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419. Jesus – das Ende aller Religion

Dienstag, 11. November 2014 | Autor:

Lieber Blogbesucher,

der Titel dieses Buches hat mich sofort angesprochen, weil ich auch in vielen meiner Beiträge die Aussage gemacht habe: „Jesus Christus ist das Ende aller Religionen“.

Auch wenn ich mir bei einigen der Aussagen von Urs Naegeli bisher noch keine endgültige Meinung bilden konnte, möchte ich diesen Beitrag doch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Jeder soll und muss sich selbst prüfen, d.h. für mich den Heiligen Geist zu fragen.

M.T.

 

 

 

 

„Religion ist fromm organisiertes Verbrechen!“

Gekürzte und leicht veränderte Wiedergabe des Youtube-Videos zum aktuellen Buch „Jesus – das Ende aller Religion“.

Das Buch „Jesus – das Ende aller Religion“ ist ein Werk, das in religiösen Kreisen durchaus Staub aufwirbeln wird. Dies ist vom Autor auch so beabsichtigt. Urs-Heinz Naegeli, welche Fragen beantworten Sie in Ihrem neuen Buch?
Sagen wir es mal so: Ich beantworte nicht die Fragen der Besserwisser. Wenn jemand also meint, dass er alles weiss und gar keine Glaubensfragen mehr hat, dann ist er bei mir an der falschen Adresse. Ich erinnere da an das Zitat von Jesus, der gesagt hat, dass nicht die Gesunden den Arzt brauchen, sondern die Kranken. Wenn also Leute religiös krank sind, wenn sie merken, diese Religion – gerade auch die christliche – besteht nur noch aus Vorschriften, dann bin ich die richtige Ansprechadresse.

Welche Reaktionen rund um Ihr neuestes Buch würden Sie am meisten erfreuen?
Am meisten würde mich freuen, wenn verschiedene Christen sagen würden: „Das ist es. Auf diese befreiende Botschaft habe ich schon lange gewartet. Jetzt gibt es für mich nichts Wichtigeres mehr als nur Jesus allein.“ Eine der grössten Freuden wäre für mich deshalb, wenn einzelne Christen ganz neu zu Jesus vordringen würden. Eine ganz andere Form der Freude hätte ich dann, wenn mein Buch da und dort Verunsicherung, Entsetzen und heftige Reaktionen auslösen würde. Ich glaube nämlich, dass eine Botschaft nur dann eine gute ist, wenn sie Entsetzen und Kontroversen in einer breiten Bevölkerungsschicht auslöst. Auch bei den Worten, die Jesus predigte, entsetzten sich die Zuhörer oft. Die in unseren heutigen frommen Kreisen oftmals vorhandene Gleichgültigkeit blieb bei ihm somit aussen vor. Seine Worte bewegten immer etwas und führten jeweils zu heissen Diskussionen.

Der Untertitel Ihres Buches lautet:

„Das Ende der frommen Machthaber kommt. Ganz bestimmt.“ Was ist darunter zu verstehen?
Die Evangeliumsbotschaft wurde bis jetzt noch gar nie oder nur ganz selten richtig gepredigt. Was wir in den letzten 2.000 Jahren verkündet und ausgelebt haben, das war vor allem christliche Religion. Aber die Zeit wird kommen, so hat es auch Jesus vorausgesagt, in der das Evangelium noch in Vollmacht verkündigt wird. Und zwar unmittelbar vor dem Ende. So hat er es in seiner Endzeitrede gesagt. Ich glaube, dass all das, was wir bis heute gemacht haben, nur begrenzt etwas mit derjenigen Evangeliumsverkündigung zu tun hat, so wie sie Jesus gerne gesehen hätte.

Wollen Sie damit sagen, dass wir uns seit 2.000 Jahren in die falsche Richtung bewegen?
Das ist so. Das Christentum ist zur reinen Farce geworden. Alles wurde zu einer starren und festen Struktur. Doch das war niemals das, was Jesus wollte. Wenn Sie behaupten, dass die echte Evangeliumslehre noch nicht verkündigt wurde, so lehnen Sie sich ja weit aus dem Fenster.

Was genau ist denn die richtige Botschaft?
Das ist diejenige, bei der nicht die einzelnen Menschen im Zentrum stehen, sondern nur Jesus allein. Sie sagen, dass wir die religiöse Form der Gemeinschaft, so wie sie heute ausgelebt wird, gar nicht brauchen. Die heutigen religiösen Kirchen und Gemeinschaften sind schlichtweg ein fromm organisiertes Verbrechen. Jesus hat nirgends gesagt, dass wir solche Zusammenkünfte, wie wir sie heute haben, brauchen. Vielmehr lehrte er, dass dort, wo zwei oder drei Menschen – also nicht zweihundert oder dreihundert – in seinem Namen versammelt sind, er mitten unter ihnen ist. Doch dazu brauchen wir weder Päpste noch Bischöfe, auch keine Kardinäle oder Pfarrherren. Wir brauchen auch keine bestimmte Struktur, innerhalb der wir unseren Glauben auszuleben haben. Der Glaube an Jesus hat mit starren Regeln rein gar nichts zu tun.

In einem Zwischentitel Ihres Buches schreiben Sie, dass Gott nie christliche Kirchen wollte. Beziehen Sie sich bei dieser Aussage auf die Überorganisation?
Wir Nachfolger Jesu sollten uns nicht durch die Kirchen, sondern durch den Heiligen Geist leiten lassen. Dieser weht gemäss Jesus jedoch wo er will und – ich würde sagen – auch wie er will. Und der Geist Gottes weist uns immer wieder auf Jesus und seine Worte hin, niemals jedoch auf religiöse Führer, auf Pfarrherren oder Theologen und deren Lehren. So soll denn auch Jesus und nicht unsere Kirche, unsere Gemeinde, eine Veranstaltung, ein Programm oder eine bestimmte Form der Theologie im Mittelpunkt stehen.

Sie kritisieren ganz scharf auch die Kanonisierung, also die Auswahl der heute in unserem Neuen Testament enthaltenen 27 Bücher. Ich bin froh darüber, dass vier von diesen 27 neutestamentlichen Büchern, nämlich die vier Evangelien, tatsächlich niedergeschrieben wurden. Gegen die Originalton-Worte von Jesus habe ich rein gar nichts einzuwenden. Was wir aber überhaupt nicht brauchen, was absolut unnötig ist und auch nirgends vorausgesagt wurde, das sind die weiteren Texte von Paulus, von Petrus, Jakobus oder anderen neutestamentlichen Autoren.

Aber dieser Inhalt füllt ja landauf und landab Tausende von Predigten. Sehen Sie darin die Gefahr, dass am Ziel vorbeigeschossen wird?
Genau. So schreibt Paulus zum Beispiel seine Briefe an bestimmte Gemeinden. Und hier kommt denn auch bereits wieder ein ziemlich strukturiertes Gedankengut vor. Die Kanonisierung der Lehrbriefe eines Paulus führte letztendlich dazu, dass die Christen selbst rund 2.000 Jahre später mehr schriftgeleitet, statt eben geistgeleitet sind. Das Problem ist nun, dass die Bibel, so wie wir sie heute vorliegen haben, weder von Jesus noch von alttestamentlichen Propheten je vorausgesagt wurde. Es steht auch nirgends geschrieben, dass wir künftig mal ein Buch hätten, welches uns in die Wahrheit leiten würde. Diese Aufgabe steht vielmehr dem Heiligen Geist zu. Und dieser wiederum weist immer auf Jesus Christus allein hin, der gesagt hat: „Meine Worte werden nie vergehen.“ Es sind nicht die Worte von Paulus oder anderen neutestamentlichen Schreibern, die ewigen Bestand haben, sondern nur diejenigen von Jesus allein.

Sagen Sie damit auch, dass wenn wir eine gewisse Abhängigkeit von den Worten der Bibel bräuchten, dass dies uns dann durch die Propheten oder zumindest durch Jesus selbst vorausgesagt worden wäre?
Richtig. Jesus hat alles vorausgesagt. Er sagte zu seinen Jüngern, dass er sie bezüglich der kommenden Dinge nicht im Unklaren lassen will. Sie sollten wissen, was geschehen wird. Und deshalb wurde auch alles, was nur irgendwie von Bedeutung war, vorausgesagt. Diesen Charakterzug Gottes finden wir nicht nur bei Jesus, sondern bereits auch schon im Alten Testament, wo es heisst, dass Gott nichts tut, ohne dies zuvor seinen Propheten zu offenbaren. Wir haben also unzählige Aussagen über Jesus, seine Wichtigkeit und Bedeutung für uns. Es gibt jedoch keine einzige Prophetie, die darauf hinauszielt, dass sich die Nachfolger Jesu irgendwann mal nach einem Buch namens Bibel zu richten hätten. Die ganze Kanonisierung ist somit ein reines Menschenwerk und stand nie in der Absicht Gottes.

Sie gehen noch einen Schritt weiter und schreiben, dass Jesus sogar jede Form von Religiosität verurteilt. Aber war er nicht selbst auch religiös?
Auf keinen Fall. Wenn einer absolut nicht religiös war, dann er. Er verurteilte jede Form der Religiosität. Das kann man ganz gut an seinem Umgang mit den damaligen Schriftgelehrten und Pharisäern erkennen.

Lehnen Sie sich auch deshalb so gegen jegliche Art von Religion auf?
Wenn ich persönlich Jesus liebe und dabei eine gute, eine christuszentrierte Botschaft weitergeben will, dann bleibt mir gar nichts anderes übrig, als mich gegen alles Religiöse, gegen die starren Formen und die rein menschliche Machbarkeit aufzulehnen. Denn Jesus sagte, dass wir ohne ihn nichts tun, nichts Entscheidendes bewirken können. Bei dem Spiel, das heute jedoch gespielt wird, da bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob diejenigen Leute, die da meinen, sie seien in alle Ewigkeit hinein gerettet, ob die das wirklich sind.

Was soll man Ihrer Ansicht nach tun, damit man der Wahrheit näher kommt?
Das Geheimnis wird dort gelüftet, wo wir den Mut aufbringen zu verlieren, zu sterben. Wir müssen den eigenen Vorstellungen, nach denen wir bisher geglaubt und gehandelt haben, gänzlich absterben. Es geht um ein Verlustgeschäft. So hat es primär auch Jesus gepredigt. Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und völlig abstirbt, so wird es keine Frucht bringen können. Wer sein Leben für sich selbst, für seine eigenen Vorstellungen verliert, der wird es gemäss Jesus auch verlieren; wer aber dazu bereit ist, sich neu oder auch erstmalig auf das auszurichten und nach dem zu handeln, was Jesus lehrte, der wird das Leben finden.

Welche Christen dürfen sich Ihrer Ansicht nach ihres ewigen Heils sicher sein?
Diesbezüglich möchte ich darauf hinweisen, dass Jesus unter anderem auch über den breiten und den schmalen Weg lehrte. Doch zu wem sprach er diese Worte? Es handelte sich dabei um Menschen, die bereits an ihn glaubten und die ihm nachfolgten. Diese Warnung betreffs dem breiten Weg war somit ganz klar an Gläubige gerichtet. Und zu solchen sagte Jesus, dass sie aufpassen müssen, dass sie nicht auf diesem Weg bleiben. Vielmehr sollen sie diesen nun verlassen und auf dem schmalen Weg gehen. Es ist also durchaus nicht so, wie fälschlicherweise immer wieder gelehrt wurde, dass es sich beim breiten Weg um die böse Welt, um die Ungläubigen handeln würde. Wenn wir also auch hier den Worten von Jesus Glauben schenken, so müssen wir festhalten, dass sich die meisten gläubigen Christen auf dem breiten Weg befinden. Wenn man dies ganz klar im Zusammenhang liest, so müssen wir festhalten, dass die meisten Christen sich somit auf dem direkten Weg in die ewige Verdammnis befinden. Es ist der schmale Weg, der zum ewigen Leben führt. Wir müssen deshalb den breiten Weg der christlichen Religion verlassen.

Gibt es noch etwas, was Sie zum Schluss dieses Interviews weitergeben möchten?
Gerne. Wir sind als Nachfolger von Jesus nur so stark von ihm infiltriert, wie wir ihn ins Zentrum unserer Gedanken und unserer Verkündigung rücken. Wir gehören dann zu den wahren Verkündigern, wenn wir nicht mehr irgendeine Theologie oder die religiösen Machbarkeiten verkündigen, sondern einzig und alleine nur noch auf ihn, auf Jesus Christus hinweisen.

Die Fragen stellte Philip Keller, morgenluft.ch, CH-7430 Thusis.

Foto Montage Agentur PJI Integration-Z1.

Leseprobe aus
„Jesus –das Ende aller Religion“
von Urs-Heinz Naegeli
Die größte Geldverschwendung, welche diese Welt je erlebt hat, betrifft die kirchlichen Gebäude und Einrichtungen. Noch nie wurde seit Menschengedenken so sinnlos viel Geld für etwas ausgegeben, wases gar nicht braucht. Das sind alles in allem riesengroße Summen, die da Jahr für Jahr verschlungen werden. Und dies, obwohl in der Regel diese Häuser nur während wenigen Stunden in der Woche benutzt werden. Würde man all dieses Geld, welches zum Erbauen wie auch zum Unterhalt eingesetzt wird, fürdie Armen und Benachteiligten in dieser Welt einsetzen, so müsste niemand mehr hungern. Zudem würden die Christen –auch ohne missionieren oder evangelisieren zu müssen – dadurch in der Gesellschaft viel glaubwürdiger sein.
Falls Sie nun denken, dass dieser Gedanke abwegig oder gar nicht umsetzbar ist, so muss ich dem klar widersprechen. Denn etliche der ersten Christen lebten genau danach. Diese bauten nämlich alles andere als teure Kirchen und Versammlungslokale. Vielmehr trafen sie sich entweder in bereits bestehenden Einrichtungen oder auch in den Privathäusern(1) der einzelnen Gläubigen. Und sie teilten auch alles untereinander. Diejenigen, die Überfluss hatten, gaben von diesem an diejenigen weiter, welche deutlich weniger besaßen(2). Die Folge davon war, dass das Evangelium sich schnell verbreitete und Gott täglich bewirken konnte, dass noch mehr Menschen den Glauben an Christus annahmen(3).
Das Erbauen von Kirchen und Gemeindegebäuden ist ganz klar etwas, was nicht Gottes Willen entspricht. Wenn wir aber trotzdem meinen, dass wir diese unnötigen Kosten und somit die Lasten rund um die von uns selbst erbauten Häuser mit uns herumschleppen müssen – warum hat Gott uns dann nicht zur Schnecke gemacht?! Diese Geschöpfe sind es ja, welche die Lasten ihrer Häuser zu tragen haben.
Wenn man bedenkt, dass Jesus selbst mittellos war und somit weder ein eigenes Haus besaß noch einen Platz hatte, wo er hätte zur Ruhe kommen können, so ist diese enorme Geldverschleuderung wirklich äußerst fragwürdig. „Die Füchse haben Gruben und die Vögel haben ihre Nester; der Menschen Sohn aber hat keinen Platz, wo er seinen Kopf hinlegen kann“,(4) sagte er über sich selbst. Wie können wir aufgrund dieser Tatsache es überhaupt verantworten, unser Geld in leichtfertiger Weise für so sinnlose und teure Gebäude auszugeben?!
Jesus hielt rein gar nichts davon, dass Menschen den Glauben in solchen strukturellen Gefäßen auslebten oder in solche einzupressen versuchten. Innerhalb derjenigen organischen Gemeinde, die Christus sich wünscht, geht man denn auch nicht in die Kirche oder in die Gemeinde, sondern man ist Gemeinde. Die neue Gemeinde, die sich Gott für uns Menschen erdacht hatte, war keineswegs mehr etwas, was menschliche Baupläne erforderte. Eine Begebenheit, die dies mit aller Klarheit deutlich macht, und der ich mich hier mal ein wenig detaillierter widme, ist die Erscheinung, als Christus sich dreien seiner Jünger als der Herr des Königreiches Gottes offenbarte.
So nahm Jesus eines Tages Petrus, Jakobus und Johannes zu sich und führte sie auf einen hohen Berg, ganz allein. Dort wurde er vor ihren Augen verwandelt. Seine Kleider wurden dabei leuchtend weiß, wie sie kein Färber auf Erden so weiß machen kann. Daraufhin erschienen ihnen Elia mit Mose zusammen, und sie redeten mit Jesus: „Meister, es ist schön, dass wir hier sind“, sagte Petrus zu Jesus.„Wir wollen drei Hütten bauen: dir eine, Mose eine und Elia eine.“ Doch noch während er redete, kam plötzlich eine leuchtend helle Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke heraus sprach eine Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn! Hört auf ihn!“ Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: „Steht auf, und fürchtet euch nicht!“ Und als sie wieder aufsahen, sahen sie niemand mehr bei sich als Jesus allein(5).
Die meisten Ausleger sehen hinter dieser Begebenheit einfach ‚nur’ ein Sichtbarmachen des Königreiches Gottes. Doch es verbirgt sich dahinter ein noch viel tieferes Geheimnis, eine Wahrheit, die wir nicht einfach ignorieren können. Gott selbst lässt hier seine Stimme ertönen und stellt sich zu seinem Sohn. Er fordert uns auf, den Worten Jesu zu gehorchen und nur auf ihn zu hören. Das ganz Spezielle, welches von kaum einem Ausleger erwähnt wird, ist nun aber die Tatsache, dass das menschliche Blickfeld sich nicht auf den Bau der Hütten zu richten hat, sondern eben nur auf Jesus allein Bezug nehmen soll.
Aufgrund eines durchaus geistlichen Erlebnisses wollte Petrus aus einem absolut fleischlichen Wunsch heraus gleich drei Hütten bauen lassen. Nebst derjenigen von Jesus hätte, wenn es nach ihm ginge, durchaus auch noch für Elia und Mose je eine solche gebaut werden können. Doch Gott unterbrach dieses Gerede von Petrus abrupt durch sein Erscheinen. Zudem war nun endgültig auch der Zeitpunkt gekommen, nicht nur diesem besserwisserischen Jünger Einhalt zu gebieten, sondern gleichzeitig auch Elia und Mose aus dem bisherigen religiösen Programm herauszunehmen. Diejenigen geistlichen Führer, die über Jahrhunderte in Israel maßgebend waren, wurden zum Schluss gar nicht mehr wahrgenommen, denn die drei Jünger „sahen nur noch Jesus allein“. Wozu also sollte man auf diesem hohen Berg drei Hütten bauen? Und dies jetzt, wo doch die Zeit gekommen war, in der man „weder auf dem, noch auf einem anderen Berg anbetet“, sondern Gott, der Herr, vielmehr „im Geist und in der Wahrheit“ angebetet wird?(6)
Eine ebenfalls weitere Wahrheit, die viele Ausleger gar nicht lehren, ist die Tatsache, dass es überhaupt nicht mehr um das Bauen von Hütten geht. Wir brauchen somit unsere Kirchen, unsere Gemeindegebäude, weder für Jesus noch für Elia oder Mose aufzustellen. Denn Gott wohnt gar nicht in Gebäuden, die von Menschenhänden angefertigt sind.(7) Dies ist denn auch der Grund dafür, weshalb das Reich Gottes nicht durch menschliche Regentschaft kommt. Vielmehr ist es bereits mitten unter uns und vor allem in uns.(8) Auch der Vorhang, der innerhalb des damaligen Tempels den Blick ins Allerheiligste versperrte, wurde zerrissen.(9) Der Weg zu Gott ist nun frei(10) und wir haben durch Jesus Christus jetzt endgültig Zugang, um selbst in das Allerheiligste gelangen zu können.(11) Rund um dieses Ereignis ist nun auch definitiv das Ende der bisherigen Strukturgläubigkeit eingeläutet worden.
Die Botschaft, die Jesus verkündete, war eine Frohbotschaft. Ab sofort sollten wir – als von sämtlichen religiösen Gesetzen befreite Menschen – an Gott und an seinen Sohn glauben. Es ging um weit mehr als um die Befreiung von der damaligen römischen Knechtschaft. Es ging vielmehr um die Befreiung von der Gesetzlichkeit, wie sie damals praktiziert wurde. Das Allerheiligste, das Beste, das Schönste, sollte nun für jedermann einsehbar und zugänglich sein. Es macht deshalb dort, wo wir dies begriffen haben, nur wenig Sinn, wieder neue Gebäude und Strukturen ins Leben zu rufen und die Leute von neuem von religiösen Systemen abhängig zu machen. Denn das Zeitalter der Religion, wo man bestimmte Gesetze befolgen musste, um vor Gott als  gerecht zu gelten, ist nun endgültig vorbei.
All diese Wahrheiten hatten überhaupt nichts mehr mit den religiösen Vorschriften zu tun, nach denen die Menschen bislang lebten. Deshalb verwundert es auch nicht, dass gerade die Pharisäer und die Schriftgelehrten, die ihre Glaubenssicherheiten durch das Einhalten der bisherigen Regeln zu erhalten versuchten, sich gegen „diese neue Lehre“(12) von Jesus auflehnten. Für die damaligen religiösen Menschen war es fast zum Verzweifeln, weil sie die Sache nicht mehr im Griff hatten. Doch ein noch viel größeres Problem bestand darin, dass Jesus ihnen gegenüber Dinge aussprach, die mehr der Wahrheit entsprachen, als sie es sich eingestehen wollten. Sie wussten einfach nicht mehr weiter. Und schließlich gab es nur noch den einen „Ausweg“: Jesus musste von der Bildfläche verschwinden.

© 2014 by uhn.ch, CH-7220 Schiers

1 Apostelgeschichte 2,46; 5,42.
2 Apostelgeschichte 2,44.
3 Apostelgeschichte 2,47.
4 Lukas 9,58.
5 Markus 9,2-8; Matthäus 17,1-8.
6 Johannes 4,23-24.
7 Jesaja 66,1-2; Apostelgeschichte 7,48-51.
8 Lukas 17,20-22.
9 Matthäus 27,51.
10 Epheser 2,18; 3,12.
11 Hebräer 10,19-24.
12 Markus 1,27

Der Autor Urs Heinz Naegeli

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Thema: "Christliche", Buch Betrachtungen | Ein Kommentar

181. Max Lucado – Verführer oder ….?

Montag, 27. Dezember 2010 | Autor:

 

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Ausführliche Informationen finden Sie im Buch(Betanien Verlag) von:

„Thorsten Brenscheidt: Max Lucado verstehen. Der Bestsellerautor und seine Botschaft“.

Die folgenden Ausführungen stammen von Thorsten Brenscheidt:


Bei den vielen Zitaten aus Lucados Veröffentlichungen fallen u.a. seine fragwürdigen Ausschmückungen auf. Zum Beispiel beschriebt er den Herrn Jesus in der Situation, als er Petrus sagt, er habe für ihn gebetet: „Entschuldigen Sie, aber ich höre die Stimme eines tätowierten, mit einer Lederjacke bekleideten Kerls, der auf den Straßen einer Großstadt herumlungert. „He, Petrus, Satan wollte dich umlegen, aber bleib cool. Ich habe ihm gesagt: Mach mal sachte.“(Wenn Christus wiederkommt, S.96).

Lucado schreibt Marta, der Schwester Marias und Lazarus(lukas 10,38-42), folgende abfällige Gedanken über Jesu Jünger zu: „Ich hätte Jesus bestimmt nicht eingeladen, wenn ich gewusst hätte, dass er die ganze Band mitbringt. Diese Kerle essen wie die Scheunendrescher und der Petrus rülpst immerzu.“(Er versetzt immer noch Berge, S.56).

Zudem vermittelt ein Lucado ein zweifelhaftes Gottesbild: „Aber Gott tanzt gern inmitten des Gewöhnlichen und in dieser Nacht hat er einen Walzer hingelegt.“(3:16 – Zahlen der Hoffnung, S.167). „Wie antworten Sie meistens auf die Einladung von Jesus zum Tanz?“(Werden wie Jesus, S.67).

Das sind nur wenige Beispiele aus der Fülle bedenklicher Zitate.

Der Bestsellerautor und seine Botschaft

Max Lucado – ein bekannter Name, ein Bestseller-Autor, laut „Reader’s Digest“ „der beste Prediger Amerikas“1, laut „Christianity Today Magazine“ „der Pastor Amerikas“2 und laut Neues Leben-Magazin Nr. 11/1998 der „wahre Meister der Wortmalerei“. Seine Popularität und sein Einfluss werden immer größer – mittlerweile auch in Deutschland. Seine Bücher erreichten bisher eine Gesamtauflage von über 50 Millionen Exemplaren und gewannen bedeutende Preise.
Eine Mitautorin der Zeitschrift „Aufatmen“, Anke Pagel, bekennt, dass biblische Geschichten, die sie „schon längst zu den Akten gelegt hatte“, durch Lucado „lebensnah und ermutigend“ wurden.3 Dies scheint das Geheimnis seines Erfolgs und seiner überaus großen Beliebtheit zu sein. Lucado erzählt biblische Geschichten auf seine ganz eigene Weise und unbefangen nach. Geistliche Wahrheiten werden durch Alltagsszenen illustriert und zudem so ausgedrückt, dass sie für jeden zu verstehen sind. Diese Übertragungen und dieser Stil sind es, die ihn zum Bestsellerautor machten.

Lucados Anliegen und sein Menschenbild



„Gottes Sache groß raus zu bringen“4, ist Lucados Anliegen. Wie ihm dies gelingt, sollen die nachfolgenden Auszüge aus seinen Büchern veranschaulichen. Einige seiner Buchtitel machen deutlich, worum es ihm geht: „Leichter durchs Leben“, „Ganz du selbst“, „Der Himmel applaudiert“, „Gott findet, du bist wunderbar!“, „Du bist große Klasse!“ und „Du bist einmalig“. Zu letzterem heißt es in einer Rezension: „Es vermittelt, dass jeder Mensch gut ist, wie Gott ihn gemacht hat und schenkt ein positives Selbstwertgefühl.“5 Durch Buchtitel wie „Es geht nicht um mich“ macht Lucado jedoch ebenso deutlich, dass es ihm in erster Linie um die Ehre Gottes geht. Die Bibel ist für ihn die Grundlage des Glaubens und Jesus Christus der einzige Weg zu Gott.
Bei näherem Hinsehen erscheint jedoch einiges Befremdlich. So sei Gottes Motiv zur Errettung des Menschen nicht nur seine Liebe. Nach Lucado glaubt Gott an ihn, respektiert, achtet und ehrt ihn.6 Zudem spekuliert Lucado, dass im Himmel der Herr Jesus folgendes sagt: ‚Ich bin so stolz, dass du dich von mir gebrauchen ließest. Wegen dir sind andere heute hier.“7 Die Ehre gebührt jedoch nicht dem Menschen, sondern allein Gott, zumal alle gute Taten auch von ihm bewirkt sind (Eph. 2, 8-10).
Nach Lucado dachte Gott bei der Schaffung des Menschen: „Doch dieser wird sein wie ich.“8 Die Folge: „Der Schöpfer hatte nicht ein Geschöpf, sondern einen anderen Schöpfer geschaffen.“9
Und durch eine weitere Geschichte suggeriert Lucado folgerichtig Selbstannahme:
„Kein Wunder, dass der Himmel Beifall klatscht, wenn Sie aufwachen. Ein Meisterwerk ist
aufgestanden. ‚Pst’, flüstern die Sterne. ‚Wie großartig dieses Kind ist.’ ‚Oh’, hauchen die Engel. ‚Was für ein Wunderwerk Gott geschaffen hat!’ Während Sie also stöhnen, ist die Ewigkeit fast sprachlos vor Staunen. Während Sie stolpern, sind die Engel hingerissen. Was Sie im Spiegel als morgendliche Katastrophe sehen, ist in Wirklichkeit ein morgendliches Wunder. Heiligkeit im Bademantel.“10
Während bei Lucado Gott begeistert und stolz auf den Menschen ist, stellt die Bibel dessen
Erbärmlichkeit und Sündhaftigkeit sowie dessen Abhängigkeit von Gottes unverdienter Gnade dar (Jes. 6, 5-7; Offb. 1, 17) – und die Notwendigkeit, von Gott begeistert zu sein.

Lucados Schreibweise und sein Umgang mit der Bibel

Detailliert beschreibt Lucado, was nach Jesu Tod geschehen sei:
„Drei Tage lang verweste der Leichnam Jesu. Denken Sie daran, er lag nicht einfach da. Er verweste. Die Wangen sanken ein und die Haut wurde bleich.“11 Die Bibel bezeugt das Gegenteil, nämlich dass er die Verwesung nicht sah (Apg. 13, 37; vgl. Ps. 16, 10; Apg. 2, 27+31; 13, 34).
Der neue Erzählstil Lucados geht manchmal sogar auf Kosten des ursprünglichen biblischen Zusammenhangs und der korrekten Reihenfolge. So haben zum Beispiel nicht nur Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen: „Doch Eva ist hereingelegt worden, und die Frucht wurde gepflückt, und nur wenige Absätze später folgen Mann und Sohn ihrem Beispiel, und die Ehrlichkeit aus paradiesischen Zeiten ist nur noch eine schöne, ferne Erinnerung.“12
Demnach ist auch der erste Sohn Kain aus dem Paradies vertrieben worden, auch wenn dieser erst im nächsten Kapitel (1. Mose 4, 1a) geboren wird.

Lucados Hilfs- und Stilmittel zum Verständnis der Bibel und ihre Gefahren


Lucado arbeitet immer wieder mit fulminanten Bildern, wenn er zum Beispiel 1. Korinther 13 als „den Mount Everest der Liebesbriefe“ bezeichnet.13 Das Heil bzw. die Bekehrung bezeichnet er sogar als Kur: „Und die einzige Kur hat Gott in Johannes 3, 16 beschrieben: Er liebt. Er gibt. Wir glauben. Wir leben.“14
„Irgendwie erwarten wir vielleicht einen zornigen Gott.“15 Aber diesen gibt es bei Lucado nicht. Wenn überhaupt, dann spricht Lucado höchstens von einem „zärtlichen Zorn Gottes“.16
Der Begriff „Zärtlichkeit“ spielt bei Lucado eine große Rolle: „Von seiner Zärtlichkeit trennt dich nur ein Gebet.“17 Nach einer Aneinanderreihung von leidenschaftlichen Sehnsüchten Gottes findet sich sogar eine Verniedlichung der Eigenschaft des Menschen als Sünder:
„Obwohl wir alle kleine Strolche und Lausebengel sind, hat er uns schon gesehen, bevor wir geboren wurden. Und er mag, was er sieht. Von Gefühlen überwältigt und von Stolz übermannt wendet sich der Schöpfer der Sterne uns, einem nach dem anderen, zu und sagt: ‚Du bist mein Kind. Ich liebe dich von ganzem Herzen.’“18
Dies impliziert, dass Sünde nicht so ernst genommen werden müsse und dass sie fast schon nicht der Rede wert sei. Es relativiert zudem den Wert der Erlösung durch Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz.
Auf die Dauer wird diese einseitige Sichtweise und Verzärtlichung von Gottes Wort jedoch dazu beitragen, es in seiner Gesamtheit miss zu verstehen. Der unkundige Leser ahnt nicht, dass er nur eine Seite der Medaille gezeigt bekommt, und dass vieles über das Geoffenbarte hinausgeht.
Lucado erweckt den Eindruck eines bequemlichen Christentums, das weniger mit Wachen und Beten zu tun hat, sondern mit Schlafen und Kuscheln. So heißt es in seinem Buch mit „Inspirationen aus Psalm 23“:
„Eine Herde von Schafen liegt im Kreis um ihren Hirten herum. Sie haben sich wohlig in das grüne Gras gekuschelt. … Wenn wir die Augen auf den Hirten gerichtet haben, können wir beruhigt schlafen. … Ändern Sie Ihren Blickwinkel und entspannen Sie sich.“19 „Kuscheln Sie sich ein, bis Sie ganz geborgen sind, umgeben und eingehüllt von den Halmen seiner Liebe.“20

Lucados Darstellung des Sohnes Gottes

In einer Übertragung der Auferweckung der Tochter des Jairus (Mk. 5, 22-43) beschreibt Lucado Jesus wie folgt:
„Er sah wie ein ganz normaler Mensch aus, etwas zu normal. Er trug eine Cordjacke mit aufgesetzten Lederstücken an den Ellbogen. Seine Hose war nicht neu, sah aber ordentlich aus. Kein Schlips. Der erste Ansatz einer Stirnglatze war zu sehen, das braune Haar war gelockt. … Er hatte schlanke, kräftige Hände. Jemand hatte mir erzählt, Jesus sei in Mississippi aufgewachsen, als Sohn eines Automechanikers.“21
Dann heißt es, dass Jesus „am frühen Ostermorgen lächelnd aus seinem dunklen Loch heraustrat und dem besiegten Lucifer die Frage stellte: ‚War das alles, was du auf Lager hattest?‘“22

Auf flapsige Art wird auch ein möglicher Gedanke von Nikodemus nach Jesu Auferstehung dargestellt:
„Was meinen Sie, wie Nikodemus reagiert hat, als sich die Kunde davon, dass Jesus aus dem Grab heraus und wieder auf den Beinen sei, auf den Straßen verbreitete? Hat er gelächelt und an das nächtliche Gespräch gedacht? Wiedergeburt? Aha. Wer hätte gedacht, dass er damit bei sich selbst anfängt?“23
Dass Jesus „Ringkämpfe mit seinen Brüdern“24 und eine „erste Schlägerei mit dem Nachbarjungen“25 gehabt hätte entspringt ebenfalls ausschließlich der Phantasie Lucados. Den späteren König David beschreibt Lucado als „pickeligen Jüngling“.26 Und Josef wird Unfähigkeit bescheinigt:
„Josef? Ein kleiner Zimmermann aus einem Dorf mit nur einem Kamel. Gibt es für Gott denn nichts Besseres? Jemanden mit einer Ausbildung, einem etwas erlauchteren Stammbaum? Jemanden mit etwas mehr Schlag? Dieser Typ schafft es ja noch nicht einmal, sich ein Hotelzimmer zu besorgen. Glauben Sie, der hat das, was man braucht, um Vater des Herrn des Universums zu sein?“27
Aus Jesus, dem „schlaksigen Jungen“28 und „dürren Burschen“29 wird bei Lucado „der kräftige, junge Zimmermann“30 und „der Eine, der mit den Sternen Murmeln spielte“31.

„Vielleicht war das Mädchen am anderen Ende der Straße in ihn verknallt oder umgekehrt. Womöglich hatte er knochige Knie. Eines ist jedoch sicher: Er war völlig Gott, aber auch völlig Mensch.“32 Dies gebraucht Lucado immer wieder als Rechtfertigung für seine Jesus-Phantasien.
Wie ergeht es dem bibeltreuen Leser bei solchen über die Bibel hinausgehenden, spekulativen Beschreibungen? Statt sich damit zu beschäftigen, was Jesus Christus gedacht, gesagt oder getan haben könnte, ist es vielmehr die Aufgabe des Menschen, allein das über ihn Offenbarte zu verstehen und im Glauben und Leben anzuwenden. Fängt man, wie Lucado, einmal damit an, stellt sich die Frage, wo die Grenzen für die Ausschmückungen in den biblischen Berichten liegen.

Kann man Gott zu ernst nehmen?


Außergewöhnlich – und das unterscheidet Lucado von den meisten evangelikalen Buchautoren – ist seine Prägung durch Bilder:
„Ich habe ein Bild von Jesus, auf dem er lacht. Es hängt an der Wand gegenüber von meinem Schreibtisch. Es ist eine eindrucksvolle Zeichnung. Jesus wirft den Kopf nach hinten. Sein Mund ist offen. Seine Augen funkeln. Er grinst nicht nur. Er lacht nicht nur stillvergnügt in sich hinein. Er lacht aus vollem Halse. Er hat Schwierigkeiten, Atem zu schöpfen. Ich bekam es von einem Priester der Episkopalkirche geschenkt, der immer Zigarren in der Tasche hat und Bilder sammelt, auf denen Jesus lächelt. ‚Ich schenke jedem Menschen eines, wenn ich denke, dass er dazu neigt, Gott zu ernst zu nehmen’, erklärte er, als er mir das Geschenk überreichte.“33
Lucado kommentiert dieses Anliegen nicht großartig, sondern schreibt nur: „Er hat den Nagel auf dem Kopf getroffen.“34 Aber kann man Gott zu ernst nehmen? Es geht nicht um Fanatismus, zwanghaftes oder krampfhaftes Christsein. Aber wie weit sind wir von Gottes Vorstellungen und Plänen und damit auch von seinem Charakter, ja von ihm selbst entfernt, wenn wir die Gefahr sehen, ihn und sein Wort zu ernst zu nehmen? Es ist ein Angriff auf Gottes Souveränität, seine Allmacht und alle seine vollkommen guten Eigenschaften, wenn dieses vermeintliche Gebot „Du sollst Gott nicht zu ernst nehmen!“ Beachtung findet.

Verschobene Maßstäbe

„Wenn Sie Probleme mit der Zeichnung des lachenden Jesus in meinem Büro haben, dann haben Sie auch Probleme mit dieser Geschichte“, meint Lucado schließlich in Bezug auf die Heilung der blutflüssigen Frau.35 In dem Gespräch mit dieser Frau sieht Lucado eine „satirische Neckerei“.36
Soviel zu einem christlichen Bestsellerautor, der in Zukunft möglicherweise noch viele Christen prägen wird. Mit seinem Gottesbild ist Max Lucado gewissermaßen ein Prototyp der Neo-Evangelikalen und auch Repräsentant eines sinnlichen Christentums ohne die Notwendigkeit der Buße und der Verdorbenheit des Menschen. Gottes Zorn und Gericht werden weitgehend ausgeblendet. Die Autorität der Heiligen Schrift wird relativiert durch Hinzufügungen und Phantasien. Die Ehre Gottes verblasst vor dem Anliegen, den Menschen Selbstvertrauen und Selbstliebe zu vermitteln.
Sind wir schon in der Zeit, in der „sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden.“ (2. Tim. 4, 3-4)?

1 http://www.acu.edu/events/news/archives2005/050415_best_preacher.html
2 http://www.christianitytoday.com/ct/2004/march/8.58.html
3 „Aufatmen“ Nr. 03/2005, S. 18
4 Ebd., S. 19
5 Anonym. Rezension bei Amazon.
6 „Liebe im Überfluss“, S. 71-72, 153, 157-158
7 „Wenn Christus wiederkommt“, S. 85-86
8 „Ruhe im Sturm“, S. 149
9 Ebd., S. 152
10 Ebd., S. 145
11 „Wenn Christus wiederkommt“, S. 35+38
12 „Werden wie Jesus“, S. 120
13 „Liebe im Überfluss“, S. 16
14 „3:16 für Teens“, S. 18
15 Ebd.
16 „Ruhe im Sturm“, S. 104
17 „3:16 für Teens“, S. 42
18 „Gott findet, du bist wunderbar“, S. 91-94
19 „Leichter durchs Leben für Mütter“, S. 50-51
20 Ebd., S. 56
21 „Ein Tag, der alle veränderte“, S. 124-125
22 „Ein Geschenk für dich“, S. 46
23 „3:16 – Zahlen der Hoffnung“, S. 19; Hervorhebung im Original
24 „Ruhe im Sturm“, S. 108
25 „3:16 – Zahlen der Hoffnung“, S. 173
26 „Ganz Du selbst!“, S. 56
27 Ebd., S. 172-3
28 „Das 3:16-Versprechen“, S. 14; „3:16 – Zahlen der Hoffnung“, S. 52
29 „3:16 für Teens“, S. 51
30 „Er versetzt immer noch Berge“, S. 110
31 „Ein Geschenk für dich“, S. 45
32 „Ruhe im Sturm“, S. 24
33 „Ruhe im Sturm“, S. 128
34 Ebd.
35 Ebd., S. 130
36 Ebd., S. 132

Lieber Leser,

leider ist es ein Trend in unserer Zeit, dass Wort Gottes nicht mehr zu achten, sondern viele Zeitgenossen, die das große Geld machen wollen, gehen mit diesem Wort achtlos um.

Für mich ist da ein Grenze erreicht, wo der Leser in die Irre geführt wird, und nicht mehr Jesus die Mitte bleibt.

Thema: "Christliche", Buch Betrachtungen | Beitrag kommentieren

81. Ist GOTT tot?

Freitag, 26. Februar 2010 | Autor:

Autor des Buches  D.König-Meier

„Gott ist tot“, sagte Nietzsche damals. Und er hat recht. Zumindest in der Hinsicht, dass Gott keine Bedeutung für den Großteil der Menschen in Deutschland hat. Die meisten denken: „Gott? Ich weiß nicht, ob ich es Gott nennen würde, aber ich glaube schon, dass es da irgendetwas Höheres gibt.“ Allerdings würde ihr Leben wohl genauso aussehen, wenn sie nicht an dieses Höhere glauben würden. In dieser Hinsicht ist Gott tatsächlich tot. Ohne Auswirkung auf ihr Leben.
Bleibt uns mittlerweile nichts weiter als ein beliebiger Gott, bei dem es letztlich egal ist, ob er existiert oder nicht? Gibt es keine Möglichkeit, konkreteres Wissen über Gott zu bekommen? Dieses Buch will einen Beitrag leisten, sich der Frage nach Gott verstandesmäßig nachvollziehbar zu nähern. Ich schreibe es im Glauben an Jesus Christus und die Bibel.

Bibelgläubige Christen werden oft als rückständig wahrgenommen. Der Eindruck ist weit verbreitet, dass sich der Christ in einem Rückzugskampf gegen die übermächtige Wissenschaft befindet, welche ihm mehr und mehr den Boden unter den Füßen wegzieht. Wie kam es zu diesem Eindruck? Wieso setzen sich bestimmte Meinungen gesellschaftsweit durch? Speziell bei näherer Betrachtung weltanschaulicher Fragen zeigt sich, dass Meinungen meist nicht das Ergebnis eines geistigen Höherentwicklungsprozesses sind, sondern oft nur von bloßer Rhetorik verbreitet werden. Die Meinungsmacher übertrumpfen sich in geschickten Formulierungen. Personengruppen und Ansichten können mit abschätzigen Bezeichnungen wie z.B. fundamentalistisch, intolerant, unwissenschaftlich oder radikal als intellektuell nicht weiter ernstzunehmend gebrandmarkt werden. Manche Worte sind so stark, dass der Zuhörer sie nicht weiter hinterfragt. Er denkt, der Fall sei längst klar. Dabei kann radikal dasselbe wie konsequent bedeuten. Nur dass das eine Wort negativ, und das andere positiv klingt. Einige Menschen gehen so weit, sich als Skeptiker oder Aufgeklärte zu bezeichnen. Damit suggeriert allein schon der Name verstandesmäßige Überlegenheit. Als ob skeptisches Denken dasjenige Merkmal wäre, welches sie von anderen unterscheidet. So bescheinigt schon die Namensgebung den anderen intellektuelle Zurückgebliebenheit. Menschen, welche die Existenz Gottes für wahr halten, werden belächelnd als Gläubige bezeichnet, was nach Hilflosigkeit klingt. Dabei hat der Atheist die Nicht-Existenz Gottes genausowenig bewiesen, was auch ihn zu einem Gläubigen macht. Nur dass sein Glaubenssatz heißt: Gott existiert nicht.

Die Schlacht mit Wörtern führt zu großer Verwirrung und oft auch zu einer gewissen Resignation bezüglich der großen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Gibt es Gott?

Dieses Buch beleuchtet diese Fragen und bemüht sich, zu zeigen, welche Realitäten hinter den Wörtern liegen. Es ist weniger zur Stillung intellektueller Neugier geschrieben worden als für Leute, die sich ernsthaft die existenzielle Frage stellen: Wie kann ich als denkender Mensch des 21. Jahrhunderts die Frage nach Gott zufriedenstellend beantworten? Zu dieser übergeordneten Frage hinführend, beschäftigt sich jedes Kapitel mit einer separaten Teilfrage. Kapitel 1 geht der Frage nach, inwieweit Wissenschaft ein geeignetes Hilfsmittel auf der Suche nach Gott ist. In Kapitel 2 geht es um den Atheismus als Alternative zum Glauben an Gott. Kapitel 3 behandelt den Agnostizismus, die weitverbreitete Alternative zu Gottglauben und Atheismus. Kapitel 4 fragt, wie weit man sich mit Hilfe des Verstandes manipulativer Meinungsverbreitung entziehen kann. Kapitel 5 schließlich zeigt die Sicht der Bibel, wie man Gott finden kann.

1. Was kann die Wissenschaft zur Frage nach der Existenz Gottes beitragen?

Die Wissenschaft hat der Menschheit viel Gutes gebracht. Besonders in der Medizin haben wir ihr viel zu verdanken. Während der vergangenen Jahrhunderte wurden Fortschritte gemacht, die sich früher nicht erträumen ließen. Damals haben Seuchen wie Pest, Cholera oder Tuberkulose ganze Landstriche ausradiert. Von Lepra oder Pocken verunstaltete Menschen fristeten ein einsames und geschmähtes Leben am Rande der Gesellschaft. Aus heutiger Sicht kleinere Verletzungen wie Knochenbrüche wurden zur Lebensgefahr. Der Sieg über solche Krankheiten und Verletzungen ist ein großartiger Triumph wissenschaftlicher Anstrengungen.
Nicht nur in der Medizin kann die Wissenschaft große Erfolge vorweisen. Unser hoher Lebensstandard wurde nur möglich mit Hilfe einer Vielzahl wissenschaftlicher Fortschritte. Auch konnten viele Naturphänomene entmystifiziert und auf naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten zurückgeführt werden, so dass man hinter einer Mondfinsternis heute keinen schrecklichen Dämon mehr vermuten muss [1].

Trotzdem gibt es Christen, die Wissenschaft nicht gutheißen. Sie haben sich auf die Ansicht eingelassen, dass der christliche Glaube und die Wissenschaft im Konflikt stünden und sehen die Wissenschaft teilweise sogar als Feindbild. Wie Wissenschaft und Glaube in einem fruchtbaren Verhältnis stehen können, wird in Kapitel 3 erläutert. Zu diesem Zeitpunkt sei erwähnt, dass wissenschaftsfeindliche Christen mit der Bibel im Widerspruch stehen, denn dort wird Wissen und Vernunft gutgeheißen: „Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne den Verstand deinen Freund.“[2]

Manche Vorstellungen von Gott können die Wissenschaft aber tatsächlich behindern. Wenn man hinter einer mysteriösen Naturerscheinung das unbegreifliche Wirken Gottes vermutet, kann einen das davon abhalten, die Naturerscheinung näher zu untersuchen. Gott nimmt dabei die Rolle eines Lückenbüßers ein, dessen Herrschaftsgebiet mit jeder neuen Entdeckung etwas kleiner wird. Die Bibel jedoch zeigt Gott nicht als Lückenbüßer, sondern als Verursacher und Erhalter der Naturgesetze, der Materie und der Lebewesen [3].

Pioniere der Wissenschaft reden über den Glauben an Gott

Der Glaube an Gott – wenn auch in verschiedener Ausprägung – zieht sich durch die bisherige Wissenschaftsgeschichte. Isaac Newton, der den Ausgangspunkt der klassischen Physik im modernen Sinne markiert, sagte: „Wer oberflächlich Physik treibt, der kann an Gott glauben. Wer sie bis zum Ende denkt, der muss an Gott glauben.“[4] Max Planck, der Begründer der Quantenphysik, erklärte: „Zwischen Religion und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch, wohl aber gerade in den entscheidenden Punkten volle Übereinstimmung. Der wohl unmittelbarste Beweis für die Verträglichkeit von Religion und Naturwissenschaft auch bei gründlich-kritischer Betrachtung ist die historische Tatsache, dass gerade die größten Naturforscher aller Zeiten, Männer wie Kepler, Newton oder Leibniz, von tiefer Religiosität durchdrungen waren.“[5] Werner Heisenberg, ebenfalls ein wichtiger Wegbereiter der Quantenphysik, sagte: „Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch; aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“[4]

Was ist mit Wissenschaft gemeint?

Was ist mit Wissenschaft überhaupt gemeint? Der Apparat aus Universitäten, Professoren und Veröffentlichungen ist die organisatorische Grundlage, auf der die maßgebliche Wissenschaft heute existiert. Das eigentliche Forschen, aus dem die Erkenntnisse gewonnen werden, kann in zwei Methoden unterteilt werden:

Die eine Methode ist die historische Wissenschaft, die herausfinden will, was in der Vergangenheit passierte und existierte. Dazu werden überlieferte Dokumente, Objekte und Zeugenaussagen sichergestellt und auf dieser Faktengrundlage möglichst genau frühere Situationen rekonstruiert.

Die andere Methode hat das Ziel, Naturgesetze zu ergründen. Die Vorgehensweise ist vom Prinzip her relativ einfach und kann am Beispiel eines Apfels, der vom Baum auf den Boden fällt, erklärt werden. Am Anfang hat man noch kein Wissen und startet mit einer Beobachtung: Man beobachtet, dass der Apfel vom Ast Richtung Erde fällt. Das könnte auch Zufall sein, denn vielleicht fällt er beim nächsten Mal Richtung Himmel. Dann beobachtet man ein weiteres Mal und stellt fest, dass der Apfel schon wieder Richtung Erde fällt. Das schwächt den Glauben daran, dass Zufall im Spiel ist. Beim dritten Mal wird der Glaube an den Zufall noch geringer und so bildet sich immer mehr die Vermutung heraus, dass der fallende Apfel nicht dem Zufall, sondern einer Gesetzmäßigkeit folgt. In unserem Fall nennt sich diese Gesetzmäßigkeit Gravitation. Wissenschaftlich formuliert bedeutet Gravitation, dass sich zwei Massen (Erde und Apfel) gegenseitig anziehen. Dabei ist festzuhalten, dass es keinen anderen logischen Grund gibt, warum der Apfel beim nächsten mal auch wieder Richtung Erde fallen sollte, als nur, dass er es bis jetzt immer getan hat. Man kann nicht beweisen, dass er tatsächlich einem unabänderlichen Naturgesetz folgt. Sondern wegen der Beobachtung, dass er bis jetzt immer nach unten gefallen ist, vermutet man einfach, dass er es auch beim nächsten Mal wieder tun wird. Folglich ist auch die Wissenschaft in ihrer grundlegendsten Basis ein Glaube. Der Wissenschaftler glaubt, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht, daran, dass die Naturgesetze zu jeder Zeit und an jedem Ort im Universum konstant bleiben. Er hat das nicht bewiesen, und er hat auch keine Möglichkeit, es zu beweisen. Er hat keine Möglichkeit, zu beweisen, ob nicht möglicherweise die Naturgesetze zu mancher Zeit an manchem Ort außer Kraft gesetzt sind. Er kann es nur glauben. Nun wäre es nicht angemessen, deswegen alle wissenschaftliche Erkenntnis in Frage zu stellen, denn immerhin hat sich dieser Glaube bewährt und wie eingangs erwähnt haben wir ihm viel zu verdanken. Trotzdem ist festzuhalten, dass man genau genommen die Aussage „Ich verlasse mich nicht auf Glauben, sondern auf Wissen“ nicht treffen kann.
Wenn man allerdings nicht daran glaubt, dass die Gravitation konstant bleibt, könnte man nicht ohne Angst durch die Welt gehen. Es könnten ja plötzlich die Äpfel vom Obststand nach oben oder zur Seite wegfliegen und einen verletzen. Im Film Matrix ist diese Angst dargestellt, indem fiktiv ein Naturgesetz außer Kraft gesetzt wurde, nämlich als der Hauptfigur Neo anfangs plötzlich der Mund zuwächst. Dabei hat sich die millionenfache Beobachtung, dass Münder nicht zuwachsen, beim millionenundeinsten Mal nicht wiederholt. Das Resultat war Panik und Angst.

Die prinzipielle Reichweite der wissenschaftlichen Methoden

Der praktische Nutzen von Wissenschaft ist folglich der: Wenn man auf der Glaubensbasis steht, dass die Naturgesetze immer konstant bleiben, dann kann man damit seine Umgebung kontrollieren und beherrschen. Wenn man sich darauf verlässt, dass sich der Apfel immer gleich verhält, kann man die zukünftige Position des Apfels voraussagen. Das heißt, man kann gezielt bestimmte gewünschte Situationen herbeiführen. Man kann zum Beispiel Äpfel gezielt in Obstkörbe fallen lassen oder, was vom Prinzip her das Gleiche ist, nur komplizierter: Man kann Menschen auf dem Mond platzieren.

Ist dieses Prinzip verstanden, dann wird auch deutlich, warum die Existenz Gottes mit dieser wissenschaftlichen Methode nicht bewiesen werden kann. Denn dann könnte man ihn beherrschen. Wenn Gott sich wie ein Naturgesetz immer gleich verhalten würde, dann könnten wir ihn für unsere Zwecke benutzen. Doch was wäre das für ein Gott, der, anstatt über uns zu herrschen, sich von uns beherrschen ließe? Gottes diesbezügliche Unbeweisbarkeit ist also kein undurchdachter Fehler beim Gottglauben, sondern hat seinen Grund.

Mit der zweitgenannten der beiden wissenschaftlichen Methoden ist es deshalb prinzipiell unmöglich, sich der Frage nach der Existenz Gottes zu nähern. Mit der erstgenannten historischen Methode verhält es sich etwas anders. Mit ihr ist es möglich, beispielsweise die Situation nach der Kreuzigung von Jesus vor knapp 2000 Jahren zu rekonstruieren und Plausibilitätsüberlegungen anzustellen, ob die Auferstehung nach drei Tagen wirklich stattfand[6]. Die historische Methode bietet allerdings nicht die Möglichkeit, Gott zu beherrschen, weil sie keine Naturgesetze, sondern Ereignisse aus der Vergangenheit untersucht, die im Labor nicht wiederholbar sind.

Die Wissenschaft ist für viele zur Religion geworden

Der Gesellschaftskritiker und Pionier der künstlichen Intelligenz, Joseph Weizenbaum, bezeichnet Wissenschaft als neue Weltreligion [7]. Das trifft in mehrerer Hinsicht zu.
Als erstes fällt auf, dass auch der Wissenschaftler, wie im vorletzten Abschnitt gezeigt, am Anfang seiner Arbeit eine Glaubensannahme trifft.
Außerdem schafft Wissenschaft Hoffnung. Das Hoffnungsvakuum, welches das Zurückgehen des Gottglaubens hinterlassen hat, wird an vielen Stellen von der Wissenschaft gefüllt. Neben dem natürlichen Wissensdurst des Menschen ist Hoffnung ein Hauptanreiz, Wissenschaft überhaupt zu betreiben. Das wird beim Betrachten der wissenschaftlichen Themen, die in den Medien präsent sind, deutlich. Die Wissenschaft tritt als hoffnungsvoller Retter vor der drohenden Klimakatastrophe auf. Von soziologischer Forschung erhofft man sich eine gerechtere Gesellschaft. Am deutlichsten sieht man den Hoffnungsaspekt der Wissenschaft am Beispiel der Medizin. Man erhofft sich bessere Medikamente gegen Depressionen, um so das Leben mehr genießen zu können. Man hofft auf wirksamere Haarwuchs- und Potenzmittel, um dem körperlichen Verfall entgegen wirken zu können. Die Hoffnungen zielen darauf ab, das Leben schöner und länger zu machen. Der mächtige Bezugspunkt dabei ist der Tod. Es gilt, ihn immer mehr zurückzudrängen und seinen Einflussbereich einzudämmen. Der drohende Tod beschleunigt die Forschung. Vor ihm gilt es zu flüchten. Im Kampf gegen den Tod setzen viele ihre Hoffnung auf die Wissenschaft. Ohne ihre Rettungsverheißungen würde die Wissenschaft viel von ihrer Beachtung verlieren. Der Mensch kann sich zwar vom Glauben an Gott lossagen, doch die Frage nach dem Tod will auch danach noch beantwortet werden. Von der Wissenschaft erhofft man sich diesbezügliche Antworten.

Zudem wird der Begriff Wissenschaft oft als Schlagwort verwendet, weil er nach intellektueller Überlegenheit klingt. Begriffe wie High-Tech oder modernste wissenschaftliche Methoden sind derart mit Vertrauens-würdigkeit beladen, dass die Menschen fast religiös an ihre Objektivität glauben. Diese Vertrauenswürdigkeit wird auch als kommerzielles Werbemittel eingesetzt. Sie verhilft klinisch getesteter Zahnpasta und ernährungswissenschaftlich empfohlenen Mahlzeiten zu höheren Verkaufszahlen. Die Wissenschaft umgibt der Ruf einer unfehlbaren und damit göttlichen Instanz, obwohl es viele Gefälligkeitswissenschaftler gibt, die positive Gutachten auf Anfrage erstellen. Die gelegentlich entlarvten Fälschungen schaden dem hohen Ansehen wenig. So stellten sich Laboruntersuchungen der Medizinischen Universität Wien, welche vorgaben, die Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung belegt zu haben, als Schwindel heraus [8]. Auch die als Sensation gefeierte Herstellung von maßgeschneiderten Stammzellen durch Klonen an der Universität von Seoul erwies sich als Fälschung [9].
Ein gewisses Maß an Vertrauen gegenüber der Wissenschaft ist aber nützlich. Denn ein Bäcker hat für gewöhnlich nicht die Möglichkeit, eigenhändig zu prüfen, ob Mobilfunkstrahlung schädlich für seinen Körper ist. Sonst hätte er keine Zeit mehr, die Brote zu backen, von denen sich der Wissenschaftler ernährt. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Denn genau genommen glaubt die große Mehrheit der Menschen nicht der wissenschaftlichen Methode selbst, sondern dem Wissenschaftler. Man sollte also immer im Hinterkopf behalten, dass ein menschlicher Vermittler existiert.

Die Wissenschaft kann ideologisch missbraucht werden

Das Vertrauen, welches sich die Wissenschaft durch sehr viel Arbeit über Jahrhunderte erworben hat, kann missbraucht werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn mit Wissenschaft ideologische Positionen untermauert werden sollen. Dabei ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse tatsächlich für eine bestimmte Weltsicht oder ein bestimmtes Menschenbild sprechen. Aber die Darstellung der neuen offensiven Atheisten – allen voran Richard Dawkins – hält einer sorgfältigen Prüfung nicht stand [1,10]. Dawkins verbreitet die Ansicht, dass die Wissenschaft für den Atheismus spricht [11]. Wegen seiner einseitigen Darstellung wird er deshalb sogar selbst von anderen atheistischen Wissenschaftlern kritisiert, die um ihre intellektuelle Glaubwürdigkeit fürchten [10]. Allerdings wird die öffentliche Meinung diesbezüglich mehr vom Ausmaß der Medienpräsenz als von Fakten geprägt. Die eigentliche Auseinandersetzung findet nicht, wie oft suggeriert, zwischen Religion und Wissenschaft statt, sondern zwischen verschiedenen Weltbildern. In diesem Fall zwischen Theismus und Atheismus [1]. Das wird auch daran deutlich, dass es praktisch alle an der hitzigen Diskussion beteiligten Positionen schon vor der Forschung gab. So besteht der Gedanke einer Schöpfung oder einer Evolution zeitlich gesehen schon viel länger, als versucht wird, diese Ansichten mit Fakten zu unterfüttern. [12] Das gilt auch für die Frage, ob Mann und Frau von ihrem Wesen und ihrer Veranlagung her verschieden oder gleich sind. Beide Ansichten gab es schon, bevor darüber soziologische Studien durchgeführt wurden. Gleiches gilt für die Frage, ob das Universum schon immer existiert hat oder einen Anfang hatte. Und ob es eher von Spuren eines absichtsvollen Schöpfers oder aber von purem Zufall geprägt ist.
Eine inhaltliche Untersuchung dieser Streitfragen zeigt, dass bei allen eben erwähnten Positionen Fragezeichen stehen bleiben. Folgerichtig gibt es sowohl Wissenschaftler, die an die Existenz Gottes glauben als auch solche, die dies nicht tun [10].

2. Der materialistische Atheismus sägt sich den Ast ab, auf dem er sitzt

Der Atheist Ludwig Feuerbach hat den Gedanken populär gemacht, dass Gott eine Erfindung des Menschen sei. Er drehte das biblische „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“ um und behauptete: „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde“[15] Das nährte das Überlegenheitsgefühl vieler vermeintlicher Freigeister, die sich vom Christentum abwenden wollten und glaubten: „Die Bibelautoren des ersten Jahrhunderts konnten von solch modernen Erkenntnissen noch nichts wissen, aber jetzt sei es an der Zeit, die veraltete biblische Sichtweise hinter sich zu lassen.“ Dabei war Feuerbachs Behauptung gar nichts Neues. Schon der griechische Philosoph Xenophanes sagte ca. 500 v. Chr. sinngemäß dasselbe [16]. Paulus, ein Bibelautor, zitierte sogar an mehreren Stellen des Neuen Testaments griechische Philosophen und lässt so durchblicken, dass er sich mit ihren Ideen auskannte [17]. Feuerbachs Behauptung wurde später in der Psychologie umformuliert zu „Gott ist eine Projektion des Menschen“. Das heißt, wir würden in uns hineinschauen und uns dann einen Gott ausdenken, der die Eigenschaften hat, die wir in uns beobachten oder uns wünschen. Doch der Gedankengang hilft im Hinblick auf die Frage nach Gott nicht weiter. Denn es gibt kein Mittel, zu unterscheiden, ob die ähnlichen Eigenschaften daraus resultieren, dass entweder wir Gott erschufen, oder Gott uns.

Was sind die Aussagen des Atheismus, bzw. der materialistisch-deterministischen Variante des Atheismus?

Atheist ist jemand, der die Existenz Gottes nicht für wahr hält. Sehr verbreitet ist die materialistisch-deterministische Variante des Atheismus.

Materialistisch bedeutet, dass das komplette Universum aus nichts anderem besteht, als aus Materie, die von physikalischen Kräften bewegt und strukturiert wird. Die physikalischen Kräfte sind die Gravitationskraft, die elektromagnetische Kraft und die sogenannte schwache und starke Kernkraft. Deterministisch bedeutet, dass jedes Teilchen, welches sich im Universum bewegt – sei es das Atom eines Planeten oder das eines menschlichen Gehirns – sich ausschließlich deshalb bewegt, weil eine dieser vier Kräfte es dazu gezwungen hat. Weil die Kräfte gesetzmäßig immer auf die selbe Art und Weise wirken, liegt demzufolge heute schon fest, wo sich die Teilchen morgen befinden werden. Zum Beispiel liegt heute schon fest, welche Gedanken man morgen denken wird und welche Entscheidungen man treffen wird. Die Gedanken sind also determiniert, das heißt festgelegt. Die Kräfte haben mit der Zeit die Materie zu Galaxien, Sonnen und Planeten geformt. Auf unserem Planeten wurde die leblose Materie dann im Laufe der Evolution erst zu einfacheren und dann zu immer komplexeren Molekülverbänden strukturiert, bis schließlich die komplizierte Materiestruktur entstand, die sich heute „Mensch“ nennt.
Ob sich die Wirklichkeit derart mechanisch verhält, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht geklärt. Im Zeitalter der klassischen Physik (ca. 17. – 19. Jahrhundert) war eine umfassende mechanische Weltsicht sehr verbreitet, bis dann im vergangenen Jahrhundert die Entdeckung der Quantenmechanik (1925) diese Ansicht ablöste. Seitdem glaubt der Großteil der Physiker nicht mehr daran, dass sich Materie derart gesetzmäßig verhält. Allerdings lassen die Erkenntnisse der Quantenmechanik verschiedene Interpretationen zu, so dass die Frage nicht abschließend geklärt ist. [18, ]

Die Schlussfolgerungen des materialistisch-deterministischen Atheismus

Ungeachtet dessen, dass die Diskussion noch nicht entschieden ist, kann überlegt werden, was es denn für Konsequenzen hätte, wenn der materialistisch-deterministische Atheismus tatsächlich wahr wäre. Denn diese Version der Weltgeschichte würde für unsere Identität als Mensch grundlegende Folgen haben: Wir wären dann nicht mehr Lebewesen, sondern Objekte. Wir wären dann nicht mehr Personen, sondern Molekülmaschinen.
So würde der Stellenwert des Menschen fundamental reduziert. Da wir nur strukturiert angeordnete, aber letztlich leblose Materie wären, verschwände unsere Persönlichkeit, das heißt unser „Ich“, welches uns ausmacht. Es würde zu einer von physikalischen Kräften getriebenen und beherrschten Null schrumpfen. Den einen hätten die physikalischen Kräfte zum Theisten geformt und den anderen zum Atheisten. Autonome Entscheidungen, freier Wille und freie Meinung wären dann nur eine Illusion. Die ganze Diskussion verlöre ihre Bedeutung, denn sie würde von außen diktiert. Konsequenterweise wäre auch an Terroranschlägen und Völkermorden niemand schuld. Denn es wären die unabänderlichen physikalischen Kräfte, welche die Moleküle im Gehirn des Attentäters so angeordnet haben, dass sie unausweichlich den Entschluss zu dem Verbrechen formten. Warum sollte sich ein Mörder dann überhaupt noch verantworten? Wo doch nicht er als Person sich dazu entschlossen hätte, sondern die elektrochemischen Prozesse in seinem Gehirn den Mord erzwungen hätten?

Ausgehend von lebloser Materie lässt sich zudem nirgendwo eine Wertung ableiten. Man kann nirgendwo ableiten, dass etwas gut, schlecht oder eine Mischung von beidem ist. Denn dem materialistischem Atheismus zufolge hat sich die Materie zwar als Mensch angeordnet, aber man kann nicht sagen, dass das gut sei. Sie hat es eben getan. Die physikalischen Kräfte haben die Materie eben über die Zeit zu Menschen geformt. Es gibt keinen Grund, warum es besser sein sollte, dass die Materie als Menschmaschine angeordnet ist, anstatt als Blumenerde auf dem Boden zu liegen. Es gibt keinen Grund, warum man sich als Mensch beschützen sollte, warum Leben etwas Wertvolles sein sollte und warum der Mensch so etwas wie Würde besitzen sollte. Wenn es kein gut und schlecht gibt, dann kann auch Leid, Krankheit und Tod nicht als schlecht bezeichnet werden.
Viele Atheisten würden dem widersprechen und entgegnen, dass es in ihrem Denken sehr wohl Wertungen wie gut und schlecht gibt. Diese Wertungen begründen sie auf menschliche Empfindungen. Was man als leidvoll empfindet, ist schlecht. Was man als Freude bereitend empfindet, ist gut. Das Problem dabei ist allerdings, dass ihr materialistisches Denken schon viel früher greift. Es macht nämlich Aussagen darüber, wer sie als Menschen überhaupt sind: Eine von äußeren physikalischen Kräften angeordnete Materiestruktur und damit nichts, was Wertungen aufstellen könnte. Wenn die Materie vor Entstehung des Menschen wertefrei war, dann ist sie es auch danach. Denn durch die Entstehung des Menschen kam nichts Wesentliches dazu. Es hat sich lediglich die Materie anders angeordnet.

Wäre der materialistische Atheismus wahr, würden auch Liebe, Sinn, Empfindungen, Trauer, Freude oder das Bewusstsein selbst zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen, weil sie nur Illusionen wären, hervorgerufen von komplexen Zellverbänden. Angesichts dessen mag sich manch ein Atheist freuen. Denn wenn es keinen Sinn im Leben gibt, dann – so die Überlegung – kann er selbst einen festlegen. Doch „ihn“, der etwas festlegen könnte, gibt es seinem Denken zufolge gar nicht. Diesen Punkt kann schließlich auch Richard Dawkins nicht überwinden, wenn er vorschlägt, wir sollten gegen unsere Gene rebellieren, obwohl es seinen sonstigen Ausführungen zufolge „uns“ in dem Sinne gar nicht gibt [20, 21, 22]. Falls jemand trotzdem gegen die ihn beherrschenden Triebe rebellieren sollte, dann dem materialistisch atheistischen Menschenbild zufolge nur deshalb, weil andere Triebe, die aber auch von physikalischen Kräften gesteuert werden, stärker sind.

Der materialistisch-deterministische Atheismus treibt jeden Menschen, der ihn in allen seinen Konsequenzen anerkennt, in die Sackgasse des gedanklichen Stillstandes und der Handlungsunfähigkeit. Denn der Mensch hat keinen Antrieb zum Denken und Handeln mehr, wenn er erkannt hat, dass es auf ihn gar nicht ankommt. So zieht er sich selbst den Boden unter den Füßen weg. Falls der Atheist trotzdem noch weiterdenkt und weiterhandelt, zeigt er damit, dass er die logischen Schlussfolgerungen seines Weltbildes noch nicht anerkannt hat. Oder, wie Francis Schaeffer es ausdrückte: „Man kann nicht daran glauben, dass alles eine Maschine ist, und gleichzeitig das Ideal der Freiheit des Menschen anstreben.“ Schaeffer sagte auch die gesellschaftlichen Folgen voraus: „Überall wird den Menschen gesagt, dass der Mensch nur eine Maschine ist. Dadurch geht ihr Widerstand gegen die Manipulation Schritt für Schritt zurück.“ [13] Je mehr Raum diesem Denken gelassen wird, desto mehr verliert man die Fähigkeit des eigenständigen Entscheidens. Denn das Akzeptieren, dass es auf einen selbst nicht mehr ankommt, ist das Akzeptieren von Fremdbestimmung.

Das Denken des materialistischen Atheisten lässt zudem für ein Leben nach dem Tod keinen Raum. Das Leben vor dem Tod ist sein Ein und Alles. Doch obige Überlegungen zeigen, dass auch schon sein diesseitiges Leben zur Null wird.

Viele Atheisten haben dennoch eine hohe Moral

Trotzdem gibt es viele Atheisten, die freundlich und lebensfroh sind und einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, Gut und Böse haben. Das liegt einerseits allerdings daran, dass sie nicht der Logik ihres materialistisch atheistischen Denkgebäudes folgen, sondern ihrer Menschlichkeit. Ihrer Menschlichkeit, für die ihr Denken genau genommen keinen Platz lässt. Je mehr Raum dem materialistischen Denken gelassen wird, desto weniger Bedeutung haben Freude, Leid, Empfindungen, Liebe oder Würde. Andererseits liegt es aber auch daran, dass nicht jeder Atheist ein materialistisch-deterministischer Atheist ist.

Die Frage nach dem Ursprung entzieht sich der Reichweite der Logik

Abgesehen davon sind noch einige Scheinargumente in der öffentlichen Meinung verbreitet, was die Diskussion zwischen Theismus und Atheismus betrifft. So behaupten beispielsweise Theisten, es sei unlogisch, zu glauben, dass beim Urknall Materie aus dem Nichts kam. Genauso undenkbar sei es, dass Materie schon immer da war. Es müsse also einen Schöpfer geben, der den Urknall ausgelöst hat, oder sonstwie das Universum ins Leben gerufen hat. Atheisten hingegen geben eine ähnliche Überlegung an die Theisten zurück: Wenn Gott das wirklich getan hat, wer schuf dann Gott? Genausowenig, wie man sich vorstellen kann, dass Materie schon immer da war, kann man sich vorstellen, dass Gott schon immer da war.
Solcherlei Gedankenspiele helfen bei der Frage nach Gottes Existenz nicht weiter. Denn keine dieser Varianten ist verstehbar. Der menschliche Verstand ist schlichtweg zu klein dafür. Der Verstand kann lediglich von einer ersten unbegründeten Annahme ausgehen und von dort aus weiterdenken. Das heißt, man kann überlegen, was es für Auswirkungen hat, wenn am Anfang die ewige Materie oder aber der ewige Gott steht. Wer – wie viele Atheisten – von nichts als Materie als erste Ursache ausgeht, kann schlussfolgern, selbst nichts weiter als Materie zu sein. Wer – wie der Christ – vom persönlichen Gott als erste Ursache ausgeht, kann schlussfolgern, selbst eine Person zu sein.

Wohl auch wegen der verstandesmäßigen Fragezeichen wird der Atheismus in Reinform nur von einer kleinen Minderheit als Lebensgrundlage genannt. Ein größerer Teil unserer Gesellschaft bekennt sich dagegen zum Agnostizismus.

3. Die Alternative des Agnostizismus: Keine Entscheidung treffen

Agnostiker glauben, man könne nicht wissen, ob Gott existiert oder nicht. Diese Ansicht ist kennzeichnend für die gegenwärtige Gesellschaft.

Angesichts des Scheiterns der großen Glaubenssysteme wirkt der Agnostizismus reizvoll

Es kann allerdings nicht behauptet werden, dass der Agnostizismus sich aus einem fortwährenden Höherentwicklungsprozess der Geistesgeschichte entwickelt hätte und nun die bisherige Krönung des intellektuellen Fortschritts darstelle. Der Grieche Protagoras sagte schon ca. 450 v. Chr.: „Von den Göttern weiß ich nichts, weder dass es solche gibt, noch dass es keine gibt.“ [28]

Vor der Aufklärung, im Zeitalter der Übermacht institutioneller Religion, war die europäische Geschichte übersät mit Kriegen, Konflikten, Machtmissbrauch und Unterdrückung. Deshalb war der Atheismus infolge der Aufklärung eine hoffnungsvolle Alternative. Doch das Blutvergießen hörte damit nicht auf. Mittlerweile hat sich gezeigt: Machthaber und Regierungen, die sich auf den Atheismus berufen haben, verübten ebenso menschenverachtende Verbrechen. Krieg, Machtmissbrauch und Unterdrückung verschwanden nicht, als der Einfluss der Religion zurückging. Sie haben offensichtlich tiefere Ursachen. Mittlerweile hat sich eine Ratlosigkeit eingestellt. Sie findet ihren Ausdruck im Leitspruch vieler Agnostiker: „Man kann nicht wissen, ob Gott existiert. Deshalb ist die Frage nicht so wichtig.“
Diese Denkweise ist insofern richtig, als es tatsächlich keine logisch komplett schlüssige Herleitung für die Existenz und die Nicht-Existenz Gottes gibt. Was allerdings unberücksichtigt bleibt, ist, dass es trotzdem sehr große Konsequenzen nach sich zieht, wenn man an das eine, das andere oder keines von beidem glaubt. Auch wenn die Frage nach Gott durch logische Herleitung letztlich nicht gelöst werden kann, ist die Beantwortung wegen ihrer Auswirkungen doch von großer Bedeutung. Denn jede Einzelperson und jede Kultur geht von einer Glaubensbasis aus. Diese Glaubensbasis kann Aussagen enthalten wie z.B. „Gott existiert“, „Gott greift ein“, „Gott existiert nicht“ oder „Mit Gott ist nicht zu rechnen“. Die Glaubensbasis – unabhängig davon, ob sie bewiesen ist oder nicht – zieht sich durch das gesamte Leben der folgenden Generationen. Wohlstand oder Armut, die psychische Befindlichkeit, Angst oder Mut, Traurigkeit oder Freude, Depression oder Euphorie, seelische Erfülltheit und sogar innere Motive lassen sich sehr stark auf eine zugrundeliegende Glaubensbasis zurückführen. Das lässt sich an zahlreichen Beispielen zeigen. Drei davon werden im Folgenden beschrieben.

Erstes Beispiel dafür, wie die Glaubensgrundlage unser Leben prägt: Die Entstehung der Wissenschaft in der Neuzeit

Die moderne Wissenschaft ist nicht aus dem Nichts entstanden. Verschiedene Faktoren haben die Entstehung begünstigt bzw. erschwert. Begünstigend ist beispielsweise die im Menschen veranlagte natürliche Neugier, die ihn dazu bewegt, seine Umwelt zu untersuchen. Erschwerend ist, dass Wissenschaft auch Arbeit ist. Dieser Aspekt soll im Folgenden näher betrachtet werden. Arbeit ist anstrengender Aufwand. Aufwand wird aber oft erst dann betrieben, wenn am Ende der Arbeit ein Nutzen in Sicht ist. Hoffnung auf Nutzen fördert die Wissenschaft. Heutzutage ist es leicht, bei wissenschaftlicher Arbeit auf einen Nutzen zu hoffen. Denn die letzten Jahrhunderte haben gezeigt, dass wissenschaftliche Erkenntnis sehr hilfreich und nützlich in vielerlei Beziehung ist. Im Nachhinein ist es leicht, Wissenschaft gut zu heißen. Doch wenn man zurückdenkt, und sich in die Gedankenwelt eines Menschen hineinversetzt, der am Anfang steht, sieht die Situation anders aus.
Angenommen, dieser Mensch fängt gedanklich bei Null, also ohne Vorwissen, an. Nun will er die vielen Phänomene um sich herum verstandesmäßig erfassen. Einige Naturgesetze sind dann relativ offensichtlich herauszufinden. Der Zusammenhang zwischen Wolken und Regen, die Laufbahnen von Sternen oder die Abfolge von Jahreszeiten fallen in diese Kategorie. Bei vielen anderen Naturgesetzen ist es schwieriger, beispielsweise beim Elektromagnetismus. Die offensichtliche Beobachtung, die jeder beim Elektromagnetismus machen kann, ist, dass sich bestimmte Erze scheinbar magisch anziehen oder abstoßen. Dann stellt sich die Frage, ob man dieses Phänomen näher untersuchen soll. Doch wer garantiert einem, dass sich die enormen wissenschaftlichen Anstrengungen überhaupt lohnen, wo doch Blitzableiter oder Telegrafieanlagen zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt sind? Wer garantiert einem, dass ein Naturgesetz überhaupt herausfindbar ist? Wer garantiert einem, dass die wertvolle Zeit beim Forschen nicht verschwendet wird? Im Nachhinein, wenn man die funktionierende Telegrafenstation vor Augen hat, ist es leicht zu beantworten. Doch dieses Wissen hat man am Anfang ja noch nicht. Erschwerend kommt die typisch menschliche Eigenschaft hinzu, Unbekanntes zu mystifizieren. Blitze und sonstige Stromschläge wurden, weil sie nicht erklärt werden konnten, als Strafe von Naturgöttern und Dämonen angesehen. Das heißt, es braucht neben Motivation und viel überschüssiger Zeit auch noch Mut, um zu forschen. Deshalb sollte eine glaubensmäßige Grundlage die Hoffnung bieten, dass die uns umgebende Natur tatsächlich verstandesmäßig nachvollziehbaren Naturgesetzen unterliegt und nicht ungreifbar mystisch ist. Diese Weltanschauung fand sich in der Bibel, weil dort von einem vernünftigen Schöpfer die Rede ist. Das heißt, die Schöpfung ist verstandesmäßig nachvollziehbar, weil sie von einer vernünftigen Person geschaffen wurde. Auf Grund dieser Annahme hatten die Wissenschaftler trotz vieler Hindernisse die Hoffnung, weiterzuforschen. Der Gedankengang kann auch so formuliert werden:

1) Laut der Bibel wurde das Universum von einem persönlichen Wesen, nämlich Gott, erdacht.

2) Die Gedanken einer Person sind nachvollziehbar.

3) Deshalb ist das Universum verstandesmäßig nachvollziehbar.

4) Deshalb lohnt sich Nachdenken über das Universum. Mit anderen Worten: Deshalb lohnt sich Wissenschaft.

Mittlerweile wurde die Glaubensgrundlage, dass die Welt verstehbaren Gesetzen folgt, aus der Bibel gelöst und trägt sich nun selbst, weil es eine sehr erfolgreiche Glaubensgrundlage ist. Sie wird sogar als weltanschaulich neutral bezeichnet, weil das geschichtliche Bewusstsein verloren gegangen ist. Zwar waren nicht alle der ersten neuzeitlichen Wissenschaftler konsequente Christen, aber sie lebten alle im Einflussbereich des damals von der Bibel geprägten Weltbildes. Es finden sich zahlreiche Beispiele maßgeblicher Wissenschaftler, für die ihre wissenschaftliche Forschung eng mit der biblischen Weltsicht zusammenhing. So schrieb Isaac Newton gegen Ende seines Lebens mehr biblische als wissenschaftliche Abhandlungen. Später führten Männer wie Michael Faraday, der die elektromagnetische Induktion entdeckte und sich eng an die Bibel halten wollte, die Tradition fort. Faraday veranstaltete öffentliche Experimente, mit der Begründung, alle Menschen sollen sich an dem Wissen über Gottes Schöpfung erfreuen [13]. Im Lauf der Zeit geriet der weltanschauliche Zusammenhang zwischen Bibel und Wissenschaft immer mehr in Vergessenheit. Doch auch noch Männer wie J. Robert Oppenheimer, der später reumütige „Vater der Atombombe“, wiesen auf den geschichtlichen Zusammenhang hin. Obwohl er selbst wohl kein bibelgläubiger Christ war, stellte er in der Kulturzeitschrift „Encounter“ dar, wie die moderne Naturwissenschaft aus dem christlichen Weltbild geboren wurde [23]. Zwar haben auch Einflüsse des griechischen Denkens bei der Entstehung der modernen Wissenschaft geholfen, doch die entscheidende rationale Grundlage kam aus der Bibel, wie auch der Philosoph und Mathematiker Alfred North Whitehead bestätigte. In den Harvard University Lowell Lectures bezeichnet Whitehead das Christentum als Mutter der Wissenschaft, wegen der mittelalterlichen Lehre von der Rationalität Gottes [24].
Dieser geschichtliche Zusammenhang wird auch am Vergleich mit anderen Kulturen deutlich. Joseph Needham, die große Autorität auf dem Gebiet der chinesischen Wissenschaftsgeschichte, fand zwar Hinweise, dass zahlreiche Erfindungen, wie z.B. der Buchdruck, Schießpulver und der Kompass, in China schon länger als in Europa bekannt waren. Doch als Erklärung, warum sich aus diesem Vorsprung im Gegensatz zu Europa nie eine volle Naturwissenschaft mit umfassenden Theorien entwickelte, schrieb Needham bezüglich der Chinesen: „Es gab keine Zuversicht, dass der Code der Naturgesetze je entschlüsselt und gelesen werden könnte, weil sie keinerlei Zusicherung besaßen, dass es ein göttliches Wesen gab, das, noch rationaler als wir selbst, je einen solchen Code formulierte, der von uns gelesen werden könnte.“ [25]

Es gibt jedoch auch Beispiele dafür, wie Kirchen den wissenschaftlichen Fortschritt gebremst haben. Die Gründe dafür liegen aber eher in Befürchtungen, Machtpositionen zu verlieren, als im biblischen Weltbild.

Die Glaubensfrage, ob die Natur verstehbaren Gesetzen folgt, stellt sich in manchen Bereichen der Wissenschaft auch heute. Beispiele dafür sind die Untersuchung der Wetterentstehung, der Strukturbildung im Universum oder in neuronalen Netzen. Es ist eine Frage des Glaubens, ob man diese Phänomene als zufällig, gesetzmäßig oder mystisch ansieht.
Sieht man, wie es häufig in der heutigen Wissenschaft getan wird, solche Phänomene als zufällig an, dann kommt der Forschungsprozess zum Stillstand. Denn man erhofft sich dann nicht mehr, dass die untersuchten Prozesse vorhersagbar, d.h. verstehbar sind und hat deshalb keinen Grund mehr weiter zu forschen.
Oder man sieht die Phänomene als gesetzmäßig an und hat deshalb Grund und Motivation zum Weiterforschen, weil Gesetze erforscht werden können.
Oder man sieht die Phänomene als mystisch an. Dann gelten sie als geheimnisvoll und es können gute oder böse Mächte dahinter vermutet werden. Das ist rein logisch gesehen nicht ausgeschlossen, kann aber ein Hindernis für die Erforschung darstellen.

Zweites Beispiel dafür, wie die Glaubensgrundlage unser Leben prägt: Das Tempo des Lebens

Hartmut Rosa von der Friedrich-Schiller-Universität Jena habilitierte zum Thema „Soziale Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“. Er veröffentlichte einen Auszug seiner gewonnenen Erkenntnisse im Magazin „Spektrum der Wissenschaft“ [26]. Dort stellt er ein charakteristisches Merkmal der heutigen Zeit dar: Verschnellerung. Alles scheint sich zu verschnellern. Es hat lange gedauert bis die Menschheit sich vom rennenden Botschafter zur schnelleren Postkutsche entwickelt hat. Weniger lang hat die Entwicklung von der Postkutsche zur schnelleren Überbringung per Zug gedauert. Noch kürzer dauerte es dann bis zur Nutzbarkeit von noch schnelleren E-Mails, bis schließlich kurz darauf die SMS den Mensch davon befreite, Nachrichten nur von einem stationären Computer übermitteln zu können.
Technische Neuerungen sind die Voraussetzung für die Verschnellerung. Um von München nach Berlin zu kommen, brauchte man früher zu Fuß oder auch auf dem Pferd sehr lange. Die Erfindung von Zügen und Automobilen verkürzte die benötigte Zeit. Eigentlich führen technische Neuerungen also zu einem Zeitgewinn. Die Vermutung liegt nahe, dass dies zu mehr Lebensqualität, mehr sozialen Beziehungen, schöneren Erlebnissen, größerer seelischer Erfülltheit, Zufriedenheit und Sorglosigkeit führt. Trotzdem zeigt sich eine andere Entwicklung. Der Zeitgewinn hat stattdessen zu einem hektischen Wettlauf geführt. Obwohl die Menschen mehr Zeit zur Verfügung haben, werden sie immer gehetzter. Die vielen neuen Möglichkeiten und Erlebnisse haben einen Hunger nach noch mehr Möglichkeiten und Erlebnissen verursacht. Soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte des Lebens haben sich in einer Beschleunigungsspirale verfangen, die sich selbst weiter antreibt. Rosa zitiert Goethe, der schon früh den „veloziferischen“, also den teuflisch-schnellen Charakter der Neuzeit erkannte, deren Hauptmerkmal es sei, „nichts mehr reif werden zu lassen“.
Die Frage ist, ob diese Hetze zwangsläufig aus unserer menschlichen Veranlagung resultiert, oder ob es bestimmte Weltsichten gibt, die sie verstärken oder entkräftigen. Rosa stellt als Ursache für die Verschnellerungsspirale eine Kombination aus mehreren Faktoren fest. So hat der technische Fortschritt nicht nur zu einem Zeitgewinn geführt, sondern auch zahlreiche neue Möglichkeiten geschaffen, wie diese Zeit genutzt werden kann. Darüber hinaus nennt Rosa neben wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfen und der Effizienzsteigerung durch Arbeitsteilung eine gewichtige kulturelle Ursache: „Beschleunigung trägt in sich die moderne Antwort auf den Tod.“ Denn früher ging man davon aus, dass nach dem Tod das ewige Leben wartet. Diese Überzeugung wich in der Moderne immer mehr der Ansicht, dass ewiges Leben zwar möglicherweise nach dem Tod kommt, aber man solle zumindest, weil es ja nicht bewiesen ist, nicht damit rechnen. Das führte zu einem diesseitigen Leben, welches so gelebt wird, als ob es das Jenseits nicht gibt. Das Diesseits ist dann das Einzige, was man hat. Man muss es festhalten auf Leben und Tod. Und die Zeit läuft unaufhaltsam ab. Deshalb muss möglichst viel in das diesseitige Leben hineingepackt werden. Möglichst viele Erlebnisse, möglichst viel Erfüllung, kurz: Möglichst viel Leben. Man fängt – oft unbewusst – das Rechnen an und kalkuliert: „Wenn ich in die gleiche Lebensspanne doppelt so viele Erlebnisse hineinpacke, dann ist es, als ob ich zwei Leben führe.“ Wer drei Leben führen will, der muss noch mehr Erlebnisse in die gleiche Zeitspanne pressen. Der innerste Antrieb ist letztlich: Man will das ewige Leben ins Diesseits holen.

Ausgehend von Rosas Erkenntnissen lässt sich die heutige Zeit besser verstehen. Die Gehetztheit kam nicht zufällig, sondern hatte ihre Gründe. Ein schwerwiegender Grund liegt im Wechsel der Weltanschauung.

Das von vielen als belastend hoch empfundene Tempo zieht sich durch alle Lebensbereiche und bezieht die gesamte Gesellschaft mit ein. Wirtschaftlich gesehen wurde der Kapitalismus zum Turbokapitalismus. Immer mehr Geld wird in immer kürzerer Zeit über den Globus geschoben, bis schließlich Finanzkrisen die Beschleunigung wieder ausbremsen. Wer in seiner Arbeitsleistung nicht mit der Beschleunigung der anderen Schritt hält, bleibt zurück und verliert womöglich seine Existenzgrundlage.
Wohnsitze, Überzeugungen, Ideen und Marktmonopole wechseln in immer geringeren Abständen. Arbeitsverträge werden kurzfristiger. Sogar Schnittfolgen in Videoclips werden immer schneller. Modetrends bezüglich Handys, Kleidung oder Musik- und Kunststilen lösen sich in immer kürzeren Abständen ab. Fastfood, Speed Dating, Multitasking und Wegwerfprodukte sind symptomatische Ergebnisse des Verschnellerungsdrucks. Wegen der Überflutung mit neuen Gedanken werden tiefgehende Analysen von oberflächlichen Zusammenfassungen verdrängt. Der Leistungsdruck verhindert Kreativität und Sorgfalt. Alles soll schnell, möglichst sofort zu haben sein. Die Ungeduld wirkt seelisch zermürbend. Man erlebt und leistet zwar mehr als früher, hat aber trotzdem stärker das Gefühl, zu wenig erlebt und geleistet zu haben.
Die Beschleunigung zeigt sich auch in zwischenmenschlichen Beziehungen. Partner wechseln immer häufiger. Freundschaften werden bei Schwierigkeiten und Streit eher beendet, als dass man anhaltend in den anderen investiert. Sicherheit, Geborgenheit und Gelassenheit werden langsam zurückgedrängt. Es gibt immer mehr oberflächliche, aber immer weniger tiefe Freundschaften. Am Beispiel zwischenmenschlicher Beziehungen wird ein Merkmal der heutigen Zeit schmerzvoll sichtbar: Die Quantität zerstört die Qualität.

Um Missverständnisse auszuschließen: Der Wechsel von einer Weltsicht, die mit dem Jenseits rechnet, zur heutigen Sicht ist nicht die einzige Ursache für Ruhelosigkeit, oberflächliche Beziehungen, existenzielle Sorgen, Unzufriedenheit, Hektik und innere Spannungen. Das wäre eine zu einfache Erklärung. Aber es ist ein grundlegender Sichtwechsel, der die heutige Zeit einschließt. Zeit ist ohne ewiges Leben die immer knapper werdende Ressource. Man könnte zu kurz kommen.

Der Tod ist die Geißel des Menschen. Er ist der Fixpunkt, an dem sich auch das diesseitige Leben orientiert. Er ist der mächtige Herrscher, dessen Anweisungen man zu befolgen hat. Er gibt das Tempo vor und zwingt zu schnellem Handeln.

Der Mensch hat Gott als beengende Fessel empfunden und sich von ihm befreit. Doch er ist in einer größeren Fessel gelandet, denn weil er nicht mehr mit dem Jenseits rechnet, verliert auch das Diesseits immer mehr an Qualität.

Drittes Beispiel dafür, wie die Glaubensgrundlage unser Leben prägt: Die moderne Sinnkrise entsteht durch Selbstthematisierung

Der Christ geht in seinem Denken von Gott aus, und erschließt sich von ihm aus seine Sicht auf die Welt und auf die eigene Person. Der materialistische Atheist geht, wie im vorigen Kapitel erläutert, von Materie aus und kann so in brutaler Konsequenz schlussfolgern, selbst nur Materie zu sein. Die meisten Menschen heute gehen dagegen von sich selbst aus und erschließen sich von dort aus ihre Umgebung. Obwohl der Mensch offensichtlich einen Anfang und auch ein Ende hat, obwohl seine Identität, also unter anderem sein Geschlecht, sein Aussehen und seine innere Veranlagung unabhängig von ihm festgelegt wurden, erhebt er sich zum Maßstab aller Dinge. Insofern macht er sich selbst zu Gott. Die Hoffnung unserer Zeit ist deshalb nicht Erlösung, sondern Selbstverwirklichung. Anders ausgedrückt: Selbsterlösung.

Die Folge davon ist Sinnlosigkeit. Denn Sinn wird immer nur von etwas Höherem, das heißt etwas Übergeordnetem, verliehen. Das wird am Beispiel einer Schraube deutlich. Eine Schraube hat für sich gesehen noch keinen Sinn. Sie bekommt erst Sinn, wenn ihr etwas Größeres von außerhalb Sinn verleiht. Beispielsweise, wenn sie eine Radkappe am Autoreifen hält. Die Radkappe und der Reifen haben für sich genommen auch keinen Sinn, sondern erst, wenn sie ein Automobil tragen. Das Automobil steht sinnlos in der Garage, bis eine Person es verwendet und ihm damit Sinn verleiht. Sinn wird logisch gesehen nur von etwas Übergeordnetem verliehen. Im gleichen Maße, wie man sich von Gott löst, steigt demnach das Potential, sein Leben als sinnlos zu empfinden.

Aus dieser Perspektive überrascht es nicht, wenn Depression mittlerweile als Volkskrankheit bezeichnet wird. Viele der neu auftauchenden psychischen Krankheiten dürften zumindest eine Teilursache darin haben, dass man den Sinn, den einem der übergeordnete Gott verleiht, unbeachtet lässt. Man kann zwar anderen Dingen Sinn verleihen, aber wer verleiht einem selbst Sinn? Der Medien- und Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz von der Technischen Universität Berlin schreibt treffend: „Die moderne Sinnkrise entsteht durch Selbstthematisierung.“ [27] Man endet als Selbstzweck.

Als Christ wird dem Menschen von Gott, der allem übergeordnet ist, Sinn verliehen. Gott hat den Menschen bewusst geschaffen. Er ist demnach gewollt und der Bibel nach sogar von Gott geliebt. Was das konkret bedeutet, wird in Kapitel 5 näher beschrieben.

Es gibt allerdings Menschen, die auch ohne den Glauben an Gott ihr Leben als sinnvoll empfinden. Man ist jedoch abhängig von allem, was man als sinnstiftend erlebt. Wenn man sich von der Abhängigkeit des ewigen Gottes löst, begibt man sich in andere, flüchtigere Abhängigkeiten. Ein als sinnvoll empfundenes Leben hängt von bestimmten Gegenständen, Zielen, Personen oder Erlebnissen ab. Fallen diese sinngebenden Bezugspunkte weg, stürzt man ins Leere. Spätestens der Gedanke an den Tod kann alle Erlebnisse und Errungenschaften eines Lebens zur Sinnlosigkeit schrumpfen lassen.

Diese drei Beispiele dienen als Illustration, wie stark die Auswirkungen verschiedener Perspektiven auf sich selbst, auf die Welt und auf Gott sind. Die persönliche Befindlichkeit wird davon vielfältig durchwoben. Unser Alltag und die Richtung der Gesellschaft wird stark davon geprägt.

Wo in diesem Fluss aus Glaubensannahmen und Folgen befindet sich der Agnostiker?

Welche Rolle nimmt nun der Agnostiker ein? Der Begriff Agnostiker leitet sich vom altgriechischen Wort für „nicht-wissen“ ab. Der Agnostiker ist demnach definiert als jemand, der bezüglich einer Frage – meist der nach Gott – nichts weiß. Er bietet keine Alternative zum Glauben an Gott oder an seine Nicht-Existenz, sondern er entscheidet einfach nicht. Die obigen drei Beispiele sind nur eine kleine Auswahl der enormen Wirkungen, die von der Frage nach Gott abhängen. Der Agnostiker kann dazu konsequenterweise nur schweigen. Er kann dazu keine Stimme erheben. Er schwimmt einfach mit, während andere die großen Fragen für ihn beantworten. Denn die Folgen dieser Fragen erfassen ja, wie gezeigt, die ganze Gesellschaft und damit auch ihn.

Natürlich ist ein Glaube nicht deshalb wahr, weil er an mancher Stelle nützlicher ist. Es muss andere Gründe als bloße Nützlichkeit geben, um einen Glauben annehmen zu können. Trotzdem verlangt das Leben, in welches wir Menschen hineingestellt sind, Entscheidungen. Es stellt Fragen, die nicht folgenlos unbeantwortet bleiben können. Wer nicht selbst entscheidet, für den entscheiden andere.

4. Die Rhetorik bezwingt den Verstand

Der Mensch wollte die Welt seit jeher verstehen und eine rationale Lebensgrundlage bekommen. Philosophen versuchten, große Gedankenkonzepte zu entwickeln, welche die Welt umfassend beschreiben. Mittlerweile hat sich Ernüchterung breit gemacht. Der menschliche Verstand ist offenbar nicht leistungsfähig genug, um alle Aspekte des Lebens in einem schlüssigen Denkmodell vereinen zu können. Ein grundlegendes Problem ist, dass jeglicher verbindliche Maßstab zerredet werden kann. An jeder Denkposition finden sich noch offene Fragezeichen. Sobald ein Gedanke, eine Sache oder eine Handlung als gut bezeichnet wird, finden sich unzählige Einwände, warum man es doch nicht als gut bezeichnen könne. Die unergründliche Komplexität der Welt kann benutzt werden, um jegliche Wertung zu zerreden, aber auch zu etablieren. Was gestern als gut galt, kann morgen als schlecht gelten und umgekehrt.

Die Praxis der Postmoderne zementiert das Recht des Stärkeren

Wo sind wir mittlerweile angelangt? Wer bestimmt die Richtung einer Gesellschaft, wenn jede Erkenntnis zerredet werden kann? Wenn man sich auf keinen objektiven Maßstab berufen kann, der Fehlentwicklung als Fehlentwicklung und Schlechtes als schlecht bezeichnet? Wenn mit Hilfe geschickter Rhetorik jede Meinung und jede Handlung gerechtfertigt werden kann? Was bleibt noch als Schutz vor Willkür?

Viele Denker haben versprochen, dass die Menschheit endlich befreit wird, wenn sie sich von der Autorität Gottes löst und selbst die Richtung vorgibt. Dieses Versprechen hat letztlich dazu geführt, dass man sich nun unter der Autorität anderer Herrscher wiederfindet. Denn als Wahrheit wird heute jene Meinung anerkannt, welche am lautesten vertreten wird und die geschickteste Rhetorik verwendet. Wolfgang Nestvogel hat es treffend beschrieben: „Die Praxis der Postmoderne zementiert das Recht des Stärkeren: Wer kann sich gesellschaftlich durchsetzen? Wessen Pressure-Groups sind am Besten organisiert? Welche Position gewinnt die mehrheitliche Zustimmung des Journalismus? Wenn es keine verbindliche Instanz gibt, die von allen anerkannt wird – von Regierenden und Regierten, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Eltern und Kindern -, dann entscheidet die Macht über das Recht. Dann bestimmt eine Macht-Elite oder Geld-Elite, welche ‚Wahrheit‘ zu befolgen ist. Dann gibt es keine Chance, diese Elite auf übergeordnete, gar transzendente Ansprüche zu verweisen.“ [14]

Ein Beispiel für die Praxis der Postmoderne: Die Auseinandersetzung um Abtreibung

Ein gutes Beispiel zur Illustration dieser Behauptung ist die Frage nach Abtreibung. Ob das Recht auf Abtreibung nun zu befürworten ist oder nicht, sei dahingestellt. Aber vor 60 Jahren war Abtreibung als unmenschlicher Eingriff in die Entstehung menschlichen Lebens von weiten Teilen der Gesellschaft nicht akzeptiert. Mittlerweile ist das Gegenteil der Fall, Abtreibung wird als Menschenrecht gefordert und nur noch eine Minderheit erhebt Einspruch dagegen. Wie konnte es zu dieser 180-Grad-Wendung kommen?

Die Rechtmäßigkeit von Abtreibung macht sich letztlich an der Frage fest, zu welchem Zeitpunkt der Mensch seinen Anfang hat. Ab wann kann man sagen, dass es sich bei der Leibesfrucht um einen Menschen handelt? Wenn es der Zeitpunkt der Zeugung ist, dann sollte man dem Recht auf Abtreibung grundsätzlich widersprechen, weil es sich dann um die Tötung eines Menschen handelt. Wenn es sich um einen späteren Zeitpunkt handelt, sollte man sich für die Legalität von Abtreibung bis zu diesem Zeitpunkt einsetzen.
Um die Entwicklung der letzten 60 Jahre nun als Fortschritt bezeichnen zu können, braucht man nachvollziehbare Kriterien, wann das Menschsein beginnt. Welcher Zeitpunkt soll als Ursprung des Menschen angesetzt werden? Die Zeugung? Sobald Arme, Beine und Kopf sichtbar werden? Sobald Hirnströme messbar werden? Bei der Geburt? Doch einen Monat vor der Geburt ist auch schon alles für das von der Mutter körperlich getrennte Leben vorhanden. Sobald sich das Bewusstsein entwickelt hat? Doch die wenigsten Menschen können sich erinnern, ihre frühe Kindheit bewusst erlebt zu haben. Außerdem: Besteht, wenn sich ein behindertes Kind ankündigt, eher das Recht auf Abtreibung?
Für diese Fragen gibt es kein eindeutiges medizinisches Kriterium. Wenn nicht einmal klar definiert ist, was Menschsein überhaupt ausmacht, dann kann man noch viel weniger einen Anfangszeitpunkt des Menschseins herausfinden. Was bleibt noch übrig? Warum war vor 60 Jahren das eine akzeptiert und jetzt das andere? Weil Menschen, die das Recht auf Abtreibung befürworten, rhetorisch geschickt und aktiv Öffentlichkeitsarbeit betrieben haben. Wer sich Gehör verschafft und geschickt reden kann, der gewinnt. Es ist nicht mehr eine Frage des nachvollziehbaren Verstandes, sondern eine Frage der Macht.

Vor zu extremen Ansichten wird gewarnt. Doch letztlich kann jede noch so extreme Ansicht gesellschaftsweit etabliert werden, unter der Bedingung, dass diese Ansicht langsam, schrittweise und sanft eingeführt wird. Denn der Verstand liefert keinen Maßstab, „extrem“ überhaupt verbindlich definieren zu können. Vielleicht sind gesellschaftliche Aussteiger extrem. Vielleicht ist aber auch die Gesellschaft selbst extrem. Als normal wird meist einfach unbegründet das angesehen, was man gewöhnt ist. Der menschliche Verstand bietet an vieler Stelle kein verbindliches Kriterium, Idiotie von Vernunft unterscheiden zu können. Deshalb können entgegengesetzte Meinungen im gleichen Maße Gültigkeit einfordern. Mit anderen Worten: Die Meinungen sind gleich gültig. Und das führt zu Gleichgültigkeit.

Sanfte Manipulation durch Rhetorik

Die Rhetorik der Medienlandschaft und Politik ist in hohem Maße dafür gerüstet, bestimmte Glaubensinhalte oder die Autorität bestimmter Personen und Gruppen möglichst widerstandslos zu etablieren oder zu verdrängen. Je mehr einem gesagt wird, dass man aufgeklärt ist, desto leichter lassen sich bestimmte Ansichten als rückständig abstempeln. Je überlegener man seine Freigeistigkeit bewertet, desto blinder ist man gegenüber Täuschung. Je stärker betont wird, dass bestimmte Ansichten, Personen und Gruppen als extrem abzulehnen sind, desto leichter wird es, anderen extremen Ansichten und Personen schleichend Akzeptanz zu verleihen. Je öfter man gesagt bekommt, dass gesellschaftsweit anerkannte Ansichten nur zufällig, aber nicht bewusst entstehen, desto mehr sinkt das Misstrauen angesichts bewusster Manipulationsmethoden.

Beliebige Ansichten können als modern, vorwärtsgerichtet oder zukunftsorientiert bezeichnet werden und bekommen dadurch den hoffnungsbeladenen Geschmack von Fortschritt. Doch der Fortschritt des einen ist der Rückschritt eines anderen. Genauso kann beliebigen anderen Ansichten ihr Glanz genommen werden, indem sie als veraltet, rückwärtsgerichtet oder überholt betitelt werden. Worte wirken auch ohne Begründung. Häufig werden Formulierungen verwendet, die eine inhaltliche Auseinandersetzung umgehen, wie zum Beispiel: „Die Wahrheit liegt in der Mitte.“ Doch woran lässt sich das festmachen? Vielleicht liegt sie tatsächlich in der Mitte. Vielleicht aber auch am Rand.

Ein Beispiel für Manipulation durch Rhetorik: Der Begriff „Toleranz“

Toleranz ist ein typisches Schlagwort, das mit zukunftsorientiertem und aufgeklärtem Denken in Verbindung gebracht wird und sich deshalb für Manipulationszwecke benutzen lässt. Es lohnt sich eine nähere Untersuchung des Begriffs. Zweifelsohne ist es etwas Gutes, andere Meinungen zu respektieren und Konflikte gewaltfrei beizulegen. Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich hinter dem Begriff Toleranz verbirgt. Tolerant sein heißt übersetzt „ertragen“ oder „zulassen“. Das bedeutet, ein toleranter Mensch erträgt andere Meinungen und lässt sie zu. Andere Meinungen zuzulassen, vielleicht sogar abstoßende oder gefährliche Meinungen, ist etwas Schwieriges. Es verwundert deshalb, warum vielen die Toleranz so leicht fällt und sie so gerne verteidigt wird. Es ist leicht, tolerant zu sein, solange die andere Meinung nicht den eigenen persönlichen Frieden und Wohlstand bedroht. Es ist leicht, tolerant zu sein bei Dingen, die einen nur indirekt betreffen. Es ist viel schwieriger, tolerant zu sein, wenn die eigene Selbstverwirklichung dadurch eingeschränkt wird.

Intoleranz wird dagegen als ein grundlegendes Übel unserer Zeit gesehen. Intolerant zu sein bedeutet übersetzt „nicht ertragen“ oder „nicht zulassen“. Man könnte auch „sich wehren“ dazu sagen. Das Dilemma ist: Wenn man nicht alles über sich ergehen lassen will, dann kann man es nicht vermeiden, intolerant zu sein. Doch wo liegt die Grenze? Wie viel kann man noch ertragen? Sollte man das Autofahren verbieten, weil es die Luft verpestet und die Erde erwärmt? Sollte man das Rauchen verbieten, weil es Passivrauchern schadet? Sollte man Drogen verbieten, weil deren Opfer von der Allgemeinheit finanziert werden müssen? Sollte man Lärm vom Nachbarn ertragen, obwohl man deswegen nicht einschlafen kann? Sollte man es ertragen, wenn einem in der Nacht immer die Bettdecke weggezogen wird? Sollte man eine Vergewaltigung ertragen? Sollte man sich gegen eine Kriegsarmee, die das eigene Land überfällt, wehren? Sollte man Finanzspekulation verbieten, weil dabei einfachen Arbeitern der Lohn ihrer Mühe genommen werden kann? Sollte man Religion verbieten, weil sie in mancherlei Augen unbehagliche Aussagen macht? Sollte man materialistisch-deterministischen Atheismus verbieten, weil er den Menschen zur Maschine macht?

In manchen Fällen ist es empfehlenswert, tolerant zu sein. In anderen Fällen ist es empfehlenswert, intolerant zu sein. Wo genau die Grenze liegt, kann nur von Fall zu Fall neu betrachtet werden.
Die manipulative Macht besteht nun darin: Obwohl der Verstand prinzipiell weder „Toleranz“, noch „Intoleranz“ bevorzugt, gilt Toleranz als überlegen. Toleranz klingt positiv, weil meist Begriffe wie Frieden, Gewaltfreiheit und friedliches Nebeneinander damit verbunden werden. Allerdings führt an vielerlei Stelle gerade Intoleranz zu Frieden und Gewaltfreiheit und schützt das friedliche Nebeneinander. Doch wer sich heute Toleranz auf die Fahnen schreibt, der ist automatisch auf der richtigen Seite. Schnell verstummen kritische Stimmen, denn keiner will die Harmonie zerstören. Schnell steht man im Abseits, wenn man als intolerant bezeichnet wird.

Die häufige Betonung von Toleranz schwächt das Selbstbewusstsein des vermeintlich Intoleranten. Sie führt zu Konfliktscheuheit. Sie weicht den Schutz auf, sich gegen Fehlentwicklung wehren zu können. Wenn die Toleranz vorschlägt, keine festen Positionen mehr zu beziehen, ist es umso leichter, die Ansichten und Hoffnungen der Menschen zu verschieben.

Der allgegenwärtigen Manipulation kann man sich nicht entziehen

Manipulation kann man sich nicht entziehen, weil die Täuschung nicht unbedingt in einer Fehlinformation liegen muss, die man als falsch entlarven könnte. Geschickter ist es, einfach eine den persönlichen Interessen dienende Vorauswahl an Information zu thematisieren. Verschwiegene Fakten machen nicht misstrauisch. Das ist oft auch das Problem an Studien und Statistiken, die in einem wissenschaftlichen Gewand präsentiert werden. Ein Globalisierungsbefürworter kann eine Statistik benutzen, um zu zeigen, dass durch die Globalisierung während der letzten 25 Jahre in einem bestimmten Land das Durchschnittseinkommen anstieg. Ein Globalisierungskritiker kann dieselbe Statistik benutzen, um zu zeigen, dass das Durchschnittseinkommen in diesem Land durch die Globalisierung im Vergleich zu anderen Ländern sank. Der unscheinbare Zusatz „im Vergleich zu anderen Ländern“ lässt die Sachlage in einem völlig anderem Licht erscheinen. Die Frage ist, wie Fakten präsentiert werden und welche Randbedingungen gesagt und welche verschwiegen werden. Die eben erwähnte Statistik dient entgegengesetzten Meinungen, je nachdem, wie die Zahlen präsentiert werden. Gleiches gilt für Fotos, die von kontrovers diskutierten Ereignissen oder Krisenregionen präsentiert werden. Man sieht das eigentliche Ereignis nur ausschnittweise. Der präsentierte Ausschnitt kann bestimmten Interessen dienen oder entgegenwirken.

Weil der Verstand nicht dazu fähig ist, bestimmt der Eigenwille von Personen die Richtung. Je mehr man glaubt, dass die Vernunft herrscht, desto argloser passt man seinen Willen dem der Einflussreichen an.

Manipulation verursacht Misstrauen. Doch Vertrauen ist dennoch von grundlegender Bedeutung

Ist man den Vorgaben mächtiger Personen also hilflos ausgeliefert? Wie kann man noch ruhig schlafen, wenn man erkannt hat, dass ein wesentlicher Teil des eigenen Denkens von anderen vorgegeben wird? Wie kann man trotz allem noch Gewissheit bekommen? Wer alle Behauptungen, die einen selbst betreffen, verstandesmäßig nachvollziehen will, wird schnell scheitern. Die Diagnose eines Arztes könnte erst nach jahrelangem Studium nachvollzogen werden. Um das Einsteigen in ein Flugzeug verstandesmäßig abzusichern, bräuchte es über Jahre gewonnenes ingenieurtechnisches Wissen. Um sein Leben verstandesmäßig abzusichern, bräuchte man mehr Zeit als das Leben dauert. Die Absicherung des Lebens geschieht deshalb in erster Linie durch Vertrauen. Man muss dem Arzt vertrauen. Man muss den Ingenieuren vertrauen, wenn man in ein Flugzeug steigt. Man muss dem Politiker vertrauen, wenn man ihm die Zukunft seines Landes überlässt. Ohne Vertrauen könnten Bäcker und Wissenschaftler keine Arbeitsteilung praktizieren. Ohne Vertrauen geht es nicht.

Die Frage lautet also oftmals nicht: „Wie verhält sich diese oder jene Sache?“, sondern: „Wem kann vertraut werden?“ Für diese Frage braucht es nicht nur reine Logik, sondern auch Menschenkenntnis. Wichtige Hilfsfragen dabei sind: „Ist die Person ernstzunehmend? Ist die Person kompetent? Ist die Person wohlwollend? Ist die Person aufrichtig?“
Eine tiefere Vertrauenswürdigkeit macht sich an folgenden Fragen fest: „Will mein Gegenüber mein Bestes und nimmt dafür gegebenenfalls eigene Nachteile in Kauf? Oder will es in erster Linie sein Bestes und nimmt dafür gegebenenfalls meine Nachteile in Kauf? Liebt mich die Person?“ Je mehr jemand bereit ist für einen anderen aufzugeben, desto vertrauenswürdiger ist er. Es werden viele Tricks angewendet, um diese hohe Form der Vertrauenswürdigkeit vorzutäuschen. Denn wem vertraut wird, der hat Macht. Man vertraut, weil man davon ausgeht, dass diese Macht zum Besten eingesetzt wird.

Das Leben konfrontiert einen ununterbrochen mit Situationen, in denen die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit beantwortet werden sollte. Sobald der Arzt sagt „Nimm das Medikament, sonst wird es dir schlecht gehen“ sollte man sie beantworten. Genauso, sobald der Händler sagt: „Kaufe, denn es ist ein gutes Geschäft“ oder der Banker: „Investiere, sonst wird dein Geld morgen nichts mehr wert sein“, der Wissenschaftler: „Höre auf, Auto zu fahren, sonst wächst bald keine Nahrung mehr“, der Prophet: „Kehr um, sonst wird Gott dich richten“. Das sind gewichtige Behauptungen. Von ihnen hängt Freude oder Leid ab. Sie schließen Neutralität aus.
Oft ist Voraussetzung dafür, die Vertrauenswürdigkeit einschätzen zu können, dass man sich mit der betreffenden Person auseinandersetzt und ernsthaft untersucht, was sie von sich preisgibt. Für die Lebenswirklichkeit ist nicht nur wichtig, was man glaubt, sondern auch wem man glaubt. Vertrauen ist nicht einfach. Denn wer vertraut, macht sich angreifbar. Wer nicht vertraut, ist hilflos und einsam.

5. Warum die frohe Botschaft der Bibel froh ist

Zahlreiche Personen, Organisationen und Bücher behaupten von sich, Wissen über Gott zu vermitteln. Es wäre falsch, kritiklos einfach das Gottesverständnis zu übernehmen, welches in der eigenen Kultur üblich ist. Die Ausgangssituation, die in allen Kulturen gleich ist, ist, dass wir in eine Welt geboren wurden, die trotz allem Leid auch viel Schönes bietet, für das man dankbar sein kann. Für den Großteil der Dinge, die unser Leben ausmachen, haben wir nichts getan. Die Luft, die wir atmen, der Körper, in dem wir leben oder die Früchte, die wir ernten – all das haben wir uns nicht verdient, sondern bekommen es von außen. Es ist naheliegend, die Ursache dieser Schönheit zu suchen. Wer das tut, dem ist in der Bibel versprochen: „Wenn du Gott, den Herrn, von ganzem Herzen und von ganzer Seele suchen wirst, dann wirst du ihn finden.“[29]
Einige sehen keine Veranlassung für die Suche, fühlen sich auch ohne eine Beziehung zu Gott wohl und freuen sich des Lebens. Sie ernähren und freuen sich an Sachen, die von außen kommen, für die sie nichts können und für die sie nichts getan haben. Sie nehmen die Geschenke, lehnen aber die Suche nach einem möglichen Geber ab.

Das klassische Erscheinungsbild von Religion schreckt oft ab

Ein Hindernis bei der Suche nach Gott ist, dass viele Menschen von Religion abgeschreckt sind. Was soll man von Religion und Kirche erwarten, wo doch das eigentliche Leben anderswo aufblüht? Religion tritt oft auf groteske Weise in Erscheinung. In ausgefallener Kleidung werden andächtige Prozessionen und undurchsichtige Rituale von allzu menschlich und fehlbar wirkenden Priestern und Mönchen durchgeführt. Als skeptischer Beobachter kann man sich nicht so richtig vorstellen, dass sich dahinter etwas Heiliges verbergen sollte, dem man sich ohne weiteres Nachfragen unterwerfen sollte. Imposante Bauten und prunkvoll verzierte Gegenstände mögen bezaubern, sind aber letztlich auch nur von Menschenhand erschaffen. Nachdem solche als heilig bezeichneten Gegenstände entmystifiziert worden sind, besteht kein weiterer Grund, sie zu verehren.
Auch was moralische und ethische Vorschriften angeht, zeigt sich keine offensichtliche Notwendigkeit für Religion. Es gibt Atheisten, die liebevoller, moralischer und gerechter leben als viele Christen. Zu allem Überfluss hat die Geschichte zahlreiche Beispiele für religiösen Missbrauch erlebt. Beispiele von hierarchischen Institutionen, Machtspielen und Heuchelei. Interessant, dass sogar selbst die Bibel zu religiösen Menschen sagt: „Euretwegen wird der Name Gottes von den Völkern verspottet.“ [30]

Was heute als Christenheit, sei es in oder außerhalb einer Kirche, existiert, ist eine vielfältige Mischung unter anderem aus biblischen, griechischen und animistischen Einflüssen. Doch Gott ist nicht gleichzusetzen mit Kirche. Wenn man zwischen Christenheit, Kirche und dem, was die Bibel über den Glauben sagt, unterscheidet, ergibt sich an vieler Stelle ein überraschendes Bild.

Die Bibel versteht sich als Offenbarung Gottes

Die Bibel versteht sich als Offenbarung Gottes. Das heißt, dass sie zwar von Menschen aufgeschrieben wurde, aber Gott die Quelle des Inhalts ist. [31] Wenn auch die Realität nicht viel von sich preisgibt, Gott tut es schon. Er schweigt nicht. Das Unwissen und die Probleme der Menschen sind ihm nicht egal. Er überlässt uns nicht uns selbst.

Es stellt sich die Frage, wie wir eine Offenbarung als von Gott gegeben identifizieren können. Wenn Jesus in der Bibel von einem Leben nach dem Tod, von Himmel und Hölle spricht, wie sollen wir dann prüfen, ob es das überhaupt gibt? Wir können es nicht selbst prüfen. Doch deshalb ist die Aussage von Jesus im Hinblick auf einen Erkenntnisgewinn für uns nicht wertlos. Denn nun sind wir konfrontiert. Wir sind konfrontiert mit einer Person, die behauptet, etwas über die großen Fragen zu wissen. So etwas behauptet man nicht einfach so. Man behauptet es immer mit einem bestimmten Ziel. Vielleicht ist das Ziel, mit einer erfundenen Geschichte Macht über andere Menschen auszuüben. Vielleicht ist das Ziel aber auch, seine Mitmenschen aus Mitleid zu warnen. Es hängt davon ab, ob die behauptende Person gutmütig oder bösartig ist. Und das wiederum lässt sich schon untersuchen. Es ist zwar nicht alles von Jesus überliefert, aber doch genug, um sich ein Urteil bilden zu können. Passt es zu Jesus Charakter, seine Mitmenschen mit einer bedrohlichen Aussage über das Jenseits knechten zu wollen? Passt es zu jemand, der bereit war, für seine Aussagen zu sterben? Solchen Fragen können wir uns nähern. Wir stehen demnach weniger vor der Frage: „Kann ich die Existenz von Himmel und Hölle beweisen?“, sondern vor der Frage: „Ist Jesus vertrauenswürdig?“
Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die biblischen Berichte historisch zuverlässig sind, das heißt, dass die Geschichten nicht erfunden oder wesentlich verfälscht wurden. U.a. Josh McDowells empfehlenswertes Buch Jesus von Nazareth [32] zeigt, dass man davon ausgehen kann.

Was hat Jesus überhaupt konkret gesagt? Und in welchen biblischen Kontext sind seine Aussagen eingebunden? Die nächsten Abschnitte fassen den wesentlichen Inhalt der Bibel zusammen. Außerdem wird Jesus Christus als Hauptperson der Bibel vorgestellt und so ein erster Blick auf seine Vertrauenswürdigkeit geworfen. Die Ausführungen sind dabei aus Sicht der Bibel formuliert.

Warum Gott den Menschen erschuf

Warum hat Gott, bildlich gesprochen, überhaupt auf den Startknopf gedrückt? Was hat ihn dazu bewogen, Menschen zu erschaffen? Damit sie sich an bestimmte Regeln halten? Wie langweilig. Damit sie sich kurz freuen und dann erlöschen? Wie tragisch. Damit sie vor sich hinleben und machen, was ihnen in den Sinn kommt? Wie sinnlos. Gott konnte die Katastrophe der Menschheit doch voraussehen? Wieso hat er die Schöpfung nicht einfach bleiben lassen? Er sah doch den vielen Schmerz, die Armut, den Hunger, die Kriege, den Liebeskummer, die zerbrochenen Herzen, die Resignation, die Gleichgültigkeit, den Egoismus, den Streit, die Einsamkeit und die Sorgen voraus? Wie konnte Gott nur Menschen erschaffen? Was rechtfertigt unser Dasein? Was im menschlichen Leben das Höchste, Schönste und Größte ist, war auch für Gott der höchste, schönste und größte Grund, den Menschen zu erschaffen: Die Liebe.

Von Schönheit und Schrecken der Liebe

Mit Liebe ist allerdings nicht das abgedroschene Allheilmittel gemeint, das schöngeistig vorschlägt: „Liebe deine Mitmenschen, dann wird alles besser. Liebe deinen Partner, dann wirst du glücklich.“
Liebe kann einen nicht nur das Schönste erleben lassen in Form einer Beziehung, sondern auch das Schlimmste in Form einer zerbrochenen Beziehung. Mit Liebe ist nicht zu spaßen. Sie ist nichts, mit dem man arglos umgehen könnte. Nichts, was unbedacht verschenkt werden sollte. Etwas, vor dem man erschrecken sollte. Im innerlich zerfetzenden Liebeskummer fragt man sich, ob das die Liebe wert ist. Nur weil die Liebe so große Freudengebäude wie nichts anderes aufbaut, wird der Schmerz ermöglicht, der beim Einriss derart großer Gebäude entsteht. Das Ausmaß der Schmerzen zeigt den großen Wert der Liebe. Was beim Zerbruch nicht wehtut, war nichts wert.

Gott will uns nicht nur dabei zusehen, wie wir uns gegenseitig lieben. Er will, dass wir ihn lieben. Gott hat sich ein Gegenüber geschaffen, das er lieben kann und das ihn lieben kann. Das war der Grund, warum er sich trotz allem dazu entschlossen hat, uns zu erschaffen. Das ist unsere Daseinsberechtigung. Die Bibel drückt es so aus: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft.“[33]

Das Herz, die Seele, der Verstand, die Kraft – diese Schätze können in einem unkontrollierbaren Anflug von Zuneigung und Verliebtheit an andere gehängt werden. Größer ist es aber, wenn man nicht einfach nur seinen wechselhaften Gefühlen folgt, sondern die Liebe zum Ausdruck bringt, indem man sich unabhängig von Hoch- und Tiefphasen für eine Person entscheidet. Wegen der Person selbst und nicht nur wegen einer flüchtigen Leidenschaft an der Person. Man sichert damit zu: Egal was passiert, meine Liebe bleibt.

Das will Gott von uns. Er schuf sich ein Gegenüber, das sich für oder gegen ihn entscheiden kann. Er hätte uns auch so schaffen können, dass wir zwangsläufig mit ihm leben. Aber dann wäre unsere Liebe nichts wert. Erzwungene Liebe ist nichts wert. Gerade die Möglichkeit, uns aus uns heraus für oder gegen ihn zu entscheiden, macht uns wertvoll und bedeutsam. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes von entscheidender Bedeutung. Entweder Gott schafft uns als Wesen, die zwangsläufig alles richtig machen. Dann sind wir allerdings Nullen, von denen nichts abhängt. Oder Gott schafft uns mit der Möglichkeit, uns zu entscheiden. Dann birgt das allerdings die Gefahr, dass wir uns gegen ihn entscheiden. Dieser Fall ist eingetreten. Der Großteil des Leides, der Armut und der Kriege kann auf falsche Entscheidungen von Menschen zurückgeführt werden. Aus dieser Perspektive wird auch plausibel, warum es bei einem guten Gott trotzdem schlechte Sachen in der Welt gibt.

Freiheit existiert nicht ohne Verantwortung

Unsere Möglichkeit der Entscheidung macht unser Leben faszinierend und reich. Es hängt von uns ab, ob es vielfältig, kreativ und immer wieder neuartig ist. Das Leben kann von uns in allen seinen Facetten aktiv gestaltet werden. Krieg oder Frieden hängen von uns ab. Genauso Gewalt oder Dialog. Kommunismus oder Kapitalismus. Aristoteles oder Platon. BILD oder Süddeutsche. Katastrophenhilfe oder Untätigkeit. Postkarte oder E-Mail. Betrunken oder Nüchtern. Aufstehen oder Liegenbleiben. Kathrin oder Julia. Markus oder Phillipp. Und schließlich Sarg oder Urne.
Wer man heute ist und wo man im Leben steht, hängt zwar nicht nur, aber doch maßgeblich von den bisherigen Entscheidungen ab.

Wenn wir entscheiden können, dann haben wir auch Verantwortung. Denn ob man Krieg oder Frieden, Monokultur oder Vielfalt, Kathrin oder Julia wählt: Jede Entscheidung zieht Freude und Leid für sich selbst und für andere nach sich.
Wenn wir Verantwortung haben, dann gibt es auch Schuld. Auf diese Weise ist Freiheit und Schuld verbunden. Wer sich als frei entscheidendes Wesen sieht, der kommt auch um eine mögliche Schuld nicht herum. Wer Schuld als nicht real bezeichnet, der gibt damit auch seine Freiheit auf.

Die Flucht vor der Schuld

Schuld ist ein zutiefst menschlicher Begriff. Man muss niemandem erklären, was er bedeutet, denn seine Bedeutung ist im Menschen veranlagt. Kinder und Erwachsene, Gebildete und Ungebildete verstehen das Phänomen Schuld. Es berührt den Kern des Menschseins. Deutlich wird das an den großen Anstrengungen, die unternommen werden, um vor den Anklagen des Gewissens zu flüchten. Menschen sind stets darum bemüht, ihre Taten zu rechtfertigen. Es ist menschlich, einem Gerechtigkeitsmaßstab, an dem sich Schuld messen lässt, genügen zu wollen. Es ist ein qualvoller, manchmal unerträglicher Zustand, von diesem Gerechtigkeitsmaßstab angeklagt zu werden. Es ist schmerzvoll, sich bewusst zu sein, das Falsche getan zu haben. Um diesem Schmerz zu entkommen, suchen Menschen nach Rechtfertigungen oder verdrängen die schmerzvollen Gedanken. Wenn einen das Gewissen anklagt, dann nimmt man leicht Unvernunft und Irrationalität in Kauf, nur um sich zu rechtfertigen.
Beispielsweise rechtfertigt man Selbstsucht, indem man auf die Selbstsucht anderer verweist: „Ich darf das, weil mir das auch schon angetan wurde.“ Doch die Selbstsucht des anderen macht nicht die eigene Selbstsucht zu etwas Gutem. „Aber das macht doch jeder!“, wird behauptet. Möglicherweise stimmt die Behauptung, doch deswegen ist es noch nichts Gutes. Gleiches gilt für die Behauptung „Wenn ich es nicht mache, dann macht es jemand anderes.“ Denn nur weil es andere machen, ist es noch nicht gut. Mit solchen Rechtfertigungen kann u.a. auch die Ausbeutung von Arbeitskräften und Entwicklungsländern moralisch erhoben werden. Denn „Wenn wir nicht ausbeuten, dann beuten andere aus.“
Irrationale Rechtfertigungen gibt es auf jedem intellektuellen und moralischen Niveau. Auch Bosheit kann gerechtfertigt werden, indem man sagt: „Letztlich sind wir nur höhere Tiere. Außerdem existiert Gut und Böse gar nicht.“ Mafia-Killer rechtfertigen ihre Morde, indem sie sich sagen, sie seien auf der richtigen Seite in einem ehrenhaften Krieg. In brutaler Konsequenz lässt sich sogar Völkermord rechtfertigen. Nämlich mit der Begründung, dass es im Laufe der Evolution der Menschheit immer zum Besten gedient hat, wenn Schwächere starben und sich Stärkere durchgesetzt haben.
Den Glauben an Gott lehnen viele ab mit der Rechtfertigung, dass dabei verstandesmäßige Fragezeichen bleiben. Auf der anderen Seite nimmt man aber bezüglich der eigenen Philosophie, der eigenen Identität und des Todes verstandesmäßige Fragezeichen doch in Kauf.

Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit

Der Gott der Bibel ist ein gerechter Gott. Das bedeutet, dass es ihm nicht egal ist, was auf der Erde passiert. Wir können wegsehen von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung in der Welt, aber Gott sieht das alles. Er sieht, dass wir uns gegenseitig ausbeuten, ausnutzen, anlügen – den ganzen Egoismus. Er steht dem nicht gleichgültig gegenüber. Er ist keine Witzfigur, bei der man tun und lassen könnte, was man will, ohne dass es Folgen hätte. Jeder Mensch wird sich vor ihm rechtfertigen müssen. Verbrecher und Ungerechte werden nicht davonkommen. [34]

Die Bibel spricht von einem Endgericht, in dem alles offengelegt wird und Gott für endgültige Gerechtigkeit sorgen wird. Jeder wird bekommen, was er verdient. Wir Menschen sind verantwortlich, ob Gutes oder Schlechtes die Welt kennzeichnet. Gott wird schließlich alle Konten ausgleichen, Gutes belohnen und Schlechtes bestrafen. Er wird für Gerechtigkeit sorgen, wo Gerechtigkeit im Diesseits nicht zu finden ist.

Ein solches Endgericht kennt man von vielen Religionen. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied in der Bibel: Es wird hier nicht unterschieden zwischen den Guten, die in den Himmel kommen und den Schlechten, die in die Hölle kommen. Sondern alle haben gesündigt, werden für ihre Schuld verurteilt und kommen nicht in den Himmel. Keiner ist vor Gott gerecht. Alle haben gesündigt und gehen deshalb verloren und blicken einer Ewigkeit in der Hölle entgegen [35]. Gott hat uns Menschen die Freiheit gegeben, auch Schlechtes tun zu können und wir haben es getan.

Das ist die Situation, in der Gott sich befindet. Als gerechter Gott müsste er die Menschheit aufgeben und der Verlorenheit in der Hölle überlassen. Nicht ein Einziger kann Gott durch sein sündloses Leben erfreuen. Der Zorn Gottes über unsere Sünde, unsere Ungerechtigkeit, unseren Egoismus und unsere Undankbarkeit liegt auf jedem Einzelnen und wartet darauf, loszubrechen. [36] Gott wird sich nicht unserer Ungerechtigkeit anpassen und gleichgültig wegsehen. Wir sollten uns eher seiner Gerechtigkeit anpassen. Die Erde, die wir zugrunde gerichtet haben, ist ein Vorbote, dass uns ein schreckliches Gericht erwartet. Jesus beschreibt die Hölle als „Äußerste Finsternis, wo das Weinen und Zähneknirschen sein wird.“[45] und „ein ewiges Feuer.“[46]

Gott ist ein Gott der Liebe

Gott nimmt die Verlorenheit der Menschen allerdings nicht kühl zur Kenntnis, sondern sie tut ihm unsäglich weh. Denn neben seiner Gerechtigkeit charakterisiert ihn auch seine Liebe zu uns. Seine Liebe bedeutet, dass er uns um keinen Preis in der Hölle sehen will. Er liebt uns unabhängig von unseren schlechten Taten und Gedanken und will das Beste für uns. Selbst wenn man ihn ignoriert und sündigt, liebt er einen. Seine Liebe ist bedingungslos. Er liebt auch die Perversesten und will keinen bestrafen. Er liebt sogar die Heuchler, die Mörder und die Kinderschänder. Er hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder. Er hasst Kinderschändung, aber er liebt den Kinderschänder. So schlimm sind die meisten zum Glück nicht, aber grundsätzlich gilt: Man kann gar nicht so verdorben und schuldig sein, dass Gott einen nicht mehr lieben würde. Gott nimmt einen an, egal was man hinter sich hat. Er ist wie ein Vater, der sein Kind in den Arm nimmt und liebt, egal ob es gewaschen oder von oben bis unten mit stinkendem Schlamm beschmutzt ist. Manche Menschen sind sich selbst nicht gut genug, nicht schön genug, nicht stark genug und sie fühlen sich nicht angenommen. Denen sagt Gott: „Mir bist du genug. Du musst keine Gegenleistung bringen, ich liebe dich ganz einfach, weil du da bist.“ Gottes größter Wunsch ist es, dass alle die Ewigkeit mit ihm verbringen.

Gerechtigkeit und Liebe stehen im Gegensatz zueinander

Wenn man beide Eigenschaften, Gerechtigkeit und Liebe, nebeneinander stellt, dann ergibt sich ein Widerspruch. Denn Gerechtigkeit und Liebe stehen im Gegensatz. Gottes Gerechtigkeit sagt: Alle haben gesündigt und verdienen die Hölle. Gottes Liebe sagt: Ich liebe alle; alle sollen zu mir in den Himmel.

Der Gegensatz wird anschaulich, wenn man sich eine Szene in einem Gerichtssaal vorstellt: Auf der einen Seite der Richter, auf der anderen Seite der schuldige Angeklagte. Er hat beispielsweise eine Bank überfallen und das Geld verprasst. Verschiedene Möglichkeiten sind vorstellbar: Entweder der Richter liebt den Angeklagten, lässt Barmherzigkeit walten und lässt ihn frei. Das wäre allerdings nicht gerecht. Denn der Angeklagte hat immerhin das Geld verprasst, für das andere hart gearbeitet haben. Oder aber der Richter ist gerecht und verurteilt den Angeklagten. Dann kann er aber nicht gleichzeitig auch barmherzig sein. Er muss sich für eines entscheiden.
In diesem Dilemma befindet sich Gott: Entweder Liebe oder Gerechtigkeit, aber beides geht nicht. Was für ein tragischer Zwiespalt! Wer kann ihn lösen?

In Jesus Christus vereint Gott Gerechtigkeit und Liebe

Um aus diesem Dilemma zu retten, unternahm Gott – motiviert von aufopferungsvoller Liebe – etwas für ihn sehr Schmerzvolles und Erniedrigendes: Er wurde ein Mensch und hat die Strafe, die wir Menschen gerechterweise verdient hätten, selbst getragen. Das ist Jesus Christus. [37] Gott wurde als Jesus Christus Mensch und hat sich an unserer Stelle kreuzigen lassen. Die Todesstrafe, die uns erwartet, hat er auf sich genommen. [38] Durch den Tod am Kreuz hat Gott Liebe und Gerechtigkeit zusammengebracht. Auf der einen Seite ist er nach wie vor gerecht: Er belohnt Gutes und er bestraft Schlechtes. Allerdings mit dem Unterschied, dass er jetzt nicht mehr uns, sondern sich selbst bestraft. Stellvertretend für uns. Dadurch hat die Liebe nun freie Bahn. Es steht nichts mehr zwischen dem schuldigen Menschen und Gott. Gott sieht ihn als gerecht an, obwohl er gesündigt hat. Die Tür zum ewigen Leben im Himmel ist offen. Der Vertrauensbruch zwischen Gott und Mensch ist gesühnt. Keine Schuld, keine Sünde, kein Lügen, Betrügen und Morden, kein Versäumnis, kein selbstsüchtiger oder überheblicher Gedanke, keine Ungerechtigkeit, keine Verachtung, keine Eigensucht, nichts steht mehr zwischen uns Menschen und Gott. Jesus hat für die Schuld vergangener Zeiten, der Gegenwart und der Zukunft ein für alle Mal bezahlt [39].
Was Gott getan hat, ist zu vergleichen mit einem Richter, der das gestohlene Geld aus eigener Tasche bezahlt, damit er den Angeklagten frei lassen kann. Jesus sagte: „Wer unter euch der Erste sein will, der soll allen anderen dienen. Genauso wie ich nicht gekommen bin, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und mein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“[40]

Vor 2000 Jahren waren die Menschen mit einer Person konfrontiert, die behauptete: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“[41], „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“[42] und „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“[43] Wer kann so etwas behaupten? Sind es die Aussagen eines Größenwahnsinnigen? Eines Lügners? Eines Verrückten? Oder spricht tatsächlich Gott selbst? Die Behauptungen sind zu weitreichend, als dass man sich ihnen teilnahmslos stellen könnte.
Die Menschen damals konnten ihm in die Augen sehen, mit ihm reden und ihn kennenlernen. Sie konnten unmittelbar untersuchen, mit was für einer Person sie es zu tun hatten. Ob sie vertrauenswürdig war oder Böses im Schilde führte. Heute kann man Jesus anhand der Zusammenfassung seines Lebens, aufgeschrieben in den vier Evangelien, untersuchen. Wer Gott kennenlernen will, kann sie lesen mit der ernsthaften Frage: Ist Jesus vertrauenswürdig, das heißt: Kann man ihm glauben?

Kommen also, weil Jesus für alle Schuld bezahlt hat, alle in den Himmel? Nein, denn Gott geht es nicht in erster Linie um ein Schuldenkonto, welches der Mensch bei ihm hat. Die Schuld war nur das tragische Hindernis, welches eine Trennmauer zwischen Schöpfer und Geschöpf baute[44]. Gott ist froh, wenn sie weg ist und nicht mehr daran gedacht wird, denn dann erst kann sich die Schönheit seines Plans mit den Menschen entfalten. Indem er am Kreuz alles Trennende abgeschafft hat, gibt er jedem Menschen die Chance, sich unbelastet von Leistungszwängen für oder gegen ihn zu entscheiden. Erst dadurch muss man Gott nichts mehr bringen. Erst dadurch muss man nicht mehr besonders religiös sein, um vor Gott bestehen zu können. Erst dadurch muss man nicht besonders gut, rein oder heilig sein, um von Gott angenommen zu werden. Erst dadurch kann Gott jeden lieben, unabhängig von den Sünden, die man begangen hat. Erst dadurch ist eine unbelastete Beziehung zwischen Gott und Mensch möglich. Eine mögliche Angst, Gott nicht genügen zu können, hat Gott am Kreuz ausgeschlossen. Jesus hat am Kreuz eine Liebesbeziehung zu Gott möglich gemacht, die nicht vom unterschwelligen Druck begleitet ist, einmal für begangene Sünden bestraft zu werden.

Was bleibt, ist ein Angebot, das Gott durch Jesus Christus jedem Mensch macht: „Willst du mit mir leben oder ohne mich?“ Aus dieser Entscheidung ergibt sich das ewige Schicksal des Einzelnen. Wer an Jesus glaubt, der kommt in den Himmel. Wer nicht an ihn glaubt, der geht verloren. An Jesus scheidet es sich. An ihm hängt unsere Ewigkeit.
Wir sind von unserer Schöpfung her darauf angelegt, mit Gott zu leben. In unserem Herzen gibt es einen leeren Raum, der sich danach sehnt, gefüllt zu werden und der ruft: „Irgendwas muss es da im Leben noch geben. Irgendwo muss noch mehr sein. Irgendwann muss ich es haben, anstatt immer nur nachzujagen.“ In diesen Raum passt Gott. Er füllt ihn aus und stillt die Sehnsucht. Gott kann ihn im Gegensatz zu den vielen verlockenden Angeboten, die das Leben anbietet, angemessen ausfüllen, weil er diesen Raum extra für sich geschaffen hat.
Gott tut alles, um unser Herz zu gewinnen, aber er zwingt uns nicht. Er lässt uns nach wie vor die Möglichkeit, uns gegen ihn zu entscheiden. Sein erstes Geschenk ist, dass er uns mit einem wunderbaren Körper und einer einzigartigen Persönlichkeit ausgestattet hat. Dann dürfen wir uns an der unfassbar vielfältigen Natur und an der Schönheit anderer Menschen freuen. Weil uns das nicht zum Danken veranlasst hat, sondern wir stattdessen sogar unzufrieden wurden, hat Gott immer wieder Propheten geschickt, die vor gottlosen Wegen warnten. Sie sagten: „Gott freut sich nicht am Tod des Sterbenden. Deshalb kehrt um und lebt.“[47] Gott bemüht sich darum, dass der Mensch von seinen selbstzerstörerischen Wegen zu ihm umkehrt. Schließlich, als aus Sicht der Gerechtigkeit schon alles verloren war, kam er selbst und wurde nicht nur verspottet und abgewiesen, sondern sogar getötet. Er hat uns auf vielerlei Weise umworben. Seine Liebe ging so weit, dass er sein Leben für uns eingesetzt hat. Mehr kann er nicht tun. Der Höchstpreis ist bezahlt. Trotzdem wurde er abgelehnt. Irgendwann ist das Liebeswerben vorbei und vielen Menschen wird er einmal sagen: Ich kenne euch nicht. [48]

Aus dieser Perspektive klärt sich die Frage, warum Gott die Menschen in nur zwei Gruppen – nämlich die Verlorenen und die Geretteten – einteilt, obwohl man offensichtlich nicht sagen kann, dass es auf der einen Seite die moralisch Guten und auf der anderen Seite die moralisch Schlechten gäbe. Die Moral der Menschen tritt in allen Schattierungen und Nuancen auf, von gut bis böse ist in kontinuierlichem Übergang alles vorhanden. Aber eine bewusste Entscheidung für Jesus zu treffen ist ein konkreter Schritt. Man kann sich prüfen, ob man diesen Schritt getan hat oder nicht. Der Himmel hängt nicht daran, wie gut oder schlecht man war, wie stark man glaubte oder wie hingegeben man lebte. Sondern er hängt daran, ob man sich für Jesus entschieden hat oder nicht.

Der Christ muss nicht mehr beten: „Bitte, Gott, mach, dass ich in den Himmel komme!“ Sondern er kann befreit beten: „Danke, Gott, dass ich in den Himmel komme!“ Denn für den Christ ist der Himmel sicher. Es gibt keine Sünde, keine Versagen und keine Umstände, die ihm seine Errettung wieder nehmen könnten. [49] Zwar sieht auch er Gottes Gericht entgegen, aber wofür sollte Gott ihn noch strafen? Alles, wofür er bestraft werden könnte, wurde bereits von Jesus am Kreuz gesühnt. Gott wird zahlreiche Sünden am Christ feststellen, doch er wird keine davon bestrafen. Denn der Christ sagt: „Stimmt, ich habe gesündigt. Aber Jesus ist dafür schon bestraft worden.“ Als Christ gehorcht man Gott nicht, um in den Himmel zu kommen, sondern weil man in den Himmel kommt.

Mancheiner wendet ein: „Dann kann ich ja tun und lassen, was ich will! Dann kann ich sündigen, lügen und betrügen, wie es mir passt. Denn ich komme ja sowieso in den Himmel.“ Doch warum sollte man das noch tun wollen, wo man doch als Christ seine Sünden als etwas Schlechtes, das Vergebung nötig hat, ansieht? Es geht ja nicht darum, aus Gott so viel Nutzen wie möglich herauszuziehen. Jesus hat sein Leben gerade deshalb gegeben, um uns von dieser eigensüchtigen Denkweise zu befreien. Sein vorrangiges Ziel war nicht, uns schuldenfrei zu machen, sondern mit uns zusammen sein zu können. Er ist aus Liebe für uns gestorben – warum sollten wir ihm mit Gleichgültigkeit antworten?

Zu einer Entscheidung für Jesus gehört, die eigene Schuld zuzugeben. Das kann eine große Hürde sein. Doch hinter dieser Hürde liegt Befreiung. Dahinter liegt eine innere Freiheit, wie sie davor nicht vorstellbar war. Vor Gott kann man Schuld nicht wiedergutmachen. Doch wer sie vor Jesus zugibt, dem ist sie vergeben. Jesus hat dafür bezahlt. Gott wird nicht mehr daran denken. Die Schuld interessiert ihn nicht mehr. Wer seine Fehler offenlegt und zugibt, der ist glaubwürdig. Die Vergebung ist ein Geschenk. Gottes Geschenk besteht darin, dass der Schuldige gerecht gemacht wird.

Zu einer Entscheidung für Jesus gehört Umkehr

Zu einer Entscheidung für Jesus gehört Umkehr. Das heißt, man ist nicht mehr sein eigener Herr, sondern Jesus wird der Herr. Man erkennt ihn damit als den an, der er ist: Der Herr und Gott über alles Existierende. Das beinhaltet auch die Bereitschaft, Dinge, die Jesus als Sünde bezeichnet, nicht mehr zu tun, bzw. Dinge, die ihm gefallen, zu tun.
Die Entscheidung zur Umkehr ist nichts, was man nebenbei tut. Denn Bedenken können sich dieser Entscheidung entgegenstellen. Es gibt Befürchtungen, dass Gott einem etwas vom schönen Leben wegnehmen will. Dass Gott einengen und die Freude nehmen will. Dass man seinen Verstand verleugnen muss. Dass leben mit Gott langweilig sein könnte. Doch das Gegenteil ist Gottes Ziel. Er will unser Leben zur Entfaltung bringen. Er will unser Bestes. Er will der dürstenden Seele Wasser geben. Er will dem Trauernden Trost, dem Verlorenen Rettung, dem Sinnlosen Sinn, dem Getriebenen Ruhe, dem Rastlosen Heimat, dem Einsamen Liebe, dem Sorgenbeladenen Frieden, dem Unsicheren Sicherheit, dem Kalten Geborgenheit und dem Verängstigten Freiheit geben. In ihm ist eine Freude, die überrascht. Er verspricht, ein besserer Herr über unser Leben zu sein, als wir es je könnten. Doch Gott verwirklicht diese Versprechen oft anders, als man es sich vorstellt. Denn auch das Leben mit Jesus ist nicht frei von Problemen, Schmerzen und Verzicht. Probleme, Auseinandersetzungen und innere Kämpfe können an mancher Stelle sogar zunehmen. Doch Gottes Wege gehen tiefer. Er weiß, dass Zufriedenheit etwas anderes als Problemfreiheit ist. Er weiß, dass die Erfüllung von Wünschen etwas anderes als innere Erfüllung ist. Er weiß, dass das Leben mehr ist als geordnet zu leben. Er weiß, dass Freude etwas anderes als Spaß ist. Er kennt unsere tiefsten Sehnsüchte. Er geht mit uns Wege, an deren Ende man erst sieht, dass himmlisch frohe Berge und verzweifelt dunkle Täler letztlich besser waren als langweiliges, schmerz- und freudeloses Flachland. Der Weg mit Gott ist vergleichbar mit dem eines Kindes, das sich zwar nicht auskennt, aber an der Hand eines liebevollen aufopferungsvollen Vaters sicher ans Ziel geführt wird.

Einen Anfang machen

Jesus verlangt keine perfekten Christen, die alles richtig machen. Stattdessen hilft er einem, wo man schwach, gefangen oder unbeholfen ist. Wer Christ wird, entscheidet sich nicht für ein Glaubenssystem, einen Moralkodex oder eine Ideologie. Sondern er lernt eine Person, nämlich Jesus Christus, den lebendigen und eingreifenden Gott, kennen. Ein Glaubenssystem steht fest, eine Person dagegen agiert und überrascht immer wieder aufs Neue.
Jemanden kennen zu lernen ist ein Prozess. Das Wesen und die Eigenheiten des anderen nehmen mit fortschreitender Zeit immer konkretere Formen an. Vertrauen wächst nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit. Man kann es nicht erzwingen. Aber man kann einen Anfang machen. Jesus will, dass man diesen Schritt tut und ihn persönlich in sein Leben aufnimmt.
Vor diese Entscheidung seist du als Leser dieses Buches gestellt. Jesus fragt dich: „Willst du mit mir leben?“ Wie lautet deine Antwort? Ich bitte dich darum, diese Frage ernst zu nehmen und darüber nachzudenken, um zu einem bewussten Ja, bzw. Nein zu kommen.
Er ist kein kalter Herrscher, sondern ein Gott, an dem man zweifeln kann. Den man lieben kann. Mit dem man ringen, streiten und reden kann. Zu dem man beten kann. Beten bedeutet, Gott in eigenen Worten und möglichst ehrlich zu sagen, was man von ihm erkannt hat, was man von ihm hält, was man an ihm bezweifelt, was man von ihm erwartet und was einen beschäftigt. Mit der Zeit bringt er einem bei, wie man ihm vertraut, betet, nachfolgt und was die Bibel meint.

Was nach der Kreuzigung passierte – Jesus lebt heute

Zum Abschluss des Buches seien die Begebenheiten der letzten Tage von Jesus auf der Erde erzählt. Welche Situation ergab sich damals in Israel, nachdem Jesus gekreuzigt wurde? Seine Jünger hatten alle Hoffnung auf ihn gesetzt. Von den Propheten des Alten Testaments wussten sie, dass ein Retter kommt, der in ihrem mühsamen Lebenskampf für sie siegen wird [50]. In Jesus glaubten sie, diesen Retter erkannt zu haben. Für ihn hatten sie ihre berufliche Existenz und ihren Wohnsitz aufgegeben. Jesus forderte die Leute auf, ihm nachzufolgen, ihn zu lieben und ihm zu gehorchen. Er ließ den Menschen nicht die Möglichkeit, ihn als Propheten oder Mensch, der seiner Zeit voraus war, zu sehen. Denn Jesus forderte das Höchste von den Menschen: Sie sollten ihm ihr Leben schenken [51]. Wie anmaßend, wenn er nur ein Prophet oder ein hochentwickelter Mensch wäre! Aber angebracht, wenn er tatsächlich der Sohn Gottes, der menschgewordene Gott ist.

Doch dann war er plötzlich tot. Genauso wie jeder andere Mensch. Wie deprimierend für die Jünger! Die Karte, auf die sie alles gesetzt hatten, war plötzlich nicht mehr vorhanden. Der Tod, der mächtigste Feind des Menschen hatte auch ihren göttlichen Retter eingeholt. Jetzt hatten sie weder eine gesicherte Existenz, noch eine Hoffnung auf Rettung. Mit Jesus ging alles, was den christlichen Glauben ausmacht, ins Grab. Denn alle Hoffnungen und Versprechen, von denen er sprach, sind untrennbar mit seiner Person verbunden. Er sagte nicht: „Ihr könnt ewiges Leben bekommen“, sondern „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ [52] Er sagte nicht: „Ich erzähle vom Licht der Welt“, sondern „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis leben, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ [53] Er sagte nicht: „Ich zeige euch die Tür“, sondern „Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden.“ [54] Mit Jesus starb auch seine Rettung. Der Tod schien seine göttlichen Ansprüche widerlegt zu haben. Mit seinem Tod gab es keine Grundlage mehr für die Entstehung des Christentums, denn warum sollte man zu einem Toten beten?

Trotzdem sind die Jünger kurze Zeit später in alle Himmelsrichtungen ausgeschwärmt, und haben dynamisch von Jesus erzählt, bis schließlich im ganzen Mittelmeerraum Millionen von Menschen zu Christen wurden. Wie kam es zu der plötzlichen Wandlung? Woher nahm eine Handvoll mittelloser ungebildeter Leute die Kraft, die ganze damals bekannte Welt zu erreichen und zu verändern, obwohl kurz zuvor derjenige, an dem sie alle Hoffnung festmachten, gestorben war? Wieso nahmen sie dafür Spott, Schläge, Verfolgung, Gefängnis und sogar Tod in Kauf? Für einen Retter, der sie enttäuscht und betrogen hatte? Hatten sie den Verstand verloren? Wieso waren sie dann so überzeugend?

Sie taten es, weil Jesus wieder auferstanden ist. Nachdem er starb, als tot begutachtet wurde, begraben und bewacht wurde, wurde er nach drei Tagen wieder lebendig. Anfangs zweifelten sie noch, doch nach einer persönlichen Begegnung mit ihm stand für die Jünger fest: Jesus ist auferstanden! Der Tod ist besiegt! [55]
Weil sie ihn mit eigenen Augen sahen, konnten sie nicht mehr anders, als davon zu reden und die frohe Botschaft in die ganze Welt zu tragen. Die Botschaft, dass es Rettung gibt, weil der Retter lebt. Mit Jesus ist auch die bei seinem Tod verloren geglaubte Hoffnung wieder auferstanden. In ihm ist das neue Leben, das Licht der Welt und die Tür zur Rettung wieder auferstanden. Weil die Jünger Jesus wieder lebendig und später in den Himmel auffahren sahen, begannen sie zu verstehen: Das Handeln von Jesus hat am Kreuz nicht aufgehört, sondern dort erst richtig angefangen.

Zugegeben, es ist für uns heute schwer zu glauben, dass Jesus aus den Toten auferstanden ist. Auferstehungen passieren nicht. Diese Beobachtung hat sich millionenfach bestätigt. Doch auch die Jünger damals waren nicht dumm. Auch sie wussten, dass Tote nicht einfach auferstehen. Die Auferstehung war kein natürliches Ereignis. Es handelte sich um ein übernatürliches Handeln Gottes, der seine Macht demonstrierte. Seine Macht, die größer ist als der Tod. Jesus hatte sich endgültig als der Retter bewiesen. Und mit ihm sind auch seine Aussagen über Leben und Tod, über Rettung und Gericht auferstanden. Sein Versprechen, zu jeder Zeit der Geschichte einzugreifen, ist mit ihm auferstanden. Ein Toter kann weder handeln, noch helfen. Doch der auferstandene Jesus sorgt nun für das Eintreffen seiner Zusagen.

An der Auferstehung hängt der christliche Glaube, weil es der Glaube an den lebendigen Christus ist. Paulus schrieb dazu später in der Bibel, dass wenn Jesus nicht auferweckt worden ist, dann wäre der Glaube an ihn nichtig. Dann wären seine Nachfolger die Elendsten und Betrogendsten von allen [56]. Für die Jünger war diese Frage unzweifelhaft geklärt, weil sie Jesus mit eigenen Augen erst tot und dann unerwarteterweise wieder lebendig gesehen hatten. Sie setzten hoffnungsfroh ihr Leben aufs Spiel, um möglichst viele Menschen an der befreienden Botschaft teilhaben zu lassen.

Schlusswort

Trotz zahlreicher Erfindungen, wechselnder Philosophien und Gesellschaftssysteme sind die grundlegenden Zwänge und Probleme des Menschseins seit damals gleich geblieben. Damals wie heute stellt sich jedem die existentielle Frage, ob man geliebt oder einsam ist. Damals wie heute zersetzt eine scheinbar nicht zu bändigende Ruhm-, Macht- und Eigensucht das Zusammenleben. Damals wie heute hängt die Lebensqualität weniger von Wissen und materiellem Wohlstand als von einem zufriedenen Herzen ab. Und schließlich thront der Tod damals wie heute als Herrscher über unserem kurzen Leben und lässt es zur Nichtigkeit schrumpfen. Zu einem Hauch, der kurz da ist, um dann wieder zu verschwinden. Jesus hat all das besiegt. Er hat seine Liebe zu uns gezeigt, indem er für unsere Sünde am Kreuz starb. Er besiegt die destruktive Eigensucht, weil er das egoistische Herz jedes gehorsamen Gläubigen verändert. Er besiegt die Unzufriedenheit, weil in der Beziehung zu ihm eine überraschende neue Lebensqualität liegt. [57] Und schließlich hat er durch die Auferstehung den Tod besiegt. Durch ihn bekommt jeder Glaubende ewiges Leben.

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Manche fühlen sich hilflos bezüglich der Frage, was von Jesus zu halten sei. Es empfiehlt sich, Gott um Klarheit zu bitten. Gott ist ein eingreifender Gott, der einem Wahrheiten und Zusammenhänge deutlich machen kann.

Als Christ ist es gut, seinen Glauben mit anderen Christen zu teilen. Es gibt verschiedenste Gemeinden und Gruppen, in denen man sich gegenseitig austauschen kann. Wichtig dabei ist, ob dort Jesus und die Bibel im Mittelpunkt stehen.

Für Fragen und Anregungen stehe ich gerne zur Verfügung:
D.Koenig-Meier@gmx.de
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Quellen

[1] Lennox, John, Hat die Wissenschaft Gott begraben?, Wuppertal, R. Brockhaus, 2002.
[2] Bibel, Sprüche 7,4
[3] Bibel, u.a. Röm. 11,36, Kol. 1,16-20, Joh. 1, 1. Mose 1
[4] Simon, L., Leisenberg, W., Wissenschaft contra Gott?, Holzgerlingen, Hänssler, 2007.
[5] Dürr, Hans-Peter, Planck, Max, Physik und Transzendenz, München, Scherz, 1986.
[6] McDowell, Josh, Die Tatsache der Auferstehung, Bielefeld, CLV, 2005.
[7] Weizenbaum, Joseph, Künstliche Intelligenz – Vision und Wirklichkeit, Technische Universität München, Vortrag, 10.05.2007.
[8] SPIEGEL ONLINE, Studien über Gefahren der Handystrahlung gefälscht, http://www.spiegel.de/netzwelt/mobil/0,1518,555130,00.html, 24.05.2008.
[9] SPIEGEL ONLINE, Klon-Star Hwang hat Studie komplett gefälscht, http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,392622,00.html, 29.12.2005.
[10] McGrath, Alister, Der Atheismus-Wahn, Asslar, Gerth Medien, 2007.
[11] Dawkins, Richard, Der Gotteswahn, Berlin, Ullstein, 2007.
[12] Junker, R., Scherer, S., Evolution – Ein kritisches Lehrbuch, Gießen, Weyel, 2006.
[13] Schaeffer, Francis, Wie können wir denn leben?, Holzgerlingen, Hänssler, 1985.
[14] Nestvogel, Wolfgang, Evangelisation in der Postmoderne, Bielefeld, CLV, 2004.
[15] Feuerbach, Ludwig, Das Wesen des Christentums, Stuttgart, Reclam, 1994.
[16] Heitsch, Ernst, Xenophanes. Die Fragmente, München/Zürich, Artemis, 1983.
[17] Bibel, Apg. 17,28, Tit. 1,12, 1. Kor. 15,33
[18] Bell, John Stewart, Speakable and Unspeakable in Quantum Mechanics, Cambridge University Press, 1988.
[19] Passon, Oliver, Bohmsche Mechanik, Frankfurt a. M., Verlag Harri Deutsch, 2004.
[20] Dawkins, Richard, Selfish Gene, Oxford University Press, 2006.
[21] Dawkins, Richard, River Out Of Eden, Basic Books, 1996.
[22] Dawkins, Richard, Lennox, John, The God Delusion Debate, http://www.dawkinslennoxdebate.com, Birmingham/Alabama, Alys Stephens Center, Podiumsdiskussion, 03.10.2007.
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[25] Needham, Joseph, The Grand Titration: Science and Society in East and West, Buffalo, N. Y., University of Toronto Press, 1970.
[26] Rosa, Hartmut, Im Wirbel der Beschleunigungsspirale, Spektrum der Wissenschaft, Februar 2008.
[27] Bolz, Norbert, Die Religion des Letzten Menschen, Merkur, Nr. 700, August/September 2007.
[28] Diels, Hermann, Kranz, Walther, Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch, Berlin, Weidmann, 1956.
[29] Bibel, 5. Mose. 4,29
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[31] Bibel, 2. Tim. 3,16, Matt. 5,18, Luk. 24,44
[32] McDowell, J., Wilson, B., Jesus von Nazareth – Tatsachen und Argumente für die Wahrheit der Evangelien, Neuhausen/Stuttgart, Hänssler, 1995.
[33] Bibel, Mar. 12,30
[34] Bibel, u.a. Heb. 9,27, Apg. 17,31, Matt. 5,6, Joh 5,30; 17,25, Dan. 9,14, Psalm 11,7, Röm. 1-3
[35] Bibel, Röm. 3,23
[36] Bibel, u.a. Joh. 3,36, Heb 9,27; 10,30+31, Off. 18
[37] Bibel, u.a. Joh. 1,1-5+14, Joh. 5,18-23, Joh. 10,11 und 30-33, Joh. 12,44-46, Röm. 9,5, Phil. 2,6-7, Kol. 1,13-17, Kol. 2,9, Tit. 2,13, 1. Joh. 5,20, Math. 23,37, Math. 24,35
[38] Bibel, u.a. Röm. 3,10-31, Math. 20,28, Joh. 3,16, Jes. 53
[39] Bibel, Heb. 10,10
[40] Bibel, Matt. 20,27-28
[41] Bibel, Joh. 14,6
[42] Bibel, Joh. 5,24
[43] Bibel, Joh. 3,16
[44] Bibel, Jes. 59,1-2
[45] Bibel, Matt. 8,12; 22,13
[46] Bibel, Matt. 18,8; 25,41
[47] Bibel, Hes. 18,32
[48] Bibel, Luk. 13, 23-30
[49] Bibel, u.a. Röm. 8,35-39, 1. Joh. 5,13, Eph. 1,13+14, Phil. 1,6, Joh. 3,18
[50] Bibel, u.a. Mich. 5,1, 1. Chr. 17,11-14, 5. Mose 18,18+19, Jes. 7,14; 9,5-7; 35,4-10; 40,3-5; 53, Sach. 9,9
[51] Bibel, Luk. 9,23-25
[52] Bibel, Joh. 11,25
[53] Bibel, Joh. 8,12
[54] Bibel, Joh. 10,9
[55] Bibel, Luk. 24, Matt. 28, Mar. 16, Joh. 20+21
[56] Bibel, 1. Kor. 15,17-19
[57] Bibel, Joh. 10,10, Joh. 4,13-14

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77. Die Hütte – Kommentar 2

Freitag, 19. Februar 2010 | Autor:

Woher kommt dein Bild von Gott?

(mit Bezug zum Roman „Die Hütte“)

Hartwig Henkel

Unser Bild von Gott ist entscheidend für die Art der Beziehung, die wir zu Ihm entwickeln. Unser Bild von Gott bestimmt unser ganzes Leben! Das ist eine grundlegende Wahrheit aus der Bibel, die wir beachten müssen. Das soll mit einigen Aussagen der Schrift belegt werden:

Im Gleichnis von den Talenten ist die Passivität des dritten Knechtes eine direkte Folge seines falschen Bildes von seinem Herrn. Der Knecht sagt zum Herrn: „Ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist: du nimmst, was du nicht hingelegt, und du erntest, was du nicht gesät hast. „(Lu 19:21) Sein verkehrtes, negatives Bild von seinem Herrn erzeugte in ihm Furcht, und die führte zu Passivität. Das Gegenteil von Furcht und Misstrauen ist Vertrauen. Echtes Vertrauen zum Herrn entsteht, wenn das Wort Gottes uns Sein Herz, Seine Absichten und Motive offenbart. Die Wahrheit über Gottes Wesen soll in uns ganz lebendig sein. Das Wort Gottes, das durch den Heiligen Geist und unseren Fleiß in unserem Herzen Wohnung nimmt, hat allein die Kraft, das tief sitzende Misstrauen gegen Gott aufzulösen und stattdessen Vertrauen wachsen zu lassen. Auf dich vertrauen, die deinen Namen kennen; denn du hast nicht verlassen, die dich suchen, HERR. Ps 9,11 Jesus offenbarte den Namen Gottes und hat uns versprochen, dass Er fortfahren wird, das zu tun.
(Joh 17,26) Wir können und sollen das Wesen Gottes kennen lernen. Die Folge dieser Offenbarung Seines Wesens ist die Erfahrung der Liebe Gottes. Dass die Begegnung mit dem Herrn heilsame Gefühle freisetzt, finden wir auch in folgender Schriftstelle bestätigt:

Ich aber, ich werde dein Angesicht schauen in Gerechtigkeit, werde gesättigt werden, wenn ich erwache, mit deinem Bild. Ps 17,15 Die persönliche Erfahrung der Liebe Gottes führt auch zu Opferbereitschaft und Ausdauer. Von John Piper gibt es folgendes Zitat: “Wenn man mehr in Gott als in Wohlstand oder Menschenlob Zufriedenheit findet, wird man bereit, um Christi willen verfolgt zu werden.” (John Piper „Wenn die Freude nicht mehr da ist“ Seite 139) In Kapitel 8 des Römerbriefes zählt Paulus die enormen Schwierigkeiten der ersten Gläubigen auf, die sie wegen ihres Glaubens an Jesus von Nazareth als den Christus hatten:

Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Röm 8,35 Und dann folgt ein gewaltiges ABER! Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. (V37) Im nächsten Vers gibt Paulus uns die Begründung, wie die Gläubigen zu solch einer tiefen Hingabe und Bereitschaft fähig waren, um der Wahrheit des anstößigen Evangeliums willens zu leiden. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Röm 8,37-39

Der Heilige Geist will in uns eine ganz tiefe Überzeugung wachsen lassen, dass wir in allen Situationen in den liebenden Armen des himmlischen Vaters geborgen sind. Weil die echte Erkenntnis des Wesens Gottes so weit reichende Folgen hat, versucht der Teufel alles, um diese Erkenntnis zu verhindern. Satan will nicht, dass Menschen Gott erkennen, so wie Er wirklich ist. Er ist eifersüchtig auf Menschen, die zu dieser vertrauten Beziehung vom himmlischen Vater eingeladen sind und gönnt es ihnen nicht. Er will so viele Menschen wie möglich dazu verführen, sein furchtbares Schicksal in der nie endenden Qual des Feuersees zu teilen. Paulus schreibt von „den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen.“ (2.Kor 4,4) Wer das herrliche Angebot Gottes nicht sieht, bleibt verloren. Satan weiß auch ganz genau, dass Gläubige mit einer solchen Gewissheit, Sicherheit und Unerschütterlichkeit für ihn sehr gefährlich sind. Gegen Gläubige, die Ihren Gott mehr lieben als ihr eigenes Leben, kann der Teufel nichts ausrichten, weil er keine Waffen hat, die sie fürchten würden. Also will er auch Gläubige von der wahren Erkenntnis Gottes abhalten. Wie macht er das? Indem er ihnen Lügen über Gott vorhält. Lügen haben die Kraft zu binden und zu versklaven. Paulus beschriebt unseren Kampf gegen die Lügen des Feindes:

…denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir Vernünfteleien und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi … 2.Kor 10, 4-5 Der Teufel baut im Bereich der Gedanken Höhen auf, die sich erheben gegen die Erkenntnis Gottes, das heißt sie verhindern, dass wir Gott sehen, wie Er wirklich ist. Und das tut er zur Zeit noch sehr erfolgreich. Wie viele an Jesus Gläubige gibt es zum Beispiel, die meinen, sie glauben an die Bibel als das Wort Gottes und sind doch davon überzeugt, dass ihnen Krankheit von Gott geschickt wird oder dass die Kraft des Heiligen Geistes nicht mehr für die heutige Zeit zur Verfügung stünde! Woher kommt diese Überzeugung? Sie glauben dem Wort von Menschen mehr als dem Wort Gottes. Sie haben Lügen über Gott gehört und angenommen. All die vielen Berichte in den Evangelien über den Heilungsdienst Jesu und Sein stellvertretendes Leiden und Sterben sagen ihnen nichts, weil sie dem Wort von Menschen mehr glauben als dem Wort ihres Retters. Je nach Art der Gedanken über Gott, die wir annehmen, entstehen in uns Zweifel und Misstrauen oder Glaube und Zuversicht. Die wahre Erkenntnis des Wesens Gottes bewirkt auch Ehrfurcht und Respekt vor Gott. Der Mangel an Ehrfurcht vor Gott ist eines der größten Probleme der heutigen Christenheit. Weil unser Gott das Böse hasst (Heb 1,9 und viele andere Schriftstellen), sollen wir ebenfalls das Böse hassen. (Ps.97,10 und Röm 12,9) Die Offenbarung des Wesens Gottes durch Sein Wort und den Heiligen Geist wird in uns diesen Hass auf das Böse hervorbringen. Das nennt die Bibel die Furcht des Herrn, eine Kraft in unserem Herzen, durch die wir vom Bösen weichen. (Spr 16,6 b) Diese Kraft der Erkenntnis Gottes kommt auch in folgender Prophetie über das Tausendjährige Reich zum Ausdruck:

Man wird nichts Böses tun noch verderblich handeln auf meinem ganzen heiligen Berg. Denn das Land wird voll von Erkenntnis des HERRN sein, wie von Wassern, die das Meer bedecken. Jes 11,9 Paulus spricht in 2.Kor 11,2- 4 vom Angriff des Teufels auf unsere Haltung der Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Geradheit gegenüber Christus. Der Teufel hat es also nicht auf unseren Glauben an sich abgesehen, sondern auf die Art, WIE wir dem Herrn glauben. Was Satan gefährlich wird, ist eine aufrichtige Haltung Christus gegenüber. Diejenigen, die den Namen des Herrn nicht verleugnen, sind die, die Sein Wort bewahren. (Off 3,8). Satan fürchtet nichts mehr als Gläubige, die das Wort Gottes festhalten und als Wahrheit verkündigen. Deshalb versucht er, Gläubige abzubringen von einer Haltung der Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Geradheit gegenüber Christus. Dieses Werk der Verführung geschieht durch die Verkündigung eines anderen Jesus und eines anderen Evangeliums. Wer diese verkehrten Botschaften annimmt, empfängt einen anderen Geist. Paulus prophezeite über eine bedeutende Bewegung unter den Nachfolgern Jesu in der Endzeit, in der Gläubige durch Lehren von Dämonen vom Glauben abfallen werden. (1.Ti 4,1). Dieser Abfall würde so bedeutend sein, dass Paulus ihn sogar als ein wesentliches Zeichen für die nahe Wiederkunft Jesu bezeichnete. (2.Th 2,3) Eine nähere Beschreibung dieser Endzeit-Bewegung gibt er im 2. Timotheus-Brief:

Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre! Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden. 2.Ti 4,2-4 Das griechische Wort für Fabeln bedeutet  erfundene oder erdichtete Begebenheiten oder Geschichten , Märchen, Legenden, Sagen und fantasievolle Geschichten. In anderen Briefen kommt Paulus ebenfalls auf die Bedeutung von Fabeln zu sprechen:

Dieses Zeugnis ist wahr. Aus diesem Grund weise sie streng zurecht, damit sie im Glauben gesund seien und nicht auf jüdische Fabeln und Gebote von Menschen achten, die sich von der Wahrheit abwenden! Tit 1,13-14 Das Entscheidende hier ist, das es sich um Geschichten und Gebote von Menschen handelt, die sich in ihrem Inhalt von der Wahrheit abwenden. Die Wahrheit des Wortes Gottes ist der Maßstab. Fabeln bringen auch Streitfragen auf und sind in keiner Weise für den Glauben förderlich. So wie ich dich bat, als ich nach Mazedonien abreiste, in Ephesus zu bleiben, damit du einigen Weisung erteilen solltest, nichts anderes zu lehren noch mit Fabeln und endlosen Geschlechtsregistern sich abzugeben, die mehr Streitfragen hervorbringen, als sie den Verwalterdienst Gottes fördern, der im Glauben geschieht. 1.Ti 1,3-4 Nachdem wir uns die Bedeutung unseres Gottesbildes vor Augen geführt haben, wenden wir uns nun der entscheidenden Frage nach der Quelle unseres Bildes von Gott zu. Woher beziehst du dein Gottesbild? Aus deiner frommen Erziehung? Aus charismatischen Visionen, Träumen, Prophetien? Angeblichen Offenbarungen der Maria? Den Medien? Wort zum Sonntag? Romanen, wie z.B. Goethes Faust (Wer ewig strebend sich bemüht, den können wir erlösen) oder, wie jetzt gerade aktuell, aus dem Roman „Die Hütte“? Oder entnimmst du dein Gottesbild aus der einzig zuverlässigen Quelle, dem ewigen Wort Gottes? Zur Erinnerung hier einige Schriftstellen, welche die Kraft der Wahrheit betonen:

Heilige sie durch die Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. Joh 17,17 Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird uns freimachen. Joh 8,31-32
…und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet. 2.Ti 3,15-17 Alle Gläubigen nehmen für sich in Anspruch, der Bibel zu glauben. Aber wer wirklich dem Wort der Wahrheit hingegeben ist, wird sich auch in eindeutiger Weise von jeder Botschaft, die der Bibel widerspricht, distanzieren. Wir können nicht zur Wahrheit stehen, ohne zugleich die Lüge als Lüge zu bezeichnen und entsprechend zu behandeln. Oder ist der Gott der Bibel tolerant gegenüber Lügen? Ist es Ihm egal, was wir von Ihm glauben, Hauptsache, wir glauben überhaupt an Ihn? Wie muss es sich für unseren Gott anfühlen, wenn Seine Kinder, die Ihn angeblich lieben, Ihm Worte der Lüge in den Mund legen, die Er nie gesagt hat und nie sagen würde? Gott hat durch die Propheten geredet und sich offenbart durch Seinen Sohn Jesus Christus. Alle theologischen Aussagen müssen sich darin für immer messen! Nachdem Gott vor Zeiten manchmal und auf mancherlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er zum Erben von allem eingesetzt, durch welchen er auch die Weltzeiten gemacht hat; welcher, da er die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens ist und alle Dinge trägt mit dem Wort seiner Kraft, und nachdem er die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst vollbracht, sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat, Heb 1,1-3 Jesus sagte auch: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“

Nun wollen wir uns einige populäre Lügen über Gott anschauen, wie man sie in moderner religiöser Literatur und in der Esoterik des so genannten New Age finden kann:

Lüge Nr. 1:

Es gibt viele Wege des Heils. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Zur Zeit ist bei vielen Christen der Roman „Die Hütte“ überaus populär. Der Autor William Young wirbt auf seiner Website für seinen Roman mit der Zeile “Gott, wie Sie ihn nie zuvor gesehen haben”. Er erhebt den Anspruch, „ein akkurates
Bild vom Wesen und Charakter Gottes“ zu zeichnen, (siehe Nachwort des Autors auf Seite 301). In diesem Buch finden sich erstaunliche Aussagen, die der Bibel entgegengesetzt sind. Am Anfang erzählt Mack seinen Kindern eine
Indianer-Legende von einer Häuptlingstochter, die sich für ihr Volk opfert, um es von einer Krankheit zu retten. „Nachdem sie gebetet und sich dem Großen Geist überantwortet hatte, erfüllte sie die Prophezeiung und stürzte sich ohne Zögern in den Tod.“ Macks Tochter Missy fragt: „Ist der große Geist ein anderer Name für Gott – du weißt schon, den Papa von Jesus?“ Die  Antwort von Mack: „Das will ich meinen.“ (Seite 36) Später spricht der „Hütten-Jesus“ zu Mack: „Ich bin der beste Weg, wie die Menschen zu Papa und Sarayu in Beziehung treten können.“ (Seite 125)
Aber Jesus hat in Wahrheit nicht gesagt, dass er beste Weg sei, sondern der einzige! Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Joh 14,6 Diesen absoluten Anspruch Jesu haben die Apostel geglaubt und unerschrocken verkündet: Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen. Apg 4,12

Lüge Nr. 2:

In der Hütte sagt der „Heilige Geist“: Ich habe eine große Vorliebe für Unbestimmtheit (engl. Uncertainty = Unklarheit, Zweifelhaftigkeit, Unsicherheit, Unwägbarkeit.) Das trifft zwar an vielen Stellen für Youngs Aussagen in dem Roman zu, nicht aber für den Heiligen Geist, wie die Bibel Ihn beschreibt.

In Seiner Liebe nimmt Gott alle Menschen an und sieht sie als Seine Kinder. Er gibt Gnade für alle. So liest man zum Beispiel auf der Website der Fokular-Bewegung: „Alle Menschen sind Kinder Gottes.“ Obwohl es in dem Roman keinen Hinweis auf eine Bekehrung des Mörders von Macks Tochter gibt, erklärt „Gott“: „Er ist mein Sohn. Ich möchte ihn erlösen“ (Seite 259)

 

In der Bibel sehen wir ganz klar, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes sind, aber nur diejenigen Kinder Gottes genannt werden, die Jesus aufnehmen. (Joh 1,12) Nur die Erlösten sind Kinder Gottes. Gott gibt Seine Gnade Dem Demütigen, aber dem Stolzen widersteht Er.

Lüge Nr. 3:

Wegen Seiner großen Liebe hat Gott keinerlei Forderungen an die Menschen. Denn Gebote und Forderungen sind Druck und Gott ist doch Liebe.

Später spricht der „Hütten Jesus“ zu Mack:  Ich  Zitate „Die Hütte“: „Lieben wir deshalb Gesetze und Vorschriften so sehr – weil sie uns eine gewisse Kontrolle über das Leben geben?“, fragte Mack. „Es ist noch viel schlimmer“, sagte Sarayu. „Gesetze verleihen euch die Macht, über andere zu urteilen und euch ihnen überlegen zu fühlen. Ihr glaubt, ein rechtschaffeneres Leben zu führen als jene, die ihr verurteilt. Regeln aufzustellen, besonders in der subtileren Form von Verantwortung und Erwartung, ist ein vergeblicher Versuch, Sicherheit aus Unsicherheit zu erzeugen. Und ganz im Gegensatz zu dem Bild, das ihr euch von mir macht, liebe ich die Unsicherheit. Regeln und Gebote können euch keine Freiheit geben. Sie haben nur die Macht, anzuklagen und zu verurteilen.“ „Augenblick mal!“ Mack wurde plötzlich klar, was Sarayu da gesagt hatte. „Soll das heißen, dass Verantwortung und Erwartung auch nur eine Form von Regeln sind und dass wir durch Jesus von ihnen befreit sind? Habe ich das richtig verstanden?“ „Stimmt genau“, sagte Papa. (Seite 235) Mack fragt: “Willst du damit sagen, dass ihr überhaupt keine Erwartungen an mich habt?“ Darauf antwortet Gott: „Mein Liebling, ich habe niemals  irgendwas von dir oder einem anderen Menschen erwartet.“ (Seite 238)

Der Gott der Bibel hat sehr wohl Forderungen und Erwartungen an die Menschen: Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, daß sie alle überall Buße tun sollen, Apg 17,30
Es ist verkehrt und sündhaft, nicht an Jesus zu glauben! (Joh 16,9)

Lüge Nr. 4:

Weil Gott Liebe ist, wird Er auch keine Menschen bestrafen. Zitat „Die Hütte“:
„Ich brauche die Menschen nicht für ihre Sünden zu bestrafen. Die Sünde trägt ihre eigene Strafe in sich“ (Seite136).

Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wegen des Vergehens seines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Jes 53,5 + 8 b sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, 2.Th 1,9 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? Hebr. 10,29 wie [auch] Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die in gleicher Weise wie sie Unzucht trieben und hinter fremdem Fleisch herliefen, als ein Beispiel vorliegen, indem sie die Strafe des ewigen Feuers erleiden. Judas 1,7 der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber aufzubewahren für den Tag des Gerichts, wenn sie bestraft werden; 2.Pet 2,9 der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer. Dabei übt er Vergeltung an denen, die Gott nicht kennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus nicht gehorchen; sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, 2.Th 1,7b-9

Im Roman „Die Hütte“ fehlt der Bezug zur Bibel als Wort Gottes Wort und ewig unveränderlicher und gültiger Maßstab, an dem jede Aussage über Gott gemessen werden muss. Stattdessen wird die Bedeutung der Bibel relativiert, denn Gott zeigt sich angeblich genauso gut auch durch Begegnung mit Kunst, der Natur oder einem Menschen. Mit diesen schwerwiegenden Fehlern und Schwächen erweist sich der Roman „Die Hütte“ keineswegs als eine Botschaft, die ein akkurates Bild von Gott zeichnet. Seine Ideen eines beliebigen Glaubens liegen voll im Trend der Zeit. Alle biblischen Aussagen, die für die stolze und rebellische menschliche Natur anstößig sind, werden weggelassen.

Der Skandal des Kreuzes wird dem Leser erspart. Man wird durch das Buch ermutigt, sich sein eigenes Bild von Gott zu machen. Der „Hütten-Gott“, der dem Menschen die Konfrontation mit seiner Verdorbenheit und Bosheit erspart, kann zwar trösten, beruhigen und schöne Gefühle erzeugen, aber nicht zur Umkehr und damit zur Rettung bringen.

DIE großen Fragen in der Endzeit, mit denen wir uns JETZT beschäftigen müssen, lauten:
Wer ist Jesus Christus? Was ist das wahre Evangelium?
Was bedeutet Sein Leiden, Sterben und Seine Auferstehung für uns?
Was bietet Er mir an und was erwartet Er von mir?

Schluß
Wir müssen jede Botschaft über Gott, ob von Goethe oder aus dem Roman „Die Hütte“ oder irgendeiner anderen Quelle sorgfältig prüfen, und zwar an der Heiligen Schrift, nicht unserem Gefühl.
Ganz gleich, wie sehr uns die Botschaft gefühlsmäßig angesprochen oder geärgert und empört hat! Gottes Wort unser Maßstab. Nur wenn wir das Wort übernehmen, können wir überhaupt den Willen Gottes erkennen. (Röm 12,2). Wer also das Wort Gottes als absolute Wahrheit verwirft, bleibt in der
Dunkelheit und Verwirrung, weil Gott dem Stolzen, der Wahrheit selbst definieren will, widersteht!
Nehmen wir das Wort an, geben wir uns dem Wort hin und beten wir Gott an über dem Wort! Nur so werden wir ausgerüstet, den endzeitlichen Verführungen zu widerstehen.

Die Antworten auf diese Fragen entscheiden, welchen Weg jeder von uns gehen wird.

Autor: Hartwig Henkel

Schlußbemerkung von mir:

Ich habe mir eine Vorlesung zu diesem Buch angehört, und am Ende auf die Lügen hingewiesen. Was mich erschüttert und gleichzeitig traurig gemacht hat, war die Aussage, dass das doch nur Wortglaubereien sind. So verkleidet, kommt die Verführung im 21.Jahrhundert daher.

Eine ähnliche Botschaft wie in diesem Artikel gibt es als kostenlosen Download unter Zwickau.

Thema: "Christliche", Buch Betrachtungen | 10 Kommentare

76. Die Hütte – Kommentar 1

Dienstag, 16. Februar 2010 | Autor:

„Die Hütte“ – „Das beste Buch über Gott seit der Bibel“?
Wolfgang Bühne

Eine kritische Rezension
Der amerikanische Bestseller „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ von William Paul Young (seit über einem Jahr in der Bestseller-Liste der New York Times), ist in den USA mehr als 6,5 Millionen Mal verkauft worden und stürmt seit Juni 2009 nun auch die Bestseller-Listen in Deutschland, nachdem es im Verlag Allegria (Ullstein-Gruppe) erschienen ist und durch den Verlag „GerthMedien“ im evangelikalen Bereich verbreitet und vermarktet wird.
Bereits wenige Wochen nach dem Erscheinen gab es begeisterte Reaktionen. Viele Leser schreiben, das durch dieses Buch ihr „Gottesbild positiv verändert“ und die „Beziehung zu Gott (´Papa´) vertieft“ wurde. Andere seien durch die Lektüre „unglaublich berührt worden“ oder bekennen, dass ihr „spirituelles Leben völlig verändert“ wurde. Der amerikanische Theologe Peterson urteilt sogar, dass „dieses Buch für unsere Generation das ist, was Bunyans ´Pilgerreise´ für dessen Generation war“. Der ansonsten eher esoterische Verlag Allegria wirbt für seinen Bestseller mit dem Prädikat: „Das beste Buch über Gott seit der Bibel!“
Der Autor
Der Kanadier William Paul Young stellt sich im Anhang und Klappentext des Buches als Sohn von Missionaren in Papua-Neuguinea vor, der in seiner Kindheit sexuell missbraucht wurde und in seiner Jugend „mit Lügen, zwanghaftem Perfektionismus und allgegenwärtiger Scham“ (S.292) belastet war. Später „arbeitete er viele Jahre als Büroangestellter und als Nachtportier im Hotel“ und war „viele Jahre Mitarbeiter in einer christlichen Gemeinde. Mit seiner Frau Kim und seinen sechs Kindern lebt er in Happy Valley im US-Bundesstaat Oregon“ – so der Klappentext.
Er schreibt über sich selbst, dass er sich auf einem „schmalen Grat zwischen Selbstmord und Flucht bewegte – das alles versteckt unter einer Maske aus äußerer Anpassung, Spiritualität und Gesundheit“. Sein Lebenszug sei 1994 entgleist – „mit verheerenden Resultaten“(S. 292). Im Jahr 2005, als er 50 Jahre alt wurde, hätte Gott zu „seinem Herzen geflüstert“, dass dieses Jahr ein Jahr der „Heilung und Aussöhnung“ sein würde, wo Gott sein Leben „so wiederherstellen würde, wie es ursprünglich geplant war“ (S. 293). In diese Zeit fällt sein Entschluss, dieses Buch zu schreiben, in dem der Autor viele eigene Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet hat.

Entstehung und Zielsetzung des Buches


In den folgenden Monaten reifte der Vorsatz, seinen Kindern zu Weihnachten als Geschenk einen Roman zu schreiben – um ihnen eine „Geschichte zu erzählen, die ihnen Freude machte und durch die sie ihren Vater besser verstehen würden, und den Gott, den ihr Vater so sehr liebt“ (S. 295).
Das Manuskript wurde also zunächst nicht geschrieben, um einmal als Buch verlegt zu werden. Nachdem es aber einige Freunde gelesen hatten und davon begeistert waren, wurde es von „drei Brüdern im Geist“, die Erfahrung mit Medien hatten, redigiert und erweitert. Es sollte zunächst als Buch erscheinen, allerdings mit dem ausdrücklichen Ziel, Interesse für einen geplanten Kino- Film zu wecken, um damit „eine Welt hungriger Herzen zu erreichen“ (S. 292).
Da sich aber kein Verlag fand, der bereit war, dieses Buch ohne Abstriche zu veröffentlichen, gründete man 2007 einen eigenen Verlag, der „Die Hütte“ als erstes Buch herausgab.

Laut Verlagsangabe wurde das Buch „nur durch Mundpropaganda, Empfehlungen und Internetforen zum meistverkauften amerikanischen Bestseller 2008“, das inzwischen in viele andere Sprachen übersetzt und in über 25 Ländern verbreitet wurde.

Mit dem Erlös dieses Buches soll – wie erwähnt – ein „abendfüllender Film“ gedreht werden, „der weltweit ein großes Publikum erreicht und ein akkurates Bild vom Wesen und Charakter Gottes zeichnet, für eine Menschheit, die sich aus tiefsten Herzen nach einem solchen Gott sehnt“ (S. S. 301).

Geistige und geistliche Hintergründe

In seiner „Danksagung“ am Ende des Buches bekennt der Autor, dass er viele Anregungen „von einigen längst verstorbenen Herrschaften wie Jacques Ellul, George McDonald, A.W. Tozer, C.S. Lewis, Gibran, den Inklings und Sören Kierkegaard“ bekommen hat, sich aber auch lebenden Autoren und Rednern wie Ravi Zacharias, Wayne Jacobsen usw. zu Dank verpflichtet fühlt (S. 290).
Tatsächlich findet man in diesem Buch auch Zitate von Blaise Pascal, A.W. Tozer, Oswald Chambers usw., was darauf hindeutet, dass der Autor mit den Werken von Autoren vertraut ist, die man als konservativ, bibeltreu oder fundamentalistisch bezeichnen würde. Das wird manche Leser vielleicht verwirren, entspricht aber genau dem Inhalt des Romans, der ein Gemisch von sehr richtigen und biblischen Wahrheiten, wie auch von absolut gotteslästerlichen Vorstellungen vermittelt.

Interessant ist, dass Wayne Jacobsen, der Autor des in letzter Zeit vielgelesenen Buches „Der Schrei der Wildgänse“, großen Einfluss auf den Inhalt, die Bearbeitung und Verbreitung des Buches hatte. Für Young war Jacobsen „der einzige Autor, den ich kannte, der in einem meiner Geschichte verwandten Genre schrieb. Sein neuestes Buch ´Der Schrei der Wildgänse´ war ein paar Monate zuvor erschienen, und es gefiel mir sehr.“ (S. 296/297) Jacobsen ist einer der erwähnten „drei Brüder im Geist“ und wer sein Buch „Der Schrei der Wildgänse“ gelesen hat, wird viele seiner Ideen und seiner Gottes-Vorstellungen im Buch „Die Hütte“ wiederkennen.


Die Inhalt des Buches

Der erste, recht kurze Teil schildert mitreißend und emotional aufwühlend die Entführung von Macks jüngster Tochter „Missy“ während eines Familienausfluges. Ihre letzten Spuren hat man in einer verlassenen Schutzhütte tief in der Wildnis von Oregon gefunden, wo sich Hinweise finden, dass sie von einem Serienmörder ermordet wurde.
Vier Jahre später, mitten in der „großen Traurigkeit“, in der Mack mit Gott über den Verlust seiner Tochter hadert, erhält er eine rätselhafte Einladung von „Papa“ (Gott), der ihn für ein Wochenende in die besagte Hütte einlädt. Trotz aller Einwände seines Verstandes macht er sich auf den Weg und trifft dort persönlich „Gott“ (“Papa“) in der Gestalt einer „großen, dicken Afroamerikanerin“ (S. 94), die auch „Elousia“ genannt wird. Dann taucht eine „kleine, eindeutig asiatische Frau…mit melodiöser Stimme“ (S.95) auf, die sich „Sarayu“ nennt und den Heiligen Geist verkörpern soll und schließlich „Jesus“, der als gutmütiger, grinsender Handwerker dargestellt wird, der „Papa“ lachend als „Scherzkeks“ bezeichnet (S. 101).

Auf den folgenden fast 200 Seiten werden dann Begegnungen und Gespräche Macks mit der „Dreifaltigkeit“ geschildert, die ich teilweise als kitschig, blasphemisch und abstoßend empfand, so dass ich mich zum Weiterlesen zwingen musste und daher die begeisterten Reaktionen vieler Leser in keiner Weise nachvollziehen kann.
Spätestens ab dem 15ten Kapitel müsste jedem Bibelleser deutlich werden, dass man ein esoterisches Minenfeld betreten hat, wo sich Mack mit seinem verstorbenen Vater – zu Lebzeiten ein nach außen religiöser, aber ansonsten bösartiger Säufer, der zu Hause seine Frau verprügelt und Gott anschließend um Vergebung bittet (vgl. S. 10) – versöhnt und anschließend die ermordete kleine Missy nachträglich beerdigt wird und „Sarayu“ am Grab das Lied singt, dass Missy selbst für ihre Beerdigung geschrieben hat.

Warum man vor diesem Bestseller warnen muss!

1. Das Buch verstößt eindeutig gegen das zweite Gebot (2. Mo. 20,4 und 5. Mo. 4,23). Es vermittelt ein Bild von Gott, das eindeutig nicht mit der Heiligen Schrift – worin Gott sich selbst offenbart – übereinstimmt, sondern ist ein Produkt menschlicher Phantasie und humanistischer, esoterischer Vorstellungen. Und das ist Gotteslästerung, selbst wenn man dem Autor beste Motive zugesteht.
2. Das Buch wurde nach Aussagen des Autors nicht als unterhaltsamer Roman geschrieben, sondern mit der ausdrücklichen Absicht, ein „akkurates Bild vom Wesen und Charakter Gottes zu zeichnen“ (S. 301). Doch das Tragische ist, dass die vielen Leser in aller Welt hier ein völlig falsches Bild von Gott bekommen, bei welchem u.a. die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes ausgeblendet und damit die Leser getäuscht und betrogen werden. Der kumpelhafte „Papa“ dieses Buches entspricht nicht dem Gott der Bibel, „den kein Mensch sehen und leben kann“ (2. Mo. 33,20) und „vor dessen Angesicht die Erde entfliehen“ wird (Offb. 20,11).

3. Das Problem der Sünde, die Wirklichkeit der Hölle und der ewigen Verdammnis wird relativiert oder geleugnet. Es wird ein Wohlfühl-Evangelium suggeriert, das den Leser nicht zur Erkenntnis der eigenen Verlorenheit bringt und Jesus Christus nicht als Herrn unseres Lebens vorstellt.
Der Rezensent Daniel Hames urteilt sehr richtig: „Der dreieinige Gott wird zu einem … ´Verb´ gemacht, die Natur Christi wird zerteilt und sein Kreuzestod von jeder Bedeutung entleert. Das Heil hat folglich nichts mehr mit dem persönlichen Glauben an Jesus zu tun, sondern gilt automatisch allen Menschen.“
Winfried Kuhn, selbst Autor und Vertriebsleiter der Stiftung Christlicher Medien (Holzgerlingen) schreibt:

„Drei lustige oder abgedrehte Personen, die ein bisschen Seelenmassage betreiben, können doch die Wirklichkeit von Gottes Wesen nicht beschreiben. Worte wie Sünde, Gottes Gerechtigkeit, alles zentrale biblische Aussagen, bleiben fast unerwähnt oder werden weich gespült. Ja, selbst ewige Verlorenheit wird relativiert. Dieses Buch ist Wasser auf die Mühlen derer, die Gottes Gericht und große Teile der Bibel immer schon als Nikolaus-ähnliche Angstmache gesehen haben.“
„Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren, sich aber zu den Mythen hinwenden.“
Was uns nachdenklich, selbstkritisch und wachsam machen sollte…
Es scheint offensichtlich zu sein, dass der Autor in seinem Roman traumatische Erlebnisse verarbeitet hat, die er als Kind oder Jugendlicher in seinem evangelikalen Elternhaus oder Umfeld erlebte. Das verlogene Doppelleben, pharisäische Arroganz, abstoßende Unglaubwürdigkeit und das oft nur formale Christenleben ohne warmherzige Beziehung zu dem Erlöser scheint mir der Hintergrund dieses Buches zu sein. Immer wieder stößt man auf solche tragischen Zusammenhänge und die dadurch bedingte „Schlagseite“ als Reaktion. Und die begeisterten Reaktionen zahlloser Leser machen deutlich, dass leider genau dieses Zerrbild vom Christsein weit verbreitet ist und deshalb biblische Dogmatik, konsequente Nachfolge, verbindliches Gemeindeleben und die Anerkennung von Autoritätsstrukturen in Misskredit geraten sind.

Die beängstigende Frage taucht auf, ob die begeisterten Urteile vieler evangelikaler Leser ein Indiz dafür sind, dass auch der letzte Rest von Gottesfurcht unter uns Evangelikalen zu verschwinden droht und sich die mahnenden Worte aus 2. Tim. 4,3 buchstäblich erfüllt haben:

Deshalb wahrscheinlich auch die starke Betonung von Beziehungen, Liebe, „Papa-Gott“, Spiritualität, Intuition und Gefühlen, die in dem Buch „Die Hütte“, wie auch in „Der Schrei der Wildgänse“ und vielen anderen Publikationen erkennbar ist.
Damit sind solche Publikationen bei aller berechtigten Kritik am Inhalt und an der Einseitigkeit gleichzeitig auch eine starke Herausforderung, unser eigenes Bekenntnis und Leben als Nachfolger Jesu einer kritischen Selbstprüfung zu unterziehen. Wir sollten die Frage bewegen, ob in unserem persönlichen Leben wie auch im Gemeindeleben echte Charakterzüge unseres Herrn Jesus zu erkennen sind, die uns allein in der Heiligen Schrift gezeigt werden und Ausgewogenheit in Lehre und Leben bei uns zu finden ist.

Abschließend einige mahnende Worte von A.W. Tozer, der von W.P. Young zwar auch zitiert, aber – wie es scheint – nicht verstanden wurde:

„Ein träumerischer, sentimentaler Glaube, der das Gericht Gottes über uns ignoriert und auf die Beteuerungen der Seele lauscht, ist so tödlich wie Blausäure! Ein Glaube, der passiv alle angenehmen Texte der Bibel akzeptiert, während er die ernsten Warnungen und Befehle übersieht oder verwirft, ist nicht der Glaube, von dem Christus und seine Apostel geredet haben.“
(Aus A.W. Tozer: „“Verändert in sein Bild“, CLV, S. 109).

Ekklesia Nachrichten

Schlußbemerkung von mir:

Ich habe mir eine Vorlesung zu diesem Buch angehört, und am Ende auf die Lügen hingewiesen. Was mich erschüttert und gleichzeitig traurig gemacht hat, war die Aussage, dass das doch nur Wortglaubereien sind. So verkleidet, kommt die Verführung im 21.Jahrhundert daher.

Eine ähnliche Botschaft wie in diesem Artikel gibt es als kostenlosen Download unter Zwickau.

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68. Der versteckte JESUS

Dienstag, 26. Januar 2010 | Autor:

„Was für ein außergewöhnlicher Beruf!“ Diesen Satz bekomme ich als Restaurator immer wieder zu hören, auch wenn der Beruf leider oft nicht so spannend ist, wie es sich anhört. Stundenlanges Sitzen über einem Objekt, Staub und Dämpfe in den Arbeitsräumen, giftige Chemikalien – das alles gehört zu meinem Alltag. Doch der letzte Auftrag, den ich bekam, war ganz anders als alle vorherigen Arbeiten, denn dabei habe ich nicht nur Malereien freigelegt, sondern etwas noch Wertvolleres.

Aber eins nach dem anderen …

Alles fing mit dem Anruf eines Pfarrers aus Sachsen an, der mich unbedingt für ein besonderes Projekt engagieren wollte. Ganz aufgeregt schilderte er mir am Telefon, dass er alte Berichte aus dem Jahr 1751 über eine Dorfkirche in seinem Bezirk entdeckt habe, in denen von drei Jesus-Bildern die Rede sei. Diese Bilder haben wohl nicht in die damalige Zeit gepasst und so viel Anstoß erregt, dass die Kirchenleitung gezwungen war, sie übermalen zu lassen.
Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Im Laufe meiner Karriere hatte ich schon viele Jesus-Malereien restauriert. Alle schienen mir den Jesus darzustellen, der ungefähr 1,75 m groß und schlank ist, braune lange Haare, weiße Kleidung, bleiche Haut und ein Schaf im Arm hat. Das ist nichts, was mich persönlich vom Hocker reißt, und ich verstehe auch nicht, was andere so anziehend an dieser historischen Persönlichkeit finden. Aber da ich ein neugieriger Mensch bin und die Auftragslage ohnehin recht dürftig war, sagte ich zu, suchte noch am selben Abend meine Werkzeuge zusammen und machte mich am nächsten Morgen auf den Weg nach Sachsen.

Einige Stunden später öffnete der Pfarrer mit einem riesigen Schlüssel die schwere Holztür einer kleinen Kirche. Muffiger Geruch strömte uns entgegen. Meine Augen mussten sich erst einmal an die Dunkelheit in der Kirche gewöhnen. Wir setzten uns auf die Holzbänke, die genauso knarzen, wie ich das aus alten Kirchen kannte. Hinter dem Altar entdeckte ich schließlich die drei Malereien, die verschiedene Szenen aus dem Leben von Jesus zeigten. Nichts Besonderes – wie erwartet.
Darunter sollten also die ursprünglichen Bilder liegen. Erwartungsvoll sah mich der Pfarrer an. „Wie lange wird es dauern, bis Sie die Malereien freigelegt haben?“
„Nun ja, das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Von den Bestandteilen der Farbe, des Untergrundes und auch vom Raumklima. Nach den ersten Analysen kann ich Ihnen mehr sagen, aber das wird erst einmal einige Tage in Anspruch nehmen.“

Also machte ich mich an die Voruntersuchungen. Vielleicht bin ich hier ja einer ganz großen Sache auf der Spur, sagte ich mir in den folgenden Tagen immer wieder, um bei Laune zu bleiben, während ich erste Proben von Farbpartikeln und vom Untergrund entnahm und dann die üblichen Analysen durchführte.
Erste Freilegungsversuche mit verschiedenen Abbeizpasten scheiterten, weil der über der ursprünglichen Malerei liegende Anstrich ungleichmäßig angebracht worden war. Viele Stunden später konnte ich jedoch mit einer Kombination aus zwei Abbeizpasten bessere Freilegungsergebnisse am Rand der ersten Malerei erzielen.
Nach diesem ersten Erfolg holte ich den Pfarrer in die Kirche. Er sollte unbedingt dabei sein, wenn ich damit begann, das erste Bild freizulegen. Um die Malschicht zu schonen, entschloss ich mich, kein Dampfstrahlgerät, sondern Wasser und eine Bürste zu benutzen. Unter dem Bild des leicht verklärt blickenden Jesus, der in den Himmel auffährt, kam nach und nach eine ganz andere Szenerie zum Vorschein.
„Jesus lacht ja!“, rief der Pfarrer und ich war genauso überrascht wie er. Ein herzhaft lachender Jesus. Das war wirklich untypisch. So hatte ich Jesus noch nie gesehen.
Nachdem ich weitere Teile des Bildes freigelegt hatte, erklärte der Pfarrer mir aufgeregt: „Das könnte eine Darstellung der Hochzeit zu Kana sein. Jesus und seine Jünger waren auf eine Hochzeit eingeladen; dort hat er Wasser in Wein verwandelt.“
Es dauerte noch einen Tag, bis ich das erste Bild komplett freigelegt hatte. Es war ungewöhnlich gut erhalten. Mir fiel auf, dass Jesus im Gegensatz zu den Bildern, die ich bisher gesehen hatte, mit braunem Teint und sehr muskulös dargestellt wurde.
Der Pfarrer war begeistert, als ich ihn darauf ansprach. „Wissen Sie, Jesus hatte ein Handwerk gelernt; er war Zimmermann. Er hat Holz bearbeitet und transportiert. Dieser Körperbau ist bei derartiger Arbeit völlig normal. Und kennen Sie einen Südländer, der viel unterwegs ist und nicht braun gebrannt ist?“

Das leuchtete mir ein.
Als wir staunend vor dem ersten freigelegten Bild standen, schossen mir viele Fragen durch den Kopf: Sollte Jesus doch viel mehr Mensch gewesen sein, als ich mir das vorgestellt habe? Wieso soll er nicht auch hin und wieder gelacht haben? Was mache ich mit meinem bisherigen Bild vom melancholisch traurig dreinblickenden Jesus? In der folgenden Nacht konnte ich nicht schlafen, und ich schlich mich in die Kirche, um noch einmal in aller Ruhe das Bild auf mich wirken zu lassen.
In den nächsten Tagen machte ich mich an die Freilegung des nächsten Bildes, das Jesus bei der Heilung eines Kranken mitten in einer Menschenmenge zeigte. Mir fiel auf, dass das übermalte Bild wesentlich bunter war als das darüberliegende. Der frühere Maler hatte wesentlich intensivere und hellere Farben gewählt als sein Nachfolger einige Jahrhunderte später, bei dessen Werk hauptsächlich Braun- und Schwarztöne dominierten. Interessant. Vielleicht ist Jesus bunter, als ich mir das bisher ausgemalt habe! Erstaunlicherweise stellte sich im Laufe der weiteren Arbeiten heraus, dass auf dem unteren Bild die gleiche Szene dargestellt war wie auf dem, das sich jahrelang darüber befunden hatte. Aber Jesus heilte nicht mit ausgestreckter Hand, sondern hielt den Kranken im Arm und strich ihm mit der Hand über die Haare. Er schien sich zu freuen. Auch die Menschen um ihn herum zeigten viel mehr Freude und Emotionen als auf dem vorher darüberliegenden Gemälde. Einige jubelten und streckten die Arme in die Höhe, andere staunten mit offenen Mündern.

Jetzt war ich völlig baff. Ein Jesus, der Nähe zeigte, der hautnah am Schicksal der Menschen teilnahm. Keine Distanz, sondern Nähe. Schon wieder eine Überraschung.

Im Laufe der folgenden Tage wurde es für mich schon fast zur Gewohnheit, dass ich abends noch lange vor den freigelegten Malereien saß und sie eingehend betrachtete. An einem dieser Abende öffnete sich plötzlich die Kirchentür und der Pfarrer kam herein. Schweigend saßen wir einige Zeit nebeneinander da. Irgendwie musste er bemerkt haben, dass diese Bilder mich mehr berührten, als ich vielleicht zugeben wollte. Nach einer Weile sagte er: „Nehmen Sie doch Ihre Kulturbrille mal ab, dann können Sie Jesus noch genauer sehen.“ Verdutzt nahm ich meine Brille ab, aber alles wurde nur noch unschärfer. „Nein, nein“, sagte er lachend. „Ich meine die Kulturbrille.“

Ich sah ihn fragend an.
Jede Generation schafft sich ihren Jesus“, erklärte er. „Im 19. Jahrhundert war er der große Weisheitslehrer, im 20. Jahrhundert mal Revolutionär, mal Hippie. Man kann ihn einfach in kein Schema pressen. Er lässt sich nicht vereinnahmen. Er klettert aus jeder Schublade, in die wir ihn stecken, und jede Kultur hat ihre eigene Sicht von Jesus. Aber es geht darum, den echten Jesus in der Bibel zu entdecken.“

Ich stimmte ihm zu. „Das, was ich in den letzten Tagen durch diese Malereien von Jesus gesehen habe, hat mein Bild von ihm ganz schön auf den Kopf gestellt. Er ist greifbarer, menschlicher und göttlicher zugleich für mich geworden. Verstehen Sie, was ich meine?“, fragte ich ihn unsicher.

Er nickte.
Bei den Vorarbeiten zur Freilegung des dritten Bildes in der Mitte direkt über dem Altar, musste ich über die Worte des Pfarrers nachdenken. Es zeigte Jesus, wie er ernst und mit mahnendem Zeigefinger vor einer Menschenmenge eine Predigt hielt. Mir wurde bewusst, dass ich viele Vorstellungen über Jesus von anderen übernommen hatte, ohne selbst darüber nachzudenken. Und ich war sehr gespannt, welcher Jesus sich dieses Mal unter dem Bild verstecken würde.
Als ich mit der Abbeizpaste über den gestreckten Zeigefinger von Jesus strich, musste ich an die unzähligen Verbote denken, die ich in diversen Kirchen schon gehört habe. Aber die Frage war, ob Jesus auch in dieser Hinsicht anders sein würde, als ich es immer gedacht hatte …
Am nächsten Tag leistete der Pfarrer mir wieder Gesellschaft. Zum dritten Mal begann ich, mit Wasser und Bürste die Übermalung abzutragen. Der ausgestreckte Zeigefinger verschwand und im Laufe der folgenden Stunden wurde ein Jesus sichtbar, der einer Frau gegenüber auf dem Boden sitzt. Die Menschenmenge blieb, aber statt der Predigt ist eine andere Geschichte dargestellt, wie mir der Pfarrer erklärte. „Hier schleppen sie eine Ehebrecherin zu Jesus, die auf frischer Tat ertappt wurde. Sie wollen ihn auf die Probe stellen. Sie müssen wissen, dass auf so eine Tat nach dem jüdischen Gesetz der Tod durch Steinigung stand. Sehen Sie, hier und hier die Steine in den Händen der Menge …“

Und was hat Jesus gemacht?“, wollte ich wissen, während ich weiterbürstete.
„Er sagte zu den Menschen, dass jeder, der keine Sünde begangen hat, einen Stein auf die Frau werfen dürfe, und alle sind unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Ist das nicht genial? Und der Frau hat er ihre Schuld vergeben. Jesus ist so erfrischend unkonventionell und unorthodox. Er liebt und schenkt den Menschen Hoffnung und einen neuen Anfang, statt Regeln aufzustellen. Haben wir das nicht alle in unserem Leben bitter nötig?“

Ich blickte den Pfarrer an, und mir war fast so, als ob nicht ich diese Malereien freilegte, sondern Jesus die Übermalungen in meinem Herzen. Noch einige Wochen zuvor hätte ich nicht geglaubt, dass sich der echte Jesus hinter einigen Malereien verstecken und dass dies irgendeine Auswirkung auf mein Leben haben könnte. Ich kann nur alte Kunstwerke restaurieren. Aber er kann noch viel mehr. Er erneuert Menschen von Grund auf, und genau damit hat er gerade bei mir begonnen …

Christian Essl lebt mit seiner Familie in Lorsch, im südlichen Hessen, leitet das Schulungscenter einer Frankfurter Bank, liebt Bücher, besonders von Max Lucado, John Eldredge und Philip Yancey, und schreibt gerne Kurzgeschichten.

Die Geschichte „Der versteckte Jesus“ von Christian Essl ist dem Buch „Eine unerwartete Begegnung“ (Hrsg. Nicole Schol und Mirjam Kocherscheidt) entnommen (erschienen bei Gerth Medien, 2008).

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2. „Häuser die die Welt verändern“

Freitag, 21. August 2009 | Autor:

Nachschrift aus „Häuser die die Welt verändern“.

Lieber Leser!

Ich kenne Wolfgang Simson seit einigen Jahren persönlich, und mir gefällt bei Ihm seine offene, ehrliche und unkomplizierte Art, über Dinge des Glaubens zu sprechen und zu schreiben. Hier ist keine Spur von „christlicher Religion“ zu entdecken. Für jeden der sich wünscht im Glauben ein Stück vorwärts zu kommen ist dieses Buch zu empfehlen. Die Ausschnitte hier sollen nur Appetit machen.

Einführung: Zu schön um wahr zu sein?

Der Traum von einer Gemeinde, die nicht nur eine Botschaft hat, sondern eine Botschaft ist.

Gemeinde als etwas, das nicht ungeheuer viel Geld braucht und ohne fromme Rhetorik, Kontrolle und Manipulation, ja sogar ohne charismatische Helden auskommt; etwas, das zutiefst nicht-religiös ist und die Menschen gerade deswegen tief erregen kann.

S.6 Gemeinde, in der nur ein einziger Name herauskommt: das Lamm Gottes.

S.7 Kirche, wie wir sie kennen, verhindert Kirche, wie Gott sie will.
Luther hat zwar Inhalt des Evangeliums reformiert, die Strukturen und äußeren Formen von „Kirche“ ließ er bemerkenswert unberührt.

S.8 Die Freikirchen befreiten dieses kirchliche System vom Staat, die Baptisten tauften es, die Quäker haben es trockengelegt, die Heilsarmee steckte es in eine Uniform, die Pfingstler salbten und die Charismatiker erneuerten es, aber bis heute hat niemand wirklich verändert.

S.11 Pkt.8, Aus den Händen kirchlicher Bürokraten…,
Das Christentum hat den Priesterstand als vermittelnde Pufferzone zwischen Gott und Mensch von heidnischen Religionen oder bestenfalls dem Judentum – übernommen. Die strenge Professionalisierung der Kirche seit Tagen Konstantin des Großen hat nun lange genug als Fluch auf der Kirche gelastet und das Volk Gottes künstlich in infantilisierte (kindliche Entwicklungsstufe)Laien und professionellen Klerus aufgeteilt. Nach dem NT gibt es „nur einen Gott und nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Mensch Jesus Christus“(1.Tim. 2,5).
Gott hält seinen Segen zurück, wenn sich religiöse Profis zwischen ihn und das Volk drängen.

S.12 Pkt.9,

Von organisierten zu organischen Formen des Christentums.
Aus einem Maximum an Organisation mit einem Minimum an Organismus muss wieder ein Minimum an Organisation mit einem Maximum an Organismus werden. Angst will kontrollieren – Glaube kann vertrauen. Kontrolle mag daher gut sein, aber Vertrauen ist besser.

S.12/13 Pkt.10, Christen beten Gott an, nicht ihre Gottesdienste.
Von außen betrachtet stellt sich das Christentum für viele so dar:
Heilige Leute gehen zu heiliger Stunde an einem heiligen Tag in ein heiliges Gebäude, um an einem heiligen Ritual teilzunehmen, zelebriert von einem heiligen Mann in heiligen Kleidern, gegen eine heilige Gebühr.

Wirtschaftlich gesprochen ist der traditionelle Gottesdienste  eine Struktur, die sehr viel Aufwand fordert, doch nur wenig Ertrag bringt. Christen sind aufgerufen „im Geist und in der Wahrheit“ anzubeten – und nicht in kleinen und großen Kathedralen altgewohnte Lieder abzusingen.

S.13 Pkt.11, Nicht länger das Volk…,
Kirche muss sich von einer Komm-Struktur zu einer Geh-Struktur zurück verwandeln.

S.14 Pkt.12,

Das Abendmahl wird als echte Mahlzeit wieder entdeckt.
Das christliche „Herrenmahl“ ist jedoch eine gehaltvolle Mahlzeit mit symbolischer Bedeutung, nicht ein symbolisches Mahl mit gehaltvoller Bedeutung.

S.15 Pkt.14, Eine verfolgungssichere Mentalität.
„Gesegnet seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen“, sagt Jesus(Mt.5, 11).
Biblisches Christentum ist eine Bedrohung für heidnische Gottlosigkeit und Sünde, für eine Welt, die übermannt worden ist von Habsucht, Materialismus, Eifersucht und der Tendenz, aber auch wirklich alles zu glauben, solange es nicht in der Bibel steht. Wenn Christen jedoch damit beginnen, neutestamentliche Werte wiederzuentdecken, dass daraus resultierende Leben zu führen und zum Beispiel Sünde unverschämt beim Namen nennen, wird die Umwelt tief im Kern ihres Gewissens getroffen und reagiert, wie gehabt, entweder mit Bekehrung oder Verfolgung.

S.16 Pkt.15, Die Kirche kommt nach Hause

Wenn Christen aus allen sozialen Schichten und Kulturen, allen Lebenslagen und Denominationen ein deutliches Echo von dem in ihrem Geist spüren, was Gottes Geist der Gemeinde sagt, beginnen sie buchstäblich, wie ein Leib zu funktionieren, global zu hören und lokal zu handeln. Sie werden aufhören Gott darum zu bitten zu segnen, was sie tun, und anfangen zu tun, was Gott segnet.

S.20  Warum keine Modelle?

Furcht ist das Gegenteil von Glauben. Nachfolger Jesu, benötigen nicht erst überwältigendes akademisches und statistisches Datenmaterial, bevor sie   etwas tun, sondern im Glauben und – darf ich ein unbequemes Wort sagen – im Gehorsam dem folgen, was ihnen Christus aufgetragen hat.

S.21 Hauskirchen in Europa?
Die Tatsache, dass die keltische Bewegung von der Katholischen Kirche im sechsten bis neunten Jahrhundert vereinnahmt wurde, gehört zu den großen kirchengeschichtlichen Tragödien unseres Kontinents.

S.30 Kap.1: Die Wiedererfindung der Kirche
Wenn Mission der natürliche Herzschlag der apostolische denkenden Gemeinde ist, dann geht es nicht etwas darum, bei einigen missionarischen Programmen mitzumachen, sondern darum, dass Gottes Gnade immer dazu führt, dass Menschen aus Prinzip genauso denken und handeln wie Gott selbst, nämlich apostolisch. Sonst laufen wir Gefahr, Mission als vorgegebenes Muss zu erleben, als eine gewisse Gesetzlichkeit, und unser Gewissen durch Spenden und minimalistische Anteilnahme am Leben einiger Missionare zu beruhigen.
Willow Creek Community Church hat für Menschen die noch keine Christen waren folgendes Vorgehen entwickelt:

1. Verbringe qualitativ gute Zeit mit Noch-Nicht-Christen
2. Schütze sie vor der Gemeinde
3. Erkläre diesen neuen Freunden das Evangelium von Jesus
4. Schütze sie vor der Gemeinde
5. Führe sie zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus
6. Schütze sie vor der Gemeinde
7. Wenn sie ein bisschen gereift und stabil genug sind, sogar einen Kulturschock zu verkraften, dann bringe sie zum ersten Mal in einen christlichen Gottesdienst.

S.38 Der schnellste Weg die Entkirchlichten zu erreichen mag deshalb darin bestehen, die „Kirche zu entkirchlichen“.

S.42 Die wahre Frucht einer Gemeinde sind nicht Bekehrte, sondern andere Gemeinden, die ihrerseits weitere Gemeinden hervorbringen.

S.43 Wenn Kirche etwas Organisches ist, dann verhindern wir sie durch ein Zuviel an Organisation und organisieren regelmäßig jeden Sonntag die Verhinderung von Kirche durch Planung des Gottesdienstablaufes.

S.54 Die Gemeinschaft unter Christen ereignet sich nur noch in homöopathischen Dosen, in kurzen Begegnungen zwischen Tür und Angel. „Die Feier des Abendmahls in dem Haus von Christen im ersten Jahrhundert und das Abendmahl in einer Kathedrale des 20. Jahrhunderts können verschiedener gar nicht sein; sie haben überhaupt nichts miteinander gemein“.

S.62 Viele Christen führen ein fast identisches Leben wie die Menschen um sie herum, gehen in der Gesellschaft nahtlos auf und verlieren dadurch ihre prophetische Bedeutung.

S.75 Kap.2, Hauskirchen in der Geschichte
Heute stehen wir in der Gefahr, Fragen von Menschen zu beantworten, ohne dass diese überhaupt begonnen haben, Fragen an uns zu stellen.

S.80 Das Christentum wurde um 110 bis 117 n. Chr. von zwei Strömungen erfasst. Den „Moralismus“ und „Religion“.
Der Moralismus verwies auf eine gewissen Verhaltensmuster, eine Reihe von geistlichen Gesetzen, nach denen die Menschen zu leben haben; die Religion, der menschliche Versuch, sich mit Gott zu arrangieren, betrat die Hintertür. Das mag zunächst ganz harmlos angefangen haben mit der Einführung von Kruzifixen oder mit der Praxis, dass sich einige „bekreuzigten“ in der Meinung, dadurch böse Geister von sich fernzuhalten. Es kann sich am Anfang durchaus um einige harmlose Wachskerzen hier und ein wenig Weihrauchduft da gehandelt haben, aber das religiöse Konzept, das damit in Christentum eindrang, war weitaus weniger harmlos. Es führte das Christentum auf die abschüssige Bahn der religiösen Verhaltensmuster dieser Welt, mit allem, was letztlich dazugehört, Götzenbilder, Amulette, religiöse Riten und Priester. Von dort aus war es wie eine Treppe ins dunkle Nichts, Schritt für Schritt weiter weg von den Lehren von Jesus und den Aposteln.
Eine frühe Verirrung war die Verehrung der Heiligen, üblicherweise Märtyrer, und die Aufteilung des Abendmahls als ein bedeutungsvolles und prophetisches Essen in der Gegenwart Gottes, in ein „Liebesfest“ einerseits und so genannte „Eucharistie“ andererseits.

S.81 Auf Furcht, nicht auf Glauben aufgebaut
Die „leitenden Diener“ und Väter des Glaubens im Reich Gottes waren(und sind!) mit der übernatürlich geschenkten Gabe des Glaubens ausgerüstet, die ihnen eine ganz erstaunliche Fähigkeit gab: Sie konnten fest glauben, dass Gott die Zügel selbst dann noch in der Hand hat, wenn sie sie selbst bereits verloren haben.
S.82/83 Die Kirche schuf eine Art kirchlichen Hochadel.
Im Jahre 220 führt Origines in Alexandria die Lehre der Kindertaufe ein, die im Jahre 416 nicht nur zur „Christenpflicht“ in der westlichen Kirche wurde, sondern zur „evangelistischen“ Hauptaktivität. Die dahinter stehende Dynamik erinnert an den Verkauf geistlicher Versicherungspolicen für ein Leben nach dem Tod, die man an biblisch unbedarfte, aber dafür umso religiösere Eltern, abgab. Da sie um das Seelenheil ihrer Kinder fürchteten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich auf den fachlichen Rat der religiösen Spezialisten ihrer Zeit zu verlassen.
Als sich Kaiser Konstantin im Jahre 312 zum Christentum bekehrte und das Christentum daraufhin im Edikt von Mailand zur Staatsreligion des römischen Reiches erklärte, feierten die Christen ihn als Erlöser: sie waren die drei Jahrhunderte voller Verfolgungen müde – und mussten, berauscht von den wunderbaren Entwicklungen, die möglicherweise folgenschwerste Einzelentgleisung des Kirchenzugs erleben.
Die Kirche war nun Ausdruck der Staatsreligion und musste sich daher auf ein neues Niveau begeben, um auch den gehobenen geistlichen Ansprüchen eines Königs zu genügen. Das bedeutete u.a. einen Auszug aus den schäbigen Hütten, Häusern oder gar Katakomben der Vergangenheit, hinein in schöne Kathedralen. Als Folge dieser Entwicklung verfestigte sich die Aufteilung in Klerus und Laien endgültig, ja sie wurde sogar sanktioniert, institutionalisiert und vom Staat geschützt. Die Fehlentwicklung hat das Leben von Millionen von Märtyrern gefordert. Die Kirche akzeptierte nur zu gerne ihre Beförderung aus dem verfolgten Sektendasein zu einer staatlich verordneten Religion und verlor damit ihre prophetische Kraft, in soziale, kulturelle und heidnische Sitten und Missstände hineinzusprechen. Der Staat verlor die Richtung, und die Kirche wurde trunken von politischer Macht.

S.84 Damit wurden frühere Gesetze auf den Kopf gestellt. Vor der Regierungszeit des Servus(222-235) war es per Regierungsbeschluss ausdrücklich verboten gewesen, christliche Tempel oder kirchliche Bauten zu erstellen, was bedeutete, dass Hauskirchen die einzige Form von Kirche war.

S.88 Die Inquisition
Im Jahr 380 verloren Millionen von Protestanten ihr Leben durch die Hände von Katholiken. Die Protestanten standen der katholischen Kirche später nicht viel nach, als sie die sog. “Wiedertäufer“ und „Schwärmer“ verfolgten und töten ließen.

S.91 Martin Luther ist direkt verantwortlich für den Märtyrertod vieler Tausend „Wiedertäufer“, die sich seinen Lehren nicht anschließen wollten. Seit dem Jahre 1530 beharrte Luther darauf, dass alle Christen, die öffentlich das Wort Gottes predigten, ohne Pastoren zu sein, umgebracht werden sollten, selbst wenn sie korrekt lehrten. Luther ging es wie Calvin – sie reformierten den Inhalt, aber nicht die Form des Christentums.

S.100 Apostolisch-prophetische Reformation
Es ist richtig, dass die Bibel uns auffordert, „die Apostel zu prüfen“ und „die prophetischen Aussagen zu wiegen“, denn unbiblischer Personenkult und die Vergötzung charismatischer Leiterpersonen ist dem NT fremd. Ein anderer Irrweg ist, dass von dem ursprünglich fünf geistlichen Diensten nur drei übrig gelassen wurden; der Pastor, der Evangelist und der Lehrer. Die Geschichte zeigt, dass wir versucht haben, Gemeinden nur mit diesen drei Begabungen zu bauen und die apostolischen und prophetischen Gaben zu ignorieren. Das hat zur Entstehung von pastoralen Gemeindemodellen geführt.

S.104 Kap. 3 Das Wesen der Hauskirchen
Hauskirchen bedeutet, dass der Leib Christi in Häusern zusammenkommt und sich als zueinander bekehrte Gemeinschaft versteht. Graf Zinzendorf sprach von „drei Bekehrungen“

1. Zuerst eine vertikale Umkehr hin zu Gott, zu Jesus, dem Haupt der Gemeinde
2. Dann bekehren sie sich vertikal zueinander, das ist die Bekehrung zum Leib Christi auf Erden.
3. Daraus ergibt sich die Bekehrung hin zur Welt im hingebungsvollen und eben gemeinschaftlich getragenen Dienst.

S.107 Das Abendmahl war eine gehaltvolle Mahlzeit mit symbolischer Bedeutung, nicht ein symbolisches Mahl mit gehaltvoller Bedeutung.

S.109 Der Lehrstil kann verschieden sein, nur eines ist bei Hauskirchen nicht angebracht: eine lang Predigt.

S.119 Praktische Aspekt
Hauskreise sind ein Anhängsel der „richtigen und großen“ Gemeinde, die Hauskirche ist „eine richtige Gemeinde“ im vollgültigen und ganzheitlichen Sinn des Wortes.

S.120/121 Taufen
Hauskirchen sind voll funktionsfähige Kirchen und führen deshalb alle Taufen selbst durch, es denn, sie wollen sich ab und zu mit anderen Hauskirchen zu einer größeren, regionalen Tauffeier zusammentun.
Es ist gesunde neutestamentliche Praxis, dass nach der Bekehrung oft sofort die Taufe folgt. Paulus nach 3 Tagen(Apg.9), der äthiopische Eunuch sofort(Apg.8) und die 3000 Bekehrten an Pfingsten offensichtlich am selben Tag(Apg.2, 41).
Hochzeiten In einigen Kulturen werden Hochzeiten nur von religiösen Funktionären durchgeführt, in anderen Ländern, wie z.B. Deutschland, wird dies von Regierungsbeamten getan. Jesus hat niemals ein Paar „verheiratet“. Die einzige Hochzeit, von der uns die Bibel berichtet, dass Jesus ihr offenbar beiwohnte, wird in Joh.2 erwähnt. Trotz seiner geistlichen Qualifikation hat Jesus diese Hochzeit nicht abgehalten, sondern sich um Wein gekümmert. Die Durchführung solcher offiziellen gesellschaftlichen Anlässe überließ er getrost der Gesellschaft.
Jesus schien sich generell nie besondere Sorge um so genannte „Kausalien“ zu machen(die pastorale Durchführung von sozialen Anlässen wie Beerdigungen, Hochzeiten etc.) und um die geistliche Umrahmung kultureller Veranstaltung.
Er hat auch seine Jünger nicht auf solche Anlässe vorbereitet. Er war mit dem Aufbau eines Königreiches beschäftigt. Er nahm noch nicht einmal an einer Beerdigung teil, geschweige denn, dass er sie leitete; er sagte gar einmal:“Laß die Toten die Toten begrabenMt.8, 22).

S.129 Kap.4 Der fünffältige Dienst
Wachstum wird dadurch systematisch verhindert, dass man versucht, es herzustellen.

S.131
Ich stimme allen zu, die betonen, dass es beim Aufbau von Gemeinden nicht primär um Zahlen gehen kann, sondern um die rechte Qualität. Aber Qualität die früher oder später nicht zu Quantität führt, ist verdächtig.

S.137/138 Den Dienst an andere weitergeben
Nach der Konstantinischen Wende wurde die Kirche zu einem Kanal, ihren Mitgliedern kirchliche Ressourcen anzubieten, anstatt die Mitglieder selbst zu Ressourcen zu machen. Die biblischen Dienste der Apostel, Propheten, Hirten, Lehrer und Evangelisten sind nicht dazu gedacht, sie regelmäßig vor aller Augen zur Schau zu stellen, während andere ehrfurchtsvoll zusehen. Vielmehr handelt es sich um Ausbildungsgaben, die dazu dienen sollen, das Volk Gottes für den Dienst Gottes auszurüsten.
Die Frucht eines Evangelisten sind dann nicht einfach nur Bekehrte, sondern weitere Evangelisten. Diese Dienstbegabungen führen Menschen dazu, zu Ausbildern, Trainern und geistlichen Vätern für andere zu werden, die sie in diese Dienste hineinführen. Doch erstaunlicherweise hat sich in der kirchlichen Welt fast das glatte Gegenteil dieses biblischen Förderungs- und Ermächtigungsmodell etabliert. Eine Minderheit spezialisierter Lehrer, Evangelisten, Apostel, Hirten und Propheten ist bis über beide Ohren in Arbeit vergraben oder bewegt sich gar mit atemberaubender Geschwindigkeit um den Globus.
Diese Gruppe von Menschen hat eins gemeinsam: Sie stehen ständig unter Druck, werden zu Sklaven ihrer übervollen Agenda, sind ganz im Gegenteil zu Jesus selbst- schwer erreichbar und ansprechbar, leben mit erhöhtem Blutdruck und Adrenalinspiegel. Anstatt andere zu lehren, wie man lehrt, lehren sie nur. Anstatt andere auszubilden, wie man evangelisiert, evangelisieren sie selbst, usw.
Dienstverpflanzung weiht andere in die Dienstgeheimnisse ein und initiiert andere in den Dienstprozess. Wo das nicht geschieht und unsere geistlichen Handwerker mit Meisterprüfung selbst keine Gesellen nachzuziehen, wird das Zweiklassen-System von Klerus und Laien weitergeführt und zementiert, und letztlich versagen wir darin, andere für den Dienst auszurüsten.

S.169 Kap.5 Hauskirchen oder Zellkirchen?
Es ist riskant, sich zu stark auf das persönlich Charisma einer Einzelperson zu verlassen oder gar ganze Systeme darauf aufzubauen.

S.170/171 Pkt.6 Haben wir ein Programm…
In einer typischen Zellkirche gibt es meist eine Agenda, die es zu erfüllen gilt, einen Dienstplan,dem die einzelnen Zellen folgen sollen. Im Unterschied dazu hat die Hauskirche keine solche Agenda, sie ist die Agenda. Da Hauskirchen oft Teil eines Netzwerkes von weiteren Hauskirchen ist, innerhalb dessen der fünffältige Dienst funktioniert, werden sie durch diese Verknüpfung davor bewahrt, zu einer frommen, nach innen gekehrten „Segne-mich-oh-Herr-Gruppe“ zu werden, einer isolierten religiösen Insel mit Koinonitis(Bündnis mehrerer Staaten), einer krankhaften Gemeinschaft-Entzündung. Obwohl in Hauskirchen die Bibel gelesen wird, sind sie deswegen noch lange keine Bibelstudiengruppen; obwohl dort gebetet wird, sind sie doch keine Gebetskreise. Jesus ist eine lebendige Person. Ein Großteil der Programmorientiertheit traditionellen Kirchlichkeit kommt daher, dass es keine oder möglichst wenige Überraschungen geben kann.

S.175 Im NT erkennen wir keine hierarchisch übergeordneten Vorsteher. Die Struktur von Hauskirchen sind „flach“, weil es niemanden gibt, der höher oder wichtiger ist als andereMt.23, 1-12). Dieses Verständnis hat sehr weit reichende Folgen, zum Beispiel im Hinblick auf mögliche Korruption durch Geld und Macht in der Kirche. Es ist eben nicht sehr beeindruckend, der demütige Älteste einer Hauskirche von 13 Personen zu sein oder einfach einer kleinen Gruppe von Hauskirchen als Lehrer, Pastor oder Evangelist zu dienen. Wo aber Demut ist, ist Gnade.

S.176 Pkt.8 Geleitet oder „bevatert“?
Einer der weitverbreitetsten Wehrufe unsere Zeit: Wir brauchen dringend mehr Leiter. Wirklich?
Heute stehen wir in der Gefahr. Die ganze Welt schreit nach Leitern, Führern, Managern, nicht nach Dienern. Und die Kirche? Sie schreit mit: Gott, gib uns Leiter! Vielleicht besteht das Problem dann darin, dass wir etwas wollen, was Gott uns aus Gnade nicht geben will. Jesus ist das Haupt der Gemeinde, und das ist mehr als Leiterschaft, als der Leib Christi je brauchen wird.
Wenn eine Gemeinde wachsen will, müssen beide sowohl der Pastor als auch die Gemeindemitglieder, die Kontrolle aufgeben.

S.178 Von keiner Gemeinde des NT wird uns berichtet, dass sie von einem Pastor oder einer anderen Person in unserem heutigen Sinn „geleitet“ wurde.

S.190 Kap.6 Eine verfolgungssichere Struktur entwickeln
Ulrich Parzany hat im Jahr 1998 von der Regierung für seine außerordentlichen Leistungen im Bereich der Jugendarbeit in Deutschland eine Medaille bekommen. In seiner Dankesrede sagte er: „Meinen Boss, Jesus Christus, hat man gekreuzigt. Ich werde geehrt. Was habe ich falsch gemacht?“

S.190 Gott sei Dank für Druck
Wir mögen meinen, wir seien gesegnet, wenn wir erfolgreich und finanziell wohlsituiert sind, geehrt und zitiert, wenn uns Ehrenplätze zugewiesen werden, wenn wir bewundert werden und im Wesentlichen schmerzfrei durch ein friedliches und sicheres Leben ohne größere Problem gleiten.

S.195 Satte christliche Bürgerlichkeit ist kein dauerhaftes Umfeld für gesunde Jüngerschaft.

S.196 In Zeiten der Verfolgung schmilzt die aufgeblähte Prioritätenliste der Kirchen schnell auf das absolute Minimum zusammen, und es kann wieder nur um das Eine gehen: das Evangelium zu predigen.

S.203 Die explosivste Wachstumsphase bei den Mennoniten in Äthiopien begann kurioserweise genau in den Moment, als die zwei vermeintlich unverzichtbaren Elemente der Kirche plötzlich wegfielen, ihre Kirchegebäude und ihre Pastoren.

S.204 Das NT führt jedoch eine völlig neue Dimension des Gottesdienstes ein, bei der sich der Hl .Geist deutlich von den Ziegelsteinen verabschiedet. Von nun an sind Menschen selbst der Tempel Gottes(1.Kor.3, 16; 6,19).

S.205 „Die Zeit kommt und ist schon gekommen, dass die wahren Anbeter Gottes ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten werden“, nicht an einem Ort, der heiliger ist als andere Orte.
Im NT hat Gott niemals einen Menschen gebeten, ein Gebäude für religiöse Zwecke zu bauen.

Petersdom – Wolfgang Stuck pixelio.de

Religion – der Kern des Problems

Religion ist, was der Mensch aus Gott macht; Christentum ist, was Gott aus den Menschen macht. Christentum ist deshalb im strengsten Sinne keine Religion sondern eine lebendige Beziehung zu einem lebendigen Gott. Dort wo Christentum zur Religion wird, beginnt es zu sterben. Religion kommt von religare, einem lateinischen Wort, das bedeutet sich „zurückbinden“, seinen Anker an sicherer Stelle zu setzten, so dass wir nicht durch das Leben an unbekannte und unsichere Gestade weggerissen werden.
Religion versucht, den eigenen Lebensanker im Jenseits festzumachen, jenseits der Grenze der Transzendenz, auf heiligem Land, so dicht bei Gott wie möglich. Religion sieht nicht, dass Christus für uns diese Verankerung bei Gott vorgenommen und den Weg zu Gott gebahnt hat, es ist zu billig, zu simpel, erfordert zu wenig religiöse Werke.

S.206 Den religiösen Menschen, treibt statt Gottesfurcht, Menschenfurcht – und das bedeutet auch, dass er peinlich genau darauf achtet, in der Gesellschaft nicht sein Gesicht zu verlieren.

S.207 Das Kernproblem besteht darin, dass der religiöse Mensch tief innen eigentlich spürt, dass er ohne Gott verloren ist; er ist nur zu stolz, das zuzugeben. Er ist durch soziale Kontrolle durch Freunde, Familie und Gesellschaft eingeengt. Keiner hat ihm bis jetzt erklärt, dass einen Weg gibt, mit diesen Zwängen, mit Stolz und Sünde umzugehen, nämlich im Glauben das anzunehmen, was Jesus Christus am Kreuz für uns alle getan hat. Religion ist letztlich Anbetung in die falsche Richtung, pseudoheilige Glaubensüberzeugungen und nutzlose Praktiken, die von dem „Geist der Welt“ inspiriert und verteidigt werden.

S.208 Die heutige Welt dampft regelrecht vor Religion, selbst wenn sie in der Form von fast religiösem Agnostizismus der Liberalismus daherkommt und Lehren verbreitet, denen ihre Opfer mit fast fundamentalistischem Eifer anhängen. Wir müssen eigentlich gar nichts tun, um religiös zu werden; Religion ist dem gefallenen sündhaften Geschöpf wie einprogrammiert, sie schleicht sich unbewusst in unser Leben ein wie ein hässlicher Dämon, der sein Haupt triumphierend erhebt, während alles schläft. Wenn ich mich für einen schrecklichen Moment in die Lage des Widersachers Gottes versetzte und Christen davon abhalten wollte, effektive Zeugen für Jesus Christus zu sein, würde ich mit Sicherheit die tödlichste Plage des Planeten auf die Nachfolger von Christus loslassen: Religion.


S.209 Der religiöse Mensch wird schnell wahnsinnig, wenn man ihm seinen Tempel und seinen Kult wegnehmen will.

S.220 Kap.7 Kein Fortschritt ohne Wandel
Wenn Sie wirklich Veränderungen in ihrer Kirche oder Organisation anstreben, sollten Sie sich darauf vorbereiten, diese Personengruppe langfristig zu verlieren.

S.223 Geistliche Kompromisse gehen nie lange gut.

S.227 Kap.8 Die Konsequenzen ziehen
„Die Wahrheit wird nie einer gerechten Sache schaden“. Wir werden nie aufgefordert, uns mit einem kirchlichen System zu identifizieren, sondern mit der Person von Jesus Christus und mit der Familie Gottes.

S.229/230 Stehen dem Lamm heilige Kühe im Weg?
Einer der Preise, die für das Hauskirchen-Christentum zu bezahlen sind, besteht darin, nicht länger die individuelle Freiheit des Einzelnen stärker zu betonen als den gemeinsamen Gehorsam einer Gemeinde gegenüber Christus.
Im Westen dreht sich das Leben vieler Christen noch immer um Karriere, den Fernseher, ihre Hobbys, ihr Privatleben und ihre Haustiere, überzogen von einer dünnen und ziemlich durchsichtigen Schicht christlicher Aktivitäten wie die, einen Gottesdienst zu besuchen, vor dem Essen zu beten oder christliche Musik anzuhören.

S.232/233 Das Ende des endlosen Geldproblems
Viele traditionelle Kirchen, aber auch traditionelle Gemeindegründungs- und Missionsbewegungen, haben einen entscheidenden Minimumfaktor: das Geld. Sie brauchen Geld für Einsätze, Platzmieten, Werbekampagnen, Flugblattaktionen oder um ein Gebäude zu kaufen, ein sakrales Gebäude zu bauen oder – noch schlimmer! – zu unterhalten. Geld, um schwindelerregende Hypotheken für architektonische Sonderanfertigungen zurückzubezahlen oder jeden Sonntag eine Halle oder einen Hotelsaal zu mieten; mehr Geld, um Dekane und Prälate zu besolden oder um Sakristeien, Pfarrhäuser und Amtsstuben zu unterhalten. Dann kommen die Ausgaben für kirchliche Sitzbänke oder Stühle, unglaublich teure Orgeln oder Musikanlagen, die Renovierung des Parkplatzes, rein sozial orientierte, kirchliche Dienstleistungsfirmen mit einem astronomischen Personalhaushalt, Lautsprecheranlagen, teuren liturgischen Kleidern und dem allgegenwärtigen Overheadprojektor.
In Hauskirchen ist das alles nicht nötig. Hauskirchen kosten kein Geld, sie produzieren Geld.
Etwa 70% der Weltchristenheit ist geistlich unbeschäftigt, zum Konsumentendasein verdammt und sieht oft keinen Weg, sich in das traditionelle kirchliche System sinnvoll einzubringen.

S.238 Die traditionelle Gemeinde ist sehr stark veranstaltungsorientiert. Gemeinde ohne Gemeinschaft.

S.244 Ermächtigte Strukturen schaffen
Wenn wir nicht andere zu Jüngern machen, sie anleiten und sie ermächtigen, wie Jesus es vorgemacht hat, dann werden wir das genaue Gegenteil dessen erreichen, was wir vorgeben. Wenn aber unsere kirchlichen Systeme die Menschen nicht ermächtigen und zu vollmächtigen Jüngern machen, was fördern wir denn dann? Die systematischen Entmündigung des revolutionärsten Potenzials der Welt – und das im Namen Gottes.

S.248 Unsere Anbetung erweitern
Wir sollten nicht übersehen, dass echte Anbetung mehr mit geisterfülltem Gehorsam zu tun hat(Röm.12, 1-2) als mit Musik und dem Singen einiger „Anbetungslieder“. Das NT bezieht sich niemals darauf, dass sich die Gemeinde zu einem worship meeting trifft, einem Anbetungsgottesdienst. Anbetung ist also nicht so sehr das, was wir tun, sondern die Art, wie wir es tun; nicht so sehr das, was wir singen oder sagen, sondern on wir ein lebendiges Opfer sind, bereit, wie ein Trankopfer ausgegossen zu werden für Gott.

S.261 Gute Fundamente
Jesus selbst ist der Fels.
Nicht jeder ist der Richtige, um mit ihm eine Gemeinde zu beginnen.
Vier Möglichkeiten, wie wir Menschen an das Thema Gemeindeaufbau herangehen können:
1. „Wir bauen unser Gemeinde“ – das bedeutet, dass Menschen in eigener Kraft und mit traditionellen Methoden ihre eigenen kleinen Königreiche bauen. Das Resultat ist ein menschengemachter religiöser Kult. Fleisch baut Fleisch.
2. „Wir bauen Gemeinde.“ Diese Auslegungsvariante ist gefährlicher als die erste, weil sie sich an die Einsatzwilligen und die Aktivisten richtet und vorgaukelt, dass Menschen Gottes Haus bauen können. Fleisch baut hier Geist oder versucht es wenigstens, in der Überzeugung, dass großartige menschliche Strategien und Projekte das Reich Gottes einläuten werden. Das Resultat ist etwa ähnlich dem ersten Modell, aber spirituell ist es täuschender und hat manchmal triumphalistische Obertöne. Manche nennen diesen Ansatz sogar „moderne Zauberei“, weil hier versucht wird, mit anderen Mitteln als den Heiligen Geist geistliche Ziele zu erreichen. Dies führt oft genug zu Manipulation und geistlichem Größenwahn.
3. „Jesus baut unser Gemeinde.“ Diese Interpretation behauptet, dass Jesus seine Mittel und Wege benutzt, um unser Königreich aufzubauen; Geist baut Fleisch. Wir sind, so denkt dieser Ansatz, die wenigen wirklich Auserwählten Gottes, die richtige Denomination oder Gruppe, ein heiliger – oder manchmal sogar der einzige – Überrest, und Jesus hat sich nun entschlossen, unsere Gemeinde zu bauen. Hier würden Menschen Gott für ihre eigenen Zwecke missbrauchen, wenn sie könnten. Wenn nichts wächst und nichts geschieht, dann muss dies ausdrücklich Gottes Wille sein; denn es kann ja gar nicht sein, dass mit uns irgendetwas nicht stimmen kann.
4. „Jesus baut seine Gemeinde.“ Dies besagt, dass Jesus selbst der Baumeister ist und er an alle eine ausdrückliche Einladung ausspricht ihm beim Bau seiner Gemeinde auf seine Weise zu helfen und seine „Mitarbeiter im Reich“ zu werden(1.Kor. 3,9). Dies ist etwas demütigend, weil dabei unser menschlicher Einsatz nicht besonders gut aussieht, sondern alles an der geistlichen Partnerschaft mit Jesus und seinem Geist liegt, der unser Seniorpartner bei allen Unternehmungen ist. Doch das Resultat dieser Partnerschaft wird Gottes Handschrift tragen, weil er selbst das Mandat zum Bauen gab, und seine eignen geistlichen Gene von vornherein eingebaut sind. Geist baut Geist.

S.264 „Gebt mir meine Kirche zurück!“
Das Reich Gottes ist keine Demokratie, die auf Mehrheitsbeschlüsse angewiesen ist. Gott ruft laut und deutlich die christliche Gemeinde zu neutestamentlichen Standards zurück, aufgebaut auf guten, apostolischen und prophetischen Fundamenten.

S.266 Es ist viel wichtiger, wer wir sind, wenn niemand uns sieht, als das, was wir vorgeben zu sein. Gott ruft uns dazu auf, erst zu sein und dann zu tun. Charakter kommt vor allen Orden und Titeln, die Menschen uns geben.

S.313 Zeit und Finanzen
Viele fragen, wann sie denn mit einem geistlichen Dienst beginnen sollten und wer für einen vollzeitlichen Dienst die Rechnungen bezahlt. Ein geistlicher Dienst sollte dann begonnen werden, wenn jemand unmissverständlich erkannt hat, dass Gott ihn gerufen hat. Und: Was Gott bestellt hat, bezahlt er auch.

S.315 Modelle der Gemeindemultiplikation
Jesus hat uns nie den Auftrag gegeben hinzugehen und Gemeinden zu gründen. Viele Gemeindegründungsbewegungen und Missionswerke haben sich redlich bemüht, durch biblischen Belegtexte nachzuweisen, dass das Neue Testament uns dennoch aufträgt, Gemeinden zu gründen – umsonst. Was nicht dasteht, steht nicht da.

S.338 Nationen in Bewegung bringen

Christlicher Glaube beinhaltet einen Qualitätsanspruch; es geht nicht nur um Bekehrte, Evangelisierte und Erreichte oder gar um Mitgliederzahlen von christlichen Kirchen, sondern um Jünger. Es geht um eine völlig neue Lebensqualität, die uns vom Rest der Welt deutlich unterscheidet, sonst sind wir wahrscheinlich keine Jünger von Jesus Christus, sondern Anhänger einer organisierten Religion.

Thema: "Christliche", Buch Betrachtungen | Ein Kommentar

1. „Preis des Geldes“

Donnerstag, 20. August 2009 | Autor:

Geld_by_Thorben-Wengert_pixelio.de

 

Auszüge aus Buch: „Preis des Geldes“

Viele Gespräche und persönliche Erfahrungen in den letzten Monaten, in Sachen Wirtschaftskrise, haben mich veranlasst das Buch „Der Preis des Geldes“ von Thomas Giudici und meinen Freund Wolfgang Simson noch einmal gründlich zu lesen. Für alle die, die wissen möchten was der Inhalt des Buches ist, habe ich die wichtigsten Aussagen einmal kurz zusammengefasst. Es ist aber auch daran gedacht, neugierig zu machen und es selbst zu kaufen und einmal ganz vollständig zu lesen.

Wir sind unfrei geworden

S. 41
Sei frei und habe Spaß! Wahr ist nur noch, was für mich wahr ist.

S.42
Die Abschaffung gesellschaftlicher Normen und Werte führt zu Orientierungslosigkeit. Niemand weiß mehr, was gültig ist und was nicht.

S.44
Auch in der Arbeitswelt gibt es immer mehr Regulierungen, z.B. unter dem Stichwort „corporate governance“ werden immer mehr firmeninterne Normen und Regeln aufgestellt, an die sich die Angestellten zu halten haben. Durch das Abschaffen von Grenzen sind wir zunehmend grenzen- und orientierungslos – aber nicht freier – geworden.

S.48
Grundsätzlich dienen wir heute mehr dem Geld als der Arbeit. Und der Sinn unserer Arbeit besteht nicht mehr so sehr darin, was wir arbeiten, sondern was wir für unsere Arbeit bekommen.
Warum gehen viele Menschen jeden Tag zu einer Arbeit, die ihnen keinen Spaß macht, die sie nicht erfüllt, die sie nicht weiterbringt, die ihrer physischen und psychischen Gesundheit schadet? Weil sie abhängig, unfrei, versklavt sind.

S.49
Je mehr Bedürfnisse, desto unfreier. Bei uns ist Kaufen zum religiösen Akt, Shoppen zum spirituellen Erlebnis, das Kaufhaus zur Kirche geworden. „Man könnt sich ja sonst nichts“, sagen wir uns und denken: „Wir haben ja sonst nichts mehr, für das sich zu leben und zu arbeiten lohnt“. Also konsumieren wir wie wild und ohne Sinn weiter. Die Abschaffung von Gott, die Versklavung an Arbeit und Geld und der Zerfall der Familien haben in unsere Seelen tiefe Wunden gerissen. Konsum ist unser Allheilmittel dafür.

S.66
Heute nennen wir habsüchtiges und gieriges Verhalten ambitioniert, ehrgeizig und erfolgreich.

S.69
„Die Bewohner dieser Erde heißen Autos. Ihre Sklaven haben zwei Beine und müssen für sie arbeiten.“ Unser Besitz frisst unsere Zeit. Es herrscht Überfluss, nur die Zeit ist knapp.

S.75
Wir tun so viel, um Dinge zu bekommen, die wir nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.

S.103
Es ist vor allem ein finanzieller, nicht ein theologischer Alptraum für traditionelle Kirchen, wenn ganz normale Nachfolger von Jesus wie früher auch andere taufen und das Abendmahl in den kirchlich so unkontrollierbaren Privathäusern stattfindet. Wenn das Schule macht, dann brechen ihre wichtigsten Mit-Gliedergewinnungsstrategie und auch das gesamt Finanzierungskonzept zusammen. Es käme unweigerlich zur finanziellen Katastrophe.

S.105
Die Kirchen des Mittelalters – und hier natürlich vor allem die römisch-katholische Kirche – betonen dazu den fernen, unnahbaren und grundsätzlich strafenden Gott, dem man sich auf gar keinen Fall ohne die unschätzbaren und daher unbezahlbaren Dienst der Kirche nähern sollte. Die Kirche profitiert von der geistlichen Unwissenheit der Leute.

S.108
Man schenkt der Kirche heute nicht mehr in erster Linie sein Land, sondern seine Arbeit. Unverheiratete Priester haben keine Kinder, an die sie vererben können. Die materielle Frucht ihres gesamten Schaffens und Lebenswerkes kehrt daher nach ihrer Demission in den Schoß der Kirche zurück. Die heutige Zahl der Priester beträgt weltweit, so der katholische Erzbischof Ternyak im Jahr 2004, 405067 – ohne Nonnen, Ordensbrüder etc., die diese Zahl auf weit über 1 Million anschwellen lässt. Wenn jeder dieser 1 Million Personen im Dienst der katholischen Kirche im Verlauf seines Lebens Spenden, Schenkungen und anderen Wertzuwachs für die Kirche in einer Höhe von 1 Million Euro erwirkt, so wären das 1000 Milliarden pro Arbeitsgeneration. Da kann die Kirche doch kein Finanzproblem haben, sollte man meinen.
Zusätzlich werden kirchliche Dienste mit öffentlichen Geldern subventioniert oder bezahlt. Ferner räumt der Staat den Kirchen steuerliche Privilegien ein. Deren Umfang beziffert der Hamburger Politologe Carsten Frerk, Autor des Buches „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“(Alibri Verlag 2002), mit rund 10 Milliarden Euro. Rund 3,4 Milliarden Euro kostet den Staat die Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer. Auf den kirchlichen Banken liegen laut Frerk rund 21 Milliarden Euro als Einlagen von Kirchen und ihren Bediensteten. Neben den Einnahmen haben die Kirchen über Jahrhunderte hinweg ein derart riesiges Vermögen angehäuft, das über dessen Umfang und Rendite nur spekuliert werden kann. Gemäß der Schätzung von Frerk beträgt das Gesamtvermögen beider deutscher Staatskirchen in Geld, Aktien, Beteiligungen, Immobilien und Grundstücken rund 440 Milliarden Euro! Die Kirchen sind in Deutschland die größten nichtstaatlichen Grundbesitzer. Der Grundbesitz wurde – man höre und staune – letztmals 1937 im Hitlerdeutschland in einer offiziellen Reichsstatistik erfasst. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Beide Kirchen besitzen rund 680.000 Hektar Land(entspricht dreimal der Fläche von München, Hamburg, Berlin und Bremen zusammen).

S.113
Trotz all des Besitzes werden die Kirchgänger regelmäßig aufgefordert

1.
Gebt ein Opfer – eine besonders unangenehme Variante dieser Auforderung ist das Herumreichen des Klingelbeutels durch die Reihen der Kirchenbänke am Sonntagmorgen. Niemand kann sich den Gruppen-Zwang entziehen.

2.
Gebt Almosen – es gehört zum Standardrepertoire eines Predigers die Kirchgänger immer wieder aufzufordern für die Armen zu geben.

3.
Gebt den Zehnten – diese Aufforderung ist bei den Staatskirchen eher selten. In den Freikirchen ist sie mehr zu hören, weil dort die meisten Pastoren vom Zehnten leben müssen. Bei Freikirchen hört man dann oft Aussagen wie: Sind die 10% brutto oder nette gemeint? Hier die gute Nachricht: Keine Sorge, Gott ist kein Buchhalter. Wäre er nämlich einer, so würde er von den Christen – wie von seinem Volk Israel früher auch – 23,3% Spenden verlangen, und zwar vom Umsatz brutto, bevor irgendwelche andere Zahlungen getätigt werden! Das Thema Kirche und Geld ist und bleibt peinlich.

S.126
Gott hat kein Finanzproblem. Die Kirche hat eines, die Christen haben eines, aber Gott nicht. Die Kirche hat es geschafft, dass Christen und Nichtchristen sagen: Gott ja, Kirche nein.

S.135
Was die Bibel zum Thema Geld sagt, ist ein Skandal. Das beginnt schon bei der Menge an Aussagen. Wir haben uns nicht die Mühe gemacht zu zählen, aber andere Autoren gehen davon aus, dass es 2350 Verse in der Bibel gibt, die sich mit den Themen Geld, Besitz, Management befassen. Damit steht diese Themengruppe im Vergleich zu allen anderen, vor allem im Vergleich zu allen religiösen Themen wie Glauben, Gebet, Heiligung usw. unbestritten an der Spitze. Es gibt mehr Aussagen von Jesus in der Bibel zu Geld als zu Himmel und Hölle zusammen. Ist bereits die Menge an biblischen Aussagen zum Thema bemerkenswert, so sind die Inhalte einfach schockierend. Die biblischen Aussagen zum Thema Geld sind ebenso klar wie widersprüchlich zu unserm Zeitgeist.

S.136
Die Hauptbotschaft der Bibel zum Thema Geld ist eine Aufforderung zum Gesinnungswandel. Das ist sehr interessant, denn die Gesinnung ist die Betrachtungsweise, die Denkart, die Einstellung, die Geisteshaltung, die wir zum Geld haben.

S.138
Die Auforderung zur Erneuerung der Gesinnung ist eine gewaltige Herausforderung für uns alle. Und wir erkennen schmerzlich in unserem alltäglichen Leben, dass sie sich nicht von allein vollzieht und vermutlich nie zu Ende ist.

S.139
Um es gleich vorwegzunehmen: Die Bibel hat gar nichts gegen Geld, aber sie hat alles gegen die Geldgesinnung, also eine Gesinnung, die auf das Geld fokussiert ist, bei der Geld im Zentrum von Denken und Handeln steht. Diese Ablehnung zieht sich vom Alten bis zum Neuen Testament.

S.142
Was Jesus und das NT zu Geld sagen, ist starker Tobak. Das Schockierendste ist, dass Jesus eine direkt Verbindung zwischen dem geistlichen Zustand eines Menschen und seiner Einstellung zum Geld zieht.

S.143
Im NT kommt der Begriff Reichtum 19mal vor. 8mal bezeichnet er materiellen und 11mal immateriellen Reichtum. Interessant ist, dass der materielle Reichtum jedes Mal negativ bewertet wird, weil er betrügerisch oder unsicher ist, verfaulen und gestohlen werden kann oder von den Ungerechten genommen und den Gerechten gegeben wird.

S.149
Wenn Gott nicht der Herr über das Geld bzw. den Besitz eines Menschen sein darf, dann ist er auch nicht Herr dieses Menschen.

S.150
Das Wort „Mammon“ leitet sich vom aramäischen Wort „aman“ ab und bedeutet „das worauf man traut“ oder „das was zuverlässig ist“.

S.152
Wo unser tatsächlicher Schatz ist, können wir daran erkennen, an was wir am meisten denken, für was wir die meiste Zeit aufwenden, was wir am wenigsten gerne verlieren würden.

S.155
Jesus hat kein Geldproblem. Aber wir haben eines. Geld ist ein sehr schlechter Herr, der uns versucht zum Beispiel mit Schulden, Sorgen oder Ängsten zu versklaven. Hingegen sollen wir das Geld einsetzen, um Ausgleich zu schaffen und Nächstenliebe zu üben.

S.156
Wir sollen mit dem Geld dienen. Wir sollen der Herr über unser Geld sein, damit es uns dienen muss. Wir sollen es einsetzen für die tätige Nächstenliebe und um einen Ausgleich zwischen Habenden und Bedürftigen zu schaffen.

S.179
Im alten Israel gab es nicht einen Zehnten, sondern gleich drei.
1) 10% Prozent aller Erträge des Landes wurden pro Jahr abgegeben als Lohn für die landlosen, levitischen Priester und ihren Tempeldienst (die wiederum ihrerseits 10% in die Lagerhäuser des Tempels zu bringen hatten) (3.Mose 27,30-33; 4.Mose 18,21-31).
2) Zehn weitere Prozent pro Jahr waren für die Finanzierung des ausserordentlich aufwendigen Systems von jüdischen Festen aufzubringen (5.Mose 14,22-27). Von diesem „Festzehnten“ konnte man aus Gründen der Logistik die entsprechenden Erträge auch zu Hause verkaufen und zu Geld machen, sich dann auf den Weg nach Jerusalem begeben und dort mit dem Geld wieder die Dinge kaufen, die für das Fest benötigt wurden.
3) Schließlich gab es die Vorschrift eines Armenzehnten (5.Mose 14,28-29; 26,12-13), der nur alle 3 Jahre, im sog. „Zehntjahr“, zusätzlich abzugeben war. Dieser ähnelte einer Sozialversicherungsabgabe, denn er war bestimmt für die lokalen Leviten sowie Waisen, Witwen, Arme und Fremdlinge vor Ort.
Die Abgabebelastung der jüdischen Familie lag also bei durchschnittlich 23,3% des Bruttoertrages pro Jahr. Der berühmte „Zehnten-Vers“ aus Maleachi 3,10 sagt demgemäss auch nicht: bringt den Zehnten“ (Einzahl), sondern „die Zehnten (Plural) in mein Haus“. Wer damals „zehntete“, gab also 23,3% brutto, nicht etwa 10% netto.
Mit der Einführung der Monarchie zur Zeit Sauls wurde zudem eine vierte Abgabe fällig, der sogenannte Königszehnte, der den Steuersatz sogar auf 33,3% p.a. hob. Dies war eine politisch-militärische Steuer, die das Königtum, einen Hofstaat und alle militärischen und sonstigen Eskapaden des Königs zu finanzieren hatte.
S.180
Wo Abgaben, Steuern und Zölle anfallen, sind die Hinterzieher nicht weit. Es gab sie schon immer. Und ganz so pünktlich nahmen es viele Israeliten wohl auch nicht mal mit den Zehnten. Deshalb fordert Gott die Israeliten einmal ausdrücklich auf: „Bringt den Zehnten ganz in mein Kornhaus, damit in meinen Haus Speise sei, und prüft mich, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels öffne und Fülle des Segens herabschütte(Mal.3,10). Er bot ihnen also eine Art Test für das Prinzip an: Großzügigkeit gegenüber Gott führt zur Großzügigkeit Gottes gegenüber Menschen. Gott sagt ihnen somit: Probiert es aus. Der Zehnte ist biblisch, aber absolut nicht christlich. Warum aber etwas 80-90% aller Kirchen, die ausdrücklich den Zehnten predigen, ausgerechnet Finanzprobleme haben, darüber herrscht Ratlosigkeit oder Stillschweigen.

S.199
Der biblische Begriff apostolisch bedeutet auftragsgemäß, der ursprünglichen Sendung gemäß, im Sinn des Sendenden handeln. Ein guter Repräsentant handelt niemals eigensinnig. Er weiß, er steht stellvertretend für jemand anderen, der wesentlich größer und wichtiger ist als er selbst. Die Christen lebten Güterteilung. Durch einen schlichten, kommunalen Lebensstil kam es zu einer drastischen Ausgabenminimierung. Sie besaßen ein klares Feinbild: Mammon wurde als einer der Dämonen verstanden – und ebenfalls überwunden. Geben war stets freiwillig und beruhte nicht auf dem Gedanken: Was muss ich geben, sondern: Was kann ich getrost behalten.
Richtig viel Geld wurde immer „zu Füßen der Apostel gelegt“ und im Zusammenarbeit mit besonderen Administratoren für diakonische Zwecke in den eigenen Reihen verwendet sowie für die Finanzierung der Arbeiter und Ausbilder eingesetzt, allerdings nicht als dauerhaftes Gehalt, sondern meistens im Sinne einer einmaligen Anschubfinanzierung. Blieb dann noch Geld übrig, „taten sie Gutes an jedermann“ – etwa unbezahlte diakonische Dienste an Nichtchristen.

S.204
Wer sich der finanziellen gegenseitigen Verantwortung entzog und sich absonderte und seine Habe nur für sich behielt, konnte unmöglich wirklich Christ sein.

S.214
Statt ihnen nun zu Beginn der Mission Marschverpflegung und finanzielles Budget zu geben, sagt er zu der Truppe ausdrücklich: Geht ohne Geld und finanzielle Vorsorge in diese Mission; die Menschen, die ihr treffen werdet, werden euch versorgen. Aus diesem Kontext kommt der berühmte gewordene Ausspruch: „Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert.“
Das Geld, aus dem sich die erste Christenheit finanzierte, kam also aus zwei Quellen: An erster und weitaus gewichtiger Stelle kam es von Nichtchristen, die neu zum Glauben kamen, also von außerhalb; und zweitens aus Sammlungen von Christen, also von innerhalb.
Wer Überfluss hatte, gab denen, die Mangel hatten.

S.216
Sowohl die regelmäßigen Sammlungen als auch die Großspenden, welche zu Füßen der Apostel – nicht etwa der Pastoren, Theologen, Evangelisten oder Propheten – gelegt wurden, wurden zu Beginn sieben besonders ausgewählten Leuten anvertraut.
Diese sieben wurden keinesfalls von den Aposteln selbst eingesetzt – zu schnell käme es dann zur Vettern
wirtschaft, zum möglichen Vorwurf, die Verwalter würden mit den Aposteln unter einer Decke stecken und Jachten und griechische Inseln kaufen. Die sieben wurden aus der Mitte der Christen gewählt und mussten drei unbedingte Qualifikationen haben: einen Leumund, „voll heiligen Geistes“ und weise sein.
Neben der Speisung ging das Geld selbst grundsätzlich an drei Zielgruppen: a) die eigenen Armen, b) die eigenen Arbeiter(die keine Siemens Pension hatten) und c) zuletzt an die nichtchristlichen Armen und Bedürftigen, und zwar in der wichtigen Reihenfolge genau dieser Priorität.

S.219
Arbeiter waren insbesondere alle diejenigen, die sich ohne das Einkommen aus einem säkularen Beruf voll und ganz für die Aufgaben der sich ausbreitenden christlichen Bewegung verpflichtet hatten. Es ist ein interessantes Phänomen, dass die meisten kirchlich geprägten Christen heute bei ihren Spenden außerhalb der Kirchenabgaben nicht im Traum daran denken, anderen Christen vor Ort oder den Ausbildern der eigenen Region ihre Finanzen vor die Füße zu legen, sondern man hilft, wenn überhaupt, zuerst den Armen am anderen Ende der Welt, den Fernsten.

S.222
Die Welt ist Inbegriff des durch schreiende Ungerechtigkeit organisierten Gemeinwesens, einer Welt, die ausdrücklich ohne Gott leben will. Die Welt, wie wir sie heute kennen, entstand durch Prospektieren, Kolonialisieren, Globalisieren, durch beständige Kriege aller Art, die nur durch temporäre Waffenstillstände unterbrochen zu sein scheinen. Die Welt ist weder gerecht noch „in Ordnung“, aus der Perspektive Gottes steht sie Kopf. Diese Ungerechtigkeit der Welt produziert exponentiell wachsende Probleme am laufenden Meter, mehr als UNA, NATO, IWF, das Rote Kreuz, die Sozialstiftung „Hilfe für Igel“ und Georg W. Bush jemals lösen können. Fünf willkürlich herausgegriffene Fakten sollen das beispielhaft illustrieren:

1) Die 200 reichsten Menschen der Welt besitzen mehr als 2 Milliarden Ärmsten der Welt zusammen.

2) Menschen in der industrialisierten Welt sind im Schnitt 74-mal reicher als in der armen Welt.

3) Die Mafiakartelle Russland, Japans und Südamerikas bewegen heute mehr Kapital als alle Regierungen der westeuropäischen Länder zusammen.

4) Der Börsenwert aller Aktiengesellschaften ist etwas 9,5-mal höher als der Realwert der Unternehmen – ein künstlich aufgeblähter Ballon.

5) Weltbank – Präsident James Wolfensohn geht im Jahr 2004 von einem Betrag von 900 Milliarden US-Dollar aus, der pro Jahr in Militärausgaben investiert wird – 450 Milliarden davon allein von USA.

S.223
Vor allen die Budget der Welt zeigen: Das meiste Geld fließt in die Bekämpfung von Dingen wie der scheinbar unbezähmbaren Angst voreinander und der durch Habgier verursachten globalen Ungerechtigkeit. Topkosten verursachen die organisierte Kriminalität, Lügen in Form von gefälschten Wirtschaftsbilanzen, Korruption und der Raubbau am eigen Körper oder der eigenen Familie, die das atemlose Rennen um Gewinnmaximierung finanzieren muss. Man kann es auch anders sagen: Sünde. Sünde kostet Geld, viel Geld, viel zu viel Geld. Das Wort kommt als solches in den Haushaltsbudgets nicht vor, aber genau daran bluten sie aus.
Und die Behandlung genau diese Kernproblem – des Menschen Sünde – ist die Domäne der Christenheit, ihre Kernkompetenz. Würden die Finanzminister diesen Zusammenhang durchschauen, hätten sie eine Lösung für ihre schlaflosen Nächte. Wenn sündhaftes Verhalten des Menschen – allein oder im Kartell – Ausgaben verursacht, dann ist nicht die Bekämpfung der Symptome, sondern des Grundproblems die Lösung.

S.225
Die ersten Christen übernahmen zwar nach Kräften soziale Verantwortung, aber nicht die gesellschaftliche Verantwortung für Dinge, die sie nicht verursacht hatten. Weder Jesus noch sein Jünger übernahmen in unseren modernen Sinn gesellschaftliche Verantwortung – und gaben dafür Geld aus.
Sie gründeten keine Schulen, bauten keine Krankenhäuser, übernahmen nicht die allgemeine Verantwortung für flächendeckende Diakonie und führten weder Hochzeiten noch Beerdigungen durch. Sie tauften weder Schiffe noch neue Feuerwehrautos, segneten keine Waffen und demonstrierten nicht Fahnen schwenkend gegen die imperialistische Kriegpolitik von Julius Cäsar. Sie übernahmen zwar keine gesellschaftliche Verantwortung, aber sie hatten einen ungeheueren Einfluss.

S.226
Christen hatten keine Botschaft, sie waren eine Botschaft.

S.227
Wenn Sünde im Leben eines Menschen die meisten Ausgaben verursacht, ist die Befreiung von Sünde ein geradezu dramatischer finanzieller Durchbruch. Sie löst Menschen aus kostspieligen Anhängigkeiten, der Versklavung an die eigene Lustbefriedigung, aus teueren Süchten und dem Verfall an Prestigeobjekte aller Art. Was finanziell jedoch noch viel wichtiger ist: Sie löst das Problem von Sinn, Angst und Gier. Und da die frühen Hausgemeinden völlig ohne Kirchenbauten, regelmäßige Gehaltszahlungen, Parkplätze, Overheadprojektoren und Chorroben auskamen, produzierten sie unter dem Strich wesentlich mehr Geld, als sie ausgaben. Heute ist dieser Gesamtansatz bei den meisten Kirchen in sein glattes Gegenteil verkehrt. Das Geld fließt in Strömen in Gebäude, in Priester- und Pastorengehälter, in Programme und Problembekämpfung, und je unstrategischer und unapostolischer heute eine kirchliche Finanzentscheidung ist, desto sicherer können wir sein, dass das Geld dafür zusammenkommt. War das Christentum früher ein stets überfließendes Fass, so wurde es bis heute ein Fass ohne Boden.

S.238
Die Wahrheit macht Sie aber nur frei, wenn Sie frei werden wollen. Gott kann uns nur frei machen, wenn wir ihm glauben, und das heißt, wenn wir ihm vertrauen und gehorchen wollen. Sie können beginnen, ihre Gesinnung zu ändern, indem Sie sich Rechenschaft über Ihre Motive geben.

Dazu helfen folgende Fragen:

– Wie wichtig ist Ihnen Geld und Besitz?
– Was haben Sie schon alles – legal und illegal – getan, um mehr Geld und Besitz zu haben?
– Wie einfach geben Sie Geld weg?
– Welches sind die Beweggründe für Ihre jetzige Arbeit und Arbeitsstelle?
– Was zeigt sich, wenn Sie rechnerisch untersuchen, wo Sie Ihre Zeit und Ihr Geld investieren?

Wenn Sie mit solchen und vielen anderen Fragen beginnen und im Vertrauen auf die Wahrheit Schritt für Schritt weitergehen, werden Sie die Unterstützung Gottes erleben.

S.244
Die satanische Botschaft im Hinblick auf Arbeit lautet: „Schaff und erwirb, zahl Steuern und stirbt!“ Und so werden wir, von Kindesbeinen an, wie folgt programmiert und mit wirkungsvollen Scheuklappen gegen jede Alternative versehen: Das Leben besteht aus Schule und Ausbildung, dann aus dreißig bis vierzig Berufsjahren, gefolgt von einem von Krankheit, Rückschlägen und Knappheit geprägten Pensionsalter, bis schließlich auf dem Grabstein Ihre Version steht von „Sein Leben war Arbeit und Müh“. Wie jemand treffend sagte: In der Jugend ruiniert man die Gesundheit wegen des Geldbeutels, im Alter ruiniert man den Geldbeutel wegen der Gesundheit.

S.251
Ändern Sie Ihre Einstellung zur Kirche, die theoretisch verantwortlich wäre, Menschen die erwähnte unsichtbare Realität näher zu bringen und zu erklären. Uns ist es wichtig, dass Sie erkennen, dass es zwischen der Bibel und der Kirche bzw. dem gelebten Christentum immer schon wesentliche Unterschiede gab.

S.252
Wenn Sie die heutige Kirchenlandschaft vor dem Hintergrund der Bibel betrachten, dann werden Sie schnell feststellen, dass diese mehr dem Bild von Kirche im Alten Testament als demjenigen im Neuen Testament entspricht. Wie im Alten Testament sind heute Kirchen so organisiert, dass sie in einem zentralen, auffälligen Gebäude stattfinden, in welchem die Priester für Gott arbeiten. Die Gläubigen hingegen sind draußen verstreut, wo sie während der ganzen Woche ihren Berufen nachgehen und für ihre weltlichen Herren arbeiten. Aus den Früchten ihrer Arbeit geben sie ihre Abgaben in den zentralen Ort, den sie auch regelmäßig – heute meist am Sonntagmorgen – zum „Gottesdienst“ aufsuchen. In dieser Art war es auch im Alten Testament, nur dass alles etwas einheitlicher und klarer organisiert und reglementiert war als heute.
Im neuen Bund, den Gott durch Jesus Christus mit seinem Volk schließt und von dem im Neuen Testament berichtet wird, wird einiges völlig anders geregelt. Ein Christ, also ein Mitglied im Volk Gottes, wird man nicht durch Geburt, sondern nur durch die Willensentscheidung, Jesus Christus nachzufolgen. Der Tempel ist abgeschafft und Jesus bezeichnet jeden Christen als Tempel Gottes. Auch die Priesterschaft im Sinne der Angestellten im Tempel ist abgeschafft, weil Jesus jeden Christen zum Priester erklärt und ihm einen direkten Zugang zu Gott ermöglicht hat, ausdrücklich ohne Umweg über eine vermittelnde Priesterkaste.

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Was wir heute gemeinhin als Kirche oder Gemeinde bezeichnen, hat sehr wenig mit echter christlicher Gemeinschaft zu tun.

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Die Berufenen machen sich abhängig von Gott mit allem, was sie sind und haben. Darum stellen sie nicht länger die Frage, wie viel sie abgeben müssen und wie viel sie behalten dürfen. Dieses Abgabeprinzip entspricht nicht mehr den neuen Lebens- und Arbeitsprinzipien. Hingegen lautet die Frage, wie viel brauche ich für meine eigenen Bedürfnisse, so dass ich alles andere der neuen Familie, den regional arbeitenden Apostel und damit Gottes langfristigen Absichten zur Verfügung stellen kann? Das ist kein Muss, sondern freiwillig. Nicht an der Hand Mammons, sondern nur an der Hand Gottes wird es uns gelingen, von reglementierter Abgabementalität zu befreiter Freigebigkeit zu kommen, wo tatsächlich nicht länger die Dinge uns haben, sondern wir sie. Wo nicht mehr wir dem Geld dienen, sondern das Geld uns dient.

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Wer seinen Wert von Gott und nicht von Menschen bezieht, wird immun gegen diese Abhängigkeiten und kann wirklich frei wählen. Welches ist nun Ihr erster Schritt? Diese Frage können wir natürlich nicht allgemein beantworten. Die Antwort hängt davon ab, welche Art von Persönlichkeit Sie sind. Sind Sie eher wagemutig und extravertiert oder eher ängstlich und introvertiert, haben Sie einen großen Glauben oder sind Sie ein Zweifler? Was sind Ihre Talente und Fähigkeiten, für was schlägt Ihr Herz? Die Antwort hängt davon ab, wo Sie auf dem Weg stehen. Was haben Sie bereits erlebt, welche Erfahrungen haben Sie gemacht, wie gut kennen Sie den Weg Jesus? Die Antwort hängt davon ab, mit wem Sie unterwegs sind. Was haben Sie für Freunde, Vorbilder, Ratgeber, Kollegen? Wo können Sie Hilfe und Unterstützung erhalten, Freuden und Leiden teilen? Alle diese Punkte entscheiden darüber, welches Ihr nächster Schritt sein kann.
Aber für Sie wie für uns gilt: in Bewegung kommen und bleiben, in Richtung Freiheit, sodass wir unsere Mission auf dieser Erde, die engstens mit Gottes Absichten für uns verbunden ist, erkennen und erfüllen können.

Thema: "Christliche", Buch Betrachtungen | Ein Kommentar