung, dass er die Vergebung vom Kreuz nur denjenigen Menschen schenkt, die auch ein gutes Leben geführt haben. Aber hast du dir über diese Aussage schon mal Gedanken gemacht? Sie sagt in anderen Worten: “Er schenkt die Vergebung den Guten”…”Vergebung für die Guten.”
Die Guten brauchen doch gar keine Vergebung! Wo gibt es denn so was, dass denen, die es richtig gemacht haben, vergeben wird? Vergebung brauchen doch die, die es gerade falsch gemacht haben!
Naja, könnte man einwenden, auch die guten Menschen, die nach dem Willen Gottes leben, haben so ihre Macken. Und eben für diese Macken ist Jesus am Kreuz gestorben. Wenn ich diesen Gedanken zu Ende denke stellt sich mir die Frage:

Todesstrafe für “kleinere Macken”?

Jesus ist tatsächlich zum qualvollen Tod verurteilt worden. Das heißt aber doch, dass er für Sünden gestorben ist, die den Tod verdient haben. Haben die Macken der guten Menschen denn tatsächlich den Tod verdient? Er ist dort also für so schlimme Sünder gestorben, die nichts anderes als den Tod verdienen.
Jesus hat genau soviel Vergebung zu verschenken, wie er erlitten hat. Er hat den Tod erlitten und hat deshalb jetzt Vergebung für todeswürdige Vergehen. Übrigens steht in der Bibel, dass der Lohn der Sünde der Tod ist (Römer 6,23)

Jede Sünde zieht den ewigen Tod nach sich. Ob groß, ob klein, Gott macht bei den Sünden keinen Unterschied. Gott sagt in der Bibel:

Denn wer alle Gesetze hält, aber nur eines übertritt, der ist aller Gebote schuldig geworden. Denn der gleiche, der sagt: “Du sollst nicht ehebrechen.”, hat auch gesagt: “Du sollst nicht töten”. Wenn du jetzt zwar nicht ehebrichst, aber tötest, dann bist du ein Gesetzes-Übertreter geworden. (Jakobus 2,10+11) folgerichtig zieht Gottes Wort den Schluss:

Es ist kein Unterschied. Alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes. (Römer 3,23)

Es geht gar nicht darum, das eine oder andere Gebot mal nicht beachtet zu haben, sondern darum, dass wer auch nur ein Gebot übertritt, der ist ein Gesetzes-Brecher. Und solche Leute kommen nicht zu Gott, auch nicht nach einer Läuterung im Fegefeuer. Gott ist perfekt und nur Perfekte können zu ihm kommen. Und ich muss beschämt zugeben, dass ich nicht dazu gehöre.
Aber genau dafür ist Jesus gestorben. Für meine Sünden. Für die Sünden aller Menschen.
Wo liegt die Messlatte, die bestimmt, wie gut man sein muss, dass Gott einem noch die Vergebung schenkt? Sie liegt so niedrig, dass sogar Mörder, Vergewaltiger und Kriegsverbrecher Vergebung geschenkt bekommen können. Jesus hat auch für diese Menschen die gerechte Todesstrafe auf sich genommen.

Ist also allen Menschen ihre Schuld vergeben? Nein, denn die Bibel sagt uns, dass die Vergebung vom Kreuz genau denen geschenkt wird, die dies im Glauben annehmen:

Wissend, dass der Mensch nicht durch Gesetzeswerke gerecht gesprochen wird, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus. (Galater 2,16)

Wen Gott gerecht spricht, der darf zu ihm in den Himmel, obwohl er gesündigt hat. Wer nicht gerecht gesprochen worden ist, der wird draußen bleiben.
Jesus vergibt ganz oder gar nicht. Er vergibt nicht nur einen Teil und den anderen Teil musst du im Fegefeuer absitzen. Jesus hat nicht seine 99% vollbracht, so dass du noch 1% beisteuern müsstest. Jesus hat alles vollbracht: 100%.
Man könnte meinen, dass man dann ja nach Belieben weitersündigen kann. Aber wer tatsächlich verstanden hat, wie schwer seine eigene Sünde wiegt, und wie viel es Jesus am Kreuz gekostet hat, dafür zu bezahlen, den wird das nicht kaltlassen. Er wird die Gebote Gottes jetzt aus lauter Dankbarkeit einhalten und so Gott nachfolgen. Jetzt aber befreit von aller Sündenlast, die er in seinem Leben begangen hat und noch begehen wird.

Höre in dich hinein und bedenke bei deiner nächsten Pilgerfahrt: “Woran glaube ich. Daran, dass Jesus schon alle meine Schuld vergeben hat, oder dass ich hier selbst ein Werk vollbringe, um meine Sünden aufzuwiegen.” Das sind zwei verschiedene Dinge.
Frage dich bei deiner Messe: “Bin ich hier, weil ich denke, dass ich so eine bessere Position vor Gott innehabe oder weil ich weis, dass Jesus mich schon in die vollkommen schuldlose Position vor Gott gesetzt hat?”.

Überlege beim Sakrament: “Fügt dieser Gnadenkanal meiner Errettung etwas hinzu?”. Das würde bedeuten, dass Jesus dir nicht deine komplette Schuld vergeben hat, weil man ja noch etwas hinzufügen kann.
Worauf verlässt du dich? Worauf baust du, wenn es um das ewige Leben geht? Kommst du in den Himmel? Wer an Jesus Christus als alleinigen Herrn glaubt, kann diese Frage mit einem freudigen und gewissen “Ja” beantworten. Weil wer vor Gott keine Sünde hat, den lässt er definitiv hinein. Und vor Gott haben diejenigen keine Sünde, die sie sich von Jesus vergeben haben lassen.

Der Zeitpunkt ist gut, sein Verhältnis zu Jesus neu zu überdenken.
Der Zeitpunkt ist gut, sich neu für Jesus allein zu entscheiden.

Ich hoffe, dir haben diese Gedanken weitergeholfen und freue mich auf deine Antwort.

Schöne Grüße und Gottes Segen.

von: DanielK

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Thema: Denke einmal nach!

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