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589. Gebet für Europa

Montag, 8. Mai 2017 | Autor:

Europa_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de

Liebe Blog Besucher,

jeder von Ihnen der die EU Politik in den letzten Jahren einwenig verfolgt hat wird sich bei vielen Entscheidungen doch sehr gewundert haben. Mich hat besonders eine Entscheidung dieser Politiker in Brüssel traurig und besorgt gemacht, nämlich, die Nicht – Einbeziehung des Gottesbezuges in die Präambel der Verfassung. Leider sind solche Entscheidungen für viele Europäer kein Grund mehr ihre Stimme zu erheben. Aber der Herr aller Herren, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs sitzt im Regiment und ER regiert. Sie können es vielleicht als Zufall betrachten – ich tue es nicht – , dass fast genau 12 Jahre nach der Nicht – Einbeziehung des Gottesbezuges, nämlich am 23.06.2016 das Votum der Briten pro Brexit erfolgte. Die Zahl 12 hat in der Bibel eine heraus ragende Bedeutung. Jeder kann sich da selbst einmal schlau machen.

Wenn man weiß, dass seit vielen Jahren tausende Christen in Deutschland und Europa für gute und von Gott geführte Entscheidungen beten, dann kann man im Rückblick über manche Ereignisse nur staunen und Gott dafür danken.

Aus diesen genannten Hintergründen heraus ist das Gebet für Europa, das Ortwin Schweitzer verfasst hat, entstanden. Ich bedanke mich bei den Verantwortlichen des Wächterrufs für Deutschland, dass ich dieses Gebet hier veröffentlichen darf.

 

 

Vater im Himmel,

Du bist ein großer und heiliger Gott! Du bist es wert, dass man Dich ehrt!

Du hältst diese Welt und die Geschicke der Völker in Deinen Händen.

Du hast sie aus Deiner Liebe durch Dein schöpferisches Wort ins Dasein gerufen und lenkst ihre Wege.

So lenkst Du auch die Nationen Europas und führst alles zum Ziel. Du vollendest diese Welt nach Deinem wunderbaren Plan.

Wir beten Dich an, heiliger Gott. „Denn von Dir und durch Dich und zu Dir hin sind alle Dinge. Dir sei die Ehre in Ewigkeit“ (Röm 11,36).

 

Vater im Himmel,

wir danken Dir für alles, was Du unserem Kontinent, sowie unserem Volk, unseren Familien und Deiner Kirche geschenkt hast.

Wir danken Dir für unsere Nachbarvölker.

Wir danken Dir für die Menschen, die uns das Evangelium gebracht und uns Jüngerschaft gelehrt haben.

Wir danken Dir für die Erweckungen in Europa in vergangenen Zeiten.

Wir danken Dir auch, dass Du uns nach dem 2. Weltkrieg Jahrzehnte des Waffenstillstandes geschenkt hast, dass wir im Westen und nach dem Fall der Mauer auch im Osten in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben durften.

Wir danken Dir für die demokratische Grundordnung und die Rechtsstaatlichkeit in unseren Ländern, für Wissenschaft, Kultur und Sozialwesen und für die Schönheit unserer Länder und Städte. Für all das danken wir Dir von Herzen, denn Du sagst: „Wer Dank opfert, der preiset mich und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes“ (Psalm 50,23).

 

Vater im Himmel,

weil Du die Menschen unseres Kontinents liebst, bitten wir Dich, dass die Länder Europas von Deinem Geist neu erweckt werden.

Wir bitten Dich um eine geistgewirkte Erneuerung Deiner Kirche. Hilf ihr, Heimat zu werden für die vielen, denn wir haben Deine Verheißung gehört, dass Du Millionen berühren und verwandeln willst.

Darum bitten wir Dich, dass sich Deine Königsherrschaft ausbreitet: in allen Regierungen Europas und in den Institutionen der EU, in Wirtschaft und Finanzwelt, auch in allen Bereichen der Gesellschaft auf nationaler und europäischer Ebene, damit „Dein Reich komme und Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden“ (Matthäus 6,10).

 

Vater im Himmel,

wir haben als Christen versagt, für die europäischen Völker und den Prozess ihres Zusammenwachsens einzutreten.

Wir haben jahrzehntelang die Politiker unbegleitet gelassen und keine Verantwortung im Gebet übernommen. Vater, vergib uns !

Wir beugen uns nun aber auch stellvertretend vor Dir unter die Sünden unserer Volksvertreter in den EU-Institutionen, die Dich nicht in Deiner Herrschaft anerkennen wollten und die den Gottesbezug nicht in die Präambel der Europäischen Verfassung aufgenommen haben. Dies tut uns von ganzem Herzen leid.

Wir bekennen vor Dir als Vertreter der Völker Europas den Mangel an Gottesfurcht, Ausbeutungen aller Art, sexuellen Libertinismus, millionenfache Abtreibungen, Korruption, Menschenhandel und viel Fremdenhass.

Wenn Du darum die Völker Europas jetzt wegen ihren Sünden richtest, wenn gesellschaftliche Unruhen, Anschläge, finanzielle Zusammenbrüche, Seuchen und Naturkatastrophen kommen, dann hast Du vollkommen Recht und wir beugen uns vor Dir darunter. Aber Du hast in Deinen Gerichten immer auch unsere Besserung im Blick. Aber, Vater, wir vermögen das nicht aus eigener Kraft. Darum gieß Deinen Geist noch einmal aus über uns, dass wir das neue Herz bekommen und den veränderten Geist, den Du versprochen hast.

Wir bitten Dich um Vergebung und Heilung für unsere Völker durch das Blut deines Sohnes.

Vater, wir stellen uns unter Dein Wort der Ermahnung und Heilung: „Wenn mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen“ (2. Chron. 7,14). Tu es, Gott, in Europa, ja, tu es !

 

Vater im Himmel,

wir rufen Deine Königsherrschaft aus über Europa und rühmen über unseren Völkern den Namen Jesu.

Wir rühmen die Macht des Blutes Christi über allen gottfeindlichen Mächten, über allen geistlichen Bollwerken, die unsere Kultur heimlich durchdrungen haben.

So rühmen wir Jesus als Sieger über dem Glauben an die Vernunft, dem Glauben an alle die antichristlichen Ideologien und Religionen, sowie dem Glauben an alte und neue heidnischen Kulte. Wir glauben den Sieg Jesu auch über dem „Glauben“ an das Geld und dem Glauben an uns selbst.

Wir rufen den Sieg Jesu auch konkret aus über der Wirtschaft, den Banken, den Finanzmärkten, auch über dem Bildungswesen und allen politischen Entscheidungen.

So rühmen wir den Namen Jesus, der der Name über alle Namen ist. „Denn in Seinem Namen müssen sich beugen alle Knie im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und müssen bekennen: Jesus ist der Herr“ (Phil. 2,10-11) !

 

Vater im Himmel,

in Deinem Auftrag segnen wir nun die Länder und die Menschen, die auf dem europäischen Kontinent ihre Heimat haben und auch alle, die hier Schutz bei uns suchen. Du liebst sie alle mit großer und heiliger Liebe.

Es komme über uns Dein Heil und Deine Heilung, Deine Hoffnung und Dein Friede.

Dein Wille ist es, uns Gutes zu tun, denn Du sagst:

„Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“ (4. Mose 6,24-26).

Es komme über uns der Segen des Dreieinigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen.

 

Quelle: Wächterruf Deutschland

Abdruck bitte mit dem Copyright © Ortwin Schweitzer 2017

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547. BREAK – XIT

Dienstag, 26. Juli 2016 | Autor:

SimsonJuni2016

 

 

Liebe Blogbesucher,

viele von Ihnen werden die Wochen und Monate vor der Abstimmung miterlebt haben. Was da manipuliert, getrixt und gelogen wurde ging auf keine Kuhhaut. Alles dies hat nichts genutzt, unser Herr hat die Geschichte so geschrieben wie es sein Plan war. Dazu hat mein Freund und Bruder in Christus Wolfgang Simson einen guten Beitrag geschrieben, den ich meinen Besuchern hier nicht vorenthalten möchte.

 

Europaparlament Straßburg_Erich-Westendarp_pixelio.de

 

 

England hat “raus” gewählt. Selten war eine Nation so gespalten über einer Frage, die Gott wohl völlig anders sieht als die meisten Teilnehmer an der Brexit‐Debatte. Fast die Hälfte der Bevölkerung muss nun erst einmal verdauen, dass die andere Hälfte des Landes gegen sie gestimmt hat. Und das nach all den Kampagnen, Diskussionen und Plakat‐Aktionen, die den Leuten suggerieren sollten, sie könnten mit ihrer Wahl das Land retten. Das Land ist nun zerrissen, die Bevölkerung gespalten, die Lage deprimiert, der Premier nimmt seinen Hut.

Das ganze Land hat die meisten menschlichen Aspekte der Brexit‐Themas rauf und runter diskutiert: Migranten, der Fischfang, die Wirtschaft, die Löhne. Erstaunlich ist für manche, wie ungeheuer falsch informiert alle vermeintlichen Experten waren: So gut wie jeder pro‐EU‐Politiker „hat es nicht kommen sehen“, die Meinungs‐Forschungs‐Institute lagen alle falsch, die Buchmacher völlig falsch, die hochdotierten Börsen‐Experten waren komplett daneben. Ohne Gottes Perspektive wird der Mensch eben kurzsichtig.

Denn was „ein schlechter Tag für die EU“ war (Siegmar Gabriel, SPD), war „ein sensationell guter Tag für das Königreich Gottes“(Wolfgang Simson; parteilos). Dazu gleich mehr. Nur einige wenige prophetische Stimmen in England sprachen von einer „Loslösung von Europa“, um eine „Nation unter Gott“ zu werden. Das völlig perplexe Mediengehabe und die scheinbare Weltuntergangs‐Stimmung an den Börsen gehören zwar oberflächlich gesehen zu einer streng kontrollierten Medienstrategie, die von Angst lebt. In Wirklichkeit sind unsere Gesellschaften, und ihre Medien, aber im vernebelnden Griff der „Madame Torheit“, englisch Folly, von der das Buch der Sprüche (Kap 7‐9) spricht, jener „unordentlichen Frau“ die so viel redet, und doch so wenig zu sagen hat. Darauf kommen wir gleich noch mal zurück.

Das momentan wichtigste Ergebnis des britischen EU‐Referendums ist Spaltung, das Auftun eines neuen Grabenbruchs, der die gesamte englische Gesellschaft durchzieht. Vergessen wir dabei nicht, dass es global operierende Gruppen gibt, die Spaltung, gesellschaftliche Verwerfungen und Krisen, geradezu lieben, weil sie genau dann ihre eigenen globalen Agenden voranbringen können, wenn jeder damit beschäftigt ist, seine Wunden zu lecken. Divide et impera – teilen und herrschen ‐ ist zwar keine neue Idee, aber sie funktioniert noch immer.

Egal wie Großbritannien gewählt hätte, das Land hätte so oder so verloren. Im Kern geht es nicht um EU oder Nicht‐EU, sondern darum, ob ein Land a) ein Mitglied des Commonwealth Babylons ist, oder b) ein Mitglied des Commonwealth des Königreichs Gottes. In Gottes Augen zählt nur, ob ein Land eine Provinz von a oder b ist. Das Commonwealth Babylons, dieses Mammon‐getriebene, Elite‐dominierte, weltweite dämonische Spinnen‐Netz ist die wahre geistliche Heimat jeder Volkswirtschaft, die nicht im Königreich Gottes verankert ist. Die „Hure Babylon“, von der das Buch der Offenbarung spricht, bietet jeder Regierung, jeder Firma und jeder Kirche einen Deal an: Schlaf mit mir, halte dich an meine Regeln, und ich werde dir eine Fälschung dessen geben, was nur Gott geben kann: Identität, Sicherheit, Zukunft. Wo Nationen sich der globalen Markt‐Wirtschaft verschreiben, verschreiben sie sich einem Götzen, einem Ersatz‐Gott, der keiner ist. Jede Nation, Firma oder Kirche, die einen solchen Deal macht, indem sie auf die Prinzipien der Marktwirtschaft setzt, macht einen Pakt mit dem Drachen. Die Zukunft wird sein, wie wenn man mit einer Hexe verheiratet ist. Das gilt auch für England. Die Zukunft der Nationen, ob in der EU oder nicht, ist sehr düster, solange sie nicht die wirklich entscheidende Wahl treffen, sich ausdrücklich in den Herrschafts‐ und Wirtschaftsraum Gottes einzuklinken und eine „gehorsame Nation“ zu werden. Jesus hat uns eben gerade nicht nur befohlen, Einzelne aus den Nationen zu Jüngern zu machen, sondern er sagte: Macht die Nationen zu Jüngern! Eine Jünger‐Nation ist eine Nation, die der einzigartigen Einladung folgt, sich dem Herrschaftsraum des Königreichs anzuschliessen. Das ist wie das frühere „British Commonwealth“, dem heute sogenannten „Commonwealth of Nations“, zu dem derzeit 53 Nationen gehören, mit dem entscheidenden Unterschied, dass das Regierungszentrum nicht London, sondern der Himmel ist. Im Commonwealth of God herrscht nicht die Queen, sondern der König aller Könige, Jesus Christus.

Jesus prophezeite einmal den Juden: Das Königreich wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt (Mt 21,43). Wem wird das Königreich gegeben, nur Einzelnen? Nein, einem Volk! Was bedeutet das für England? Es bedeutet, dass eine Zeit kommen wird, in der die Nationen ein komplett neues Evangelium hören werden. Es geht nicht mehr um das alte Saatgut; es geht um neues Saatgut! Es geht nicht mehr um das altbekannte, kurzsichtige, ich‐zentrierte, unapostolische „Evangelium“ der Einzelbekehrung, das christliche Einzelgänger produziert, die sich je nach Laune und Belieben eine Kirche aussuchen wie einen Supermarkt: Ich gehe hierhin, du dorthin. Es geht um das Verkündigen des Evangeliums vom Königreich (Mt 24,14), der Verlautbarung der Tatsache, dass es einen ultimativen König gibt, ein ultimatives Land, einen ultimativen Rechtsraum, in dem Liebe und Gerechtigkeit herrscht, ein ultimatives Commonwealth, Gottes Neue Weltordnung. Und alles, was wirklich zählt, für Nationen, Kirchen, Einzelne, ist: Sind wir in or out, sind wir da dabei, oder nicht? Jeder wird diese Entscheidung fällen müssen, und niemand kann sich dieser Wahl entziehen. Neutralität gibt es in dieser Frage nicht, und es reicht auch nicht, selbstgenügsam abzuwarten und nur sich selbst zu vertrauen. Das ist letztlich der Kern der Gottlosigkeit und Rebellion des Menschen, dass er bis zum letzten Moment versucht, sich alleine, ohne Gott, durchzuschlagen. Barack Obama hat es in seinem Obama‐Gospel auf den Punkt gebracht: „We can do it!“ (Merkels Version: „Wir schaffen das!“). Jesus sagt dazu nur: Nein, lieber Barack, nein, liebe Angela. Ohne mich könnt ihr nichts tun. Seht selbst.

Der Brexit ist ein geschichtlicher Wendepunkt, der Beginn des Auseinanderfallens Europas, der vor tausenden von Jahren bereits Daniel offenbart wurde. Dort, in Dan 2, finden wir eine Prophetie, die vorhersagt, dass die 10 Zehen (die 10 Königreiche, die aus dem Römischen Reich hervorgehen), auseinanderfallen werden. Wenn das geschieht, zur Zeit solcher auseinanderfallender Könige und  ihrer Reiche, dann wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten! Diese 10 Zehen sind die 10 historischen Gründernationen Europas, wozu auch die Angelsachsen gehören. Sie sind, so wie das Römische Reich vor ihnen, aus Eisen und Ton. Auch wenn sie versuchten, sich nach Menschengeblüt zu vermischen (durch politische Hochzeiten und Verträge), halten sie doch nicht aneinander – sie werden zerfallen! Und wenn das passiert, wenn „Die Vereinigten Staaten von Europa“ zerfallen, dann erfüllt sich vor unseren Augen eine gewaltige, jahrtausendealte Prophetie: Wenn die 10 Zehen‐Nationen auseinanderfallen, die letzte Bastion des römischen Imperialismus, dann wird eine Zeit beginnen, in der alle menschlichen Strukturen wie Spreu auf der Sommertenne zerblasen werden (Dan 2,35). Es wird ein Zermalmen und Verstören von Königreichen geben (Dan 2,44), und alles, was erschüttert werden kann, wird erschüttert werden, sodass das einzig unerschütterliche bleiben wird: das Königreich, das zu einem Berg (prophetische Sprache für: Herrschaftsraum) werden wird, der die ganze Erde erfüllt.

 

Lies nochmals selber diese zentralen Stellen nach: Daniel 2,3‐44; Hebr 12,25‐29, denn diese Tage haben jetzt begonnen, verpasse diesen historischen Moment nicht!

Wer sich in dieses Thema mehr hineinlesen möchte, kann dies mit dem Kingdom Manifest tun, das es weiterhin als Gratis‐Download auf unserer Webseite www.simsonmedia.com  gibt unter Gratis‐Ebooks.

Thema: Christ und Politik | Ein Kommentar

368. Sollen sich Christen von dem schmutzigen Geschäft der Politik fernhalten?

Sonntag, 26. Mai 2013 | Autor:

 

Das verstehe ich unter einmischen..

 

Lieber Blog Besucher,

die Meinungen die ich zu diesen Thema immer wieder höre: Christen sollen sich von der Politik fernhalten. Ist eine solche Haltung auch biblisch? Auch da gehen die Meinungen weit auseinander. Warum ist das so? Ich glaube, man beachte dazu die biblischen Aussagen zu wenig bzw. man ist vom sogenannten „Gemeindegeist“ zu sehr geprägt. Denn, es gibt auch Gemeinden die das Verhältnis zwischen Politik und Christ durchaus klarer sehen.

Nehmen wir doch einfach einmal eine Aussage des Apostel Paulus, der wie ich meine doch eine klare Sicht der Dinge hatte, und wie ich behaupten möchte, mit viel mehr Weisheit und Erkenntnis von Gott ausgestattet war, als ich.

Da schreibt doch Paulus in Titus 3, 1 zum Beispiel folgendes:

„Erinnere die Christen daran, dass sie sich dem Staat und seinen Behörden unterzuordnen haben. Sie sollen die Gesetze des Staates befolgen und sich tatkräftig für das Gemeinwohl einsetzten“.

Ich frage Sie jetzt: Wie soll das gehen? Wenn wir uns von Politik fernhalten? Sobald wir diesen Wort der Bibel gehorsam sind, sind wir doch mitten drin in der Politik.

Die Mahnung des Apostel Paulus, dass die Christen sich tatkräftig für das Gemeinwohl einsetzten sollen, fand große Beachtung. Ihre öffentlichen Stellungnahmen zu Götzendienst, Wahrsagerei, Unmoral und Korruption im Staate waren streng genommen politische Aussagen. Zwar gab es damals noch keine politischen Parteien in unserem Sinne, doch bildeten die ersten Christen in Wahrheit eine eigene FRaktion im Staate. Nicht zuletzt hatten sie ihre eigenen sozialen Hilfsprogramme für die Armen und kümmerten sich um Witwen und Waisen sowie um die Kranken. Damit handelten die ersten Christen wie eine sozialreformerische Partei. Sie machten nicht nur leere Worte, sondern wirkten konstruktiv am Aufbau einer gesunden Gesellschaft mit.

Sätze wie die schmutzige Politik, waren nicht Bestandteil ihres Wortschatzes.

Da wir in 2013 wieder zu wählen haben und es unter den Parteien durchaus Parteien gibt, die für einen Christen nicht wählbar sind, können die nachfolgenden Beiträge vielleicht einmal dazu beitragen, sich zum einen Gedanken zu machen, und zum zweiten in die „schmutzige“ Politik in irgendeiner Form einmal etwa einzumischen. Viel Weisheit und Erkenntnis wünsche ich Ihnen.

 

M.T.

 

Die Christen und „die Obrigkeit“ …

Biblische Basis:

Was haben Christen mit Politik zu tun?

Christ und Politik? „Das eine hat mit dem andern nichts zu tun“, denken immer noch viele Menschen – und zwar sowohl in der Politik als auch in der christlichen Gemeinde. Das Anliegen einer strikten Trennung von Politik und Religion / Kirche / Glaube wird von Politikern und Bürgern aus unterschiedlichen Gründen verlangt. Zu stark ist der jahrhundertealte Filz und Missbrauch der unheiligen Allianz zwischen Thron und Altar gewesen. Auch in der Bibel – so wird gerne argumentiert – werden doch beide Bereiche strikt unterschieden:

Hier das Reich Gottes – da die Welt (der Politik). Aber werden sie auch voneinander getrennt? Haben sie wirklich nichts miteinander zu tun? Sollen sich Christen von dem schmutzigen Geschäft der Politik fernhalten? Ist nicht „unser Bürgerrecht (politeuma) im Himmel“ (Phil 3, 20)?

Diese Fragen werden oft allzu schnell einseitig beantwortet und damit ein Rückzug aus der bösen Welt (der Politik) begründet.

 

Was sagt die Bibel zu diesem Thema?

Jesus verkündete das Reich Gottes (Mt 4, 17). Das war seine Botschaft und das ist sie bis heute geblieben. Dieses „Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18, 36), entfaltet seine Wirksamkeit aber mitten in ihr. Jesus hatte sehr häufig mit leitenden Persönlichkeiten des Volkes Israel zu tun – und da ging es auch um politische Fragen. Einmal antwortet er auf eine ihrer Fangfragen mit dem berühmten Satz, der geradezu ein sozialethisches Paradigma darstellt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaiser und Gott, was Gottes ist“ (Lk 20, 25). Zwei Reiche werden von Christus unterschieden, aber nicht voneinander geschieden. Im Reich der Welt gelten andere Maßstäbe als im Reich Gottes. Die darf man nicht vermischen. Als Christen leben wir in beiden Reichen zugleich und sollen beiden das geben, was ihnen zusteht. Da Gott der Herr des Lebens ist, gehört ihm alles: Leib und Leben, Ehre und Anerkennung. Aber auch dem König / der Obrigkeit / dem Staat gebühren Ehre und Respekt. Im Konfliktfall jedoch „muss man Gott mehr gehorchen als den Menschen“, sagt Petrus vor dem Hohen Rat (Apg 5, 29). Man darf also keine falsche Alternative aufstellen: Gott oder Kaiser, sondern muss als Christ beiden gerecht werden: Gott und Kaiser. In einem der zentralen Texte des Neuen Testaments zu diesem Thema, Röm 13, 1 – 7, wird von Paulus die Aussage Jesu vor Pilatus: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben her gegeben wäre“ (Joh 19, 11) näher ausgeführt: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet“ (Röm 13, 1).

Diese grundlegende Aussage muss uns in allen Überlegungen im Blick auf das Verhältnis der Christen zur Politik leiten. Auch wenn diese Verhältnisbestimmung im Lauf der Kirchengeschichte und heute recht unterschiedlich interpretiert werden kann, muss man doch festhalten:

Gott ordnet Obrigkeiten in diese Welt an, um Ordnung und Struktur in einer durch Sünde und Chaos angerichteten Welt zu schaffen. Er gibt und überträgt ihnen die Macht und den Auftrag, einen politischen Rahmen zu schaffen, in dem Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit gedeihen; in dem Gutes belohnt und Böses bestraft wird. Die Obrigkeit ist als weltliche Einrichtung gleichzeitig „Gottes Dienerin, dir zugut“. Gott hat ihr „das Schwert“ gegeben, um mit dieser Macht Gerechtigkeit und Frieden zu gewährleisten. Die Obrigkeit „vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut“ (Röm 13, 4).

Die Aufgaben der Obrigkeit und der Kirche sind sehr gut in der 5.These der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 (der Grundlagentext der Bekennenden Kirche während des Dritten Reichs) formuliert:

„Fürchtet Gott, ehrt den König (1. Petr 2,17). Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt.“

Die Weltregierung Gottes (Martin Luther) vollzieht sich in diesem Äon bis zur Wiederkunft Christi also u.a. durch die „Obrigkeit“, nicht durch die Gemeinde. (Immer, wenn die Kirche zur weltlichen Macht griff, hat sie sich vergriffen.) Auch wenn Gott die Obrigkeit angeordnet hat, heißt das nicht, dass alle Obrigkeiten gut sind. Es gibt böse, korrupte und unfähige Obrigkeiten. Es gibt solche, die sich unrechtmäßig selbst eingesetzt haben und solche, die demokratisch gewählt wurden. Petrus, der im Grundsatz dasselbe wie Paulus schreibt, spricht von der Obrigkeit als einer „menschlichen Schöpfung“ (1 Petr 2, 11 – 17). Obrigkeiten sind von Gott zwar angeordnet, aber eben menschliche, d.h. fehlbare und begrenzte Institutionen. Ob Monarchien oder Parlamentarische Demokratien – als Christen sollen wir diesen menschlichen Schöpfungen mit Respekt und Verantwortung begegnen: „Ehrt jedermann, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehrt den König“ (1 Petr 2, 17). Die Gestaltung der Verantwortung sieht für Christen unter einer Militärjunta oder einem Diktator anders aus als in der deutschen Demokratie.

 

 

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Als Christ in der Demokratie leben

Nun haben wir schon lange keinen König oder Kaiser mehr. Die Monarchie ist einer Demokratie gewichen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist ein freiheitlicher Rechtsstaat entstanden, der – aus den Fehlern der Vergangenheit geläutert und durch das 1949 gegebene Grundgesetz geordnet – als einer der bestmöglichen bezeichnet werden kann. Gelten dann aber überhaupt noch die Aussagen aus dem Römer- und 1.Petrusbrief, die im Kontext römischer Kaiser und ihrer okkupierenden Ordnungsstrukturen an die Christen verfasst wurden? Ja, denn sie formulieren Grundsätze, die nicht durch andere zeitgeschichtliche Einflüsse und politische Gestaltungsformen aufgehoben werden.

Die in diesem Zusammenhang häufig gemachte Aufforderung, der Obrigkeit „untertan [zu] sein“ (Rö 13, 1Tit 3, 1; 1 Petr 2, 13), muss man als ein bewusstes Einordnen und verantwortliches Mitgestalten verstehen. Dass aktive Verantwortung gegenüber allen Menschen dem Willen des Herrn entspricht, geht auch aus 1 Petr 3, 15 hervor: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann…“ Das betrifft auch die Obrigkeit. Aus den biblischen Texten kann man – mit Ausnahmen – keine direkten politischen Handlungsanweisungen für Christen ableiten. Weil es keine christliche Politik geben kann (sie muss für alle da sein), müssen Christen, die sich politisch engagieren, mit politischem Sachverstand an christlichen Grundwerten orientieren und sich für den freiheitlichen Rechtsstaat einsetzen. Weil – wie Ernst Wolfgang Böckenförde richtig erkannt hat – „der freiheitliche, säkularisierte Staat …von Voraussetzungen [lebt], die er selbst nicht garantieren kann“, sollen Christen genau immer wieder an diese Voraussetzungen ihrer Kultur erinnern: Christentum, Humanismus und Aufklärung.


1. Christen sollen um Gottes willen die Obrigkeit anerkennen

(Röm 13, 1.5.7; Tit 3, 1.2; 1 Petr 2, 13.17).

 

Das bedeutet in erster Linie, für die Obrigkeit zu beten (1Tim 2, 1.2), wählen zu gehen und sich einzumischen. Gerade die Frage, welche Partei, welche Kandidaten man überhaupt wählen soll, zeigt, wie wichtig das aktive Informieren über die Parteiprogramme und das Ethos ihrer Kandidaten ist. Christen sollten darauf hinweisen, politische Entscheidungen auf der Grundlage eines christlich-jüdischen Menschenbildes und des freiheitlichen Rechtsstaats zu treffen. Dass auch das Zahlen von Steuern und Zöllen für Christen zur Anerkennung der Obrigkeit dazugehört, wird im Neuen Testament betont (Röm 13, 7).

 

2. Sich aktiv für das Gute einsetzen (Röm 13, 3; 1 Petr 2, 15).

 

Darüber hinaus sollen sich Christen aktiv für das Gute einsetzen. Sie sollen „der Stadt Bestes“ suchen (Jer 29, 7). Sie sollen „zu allem guten Werk bereit“ sein (Tit 3, 1). Sie sollen die Obrigkeit darin unterstützen, das Gute zu tun (Röm 13, 3). Darüber hinaus sollen sie sich für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen. Es waren in der Geschichte häufig Christen, deren innovatives Engagement große gesellschaftliche Veränderungen eingeleitet haben. William Wilberforce hat sein Leben für die Abschaffung der Sklaverei investiert (siehe Seite 13). August Hermann Francke hat sich für nachhaltige Bildung und Fortschritt eingesetzt. Friedrich Wilhelm Raiffeisen ist als deutscher Sozialreformer in die Geschichte eingegangen. Johann Hinrich Wichern hat mit seinem „Rettungsdorf“, dem „Rauen Haus“ gesellschaftliche Reformen eingeleitet, weil er Jugendlichen Heimat und Arbeit gegeben hat.

 

3. Eine prophetisch-kritische Existenz leben

 

Christen sind im konstruktiven Sinn kritische Zeitgenossen. Sie weisen aufgrund ihres Gewissens, das an Gottes Wort gebunden ist, und ihrer Verantwortung auf gesellschaftliche und politische Missstände hin. Friedrich v. Bodelschwingh der Jüngere hat sich – nach anfänglicher Kooperation mit dem NS-Staat – gegen die Obrigkeit gestellt und ist seinem christlichen Gewissen gefolgt. Dadurch hat er ethische und politische Zeichen gesetzt.

Weil christliche Existenz auch kritische Existenz ist, sollen Christen gerade auch die Politik und ihre Vertreter kritisch-verantwortlich begleiten. Gut ist es, wenn sie persönlich Zugang zu ihnen gewinnen. Dass sie für sie beten, ist nach 1Tim 2 ihre Pflicht. Weil Christen in dem allen um die Vorläufigkeit ihres politischen Engagements wissen, trachten sie zuerst nach dem Reich Gottes. Weil sie um das Endgültige wissen und darin verankert sind, können sie sich auch in großer Freiheit für das Vorläufige – die Politik und die Gesellschaft – einsetzen.

Beitrag aus Magazin EINS 2/2013

  Horst Afflerbach ist Leiter der Biblisch-Theologischen

  Akademie Wiedenest, Mitglied im Hauptvorstand der

  Deutschen Evangelischen Allianz und im Arbeitskreis Politik.

 

 

 

 

 

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325. Marsch des Lebens! 2012

Montag, 24. September 2012 | Autor:

 

 

Lieber Blogbesucher,

ich war dabei, beim „Marsch des Lebens“ am 22.09.2012 in Berlin. Obwohl die Teilnehmerzahl von 2100 in 2011 dieses Jahr auf über 3000 Teilnehmer gestiegen war, finde ich es traurig, dass es nur 3000 waren. Denn hier sind wir Christen gefragt, unsere Stimme zu erheben und Flagge zu zeigen, weil unschuldiges Leben ermordet wird, und unser Staat und die Europäische Union dies noch finanziell und straffrei unterstützt.

 

Bilder wie dieses machen mich schmerzerfüllt, aber auch wütend, weil der Großteil der Christen dies ignoriert.

 

Foto Lebensgeschichten.de foetus_11wochen2-k.

Warum schweigen Christen gegen solch ein Unrecht?

 

Meine Frage lautet schon lange:

Warum verkriecht sich der Großteil der Christenheit  in ihren Kirchengebäuden und steht gegen ein solches Unrecht nicht auf? Gott wird uns eines Tages danach fragen.

Natürlich werden wir angefeindet wenn wir unsere Stimme erheben oder bei solchen Schweigemärschen mit machen.

Sie können sich kaum verstellen, welch ein Hass in Form von Worten und Gesten uns am Samstag entgegen schlug. Diese armen Menschen verfolgten den Schweigemarsch auf der gesamten Länge mit Drillerpfeifen und Beschimpfungen. Uns blieb nur für sie zu beten. Der Teufel persönlich hat sein Personal hier losgeschickt um diesen Marsch zu verunglimpfen.

Die Gegenseite – die Abtreibungsbefürworter

Was da alles gerufen wurde will ich hier nicht schreiben, Sie können es bei den Pressemeldungen schwarz auf weiß nachlesen.

 

Jesus hat uns nichts anderes voraus gesagt, wenn wir solches tun. Aber ER wird uns auch beistehen und uns schützen. Außerdem wurde der gesamte Zug von einer Hundertschaft der Berliner Polizei von Anfang bis zum Ende begleitet und beschützt. Ganz schlaue Gegner die sich in den Schweigemarsch eingeschleust hat, und mit Drillerpfeifen und Kondome auf sich aufmerksam machten, wurden durch die Polizei aussortiert.

Polizeischutz vom Anfang bis zum Ende des Marsches

Ja, es kostet Zeit und Geld, aber für welch sinnlose Dinge geben wir oft unser Geld aus. Wir fuhren mit dem Bus um 5 Uhr in der Frühe los und kamen um 3:30 Uhr am Sonntagmorgen wieder zu Hause an. Na und, für einen solchen Einsatz kann man einmal auf einige Stunden Schlaf verzichten und Geld und Zeit investieren.

 

Gefreut habe ich mich, dass viele junge Menschen, auch aus Polen mit gemacht haben.

Ich bin mir sicher, dass dies vom Herrn reich gesegnet wird, weil er uns diesen Auftrag gegeben hat, dass wir uns für die Hilflosen(Kinder im Mutterleib und Alten) einsetzten sollen. Es hat mit Gehorsam zu tun, den will er von uns, aber freiwillig.

Mit den folgenden Link will ich versuchen einen kleinen Eindruck des Marsches mittels bewegter Bilder zu vermitteln. Leider ist die Qualität aufgrund meiner Billigkamera nicht besser möglich.

Mein Gebet ist es, dass sich am 21.09.2013 mindestens 10.000 Christen oder mehr entzünden lassen, und den Ungeborenen Menschen eine Stimme geben. Wir haben Augen, Ohren, Mund und Füße von Gott bekommen, damit wir sie für das Gute einsetzen.

Das ist kein Witz, es ist bitterer Ernst
Ein Mann ruft zum Himmel: „Oh Gott, warum schickst Du uns nicht Menschen die Aids und Krebs heilen, die den Hunger aus der Welt schaffen, die für den Frieden einstehen“. Antwort vom Himmel:“Ich habe sie geschickt“. Nachfrage: „Wo sind sie denn?“ Antwort: „Ihr habt sie umgebracht, Ihr habt sie abgetrieben“.

Ich will 2013 wieder kommen und meine Stimme erheben

M.T.

Thema: Christ und Politik | 2 Kommentare

240. Kanada: Die Transformation einer Nation

Sonntag, 23. Januar 2011 | Autor:

 

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Kanada: Die Transformation einer Nation

Europa steht vor gewaltigen Herausforderungen. Die Erodierung der Werte, fehlender Nachwuchs, Islamisierung, Wirtschaftskrise, Globalisierung, Umweltkatastrophen. Gibt es da noch Hoffnung? Ein Bericht aus Kanada zeigt, welches Lösungspotenzial in Schuldaufarbeitung und Versöhnung liegt und alle Gesellschaftsbereiche erfasst.

Roland Andergassen

www.ZfürZukunft.de

 

In den letzten zehn Jahren hat sich ein Team um den aus Ägypten stammenden Visionär David Demian aufgemacht, Grundprobleme der Nation Kanada zu analysieren – ein inhomogenes, schwieriges Land. Der französische Teil mit Quebec als Zentrum, wollte sich vom englischen Teil lösen. Die Ureinwohner wiederum fühlten sich nicht als Teil des Landes. Dieser Schmelztiegel erzeugte eine komplizierte und angespannte politische Lage. Die Fundamente der kanadischen Gesellschaft, die sich ursprünglich auf christliche Werte begründeten, verloren immer mehr an Bedeutung und drohten zu erodieren.

Einwanderern nach Kanada fiel es schwer sich zu integrieren – auch nach längerer Zeit fühlte man sich fremd. Einwanderer in die USA hingegen empfanden sich recht schnell als stolze Amerikaner.

Wo war ein Ansatzpunkt für diese Problemstellung zu finden? – Man stieß auf Antisemitismus – klingt absurd, wer würde Kanada in diese Schublade stecken wollen?

Im Juni 1939 wurde das Schiff „St. Louis“ mit über 900 jüdischen Flüchtlingen an Bord, die vor dem nationalsozialistischen System aus Deutschland geflohen waren, abgewiesen. Die dramatische Reise hatte ursprünglich Kuba als Ziel. Aber es stellte sich heraus, dass die Visa, die man teuer erkaufen musste, nicht gültig waren. Die Einreise wurde verwehrt. Das Schiff steuerte auf Miami, Florida zu. Mittels Telegrammen wendete man sich an Präsident Roosevelt mit eindringlichen Asylgesuchen. Alle Bitten fanden nur taube Ohren. Die letzte Hoffnung war Kanada. Doch auf Grund internationaler politischer Beziehungen hatte auch Kanadas Premierminister das Gnadengesuch abgelehnt. Und während sich internationale Politiker am grünen Tisch darüber unterhielten, was wohl mit den Juden auf diesem Schiff geschehen sollte, steuerte es zurück nach Deutschland. Über zwei Drittel dieser Flüchtlinge sind daraufhin in Konzentrationslagern ums Leben gekommen. Noch weitere Berichte über die Abweisung jüdischer Flüchtlinge von Kanada während des zweiten Weltkrieges kamen ans Licht.

Wie wirkt sich so eine Schuld auf das Wohl einer Nation aus? Was kann dagegen unternommen werden? Was passiert ist, ist nun mal passiert – oder?

Wie konnte das kleine Team um David Demian ein Bewusstsein im Lande entwickeln, dass Schuld überhaupt als Schuld erkannt wurde? Wenn ein Übel nicht als solches benannt wird, kann man sich davon auch nicht distanzieren. Umgang mit Schuld ist immer sehr subtil – schuld sind doch immer nur die anderen.

Ein Jahr reiste David Demian mit seinem Team quer durch dieses weite Land – es erstreckt sich immerhin über fünf Zeitzonen. Eindringlich machten sie verschiedene Führungskräfte und Meinungsbildner, vor allem aus kirchlichen Kreisen, mit diesen Zusammenhängen vertraut.
„Wenn mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, sich demütigt, betet und mein Angesicht sucht und sich von seinen bösen Wegen umkehrt – dann werde ich hören, ihre Sünden vergeben und das Land heilen.“ Das Zitat aus 2. Chronik 7,14 wurde zum Motto.

In den TV-Nachrichten war zu sehen, wie der kanadische Premierminister Jean Chretien sich die Tränen aus dem Gesicht wischte, nachdem ein kanadischer Holokaust-Überlebender für seine Mutter und Schwester im Konzentrationslager betete. Der Besuch von Auschwitz und Birkenau hat den Premierminister tief erschüttert. „Da gibt es keine Worte – wir haben eine gemeinsame Verantwortung sicher zu stellen, dass das tatsächlich nie wieder geschieht.“

Chretien ist der erste kanadische Premierminister, der ein Nazi-Konzentrationslager besuchte. Begleitet wurde er von dem kanadischen Holokaust-Überlebenden Mordechai Ronen und seinem Sohn Moshe.

David Demian und sein Team erkannten, wie bedeutend es ist, zum einen Schuld anzuerkennen, und zum anderen, diese, wie auch immer möglich, wieder gut zu machen. Sie gingen auf die Suche nach Überlebenden in Israel und luden diese nach Kanada ein. Und es gelang, die zuerst skeptischen Überlebenden zu gewinnen. Das Eis war gebrochen, nachdem auch offizielle Kirchenvertreter sich bei den Juden für das Verhalten ihrer Vorfahren entschuldigten. Dies führte letztlich dazu, dass auch die Regierung unter Premier Harper offiziell um Vergebung bat.

Wie wirkt sich nationale Schuld auf das Wohl eines Landes aus? Können dadurch Krisen entstehen? Wenn ja, gibt es auch ein Gegenmittel?

Was daraufhin geschah, zeigte, welche positive Auswirkungen Vergebung auslösen kann. Denn in den letzten Jahren entwickelten sich sowohl zwischen Christen und Juden als auch zwischen der kanadischen und israelischen Regierung äußerst gute Beziehungen. Diese gehen inzwischen so weit, dass Kanada in der UNO als einzige Nation beim Gaza-Konflikt Israel das Recht auf Selbstverteidigung zugestanden hatte, während die meisten anderen Nationen Israel als Aggressor ansehen, – trotz der über 7000 Hamas-Raketen, die seit Sommer 2005 auf Israel abgefeuerten wurden.

Versöhnung mit den Ureinwohnern wurde mit Rohstofffunden belohnt

Volk vollzogen war, wurde ein weiteres großes Problem offensichtlich: Die unehrenvolle Behandlung der Ureinwohner seit der Einwanderung und Kolonialisierung durch die Europäer.

Die Urbevölkerung von Kanada verlor durch das Vordringen der Engländer und Franzosen nicht nur ihre Souveränität, sondern auch angestammte Gebiete, und, was das schlimmste war, die Kinder dieser Ureinwohner wurden zwangsbeschult und den Eltern weggenommen. Dies führte zu einer weitgehenden Verelendung der verschiedenen Gruppen von Eskimos, Indianern und Inuits.

Wiederum waren Christen in Kanada bereit, diese Schuld gegenüber Vertretern dieser Gruppen anzusprechen, anzuerkennen und die Ureinwohner um Vergebung zu bitten.

Was dieser Schritt auslöste, grenzt an ein Wunder, zeigt aber zugleich die bedeutende Kraft von Versöhnung. In einzelnen Reservaten wurden daraufhin größere Vorräte an Gold und Öl gefunden. Natürlich waren diese Ressourcen davor schon vorhanden, aber sie waren nicht bekannt.

Die Ereignisse von Kanada sind die reinste Promotion für Versöhnung. Wer diese Resultate sieht, wird sicher Versöhnung suchen, wo immer er kann.

Diese Ureinwohner brachten zum Ausdruck, dass sie sich erstmals als Kanadier fühlten, und diese Funde nicht für sich allein behalten, sondern die ganze Nation an diesen Ressourcen teilhaben lassen wollten.

Während einer Konferenz, bei der ca. 3.000 Kanadier und ca. 60 internationale Gäste anwesend waren, kam plötzlich ein Mann auf die Bühne und zeigte auf die aktuelle Nachricht auf seinem Handy, die meldete, dass Kanada die erste Nation war, die die Wirtschaftskrise hinter sich ließ – davon berichteten am nächsten Tag auch die kandadischen Tageszeitungen. Und das zu einer Zeit, in der die Krise in den anderen Industrienationen erst so richtig begann.

Heute verfügt Kanada über eines der stabilsten Wirtschafts- und Bankensysteme. Der kanadische Dollar, vormals nur ca. die Hälfte des amerikanischen, nähert sich dem amerikanischen Dollar immer mehr an.

Versöhnung zwischen französischstämmigen und englischstämmigen Kanadiern

Ein weiteres Problem, das Kanadas Entwicklung behinderte bzw. sogar deren Existenz bedrohte, war das Auseinanderdriften der englischsprachigen Provinzen und Quebec, der französischsprachigen Region. Obwohl der frankophone Teil nur ca. ein Fünftel der Gesamtbevölkerung von 30 Millionen Kanadiern ausmacht, war die Auswirkung für Kanada bedeutsam. Eine eigene „Separatisten-Partei“ machte seit Jahren von sich reden und spaltete die Nation.

Es ist wichtig zu wissen, dass bei der Besiedelung Kanadas nicht klar war, ob nun die Engländer oder die Franzosen die Oberhand gewinnen würden. Erst durch die kriegerischen Auseinandersetzungen Ende des 18. Jahrhunderts konnte England die Franzosen besiegen, weil die Hilfe aus dem Heimatland ausblieb.

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Die Urbevölkerung von Kanada verlor durch das Vordringen der Europäer nicht nur ihre Souveränität, sondern auch angestammte Gebiete. Die Inuit konnten sich schwer als Kanadier identifizieren

Dieser alte Konflikt führte verständlicherweise zu großen Animositäten der Franzosen gegenüber den Engländern, die sich immer noch überlegen fühlten. Im Aufarbeitungsprozess der historischen Altlasten wurde diese Problematik vorerst nur zwischen christlichen Vertretern der jeweiligen Volksgruppen angesprochen und gegenseitige Vergebung gesucht.

Die politische Folge auf diesen scheinbar belanglosen Schritt war jedoch wieder beachtlich. Erneut zeigt sich die positive Auswirkung von Versöhnung. Die sogenannte „Separatisten-Partei“ war in weiterer Folge bedeutungslos geworden und die Franzosen in Kanada konnten sich nunmehr viel besser als bisher mit ihrer Nation identifizieren.

Kanada befand sich vor über 10 Jahren noch in einer sehr schwierigen Situation.
Eine Veränderung wurde dadurch eingeleitet, dass engagierte Christen auf jeweils beiden Seiten bereit waren, über die jeweiligen Konflikte und daraus entstandenen Demütigungen und Verletzungen zu reden, sie zu vergeben und Versöhnung zu suchen.

Dies führte inzwischen dazu, dass sich nunmehr auch die Kirchen und die Politik für Versöhnung und Wiedergutmachung öffneten und so eine nationale Dimension in diesen Bereichen erreicht wurde.

So wie Unvergebenheit Entwicklungen blockieren kann, so löst Vergebung und Versöhnung ungeahnte Kanäle und Möglichkeiten, sowohl im persönlichen Leben, als auch auf nationaler Ebene.

Kanada ist ein vorzeigbares Beispiel, wie durch einen inzwischen zehnjährigen Prozess der Geschichtsaufarbeitung durch Versöhnung eine ganze Nation profitiert, sei es in der Stärkung der Identität, des Zusammenhaltes der wirtschaftlichen Prosperität und des Lebensgefühls.

Das positive Beispiel von Kanada kann auch von anderen Nationen als Anregung aufgegriffen werden. So fand im Frühjahr 2010 in Hongkong eine Konferenz statt, bei der Kanadier, einige Vertreter chinesischer Christen aus Taiwan, dem Festland und Hongkong dabei halfen, sich zu versöhnen, um auch in den Genuss dieser positiven Auswirkungen zu kommen.

Die Kanadier gehen davon aus, dass jeder Mensch und jede Nation eine gottgegebene Berufung hat. Es lohne sich, diese herauszufinden, sie entscheide letztlich Ziel und Zukunft von Menschen und Nationen und wird maßgeblich durch Vergebung und Versöhnung freigesetzt.

Thema: Christ und Politik | Beitrag kommentieren

163. Christ und Politik – Gemeinde Jesu und Partei

Dienstag, 30. November 2010 | Autor:

1. Frage:
Welchen Auftrag hat die Gemeinde Jesu?

Ein wesentlicher Teil des Auftrages der wahren Gemeinde (Kirche) Jesu ist, das „Wort der Wahrheit“ nicht nur innerhalb bestimmter Kirchenmauern, sondern allen Völkern und Nationen zu verkündigen, damit alle Menschen zur „Erkenntnis der Wahrheit“ (1.Timotheus 2, 4) kommen. Unter dem Wort der Wahrheit versteht Jesus Christus die ganze Heilige Schrift (Johannes 17,17). Nicht menschliche Sprüche und Weisheiten, sondern das Wort Gottes ist die Medizin für eine von Gott abgefallene und in die Sünde verstrickte Welt. „Er sandte Sein Wort und machte sie (die Welt) gesund“, (Psalm 107, 20). Das galt zur Zeit des sogenannten Alten Testaments und gilt auch heute noch. Damals sollte das Volk Israel den von Götzendienst und Okkultismus verblendeten Völkern Gottes Heil, Sein Wort, verkünden. In unserer Zeit ist es die Gemeinde Jesu, die den Auftrag hat, alle Nationen mit Hilfe des Wortes Gottes zu Jüngern Jesu zu machen.

2. Frage:
Was ist „Gemeinde Jesu“?

Die Gemeinde Jesu ist nicht irgendeine lokale Gruppe von frommen Leuten, die regelmäßig an einem bestimmten Ort zu ihrem Gottesdienst zusammenkommt. Nein, in biblischem Sinne setzt sich die Gemeinde Jesu weltweit aus solchen Menschen zusammen, die einmal eine ganz bewusste Übergabe ihres Lebens an den Herrn Jesus Christus vollzogen und die Reinigung ihrer Sünden durch das Blut Jesu Christi erfahren haben. Ihr Name steht nicht nur in einem Kirchenregister oder Gemeindeverzeichnis, sondern im „Lebensbuch des Lammes“ (Offenb. 21, 27). Das Kennzeichen dieser Menschen ist die tägliche Bereitschaft, nach dem Willen Gottes zu leben. Bibeltreue Christen finden sich in allen Kirchen und Gemeinschaften. Sie sind die Glieder der wahren Gemeinde Jesu. Ihr Kennzeichen ist ein tiefes Verlangen, dass Gottes ewig gültiges Wort unter ihre Mitmenschen kommt und die notwendige Beachtung findet.

3. Frage:
Was ist eine Partei?

Durch die jüngere Geschichte hat der Begriff „Partei“ leider einen negativen Geschmack bekommen. In Wahrheit ist eine Partei aber ein Zusammenschluss von Gleichgesinnten, die ein bestimmtes Ziel erreichen wollen. So schlossen sich z.B. die Kommunisten die Sozialisten und auch die Nationalisten in jeweils eigenen Parteien zusammen, um mit ihren oft gottlosen Parolen die ganze Welt zu vergiften. Dagegen waren echte, vom Heiligen Geist geleitete Christen bis in unsere Zeit hinein vielfach zu ängstlich, um politischen Einfluss in Staat und Gesellschaft zu nehmen. Jesus Christus wollte niemals nur christliche Ghettos gründen, sondern dass Seine Jünger als SALZ und LICHT die ganze Gesellschaft durchdringen, bzw. als Schafe unter den Wölfen zuletzt die Wölfe in Schafe verwandeln. Wie sich nun Seine Nachfolger letztendlich organisieren, um den von Ihm gegebenen Auftrag zu erfüllen, überließ Jesus Seinen Schülern. „Seid klug wie die Schlangen, aber ohne Falsch wie die Tauben“, gab Er ihnen als Rat mit auf den Weg. So bleibt es den Bekennern Jesu zum Beispiel überlassen, ob sie sich in einer Kirche, einem eingetragenen Verein oder als „nichtregistrierte Gemeinde“ organisieren.

4. Frage:
Ersetzt eine Mitgliedschaft in der Partei Bibeltreuer Christen die Zugehörigkeit zu einer biblisch orientierten Gemeinde?

Auf keinen Fall! Die Mitgliedschaft und Mitarbeit in der PBC ist lediglich Ausdruck der Bereitschaft zur gesellschaftlichen Mitverantwortung. Jeder entschiedene Christ sollte seine geistliche Heimat in einer lokalen Gemeinde haben. Sein Einsatz in der PBC ersetzt nicht die Treue zur Gemeinde. Die Verbindung zur Gemeinde steht über der Mitgliedschaft in der Partei bzw. ist ihr Fundament. Nur wenn ein Christ inmitten seiner Gemeinde in einer engen, lebendigen Verbindung mit seinem Herrn Jesus Christus steht, kann er auch als Mitglied in der Partei ein Segen sein.

5. Frage:
Wie sah das Betätigungsfeld der ersten Christen aus?

Ein Großteil der Aktivitäten Jesu und seiner Apostel spielte sich in aller Öffentlichkeit ab. Marktplätze und Straßen der Städte verwandelten sie zu Rednertribünen. Paulus belehrte die gebildeten Griechen nicht in einer geschlossenen Versammlung, sondern auf dem Marktplatz im Zentrum der Stadt Athen über den lebendigen Gott. Natürlich wurden diese öffentlichen Auftritte nicht überall mit einem freudigen „Halleluja“ begrüßt. Oftmals gab es Widerstand und manchmal flogen auch die Steine. Besonders dort, wo die Apostel gegen des Volkes liebstes „ H o b b y “, Z a u b e r e i , Prostitution und Okkultismus Stellung bezogen, endete ihre öffentliche Proklamation der Wahrheit im Gefängnis (Apostelg.16,16 ff). Die etablierten gesellschaftlichen Gruppen wehrten sich gegen diese Einmischung in ihre festgefahrenen Traditionen. Doch die Kraft des Wortes Gottes erwies sich als stärker. Erst nachdem die Bekenner Christi den Weg des geringsten Widerstandes einschlugen, erlosch vielerorts das Licht des Evangeliums. Das „SALZ“ wurde dumm und letztlich von den Heiden zertreten. Was Jesus ankündigte, erfüllte sich wortwörtlich (Matthäus 5, 13).

6. Frage:
Waren die Urchristen gesellschaftspolitisch aktiv?

Wie wir aus der vorigen Antwort entnehmen können, waren die ersten Christen auf irgendeine Weise in der damaligen Gesellschaft engagiert. Die Mahnung des Apostels Paulus, dass die Christen sich tatkräftig für das Gemeinwohl einsetzen sollen („Erinnere die Christen daran, dass sie sich dem Staat und seinen Behörden unterzuordnen haben. Sie sollen die Gesetze des Staates befolgen und sich tatkräftig für das Gemeinwohl einsetzen“, Titus 3, 1 Hoffnung für Alle), fand große Beachtung. Ihre öffentlichen Stellungnahmen zu Götzendienst, Wahrsagerei, Unmoral und Korruption im Staate waren streng genommen politische Aussagen. Zwar gab es damals noch keine politischen Parteien in unserem Sinne, doch bildeten die ersten Christen in Wahrheit eine eigene Fraktion im Staat. Nicht zuletzt hatten sie ihre eigenen sozialen Hilfsprogramme für die Armen und kümmerten sich um Witwen und Waisen sowie um die Kranken. Damit handelten die ersten Christen wie eine sozialreformerische Partei. Sie machten nicht nur leere Worte, sondern wirkten konstruktiv am Aufbau einer gesunden Gesellschaft mit.

7. Frage:
Hätte sich die Gemeinde Jesu in der Vergangenheit stärker politisch einsetzten sollen?

Diese Frage ist mit einem eindeutigen „JA“ zu beantworten. Wenn wir die Geschichte der letzten 100 Jahre betrachten, müssen wir erkennen, dass die Christen oft zu feige waren, gegen gesellschaftliche Missstände ihre Stimme zu erheben. Um die Jahrhundertwende wurde in Deutschland noch der Kaiser gottähnlich verehrt. Man folgte ihm gehorsam in den ersten Weltkrieg. „Gott mit uns“, hieß die Parole. Welcher Gott da aber im Spiele war, zeigte sich später. Es war nämlich „Satan, der unrechtmäßige Gott dieser Welt“. So ist es nicht verwunderlich, dass selbst in den Reihen bekennender Christen der aufkommende Nationalsozialismus mit seiner teuflischen Verführung vielfach unterstützt wurde. Weder in der Anfangszeit noch später wurde der um sich greifende Antisemitismus von der Gemeinde Jesu entschieden genug verworfen. Man wollte politisch „neutral“ bleiben. Erst als die Verbrechen der Nazis mit sechs Millionen getöteter Juden bekannt wurden, erkannte man vereinzelt eine Mitschuld an dieser, in der Geschichte der Menschheit, beispiellosen Tragödie.

8. Frage:
Gebieten die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse ein politisches Engagement entschiedener Christen?

Bereits die vorstehenden Ausführungen lassen erkennen, dass die ersten Christen durchaus politisch aktiv waren. Resultat: Totale gesellschaftliche Umwälzungen! Wo sich aber echte Christen aus falsch verstandenem Obrigkeitsgehorsam von öffentlichen Stellungnahmen zu p o l i t i s c h e n Vorgängen fern hielten, führte dies immer zum m o r a l i s c h e n Zerfall eines Staatswesens. Wo das „Licht und Salz“ fehlt, wird eben alles dunkel, und die Gesellschaft verfault. Da aber Gott nicht das Unglück, sondern das Heil der Menschen will, kann die Konsequenz nur heißen, echte, bibeltreue Christen müssen sich verstärkt zum Wohle ihrer Mitmenschen politisch einsetzen. Erst recht in unserer Zeit, die eine nie dagewesene, endzeitliche Dimension der Auseinandersetzung erreicht hat. Wenn z.B. in einem Staatswesen das Lebensrecht der ungeborenen Kinder zur Disposition gestellt wird, wenn am menschlichen Leben herummanipuliert wird, die Würde des Menschen zerstört wird, wenn Satanismus und Okkultismus in öffentlich-rechtlichen Medien mit Steuermitteln der Allgemeinheit gefördert werden, wenn Ehebruch, Pornographie und Homosexualität von staatlichen Bildungseinrichtungen verharmlost und damit schon die Kinder, auch die der Christen, zerstörerisch beeinflusst werden, wenn das Fundament eines gesunden Staates, die Ehe zwischen Mann und Frau, durch die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften ausgehöhlt wird, wenn gegen Ausländer und Hilfesuchende anderer Nationalitäten in unserem Land Molotowcocktails fliegen, wenn wieder jüdische Grabstätten geschändet werden, antisemitische Hetze die Runde macht, dann müssten auch bei den Vertretern der Gemeinde Jesu die Alarmglocken schrillen. Es kann niemals Gottes Wille sein, dass Seine Vertreter auf Erden all diese Missstände widerstandslos hinnehmen und mit einem Verweis auf den „großen Abfall“ abtun.

9. Frage:
Wie könnten Christen mehr Einfluss in der Gesellschaft wahrnehmen?

Der beste Weg, um dem Niedergang eines Staatswesens entgegenzuwirken, ist zunächst das Gebet der Christen. Nötig ist aber auch der persönliche Einsatz der Gläubigen, um „das Beste für die Stadt“ zu suchen. Dies bedeutet ganz konkret: Christen müssen in die Schaltzentralen einer Stadt oder eines Landes, dorthin, wo die Bestimmungen, die Gesetze und Verordnungen zur Lenkung des Gemeinwesens erlassen werden. In alten Zeiten hat Gott Seine Leute oft auf seltsame Weise in die Regierungen gebracht. Zum Beispiel durch Träume Pharaos in Ägypten oder die Vision eines persischen Königs zur Zeit des Propheten Daniel. Ein anderes Mal rebellierte die amtierende Königin gegen ihren ungerechten Mann. Nach ihrer Absetzung erwählte sich der König unter verschiedenen Kandidatinnen Esther, eine jüdische Frau, zur neuen Königin. Nach ihrer Thronbesteigung wurde sie zur Retterin des jüdischen Volkes. Wann immer Gott einem Volk gnädig gesonnen war, brachte er Seine Leute in verantwortliche Positionen. Dies möchte er auch in unserer Zeit tun, damit sie dort ein Segen für das ganze Land sein können. Dazu müssen sich aber auch Seine Männer und Frauen zur Übernahme der Verantwortung bereithalten. In einer Demokratie genügen oftmals schon 5% Stimmanteile, um als Zünglein an der Waage die Gesetzgebung eines Landes entscheidend zu beeinflussen. Ein Beispiel ist die Bundesrepublik Deutschland. Über Jahrzehnte hindurch beeinflussten kleine Parteien, die jeweils knapp die 5% Hürde zum Einzug in den Bundestag genommen haben, als Koalitionspartner einer der Volksparteien, maßgebend die Gesetzgebung unseres Staates. Warum sollten dieses „Zünglein an der Waage“ eines Tages nicht die verbündeten, wiedergeborenen Christen sein? Dies ist ein ganz realistisches Ziel, und es ist mit Gottes Hilfe auch zu erreichen.

10. Frage:
Darf sich ein echter Christ mit „schmutziger Politik“ beschäftigen?

Zunächst einmal müssen wir das Vorurteil ausräumen, Politik sei ein schmutziges Geschäft. Wie wir schon eben feststellten, bedeutet Politik die Führung eines Gemeinwesens. So wie die Leitung eines Geschäftes, einer Firma oder auch einer Bank eine saubere Sache sein kann, so sollte auch die Regierung einer Stadt oder eines Landes eine ehrliche, aufrichtige Angelegenheit sein. Natürlich ist das nicht leicht und hat mit der Bewältigung von vielen konfliktreichen, notvollen und auch üblen Tatsachen zu tun. In diesem Sinn von Verantwortung muss man natürlich in der Politik bereit sein, sich wie ein Erdarbeiter die „Hände schmutzig zu machen“, statt sie in „Unschuld zu waschen“. (Vorbildlich wie kein anderer hat dies Jesus Christus selbst praktiziert, den die Retterliebe aus dem himmlischen Palast in den Schmutz und Gestank der sündenbeladenen Menschheit trieb!) In allen Lebensbereichen kann ein sündiger Mensch seinen Mitmenschen Schaden zufügen. Wenn nun die Politik in den Ruf gekommen ist ein „schmutziges Geschäft“ zu sein, lag es meistens daran, dass „schmutzige“ Leute sich auf schmutzige Handlungen einließen. Kümmern sich aber mehr und mehr ehrliche, aufrichtige Christen um politische Angelegenheiten, dann wird auch die Politik für jedermann durchsichtiger und klarer. Christen sind Menschen, die wissen, dass sie sich einmal vor dem Herrn des Himmels und der Erde für alle Taten verantworten müssen. Die Ehrfurcht und Liebe zu dem lebendigen Gott wird Christen abhalten, sich in zweifelhafte Affären einzulassen. Die Bibel ist voll von Beispielen, wie heilige Männer und Frauen Gottes die Geschäfte eines Staates ohne Skandale abgewickelt haben. Wer für eine saubere Politik eintritt, sollte solche Persönlichkeiten unterstützen, die sich auch in ihrem Privatleben nach den Maßstäben Gottes richten und befähigt sind, dies auch in politische Verantwortung umzusetzen.

11. Frage:
Wie könnte der politische Einsatz der Gemeinde Jesu in der Praxis aussehen?

Da Gottes Auftrag an Seine Kinder, SALZ und LICHT in der Gesellschaft zu sein, nicht nur einer einzelnen lokalen, sondern Seiner Gesamtgemeinde gilt, sollten sich Vertreter aller christlichen Kirchen und Gemeinden stärker zusammentun und miteinander in ihrer Stadt oder ihrem Kreis gesellschaftspolitische Aufgaben wahrnehmen. Es ist daher legitim und gut, wenn Delegierte der verschiedenen Gemeinden als „bibeltreue Christen“ in der Öffentlichkeit für Anliegen der Gemeinde Jesu einstehen. Da diese Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Partei für ein ganzes Staatswesen von so großer Wichtigkeit ist, versteht es sich von selbst, dass die einzelnen lokalen Gemeinden ihre qualifiziertesten Leute in die PBC delegieren. Genau genommen ist das Leben von Christen und Gemeinden ja nie unpolitisch, sondern geschieht und wirkt immer an der „Politik-Basis“. Man denke allein nur an den ideellen, juristischen und volkswirtschaftlichen Wert, wenn ein Mensch durch Christus von seinem Hang zur Kriminalität, von Alkohol- und Drogensucht, von Egoismus und Gewalttätigkeit hinweg zur Liebe befreit wird.

12. Frage:
Worin könnte die praktische Arbeit der bibeltreuen Christen bestehen?

Als „verlängerter Arm“ der Gemeinde Jesu versuchen sie gemeinsam, die Gesetzgebung des Landes zu beeinflussen. Sie machen sich u.a. zum Sprachrohr für die ungeborenen Kinder, warnen vor den Spätfolgen einer Kindestötung im Mutterleib, weisen auf die ungeheure Belastung der Sozialkassen durch die massenweise Tötung ungeborener Kinder hin. Sie wenden sich gegen die gesellschaftszerstörenden Kräfte des Umgangs mit Wahrsagerei und Okkultismus. Auf kommunalpolitischer Ebene treten „bibeltreue Christen“ für die Förderung christlicher, wertebetonter Jugendarbeit ein. Statt immer neue Diskotheken und zweifelhafte Nachtlokale zu eröffnen, muss man den Jugendlichen ein größeres Angebot an alkohol- und drogenfreien Begegnungszentren zur Verfügung stellen. Auf alle Fälle sollte die Jugend auch in der Schule mit der Heiligen Schrift vertraut gemacht werden, um so dem ständig steigenden Drogenkonsum und der wachsenden Kriminalitätsrate entgegenzuwirken. Hinzu kommt das weite Feld der Familien-, Wohnungs-, Sozial-, Ausländer und Asylpolitik, zu dem Christen nicht länger schweigen dürfen.

13. Frage:
Ist es wirklich Gottes Wille, dass es zu gesellschaftlichen Veränderungen kommt?

Hat Er nicht nur die ewige Errettung im Auge? Dies eine darf nicht vom anderen getrennt werden. Heil und Heilung gehören zusammen. „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen“ (1. Timoth. 2, 4). Es ist niemals Gottes Wille, dass bei uns in Deutschland täglich mehr als 1000 Kinder im Mutterleib dem Götzen „Wohlstand, Bequemlichkeit und Selbstverwirklichung“ geopfert werden. ER will nicht, dass durch teuflisch dirigierte Medien unzählige Kinder und Jugendliche verdorben und später ein leichtes Opfer für Betrüger und R a u s c h g i f t – händler werden. ER will nicht, dass Menschen in ihrer Hoffnungslosigkeit ihr Leben wegwerfen. ER will nicht, dass mehr und mehr Ehen geschieden und das Heer der Scheidungswaisen immer unübersehbarer wird. Nein, Gott will das Beste auch für unser Land. Dazu ist aber erforderlich, dass der politische Kurs entscheidend verändert wird. Dies kann aber nur durch Menschen geschehen, die sich von Gott und Seinem Geist leiten lassen. Die permanent wachsende Blutschuld durch den täglich 1000-fachen Kindermord im Mutterleib kann nur durch eine Gesetzesänderung gestoppt werden.

Unterschriftsaktionen, Mahnwachen oder Demonstrationen für das Lebensrecht der Kinder im Mutterleib sind wichtige Schritte in der Öffentlichkeit. Ein Zusammenschluss aller Kräfte innerhalb der „Gemeinde Jesu“ könnte hier den entscheidenden Durchbruch bringen. Mit Gottes Hilfe sollte es möglich sein, dann auch bei Parlamentswahlen den notwendigen Stimmenanteil und damit einen Einzug in die Parlamente zu erreichen. Nur auf diese Weise könnten Christen direkt die Gesetzgebung des Staates in ihrem Sinne beeinflussen. Solange sich aber die Christen noch den „Luxus“ leisten und streiten, ob es überhaupt richtig ist, gemeinsam gegen die Flut der Sünde anzugehen, kann Satan, der „Lügner und Mörder“ (Joh.8, 44), ungehemmt seine Opfer tyrannisieren.

14. Frage:
Besteht die Absicht in die Parlamente zu kommen?

Selbstverständlich haben wir die Absicht, gewählt zu werden, um in die Parlamente zu kommen. Wir sind aber keine Phantasten, die davon träumen, es kurzfristig zu schaffen. Zur Zeit gibt es in Deutschland nur 1 bis 2% entschiedene Christen. Von diesen gehen viele prinzipiell nicht zur Wahl. Der Rest wählt alle möglichen Parteien von links bis rechts. Zunächst einmal sehen wir unsere Aufgabe darin, alle Christen von der Notwendigkeit zu überzeugen von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und ein einheitliches Wahlverhalten zu zeigen. Eigentlich gibt es für einen überzeugten Christen keine Alternative zur PBC! So würde z. B. ein Kommunist niemals einen Nazi, bzw. ein Konservativer nie die Sozialisten wählen. Doch viele Nachfolger Jesu wählten bislang antichristlich eingestellte Parteien und deren Kandidaten. Nun ist die Zeit gekommen, dass die wenigen Christen sich ihrer gemeinsamen Verantwortung für ihr Volk bewusst werden und die Möglichkeit nützen, ihre eigenen Interessenvertreter in die Parlamente zu wählen.

15. Frage:
Besteht langfristig die Chance, etwas in unserem Land zu verändern?

Der Weg in die Parlamente ist lang. Doch wenn man sich nicht auf den Weg macht, kommt man nie ans Ziel. Mit unserer Teilnahme an den verschiedenen Wahlen versuchen wir jedoch den Auftrag unseres HERRN, Salz und Licht in der Gesellschaft zu sein, zu erfüllen. Das Verbreiten von Worten der Heiligen Schrift auf unseren Wahlplakaten und in diversen Prospekten wird in vielen Herzen unserer Mitbürger etwas bewirken. Dafür garantiert ER selbst mit Seiner Zusage: „Das Wort, das aus meinem Munde geht, wird nicht wie der leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.“ (Jesaja 55,11 )

16. Frage:
Ist die PBC eine Partei oder eine Missionsgesellschaft?

Eine traditionelle Missionsgesellschaft ist normalerweise bestrebt, mit der christlichen Botschaft Angehörige fremder Völker im Sinne Jesu zu verändern. Dazu wurden z.B. Missionare in ferne Länder ausgesandt. Durch die Verkündigung des Evangeliums erlebten die Verschiedensten Kulturkreise eine totale Verwandlung. Einstige Menschenfresser wurden zivilisierte Menschen, Räuber und Banditen seriöse Bürger. Eigentlich ist jede Partei eine Missionsgesellschaft, auch die der Kommunisten, und die der Nationalisten. Haben es nicht die Kommunisten versucht, mit ihrer „antichristlichen Heilsbotschaft“ die ganze Welt in ein Paradies zu verwandeln, um zuletzt Millionen Menschen in Blut und Tränen zu ertränken? Waren es nicht auch die Nationalsozialisten, die Deutschland und Europa mit ihrem „1000-jährigen Reich“ beglücken wollten und nach zwölf Jahren Regiment nur Chaos und Verderben hinterließen? Erstaunlich ist, dass man bei den Botschaften der Kommunisten, Nationalisten, Sozialisten, Umweltschützern und Liberalen von „Politik“ spricht, aber die PBC mit ihrem besonderen Auftrag Salz und Licht zu sein zur „Missionsgesellschaft“ erklärt. Doch dies soll uns nicht stören. Wichtig ist, dass wir „Politik mit anderen Mitteln“ machen und unsere Gesellschaft mit dem „Wort der Wahrheit“ durchdringen. Dadurch kommt die Verlogenheit der vielen Heilslehren anderer Parteien ans Licht.

17. Frage:
Hat das Wahlverhalten der bekennenden Christen Einfluss auf das Wahlergebnis?

Laut den Aussagen des Propheten Daniel in Kapitel 2, Vers 21 und Kapitel 4, Verse 14, 22 und 29 setzt Gott die Herrscher ab und ein und gibt die Regierungsgewalt dem, den Er dafür vorgesehen hat. Christen sollten sich deshalb nicht einbilden durch die Wahl des „kleineren Übels“ GOTT bei Seiner Entscheidung, wer König oder Kanzler wird, nachhelfen zu müssen. Wie können Christen, die sich für die Nachfolge JESU entschieden haben, überhaupt noch ein Übel, ob groß oder klein, wählen? Vielmehr sollten sie ihre gemeinsame Verantwortung für ihr Volk erkennen und endlich zur Einheit finden. Ein einheitliches Wahlverhalten und die Stimmabgabe für eine Partei, die sich kompromisslos für die Einhaltung der Maßstäbe Gottes in der Politik einsetzt, könnten in der säkularen Welt ein Zeichen setzen. Unser HERR im Himmel hatte einst dafür gebetet und wartet schon lange darauf, dass Seine Jünger endlich eins werden, damit die Welt erkennt, dass ER vom Vater gesandt wurde. Der Umkehrschluss: Sind Christen nicht eins, kann die Welt auch nicht erkennen, dass der Sohn zu ihrer Rettung gesandt wurde. Nach dem Wahltag werden die Gegner Christi nicht fragen, wie viel Besucher zuletzt die Kirchenbänke drückten, sondern wie viele Wähler stehen in Deutschland heute noch ohne Wenn und Aber zu den Aussagen der Bibel?

18. Frage:
Warum wächst die PBC so langsam?

Zunächst einmal darf festgehalten werden, dass die PBC ein Instrument Gottes für unser Land ist. Durch sie werden heute schon Millionen kirchenfremde Menschen auf SEIN WORT hingewiesen. Die PBC ist eine Pflanze Gottes! Wie in der Natur, so ist es auch im Geistlichen: Das Unkraut schießt oft über Nacht auf, während die Pflanzen Gottes eben langsam, aber sicher wachsen. So darf auch die PBC seit ihrer Gründung im Herbst der Wende 1989 ein stetes Wachstum der Zahl von Mitgliedern und Freunden erfahren. Auf der anderen Seite müssen wir erkennen, dass auch die Gemeinde Jesu in Deutschland nur langsam zunimmt. Gemeindewachstum ist vielfach nur Gemeindetransfer. Ein Christ verlässt die eine Kirche und schließt sich einer anderen an. Letztere erfährt „Wachstum“, aber nicht die Gemeinde Jesu insgesamt. Wenn wir vielleicht noch eine geistliche Erweckung mit Millionen wiedergeborenen Kindern Gottes erleben, dann wird auch die PBC sprunghaft wachsen. Sollte aber diese Erweckung ausbleiben, dann können wir mit gutem Gewissen vor unseren Auftraggeber treten und sagen: „Herr, wir haben mit unserem Einsatz versucht für Millionen unserer Mitmenschen ein Wegweiser zu Dir zu sein.

19. Frage:
Sollten sich Christen nicht in anderen Parteien einbringen, um derer Politik zu beeinflussen?

Eine schöne Illusion, sich vorzustellen, dass die wenigen bekennenden Christen in unserem Land in der Lage wären, so wie es die Moslem versuchen, die etablierten Parteien zu unterwandern, um deren Politik in ihrem Sinne zu verändern! In einer Partei geht es immer um Mehrheiten. Da die entschiedenen Christen sowieso nur eine Minderheit in der Gesellschaft sind, haben sie praktisch nie eine Chance, andere Mehrheiten in den einzelnen Parteien zu brechen. Es gibt genügend Beispiele dafür, dass Christen in den etablierten Parteien versuchten, biblische Wertvorstellungen, z.B. in der Schulpolitik oder in Fragen des Kindermords im Mutterleib, durchzusetzen. Immer scheiterten diese ehrenwerten Versuche an den Mehrheitsverhältnissen in den Parteistrukturen. Viele einstige, eifrige Zeugen Jesu wurden mehr oder weniger von den Mehrheiten in ihren Parteien an die Wand gedrückt und haben schließlich frustriert das Handtuch geworfen. So war es ein Gebot der Stunde, dass sich im Herbst 1989 entschiedene Christen aus allen Kirchen zur Gründung der PBC entschlossen haben. Damit wurde eine Plattform geschaffen, auf der eine Politik nach den Maßstäben der Bibel auch für unser Land gemacht werden kann.

20. Frage:
Hängt das Wohlergehen unseres Landes vom politischen Einsatz der Christen ab?

„Sorge vor allem und zuerst dafür, dass die Gemeinde nicht aufhört zu beten. Betet besonders für alle, die in Regierung und Staat Verantwortung tragen, damit wir in Ruhe und Frieden leben können. So soll es sein, und so gefällt es Gott, unserem Retter. „Denn er will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen.“ (1. Timotheus 2,1-4)
Laut diesen Aussagen der Heiligen Schrift muss die Frage eindeutig mit Ja beantwortet werden. Die Christen werden ausdrücklich ermahnt, für die politischen Führer zu beten. Um für jemanden beten zu können, muss ich wissen, wer die Person ist und welche Probleme sie hat. Mit anderen Worten, der Apostel Paulus fordert die Christen auf sich für die Politik und die Politiker ihrer Städte und ihres Landes zu interessieren. „Suchet das Beste für eure Stadt und betet für sie zu Gott“, lehrt uns Jeremia 29,7. Hier werden zwei verschiedene Tätigkeiten von den Gläubigen erwartet. Außer der Fürbitte sollen sie noch etwas ganz Praktisches tun, das sich segensreich für ihre Städte auswirkt. Könnte dieser praktische Einsatz nicht ein aktives Mitgestalten der Politik der Stadt und des Landes sein?
Wenn wir heute feststellen müssen, dass unser Staatsschiff leckgeschlagen und in eine gefährliche Schieflage geraten ist, dann hängt dies auch mit unserem unpolitischen Verhalten der letzten Jahre zusammen. Wir Christen haben uns weitgehend aus der Politik zurückgehalten und waren vorwiegend nur mit uns selbst beschäftigt. Die Mahnung, für unsere Politiker zu beten, haben wir kaum beachtet. Was mit den Kindern im Mutterleib geschieht, hat uns wenig interessiert. Statt gegen obszöne Fernsehprogramme zu protestieren haben wir sie uns via Satellit aus dem Weltall in unsere Wohnzimmer geholt und den Schmutz selbst konsumiert. Damit machen wir uns mitschuldig am Zerfall unserer Gesellschaft. Was uns helfen könnte, wäre eine radikale Umkehr zu GOTT und ein Bekennen unserer Schuld. Entsprechend dem oben zitierten Wort aus dem Brief des Apostels an seinen Mitarbeiter Timotheus sollen durch den Einsatz der Christen zuletzt alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Und was ist diese Wahrheit? JESUS und Sein WORT, so sagt es Jesus selbst in Johannes 14, 6 und 17, 17. Nun ist es Auftrag der Partei Bibeltreuer Christen den Lügen und Intrigen in unserem Land die WAHRHEIT gegenüber zu stellen. Aus unserer deutschen Geschichte können wir lernen, wohin eine Politik unter Missachtung von Gottes Wort führt. Darum wollen wir nicht länger tatenlos zusehen, wie alles Gute, das uns Gott in den letzten Jahrzehnten geschenkt hat, mutwillig von gottlosen Kräften zerstört wird. Durch verschiedene Aktionen auf Straßen und Plätzen, schreiben von Leserbriefen an Zeitungen sowie öffentliche Veranstaltungen und Teilnahme an diversen Fernsehdiskussionen versuchen wir das Beste für unser Land zu erreichen.

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112. Wie politisch kann ein Christ sein?

Mittwoch, 9. Juni 2010 | Autor:

 

Quo vadis Deutschland? Wohin geht dein Weg? Eine große und entscheidende Wahl steht an. Sie beschäftigt unser ganzes Volk. Vor allem der sogenannte Reformstau in unserm Land zwingt nicht nur die Politiker, sondern alle Bürger zu neuem Nachdenken. Vieles ist bereits in Bewegung!

Auf diesem Hintergrund sollte uns die Frage interessieren, welchen Einfluß wir als Christen, Gemeinden und Kirchen auf die staatliche, politische und gesellschaftliche Realität nehmen können? Der Apostel Petrus (1)gibt uns eine ”spannungsgeladene” Einschätzung, wenn er den Stand der Christen mit ”Fremde in dieser Welt” definiert. Zugleich betont er aber auch, daß dies nicht Flucht aus der Gesellschaft und der konkreten Verantwortung in ihr bedeutet:

Auf den Punkt gebracht, können sich Christen nicht politisch-ideologisch binden; denn sie gehören allein Gott. Das hebt sie aus allen politischen Strömungen heraus und macht sie gesellschaftspolitisch unabhängig(2). Dennoch ordnen sie sich in das staatliche System ein, indem sie als freie Menschen Gutes tun und an einer gesunden Gesellschaft mitwirken.

(1) 1. Petrus 2,11-16, GN
(2) ”die Christus frei gemacht hat.”

Was könnte das heute und hier bedeuten? Und worin sollten wir uns als Christen gegenüber Staat, Politik und Gesellschaft auszeichnen?

Dankbarkeit

Christen sollten sich trotz aller politischen Mängel und bürgerlicher Politikverdrossenheit gegenüber dem Staat und seinen Ordnungen dankbar erweisen. Denn er ist es, der durch ”obrigkeitliche Gewalt”

– das Böse in Schranken hält,
– die Bürger schützt,
– der Wirtschaft Gestaltungsraum gewährt,
– die Finanzpolitik gestaltet,
– Bildungseinrichtungen organisiert,
– für soziale Absicherung sorgt,
– Verkehrspolitik wahrnimmt,
– Religions- Pressefreiheit garantiert,
– ökologischen Gefahren nachgeht,
– das kulturelle Erbe lebendig erhält,
– Außenbeziehungen regelt usw.(3)

Welch ein komplexes Geschehen! Wie viel Sachverstand, Kommunikationsfähigkeit und organisatorisches Talent gehören zu einem solchen staatlichen Gebilde – vor allem, wenn man die europaweiten Veränderungen und globalen Herausforderungen bedenkt! Selbstverständlich macht der Staat auch Fehler. Und manche Entscheidungen der jeweiligen Regierung verdienen die gesellschaftliche Kritik – ja, die politische Opposition! Christen wissen aber aus ihrer biblisch-heilsgeschichtlichen Sicht, dass kein Staat voll- kommen ist und die beste Partei kein Paradies auf Erden schaffen kann. Die sogenannten Staatsdiener sind auch nur Menschen wie du und ich. Sie können das Mögliche, nicht aber das Unmögliche tun. Politik, so lautet die Selbstdefinition, ist somit die”Kunst des Möglichen”!

Als Christen sollten wir daher sensibel die Lasten der Politiker registrieren: Die Verantwortung, die auf ihren Schultern liegt, ist enorm; der Einsatz, den sie bringen, übersteigt in der Regel Kraft und Fähigkeiten der meisten von uns; moralische Gefahren und familiäre Überforderungen sind an der Tagesordnung!
Sollten wir ihnen für alle diese persönlichen Opfer(4), die sie bringen, nicht außerordentlich dankbar sein und für sie beten?

(3) Allen diesen Aufgaben kommt unser Land vergleichsweise hervorragend nach!
(4) Daß sie mehr Geld verdienen als jeder von uns -, dazu sagt schon die Bibel: ”Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert!”

Ich denke, es wäre zeichenhaft für uns Christen, wenn wir uns beispielsweise nicht an der typisch deutschen Mentalität ständiger Nörgelei und Kritik am Staat beteiligen würden! Die Bibel sagt uns, daß wir Gott danken sollen ”für alle Menschen, für Könige und für die Obrigkeit…”(5). Selbst dann ist Dank angesagt, wenn uns die Regierung persönlich nicht gefällt und manches auch objektiv kritikwürdig ist. Denn hinter dem Staat und seinen gesellschaftlichen Ordnungen steht Gott selbst, der uns durch sie dient.

Wertschätzung

Dankbarkeit gegenüber den Regieren- den ist aber nur möglich, wenn wir sie achten und ehren: ”…ehrt den Kaiser”, so heißt es. In unserer Demokratie haben wir – auch als Christen – weithin die Achtung vor dem Institutionellen, vor öffentlicher Autorität, verloren: Der Zeitgeist hat alle gesellschaftlichen und auf das Gemeinwohl angelegten Zusammenhänge und Strukturen mit so viel Misstrauen belegt, so dass auch der inkompetenteste und dümmste Mensch Politiker verunglimpfen, beschämen und missachten kann! Wenn man z.B. gewisse Zeitungen und Illustrierte liest, kann man sich oft des Eindrucks nicht erwehren, dass die Dreckschleuder das liebste Handwerkszeug der Reporter ist. Wie viele Politiker sind nachweislich durch Presseverleumdungen ‘unmöglich’ gemacht worden! Eine Demokratie, die nicht von Würde, Wertschätzung und Grundvertrauen gegenüber den Staatsdienern getragen wird, löst sich zunehmend auf und zerstört damit jede staatstragende Autorität. Der Pöbel beginnt zu regieren und die staatlichen Strukturen auszuhöhlen. Wir stehen als Deutsche mitten in diesem Prozess der”Unterwanderung der Institutionen”, der mit der APO(6) 1968 begonnen hat. Ihre Grundhaltung war und ist Rebellion! Heute ernten wir nicht umsonst faule Früchte wie Perversion, Familienzerfall, Suchtwellen, Gewalt und Werteverlust. Umso mehr sind wir Christen von Gott aufgefordert, ‘Obrigkeit’ zunächst grundsätzlich zu akzeptieren und ihren Dienst zu ehren, denn”sie steht im Dienst Gottes, um euch beim Tun des Guten zu helfen…”(7). Achtung und Wertschätzung bedeutet hier nicht, dass wir alle Politiker sympathisch finden. Unsere Akzeptanz gilt ihrer von Gott aufgetragenen rechtsstaatlichen Aufgabe: nämlich das Böse zu ächten und das Gute zu loben. Damit also die Gesellschaft nicht in Gesetzlosigkeit und Anarchie verfällt, sollen wir die achten und ehren, die die ‘Notordnung Gottes’ in einer gefallenen Welt aufrechterhalten! Dazu gehört auch die Polizei. Ihr wird ein schweres, oftmals bitteres Geschäft zugemutet, wenn sie in brisanten Straßenschlachten und anderen Gefahrenzonen Leib und Leben riskieren muß. Gerade auch die Polizisten, die den Staat repräsentieren, verdienen deshalb unseren ungeteilten Respekt!

(5) 1. Timotheus 2,1-2

(6) Außerparlamentarische Opposition: Protest auf der Straße.

(7) Römer 13,4

Mitverantwortung

Den Staat und seine Träger zu achten, darf natürlich nicht als kritiklose Unterwürfigkeit verstanden werden. Leider haben sich Christen oftmals so verhalten. Jemanden zu achten bedeutet ja nicht, alles gutzuheißen und ein willenloser”Untertan” zu sein. Damit wäre auch dem Staat nicht gedient. Wenn schon der Prophet Jeremia den in der Zerstreuung lebenden Juden in Babylon aufträgt, der Stadt Bestes zu suchen(8), dann gilt das erst recht uns Christen, die wir in einer freiheitlichen Demokratie leben. Paulus und Petrus sprechen davon, dass wir als Jünger Jesu in der jeweiligen Gesellschaft Gutes tun sollen. Das heißt, die Politik unseres Staates nicht bloß hinzunehmen oder gar als böse Welt abzutun, sondern sie mit den Kräften und Taten unseres Glaubens heilsam zu durchdringen. Das könnte konkret heißen: Als Christen sind wir uneigennützige Arbeitnehmer, die auch das Wohl des Betriebes im Auge haben. Als Christen sind wir disziplinierte Autofahrer, die sich in ihrer Fahrweise vorbildlich verhalten und andere nicht gefährden. Als christliche Lehrer(-innen), Kindergärtnerinnen, Sozialpädagogen(-innen) und Therapeuten(-innen) trachten wir nicht nach einer irdischen Karriere, sondern wir dienen der Gesellschaft in Verantwortung vor Gott. Als christliche Väter und Mütter lassen wir unsere Familien nicht im Trend unserer Zeit verkommen, sondern sind bemüht, die wichtigste Zelle der Gesellschaft aus der Kraft des Evangeliums zu gestalten. Als Christen, die sich auch der Massenmedien bedienen, scheuen wir uns nicht vor ermutigenden und korrigierenden Stellungnahmen in Leserbriefen und bei Fernsehanstalten. Ob wir als christliche junge Männer (und Frauen) zur Bundeswehr gehen oder Zivis sein möchten, ist nicht so entscheidend. Was zählt ist, ob wir mit Jesus an diesen Plätzen leben und seine Liebe an die Welt weitergeben! Darüber hinaus braucht unsere Gesellschaft – besonders heute – ‘Modelle des Guten’, von Christen aufgebaut! Viele Gemeinden und Kirchen im Land haben Kindergärten, Seniorenheime, Krankenhäuser, Diakoniestationen, Café’s usw. aufgebaut, um das Evangelium unseren Mitmenschen zeichenhaft zu vermitteln.

(8) Jeremia 29,8

Das ist – wenn man so will – Politik aus dem Evangelium, das Gute, das wir zu tun beauftragt sind! Nicht zuletzt sollten wir uns auch mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Heilige Geist Christen direkt in die Politik rufen kann! Warum nicht? Wenn sie von Gott ein Mandat mit Weisheit und Sachverstand haben, können sie außerordentliche Segensträger für das ganze Volk sein. Josef und Daniel sind zwei Beispiele, wie Gott Akzente seines Reiches auf der politischen Bühne setzt.

Gerade auch die Tatsache, dass wir als Christen ”Fremde in dieser Welt” sind, ist ein Politikum ersten Ranges: Wir erinnern Politik und Gesellschaft daran, dass diese Welt vorläufig ist; dass sie nicht auf Irdisches bauen kann; dass diese Welt den Kräften des Todes ausgesetzt ist; dass ”ein neuer Himmel und eine neue Erde” auf uns zukommen; dass ”die Herren dieser Welt abtreten müssen, aber unser HERR kommt”.

Mit diesem Lebensstil des Vorläufigen nehmen Christen Einfluss auf jede ideologische Fixierung der Politik, die auf Erden ein Paradies bauen will. Alle diese Versuche führten in der Geschichte ein Stück Hölle herauf(9). Deshalb können Christen keine Parteien wählen, die Extremen nachhängen – seien sie rechts oder links angesiedelt. ”Die Grünen”(10) z.B. haben zumindest eine utopische Schlagseite und ein gebrochenes Verhältnis zu Werten wie ”Heimat”, ”Moral”, ”Ehe”, ”Familie”, ”Autorität” und ”Nationalität”. Wenngleich alle unsere etablierten Parteien durch einen demokratischen Grundkonsens koalitionsfähig sind, scheint mir Rot-Grün(11) doch eine echte Gefahr für Deutschland zu werden! Multi-Kulti wird dann in jeder Beziehung hoffähig!

Missionierung

Die Mitverantwortung der Christen in Staat und Politik darf aber nicht so missverstanden werden, als habe die Gemeinde Jesu als solche einen direkten politischen Auftrag wahrzunehmen. Die Gemeinde Jesu ist keine Partei! Viele Pfarrer und Kirchen ”verdrehen” an dieser Stelle das Evangelium: Sie verkündigen nicht mehr, sondern politisieren! Sie verkürzen das Wort Gottes auf allzu irdische, ja tagespolitische Zusammenhänge und Stellungnahmen.

(9) Vgl. Kommunismus: Weltweit ca. 60 Millionen Tote; ”Drittes Reich” ca. 40 Millionen Tote usw.

(10) Als Öko-Partei haben sie wichtige und notwendige Akzente in der Umweltproblematik gesetzt Aber die ”Innenwelt-Problematik nimmt unter ihrem Einfluss zu! Sie ist ja vor allem das Sammelbecken der 68er Generation, deren Grundgefühl Rebellion ist.

(11) Wir sollten uns klarmachen, was es für ein Land bedeutet, wenn ihr künftiger Kanzler bereits in der vierten Ehe lebt…!

Gerade Martin Luther war es, der im Anschluss an die biblische Botschaft die ”Zwei-Reiche-Lehre” entwickelte. Sie bedeutet, dass Gott gleichsam mit zwei Armen sein Regiment ausübt: Mit der ”linken Hand” bedient er sich aller staatlich-obrigkeitlichen Autoritäten, um das natürliche und irdische Reich aufrecht zu erhalten und vor den Chaosmächten des Bösen zu schützen. Dazu hat Gott dem Staat die entsprechenden Machtmittel (”Schwert” = Justiz, Polizei, Soldaten usw.) anvertraut. Auf diese Weise bewahrt der HERR die Ungläubigen vor ihrem selbstproduzierten Chaos (Kriminalität, Krieg usw.). Mit seiner”rechten Hand” leitet ER die Seinen, das Volk Gottes, die Gemeinde Jesu Christi. In ihr regiert der HERR – nicht mit dem ”Gesetz des Schwertes”, sondern mit dem ”Gesetz des Geistes”, dem Evangelium.

Es wäre nach der Bibel, Martin Luther, Bismarck und anderen ein grobes Missverständnis, wenn nun die Kirche Jesu Christi anfinge, die Welt mit dem Evangelium(12) zu regieren. Das liefe entweder auf einen fatalen christlichen Idealismus(13) oder auf Inquisition(14) hinaus, was ja tatsächlich durch die verheerende Vermischung(15) von Evangelium und Politik in den Volkskirchen geschehen ist! An dieser Stelle sehe ich zu mindest die Gefahr, dass die momentanen kleinen christlichen Parteien (vor allem die PBC(16)) den Missionsauftrag mit Politik verwechseln!

Evangelisierung bis in die Politik hinein – das ist es, was unsere Gesellschaft heute dringend braucht. Politik macht neue Gesetze, das Evangelium aber schafft neue Herzen. Durch den Staat bewirkt Gott Ordnung, durch das Evangelium wirkt er Vergebung, Versöhnung, Heil, Erneuerung und Sinngebung! Wenn Christen nach ihrem Hauptauftrag in Gesellschaft und Politik fragen, dann ist es die unverwechselbare Aufgabe, das Evangelium zu verkündigen! Nicht um Macht auszuüben, sondern um Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen, ohne das sie ewig verloren gingen! Diesen menschenfreundlichsten aller Dienste hat uns Jesus aufgetragen. Wohl dem Staat und Wohl dem Volk, das diesen rettenden und heilenden Dienst der christlichen Gemeinde zulässt und fördert:

(12) Bismarck: ”Man kann die Welt nicht mit der Bergpredigt regieren!”

(13) Als könnte man auf Erden eine christliche Gesellschaft aufbauen.

(14) Zum Beispiel: Das christlich-kirchliche Gottes- und Moralverständnis wird mit den Machtmitteln des Staates in der ganzen Gesellschaft durchgesetzt (Mittelalter bis zur Neuzeit).

(15) ”Thron und Altar”.

(16) Es ist lobenswert, dass die”Partei bibeltreuer Christen” unserer Gesellschaft das Wort Gottes neu zugänglich macht. Was aber wäre, wenn sie an die Macht käme? Abgesehen davon, dass ihr Name bei 90% der Menschen kurios erscheint und Wähler gleichgültig bis abgeschreckt reagieren lässt!

So könnte es durch die Kraft des Evangeliums geschehen, dass Hundert-tausende ihr Leben Jesus geben:

– Betrüger,
– Drogen- und Alkoholabhängige,
– Ehebrecher,
– Homosexuelle,
– Prostituierte,
– Ladendiebe,
– Kinderschänder,
– Verkehrsrowdies,
– Terroristen,
– Abtreibungsbefürworter,
– politische ”Weiße-Kragen-Täter”
– sowie Steuerhinterzieher usw.

Was wäre das für ein Segen in Staat, Politik und Gesellschaft? Es würde eine Erneuerung geschehen, die politisch niemals machbar wäre! Auch unser Land würde durch massenhafte Umkehr zu Christus Kraft des Evangeliums eine gewaltige Freisetzung aller guten Kräfte erleben! Wo jetzt Angst, Mißtrauen, Unbeweglichkeit und Habgier die Mentalität bestimmen, würde sich ein Aufbruch kreativer, opferbereiter und risikofreudiger Menschen ereignen.

Können wir uns vorstellen, dass Gott uns in dieser Weise gebrauchen will? Ja, das will ER!! Er wartet auf unsere Initiative. Es gibt kirchengeschicht-liche Beispiele (17) zuhauf, die längst belegt haben, daß ganze Landstriche und Völker vom Evangelium erreicht, durchdrungen und verwandelt wurden. Schon dann, wenn nur ein Ehemann oder eine Ehefrau Jesus als ihren Retter annehmen, kommt eine ganze Familie, eine große Verwandtschaft, möglicherweise sogar ein ganzes Dorf unter den heilsamen Einfluß des Evangeliums. Welch ein Politikum!

Fürbitte

Ein weiterer unverwechselbarer Auftrag der Christen in Staat und Gesellschaft ist das Gebet (18). Gerade in der Für-Bitte haben wir die besondere Möglichkeit, Freund und Feind, gute oder schlechte politische Entwicklungen, ”solide” oder ”riskante” Parteien vor Gott zu tragen. In der Für-Bitte agieren wir nicht gegen Menschen bzw. Parteien. Wir treten viel- mehr ”für sie” ein! Christen beten für alle Institutionen und Personen, die Einfluß auf unser Land haben. Sie brauchen mehr als andere Gottes Kraft, Weisheit und Bewahrung. Denn die Gefahr der Arroganz, der Korruption und der Machtgier ist groß!

(17) Reformation, Täuferbewegung, Erweckungsbewegung, Charismatische Bewegung in anderen Teilen der Welt usw.

(18) Vgl. 1. Timotheus 2,1-3)

In der gezielten Fürbitte schalten wir Christen uns gleichsam in das Tages-geschäft der Politik vor Gottes Thron ein. Ja, wir regieren mit – in der Gemeinschaft mit Gott, in seiner Weisheit und Liebe und durch die Inspiration des Heiligen Geistes! Auf diese Weise bewegen wir”Gottes rechten Arm”, der führend, lösend, befreiend, stärkend, aber auch erschütternd und richtend in die Geschicke der Welt eingreift. Der Fall der Mauer und der Absturz des kommunistischen Systems sind beredte Beispiele dafür! An dieser Stelle brauchen wir fraglos

– mehr Überzeugungskraft,
– mehr Glauben,
– mehr geistliche Erwartung und
– mehr Initiative im Heiligen Geist.

Unsere Gebetsversammlungen könnten überfüllt sein, angesichts der Möglichkeiten und Wirkungen, die Gott der dynamischen und glaubens-vollen Fürbitte beigemessen hat! Wenn die Fürbitte eine Art geistliche Intervention, eine reale Einflussnahme des Reiches Christi in das Reich der Welt ist, dann sollten wir dieses Instrument überzeugter und hingegebener einsetzen! Paulus betont in 1. Timotheus 2,1ff, daß die Fürbitte für Staat und Gesellschaft mindestens zwei Auswirkungen hat:

1. Gott erhält im Land den Frieden (”ruhiges und stilles Leben”), damit die Rahmenbedingungen für die Verkündigung des Evangeliums gewährleistet sind,

2. Gott schafft Empfänglichkeit für das ewige Heil (er”will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen”).

Missionierung und Fürbitte gehören also wesensmäßig zusammen. Es sind die beiden ”Tragflächen”, mit denen die Gemeinde Jesu Christi die Höhen des Reiches Gottes einnimmt und Segen für Staat und Ge sellschaft freisetzt! Als Gemeinde sollte wir in diese Grundberufung Gottes noch mehr als bisher hineinwachsen!

Widerstand

Gibt es nun Situationen, in denen wir Christen der Obrigkeit gegenüber Widerstand leisten müssten? Ich denke – ja! Und zwar dann, wenn der irdische Staat die Hoheitsgebiete Gottes antastet! Jesus sagt: ”Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört”(19). Wenn also eine irdische Autorität von uns etwas verlangt, worüber Gott allein das letzte Wort hat, dann sollten, ja müssen wir uns dem Staat – oder welcher irdischen Autorität auch immer – widersetzen!

(19) Matthäus 22,21

Das kann bedeuten,

– den Wehrdienst zu verweigern (20),
– Abtreibungsgesetzen zu widerstehen,
– familienauflösende Gesetze anzuprangern,
– Perversion und Gewalt zu bekämpfen,
– Gottes Wort gegen Widerstände bezeugen.

Als Petrus und Johannes von den religiösen Autoritäten an der Evange-liumsverkündigung gehindert wurden und man ihnen Einschränkungen auferlegte, reagierten sie angstfrei mit dem bekannten Wort: Urteilt selbst, ob es vor Gott recht ist, dass wir euch mehr gehorchen als Gott.” (21)

Noch leben wir in einem weltanschaulich neutralen Staat, der uns Christen jede Freiheit in der Verkündigung lässt. Dafür dürfen wir Gott sehr danken und diese Freiheit zum Wohle Deutschlands mutig und kreativ nutzen.
Gott gebe uns Weisheit für die Wahl am 27.09.98, Mut zur politischen Mitverantwortung, Vollmacht zum kräftigen Zeugnis des Evangeliums, Liebe zur Fürbitte – und Widerstandsfähigkeit gegenüber gottwidrigen Gesetzen und Entwicklungen.

(20) Wenn etwa ein Angriffskrieg geplant wird – mit der Konsequenz, sein Leben zu verlieren.

(21) Apostelgeschichte 4,19

Horst Stricker

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103. Christen sind die einzigen, die wirklich zukunftsfähig sind

Montag, 7. Juni 2010 | Autor:

Christen – nicht „Namenschristen“ – sind die einzigen, die wirklich zukunftsfähig sind

Christen sind die einzige Gruppe der Gesellschaft, die wirklich zukunftsfähig ist. Sie glauben an den Herrn der Welt, der die Zukunft kennt, der auf ihrem Weg dabei ist und nur Gutes mit ihnen vorhat.
Dagegen sind weder Politik noch Kirchen in der Lage, Zukunft zu bewältigen.

Diese Ansicht vertrat ein führender christlicher Management-Berater, Siegfried Buchholz (Baden bei Wien), auf dem Jahreskongress der Internationalen Vereinigung Christlicher Geschäftsleute (IVCG) über Pfingsten in Neuss bei Düsseldorf. Die Politik bietet nach seinen Worten ein endloses Gerangel um parteiorientierte Ziele und Privilegien. Da Politiker wiedergewählt werden wollten, würden notwendige unpopuläre Veränderungen nur selten in Angriff genommen.

Statt verantwortungsbewusste Zukunftsentscheidungen zu treffen, hätten Staat und evangelische Volkskirche besonders in letzter Zeit falsche und zukunftslose Entscheidungen getroffen, indem sie etwa Menschen gleichen Geschlechtes eine Art ,,Homo-Ehe“ ermöglichten und einzelne Kirchen unter gewissen Umständen sogar eine Segnung dieser Paare zuließen.

Es heißt in den Zehn Geboten nicht:
,,Du sollst Vater und Vater ehren“

In den Zehn Geboten heiße es jedoch nicht: ,,Du sollst Vater und Vater ehren“ oder ,,Mutter und Mutter“. Auch alle Erziehungswissenschaftler erklärten, dass eine komplementäre Erziehung durch Vater und Mutter für die Persönlichkeitsentwicklung notwendig sei. Noch fataler sei, dass die Abtreibung in Deutschland gesetzlich erlaubt habe, dass die Abtreibung in den ersten drei Monaten nach einer Beratung straflos möglich sei.

Nur beim Abendessen gilt:
,,Mein Bauch gehört mir“

Damit habe man den ,,Mord im Mutterleib“ sanktioniert. Die Parole der Pro-Abtreibungsbewegung „Mein Bauch gehört mir“ möge bei einem guten Abendessen möglich sein, nicht aber, wenn es um Leben und Tod gehe. Buchholz: ,,Eine Gesellschaft, die Euthanasie bereits im Mutterleib zulässt, bastelt damit laufend an ihrem eigenen Untergang.“


Buchholz rief die Christen auf, hier Widerstand zu leisten, indem sie ihren Mitbürgern erklärten, welche Folgen es habe, wenn die Zehn Gebote nicht beachtet würden. Gleiches gelte für die Informationstechnik sowie für die Biotechnologie und Gentechnik. Wenn hier nicht die Geschwindigkeit der Entwicklung bewusst herabgesetzt werde, wären Katastrophen die Folgen.

Die Kirchen haben gegenwärtig ihre prophetische Rolle verloren

Laut Buchholz sollten die Kirchen eigentlich die ,,geistige Software“ dafür bieten, dass Christen und Gesellschaft Orientierung finden. Das sei aber nicht der Fall. Die Kirchen hätten vielmehr ihre prophetische Rolle verloren. Sie seien für die Gesellschaft ungefährlich geworden, da sie sich zu Therapeuten, Spendensammlern, Sozialhilfeanbietern und religiösen Zeremonienmeistern bei bestimmten Festen degradieren ließen.

95% werden für 5% angeboten

95 Prozent ihrer Gottesdienste würden für nicht einmal fünf Prozent der Bevölkerung angeboten. Ein entsprechendes Verhältnis sei in der Wirtschaft unvorstellbar. Leider seien auch die Evangelikalen in Europa gesellschaftlich bedeutungslos, während sie weitweit mit 680 Millionen Anhängern zu den größten geistlichen Lichtblicken zählten, hätten sie doch in Asien, in den USA und in Lateinamerika beträchtlichen Einfluss.

Wie Christen überzeugen

In dieser Situation kommt es laut Buchholz darauf an, dass sich in Europa besonders die Christen unter den Führungskräften stärker profilieren, zusammenarbeiten und ihren Einflug nicht als Organisationen, sondern als Einzelpersonen auf die Gesellschaft erhöhen. Sie allein hätten wirklich zukunftsfähige Antworten und gleichzeitig die Kraft, sie zu bewältigen. Um andere zu überzeugen, sei es notwendig, dass sie sich öffneten für deren wirkliche Fragen sowie ihre Sehnsucht nach Sinn ernst nähmen und beantworteten. Entscheidend sei, dass Christen alternativ lebten, so dass andere sie fragten, warum sie ein so modellhaftes Leben führen.

Autor: Dr.Buchholz

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64. „Gerechtigkeit erhöht ein Volk“

Samstag, 2. Januar 2010 | Autor:

Quelle ead

Biblisch-theologische Basis:

Warum Christen Verantwortung tragen

„Gerechtigkeit erhöht ein Volk“. Mit diesem Bibelzitat (Sprüche 14,34) gibt bereits die Überschrift drei Hinweise: Es soll erstens zentral um das Verständnis der „Gerechtigkeit“ gehen. Diese Gerechtigkeit soll zweitens hinsichtlich ihrer sozialen und politischen, also ihrer die Gemeinschaft und das „Volk“ betreffenden Dimensionen bedacht werden. Und dies soll drittens in Orientierung an den Schriften des Alten und Neuen Testaments geschehen. Dies alles in der Erwartung, von den entscheidenden Quellen unserer christlichen Kultur auch für unser heutiges politisches Entscheiden und Handeln neue Impulse, Denkanstöße und Orientierungen zu gewinnen.

Die Erfahrung der Gerechtigkeit als Befähigung zum Tun

Die Erfahrung der Gerechtigkeit Gottes wird zum Maßstab und zur Voraussetzung eigenen ethischen Handelns. Das ließe sich ohne weiteres an den paulinischen Briefen entfalten. Mit dem Hinweis auf die im Evangelium zugesprochene Barmherzigkeit Gottes (Röm 1– 8) ermuntert Paulus die römischen Christen (Röm 12,1ff.), nun auch ihrerseits in Gesinnung und Verhalten das eigene Leben Gott und seiner Liebe zur Verfügung zu stellen (Röm 12–15) und sich gegenseitig anzunehmen, wie Christus sie angenom-men hat (Röm 15,7; vgl. 13,8–10). Wenn wir uns auf das menschliche Tun der „Gerechtigkeit“ infolge der Erfahrung von Gottes Begnadigung konzen-trieren wollen, liegt es nahe, sich der Verkündigung und Lehre Jesu nach Darstellung des Matthäusevangeliums zuzuwenden.

Quelle ead

 

Die Ethik Jesu nach dem Matthäusevangelium

Matthäus versteht „Gerechtigkeit“ auf dem Hintergrund der alttestamentlich-jüdischen Tradition. Das ergibt sich deutlich aus dem für die Bergpredigt programmatischen Satz Jesu: „Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht bei weitem übertrifft, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ Gerechtigkeit ist hier das rechte ethische Verhalten des Menschen, das vor dem Urteil Gottes bestehen kann. Nach matthäischem Verständnis von Gerechtigkeit ist keine Trennung von Gottesbeziehung und zwischenmenschlichem Verhalten möglich. Die Gerechtigkeit vor Gott äußert sich im angemessenen Verhal-ten anderen Menschen gegenüber, und wer seinen Mitmenschen nicht „gerecht wird“ und nicht der Beziehung entsprechend lebt, verhält sich auch in seiner Beziehung zu Gott nicht loyal und gemeinschaftstreu. So überrascht es nicht, dass Matthäus den Begriff „Gerechtigkeit“ sowohl auf das angebrachte zwischenmenschliche Verhalten, als auch auf das ange-messene Verhalten Gott gegenüber anwendet (vgl. Mt 6,1; 6,2–4; 6,5–18). Ob im sozialen Verhalten oder in Gebet und Fasten, jeweils soll der Jünger das Ausüben seiner Gerechtigkeit nicht zur öffentlichen Selbstdarstellung missbrauchen, sondern ausschließlich in Bezug auf den himmlischen Vater (Mt 6,4.6.18) handeln. Nur dasjenige Verhalten wird Gott „gerecht“, das sich ganzheitlich und ungeteilt an Gott und seinem Willen ausrichtet. Und: Die Bergpredigt versteht sich vorrangig als Zeugnis einer durch die voraus-gesetzte Barmherzigkeit Gottes radikal veränderten Ausgangssituation: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist (3. Mose 19,18): ‚Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.‘ Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (5,43– 45).

Die Feindesliebe als Beispiel einer unbedingten Zuwendung

Dass die Forderung der Feindesliebe den Abschluss und Höhepunkt des ersten Hauptteils der Bergpredigt bildet, erklärt sich daraus, dass sie eine nicht auf Wechselseitigkeit beruhende Zuwendung beschreibt: Die Hinwendung zu den „Feinden und Verfolgern“ kann ihre Motivation weder aus der positiven Erfahrung mit den betreffenden Menschen beziehen, noch aus der Hoffnung, dass die Liebe durch Anerkennung, Dank oder Erwiderung belohnt wird. Insofern kann die „Feindesliebe“ als das anschaulichste und eindrücklichste Beispiel für eine weder an Voraussetzungen noch an Bedingungen geknüpfte menschliche Zuwendung und Anerkennung gelten. Mit diesem Verständnis von Gerechtigkeit leitet Jesus im Matthäusevangelium – unter Hinweis auf die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters – zu einem Leben jenseits von Unrecht und Recht an, indem er seine Jünger auf die Liebe verpflichtet. Die Kette des Unrechts, der Verfolgung und des Hasses soll durch das Verhalten der Jünger durch Vergebung unterbrochen und durch Liebe überwunden werden.

Die „bessere Gerechtigkeit“ – Illusion oder Wirklichkeit?

Ist diese von Jesus verkündigte – und in letzter Konsequenz bis zu seinem Kreuzestod gelebte – neue Gerechtigkeit (heute) wirklich lebbar? Kann sich ein zwischenmenschliches, ein gesellschaftliches und politisches Handeln an der Bergpredigt orientieren, oder zerbricht diese hohe Ethik an der Wirklichkeit dieser Welt? Einen entscheidenden Einwand gegen die gesellschaftliche und politische Relevanz der Forderung Jesu nach Vergebungsbereit-schaft und Feindesliebe kann man leicht entkräften. Der Evangelist Matthäus wie der Apostel Paulus können sehr wohl mit dem Phänomen umgehen, dass jemand die Leidens- und Vergebungsbereitschaft der Gemeinde missbrauchen will und die Barmherzigkeit Gottes und anderer zum Anlass für sein eigenes Unrecht nimmt. Wenn ein Gemeindeglied ohne Einsicht und trotz gutem Zureden bleibend andere Menschen und die Gemeinschaft schädigen will, haben die frühen christlichen Gemeinden durchaus klar geregelte recht-liche Mittel und gestufte Formen der Sanktionen, die es verhin-dern, dass das Unrecht durch falsch verstandenes Erbarmen noch vermehrt wird (z.B. Mt 18,15ff; 1. Kor 5,1ff). Das „Recht“ wird hier durch konkretes friedensstiftendes und integratives Verhalten in „Gerechtigkeit“ überboten. Die Rechtfertigung des Sünders wird im Neuen Testament nirgends als Rechtfertigung der Sünde missverstanden; aber der Schuldige trifft jeweils auf die Wertschätzung und Zuwendung hinsichtlich seiner Person, die es ihm ermöglicht, sich von seiner eigenen Schuld zu distanzieren und in die Gemeinschaft zurückzukehren. Denn Person und Werk werden weder identifiziert („Du bist nur, was du tust“) noch getrennt („Es ist egal, was du tust“), sondern differenziert („Du bist begnadigt und angenommen, obwohl du nicht getan hast, was angemessen ist“). Bei all dem wird das persönliche Empfinden, Reden und Handeln aber eben nicht auf die Frage der Schuld reduziert oder von der Bereitschaft zur Gegenleistung abhängig gemacht, es orientiert sich vielmehr an dem Ziel der wiederhergestellten Gemeinschaft. Die Frage ist weniger: „Wer hat Schuld?“, sondern: „Was dient dem unaufgebbaren Ziel der auf gegenseitiger Anerkennung und Zuwendung gründenden Gemeinschaft – der Versöhnung und dem Frieden?“ Denn die Rache führt ins Unrecht und das Recht kann nur Unrecht begrenzen und Unschuld erweisen, die „bessere Gerechtigkeit“ aber hat eine Antwort, die auch noch den Schuldigen aus dem Unrecht in die Gemeinschaft zu integrieren vermag. Geht ein Leben im Streben nach einer an Gottes Barmherzigkeit orientierten Gerechtigkeit innerhalb dieses Lebens, inmitten dieser Gesellschaft und Zeit auf? Sicherlich: „Nein!“, wenn wir damit meinen, ob wir es erleben werden, dass alle Menschen und Völker innerhalb von Geschichte und Zeit sich vollständig versöhnen und für die Gerechtigkeit gewinnen lassen werden.

Die Antwort lautet aber entschieden: „Ja!“, wenn wir verstehen, dass die „bessere Gerechtigkeit“ aus Liebe und Einsicht handelt und nicht aus Berechnung und Erwartung eigener Bestätigung und Belohnung. Die Antwort lautet entschieden: „Ja!“, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass die Seligpreisungen Jesu nicht einen innerweltlichen Sinnzusammenhang formulieren, der auch ohne Gottesbezug aufginge, sondern die endzeitlichen Verheißungen des endgültigen Eingreifens, Versöhnens und Tröstens seines himmlischen Vaters. Und so, wie der Weg der Gerechtigkeit, der Sanftmut und Demut (Mt 11,25–30) für den gekreuzigten Jesus selbst erst am Oster-morgen in der triumphalen Auferweckung durch seinen himmlischen Vater seine letzte Bestätigung erfuhr, so harren die, die in seiner Nachfolge der Gerechtigkeit bis zum Kreuz leben wollen, ihres endgültigen Trostes in der himmlischen Gottesgemeinschaft.

Das realistische Ideal einer Gerechtigkeit

Wenn wir es recht betrachten, dann ist das biblische Ideal der Gerechtigkeit viel realitätsbezogener und wirklichkeits-orientierter als manche vermeintlich „vernünftigen“, „aufgeklärten“ oder „neuzeitlichen“ Entwürfe einer gerechten Gesellschaft und eines rechtlich verfassten Gemeinwesens.

Denn die an Jesus Christus und seinem Wirken, Lehren und Leiden orientierte Gerechtigkeit setzt gerade keine heile Welt voraus, sondern sie gibt Antworten für ein gerechtes Leben in einer ungerechten Welt. Sie geht nicht von der Illusion des guten und unschuldig geborenen Menschen aus, sondern zeigt den Weg zur Gerechtigkeit für fehlbare und schuldig gewordene Menschen durch Gottes Erbarmen. Die in Gottes grenzenloser Barm-herzigkeit gründende zwischenmenschliche Zuwendung und Liebe macht sich gerade nicht vom Wohlwollen und Friedenswillen der anderen abhängig und wartet nicht auf deren Vorleistung oder Entgegenkommen. Sie orientiert sich nicht an der Gegenleistung der anderen, sondern an der vorausgegangenen Erfahrung der unbedingten Zuwendung und Annahme Gottes. Sie vertraut nicht auf weltfremde Illusionen vom guten Menschen, sondern ist den Menschen gut, weil sie sie mit dem realistischen Blick des barmherzigen himmlischen Vaters ansehen will. Wenn Einzelne, Gruppen und Gemeinschaften unserer Gesellschaft in ihrem jeweiligen Bereich solche „Friedensstifter“ nach „Gerechtigkeit Hungernde“ und „Barmherzige“ sein wollen (Mt 5,1–12), dann werden sie – bei aller eigenen Unzulänglichkeit und allem Angewiesensein auf Erbarmen – in dieser Welt wirken wie das Salz und das Licht in der Nacht (Mt 5,13–16).

Quelle: EINS 3/2009 ead

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63. Arbeitslos….

Samstag, 2. Januar 2010 | Autor:

Eine Herausforderung für Christen und Gemeinden

Kaum ein Problem ist zurzeit in unserer Gesellschaft so aktuell und belastend wie das der Arbeitslosigkeit. Kaum ein Stein scheint augenblicklich auf dem anderen zu bleiben. Banken und Versicherungen knicken ein, große Unternehmen brauchen Staatshilfe, der Export bricht weg, mindestens die Kurzarbeit droht. Sicher geglaubte Arbeitsstellen werden wegrationalisiert, Produktionsorte (nicht immer) aus Kostengründen ins Ausland verlegt, mittelständische (Zuliefer-) Betriebe müssen Insolvenz anmelden, Firmen sind dem finanziellen Druck nicht mehr gewachsen …
Auch Christen sind herausgefordert. Wir haben kein Recht, uns abzuwenden, so als ginge uns das alles nichts an (sofern wir nicht selber betroffen sind). Unsere Gottgegebene Platzanweisung ist mitten in der Welt, nicht eine Insel der Seligen, auf der uns die Sorgen der Menschen nicht be-rühren. Schon gar nicht haben wir ein Recht zu solcher Haltung, wenn wir selbst Arbeit haben und nicht betroffen sind. In Verbindung mit dem Poli-tischen Arbeitskreis der Deutschen Evangelischen Allianz hat der Wirt-schaftswissenschaftler Dr. Hermann Sautter eine Stellungnahme erarbeitet, mit einer praxisnahen Analyse der Problematik, die vom Hauptvorstand der Evangelischen Allianz verabschiedet wurde. Sie will Christen und Gemeinden konkrete Anregungen geben.

Quelle ead

 

EiNS druckt wichtige Abschnitte:

Michael, Heinz und Alexandra

Arbeitslos zu sein, bedeutet nicht immer dasselbe. Manchmal ist einer nur wenige Wochen oder Monate ohne eine bezahlte Beschäftigung. Andere finden jahrelang keine Stelle. Für den einen ist „Arbeitslosigkeit“ der problemlose Übergang von einem Beschäftigungsverhältnis in ein anderes. Andere leiden unter der wiederholten Erfahrung, mit ihren Fähigkeiten und Kenntnissen nicht gebraucht zu werden. Die persönlichen Erfahrungen Arbeitsloser können also sehr unterschiedlich sein.

Einige Beispiele:

Michael (33), gelernter Galvaniseur. In Feierabendkursen hat er sich auf die Meisterprüfung vorbereitet. Nach erfolgreich bestandener Prüfung war er noch einige Jahre in seiner alten Firma tätig, einem Zulieferer der Auto-industrie. Dann nahm er eine „Auszeit“. Er wollte sich neu orientieren. Zwei Monate lang war er arbeitslos. Danach genügten einige Telefonespräche, um eine neue Stelle zu bekommen. Leute wie er – das ist seine Erfahrung – werden überall gesucht.

Heinz (53) ist Diplomingenieur, verheiratet und Vater von zwei schulpflichtigen Kindern. Er war unter den 800 Personen, die seine Firma in einer schweren Absatzkrise entlassen hat. Er schrieb eine Bewerbung nach der anderen. Mehrfach wurde er zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, aber jedes Mal bekam ein anderer den Zuschlag. Die 205. Bewerbung brachte schließlich Erfolg: Umzug von Nord nach Süddeutschland, Verkauf der Eigentumswohnung, Umschulung der Kinder. Es war nicht einfach. Aber er ist froh, wieder in seinem Beruf arbeiten zu können.

Sascha (22) hat keinen Beruf erlernt. Er ist bei seiner Mutter aufgewachsen, die von Sozialhilfe lebt. Seinen leiblichen Vater hat er nie gesehen. In der Schule gab es immer Schwierigkeiten. Den Hauptschulabschluss hat er nur mühsam geschafft. Nach langem Suchen bekam er einen Ausbildungsvertrag bei einem Bäcker. Drei Monate später brach er die Ausbildung ab. Seitdem ist er arbeitslos.

Harald (33) ist gelernter Elektriker. Nach seiner Ausbildungszeit hat er bei fünf verschiedenen Firmen gearbeitet. Immer gab es Ärger mit dem Chef. Seine letzte Stelle hat er verloren, weil der Betrieb reorganisiert wurde. Harald hat kein großes Interesse, bald wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Er wohnt bei seiner Mutter. Sie bezieht Rente, er „Hartz IV“.
Im Haus und Garten gibt es viel zu tun, und die Nachbarn sind immer dankbar, wenn er ihnen (gegen ordentliches Taschengeld) bei Reparaturen hilft. Dass dies Schwarzarbeit ist, stört ihn nicht.

Alexandra (42) war in der Verwaltung eines volkseigenen Betriebes der DDR beschäftigt. Nach der Wende wurde der Betrieb vom früheren Besitzer übernommen. Es gab Absatzschwierigkeiten. Zwei Drittel der Belegschaft wurden entlassen, auch Alexandra. Derzeit macht sie eine Umschulung, die vom Arbeitsamt finanziert wird.

Problemgruppen

Jede dieser persönlichen Erfahrungen steht für sich selbst. Aber sie reprä-sentieren zugleich typische Problemgruppen.

Eine erste Gruppe umfasst Personen, die nur kurzfristig ohne Beschäftigung sind. Oft finden sie auch ohne die Vermittlung durch eine Arbeitsagentur innerhalb von Tagen, Wochen oder Monaten eine neue Stelle. Sie gelten als „nicht vermittlungsbedürftig“. Es wird geschätzt, dass etwa 20–30% der arbeitslos Gemeldeten dazu gehören.

Eine zweite Gruppe besteht aus Personen, die als „vermittlungsbedürftig“ und „vermittelbar“ gelten. Sie sind zwar auf die Vermittlung durch eine Arbeitsagentur angewiesen, doch ihre Qualifikation gibt ihnen durchaus eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Man schätzt, dass etwa 30 % der Arbeitslosen zu dieser Gruppe gehören.

Zu einer dritten Gruppe gehören die „schwer vermittelbaren“ Arbeitslosen. Beispiele dafür sind: Ältere Personen, für deren Qualifikation keine Nachfrage mehr besteht, und die sich nicht mehr neu qualifizieren können (oder wollen); Personen ohne abgeschlos-sene Schulbildung, die keine Berufsausbildung durchlaufen haben; Menschen ausländischer Herkunft ohne berufliche Ausbildung und mit geringen Kenntnissen der deutschen Sprache; gesundheitlich beeinträchtigte Personen. Es wird geschätzt, dass diese Gruppe etwa 25–30% der registrierten Arbeitslosen umfasst.

Eine vierte Gruppe bilden diejenigen, die nicht ernsthaft an einem Arbeitsplatz interessiert sind, und bei denen alle Vermittlungsversuche ins Leere stoßen. Dazu gehören beispielsweise Personen, die für immer oder vorübergehend aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sich aber so lange wie möglich Zahlungsansprüche sichern wollen; für die sich eine Erwerbsarbeit nicht lohnt, weil ihr Einkommen gepfändet ist oder weil sie hohe Unterhalts-zahlungen leisten müssen, oder die einfach nicht regelmäßig für einen „Arbeitgeber“ tätig sein wollen. Man schätzt, dass etwa 15–20% der registrierten Arbeitslosen dazu gehören. Des Weiteren gibt es eine große Gruppe von Personen, die keine bezahlte Beschäftigung ausüben und sich in staatlich finanzierten Fortbildungs-, Arbeitsbeschaffungs- und ähnlichen Maßnahmen befinden. Sie werden nicht in der offiziellen Arbeitslosenstatistik geführt.

Quelle ead

 

Ursachen, Mittel und Wege

Die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik hat viele Ursachen, die hier nur kurz genannt werden können. Dazu gehören: Technologische Entwicklungen, die zunehmende internationale Verflechtung der Märkte („Globalisierung“) und eine unzureichende Anpassung an die dadurch ausgelösten Änderungen. Wie können Christen und Gemeinden helfen? Sie können beispielhaft wahrhaftig leben, sich nicht von dem Slogan „Der Ehrliche ist der Dumme“ einfangen lassen. Sie können Selbständigkeit lernen und die Verabsolutierung der Erwerbsarbeit überwinden. Und sie können solidarisch helfen. Das menschliche Problem der Arbeitslosigkeit ist vielschichtig. Zum Verlust der Erwerbsarbeit und dem damit verbundenen Einkommen treten sehr häufig der Verlust an Selbstachtung und an gesell-schaftlicher Anerkennung sowie der Zweifel am Sinn des eigenen Lebens. Die wirtschaftlichen Folgen der Arbeitslosigkeit lassen sich in der Regel nicht auf privater Ebene ausgleichen; die seelischen Folgen schon. Für einen Arbeitslosen ist es von unschätzbarem Wert, wenn er in eine menschliche Gemeinschaft integriert ist, in der er seine Probleme offen aussprechen kann, in der er Verständnis und Rat findet, und die ihm seine Selbstzweifel überwinden hilft. Dies zu bieten, ist eine große Herausforderung für christliche Gemeinden. Eingangs war von Heinz die Rede, dem 53-jährigen Diplomingenieur. Seine Entlassung wurde ihm wenige Tage vor dem 25-jährigen Dienstjubiläum mitgeteilt. Es war ein Schock, der ihn zunächst völlig lähmte, und dann eine unbeschreibliche Wut auslöste. In einer Gruppe von Christen konnte er offen darüber sprechen. Es half ihm, dass andere mit ihm gebetet haben. Allmählich fasste er wieder Mut und begann, sich zu bewerben. Als er eine Absage nach der anderen bekam, war er oft am Rand der Verzweiflung. Die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe habe ihn während dieser Zeit „getragen“, wie er später sagte. Mit großer Zähigkeit besuchte er Fortbildungsseminare, um sein fachliches Wissen auf dem Laufenden zu halten. Dass er während der einjährigen Arbeitssuche nicht aufgeben hat und nicht bei jedem neuen Vorstellungsgespräch einen völlig unsicheren Eindruck machte, führt er auf die Tatsache zurück, dass er immer die Solidarität anderer Christen gespürt hat. Die Möglichkeiten einer Gemeinde gehen über eine solche persönliche Begleitung hinaus.

Auch hier ein Beispiel:

In einer Kleinstadt im Einzugsgebiet eines westdeutschen Ballungsgebiets haben sieben Mitglieder einer christlichen Gemeinde eine „Beschäftigungsgesellschaft“ gegründet. Ihr Ziel ist es, schwer vermittel-baren Langzeit-Arbeitslosen eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten, den menschlichen Kontakt mit ihnen zu pflegen und ihnen eine ganzheitliche Lebensperspektive zu geben. Mit dem zuständigen Arbeitsamt trafen sie eine Abmachung, wonach sie etwa 30 „Ein-Euro-Jobs“ anboten und für deren Betreuung einen gewissen Zuschuss erhielten. Die vom Arbeitsamt zugewiesenen Personen sind beispielsweise tätig bei der Hausaufgaben-betreuung von Kindern, bei der Reinigung abgelegener Straßen und Wege (in die kein Reinigungs-fahrzeug kommt) oder bei der Pflege einer Park-anlage. Jeden Tag findet ein gemeinsames Mittagessen statt, das für eine geringe Kostenbeteiligung (€ 0,50) angeboten wird. In regelmäßigen Abständen werden Seminare durchgeführt, in denen es beispielsweise um die Stärkung der Konfliktfähigkeit geht oder um das Menschenbild, das uns eine leistungsorientierte Gesellschaft und das uns die Bibel vermittelt. Die Initiatoren dieses Projektes haben gelernt, dass für Langzeit-Arbeitslose nicht nur das Problem der Beschäftigungslosigkeit eine Rolle spielt, sondern auch das einer geringen Selbstachtung und einer ungeklärten Sinnfrage. Sie bieten deshalb nicht nur Beschäftigungsmöglichkeiten, sondern auch Anregungen zur Stärkung des Selbstwertes und zur Beantwortung der Frage nach dem Lebenssinn.

Fazit:

Christliche Gemeinden können zur Wahrhaftigkeit motivieren, zur Selbstständigkeit ermutigen, der Erwerbsarbeit einen vernünftigen Stellenwert im persönlichen Leben geben und Arbeitslose davor bewahren, ihre Selbstachtung zu verlieren. Sie können zur Solidarität von Erwerbstätigen mit fester Anstellung, „prekär“ Beschäftigten und Arbeitslosen beitragen. Denn die Gemeinschaft des Glaubens ist tiefer begründet als die Zugehörigkeit zur Erwerbsgesellschaft.

Quelle: EINS 3/2009 ead

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