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123. Unser ICH ist das Problem

Dienstag, 22. Juni 2010 | Autor:

Hände_web_R_by_Helene Souza_pixelio.de

 

Ein Junge, der in Berlin unterwegs war, fragte eine vornehme Dame nach dem Weg. Sie betrachtete sich den Lauser und meinte dann: „Hör mal, Junge, wenn Du mich etwas fragst, dann nimm erstmal die Hände aus der Tasche, die Mütze vom Kopf, putze Dir die Nase, verbeuge Dich und dann frage höflich: ‚Gnädige Frau, könnten Sie mir bitte den Weg zeigen!'“ Darauf erwiderte der Junge:
„Det ist mir zu ville, da verloof Ick mir lieber!“

 

Ich denke, diese kleine Episode charakterisiert auch unser Verhältnis zu Gott: Wir meinen oft, Gott sei unser Automat, müsse auf Knopfdruck tun, was wir wollen. Aber so einfach geht das nicht: Wer mit Gott ins Gespräch kommen will, muss sich darauf vorbereiten, muss sich für Gott öffnen, der uns seine Frohe Botschaft ja nicht einprügeln will. Gott gibt uns die Kraft, die wir zum Leben brauchen, aber wir müssen darum bitten, müssen erst innerlich reif dafür werden. Die tägliche Lesung in der Heiligen Schrift, das ehrliche Gebet können uns helfen, frei für Gott zu werden. Solange wir um das eigene Ich kreisen, wir uns von unseren Sorgen und Wünschen, von unseren Aggressionen und Vorurteilen lenken lassen, solange wir meinen, unbedingt unsern Willen durchsetzen zu sollen, solange bleibt Gott stumm.

Was sollte er auch sagen? Wir würden ihn weder verstehen wollen noch können. Vielleicht dauert es Jahre und Jahrzehnte, bis Gottes Heiliger Geist die Mauern unseres Herzens durchbrochen hat und mancher bleibt in seinem Misstrauen, seinem Trotz, seinem Selbstmitleid, seiner Dumpfheit zeitlebens stecken. Wer sich nicht helfen lässt, dem ist nicht zu helfen.

Pfr. Dr. Christian Fuchs

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Thema: Christliche Seite

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