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603. Die Kosten der Nachfolge

Donnerstag, 28. September 2017 | Autor:

Arche Gemeinde Hamburg

Liebe Blogbesucher,

als ich den Artikel von Pastor Christian Wegert las wurde mir richtig bewußt, dass sich jeder bekennende Christ in unserer Gesellschaft genau in dieser Situation befindet. Noch in keiner Zeit des Christentums gab es mehr verfolgte und getötete Christen als im Jahr 2017. In unserer so aufgeklärten und liberalen Gesellschaft wird der Glaube immer als Privatangelegenheit heraus gestrichen(übrigens in der Bibel liest man davon nichts). Sobald sich aber jemand öffentlich zu seinem Glauben an Jesus Christus bekennt, ist es aus mit der sogenannten Toleranz in der Familie und besonders in der Gesellschaft. Da wird man verunglimpft, verlästert, ausgeschlossen, geächtet und diffarmiert.

Dann ist es plötzlich keine Privatangelegenheit mehr?

Ich bedanke mich bei der Leitung der Arche Gemeinde Hamburg für die Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Artikels.

Kürzlich sprach Pastor Christian Wegert in der Arche-Gemeinde zu dem Thema „Die Kosten der Nachfolge“. Der ganze Textabschnitt dazu steht in Lukas 14, 25-33. Mögen diese aufrüttelnden Worte Jesu auch unser Herz erfassen.

Der Schlüsselvers lautet:

„Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein. 27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, der kann nicht mein Jünger sein“ (V. 26-27).

In diesem Bibelabschnitt gebraucht Jesus dreimal den Ausdruck „der kann nicht mein Jünger sein“. Ein Jünger kann demnach nicht sein, wer seine Familie nicht hasst (V. 26), wer sein Kreuz nicht trägt (V. 27) und wer seinen Besitz nicht aufgibt (V. 33). Wir wollen die Schärfe dieser Worte absolut nicht relativieren – dennoch ist klar, dass unser Herr mit dieser Ausdrucksweise überspitzt klarmacht, worauf es Ihm ankommt. Denn Er sagt ja an einer anderen Stelle, dass wir Vater und Mutter ehren sollen (Matthäus 15,4). Und Paulus lehrt, dass Ehemänner ihre Ehefrauen so lieben sollen, wie Christus die Gemeinde liebt. Wenn Jesus hier trotzdem gegenteilig formuliert, dann deswegen, weil es Ihm um die Motivation unseres Herzens geht.

 

Ein großes Missverständnis vermeiden

 

Bei der Betrachtung dieses herausfordernden Textes dürfen wir niemals die Grundlage des Evangeliums vergessen. Denn in ihm sehen wir, dass Jesus alles, was zu unserem Heil notwendig ist, für uns erworben hat, sodass uns die Errettung ganz aus Gnaden und völlig umsonst geschenkt ist.

Wie werde ich also ein Jünger Jesu? Nicht, indem ich versuche, meine Erlösung zu bezahlen. Deshalb schreibt der Apostel Paulus: „Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, 9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme“ (Epheser 2,8-9). Und außerdem hat niemand die Mittel bzw. die Möglichkeit, seine Erlösung zu bezahlen. Unsere Konten vor Gott sind hoffnungslos im Minus, und es gibt keine Bank, die uns einen angemessenen Kredit gewähren könnte. Wir können unsere Erlösung nicht bezahlen – auch nicht, indem wir unsere Eltern hassen, unser Kreuz tragen und unseren irdischen Besitz aufgeben. All das reicht lange nicht aus.

 

Durch Glauben allein

 

Es gibt also keine Bedingungen, durch die man ein Nachfolger Jesu werden könnte, als nur durch Glauben. Deshalb sagt Jesus: „Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben“ (Johannes 3,36).

In unserem Predigtabschnitt sagt unser Herr uns demnach nicht, wie wir ein Jünger bzw. ein Christ werden können. Wenn das der Fall wäre, dann gäbe es keine Christen. Es geht hier vielmehr darum, was einen Jünger auszeichnet und woran wir erkennen, ob wir wirklich Jünger sind. Diese Worte Jesu machen deutlich, dass in der Folge der Errettung etwas von uns gefordert wird, dass Nachfolge einen Preis hat. Jesus zeigt uns, wie sich unser Heil auf unser Leben auswirkt und was eine wahre Jüngerschaft für unser Leben mit sich bringt.

 

Klartext statt Umschweife

 

Unser Herr macht mit diesen Worten aber noch mehr deutlich, denn Er zeigt klar und ohne Umschweife, was einen Nachfolger erwartet. Er ist kein Bauernfänger, der uns das Blaue vom Himmel verspricht. Er verbirgt nicht vor uns, wie hoch die Kosten der Nachfolge sind, sondern Er redet Klartext. Er ist ganz anders als viele Scharlatane, die ihre Nachfolger mit einer Lockvogeltaktik gewinnen wollen. Er sagt uns gleich zu Beginn ohne Umschweife, was uns erwartet. Er weiß nämlich um die Gefahr eines Namenschristentums.

Jesus erinnert uns also an das Wesen eines Jüngers, sodass wir unsere Herzen prüfen können, ob wir tatsächlich in den Wegen des Herrn wandeln.

 

Schauen wir uns nun diese drei Zeichen der Nachfolge an:

 

I.DEM JÜNGER IST JESUS AM WICHTIGSTEN

 

Erstens sagt unser Herr: „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, seine Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein“ (Lukas 14,26). Das ist in der Tat eine sehr markante Aussage!

Das sagt Jesus uns aber nicht, weil Er möchte, dass die Beziehungen von Christen zu ihren Familienangehörigen schlecht sein sollen, sondern Er will damit ausdrücken, dass unsere Beziehung zu Ihm jede andere weit übersteigen muss. Es soll kein Verhältnis zu einem anderen noch so geliebten Menschen geben, das inniger ist als das Verhältnis zu Ihm.

Unsere Hingabe an Ihn soll nicht durch unsere Verantwortung anderen gegenüber eingeschränkt werden – auch, wenn es sich dabei um unseren Ehepartner oder unsere Eltern oder Kinder handelt. Wir sind zu vollkommener und absoluter Treue zu unserem Herrn berufen!

Wenn Jesus also sagt: „Du kannst deine Familie nicht lieben und gleichzeitig mein Jünger sein“, dann bedeutet das: „Du kannst deine Familie nicht mehr lieben als mich und gleichzeitig mein Jünger sein.“ Um es positiv auszudrücken: Du musst deinen Herrn mehr lieben als jeden anderen sonst. Er muss dir wichtiger sein als dein Baby und in deinem Herzen den Platz noch vor deiner Braut oder deinem Mann einnehmen.

 

Widerstand in der eigenen Familie

 

Einige von uns wissen, was das bedeutet. Sie leben in Familien, die mit Jesus nichts zu tun haben wollen. Sie werden bei Familienfesten schief angesehen und als religiöse Spinner abgestempelt. Manche stehen tagtäglich in einem heftigen Kampf, weil der Ehepartner sein Leben ohne Gott führt. Und auch deine Eltern haben sich von dir entfernt, weil du glaubst.

Pastor J. C. Ryle hat in seinem Kommentar zu dieser Textstelle geschrieben: „Die Erfahrung sowohl in der Gemeinde als auch in der Familie und auf dem Missionsfeld zeigt, dass der größte Feind der Seele eines Menschen oft aus der eigenen Verwandtschaft stammt. … Ungläubige Väter können es nicht ertragen, dass ihre Söhne von Gott sprechen. Weltliche Mütter ärgern sich, dass ihre Töchter die Heiterkeit der Welt ablehnen. Ein Zusammenprall zweier Welten findet dann statt, wenn die Gnade Gottes in das Herz eines Familienmitglieds Einzug hält. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ein wahrer Christ sich an diese Worte Jesu erinnert und bereit ist, seiner Familie entgegenzutreten, statt sich gegen Jesus zu wenden.“(1)

(1) Ryle, J. C. (1879). Expository Thoughts on Luke (Bd. 2). New York: Robert Carter & Brothers.

 

Jesus spricht in unserem Textabschnitt also darüber, dass Er sogar vor der Familie Vorrang hat. Dies bezieht sich natürlich nicht nur auf solche Konstellationen, in denen die Verwandten gegen Gott eingestellt sind. Es betrifft auch unsere Familien, die mit uns glauben und die wir oft mehr lieben als unseren Herrn. Denn manch ein Kind wird vergöttert und mancher Ehepartner angebetet. Du liegst in so mancher Nacht schlaflos und grübelnd im Bett, weil dir die Liebe zu deiner Familie und damit die Sorgen um sie wichtiger geworden sind als Jesus. Deshalb sagt Er auch zu dir: „Meine Jünger lieben mich mehr als jeden anderen.“

 

II.DER JÜNGER TRÄGT SEIN KREUZ

 

Zweitens sagt Jesus in Vers 27: „Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, der kann nicht mein Jünger sein.“

Unser Herr macht mit diesen Worten klar, dass Er uns so wertvoll sein muss, dass wir bereit sind, alles andere für Ihn aufzugeben und zu ertragen. Die Nachfolge ist nicht nur süß und schön. Sie ist kein Spaziergang bei Sonnenuntergang am Strand. Jesus lädt uns nicht zu einer Kreuzfahrt ein, sondern in den Kampf. Wenn wir Ihm folgen, dann wird es uns etwas kosten.

 

Krieg im Herzen

 

Das geht schon mit dem inneren Kampf gegen die Sünde los. In dem Moment, in dem wir in die Nachfolge Jesu treten, beginnt in uns ein Kampf zwischen dem alten und dem neuen Menschen. Zuvor gab es einen solchen Kampf nicht. Damals sind wir einfach unseren Begierden gefolgt. Als aber Christus in unser Herz einzog, bekamen wir eine neue Natur, die Gottes Willen gehorsam sein will. Aber die alte Natur ist auch noch da, die gegen die neue ankämpft.

Diesen Kampf beschreibt Paulus in Römer 7, 22-23: „Ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen; 23 ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“

Ein Nachfolger Jesu hat also einen Krieg in seinem Herzen. Dieses Kampfes ist er sich bewusst. Deshalb fordert Paulus alle Jünger Jesu auf: „Lasst uns anständig wandeln wie am Tag, nicht in Schlemmereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid; 14 sondern zieht den Herrn Jesus Christus an und pflegt das Fleisch nicht bis zur Erregung von Begierden!“ (Römer 13,13-14). Das Kreuz zu tragen heißt also, einen Kampf des Glaubens zu kämpfen.

 

Überschlage die Kosten der Nachfolge

 

Das Kreuz tragen kann auch bedeuten, Freunde zu verlieren. Die aufrichtige Nachfolge führt nicht selten zur Trennung von weltlich gesinnten Freunden. Deshalb ist meine Frage an dich: Wirst du deinen Herrn höher achten als deine Freunde? Oder willst du deine Freunde um jeden Preis behalten, dafür aber die Treue zu Christus aufgeben?

 

Noch einmal Pastor J. C. Ryle: „Lasst uns niemals vergessen, dass echtes Christsein etwas kostet. Als Namenschrist zur Kirche zu gehen ist einfach und billig. Aber die Stimme Christi hören, ihm folgen, ihm glauben und ihn bekennen erfordert Selbstaufgabe. Es wird uns unsere Sünden kosten, unsere Selbstgerechtigkeit, unsere Bequemlichkeit und unsere Weltlichkeit. All das muss aufgegeben werden. Wir müssen gegen einen Feind kämpfen, der mit 20.000 Mann gegen uns gerichtet ist. Wir müssen einen Turm in schweren Zeiten bauen. Unser Herr Jesus Christus möchte, dass wir das durch und durch verstehen und die Kosten überschlagen.“(2)

(2) Ryle, J. C. (1879). Expository Thoughts on Luke (Bd. 2). New York: Robert Carter & Brothers.

 

Genau diese beiden Illustrationen benutzt Jesus in Lukas 14. Da ist jemand, der einen Turm baut, ihn aber nicht beenden kann, weil die Kosten zu hoch sind. Solche Bauwerke gibt es überall auf der Welt. Man beginnt und kommt nicht zum Ende, weil die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind. Das andere Bild ist das des Krieges. Welcher König geht mit 10.000 Mann in einen Krieg gegen eine Armee mit 20.000 Soldaten? Ein solcher König wäre töricht, weil er die Kosten nicht überschlagen hat und gegen seine Feinde chancenlos ist. Die Botschaft lautet also: „Überschlage die Kosten der Nachfolge!“ Warum sagt Jesus das? Will Er uns davon abhalten, ein Christ zu werden? Nein, Er will damit nicht das Tor enger machen, als es sowieso schon ist. Er will uns nicht entmutigen, im Glauben zu Ihm zu kommen. Aber Er sagt es uns, weil Er absolut ehrlich ist. Er will, dass wir verstehen, was es wirklich bedeutet, Sein Jünger zu sein. Er will Seine Nachfolger davon abhalten, Ihm nur oberflächlich zu folgen, denn nichts schadet dem christlichen Glauben mehr als Namenschristen. Es ist eine Warnung und Gelegenheit zugleich, damit wir uns prüfen.

 

III.DER JÜNGER HÄNGT NICHT AM BESITZ

 

Dann sagt Jesus noch etwas: „So kann auch keiner von euch mein Jünger sein, der nicht allem entsagt, was er hat“ (V. 33). Hier spricht Jesus unseren Besitz an, der so schnell in unseren Gedanken und Herzen den ersten Platz einnehmen kann. Bedeuten diese Worte, dass ein wahrer Christ keinen eigenen Besitz haben darf? Nein, sondern Jesus will auch mit dieser Forderung sagen, dass Er in unserem Herzen an erster Stelle stehen will.

Wir müssen bereit sein, für Ihn alles zu geben. Materialismus soll uns nicht beherrschen, sondern allein der Herr Jesus. Unser Besitz und Eigentum muss sich Seinen Absichten in unserem Leben unterstellen. Wir sollen uns von unserem Besitz nicht in die Irre führen lassen. Er gaukelt uns vor, Geld mache uns glücklich und gebe Sicherheit. Aber tut es das wirklich?

Am 26. November 1922 schrieb Howard Carter Archäologie-Geschichte: Er entdeckte im Tal der Könige in Ägypten das Grab Tutanchamuns. Dieser Fund war außergewöhnlich, denn im Grab fand man noch die meisten Schätze, die beim Tod des Pharaos mit hineingelegt worden waren. Es war voll wertvoller Güter, vergoldeter Figuren, Streitwagen und Throne – alles, was ein König im „Leben nach dem Tod“ benötigt. Aber Tutanchamun war ein Narr. Er glaubte, er könne alles behalten, was ihm wichtig war. Dabei hatte er die Grabkammer längst verlassen, seinen Besitz konnte er aber nicht mitnehmen.

Der reiche Kornbauer, von dem Jesus in Lukas 12 berichtet, hing auch an seinem Besitz. Als seine Felder ihm eine reiche Ernte bescherten, riss er seine Scheunen ab und ließ neue, größere bauen, um seine Güter zu sichern. Er sagte zu sich: „Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und sei guten Mutes!“ (V. 19). Aber Gott sprach zu ihm: „Du Narr! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird gehören, was du bereitet hast?“ Unser irdischer Besitz macht uns nicht glücklich. Jesus sagt über den reichen Kornbauern: „So geht es dem, der für sich selbst Schätze sammelt und nicht reich ist für Gott!“ (V. 21).

 

Der wahre Reichtum

 

Wie können wir der Gefahr, unser Herz an Besitz zu hängen, begegnen? Ich rate dir: Denke an den wahren Reichtum! Paulus schreibt: „Ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, obwohl er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet“ (2. Korinther 8,9).

Wer wahren Reichtum mit Materialismus gleichsetzt, ist immer arm dran. Denn da ist immer jemand, der mehr hat. Wenn wir aber unseren Reichtum nicht an unserem Besitz messen, sondern an dem, was Jesus Christus am Kreuz für uns getan hat, dann haben wir echten Reichtum. Er hat nämlich den Zorn Gottes befriedigt, für unsere Sünden gesühnt und unsere Seelen erlöst! Seine Gnade veranlasste Jesus, arm zu werden, sodass wir reich werden. Wenn dieses Evangelium in unseren Herzen groß wird, werden Neid und Eifersucht dort keinen Platz haben.

Jesus sagt zu uns: „Gib mir alles. Du sollst mich mehr lieben als deine Familie, du sollst bereit sein, in den Kampf zu ziehen, die Kosten überschlagen und wahren Reichtum in mir finden.“ Jesus ist König, Er ist der Sohn Gottes, Er ist hoch erhaben und unser Herr und Heiland, und es lohnt, Ihm von ganzem Herzen nachzufolgen. Amen.

 

Christian Wegert

www.arche-gemeinde.de

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Thema: Nachgedacht

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