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93. Die Milliarden des Vatikans

Sonntag, 16. Mai 2010 | Autor:

Der folgende Text ist ein Auszug aus dem Buch „The Vatican Billions“ von Avro Manhattan.

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Die spektakuläre Kapitalanhäufung durch die katholische Kirche in diesen Tagen ist ein Phänomen, das eigentlich schon etwas weiter zurückliegt. Es fing an, als Italien im Jahr 1670 die Herrschaft über den Rest des damaligen Kirchenstaates, die Diözese Petri, übernahm. Dieser Kirchenstaat erstreckte sich über fast ein Drittel der italienischen Halbinsel und schloß die Stadt Rom mit ein.

Damals begann die katholische Kirche mit dem Ansammeln von Kapital entsprechend der Erfolgsformel der modernen Industrie – und Finanzwelt. Die entscheidenden Grundlagen dafür wurden jedoch von Papst Benedikt XV. (1914-1922) während und nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) geschaffen.

Er ist der Begründer der heutigen Politik des Vatikans, daß die Investitionen der Kirche nicht durch politische oder religiöse Betrachtungsweisen eingeschränkt werden dürfen, sondern allein auf der Basis des gesunden, guten, konkreten und profitbringenden Geschäfts verwaltet werden müssen.

Zu der Zeit verfügte der Vatikan besondere Investitionen noch nicht über die flüssigen Mittel, die er Jahrzehnte später vom faschistischen Italien erhielt, aber die Millionen im Besitz des Vatikans reichten aus, um auf den Weltmärkten zu investieren. Benedikt XV. investierte auch gleich den Großteil der Gelder, um damit zu beweisen, daß er es mit der neu propagierten Politik wirklich ernst meinte.

Wo? In Anlehnung an die Kreuzfahrerpäpste wurde in Wertpapiere des türkischen Reiches investiert. Dies war der Anfang einer Strategie, die die katholische Kirche unter die bedeutendsten Kapitalgesellschaften des 20. Jahrhunderts einreihte.

1929, zur  Zeit der Lateranverträge, wurden die Staatsschätze des Vatikans zu einem gemeinnützigen Fond erklärt. Im selben Jahr erhielt der Vatikan über 1.750 Milliarden Lire (das entsprach zu jener Zeit 100 Millionen Dollar) von Mussolini zur endgültigen Beilegung der Romfrage.

Papst Pius XI, ein ebenso gewitzter Geschäftsmann wie Benedikt, investierte den Großteil dieser Summe in Amerika sofort nach dem Börsenkollaps. Das brachte der Kirche gigantische Profite ein, als sich die US-Wirtschaft von der großen Wirtschaftskrise der 30er Jahre erholte.

Während der Vatikan überwiegend in den USA investierte, waren die Verantwortlichen versiert genug, einen Teil des Gewinns aus den Lateranverträgen in Italien selbst anzulegen. Die Resultate waren beeindruckend. Man nimmt an, daß der Heilige Stuhl derzeit zwischen 10 und 15% aller Aktien und Geschäftsanteile besitzt, die überhaupt an der Börse verzeichnet sind.

Das britische Magazin „The Economist“ stellt das folgendermaßendar:

„Theoretisch könnte es die italienische Wirtschaft völlig durcheinanderbringen, wenn sich der Vatikan entschließen würde, alle seine Aktien auf einmal auf den Markt zu werfen.“

Nur wenige Jahre später bestätigte der italienische Finanzminister diese Aussage, als er im Februar 1968 erklärte, daß der Vatikan Aktien im Wert von ca. 100 Milliarden Lire besitze.

Die Reichtümer der Kirche haben sich nicht nur zu einer immer größer werdenden moralischen Belastung der Kirche entwickelt, sondern sind auch ein finanzielles Dilemma geworden. Die Kirche ist nicht nur durch mühevolles Erheben von Kollekten durch Tausende von religiösen, gemeindlichen und Laienorganisationen zu diesem Reichtum gelangt. Sie hat ihn ebenso den Fähigkeiten der Wirtschaftsexperten zu verdanken, die die Milliarden des Vatikans seit dem Zweiten Weltkrieg mit unübertroffenem Geschick in vielen Teilen der Erde anlegten und unter Mithilfe der ihnen zur Verfügung stehenden weltweiten Informationsquellen die Millionen des Vatikans in Milliarden verwandelt haben.

Die Gründung eines Büros für besondere Investitionen

Angesichts der gigantischen Kapitalanhäufungen waren die eher planlosen Strategien der Vergangenheit nicht nur veraltet, sondern auch gefährlich. Der Papst sah sich gezwungen, eine spezielle Präfektur für Wirtschaftsangelegenheiten einzurichten.
Diese Präfektur wurde hauptsächlich von amerikanischen, französischen und deutschen Experten geleitet und hatte ihr Betätigungsfeld, nachdem die Geschäftsverbindungen international geworden waren, meistens außerhalb Italiens. Das berühmte Haus Rothschild – das dem Vatikan schon seit 1831 Geld zur Verfügung gestellt hatte – kam einmal mehr durch Kapitaltransaktionen ins Rampenlicht, die im Auftrag des Vatikans durchgeführt wurden.

Ab und zu geraten diese komplexen Operationen an die Grenzen der Legalität. In den 80er Jahren ereigneten sich Skandale zur Überraschung von Millionen von Katholiken und zur Enttäuschung vieler, die wirklich angenommen hatten, daß der Vatikan nur wohltätige Zwecke verfolge.

Im großen und ganzen werden die Anlagen allerdings fachkundig von Finanzexperten betreut, deren Erfahrung unübertroffen ist. Die Geschäftsleute des Vatikans sind üblicherweise keine Katholiken, sondern Protestanten, Agnostiker, Nichtchristen, Juden und sogar Atheisten.

Die üblichen finanziellen Transaktionen werden seit Jahren durch den bekannten Morgan-Konzern in New York (hauptsächlich für amerikanische Investitionen), Hambros in London für britische Anlagen und die Schweizer Kreditbank in Zürich gehandhabt – ganz zu schweigen von den vatikaneigenen Konzernen wie die Banco di Roma, die Banco Commerciale und die Banco Santo Spirito.

Dabei darf man nicht vergessen, daß die o.g. nur die „flüssigen“ Vermögenswerte des Heiligen Stuhls darstellen. Dazu kommen die festen Anlagen, Immobilien, Ländereien und Industrie- und Wirtschaftsunternehmen, die die katholische Kirche in Italien, Spanien, Deutschland, England sowie in Nord- und Südamerika besitzt und kontrolliert.

Es ist unmöglich, den derzeitigen Wert der immensen kircheneigenen Besitztümer festzustellen. Man muß sich daran erinnern, daß der Vatikan bzw. die katholische Kirche Tausende von Kirchen, Kathedralen, Klöstern, Nonnenklöstern und verschiedene andere Bauwerke in der ganzen westlichen Welt besitzt. Was ist der Wert des Grundes, auf dem diese Gebäude stehen, in heutiger Währung?

Was sind die Gebäude selbst wert? Selbst wenn die „einfachen“ Gemeindekirchen und Gebäude auf dem Grundstücksmarkt  mäßige Preise erzielen würden, kann man sich vorstellen, welchen Wert z.B. die St. Patrick-Kathedrale in New York, Notre Dame in Paris und St. Peter in Rom in den Augen eines Grundstücksmaklers darstellen. Und das sind lediglich einige Beispiele.

Die Behauptung, daß dieses Vermögen nicht der katholischen Kirche gehöre, ist genauso unsinnig wie zu sagen, daß eine kommunistische Diktatur nichts besäße, weil alles Eigentum dem Volk gehöre.

Wenn die katholische Kirche Land an- oder verkauft, unterschreibt üblicherweise der Bischof das Dokument, d.h. sein Stuhl wird Eigentümer bzw. erhält das Geld. Ob die Transaktion auf die Diözese beschränkt ist oder im Auftrag des nationalen Kirchenregiments oder des Vatikans geschieht, ist im Grunde genommen irrelevant, weil sie im Endeffekt das Eigentum der katholischen Kirche betrifft.

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Regierung sammelt Millionen für den Vatikan


In einigen Ländern braucht die Kirche nicht nur keine Steuern zu bezahlen, sondern erhält Steuergelder, die der Staat zu ihren Gunsten einnimmt. Diese Absurdität ist eine Eigenart in Deutschland, wo deutsche Staatsbürger „gezwungen“ werden, eine sog. „Kirchensteuer“ zu bezahlen.

Erstmals durch die Weimarer Verfassung von 1919 inspiriert, wurde sie in dem Vertrag zwischen Hitler und dem Vatikan in ihrem Konkordat von 1933 bestätigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kirchensteuer 1949 in die Verfassung aufgenommen.

Die katholische Regierung – d.h. die Christdemokraten – zwang der widerstrebenden Bevölkerung nicht nur die Kirchensteuer auf, sondern stellte der Kirche das staatliche System zur Verfügung. Die Regierung sammelte die Steuern ein, setzte die Zahlungen durch und übergab die Gelder der Kirche.

Vor dem Zweiten Weltkrieg zahlte der Deutsche durchschnittlich zwei bis drei DM pro Jahr. Bis 1972 erhöhte sich der Betrag auf 55 bis 60 DM.

In Deutschland erfreute sich der Vatikan daher nicht nur außergewöhnlicher finanzieller Vorteile durch die geschickte Teilhabe an großen Industriekonzernen ähnlich wie in Italien und den USA, sondern erhielt zusätzliche Gelder durch die Kirchensteuer in Höhe von etwa 350 Millionen Dollar pro Jahr. Das ist das Resultat des politischen Katholizismus, der das Nachkriegsdeutschland so lange beherrscht hat.

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Der größte Börsenmakler der Welt

Wenn das gesamte Vermögen der katholischen Kirche zusammengezählt wird, ist sie der größte Börsenmakler der Welt. Das „Wall Street Journal“ berichtete, daß die finanziellen Transaktionen des Vatikan allein in den USA so umfangreich waren, daß er häufig Gold im Wert von einer Million Dollar oder mehr auf einmal an bzw. verkauft hat.

Daher war und ist der Vatikan der gewaltigste zur Zeit existierende Kapitalbesitzer. Keiner weiß genau, wieviel Vermögen die Kirche besitzt, nicht einmal der Papst selbst.

Diese Tatsache bestätigte ein Angehöriger des Vatikans, als er auf die Frage nach dem derzeitigen Besitz des Vatikans antwortete: „Das weiß allein Gott.“

Avro Manhattan

aus: Battle Cry, September/Oktober 1986

Christian Assemblies Int.

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Thema: Katholisches

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Ein Kommentar

  1. […] Wie interessant der Medienhype um die Wahl des neuen Papstes Franziskus I. Mit hunderten von Reportern und Kameras wird eingefangen, welche ein „historisches Ereignis“ dort stattfindet. Auf jeden Fall ist es historisch und gleichzeitig spiegelt sich darin die Hoffnung wider, dass ein einzelner Mensch als eine Art Heilsbringer fungieren kann. Wird er die Kirche reformieren? Wie gestaltet er das Papstamt? Wird es der „Befreiungsschlag“ für die katholische Kirche? […]

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