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69. Tatsachen, die man kennen sollte!

Freitag, 29. Januar 2010 | Autor:

Wikipedia Petersdom Wolfgang Stuck

Klärende Fakten zur Römisch-Katholischen Kirche und Ihrer Lehre

Vorwort

Wozu ein solches Heft über die Römisch-Katholische Kirche, dass wird sich vielleicht manch einer fragen. Es geht nicht darum, Menschen zu verletzen, die, zumeist durch Geburt und Erziehung, nichts anderes kennen und zum Teil liebengelernt haben als die Römisch-Katholische Kirche, sondern vielmehr darum, die Glaubenslehren der römischen Kirche mit der Heiligen Schrift, der Bibel, zu vergleichen und Wahrheitssuchende aufzuklären. Die Bibel allein ist die Wahrheit und daran muss sich alles messen lassen! Die Aussage des Apostels Johannes: „Ich habe keine größere Freude als dies, dass ich höre, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln“ (3. Johannes4 ) ermutigt uns, immer und immer wieder auf die Wahrheit hinzuweisen.

Wir verbinden mit dieser Schrift die Bitte an unseren Herrn Jesus Christus, dass der eine oder andere Leser die Gefahren falscher Lehre besser erkennt und er in die Lage versetzt wird, für den „einmal den Heiligen überlieferten Glauben“ (Judas 3), wie er uns in der Bibel, dem Wort Gottes vorliegt, zu kämpfen.

Richard Müller +

Bibel und/oder Überlieferung?

Jeder Christ sollte über die Römisch-Katholische Kirche genau unterrichtet sein. Zur Begründung dieser Behauptung weise ich auf folgendes hin:

1. Die Römisch-Katholische Kirche ist mit Abstand die größte christliche Kirche. Von den etwa 1,3 Milliarden Christen gehören 900 Millionen zur Römisch-Katholischen Kirche. Das heisst: Mehr als zwei Drittel aller Christen sind Katholiken.

2. Die Römisch-Katholische Kirche wächst zur Zeit weit schneller als die evangelische Kirche.

3. Die Römisch-Katholische Kirche nimmt für sich in Anspruch, die „allein seligmachende Kirche“ zu sein. Sie behauptet also: Es gibt kein Heil ausserhalb der Kirche(1).

4. Sie findet allmählich auch bei der Leitung der evangelischen Kirche Verständnis, und man ist zur Zusammenarbeit bereit.

(1) J. Neuner – H. Roos, Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung. „Allein seligmachend“, Vatik. Korzil 1870, Seite 368-369. Dieses Lehrbuch wurde von Karl Rahner kommentiert und beinhaltet alle noch heute gültigen Glaubensaussagend er Römisch-Katholischen Kirche.

Wenn man sich diese Tatsachen vor Augen hält: Sie ist mit Abstand die größte, sie wächst schneller als dieAnderen christlichen Kirchen, sie behauptet, die allein seligmachende zu sein, dann ist es von allergrösster Bedeutung zu wissen, was diese Kirche lehrt und was ihre Ziele sind. Arbeitet diese Kirche nach den Gedanken Gottes?
Grundlage unserer Beurteilung kann nur die Bibel sein. Wer die Bibel nicht oder nur beschränkt anerkennt, wird selbstverständlich zu einem anderen Ergebnis kommen. Mit dem können wir uns auch nicht auseinandersetzen, weil die gemeinsame Basis fehlt. Sodann dürfen wir die Römisch-Katholische Kirche nicht nach einzelnen Katholiken beurteilen, wie es oft geschieht. Unter den Katholiken gibt es sicherlich anständige, feine, religiöse Menschen. Aber das sagt nichts über die Kirche. Auch unter Gottesleugnern gibt es sympathisch Menschen. Wir haben es nicht mit freundlichen Nachbarn zu tun, der jeden Sonntag zur Messe geht, sondern mit einer mächtigen, bis ins Kleinste organisierten Kirche, mit dem Heer von 400.000 Priestern, die sorgfältig geschult und durch Schwur verpflichtet sind, zu den Grundsätzen der Kirche zu stehen.

Am 13. Oktober 1962, dem Tag der Eröffnung des II.Vatikanischen Konzils, mussten sich alle Konzilsväter eidlich und schriftlich unter anderem zu folgendem bekennen: zur Lehre von der heiligen Messe als einem Sühnopfer, zur Lehre vom Fegefeuer, damit die „Armen Seelen“ durch die Gebete der Gläubigen Hilfe erlangen können, zur Lehre von der Fürbitte der Heiligen, von der Römisch-Katholischen Kirche als der Mutter und Lehrerin aller Kirchen, von dem Papst als dem Nachfolger Petri und dem Stellvertreter Christi auf Erden. Zum Schluss lautet der Eid:
„Desgleichen verdamme, verwerfe und verfluche ich, was dazu im Widerspruch steht, alle falschen Lehren, die die Kirche verdammt, verworfen und für verflucht erklärt hat. Diesen wahren katholischen Glauben, ohne den niemand gerettet werden kann, bekenne ich hiermit öffentlich und halte daran fest bis zu meinem letzten Atemzug.“(1)

Beachten wir:

Die Bischöfe und Priester der Römisch-Katholischen Kirche verpflichten sich nicht Gott oder Jesus Christus, sondern ihrer Kirche.
Wenn wir eine rechte Vorstellung von der Römisch-Katholischen Kirche gewinnen wollen, müssen wir uns mit ihrer Lehre und mit ihrer Geschichte befassen.

(1)Ebd.: Schwur der Konzilsväter. Konzil zu Trient 1564. Seiten 939-940.

Wenden wir uns zunächst der Lehre zu. Da geht es um die Fragen:

a) Wie steht die Kirche zur Bibel?
b) Sagt sie ihren Anhängern, aber auch allen Menschen, das Evangelium so, wie wir es im Neuen Testament finden?

Das sind entscheidende Fragen. Denn wenn die Römisch-Katholische Kirche nicht auf dem Boden der Bibel steht, ist sie für einen wahren Christen nicht tragbar, und wenn sie das Evangelium verfälscht, steht sie nach dem Wort in Galater 1, 8 unter dem Fluch, denn da lesen wir:

„Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigen entgegen dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: er sei verflucht!“

Dann aber dürfen auch wir nicht durch Sympathie für diese Kirche oder Duldung ihrer Tätigkeit den Eindruck erwecken, wir hielten sie für tragbar. Vergessen wir nicht, dass es immer noch einige Menschen gibt, die sich von unserem Urteil in religiösen Fragen beeinflussen lassen. Es geht nicht darum, diese oder jene Kirche zu unterstützen oder sie zu verdammen, sondern wir müssen herausfinden, ob Gott sie anerkennen kann. Ich wende mich darum an die, die den Willen Gottes tun wollen, an Wahrheitssucher, an Menschen, denen die Wahrheit wichtiger ist als die Ansicht der vielen und auch wichtiger als ihre eigene Meinung.

Das mag vielen zu radikal erscheinen, besonders den Freunden der Toleranz. Darum frage ich: Ist Gott tolerant? Gott steht immer auf der Seite der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Das geht, um nur ein Bibelwort zu nennen, aus Sprüche 17, 15 hervor:

„Wer den Gesetzlosen rechtfertigt, und wer den Gerechten verdummt, sie alle beide sind Gott ein Gräuel.“

Der Herr Jesus nennt die falschen Propheten Wölfe im Schafskleid.
Der Wolf bringt den Schafen nicht Schwierigkeiten, sondern den Tod. Darum kann vor ihm nicht eindringlich genug gewarnt werden. Die Römisch-Katholische Kirche ist eindeutig die große Kirche auf dem Weg zur Macht. Sie duldet niemanden neben sich, sie möchte alle sich einverleiben. Ist ihre Lehre in Ordnung, entspricht sie der Botschaft des Neuen Testamentes? Hier müssen wir zu einem klaren Ergebnis kommen und uns entsprechend verhalten.

Kommen wir zu unserer ersten Frage:
Wie steht die Römisch-Katholische Kirche zur Bibel?

Da kann man oft die Behauptung hören: Die Katholiken halten fest an der Bibel. Ihre Predigten sind viel stärker an das Wort Gottes gebunden, als die der meisten evangelischen Pfarrer. Ich muß zugeben, sie betreiben selten Bibelkritik. Gott wird als der Schöpfer anerkannt und Jesus als der Sohn Gottes. Die Wunder, von denen die Bibel berichtet, werden nicht in Frage gestellt, auch die Auferstehung Jesu wird nicht angezweifelt. Das hat sich allerdings seit dem II. Vatikanischen Konzil in mancher Beziehung geändert. Die Führung der Römisch-Katholischen Kirche sagt heute:

a) die Bibel enthält Gottes Wort; nicht mehr: sie ist Gottes Wort(1) ;
b) der Schöpfungsbericht ist Bildsprache;
c) Evolution kann nicht ausgeschlossen werden(2).

Wenden wir uns zunächst der Bibel zu.

Die Römisch-Katholische Kirche hat drei Glaubensquellen:
Die Bibel – die Überlieferung- das päpstliche Lehramt. Wir wollen uns diese Quellen näher ansehen.

(1) Ebd., Die Bibel enthält Gottes Wort. 2. Vatikanisches Konzil 1965. Seite 151.
(2) Ebd.: Evolution kann nicht ausgeschlossen werden. Rundschreiben von Papst Pius X II, 1950.Seite 3 32.

Die Bibel

Das Alte Testament ist dadurch stark verändert worden, dass die Apokryphen als vollwertige Bücher aufgenommen worden sind. Es handelt sich um sieben Schriften, die nicht zum hebräischen Alten Testament gehört haben. Sie wurden von Hieronimus und Augustin, die beide um das Jahr 400 gelebt haben, in die Septuaginta und in die Vulgata aufgenommen.

Die Apokryphen lehren unter anderem: das Gebet für Verstorbene, das Gebet zu Heiligen, ewiges Heil ist durch gute Werke zu erlangen. Zudem bringen sie die Lehre vom Fegefeuer. Die Apokryphen stehen in den katholischen Bibelausgaben nicht gesondert in einem Anhang, sondern sie sind eingefügt unter die anderen Bücher, als wären sie gleichwertig.

Nun mag mancher fragen: Macht es denn so viel aus, dass die Apokryphen dazu gekommen sind? Louis Vogel, der zunächst katholischer Priester war, schreibt in seinem Buch „Mein Zeugnis“, dass er erst zur klaren Einsicht in den entscheidenden Glaubensfragen gelangen konnte, nachdem er die Bibel in einer
Ausgabe ohne die Apokryphen gelesen hat, denn diese stützen Behauptungen, die der Botschaft des Neuen Testamentes entgegenstehen.

Die Überlieferung

Der Bibel gleichwertig ist die Tradition der Kirche, die sich auf nicht schriftlich festgehalten Worte Jesu und die Auslegung der Väter stützt(1). Diese haben zu den Beschlüssen der Konzilien geführt. So wurde es auf dem Tridentiner Konzil 1545-1563 festgelegt. Quelle der Heilserkenntnis ist die Bibel und die Tradition.
Die Auslegung der Bibel steht allein der Kirche bzw. dem Papst zu.

Eine Prüfung aber ergibt, dass die Tradition sich oft nicht mit den im Neuen Testament überlieferten Worten Jesu deckt. Dann aber gibt die Kirche der Tradition den Vorzug. Dafür zwei Beispiele:

a) Im Jahre1 079 wurde der Zölibat beschlossen, das Verbot der Priesterehe. Die Bibel aber erlaubt geistlichen Führern eindeutig, zu heiraten. Wir lesen von der Schwiegermutter des Petrus; er war also verheiratet. Wenn der Apostel Paulus von den Ältesten der Gemeinde spricht, setzt er voraus, dass sie verheiratet sind und Kinder haben.

In 1. Korinther 9 , 5 schreibt er gar:

„Haben wir etwa nicht das Recht, eine Schwester als Frau mitzunehmen wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und Kephas? „

(1) Ebd.: Tradition: Konzil zu Trient 1546. Seite 87.

Wenn nun die Kirche den Priestern die Ehe verbietet, steht sie eindeutig im Gegensatz zum Willen Gottes, wie wir ihn im Worte Gottes erkennen.

b) Im Jahre 1870 wurde der Papst für unfehlbar in allen Glaubensfragen erklärt. Der Apostel Paulus aber hat nie für sich in Anspruch genommen, unfehlbar zu sein. In schwierigen Fragen hat er sich darauf berufen, die Lösung vom HERRN empfangen zu haben. Sodann lesen wir in Galater 2, 11, dass er Petrus in einer Grundsatzfrage öffentlich widersprach. Nach dem zu urteilen, was wir dort lesen, war Petrus im Unrecht. Und doch behauptet die Römisch-Katholische Kirche, in Glaubensfragen sei der Papst unfehlbar.

Wo also die Tradition, die sich in Konzilsbeschlüssen niederschlägt, im Gegensatz zur Bibel steht, wird allemal der Tradition der Vorrang gegeben. Der Grund ist leicht zu erkennen: Im Gewand der Tradition legt die Römisch-Katholische Kirche das fest, was ihr zur Erreichung ihrer Ziele günstig erscheint. Und da setzt sie sich über die Heilige Schrift hinweg.

Das päpstliche Lehramt

Nur die Kirche ist in der Lage, die Bibel richtig auszulegen(1).Damit macht sie es sich sehr leicht. Sie allein entscheidet, was die Bibel wirklich sagt. Dadurch wird die Heilige Schrift zu einem lnstrument der Kirche, nicht aber zur Grundlage ihrer Erkenntnis und zur Richtschnur für ihr Verhalten. Wenn sie will, beruft sie sich auf die Bibel, wenn nicht, betont sie die Bedeutung der Konzilsbeschlüsse.

Aber das ist noch nicht alles. Auf dem I. Vatikanischen Konzil von 1870 wurde durch das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma so wohl das Schrift- wie das Traditionsprinzip ausgeschaltet. Emil Brunner Schreibt dazu in: „Das Missverständnis der Kirche“: „Was der Papst als Tradition erklärt, ist Tradition. Der Papst hat nicht nur das Recht, sondern er hat auch die Pflicht, jede kritische Rückfrage, die sich auf die Schrift oder auf die Tradition stützt, als unerlaubt niederzuschlagen und den, der dabei beharrt, zu exkommunizieren. („Nach P. H. Uhlman: Die Lehrentscheidungen Roms im Licht der Bibel, Telos 1984)

(1) Ebd.: Das päpstliche Lehramt entscheidet über rechte Auslegung der Bibel. Konzil zu Trient 1546. Seite 93.

Es ist weiter wichtig zu wissen, dass im Jahr 1229 auf dem Konzil zu Valencia die Bibel auf das Verzeichnis der verbotenen Bücher, auf den sogen. Index‘ gesetzt wurde. Die Römisch-Katholische Kirche hat bis in die allerletzte Zeit die Übersetzung der Bibel in die Landessprache bekämpft. Durch die Jahrhunderte wurde der Gottesdienst in der lateinischen Sprache gehalten.

Womit sucht die Römisch-Katholische Kirche dieses Verhalten zu rechtfertigen? Sie behauptet:

1. Das Volk kann die Bibel doch nicht verstehen. Dazu sind nur geschulte Theologen in der Lage. In den Evangelien aber lesen wir, dass der Herr Jesus zur Volksmenge sprach, dass sie manchmal tagelang bei Ihm ausharrten, um Ihn zu hören. Will wirklich jemand behaupten, die 5000 und die 4000 Menschen, die dem HERRN in die Einöde gefolgt waren, wären alle Schriftgelehrte gewesen?

2. Die Römisch-Katholische Kirche sagt weiter, die Einheit der Kirche würde in ähnlicher Weise leiden wie die der Evangelischen Kirche, die ja allein die Bibel zugänglich macht. Diese Gefahr besteht. Es muß aber gesagt werden, dass eine Kirche, die uneingeschränkt auf dem Boden der Bibel steht, durch die Verbreitung der Bibel nur gewinnt.

3. Die Römisch-Katholische Kirche erklärt, durch Verbreitung der Bibel würde der Atheismus gefördert. Das ist eine ungeheuerliche Behauptung. Gottes Wort soll die Gottlosigkeit fördern? Das Gegenteil ist der Fall.

Das Ergebnis von allem ist, dass die Bibel weithin ausgeschaltet wird und die Kirche allein bestimmt. Die Beschlüsse der Konzilien sind wichtiger als das Wort Gottes.

Das Evangelium

Wie steht die Römisch-Katholische Kirche zum Evangelium?

Da stützt sie sich vor allem auf die Sakramente = Gnadenmittel. Diese wirken „ex opera operato“, das heisst: vermöge der ihnen innewohnenden Kraft. Ohne Bedeutung ist die Qualität des Spenders oder der Zustand des Empfängers. Alles Heil wird durch die Sakramente vermittelt. Die Kirche allein bestimmt, was Sakrament ist, und – sie allein verwaltet sie. Dadurch verfügt die Kirche allein über das Heil!! Nur sie vermittelt das ewige Leben.

Dass andere Kirchen oder Gemeinden taufen und das Mahl des HERRN austeilen, trifft die Autorität der Kirche zutiefst. lm Mittelalter hat sie diese Dinge mit Gewalt verhindert.

Was sagt die Bibel zu den Sakramenten? Dieses Wort kommt in der Bibel nicht vor. Wollte man aber von einem Mittel sprechen, das Heil spendet, könnte man das Blut Jesu Christi nennen, denn in 1.Petrus 1, 18,19
heisst es:

Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern mit dem kostbaren Blute Christi als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken“

Auch das Wort Gottes könnte man ein Sakrament, ein Gnadenmittel, nennen, denn es heisst in der Apostelgeschichte 20, 32:

„Und nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade, das die Kraft hat, aufzuerbauen und ein Erbe unter allen Geheiligten zu geben.“

Die Sakramente

Die Römisch-Katholische Kirche aber hat auf dem Konzil zu Trient im Jahre 1545 sieben andere Sakramente festgelegt(1). Beachten wir, wann es geschah und warum. 1517 schlug Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg, 1521 stand er vor dem Reichstag in Worms. Immer mehr breitete die Reformation sich aus. Nach Jahren sah die Römisch-Katholische Kirche sich gezwungen, sich neu zu besinnen und zum Gegenangriff anzutreten. Auf dem Tridentiner Konzil wurden wichtige Entschlüsse gefasst. Mit Blick auf die Sakramente wurde unter anderem folgendes festgelegt:

Canon 1 „Wenn jemand sagt, die Sakramente des neuen Bundes seien nicht alle von Jesus Christus, unserem Herrn, eingesetzt worden; oder es seien deren mehrere oder weniger als sieben, nämlich: die Taufe, die Firmung, das Altarsakrament, die Busse, die letzte Ölung, die Priesterweihe und die Ehe; oder auch: es sei eines von diesen sieben nicht wahrhaft und eigentlich ein Sakrament, der sei im Banne.“ (anathema sit) (Neuner-Roos, Seite 5 06).
(1)Ebd.: Die sieben Sakramente, Konzil zu Trient 1547, Seiten 506 und 509.

Canon 4 „Wenn jemand sagt, die Sakramente des neuen Bundes seien zum Heil nicht notwendig, sondern überflüssig, und es könne der Mensch ohne sie oder ohne das Verlangen nach ihnen, durch den blossen Glauben allein die Gnade der Rechtfertigung von Gott erlangen, der sei im Banne, obwohl zugegeben wird, dass nicht alle jedem einzelnen notwenig sind.“ (Neuner-Roos, Seite 506).

Beachten wir: Das Heil erlangt ein Mensch nur durch die Sakramente. Was Sakrament ist, legt allein die Römisch-Katholische Kirche fest, und sie allein verwaltet die Sakramente. Somit liegt alle geistliche Macht in der Hand der Kirche; dadurch wird ihr Anspruch:

„Kein Heil ausserhalb der Kirche“ gesichert. Hat Jesus Christus die sieben Sakramente, die die Römisch-Katholische Kirche nennt, eingesetzt? Diese Frage müssen wir auf Grund dessen, was wir im Neuen Testament lesen, beantworten.

Einige könnte man Ihm zuschreiben, wenn der HERR sie auch nie in dem Sinne genannt hat, den die Römisch-Katholische Kirche ihnen gibt. Aber ganz sicher hat der Herr Jesus nichts gesagt von der Firmung und der letzten Ölung; und von Ehe und Priesterweihe hat Er nie im Sinne eines Sakramentes gesprochen.

Sehen wir uns die sieben Sakramente näher an:

1. Die Taufe. Gemeint ist selbstverständlich die Kindertaufe. Sie wurde erstmals Ende des zweiten Jahrhunderts vereinzelt geübt. Das heisst, dass die Apostel und ihre Jünger und deren Jünger sie nicht gekannt haben. Aufschlussreich ist auch das Wort in 1.Korinther 7, 14:

„Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt, sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig.“

Bei den Überlegungen über den Stand der Kinder wird die Kindertaufe überhaupt nicht herangezogen. Hätte Paulus sie praktiziert, wäre hier die Gelegenheit gewesen, zu betonen, dass die Kinder schon durch die Taufe geheiligt und errettet seien.

Die Römisch-Katholische Kirche lehrt: Die Kindertaufe ist das Bad der Wiedergeburt und zum Heil notwendig(1). Das Neue Testament sagt etwas ganz anderes. Da lesen wir, dass nur Menschen getauft wurden, nachdem und weil sie Frieden mit Gott gefunden hatten.

(1) Ebd.: Über die Kindertaufe: Konzil zu Trient 1547. Seiten 536 und 543-545.

2. Die Firmung. Sie entspricht in etwa der Konfirmation in der evangelischen Kirche. Sie wird vom Bischof gegeben. Sie vermittelt den Heiligen Geist und ist ein unauslöschliches Siegel. Im Neuen Testament finden wir kein Wort, das auf solch eine Handlung hinweist, noch dazu mit solcher Wirkung.

3. Die Eucharistie. (in etwa gleich dem Abendmahl). Durch sie wird kraft der göttlichen Gewalt, die der geweihte Priester hat, die Gegenwart Christi übernatürliche Wirklichkeit(1). Christus ist in Brot und Wein wahrhaftig, wirklich und wesentlich gegenwärtig(vere, realiter et substantialiter). Brot und Wein werden vom Priester durch die Kraft der Worte, die er spricht (vi verborum), in den Leib und das Blut Christi verwandelt. Transsubstantiation(2)! Die gesamte Substanz wird verwandelt, während die äußere Gestalt von Brot und Wein bleibt. Die Verwandlung geschieht, wenn der Messdiener das Glöcklein läutet!
Im Neuen Testament wird im Zusammenhang mit dem Abendmahl kein einziges Mal von Verwandlung gesprochen. Ich weiß nicht, wie sich dieser unbiblische Ausdruck hat einschleichen können. Offensichtlich musste man, um einen Gedanken einzuführen, der im Worte Gottes nicht zu finden ist, auch einen Ausdruck benutzen, den die Heilige Schrift nicht gebraucht hat.

(1) Ebd.:Über die Eucharistie: Gegenwart Christi. Trient 1551,Seite 571
(2) Ebd.: Transsubstantiation. Trient. Seiten5 72 und 934.

Die Römisch-Katholische Kirche behauptet, dass durch die Eucharistie Gnaden empfangen und Sünden getilgt werden. Sie ist das Unterpfand für die ewige Seligkeit. Sie ist die unblutige Erneuerung und Fortsetzung des blutigen Kreuzestodes Jesu(1). Diesem heiligen Sakrament sind Verehrung, Huldigung und Anbetung zu erweisen, so wie Gott selbst. Die Eucharistie bewirkt Sühnung der Sünden für Lebende und Tote. Die Transsubstantiation wird seit 1215 gelehrt. So wird Jesus Christus in jeder Messe wieder geopfert, durch die Jahrhunderte, an kirchlichen Feiertagen in manchen Orten gar mehrmals an einem Tage, nach der Lehre der Römisch-Katholischen Kirche.

(1) Ebd.: Fortsetzung des Opfers Jesu in der Messe: 2. Vatikanisches Konzil 1967. Seite 622: „Daher ist die Messe, das Herrenmahl, zugleich und unzertrennbar: das Opfer, durch welches das Opfer des Kreuzes fortdauert“. Seite 623: „Im Opfer der Messe wird nämlich der Herr geopfert, wenn er beginnt, sakramental gegenwärtig zu sein.“

In der Bibel aber lesen wir:

„Jesus Christus hat nicht Tag für Tag nötig, wie die Hohenpriester, zuerst für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen, dann für die des Volkes; denn dieses hat er ein für allemal getan, als er sich selbst dargebracht hat“ (Hebräer 7, 27)

„In diesem Willen sind wir geheiligt durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi “ (Hebräer 10, 10).

„Denn mit einem Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht“ (Hebräer 10,14)

Durch die Lehre der Römisch-Katholische Kirche wird das Schwergewicht weg vom Kreuz Jesu in die Kirche verlagert. Nicht das Opfer auf Golgatha wirkt Vergebung der Sünden, sondern seine angebliche Wiederholung, die in der Messe geschieht. So bemüht sich die Kirche, alle an sich zu binden. Jesus Christus aber spricht: „Kommt her zu mir!“

4. Die Beichte. Der Priester kann lässliche Sünden, wenn sie gebeichtet worden sind, vergeben. Voraussetzung sind Reue, Bekenntnis und Genugtuung. Die Kirche unterscheidet zwischen Todsünde = absichtliches Übertreten wichtiger Gesetze. Da folgt nur noch die Höllenstrafe. Lässliche Sünden = Sünden, die unwissend oder unfreiwillig begangen worden sind, oder Verstösse gegen weniger wichtige Gebote. Durch das Buss-Sakrament können nach der Taufe begangene lässliche Sünden und die durch sie verdienten ewigen Strafen erlassen werden. Was sagt die Bibel dazu? Wir lesen zwar im Neuen Testament, dass der Herr Jesus Sünden vergeben ha! aber kein einziges Mal, dass einer der Apostel es getan hat. Die Apostel haben immer darauf hingewiesen, dass wir um Jesu willen, im Glauben an Ihn, Vergebung finden können.
Apostelgeschichte 13, 38,39:

“ So sei euch nun kund, ihr Brüder, dass durch diesen euch Vergebung der Sünden verkündigt wird; und von allem, wovon ihr durch das Gesetz Moses nicht gerechtfertigt werden konntet, wird durch diesen jeder Glaubende gerechtfertigt.“

In der Römisch-Katholischen Kirche erfolgt Vergebung auf Grund des Kirchenschatzes(1). In ihm findet sich das Blut Christi und der unverwesliche, wahrhaft unerschöpfliche, stets neue Wert der Gebete und guten Werke der seligen Jungfrau Maria und der Heiligen. Das besagt die neue Ablass-Regelung des II.Vatikanischen Konzils von 1967. Im Neuen Testament aber können wir vom Kirchenschatz nichts finden, weder das Wort noch den Gedanken.

(1) Ebd.: Kirchenschatz: Jubiläumsbulle Papst Clemens VI., 1343 Seiten 678-679.

5. Letzte Ölung. Durch sie werden lässliche Sünden und die Folgen derselben getilgt. Im Neuen Testament aber lesen wir nichts von einer letzten Ölung Sterbender.

6. Die Priesterweihe. Durch dieses Sakrament wird ein unauflöslicher (indelebilis) Charakter erworben, den auch ein abgesetzter oder ungläubig gewordener Priester nicht verliert(1). Das Neue Testament aber kennt nicht den Unterschied zwischen Laien und Geistlichen, den die Römisch- Katholische Kirche wie auch die Evangelische Kirche, so stark betont.

(1) Ebd.: Priesterweihe ist unauflöslich Konzil zu Trient 1563. Seite 709

7. Die Ehe. Die Ehe ist unauflöslich, nur der Tod endet sie. Das entspricht durch aus den Gedanken der Bibel. Aber eine Ehe wird nur anerkannt wenn sie vor einem Priester der Römisch-Katholischen Kirche geschlossen wurde. Die Ehe vor dem Standesamt hat für die Römisch-Katholische Kirche keine Bedeutung. Die nur vor dem Standesamt geschlossenen Ehen sind alle wilde Ehen, und die Kinder solcher Eheleute gelten als unehelich geboren. Nach der gerichtlichen Scheidung einer nur vor dem Standesamt geschlossenen Ehe steht daher einer Eheschließung mit einem anderen Partner durch die Römisch-Katholische Kirche nichts im Wege.

Vergebung der Sünden, ewiges Leben erlangt ein Mensch also durch die Sakramente. Die Bibel aber sagt:

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sonder ewiges Leben habe“ (Johannes 3, 16).

Der Zölibat, das Verbot der Priesterehe, wurde 1079 gegen den starken Widerstand der Priesterschaft eingeführt. Das heisst also: Die Ehe, wie die Bibel sie vorsieht, ist dem Priester verboten. Das Konkubinat aber, das Zusammen-leben ohne Trauschein, wie es im Laufe der Jahre immer wieder vorgekommen ist, wird, wie die Geschichte gezeigt hat, von der Römisch-Katholischen Kirche geduldet.

Aus dem bekannten Werk“ Die Geschichte der Päpste“ von Theod. v. Ranke, ersieht man, dass die Konzilsbeschlüssen nicht aus der Kenntnis des mündlich überlieferten Willens Jesu gefasst wurden, denn der hätte ja schon so früh bekannt sein müssen wie der schriftlich festgehaltene auch, sondern nach langen Überlegungen und Verhandlungen, ähnlich wie auch die Politiker ihre Beschlüsse fassen.

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Der Papst

1870 wurde die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubensfragen verkündet(1). Bis zumJahre1 958 hat es 260 Päpste gegeben. Johannes XXIII war dieser 260. Geht man von einer Zeit von 1900 Jahren aus, hat die durchschnittliche Regierungszeit eines Papstes 1900: 260 = 7,3 Jahre betragen. Neben den rechtmäßigen hat es in dieser Zeit 36 Gegenpäpste gegeben, also auf 7,2 rechtmässige einen illegalen.

Der Papst soll der Stellvertreter Jesu Christi auf Erden sein. Gibt es eine biblische Begründung für diesen Titel? Petrus hat sich den Mitältesten und den Herrn Jesus den Erzhirten genannt(1. Petrus5, 1.4).

(1) Ebd.: Unfehlbarkeit des Papstes: Vatikanisches Konzil 1870 Seite 454.

In 2. Petrus 1, 1 nennt er sich Knecht und Apostel Jesu Christi. Knecht sollte nach Angabe vieler Übersetzer besser mit Sklave wiedergegeben werden. Der Stellvertreter Jesu Christi auf Erden ist der Heilige Geist.

„Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen“ (Johannes1 6, 13.14).

Dem Papst wird bei seiner Krönung zugerufen: Wisse, dass du bist der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises, der Stellvertreter unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus auf Erden.“ Aber auch: „Sic transit gloria mundis“ (So vergeht der Glanz dieser Welt).

Der Papst lässt sich mit „Heiliger Vater“ anreden. In Matthäus 23, 9 lesen wir aber Jesu Aufforderung an Seine Jünger: „Ihr sollt auch nicht jemand auf der Erde euren Vater nennen, denn einer ist euer Vater, der in den Himmeln ist. Lasst euch auch nicht Meister nennen“.

Nur Gott ist der Vater der Jünger Jesu. Die Anrede „Heiliger Vater“ ist also eine unerhörte Anmassung.

Der Herr Jesus wollte nicht einmal mit „guter Lehrer“ angeredet werden. „Was heisset ihr mich gut? Niemand ist gut, als nur einer, Gott!“, war Seine Erwiderung.

Petrus liess nicht zu, das jemand vor ihm niederfiel, sein angeblicher Nachfolger aber fordert das immerzu.

 

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Marienverehrung

Der Name“ Muttergottes“(1) ist eine Beleidigung Gottes. Gott ist der einzige, dessen Existenz auf niemanden zurückzuführen ist, der von Ewigkeit her gewesen ist. Jetzt von einer Mutter Gottes zu sprechen, ist eine Lästerung. Das Neue Testament gibt nicht die geringste Veranlassung, Maria die Mutter Gottes zu nennen, sie anzubeten oder ihre Vermittlung zu erbitten. Am Kreuz hat der Herr Jesus eindeutig und endgültig von ihr als Seiner Mutter Abschied genommen, als Er sie der Obhut des Johannes übergab.

(1)Ebd.: Maria Mutter Gottes: 2. Vatikanisches Konzil 1964. Seiten 491 und 495.

„Als nun Jesus die Mutter sah und den Jünger, den er liebte, dabeistehen, spricht er zu seiner Mutter:
Frau, siehe, dein Sohn! Dann spricht er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich“
(Johannes 19,26).

Von Maria wird nur in den Evangelien berichtet und einmal in der Apostelgeschichte. In allen Briefen kommt ihr Name nicht mehr vor, nicht einmal in Galater 4, 4, wo Paulus schreibt:

„Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau.“

Warum schreibt Paulus: „geboren von einer Frau“? Warum nicht: „Geboren von der Jungfrau Maria“?
Paulus hat immer alles getan, was in seiner Macht stand, um Menschen den Weg zum Heil zu zeigen, aber Maria hat er kein einziges Mal erwähnt. Er hat immer Christus gepredigt, aber nicht Maria. Erst seit dem vierten Jahrhundert nimmt Maria unter den Heiligen eine Sonderstellung ein.

Heilsgewissheit

„Verflucht sind diejenigen, die da sagen, sie seien ihres Heils gewiss!“ Dieser Beschluss ist auf dem Konzil zu Trient 1547 gefasst worden(1). Auf dem II. Vatikanischen Konzil 1962 wurde er bekräftigt. Auf Grund dieser Erklärung kommt man dann allerdings zu einer erstaunlichen und für die Römisch-Katholische Kirche sehr unangenehmen Feststellung: Nach ihren eigenen Worten gibt es kein Heil ausserhalb aber Kirche, aber, seit dem Konzil zu Trient, auch kein Heil durch die Kirche. Denn: niemand kann seines Heils gewiss sein, auch kein Katholik. Die Römisch-Katholische Kirche kennt den Weg zum Heil also nicht, sie vermutet ihn nur.

Tun wir jetzt einen ganz kurzen Blick in die Geschichte der Römisch-Katholische Kirche. Schon sehr früh erlangte der Bischof von Rom eine Vorrangstellung vor den anderen Bischöfen. In der Zeit von 250-600 folgte dann die Entwicklung zur römischen Reichskirche. Theodosius d. Gr. Ernannte um 381 das Christentum zur Staatsreligion. Aber die Führer der Kirche verfolgten höhere Ziele. 1073 wurde Hildebrand Papst mit dem Namen Gregor VII. Sein Ziel war die unumschränkte Herrschaft des Papstes in der Kirche und im weltlichen Bereich. Papsttum und Kaisertum sollten sich zueinander verhalten wie die Sonne zum Mond. Das entspricht ganz und gar nicht den Gedanken Gottes. Jesus Christus wird einmal der absolute Herr sein, aber in der jetzigen Zeit gilt noch Sein Wort: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

(1) Ebd.: Heilsgewissheit: Konzil zu Trient 1547. Seite 833

Die Inquisition

Wir müssen jetzt eines der traurigsten Kapitel dieser Kirche nennen: die Inquisition. Papst Gregor IX. machte 1232 die Dominikaner zu päpstlichen Inquisitoren. Es war nun ihre Aufgabe, Ketzer zu finden, zu bestrafen und wenn nötig, auszurotten. Dies sollte allgemein durch Verbrennen geschehen. Die Dominikaner hatten sich an bestimmte Verfahren zu halten. So wurde dem Reuigen das Leben geschenkt, doch schwere Bussen wie Geisselung, Gefängnis und Geldstrafen auferlegt. Jeder Rückfüllige wie auch diejenigen, die den Widerruf verweigerten, wurden der weltlichen Obrigkeit zur Bestrafung übergeben. Die Kirche sprach nur das Urteil, die Vollstreckung überliess sie den irdischen Regierungen. Sie wollte ja niemandem wehetun. Die öffentliche und feierliche Vollstreckung der durch die Inquisition verhängten Strafen wurde Autodafe genannt.
Nach dem „Wörterbuch der Religionen“, Goldmanns GelbeTaschenbücher, wurden in Spanien über 34.000 Menschen hingerichtet und beinahe 300.000 zu Kerker oder zu den Galeeren verurteilt. Die letzten Ketzerverbrennungen fanden im Jahre 1781 statt. Die höchste Strafe war die Verbrennung; ihr ging entweder zur Milderung die Erdrosselung voraus oder zur Verschärfung in Spanien eine Versengung mit Stroh. Die Reformatoren hielten an der Verfolgung der Häretiker und an der Todesstrafe für sie fest. Erst die Toleranzidee der Aufklärung machte der Inquisition ein Ende, wenn auch das während der Albigenserkriege entstandene päpstliche Sanctum Officium (Heiliges Amt) als eine der päpstlichen Kongregationen, die Suprema Sacra Congregazione des Sant‘ Officio, bis heute fortbesteht. Der bekannte katholische Kirchenlehrer Thomas von Aquin hat gefordert: „Häretiker dürfen nicht allein exkommuniziert, sondern müssen auch mit Recht getötet werden“. Seine Lehre fand mehr Gehör als die Botschaft Jesu Christi, der den Vorschlag Seiner Jünger, Feuer vom Himmel fallen zu lassen, um eine Ortschaft zu vernichten, entschieden ablehnte.

Mit der Geschichte der Kirche sind die schrecklichen Begriffe Scheiterhaufen, Hexenverbrennungen, Inquisition, Bartholomäusnacht, Religionskriege und andere verbunden. Mehr Menschen haben ihr Leben lassen müssen bei den Verfolgungen durch die Kirchen, als unter den römischen Kaisern. Auch die Protestanten haben Menschen auf die Scheiterhaufen geschleppt, meist wegen der Glaubenstaufe. Aber es muss auch gesagt werden, dass im Mittelalter weit mehr Christen lebten, als zur Zeit der römischen Kaiser, wodurch die Zahl der Verfolgten in einem anderen Licht erscheint.

War der Geist des Mittelalters schuld an diesen schrecklichen Verbrechen? Ich denke nicht, denn die im 20. Jahrhundert verübten Gräuel stehen denen der Inquisition nicht nach. Erschütternd ist nur, dass die Kirche sich bei ihren Verbrechen auf Gott berief und sie auch heute noch nicht als Verbrechen bezeichnet, sonder zu ihnen steht. Darum müssen wir, wenn die Verhältnisse es erlauben und die Ziele es geraten sein lassen, mit einer Wiederholung rechnen.

Quellenhinweis( Zitate in den Fussnoten):

Josef Neuner und Heinrich Roos: Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung.
Überarbeitet von K. Rahner

Wörterbuch der Religionen
Goldmanns Gelbe Taschenbücher

Louis Vogel: Mein Zeugnis, Schriftenmission der Freien Evang. Gemeinde Zürich

Wolfgang Bühne: Ich bin auch katholisch,
CLV-Bielefeld

Theod. von Ranke:
Die Geschichte der Päpste,
Schrift v. Dr. W. Th. Cleve: Das Papsttum

Weitere Bücher zum Thema:

Helmut Mehringer: Meine Suche nach Wahrheit,
Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 1992

Peter de Rosa: Gottes erster Diener,
Th. Knaur Nachf., München, 1991

M. De Semlyen: Alle Wege führen nach Rom,
Christliche Literaturverbreitung Bielefeld, 1993

W. J. J. Glashouwer: So entstand die Bibel,
Verlag und Schriftenmission der ev. Gesellschaft Wuppertal, 1987

W. J. J. Glashouwer: So entstand das Christentum,
Verlag und Schriftenmission der ev. Gesellschaft Wuppertal, 1986

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Thema: Katholisches

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2 Kommentare

  1. […] dass er Gott bindet an ein paternales Amt mit Anspruch auf Gottähnlichkeit und ausgestattet mit Unfehlbarkeit in allen Fragen, die menschlich relevant sind. … Ein Petrusamt? Mitnichten. Als Jesus … das Wunder des […]

  2. […] H.Neff sieht die Gefahr, dass hier missioniert werden könnte und sieht das als empfindlichen Übergriff – einen Eingriff in ihren Glauben und in ihre Kultur. Dabei hat er möglicherweise absichtlich übersehen, dass gerade „Geschenke der Hoffnung“ besonderes darauf achtet und die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter gewissenhaft schult, um Menschen mit anderen ethischen Hintergrund mit großem Respekt und kultureller Sensibilität zu begegnen. […]

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