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540. Jesus unser Schicksal

Donnerstag, 7. Januar 2016 | Autor:

Wilhelm Busch Jesus unser Schicksal

Wer war W.Busch

Lieber Blog Besucher,

ich mache nicht oft Vorschläge für ein bestimmtes Buch, aber bei diesem Bestseller muss ich eine Ausnahme machen. Selten habe ich ein Buch so oft und mit soviel Gewinn für mein Glaubensleben gelesen, wie dieses Buch von Pastor Wilhelm Buch. Ich liebe die reine und klare Ausdrucksweise, ohne ein herum reden um den Brei. Einfach klar und deutlich die Sache mit Jesus auf den Punkt gebracht.

Bedanke möchte ich mich beim Schwiegersohn von Pastor Busch, H.Währisch, der mir spontan die Genehmigung für das gesamte Buch erteilt hat. Leider erhielt ich vom Verlag dann nur die Erlaubnis für den Abdruck eines Kapitels. Trotzdem auch an den Neukirchener Verlag ein Dankeschön.

Ich gehe einmal davon aus, dass jeder der in das erste Kapitel reingeschnuppert hat, so angesprochen wird, dass dann der Kauf des Buches erfolgt. Womit dann auch den Verlag gedient ist.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Gewinn beim lesen.

Warum schweigt Gott?

Es geschehen schreckliche Dinge in der Welt!

Ich ging – ich glaube, es war im Jahre 1937 – in Essen über die Straße, als mir ein 16jähriger Junge ganz verstört entgegenkam. Weil ich ihn von meiner Jugendarbeit her kannte, fragte ich ihn: »Was ist mit dir los? « Darauf antwortete er mir: »Mich haben sie ins Krankenhaus geschleppt und sterilisiert, weil meine Mutter Jüdin ist. Und als ich nach Hause kam, waren meine Eltern fort. « Er hat sie nie wiedergesehen. Der Vater wurde verhaftet. Die Mutter kam nach Auschwitz ins Konzentrationslager! Ich habe den Jungen nur noch nach Holland schaffen können. Von dort kam er weiter nach Amerika. Aber ich werde nie das Bild dieses verstörten Jungen vergessen: »Mich haben sie ins Krankenhaus geschleppt und sterilisiert, weil meine Mutter Jüdin ist. Und als ich nach Hause kam, waren meine Eltern fort! « Und ähnliches geschah Millionen Mal! Da tauchen einem schon die Fragen auf: »Und Gott?« – »Wo ist denn Gott? « – »Hat er gar nichts dazu zu sagen? « – »Warum schweigt Gott? « In Köln ist ein Verrückter mit einem Flammenwerfer in eine Volksschule eingedrungen: 12 kleine Kinder brachte er um! Da stehen doch die Fragen vor einem: »Und Gott? « – »Warum schweigt Gott? «

Oder ich denke an eine junge Frau, die Krebs hat. Langsam und unter schrecklichen Qualen stirbt sie von ihren Kindern weg. Wer das so miterlebt, der muss doch fragen: »Und Gott? « – »Warum schweigt Gott? «

Es gibt viele Leute, die könnten jetzt ihre Geschichte erzählen und am Schluss fragen: »Und Gott? « – »Wo war denn Gott? « – »Warum schweigt Gott? «

Unser lieber deutscher Dichter Friedrich Schiller hat einmal ein »Lied an die Freude« gedichtet: »Freude, schöner Götterfunken, Töchter aus Elysium …« Darin kommt die Zeile vor: »Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen. « Doch der Mensch von heute ist versucht zu sagen: »Brüder, überm Sternenzelt kann kein lieber Vater wohnen! «

Wem das nun so begegnet, wem sich auf einmal die Fragen aufdrängen: »Wo ist Gott? « – »Warum lässt er das zu? « – »Warum schweigt er zu all den schrecklichen Dingen? «, der kommt vielleicht an den Punkt, wo der gefährliche Gedanke auftaucht: »Vielleicht gibt es gar keinen Gott?! Vielleicht ist der Himmel leer?! Vielleicht ist der Atheismus doch das Wahre?! « Meine Freunde, wem diese Gedanken kommen, der sollte sich entsetzen. Denn wenn es wahr wäre, dass kein Gott lebt, dann wäre das fürchterlich. Dann wären wir Menschen – wir Bestien! – alleingelassen. Dann wären wir wie verlorene Kinder, die ihren Weg nach Hause nicht mehr wissen. Kein Gott da!? Das wäre schauerlich! Wenn mir Leute erklären: »Ich bin Atheist! «, dann sage ich: »Ihr ahnt ja nicht, was ihr damit aussprecht! Über uns nichts! Wir alleingelassen! Wir allein untereinander!« Nichts ist schrecklicher für den Menschen als der Mensch, nicht? Die Römer hatten ein Sprichwort: »Homo homini lupus. « Das heißt: »Ein Mensch ist des anderen Wolf« – schrecklich!

Das kann ich gar nicht aussprechen, wie oft ich als Pfarrer diesen Satz zu hören bekommen habe: »Wie kann Gott das alles zulassen? Warum schweigt Gott zu all dem? « Und weil ich das so oft gefragt worden bin, möchte ich jetzt darauf antworten. Ich muss aber von vornherein sagen: Ich bin nicht Gottes Geheimsekretär. Er hat mir seine Pläne nicht anvertraut oder ins Stenogramm diktiert. Verstehen Sie? An sich ist es schon ein bisschen dumm, so zu fragen, als wenn wir Gott verstehen könnten. Der Gott, den ich verstehen kann, der wäre höchstens ein Dekan oder ein Superintendent. Die kann ich noch verstehen. Aber das könnte kein Gott sein, den ich richtig verstehen kann. Gott sagt einmal in der Bibel: »Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege. «
Das ist sehr einleuchtend.

Aber ich habe aus der Bibel doch einige Erkenntnisse bekommen und möchte nun, so gut ich kann, antworten auf die Frage: »Warum schweigt Gott? «

1. Die grundfalsche Fragestellung

Das möchte ich zuerst einmal sagen: Die Frage »Warum schweigt Gott? « ist verkehrt gestellt. Sie ist nämlich so gestellt, als wenn da ein Gerichtssaal wäre: Auf dem Richterstuhl sitzt Frau Schulze oder Pastor Busch. Und auf der Anklagebank sitzt Gott. Und dann sagen wir: »Angeklagter Gott, wie kannst du das alles zulassen? Warum schweigst du? « Ich möchte Ihnen in aller Deutlichkeit sagen: Einen Gott, der uns auf dem Richterstuhl sitzen lässt und sich auf die Anklagebank setzt, den gibt es nicht!

Ich erinnere mich einer tollen Szene, als ich noch ganz junger Pfarrer war. Mit 27 Jahren war ich gerade nach Essen gekommen, als ein großer Bergarbeiterstreik ausbrach, der damals die Gemüter sehr erregte. Eines Tages komme ich an einem freien Platz vorbei. Da steht ein Mann auf der Seifenkiste und redet gewaltig auf die um ihn stehenden Leute ein. Er spricht von hungrigen Kindern, Ausbeuterlöhnen und Arbeitslosigkeit. Auf einmal sieht er mich, erkennt mich und brüllt los: »Ha, da ist ja der Pfaffe! Komm mal her!« Nun, einer freundlichen Einladung folge ich meistens. So gehe ich also zu diesem Haufen hin. Die Männer machen mir Platz, so dass ich bis zu dem Redner vordringe. Vielleicht hundert Bergleute stehen um mich herum. Mir war schon ein bisschen wunderlich zumute. Auf solche Situationen war ich auf der Universität nicht vorbereitet worden. Und dann legt der los: »Hör mal, Pfaffe! Wenn’s einen Gott gibt, was ich nicht weiß, aber es kann ja einen geben, dann will ich, wenn ich gestorben bin, vor ihn treten und zu ihm sagen« – und dann schrie er –: »›Warum hast du zugelassen, dass Menschen auf Schlachtfeldern zerfetzt wurden?! Warum hast du zugelassen, dass Kinder verhungert sind und andere das Essen wegschütten, weil sie zu viel hatten?! Warum hast du zugelassen, dass Menschen an Krebs elend dahingesiecht sind?! Warum? Warum? ‹ Und dann will ich zu ihm sagen: ›Du, Gott, tritt ab! Weg mit dir! Hau ab! ‹«So schrie der Mann. Da habe ich auch geschrieen: »Ganz richtig! Weg mit diesem Gott! Weg mit diesem Gott!« Auf einmal ist es ganz still. Der Redner macht ein erstauntes Gesicht und sagt: »Moment mal! Sie sind doch Pfarrer! Da dürfen Sie doch nicht schreien: ›Weg mit diesem Gott! ‹«
Darauf habe ich geantwortet: »Hör mal zu! Den Gott, vor den du so trittst, vor dem du deinen Mund aufreißen kannst, der sich so zur Rechenschaft ziehen lässt, dass du als Richter vor ihm stehst und er dein Angeklagter ist – den gibt es nur in deiner Einbildung. Zu dem kann ich auch nur sagen: ›Hinweg mit diesem Gott!‹ Hinweg mit diesem albernen Gott, den unsere Zeit sich selbst gemacht hat, den wir anklagen, beiseite schieben oder zurückholen können – je nach Bedarf! Den Gott gibt es nicht! Aber ich will dir was sagen: Es gibt einen anderen wirklichen Gott. Vor den wirst du als Angeklagter treten, und da wirst du den Mund gar nicht aufmachen können, denn er wird dich fragen: ›Warum hast du mich nicht geehrt? Warum hast du mich nicht angerufen? Warum hast du in Unreinigkeit gelebt? Warum hast du gelogen? Warum hast du gehasst? Warum hast du gestritten? Warum hast du…? ‹ So wird er dich fragen. Dann wird dir das Wort in der Kehle steckenbleiben! Und dann wirst du auf tausend nicht eins antworten können! Es gibt keinen Gott, zu dem wir sagen könnten: ›Hinweg mit dir! ‹ Aber es gibt einen heiligen, lebendigen, wirklichen Gott, der zu uns einmal sagen könnte: ›Hinweg mit dir!‹«

Und das möchte ich Ihnen auch sagen: Wenn Sie heute Menschen hören, die Gott vorwerfen: »Wie kann Gott das alles zulassen? Warum schweigt Gott? «, dann sagen Sie ihnen: »Das wäre ein alberner, eingebildeter Gott, den wir anklagen könnten! Es gibt nur einen heiligen Gott, der uns anklagt, Sie und mich! « Haben Sie Gottes Gebote gehalten? Wie denken Sie sich das denn? Gott nimmt es ernst mit seinen Geboten. Wir sind die Angeklagten, nicht Gott!

Das ist das Erste, was ich in aller Deutlichkeit sagen musste:
Die ganze Fragestellung ist grundfalsch.

Und nun das Zweite:

2. Das Schweigen Gottes ist sein Gericht

»Warum schweigt Gott? « Sehen Sie: Ja, Gott schweigt oft. Und Gottes Schweigen ist das schrecklichste Gericht über uns!

Ich bin überzeugt, dass es eine Hölle gibt. Die ist aber sicher nicht so, wie es auf den vielen Bildern dargestellt wird, dass da der Teufel die Seelen röstet oder ähnlich dummes Zeug. Sondern ich glaube, das wird die Hölle sein, dass Gott den Menschen nichts mehr zu sagen hat. Da können Sie ihn anrufen, da können Sie beten, da können Sie schreien – er antwortet Ihnen nicht mehr! Der russische Dichter Dostojewski hat einmal gesagt: »Die Hölle ist der Ort, wo Gott nicht mehr hinsieht« – und wo wir ihn endgültig los sind, wo wir wirklich von Gott verlassen sind. Ja, Gottes Schweigen ist sein Gericht. Und sehen Sie: Damit fängt die Hölle hier schon an, dass Gott schweigt.

Ich möchte Ihnen dazu eine Geschichte aus der Bibel erzählen: Da waren zwei Städte, Sodom und Gomorra, hochkultivierte Städte mit einer verfeinerten Zivilisation. Man hat Gott nicht geleugnet. Es gab wahrscheinlich auch ein paar Pfarrer, so arme Typen. Aber man nahm Gott einfach nicht ernst. Vielleicht hat man bei Hochzeiten und Beerdigungen den lieben Gott noch bemüht, aber im Übrigen kümmerte man sich nicht um ihn. Man trat alle seine Gebote mit Füßen. In Sodom wohnte ein frommer Mann namens Lot. Der hat ab und zu gesagt: »So kann man nicht mit Gott umgehen! Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Was der Mensch sät, das wird er ernten! « »Ach«, haben die Leute geantwortet, »mach doch keine Witze! Du bist doch kein Pastor! Hör doch auf, solchen Unsinn zu reden: ›Was der Mensch sät, das wird er ernten‹! « Und dann geschah es eines Tages im Morgengrauen – Gott hatte den Lot vorher herausgeholt aus der Stadt –, dass Gott vom Himmel Feuer und Schwefel auf die Städte regnen ließ. Wie das ist, haben wir im Bombenkrieg erlebt. Aber Gott kann das auch ohne Flugzeuge machen. Ich kann mir vorstellen, wie die Leute aus dem Bett gestürzt sind und gebrüllt haben: »In die Keller! «Man rennt in die Keller. Und dann wird’s glühend heiß im Keller – wie im Backofen. Man hält’s nicht mehr aus. Neue Parole: »Wir müssen raus! « Und dann stürzt man raus. Aber draußen regnet’s überall Feuer und Schwefel. Ratlose Menschen: Raus können sie nicht, und in den Kellern ersticken sie schier. So erzählt’s die Bibel. Und da habe ich mir vorgestellt – das schildert die Bibel nicht –, dass so ein Trupp Menschen beieinander ist: eine mondäne junge Frau – den lieben Gott hat sie bisher einen guten Mann sein lassen; ein älterer Herr – der jede Rotweinmarke am Geschmack erkennen konnte, er hatte auch nichts gegen den lieben Gott, aber der war ihm völlig gleichgültig. Solche Typen waren da in einem Keller beieinander: nette Menschen, ordentliche Leute, brave Staatsbürger, gute Steuerzahler. Alle hatten ihre dunklen Geheimnisse – wie jeder Mensch heute auch. Es wird immer heißer in dem Keller. Sie wollen hinaus, aber sie können nicht, denn ringsum wütet das Verderben. Und dann packt sie das Grauen. Da sagt der dicke Herr auf einmal: »Leute, der Lot hat recht gehabt: Gott lebt wirklich! « Und die mondäne junge Frau sagt: »Dann hilft nur noch eins: Man müsste jetzt beten! Wer kann denn beten? « Und dann erheben sich die Hände – im Altertum betete man mit erhobenen Händen –, die sich bisher nie erhoben haben. Auf einmal geht’s: »Herr, erbarme dich doch! Wir haben gesündigt. Wir haben dich verachtet! Aber hör doch auf! Du bist doch der liebe Gott, du bist doch gnädig! Herr, erbarme dich doch! « Und es bleibt still! Nur das Heulen und Knistern des Feuers ist zu hören. Dann sinken die Arme nieder, die ausgebreiteten Hände ballen sich zu Fäusten: »Gott, warum schweigst du?! « Und es bleibt still! Man hört nur das Brausen des Feuers. Sie dürfen jetzt beten oder fluchen – Gott antwortet nicht mehr!

Es gibt eine Grenze, die kann ein Mensch oder eine Stadt oder ein Volk überschreiten, eine Grenze der Gleichgültigkeit gegen den lebendigen Gott. Von da ab hört oder antwortet Gott nicht mehr. Da dürfen Sie dann beten oder fluchen – er antwortet nicht mehr. Verstehen Sie, dass dieses Schweigen über Sodom das grauenvollste Gericht Gottes war? Gott hatte ihnen nichts mehr zu sagen! Und wenn ich unser Vaterland ansehe in seiner völligen Gleichgültigkeit gegen Gottes Wahrheit, gegen Gottes Gebote und gegen Gottes Heil, dann packt mich oft das Grauen. Vielleicht erleben Sie es noch, dass Sie beten oder fluchen – und Gott hat nichts mehr zu sagen.

Es heißt einmal in der Bibel von Gott: »Ich habe euch gerufen – und ihr habt nicht geantwortet. « Warum schweigst du, Mensch, wenn Gott dich ruft?

Also: Das Schweigen Gottes ist schrecklichstes Gericht Gottes!

Das Dritte, was ich sagen möchte, ist dies:

3. Die weite Entfernung verhindert das Hören

Wenn wir das Gefühl haben, dass Gott schweigt, dann kann es sein, dass wir von ihm zu weit weg sind!
Neulich kommt ein junger Mann zu mir und sagt: »Pastor Busch, Sie machen mich nervös! Sie reden dauernd von Gott. Ich laufe Ihnen über den Weg – und schon fangen Sie wieder von Gott an. Ich höre Gott nicht, ich sehe Gott nicht. Wo redet er denn? Ich höre nichts! « Da habe ich geantwortet: »Junger Mann, kennen Sie die Geschichte vom verlorenen Sohn? « »So ungefähr!«, erklärte er. »›So ungefähr‹ ist gar nichts. Ich will sie Ihnen erzählen, eine Geschichte, die Jesus selbst erzählt hat. Da war ein reicher Gutsbesitzer, der hatte zwei Söhne. Einer war so ein bisschen leichtfertig. Dem war es zu eng zu Hause, zu muffelig. Ihm passte es einfach nicht. Eines Tages erklärt er seinem Vater: ›Alter, gib mir mein Erbe, zahl mir’s jetzt schon aus, ich möchte in die Welt! ‹ Der Vater gibt ihm das, und der Sohn zieht in die weite Welt. Einmal heißt es von ihm: ›Er brachte sein Gut um mit Prassen.‹ Sie können es sich vorstellen: Man kann sein Geld in Großstädten wunderbar loswerden. Und ausgerechnet da kommen eine Hungersnot und Arbeitslosigkeit. Er sackt hoffnungslos ab und landet schließlich als Schweinehirte bei den Schweinen. In Israel galten die Schweine als unrein. Für einen Israeliten war das Schlimmste, was ihm passieren konnte, Schweinehirte zu werden. Weil aber Hungerszeit herrschte, war er froh, ein bisschen aus den Trögen der Schweine klauen und essen zu können. Dort konnte er die Stimme des Vaters nicht mehr hören. Er war einfach zu weit weg von ihm. Der verlorene Sohn konnte sagen: ›Ich höre die Stimme des Vaters nicht.‹ Klar! Die hörte er natürlich nicht! « – Erlauben Sie mir, dass ich hier einen Einschub mache und mir die Geschichte ausdenke, wie sie nicht in der Bibel steht. Da sitzt der Weggelaufene bei seinen Schweinen. Er hat Kohldampf. Und da klagt er seinen Vater an: »Wie kann der es zulassen, dass es mir so dreckig geht! « So kommt mir die Welt von heute vor: Sie hat Gott verlassen, das Elend stürzt über sie herein – und sie schreit: »Wie kann Gott das alles zulassen?! Warum schweigt Gott?! « – Doch Jesus erzählt die Geschichte vom verlorenen Sohn anders: Es gibt eine Stunde in seinem Leben, in der er zu sich kommt: »Ich bin ja wahnsinnig! Bei meinem Vater gibt’s Brot in Fülle – und ich verderbe im Hunger. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: ›Vater, ich habe gesündigt.‹ « Und er macht sich auf und kehrt um! Sein Vater sieht ihn von ferne und läuft ihm entgegen. Der verlorene Sohn aber sprach zu ihm: »Vater, ich habe gesündigt! « Da nimmt ihn der Vater in die Arme und ruft: »Bringet das beste Kleid her und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße! « Auf einmal hört er die Stimme des Vaters. »Wenn Sie die Stimme Gottes nicht hören können, so sind Sie zu weit weg! Sie müssen umkehren, das wissen Sie ganz genau! «, sagte ich dem jungen Mann.

Menschen können sehr weit weg sein von Gott – sogar bis zu den Schweinen, bildlich gesprochen. Ich habe das in der Zeit größter Gottlosigkeit als Leutnant im Ersten Weltkrieg immer gewusst und gedacht: »Ich müsste eigentlich umkehren!« Und ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der nicht im Grunde gewusst hätte: »Ich müsste eigentlich umkehren! « Die selbstgerechteste Frau erklärt: »Ich bin in Ordnung! « Aber wenn ich länger mit ihr rede, sagt sie: »Ja, ich müsste eigentlich umkehren! Es ist viel Schuld in meinem Leben. Im Grunde ist mein Herz ganz versteinert! « Jeder von uns weiß: »Ich müsste eigentlich umkehren! « Warum tun Sie es nicht? Kehren Sie doch um! Dann hören Sie auch die Stimme des Vaters!

Ich muss einen weiteren Punkt sagen zu der Frage »Warum schweigt Gott?«:

4. Wir müssen Gottes letztes Wort hören!

Können Sie noch zuhören? Bin ich langweilig? Also, wenn’s langweilig ist, liegt’s an mir und nicht am Evangelium. Pfarrer können’s Evangelium langweilig machen, das kriegen sie hin! Aber dann lesen Sie die Bibel ohne uns. Das Evangelium ist atemberaubend – glauben Sie mir!
Was ich Ihnen jetzt sagen möchte, ist das Wichtigste: Wenn Sie das Gefühl haben, Gott schweigt, dann müssen Sie Gottes letztes Wort hören! Also – jetzt zitiere ich einen Satz der Bibel, der ist so lang, dass ich ihn eigentlich zweimal sagen müsste. Er steht im ersten Kapitel des Hebräerbriefs: »Nachdem Gott vorzeiten manchmal und auf mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten (durchMose und Jeremia zum Beispiel), hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch seinen Sohn. «Wissen Sie, wer der Sohn Gottes ist? Das ist Jesus!

Jesus! Da bin ich wieder beim Thema. Da schlägt mir’s Herz höher, wenn ich von Jesus reden kann. Dieser Jesus ist – so wird er einmal genannt – das menschgewordene Wort Gottes: »Das
Wort ward Mensch und wohnte unter uns. « Verstehen Sie: Wenn wir ein Wort sagen, dann ist es auch schon weg – wie ein Hauch. Gott hat ein Wort Fleisch werden lassen – in Jesus. Jesus ist Gottes letztes Wort!

Kennen Sie den Ausdruck »mein letztes Wort«? Also angenommen, ich wollte Ihnen eine Kuh verkaufen. Keine Angst, ich tu’s nicht! Ich hab keine Ahnung vom Kühe -Verkaufen. Aber angenommen, ich wollte Ihnen eine Kuh verkaufen. Was ist eine Kuh wert? Ich weißes nicht. Sagen wir: 1000,-Mark. Sie sagen: »300,- Mark gäbe ich dafür. Mehr nicht!« »Ich müsste aber eigentlich 1200,- Mark dafür haben! « erkläre ich. Dann bieten Sie 400,- Mark. Dann erwidere ich: »1100,- Mark muss ich haben! « Und dann handeln wir miteinander, bis ich erkläre: »Also: 800,- Mark ist mein letztes Wort! « Wenn ich jetzt kein Hampelmann bin, dann bleibt es dabei, und dann kommt danach nichts mehr. Jesus ist Gottes letztes Wort! Und wenn Sie den nicht aufnehmen, dann hat Ihnen Gott nichts mehr zu sagen. Verstehen Sie? Wenn die Menschen sich beschweren: »Gott redet nicht! Warum schweigt Gott? «, dann antworte ich: »Gott hat euch nichts mehr zu sagen, wenn ihr sein letztes Wort nicht annehmen wollt!« Sie müssen Jesus annehmen! Sie dürfen Jesus annehmen! Anders geht es nicht!

Ich treffe oft Leute, die mir sagen: »Ich glaube auch an den lieben Gott. Aber Jesus?« Hören Sie: Jesus ist das fleischgewordene, letzte Wort Gottes an uns! Was das bedeutet, muss ich Ihnen noch weiter erklären. Und dazu muss ich ein wenig von Jesus erzählen. Nichts tue ich lieber als das!

Da ist eine Menschenmenge um Jesus her. Und er spricht. Auf einmal gibt’s hinten eine Störung. Die Leute fangen an zu reden und zu laufen. Jesus unterbricht seine Rede: »Was ist denn los? « Es war etwas Furchtbares los: Ein Aussätziger war gekommen. Wissen Sie, was Aussatz ist? Da verfault der Mensch bei lebendigem Leibe. Grauenvoll ist das: der Eiter, der die Ohren, die Nase, die Lippen wegfrisst. Und dieser Aussatz ist so ansteckend, dass sogar der Atem ansteckt. Aussätzige mussten deshalb in der Wüste leben. Sie durften nicht unter Menschen kommen. Und da kommt solch ein Aussätziger in die Volksmenge! Er hat von Jesus gehört, und ihn treibt das große Verlangen: »Ich möchte den Heiland sehen! « So kommt er. Und der Mann bekommt vielleicht Platz! Die Leute weichen nur so zurück. Und dann brüllen sie: »Geh weg, du! Hau ab! « Sie ergreifen Steine und drohen. Aber er lässt sich nicht hindern. Ich kann mir das so gut vorstellen, wie mitten durch die Menge ein Weg frei wird, freigemacht von entsetzten Leuten. Und durch die entstandene Gasse geht er nach vorn – bis er vor Jesus steht. Nein, er steht nicht vor Jesus, er sinkt in den Staub vor ihm und weint dem Heiland sein ganzes Elend hin: »Mein Leben ist verkorkst, verdorben. Jesus, wenn du willst, kannst du mich rein machen. Hilf mir! « Ach, wissen Sie: Das zerstörte Menschenbild und der Heiland, der Sohn Gottes, müssen zusammenkommen! So muss es sein: Unser Elend muss vor Jesus kommen! Ach, ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr bisschen »Religion« über den Haufen werfen und Ihr Elend vor Jesus bringen. Und da liegt der Aussätzige vor Jesus: »So du willst, kannst du mich reinigen! « Und nun geschieht etwas, was ich unendlich schön finde. Ich könnte mir vorstellen, dass Jesus einen Schritt zurückträte vor diesem entsetzlich zerstörten Menschenbild und sagt: »Ja, gut. Steh auf! Sei gereinigt! « Aber nein, das tut er nicht. Jesus geht einen Schritt vor und legt seine Hände auf das kranke Haupt! Die Leute schreien vor Entsetzen: »Einen Aussätzigen fasst man doch nicht an! « Die Bibel berichtet: »Und Jesus rührte ihn an.« Kein Schmutz ist dem Heiland zu eklig! Kein Elend ist ihm zu groß! Er legt seine Hand darauf! Wenn ich der andere Wilhelm Busch wäre, der Zeichner, das wollte ich malen: die Jesushände auf dem zerstörten, halbverwesten Angesicht des Aussätzigen. Das ist Jesus, das Wunder der Zeiten! Und wenn jetzt ein Mensch hier ist, von dem keiner was wissen will, dann legt ihm Jesus die Hand auf und sagt: »Ich habe dich erlöst, du sollst mein sein! « Wenn jetzt einer da ist, den es quält, dass er aussätzig ist von Schmutz und Sünde, dann legt ihm Jesus die Hand auf und sagt: »Sei gereinigt! «

In Jesus kommt die ganze Liebe Gottes zu uns in unser Elend hinein, in unsere Sünde, in unseren Schmutz, in unsere Krankheit! Jesus ist das menschgewordene Wort Gottes! Und da sagen die Leute: »Warum schweigt Gott? « Hat Gott nicht deutlich und herrlich genug geredet? Ist das nicht gesprochen von Gott?!

Und dieser Jesus wird eines Tages auf ein Kreuz gelegt. Man schlägt ihm die Nägel durch Hände und Füße. Dann wird das Kreuz aufgerichtet. Um das Kreuz herum eine tobende Menge. Römische Kriegsknechte drängen die Menschen zurück. Kommen Sie, wir wollen uns zu dieser Menge schlagen, wir wollen auch unterm Kreuz stehen! Sehen Sie ihn an, den Mann von Golgatha! Das »Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn«, das »Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron«! Sehen Sie ihn an! Fragen Sie ihn: »Warum hängst du da? « Und er antwortet Ihnen: »Weil du Schuld hast vor Gott. Entweder bezahlst du sie in der Hölle – oder ich bezahle sie hier für dich. Einer muss bezahlen! Ich will’s für dich tun.

Nun glaube an mich! «
Als ich das als junger Mensch begriffen habe, meine Freunde: Da ist ja das Opferlamm, das der Welt Sünde trägt – auch meine, da trägt Jesus meine Schuld weg, da versöhnt er mich mit Gott, da zahlt er das Lösegeld, um mich für Gott zu erkaufen, da habe ich mein Herz unters Kreuz hingelegt und habe gesprochen: »Wem anders sollt ich mich ergeben, / O König, der am Kreuz verblich? / Hier opfr‘ ich dir mein Blut und Leben, / Mein ganzes Herz ergießet sich. «

Und dann wird Jesus in ein Felsengrab gelegt. Eine Felsenplatte wird davor gewälzt. Römische Soldaten halten die Wache. Und am frühen Morgen des dritten Tages wird es hell, als sei in der Nähe eine Atombombe explodiert, so hell, dass die Kriegsknechte – und das waren Kerle, keine hysterischen Jungfern – in Ohnmacht fallen. Und das Letzte, was sie sehen, ist, wie dieser Jesus glorreich aus der Grabeshöhle herauskommt!

Ich erzähle Ihnen keine Märchen. Ich spreche zu Ihnen, weil ich weiß, dass dieser Jesus von den Toten auferstanden ist. Dieser Jesus, der für Sie gestorben ist, lebt! Es ist keiner da, für den Jesus nicht gestorben ist. Und dieser Jesus lebt. Und er ruft Sie – als Gottes letztes Wort! Und es ist die entscheidende Frage Ihres Lebens, ob Sie ihn aufnehmen!

»Warum schweigt Gott?« Gott schweigt ja gar nicht, meine Freunde. Er redet ja. Sein Wort heißt: »Jesus!« Und das heißt: Liebe, Gnade, Erbarmen!

Ich habe in meinem Leben schreckliche Stunden durchgemacht – in Nazi-Gefängnissen und im Bombenkrieg. Ich erinnere mich einer der schrecklichsten Stunden. Mir blieb der Schreckensschrei im Halse stecken, als ich – es war während des Bombenkrieges – auf einen Hof geführt wurde. Um mich her lagen etwa 80 Leichen, die man am Tage aus einem verschütteten Bunker gebuddelt hatte. Gewiss, ich hatte ähnlich schreckliche Bilder auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges gesehen. Aber – dies war noch viel furchtbarer. Hier lagen nicht Soldaten. Hier lagen alte Männer, abgearbeitete Frauen und – Kinder; Kinderchen, deren mageren Körperchen man den langen Krieg ansah. Kinder!! Was hatten die mit diesem wahnsinnigen Krieg zu tun!? Und als ich da zwischen diesen vielen Leichen stand – allein in dem Grauen, allein in der Totenstille –, da habe ich in meinem Herzen geschrieen: »O Gott, wo bist du denn? Warum schweigst du so? « Und dann stand vor meiner Seele auf einmal das Wort der Bibel: »So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab.« Gott selber musste dieses Wort in meine Verzweiflung hineingerufen haben. Und auf einmal stand das Kreuz von Golgatha vor mir, an dem Gott seinen Sohn verbluten lässt – für uns!

Ich verstehe Gott nicht. Ich verstehe nicht, warum Gott so vieles zulässt. Aber es gibt ein Fanal, ein Zeichen, ein Denkmal, einen Leuchtturm seiner Liebe. Das ist das Kreuz Jesu. »Er hat seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle hingegeben. Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken! « So sagt der Apostel Paulus. Und so ist es: Wenn ich unter dem Kreuz Jesu Frieden mit Gott finde, dann habe ich keine weiteren Fragen mehr.

Als meine Kinder klein waren, da haben sie nicht alles begriffen, was ich gemacht habe, aber sie haben vertraut: »Der Vater wird das schon richtig machen! «Wenn ich unter dem Kreuze Jesu Frieden mit Gott finde, ein Kind Gottes bin, dann kann ich dem himmlischen Vater auch vertrauen: Er macht alles richtig. Da habe ich gar keine Fragen mehr. Es kommt alles darauf an, dass Sie dieses letzte Wort Gottes – Jesus – annehmen und aufnehmen!

Können Sie mir noch fünf Minuten zuhören? Ich muss nun noch etwas sagen, was ganz wichtig ist:

5. Das Schweigen Gottes kann zum Ruf werden

Sehen Sie: Man kann stundenlang darüber diskutieren, warum Gott dies oder jenes zulässt, aber die Frage wird doch immer erst richtig aktuell und akut, wenn’s einen selber trifft. Finden Sie nicht? In allen schrecklichen Dunkelheiten meines Lebens habe ich immer nur durchgefunden vom Kreuze Jesu her.

Neulich sagte mir ein junges Mädchen ganz verzweifelt: »Ich kann nicht mehr weiterleben!« Ich weiß nicht, in welcher Lage Sie sind, aber für die Dunkelheiten Ihres Lebens möchte ich Ihnen sagen: Es kommt nicht darauf an, dass wir fragen: »Warum? Warum? Warum? «, sondern wir müssen fragen: »Wozu? « Dazu möchte ich Ihnen zum Schluss noch eine Geschichte erzählen.

Als ich vor einigen Jahrzehnten Pfarrer in einem Bergarbeiter-Bezirk wurde, ging es da schrecklich zu. Eines Tages hörte ich von einem Arbeiter, der auf der Zeche unter Tage verunglückt war. Ein Stein war ihm ins Kreuz gefallen. Und nun war er querschnittsgelähmt, ohne jede Hoffnung auf Besserung. Schrecklich! Nun, ich besuchte ihn, aber dieser Besuch war fürchterlich, ja, es war der fürchterlichste Besuch, den ich je erlebt habe. Die Bude war voll mit Kumpels. Die Schnapsflaschen standen auf dem Tisch. Der Gelähmte saß in seinem Rollstuhl. Als ich reinkomme, hebt ein lautes Gebrüll an: »Du schwarze Drossel, bleib draußen! Wo war denn dein Gott, als der Stein mir ins Kreuz fiel? Warum schweigt Gott denn? « Und dann kamen die Flüche. Es war so wie die Hölle. Ich konnte kein Wort sagen und ging raus. Ich hatte ein paar Freunde unter den Bergleuten meines Bezirks, denen erzählte ich am nächsten Abend im »Männerkreis« von meinem Besuch. Und eine Woche später, als ich gerade den »Männerkreis« beginnen wollte, ging polternd die Tür auf und – der Rollstuhl mit dem querschnittsgelähmten Mann wurde hereingeschoben. Die Freunde unter den Bergleuten hatten ihn einfach abgeholt und in unseren »Männerkreis « mitgebracht. Ich weiß gar nicht, ob sie ihn viel gefragt haben, aber wahrscheinlich nicht. So saß er also vor mir. Und dann sprach ich über das Wort: »So sehr hat Gott die Welt geliebt « – nicht dass er es uns gut gehen lässt, sondern »dass er seinen Sohn gab. « Ich sprach von Jesus, dem letzten Wort Gottes, das wir hören müssen, und fuhr fort: »… auf dass alle, die an Jesus glauben, nicht verloren werden. « Und der Mann hörte zu! Zum ersten Mal hörte er so von Jesus! Auf einmal sah er Licht. Ich will’s kurz machen: Ein Vierteljahr später war er ein Eigentum dieses Herrn Jesus geworden. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie alles neu wurde. Seine Wohnung kam in Ordnung. Wo man früher nur Fluchen hörte, da erklangen nun Jesus-Lieder. Die alten Freunde blieben weg, dafür kamen neue. Die Schnapsflaschen verschwanden, dafür lag die Bibel auf dem Tisch. Frau und Kinder lebten auf. Kurz vor seinem Tode besuchte ich ihn noch einmal. Es ist mir unvergesslich. Er hatte so einen netten Namen: »Amsel«. Er wird’s mir nicht übelnehmen, dass ich sogar seinen Namen nenne, er ist jetzt in der Ewigkeit.

»Amsel«, frage ich, »wie geht’s?» »Ach«, sagt er, »seitdem mein Leben Jesus gehört, seitdem ich Vergebung meiner Sünden habe, seitdem ich ein Kind Gottes bin, da ist in meinem Hause« – er überlegte einen Augenblick, dann fuhr er fort – »jeder Tag wie der Tag vor Weihnachten.« Das ist doch schön ausgedrückt von so einem Bergmann, nicht? Und dann kam das, was ich nie vergesse. Da sagte er: »Busch! Ich sterbe bald, ich spüre das. «Wir sagten »du« zueinander, weil wir so gute Freunde geworden waren. »Und dann gehe ich durch das Tor und stehe vor Gott. Es ist mir ganz klar: Mit dem Tod ist nichts aus. Und wenn ich dann in der Ewigkeit vor dem Thron Gottes stehe, dann will ich vor ihm niederfallen und will ihm danken, dass er mir die Wirbelsäule gebrochen hat. « »Amsel«, unterbreche ich ihn erschreckt, »was erklärst du da! « Und da antwortet er:

»Ich weiß, was ich sage. Sieh, wenn das nicht gekommen wäre, wenn Gott mich so gottlos hätte weiterlaufen lassen, dann wäre ich schnurstracks in die Hölle gelaufen, in die ewige Verdammnis.
Da musste Gott in seiner rettenden Liebe so hart eingreifen und mir die Wirbelsäule zerbrechen, damit ich zu seinem Sohn, zu Jesus, finden konnte. Durch Jesus wurde ich ein fröhliches Kind Gottes. Und darum will ich ihm dafür danken! «

Und dann kam der Satz, der sich mir unauslöschlich eingeprägt hat: »Es ist besser, gelähmt Jesus zu gehören und ein Kind Gottes zu sein, als mit zwei gesunden Beinen in die Hölle zu springen! « Das vergesse ich nie, wie der Mann das sagte: »Es ist besser, gelähmt Jesus zu gehören und ein Kind Gottes zu sein, als mit zwei gesunden Beinen in die Hölle zu springen! « Da habe ich erwidert: »Mein lieber Amsel! Siehst du: Gott hat dir schrecklich Schweres geschickt. Im Anfang hast du gehadert: ›Wo war denn Gott? Warum schweigt Gott? ‹ Und jetzt hast du begriffen, wozu Gott das geschickt hat: Er hat dich zu Jesus ziehen wollen, damit Jesus dich zu ihm ziehen konnte! «

Sehen Sie: Wir sollten nicht fragen »Warum? «, sondern vielmehr »Wozu?« Und dazu möchte ich Ihnen sagen: Ich glaube, alles Schwere in unserem Leben ist dazu da, dass Gott uns durch Jesus zu sich selber ziehen kann! Ich singe so gern den Liedvers: »Zieh mich, o Vater, zu dem Sohne, / Damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir; / Dein Geist in meinem Herzen wohne / Und meine Sinne und Verstand regier, / Dass ich den Frieden Gottes schmeck und fühl / Und dir darob im Herzen sing und spiel. « Ich wünschte, Sie sängen ihn betend mit!

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419. Jesus – das Ende aller Religion

Dienstag, 11. November 2014 | Autor:

Lieber Blogbesucher,

der Titel dieses Buches hat mich sofort angesprochen, weil ich auch in vielen meiner Beiträge die Aussage gemacht habe: „Jesus Christus ist das Ende aller Religionen“.

Auch wenn ich mir bei einigen der Aussagen von Urs Naegeli bisher noch keine endgültige Meinung bilden konnte, möchte ich diesen Beitrag doch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Jeder soll und muss sich selbst prüfen, d.h. für mich den Heiligen Geist zu fragen.

M.T.

 

 

 

 

„Religion ist fromm organisiertes Verbrechen!“

Gekürzte und leicht veränderte Wiedergabe des Youtube-Videos zum aktuellen Buch „Jesus – das Ende aller Religion“.

Das Buch „Jesus – das Ende aller Religion“ ist ein Werk, das in religiösen Kreisen durchaus Staub aufwirbeln wird. Dies ist vom Autor auch so beabsichtigt. Urs-Heinz Naegeli, welche Fragen beantworten Sie in Ihrem neuen Buch?
Sagen wir es mal so: Ich beantworte nicht die Fragen der Besserwisser. Wenn jemand also meint, dass er alles weiss und gar keine Glaubensfragen mehr hat, dann ist er bei mir an der falschen Adresse. Ich erinnere da an das Zitat von Jesus, der gesagt hat, dass nicht die Gesunden den Arzt brauchen, sondern die Kranken. Wenn also Leute religiös krank sind, wenn sie merken, diese Religion – gerade auch die christliche – besteht nur noch aus Vorschriften, dann bin ich die richtige Ansprechadresse.

Welche Reaktionen rund um Ihr neuestes Buch würden Sie am meisten erfreuen?
Am meisten würde mich freuen, wenn verschiedene Christen sagen würden: „Das ist es. Auf diese befreiende Botschaft habe ich schon lange gewartet. Jetzt gibt es für mich nichts Wichtigeres mehr als nur Jesus allein.“ Eine der grössten Freuden wäre für mich deshalb, wenn einzelne Christen ganz neu zu Jesus vordringen würden. Eine ganz andere Form der Freude hätte ich dann, wenn mein Buch da und dort Verunsicherung, Entsetzen und heftige Reaktionen auslösen würde. Ich glaube nämlich, dass eine Botschaft nur dann eine gute ist, wenn sie Entsetzen und Kontroversen in einer breiten Bevölkerungsschicht auslöst. Auch bei den Worten, die Jesus predigte, entsetzten sich die Zuhörer oft. Die in unseren heutigen frommen Kreisen oftmals vorhandene Gleichgültigkeit blieb bei ihm somit aussen vor. Seine Worte bewegten immer etwas und führten jeweils zu heissen Diskussionen.

Der Untertitel Ihres Buches lautet:

„Das Ende der frommen Machthaber kommt. Ganz bestimmt.“ Was ist darunter zu verstehen?
Die Evangeliumsbotschaft wurde bis jetzt noch gar nie oder nur ganz selten richtig gepredigt. Was wir in den letzten 2.000 Jahren verkündet und ausgelebt haben, das war vor allem christliche Religion. Aber die Zeit wird kommen, so hat es auch Jesus vorausgesagt, in der das Evangelium noch in Vollmacht verkündigt wird. Und zwar unmittelbar vor dem Ende. So hat er es in seiner Endzeitrede gesagt. Ich glaube, dass all das, was wir bis heute gemacht haben, nur begrenzt etwas mit derjenigen Evangeliumsverkündigung zu tun hat, so wie sie Jesus gerne gesehen hätte.

Wollen Sie damit sagen, dass wir uns seit 2.000 Jahren in die falsche Richtung bewegen?
Das ist so. Das Christentum ist zur reinen Farce geworden. Alles wurde zu einer starren und festen Struktur. Doch das war niemals das, was Jesus wollte. Wenn Sie behaupten, dass die echte Evangeliumslehre noch nicht verkündigt wurde, so lehnen Sie sich ja weit aus dem Fenster.

Was genau ist denn die richtige Botschaft?
Das ist diejenige, bei der nicht die einzelnen Menschen im Zentrum stehen, sondern nur Jesus allein. Sie sagen, dass wir die religiöse Form der Gemeinschaft, so wie sie heute ausgelebt wird, gar nicht brauchen. Die heutigen religiösen Kirchen und Gemeinschaften sind schlichtweg ein fromm organisiertes Verbrechen. Jesus hat nirgends gesagt, dass wir solche Zusammenkünfte, wie wir sie heute haben, brauchen. Vielmehr lehrte er, dass dort, wo zwei oder drei Menschen – also nicht zweihundert oder dreihundert – in seinem Namen versammelt sind, er mitten unter ihnen ist. Doch dazu brauchen wir weder Päpste noch Bischöfe, auch keine Kardinäle oder Pfarrherren. Wir brauchen auch keine bestimmte Struktur, innerhalb der wir unseren Glauben auszuleben haben. Der Glaube an Jesus hat mit starren Regeln rein gar nichts zu tun.

In einem Zwischentitel Ihres Buches schreiben Sie, dass Gott nie christliche Kirchen wollte. Beziehen Sie sich bei dieser Aussage auf die Überorganisation?
Wir Nachfolger Jesu sollten uns nicht durch die Kirchen, sondern durch den Heiligen Geist leiten lassen. Dieser weht gemäss Jesus jedoch wo er will und – ich würde sagen – auch wie er will. Und der Geist Gottes weist uns immer wieder auf Jesus und seine Worte hin, niemals jedoch auf religiöse Führer, auf Pfarrherren oder Theologen und deren Lehren. So soll denn auch Jesus und nicht unsere Kirche, unsere Gemeinde, eine Veranstaltung, ein Programm oder eine bestimmte Form der Theologie im Mittelpunkt stehen.

Sie kritisieren ganz scharf auch die Kanonisierung, also die Auswahl der heute in unserem Neuen Testament enthaltenen 27 Bücher. Ich bin froh darüber, dass vier von diesen 27 neutestamentlichen Büchern, nämlich die vier Evangelien, tatsächlich niedergeschrieben wurden. Gegen die Originalton-Worte von Jesus habe ich rein gar nichts einzuwenden. Was wir aber überhaupt nicht brauchen, was absolut unnötig ist und auch nirgends vorausgesagt wurde, das sind die weiteren Texte von Paulus, von Petrus, Jakobus oder anderen neutestamentlichen Autoren.

Aber dieser Inhalt füllt ja landauf und landab Tausende von Predigten. Sehen Sie darin die Gefahr, dass am Ziel vorbeigeschossen wird?
Genau. So schreibt Paulus zum Beispiel seine Briefe an bestimmte Gemeinden. Und hier kommt denn auch bereits wieder ein ziemlich strukturiertes Gedankengut vor. Die Kanonisierung der Lehrbriefe eines Paulus führte letztendlich dazu, dass die Christen selbst rund 2.000 Jahre später mehr schriftgeleitet, statt eben geistgeleitet sind. Das Problem ist nun, dass die Bibel, so wie wir sie heute vorliegen haben, weder von Jesus noch von alttestamentlichen Propheten je vorausgesagt wurde. Es steht auch nirgends geschrieben, dass wir künftig mal ein Buch hätten, welches uns in die Wahrheit leiten würde. Diese Aufgabe steht vielmehr dem Heiligen Geist zu. Und dieser wiederum weist immer auf Jesus Christus allein hin, der gesagt hat: „Meine Worte werden nie vergehen.“ Es sind nicht die Worte von Paulus oder anderen neutestamentlichen Schreibern, die ewigen Bestand haben, sondern nur diejenigen von Jesus allein.

Sagen Sie damit auch, dass wenn wir eine gewisse Abhängigkeit von den Worten der Bibel bräuchten, dass dies uns dann durch die Propheten oder zumindest durch Jesus selbst vorausgesagt worden wäre?
Richtig. Jesus hat alles vorausgesagt. Er sagte zu seinen Jüngern, dass er sie bezüglich der kommenden Dinge nicht im Unklaren lassen will. Sie sollten wissen, was geschehen wird. Und deshalb wurde auch alles, was nur irgendwie von Bedeutung war, vorausgesagt. Diesen Charakterzug Gottes finden wir nicht nur bei Jesus, sondern bereits auch schon im Alten Testament, wo es heisst, dass Gott nichts tut, ohne dies zuvor seinen Propheten zu offenbaren. Wir haben also unzählige Aussagen über Jesus, seine Wichtigkeit und Bedeutung für uns. Es gibt jedoch keine einzige Prophetie, die darauf hinauszielt, dass sich die Nachfolger Jesu irgendwann mal nach einem Buch namens Bibel zu richten hätten. Die ganze Kanonisierung ist somit ein reines Menschenwerk und stand nie in der Absicht Gottes.

Sie gehen noch einen Schritt weiter und schreiben, dass Jesus sogar jede Form von Religiosität verurteilt. Aber war er nicht selbst auch religiös?
Auf keinen Fall. Wenn einer absolut nicht religiös war, dann er. Er verurteilte jede Form der Religiosität. Das kann man ganz gut an seinem Umgang mit den damaligen Schriftgelehrten und Pharisäern erkennen.

Lehnen Sie sich auch deshalb so gegen jegliche Art von Religion auf?
Wenn ich persönlich Jesus liebe und dabei eine gute, eine christuszentrierte Botschaft weitergeben will, dann bleibt mir gar nichts anderes übrig, als mich gegen alles Religiöse, gegen die starren Formen und die rein menschliche Machbarkeit aufzulehnen. Denn Jesus sagte, dass wir ohne ihn nichts tun, nichts Entscheidendes bewirken können. Bei dem Spiel, das heute jedoch gespielt wird, da bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob diejenigen Leute, die da meinen, sie seien in alle Ewigkeit hinein gerettet, ob die das wirklich sind.

Was soll man Ihrer Ansicht nach tun, damit man der Wahrheit näher kommt?
Das Geheimnis wird dort gelüftet, wo wir den Mut aufbringen zu verlieren, zu sterben. Wir müssen den eigenen Vorstellungen, nach denen wir bisher geglaubt und gehandelt haben, gänzlich absterben. Es geht um ein Verlustgeschäft. So hat es primär auch Jesus gepredigt. Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und völlig abstirbt, so wird es keine Frucht bringen können. Wer sein Leben für sich selbst, für seine eigenen Vorstellungen verliert, der wird es gemäss Jesus auch verlieren; wer aber dazu bereit ist, sich neu oder auch erstmalig auf das auszurichten und nach dem zu handeln, was Jesus lehrte, der wird das Leben finden.

Welche Christen dürfen sich Ihrer Ansicht nach ihres ewigen Heils sicher sein?
Diesbezüglich möchte ich darauf hinweisen, dass Jesus unter anderem auch über den breiten und den schmalen Weg lehrte. Doch zu wem sprach er diese Worte? Es handelte sich dabei um Menschen, die bereits an ihn glaubten und die ihm nachfolgten. Diese Warnung betreffs dem breiten Weg war somit ganz klar an Gläubige gerichtet. Und zu solchen sagte Jesus, dass sie aufpassen müssen, dass sie nicht auf diesem Weg bleiben. Vielmehr sollen sie diesen nun verlassen und auf dem schmalen Weg gehen. Es ist also durchaus nicht so, wie fälschlicherweise immer wieder gelehrt wurde, dass es sich beim breiten Weg um die böse Welt, um die Ungläubigen handeln würde. Wenn wir also auch hier den Worten von Jesus Glauben schenken, so müssen wir festhalten, dass sich die meisten gläubigen Christen auf dem breiten Weg befinden. Wenn man dies ganz klar im Zusammenhang liest, so müssen wir festhalten, dass die meisten Christen sich somit auf dem direkten Weg in die ewige Verdammnis befinden. Es ist der schmale Weg, der zum ewigen Leben führt. Wir müssen deshalb den breiten Weg der christlichen Religion verlassen.

Gibt es noch etwas, was Sie zum Schluss dieses Interviews weitergeben möchten?
Gerne. Wir sind als Nachfolger von Jesus nur so stark von ihm infiltriert, wie wir ihn ins Zentrum unserer Gedanken und unserer Verkündigung rücken. Wir gehören dann zu den wahren Verkündigern, wenn wir nicht mehr irgendeine Theologie oder die religiösen Machbarkeiten verkündigen, sondern einzig und alleine nur noch auf ihn, auf Jesus Christus hinweisen.

Die Fragen stellte Philip Keller, morgenluft.ch, CH-7430 Thusis.

Foto Montage Agentur PJI Integration-Z1.

Leseprobe aus
„Jesus –das Ende aller Religion“
von Urs-Heinz Naegeli
Die größte Geldverschwendung, welche diese Welt je erlebt hat, betrifft die kirchlichen Gebäude und Einrichtungen. Noch nie wurde seit Menschengedenken so sinnlos viel Geld für etwas ausgegeben, wases gar nicht braucht. Das sind alles in allem riesengroße Summen, die da Jahr für Jahr verschlungen werden. Und dies, obwohl in der Regel diese Häuser nur während wenigen Stunden in der Woche benutzt werden. Würde man all dieses Geld, welches zum Erbauen wie auch zum Unterhalt eingesetzt wird, fürdie Armen und Benachteiligten in dieser Welt einsetzen, so müsste niemand mehr hungern. Zudem würden die Christen –auch ohne missionieren oder evangelisieren zu müssen – dadurch in der Gesellschaft viel glaubwürdiger sein.
Falls Sie nun denken, dass dieser Gedanke abwegig oder gar nicht umsetzbar ist, so muss ich dem klar widersprechen. Denn etliche der ersten Christen lebten genau danach. Diese bauten nämlich alles andere als teure Kirchen und Versammlungslokale. Vielmehr trafen sie sich entweder in bereits bestehenden Einrichtungen oder auch in den Privathäusern(1) der einzelnen Gläubigen. Und sie teilten auch alles untereinander. Diejenigen, die Überfluss hatten, gaben von diesem an diejenigen weiter, welche deutlich weniger besaßen(2). Die Folge davon war, dass das Evangelium sich schnell verbreitete und Gott täglich bewirken konnte, dass noch mehr Menschen den Glauben an Christus annahmen(3).
Das Erbauen von Kirchen und Gemeindegebäuden ist ganz klar etwas, was nicht Gottes Willen entspricht. Wenn wir aber trotzdem meinen, dass wir diese unnötigen Kosten und somit die Lasten rund um die von uns selbst erbauten Häuser mit uns herumschleppen müssen – warum hat Gott uns dann nicht zur Schnecke gemacht?! Diese Geschöpfe sind es ja, welche die Lasten ihrer Häuser zu tragen haben.
Wenn man bedenkt, dass Jesus selbst mittellos war und somit weder ein eigenes Haus besaß noch einen Platz hatte, wo er hätte zur Ruhe kommen können, so ist diese enorme Geldverschleuderung wirklich äußerst fragwürdig. „Die Füchse haben Gruben und die Vögel haben ihre Nester; der Menschen Sohn aber hat keinen Platz, wo er seinen Kopf hinlegen kann“,(4) sagte er über sich selbst. Wie können wir aufgrund dieser Tatsache es überhaupt verantworten, unser Geld in leichtfertiger Weise für so sinnlose und teure Gebäude auszugeben?!
Jesus hielt rein gar nichts davon, dass Menschen den Glauben in solchen strukturellen Gefäßen auslebten oder in solche einzupressen versuchten. Innerhalb derjenigen organischen Gemeinde, die Christus sich wünscht, geht man denn auch nicht in die Kirche oder in die Gemeinde, sondern man ist Gemeinde. Die neue Gemeinde, die sich Gott für uns Menschen erdacht hatte, war keineswegs mehr etwas, was menschliche Baupläne erforderte. Eine Begebenheit, die dies mit aller Klarheit deutlich macht, und der ich mich hier mal ein wenig detaillierter widme, ist die Erscheinung, als Christus sich dreien seiner Jünger als der Herr des Königreiches Gottes offenbarte.
So nahm Jesus eines Tages Petrus, Jakobus und Johannes zu sich und führte sie auf einen hohen Berg, ganz allein. Dort wurde er vor ihren Augen verwandelt. Seine Kleider wurden dabei leuchtend weiß, wie sie kein Färber auf Erden so weiß machen kann. Daraufhin erschienen ihnen Elia mit Mose zusammen, und sie redeten mit Jesus: „Meister, es ist schön, dass wir hier sind“, sagte Petrus zu Jesus.„Wir wollen drei Hütten bauen: dir eine, Mose eine und Elia eine.“ Doch noch während er redete, kam plötzlich eine leuchtend helle Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke heraus sprach eine Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn! Hört auf ihn!“ Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: „Steht auf, und fürchtet euch nicht!“ Und als sie wieder aufsahen, sahen sie niemand mehr bei sich als Jesus allein(5).
Die meisten Ausleger sehen hinter dieser Begebenheit einfach ‚nur’ ein Sichtbarmachen des Königreiches Gottes. Doch es verbirgt sich dahinter ein noch viel tieferes Geheimnis, eine Wahrheit, die wir nicht einfach ignorieren können. Gott selbst lässt hier seine Stimme ertönen und stellt sich zu seinem Sohn. Er fordert uns auf, den Worten Jesu zu gehorchen und nur auf ihn zu hören. Das ganz Spezielle, welches von kaum einem Ausleger erwähnt wird, ist nun aber die Tatsache, dass das menschliche Blickfeld sich nicht auf den Bau der Hütten zu richten hat, sondern eben nur auf Jesus allein Bezug nehmen soll.
Aufgrund eines durchaus geistlichen Erlebnisses wollte Petrus aus einem absolut fleischlichen Wunsch heraus gleich drei Hütten bauen lassen. Nebst derjenigen von Jesus hätte, wenn es nach ihm ginge, durchaus auch noch für Elia und Mose je eine solche gebaut werden können. Doch Gott unterbrach dieses Gerede von Petrus abrupt durch sein Erscheinen. Zudem war nun endgültig auch der Zeitpunkt gekommen, nicht nur diesem besserwisserischen Jünger Einhalt zu gebieten, sondern gleichzeitig auch Elia und Mose aus dem bisherigen religiösen Programm herauszunehmen. Diejenigen geistlichen Führer, die über Jahrhunderte in Israel maßgebend waren, wurden zum Schluss gar nicht mehr wahrgenommen, denn die drei Jünger „sahen nur noch Jesus allein“. Wozu also sollte man auf diesem hohen Berg drei Hütten bauen? Und dies jetzt, wo doch die Zeit gekommen war, in der man „weder auf dem, noch auf einem anderen Berg anbetet“, sondern Gott, der Herr, vielmehr „im Geist und in der Wahrheit“ angebetet wird?(6)
Eine ebenfalls weitere Wahrheit, die viele Ausleger gar nicht lehren, ist die Tatsache, dass es überhaupt nicht mehr um das Bauen von Hütten geht. Wir brauchen somit unsere Kirchen, unsere Gemeindegebäude, weder für Jesus noch für Elia oder Mose aufzustellen. Denn Gott wohnt gar nicht in Gebäuden, die von Menschenhänden angefertigt sind.(7) Dies ist denn auch der Grund dafür, weshalb das Reich Gottes nicht durch menschliche Regentschaft kommt. Vielmehr ist es bereits mitten unter uns und vor allem in uns.(8) Auch der Vorhang, der innerhalb des damaligen Tempels den Blick ins Allerheiligste versperrte, wurde zerrissen.(9) Der Weg zu Gott ist nun frei(10) und wir haben durch Jesus Christus jetzt endgültig Zugang, um selbst in das Allerheiligste gelangen zu können.(11) Rund um dieses Ereignis ist nun auch definitiv das Ende der bisherigen Strukturgläubigkeit eingeläutet worden.
Die Botschaft, die Jesus verkündete, war eine Frohbotschaft. Ab sofort sollten wir – als von sämtlichen religiösen Gesetzen befreite Menschen – an Gott und an seinen Sohn glauben. Es ging um weit mehr als um die Befreiung von der damaligen römischen Knechtschaft. Es ging vielmehr um die Befreiung von der Gesetzlichkeit, wie sie damals praktiziert wurde. Das Allerheiligste, das Beste, das Schönste, sollte nun für jedermann einsehbar und zugänglich sein. Es macht deshalb dort, wo wir dies begriffen haben, nur wenig Sinn, wieder neue Gebäude und Strukturen ins Leben zu rufen und die Leute von neuem von religiösen Systemen abhängig zu machen. Denn das Zeitalter der Religion, wo man bestimmte Gesetze befolgen musste, um vor Gott als  gerecht zu gelten, ist nun endgültig vorbei.
All diese Wahrheiten hatten überhaupt nichts mehr mit den religiösen Vorschriften zu tun, nach denen die Menschen bislang lebten. Deshalb verwundert es auch nicht, dass gerade die Pharisäer und die Schriftgelehrten, die ihre Glaubenssicherheiten durch das Einhalten der bisherigen Regeln zu erhalten versuchten, sich gegen „diese neue Lehre“(12) von Jesus auflehnten. Für die damaligen religiösen Menschen war es fast zum Verzweifeln, weil sie die Sache nicht mehr im Griff hatten. Doch ein noch viel größeres Problem bestand darin, dass Jesus ihnen gegenüber Dinge aussprach, die mehr der Wahrheit entsprachen, als sie es sich eingestehen wollten. Sie wussten einfach nicht mehr weiter. Und schließlich gab es nur noch den einen „Ausweg“: Jesus musste von der Bildfläche verschwinden.

© 2014 by uhn.ch, CH-7220 Schiers

1 Apostelgeschichte 2,46; 5,42.
2 Apostelgeschichte 2,44.
3 Apostelgeschichte 2,47.
4 Lukas 9,58.
5 Markus 9,2-8; Matthäus 17,1-8.
6 Johannes 4,23-24.
7 Jesaja 66,1-2; Apostelgeschichte 7,48-51.
8 Lukas 17,20-22.
9 Matthäus 27,51.
10 Epheser 2,18; 3,12.
11 Hebräer 10,19-24.
12 Markus 1,27

Der Autor Urs Heinz Naegeli

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Thema: "Christliche", Buch Betrachtungen | Ein Kommentar

415. JESUS ALLEIN

Donnerstag, 16. Oktober 2014 | Autor:

Gemälde von Michael Willfort

Lieber Blogbesucher,

vor vielen Jahren kaufte ich mir einmal das Büchlein „JESUS ALLEIN“ vom Christlichen Verlagshaus Stuttgart. Der Autor Karl Layer hat in diesen Büchlein die wichtigen Fakten zu diesen Thema so gut und klar heraus gestellt, dass ich es mit viel Gewinn mehrmals gelesen habe.

In den letzten zwei Jahren bin ich dann immer wieder auf dieses Thema gestoßen und deshalb habe ich mich bemüht die Genehmigung für die Veröffentlichung hier in diesen Blog zu erhalten. Nach längerer Recherche bin ich jetzt im Oktober 2014 fündig geworden. Herr Karl Layer hat mir die Genehmigung für die Veröffentlichung mit Freude erteilt. Hier will ich mich noch einmal ganz herzlich für die Freundlichkeit und Genehmigung bedanken.

Gemälde von Michael Willfort

Vorwort

Ist Allah, der arabische Name für Gott, derselbe wie der Gott, der sich uns in der Bibel vorstellt? Müssen wir Christen endlich den Absolutheitsanspruch aufgeben, den wir den anderen Religionen gegenüber vertreten? Ist es nicht geboten, die anstehenden Weltprobleme in einer Weltgemeinschaft aller Religionen anzupacken, weil es – wie der vorstehende Leserbrief deutlich machen will – „keinen Weltfrieden ohne Religionsfrieden“ geben könne? Ist Mission alten Stils nicht längst überholt? Können wir nicht dem stattgeben, dass jeder nach seiner Fasson selig werden soll? Hat sich Christus getäuscht, als er behauptete, dass niemand zum Vater kommt ohne ihn? Und haben sich die Apostel getäuscht, als sie folgerichtig verkündigten: „Es ist in keinem anderen Heil“?

Ich habe Frage auf Frage getürmt, weil ich der Meinung bin, dass hier ein brennendes und lebenswichtiges Problem vorliegt. Der Frageturm ließe sich noch erhöhen: Ist die Forderung nach Toleranz der Ausweg? Für die einen scheint Toleranz tatsächlich das Schlüsselwort für die Problemlösung zu sein, für die anderen ist es ein Reizwort. Können Christen tolerant sein? Wenn ja, dann stellt sich die Frage, wo und wieweit? Der Titel dieses Heftes ist eine Behauptung: Jesus allein! Ich versuche nachzuweisen, dass diese berechtigt ist. Zweifler möchte ich herzlich einladen, sich auf das Abenteuer meiner „Beweisführung“ einzulassen. Natürlich kann ich keinen Beweis im mathematischen Sinn liefern. Aber wer gutwillig ist, kann meine Gründe nachprüfen. Ob er sich dadurch überzeugen lässt, steht auf einem andern Blatt. Er müsste bereit sein, sich auf Christus einzulassen, und dazu ist eine persönliche Entscheidung nötig. Zu einer solchen Entscheidung für

Christus lade ich recht herzlich ein!

Es ist mir ein Anliegen, allen, die bereits christusentschieden leben, ihr Glaubensfundament „Jesus allein“ kräftig zu festigen und für das Gespräch mit Andersdenkenden und Andersglaubenden Handreichung zu bieten. Es ist nötig, dass wir als Christen einen festen Standpunkt haben, ohne fanatisch zu sein. Und es ist ebenso nötig, dass die Liebe Gottes, die ausgegossen ist in unsere Herzen (Römer 5,5) – das kann, nur für Christen gelten! -, nicht zu einer Allerweltsliebe verkommt. Deshalb liegt mir das Thema „Jesus allein“ am Herzen.

Karl Layer

 

Gemälde von Michael Willfort

Jesus allein?

In einem Gespräch mit einem Inder wurde ich einmal kräftig herausgefordert. Wir begegneten uns anlässlich einer Tagung und konnten an mehreren Abenden zwanglos miteinander reden. Mein Gesprächspartner gehörte dem hinduistischen Glauben an. Weil wir beide an einem oberflächlichen Gespräch nicht interessiert waren, kamen wir bald auf eine Frage zu sprechen, die heute zu den brennendsten gehört, wenn die verschiedenen Religionen einander begegnen. Es ist die zentrale Frage nach der Einmaligkeit und Einzigartigkeit der Person Jesu Christi.

Mein Gegenüber war sehr tolerant. Er ließ Jesus gelten als eine Möglichkeit, zu Gott zu kommen. Nun erwartete er von mir dieselbe Toleranz mit folgendem Satz: „Es gibt viele Wege zu Gott; denn schließlich sind wir ja alle Gottes Kinder.“ Gerade diese wörtlich wiedergegebene Begründung „denn schließlich sind wir ja alle Gottes Kinder“ ließ mich aufhorchen. Hier konnte ich nicht ungeteilt zustimmen. Meine Antwort lautete deshalb: „Wir sind alle Gottes Geschöpfe, aber Gottes Kinder werden wir nur durch Jesus.“

Dieser Dialog hat sich mir unvergesslich eingeprägt. War meine Antwort richtig? Oder hätte ich nachgiebiger sein müssen? Mich hat die Frage nach der Einzigartigkeit Jesu seitdem nicht mehr losgelassen. Wieso können wir behaupten, dass nur Jesus Christus der einzig richtige Weg zum Gott der Bibel ist?

Ich möchte im folgenden den Nachweis führen, dass wir auf festem Grund stehen, wenn wir dies behaupten. Vor allem können wir anhand der Bibel diesen Nachweis führen. Jedoch nicht so, dass wir Aussage gegen Aussage stellen, indem wir die „heiligen“ Bücher der verschiedenen Religionen zitieren. Dies ergäbe am Ende immer nur ein Patt der Überzeugungen. Nein, die Bibel enthält eine nachprüfbare Tatsache, die aus dem Nachweis fast einen Beweis macht, freilich nicht im Sinne eines mathematischen Beweises. Einen solchen gibt es bei Glaubensüberzeugungen nie. Deshalb habe ich auch „fast“ geschrieben. Im folgenden will ich meinen „Beweisgang“ entfalten.

 

 

Gemälde von Michael Willfort

 

1. Der Nachweis der Einzigartigkeit Jesu

Unser Glaube gründet auf dem Buch der Bücher, der Bibel. Wir gestehen es den Gläubigen anderer Religionen zu, dass sie ebenso ihre „heiligen Bücher“ ernst nehmen. Wir dürfen dies als Christen nicht von vorneherein verurteilen. So wie wir dies den anderen zugestehen, erwarten auch wir das Zugeständnis, dass wir mit unserer Bibel argumentieren dürfen. Deshalb zitieren wir daraus.

Jesus hat es gesagt.

Im Neuen Testament sind uns viele Jesusworte überliefert. Aus der Vielzahl zitiere ich solche, in denen Jesus selbst seine Einzigartigkeit anspricht. Den entscheidenden Satz finden wir im Johannesevangelium 14, 6: „Jesus spricht zu Thomas: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Dieser Satz beinhaltet auf den ersten Blick eine der intolerantesten Aussagen Jesu. Daran ist nicht zu rütteln. Hier kann man auch nicht umdeuten, als ob wir zu einer Korrektur berechtigt wären. Jesu Sendungsbewusstsein schließt eindeutig sein Wissen um seine Einmaligkeit mit ein. Er kann auffordern: „Glaubet an Gott und glaubet an mich!“

Scheinbar im Widerspruch dazu lautet der folgende Satz: „Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat. Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.“ Jesus will einerseits von sich weg auf den Vater weisen und zugleich seine Verbundenheit mit ihm deutlich machen.

Diese Verbundenheit mit dem Vater ist so stark, dass „der Sohn nichts von sich aus tun kann, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn“ (Johannes 5, 19). Weil Jesus sagte, Gott sei sein Vater, machte er sich selbst Gott gleich (Johannes 5, 18). Dies war der entscheidende Grund für den Tötungsbeschluss der Hohenpriester und Schriftgelehrten. Im Verhör vor dem Hohen Rat spitzt sich die Verhandlung auf die Frage zu: „Bist du denn Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr sagt es, ich bin es“ (Lukas 22, 70)

Auch im Markusevangelium wird diese Aussage Jesu bestätigt. Ich halte es für spitzfindig, wenn die Formulierung, wie sie Matthäus überliefert, zu der Behauptung führt, Jesus selbst habe nie gesagt, dass er Gottes Sohn sei. Matthäus 26, 63.64: „Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes. Jesus sprach zu ihm: Du sagst es.“

Wer das Selbstzeugnis Jesu bezweifelt, betont das „Du“ in der Antwort Jesu: „Du -der Hohepriester – sagst es, nicht ich!“ Diese Lesart käme einer Umdeutung des Textes gleich.

Auch Jesu Wissen, dass er nach seinem Tod am Kreuz auferstehen wird – er hat dies seinen Jüngern mehrfach vorausgesagt -, gehört zur Einzigartigkeit seiner Person. Wir sehen hier das Herzstück des Evangeliums angesprochen: Wir haben einen lebendigen, weil auferstandenen Herrn. Welche Religion kann dies für sich in Anspruch nehmen?  Als Mohammed (570-632) gestorben war, trat sein Freund Omar vors Zelt, schwang seinen krummen Säbel und schrie: „Dem schlage ich das Haupt ab, der behauptet, Mohammed sei tot. Mohammed wird auferstehen!“ Ein paar Tage später aber ließ es sich nicht mehr verheimlichen: Mohammed war tot! Auch bei ihm behielt der Tod, der Feind des Lebens, das letzte Wort. (Aus: Heinz Schäfer „Hört ein Gleichnis“, Seite 84, Christliches Verlagshaus).

 Es ist offensichtlich, dass das Selbstzeugnis Jesu über die Einzigartigkeit seiner Person zwar alle, die an ihn glauben, überzeugt. Aber das muss Andersgläubige nicht unbedingt auch überzeugen. Im Gespräch kann mir mein Gegenüber antworten: „Das ist Ihre Überzeugung, ich habe eine andere.“ Dann steht Überzeugung gegen Überzeugung. Müssen wir das Gespräch nun abbrechen? Ich denke nicht. In meinem „Beweisgang“ führe ich ein weiteres Argument an:

Die Apostel haben es gesagt.

Der verschreckte und verschüchterte Jüngerkreis – ausgelöst durch den gewaltsamen Kreuzestod Jesu – ist von dem auferstandenen Herrn aus seiner Lethargie gerissen worden. Die Jünger wären selber dazu gar nicht in der Lage gewesen. Jesus hat die Apostel von seiner Lebendigkeit und damit Einmaligkeit überzeugt.

Lukas berichtet: „Als sie aber davon redeten (von dem Bericht der Emmausjünger, denen der Auferstandene begegnet ist)7 trat er selbst, Jesus, mitten unter sie.. Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe“ (Lukas 24,36-39).

Lukas hat als Arzt etwas von Anatomie verstanden. Deshalb ist sein Bericht über die Erscheinung des auferstandenen Jesus im Jüngerkreis so anschaulich. Er fährt fort: „Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen“ (24,41-43).

Jesus hat den Jüngern die Augen geöffnet, als sie seinen Geistleib befühlen konnten und er vor ihnen gegessen hatte. Das war Überzeugungsarbeit! Jetzt erst konnten die Jünger auftreten und bezeugen, dass Jesus lebt.

Zum Beispiel Petrus. Er ist uns vor allem bekannt als Verleugner seines Herrn in der Nacht des Verrats. Eigentlich war sein Versagen nicht weniger schlimm als das des Judas. Dass er nach der Wiederannahme durch seinen Herrn zum mutigen Bekenner wurde, sollten wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen. Ausgerechnet Petrus liefert uns für unser Gespräch einen wichtigen Punkt. Bereits schon gefangen gesetzt und damit einem ersten Einschüchterungsversuch unterworfen, dann vor den Hohen Rat zum Verhör  gebracht, bekennt Petrus freimütig: „In keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“ (Apostelgeschichte 4, 12). Niemand, auch nicht die Macht des Hohen Rates, der in Sachen Glauben maßgebende und richterliche Instanz war, konnte Petrus und die andern Apostel von dieser Aussage abbringen. Sie alle bezeugten die Einzigartigkeit der Person Jesu.

In Anbetracht dessen ist es schon merkwürdig, dass in unserem Jahrhundert von einem Dr. Floyd H. Ross folgender Satz geschrieben wurde: „Dass die ersten Christen übereifrig gewesen sein könnten, dieses (gemeint ist die Ausschließlichkeitsaussage des Petrus) so zu proklamieren, ist eine Möglichkeit mit der der Christ leben muss“ (Aus: Theophil Rehse, „Ökumene auf dem Weg zur Weltkirche?“, S.79). Natürlich ist dies vorsichtig formuliert. Aber es wird doch kräftig am Fundament unseres Glaubens gerüttelt. Wir sind nicht berechtigt, den Aposteln nachträglich am Zeug zu flicken, wir, die wir doch mit unserem Glauben „auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist“ (Epheser 2,20), gegründet sind. Oder erscheint uns Petrus nicht so sehr glaubwürdig, weil er von Hause aus eine übereifrige Natur hatte?

Zum Beispiel Johannes. Ihn stelle ich Petrus an die Seite, denn er hat das Zeugnis vor dem Hohen Rat mitgetragen. Er schreibt in seinem ersten Brief (1. Johannes 5, 12): „Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“

Deutlicher kann man die Ausschließlichkeit Jesu nicht formulieren. Am Schluß dieses Briefes bezeugt er: „Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn dafür gegeben hat, dass wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben“ (5,20).

In seinem Evangelium schreibt Johannes:

„Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch (gemeint ist „sein“ Evangelium). Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen“ (Johannes 20,30.31).

Unser Glaube, dass Jesus allein Retter und Erlöser ist, wird erst recht befestigt, wenn wir Paulus in seinen Briefen abhorchen. Er ist so etwas wie ein Kronzeuge, weil an ihm besonders die Umkehrkraft Jesu deutlich geworden ist. Als Saulus und wütender Verfolger der Gemeinde Jesu hätte Paulus niemals die folgenden Aussagen machen können. Er bringt sein Glaubensbekenntnis gleich am Anfang des Römerbriefes auf den Hauptnenner:

„Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen“ (das bedeutet: alle Menschen) (Römer 1, 16).

An seinen geistlichen Sohn Timotheus schreibt er: „Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung“ (1 Timotheus 2,5.6).

Warum Paulus dieses „Jesus allein“ so stark betonen konnte, belegt er mit einer Aussage im Kolosserbrief: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (2, 9).

Unverrückbar in seiner Aussage ist auch der Christuspsalm im Brief an die Philipper: „Ein jeder sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war. Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“ (2, 5-11).

Würde man die Apostel heute fragen, warum sie dies so ausschließlich formulieren – und man hat sie gefragt – , dann würden sie immer noch die Antwort geben, die der Hohe Rat damals aus ihrem Mund hörte: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gehört und gesehen haben“ (Apostelgeschichte 4,20).

Ich möchte das Festhalten der Apostel an der Einmaligkeit und Einzigartigkeit Jesu Christi an einem Beispiel veranschaulichen: Angenommen, es gäbe einen Arzt, der ein sicheres Mittel gegen den Krebs hätte, und er selbst sowie alle durch ihn Geheilten würden dies nicht bekannt machen, so käme dies einem Verbrechen gleich. Die Bekanntmachung aber müsste lauten: „Nur dieser Arzt und nur dieses Mittel!“ Hier müsste um des Helfens willen diese Heilungsmöglichkeit als einmalig und einzigartig herausgestellt werden. Kein Mensch käme auf die Idee, sie als intolerant zu verwerfen.

Dieser Vergleich lässt sich auf Jesus Christus anwenden. Er ist der einmalige Arzt, der den Grundschaden bei uns Menschen heilen kann. Gewiss ist er mehr als nur ein Mittel gegen den Krebs. Sein Opfertod am Kreuz für unsere Sünden ist das vollbrachte Heil, das seitdem bekannt gemacht wird. Es käme einem Verbrechen gleich, dies zu verschweigen, wenn nur dieser Eine die Lösung, d.h. die Erlösung hat. Darum waren die Apostel und sind bis heute alle von Christus überzeugten Christen so leidenschaftlich bereit, ihren Erlöser als die einzige Möglichkeit eines Lebens mit Gott in Zeit und Ewigkeit zu bekennen.

Religiosität, viel Einsatz, Opfer und Hingabe, bis hin zum Goethe-Zitat: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“ – mit einem Satz: Die zum Scheitern verurteilte Selbsterlösung findet sich in allen Religionen, Philosophien und Ideologien. Wirklich helfen kann nur Jesus Christus. Das kann man erfahren indem wir Verbindung mit ihm aufnehmen. Er will uns überzeugen und unserem Leben Ausrichtung und Frieden verleihen.

An dieser Stelle möchte ich wieder an die Aussage Jesu über seine eigene Person anknüpfen. Ich sprach von dem Hinweis, dass Überzeugung gegen Überzeugung steht, wenn mein Gegenüber andersgläubig ist. Auch jetzt ist dies noch so. Zwar ist die „Beweislast“ größer geworden durch eben die Menschen, die kurze Zeit nach Tod und Auferstehung Jesu als seine Zeugen aufgetreten sind. Es waren Menschen und keine Engel. Gott sei Dank, muss man sagen, weil sonst die Ablehnung ihres Zeugnisses eher möglich wäre.

Als Jesus in der Gegend von Cäsarea Philippi – dem heutigen Banyas bei den Jordanquellen am Fuße des Hermon – die entscheidende Frage stellte „Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“, da antwortete Petrus mit seinem klaren Bekenntnis: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Matthäus 16, 13-16). Für Jesus selbst war dies ein wichtiger Augenblick; denn nun hörte er zum ersten Mal aus Menschenmund, dass die Göttlichkeit seiner Person erkannt wurde. Petrus und mit ihm die anderen Jünger hatten „Feuer gefangen“.

Überraschend und vielsagend zugleich ist die Tatsache, dass von da an Jesus seine Leidensankündigungen machte, die die Jünger nicht verstanden. Ein Christus, der leidet, stirbt und aufersteht, passte nicht in ihre Vorstellung. Wie wichtig ist gerade dieses ehrliche Eingeständnis in den Evangelien. Die Jünger werden nicht zu frommen Übermenschen gemacht. Umso überzeugender ist ihr späteres Bekenntnis!

Aber noch ist mein Gesprächsgegenüber nicht überzeugt. Ihn dazu zu zwingen, ist nicht möglich und würde das Gegenteil bewirken. Ich möchte deshalb den anderen Weg gehen und die „Beweise“ vermehren. Zu den Aposteln waren viele Menschen dazugekommen, die an die alles überragende Person Jesu Christi glaubten.  Deshalb:

Viele haben es seitdem gesagt.

Jetzt wäre es möglich, eine „Wolke von Zeugen“ (Hebräer 12, 1) – das meint ein ganzes Heer von Bekennern – aufmarschieren zu lassen. Ich greife beispielhaft einige heraus: Da ist der Kirchenvater Augustin. Nach einem unbefriedigenden, weil sinnentleerten Leben fand er zu einem Leben mit Christus. Von ihm stammt der Satz: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Gott“. Dieses Ruhen in Gott ist nur durch Christus möglich. Im so genannten pelagianischen Streit – ein Mönch namens Pelagius war sein Kontrahent -kämpfte er für die Reinerhaltung des Evangeliums von allen menschlichen Zusätzen. Er hatte persönlich die große Gnade Gottes erlebt und konnte deshalb entschieden für ein Gnadenevangelium kämpfen.

Jesus allein? Für Augustin war dies keine Frage.

Da ist Martin Luther. Ehemals Augustinermönch. In seinem Verhältnis zu Gott geplagt und geschunden, unruhig und umgetrieben, bis er zum „Jesus allein“ hindurchfand. Als Reformator konnte er deshalb die drei „allein“ herausstellen: allein die Gnade, allein der Glaube, allein das Wort Gottes.

Jesus allein? Für Martin Luther war dies ebenfalls keine Frage.

Da ist John Wesley. Ehemals anglikanischer Pfarrer, Missionar in Amerika. Unter dem Eindruck, wie getrost sich Herrnhuter Missionare in der Todesgefahr verhielten, kam er zu dem verzweifelten Ausruf: „Ich bin nach Amerika gegangen, um die Indianer zu bekehren; wer bekehrt aber mich?“ Er fand zum lebendigen Glauben an Jesus Christus und wurde Kirchengründer wider Willen. Bekanntlich geht die Evangelischmethodistische Kirche auf ihn zurück.

Jesus allein? Für John Wesley keine Frage.

Da ist Sadhu Sundar Singh. Ehemals Hindu. Vom hinduistischen Glauben unbefriedigt, suchte er nach dem Sinn des Lebens. Christus offenbarte sich ihm auf wunderbare Weise. Er fand Christus als den tragenden Grund für sein Leben. Er wurde ein entschiedener Christuszeuge in seinem Land Indien. Auf einer Europareise kam er mit dem „Christentum“ ins Gespräch. Er wurde gefragt, was er denn Besonderes am Christentum entdeckt habe. Er antwortete: „Christus!“ Der Fragesteller fühlte sich wohl nicht richtig verstanden. Er fragte noch einmal. Es müsse ihm als ehemaligem Hindu doch an der Lehre etwas aufgefallen sein. Sadhu Sundar Singh blieb bei seiner Antwort: „Christus!“

Jesus allein? Auch für Sadhu Sundar Singh keine Frage.

Ich kann von jener Frau berichten, die auf dem Frankfurter Bahnhof begeistert auf einen Afrikaner zugestürmt kam – offenbar von der anderen Hautfarbe angezogen -, um ihm freiweg zu sagen: „Ich bin auch Buddhist!“ Der so überraschend Angesprochene erwiderte: „Das tut mir aber leid; da haben Sie ein Brot gegen einen Stein eingetauscht. Ich bin Christ!“ Der Angesprochene war ein methodistischer Bischof aus Afrika und weilte zu Besuch in der Bundesrepublik.

Oder ich denke an eine Frau, die eines Tages mit dem Wunsch zu mir kam, getauft zu werden. Sie war im Islam erzogen worden und fand durch eine Evangelisation zum Glauben an Christus. Dies weckte bei ihr den Wunsch, getauft zu werden und einer christlichen Gemeinde anzugehören. Ich wollte diesen wichtigen Schritt mit einem besonderen Akzent versehen. Vor der Taufe sollte sie in ihrem neuen Glauben unterwiesen werden. Das so genannte Katechumenat schloss mit einer „Prüfung“ ab, deren Ergebnis ich der Gemeinde mitteilte. Als ich im Gespräch die Frage stellte, worin sie den Unterschied zwischen Koran und Bibel sehe, kam nach kurzem Überlegen die Antwort: „Im Koran steht nur das drin, was der Mensch tun muss; in der Bibel steht vor allem das drin, was Gott für uns getan hat.“ Treffsicherer kann man es nicht sagen!

Ob diese Auswahl aus der „Wolke von Zeugen“ mein Gesprächsgegenüber überzeugt, kann ich natürlich nicht garantieren. Ob es ihn wenigstens nachdenklich macht? Wer ehrlich und offen ist, kann durch diese „Beweislast“ mindestens fragend werden. Jedoch sind wir in unserem Gesprächsgang immer noch im Subjektiven, d.h. im Bereich persönlicher Überzeugung. Müssen wir darin stecken bleiben? Kommt es jetzt zum Patt? Bleibt jetzt nichts anderes übrig, als „jeden nach seiner Fasson selig werden zu lassen“? Müssen wir jetzt die Waffen stecken und kapitulieren: „Hauptsache, es glaubt einer überhaupt etwas; was – ist nicht so wichtig!“? Dies wäre ein Verrat am Auftrag Christi.

Was aber ist zu tun? Das Gespräch abbrechen und unverrichteter Dinge wieder auseinander gehen?  Ich glaube nicht, dass dies nötig ist, wenngleich missionarische Gespräche durchaus unbefriedigend enden können. Ich habe aber noch einen wichtigen Punkt in meiner „Beweisführung“ anzubieten. Er ist eigentlich mein Hauptargument, weil er einen Sachverhalt aufzeigt, der objektiv nachprüfbar ist. Jetzt können wir aus dem subjektiv geführten Gespräch mit unterschiedlichen Überzeugungen heraustreten. Natürlich ist auch hier eine ehrliche und gutwillige Prüfung wichtig. Es geht um die Tatsache:

Die Propheten haben es vorausgesagt.

Dass die Entstehungsgeschichte unserer Bibel einen Zeitraum von über tausend Jahren umfasst, ist hierfür von Vorteil. Der Koran ist in 40 Jahren entstanden und gilt in seinen Aussagen buchstabengetreu als gesichert. Das kann man von der Bibel nicht sagen. Doch ist diese „Schwäche“ der Bibel für unser Anliegen gerade ihre Stärke. Weil so viele Menschen in einem solch langen Zeitraum an den prophetischen Voraussagen im Blick auf die Person Jesu beteiligt waren, kann man eindeutig eine menschliche, eigenmächtige, selbsterdachte Konstruktion ausschließen. Gott war am Werk, als er im „prophetischen Wort“ seine Heilsgeschichte „programmierte“.

Ich möchte an dieser Stelle eine Fragestellung einschalten, die mich persönlich lange Zeit innerlich blockierte: „Warum hat Gott im Alten Testament seine Voraussagen auf Christus nicht einheitlicher, eindeutiger, zwingend überführender aufschreiben lassen?“ Ich will diese Blockade noch näher beschreiben: Da weist etwa Mose ganz versteckt schon beim Sündenfall auf den Erlöser hin. In den Psalmen Davids, der prophetisch dichtete, finden sich Hinweise auf den Messias und die messianische Zeit. Jesaja zeigt mit einer großartigen prophetischen Schau das planmäßige Handeln Gottes bis zum Endziel auf. Jeremia, Hesekiel, Micha, Sacharja – ja fast alle Propheten – sprechen vom kommenden Messias. – Aber warum so versteckt und verstreut?

Wie gesagt: Dieser Sachverhalt brachte mich selbst ins Fragen und Zweifeln, bis mir eines Tages aufging, dass es Gott mit seinen Voraussagen gemacht hat wie mit einer Goldader im Erdinnern. Diese ist auch nicht auf der Straße sichtbar. Man kann sie nicht mühelos im Tagebau gewinnen. Man muss graben, suchen und sich mühen. So ist es mit der „Goldader“ des prophetischen Wortes in der Bibel. Wer sucht und gräbt, findet sie.

Oder es ist wie mit den Wundern in der Schöpfung Gottes: Nicht der wird sie entdecken, der nur Kilometer „frisst“. Man muss sich die Mühe machen, z.B. auf einer Wanderung die Größe Gottes auch im Kleinen entdecken zu wollen. Als ich das erkannte, war ich geheilt vom Zweifeln; ich konnte mich fröhlich auf die Suche nach Gottes „Goldader“ in der Bibel machen.

Über 300 Ankündigungen auf den Messias finden sich im Alten Testament. Dies gibt es sonst in keinem anderen Buch. Hier müssen alle heiligen Bücher der anderen Religionen passen. Die Stärke der Überzeugungskraft liegt darin, dass Mose nicht mit Jesaja oder Sacharja absprechen konnte, wer was über den Messias schreibt. Eine menschliche Konstruktion ist also wegen der langen und vielgestaltigen Entstehungsgeschichte der Bibel ausgeschlossen. Hier wird göttliche Regie sichtbar. Allein Gott ist in der Lage, von langer Hand zu planen und seinen Plan gleichsam als Webmuster in den Teppich seines Wortes hineinweben zu lassen. Dieses Muster gilt es zu entdecken.

Dass Micha Bethlehem als Geburtsort für den Messias angibt, ist eigentlich unbestritten (Micha 5, 1). Was muss aber geschehen, damit sich diese Prophezeiung auch erfüllen kann? Josef und Maria lebten bekanntlich in Nazareth, etwa 120 Kilometer nördlich. Dass nun ausgerechnet Augustus, der göttlich verehrte Kaiser in Rom, mit seinem Steuererlass dafür sorgen musste, dass sich Gottes Wort erfüllt, war ihm selbst sicherlich nicht bewusst. Aber der Ratschluss Gottes hatte dafür gesorgt. Josef und Maria machten sich auf den beschwerlichen Weg, und der Gottes- und Menschensohn kam in Bethlehem zur Welt – wie prophetisch angekündigt.

Ein anderes Beispiel: Psalm 22 gilt als der Leidenspsalm Christi. Wahrscheinlich hat er ihn am Kreuz gebetet. Dieser Psalm stammt von David. Er beschreibt Einzelheiten des Kreuzigungsvorgangs bis hin zum Teilen der Kleider (Vers 19). Überraschend ist, dass David die Todesart der Kreuzigung nicht kennen konnte. Diese war zu jener Zeit in Israel unbekannt. Dennoch hat Gott ihm in Mund und Feder gelegt, was später beim Tode Jesu geschehen wird. Dabei hatten die Soldaten mit ihren rauhen Gepflogenheiten sicherlich mit keinem Gedanken daran gedacht, Erfüller des prophetischen Wortes zu sein. Und doch’war es so.

Ich bin heute fest davon überzeugt, dass Jesus seinen Weg aus dem prophetischen Wort des Alten Testaments herausgelesen hat.

Dazu ein weiteres Beispiel: Der Königseinzug Jesu nach Jerusalem. Alle Evangelien berichten davon: Matthäus 21, 1-10; Markus 11, 1-10; Lukas 19,29-38; Johannes 12, 12-19. Matthäus und Johannes weisen ausdrücklich auf Sacharja 9,9 hin: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ So steht es beim Propheten. Dass Jesus diese Weissagung auf sich bezogen und ausdrücklich selbst erfüllt hat, ist offensichtlich. Er wollte sich damit als der Verheißene proklamieren.

Es ließen sich noch viele Zusammenhänge zwischen Verheißung und Erfüllung aufzeigen bis hin zum „dritten Tag“, an dem Jesus auferstanden ist. In 1. Mose 22, 1-19 ist uns die Geschichte von der Opferung Isaaks berichtet. Mitten in den Erzählgang hineinverwoben ist, dass Abraham die Opferstätte „am dritten Tage“ sah. Tod und Auferstehung Jesu Christi wurden hier vorausdargestellt. In Hebräer 11, 19 wird dies erklärt: „Abraham dachte: Gott kann auch von den Toten erwecken; deshalb bekam er ihn auch als Gleichnis dafür wieder.“ In Hosea 6,2 wird der „dritte Tag“ ebenfalls angekündigt: „Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tag aufrichten, dass Wir vor ihm leben werden.“

Solche Zusammenhänge wird freilich nur entdecken, wer bereit ist, die in der Bibel vorhandene Linie von Verheißung und Erfüllung zu akzeptieren.

Halten wir fest: Aufgrund der prophetischen Voraussagen im Alten Testament hat Gott selbst dafür gesorgt, dass in dem Tatbestand von Verheißung und Erfüllung ein Nachweis der Einzigartigkeit der Person Jesu Christi vorliegt. Dieser Tatbestand ist objektiv nachprüfbar.

Nun gilt es noch, einen Verdacht auszuräumen: War es purer Zufall, dass sich die Verheißungen im Alten Testament gerade in der Person Jesu erfüllten? Ausgeschlossen, sagt ein Mathematiker, der nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung folgendes errechnete: bei 50 Prophezeiungen wäre eine „zufällige“ Erfüllung in einer Person geringer als 1:1125 000 000000 000 (12 Nullen). Wenn für diese Wahrscheinlichkeitsrechnung noch 2 Punkte dazugenommen werden – also die Zahl 52-, dann wird eine Verhältniszahl erreicht, die für uns völlig unvorstellbar ist. Nun sind es aber über 300 Verheißungen, die sich „zufällig“ in der Person Jesu erfüllt hatten. Dies bedeutet, dass ein Zufall völlig ausgeschlossen ist (Nach John Meldau: „Der Messias in beiden Testamenten“, Seite 15).

Darum noch einmal: Der Nachweis der Einmaligkeit und Einzigartigkeit Jesu Christi ist uns mit den prophetischen Ankündigungen im Alten Testament, die sich nur auf seine Person beziehen können, objektiv gegeben.

In unserem Gesprächsgang haben wir jetzt den Punkt erreicht, an dem ein Überzeugen möglich ist, sofern sich unser Gegenüber als fragender und suchender Mensch auf eine solche Gesprächsführung einlässt. Es gehört zu Gottes Größe und Überlegenheit, dass er in sein Buch, das er sich zudem noch von Menschen hat schreiben lassen, ein solch großartiges Geheimnis hineingelegt hat. Als menschliches Gefäß, das die Bibel ist, leuchtet sie hier in ihrer Göttlichkeit auf. Dass dies auch in meinem Gesprächspartner aufleuchtet, kann ich natürlich nicht machen. Bei aller logischen Gedankenführung, die gewiss gute Hilfsdienste tun kann, gehört zum Überzeugen die Gnadenzuwendung unseres Herrn, in dessen Auftrag wir bezeugen.

Gemälde von Michael Willfort

Ich will nun

2. Die Bedeutung der Einzigartigkeit Jesu Christi

skizzieren. Es kann sich tatsächlich nur um ein Skizzieren handeln; denn die Bedeutung dieser Tatsache ist viel umfassender.

Wenn Jesus einmalig ist, dann müssen wir „intolerant“ sein.

Wir – das sind alle Christen, die an Christus glauben. Christus ist uns zum unaufgebbaren Lebensinhalt geworden. Wir können nicht den schmalen Weg breiter machen, wenn unser Herr gesagt hat, dass der Weg in seiner Nachfolge schmal ist und – ich füge hinzu – auch bleibt! Es sind auch keine anderen oder zusätzlichen Wege zum Vater erlaubt, wenn Christus ausdrücklich gesagt hat, dass niemand ohne ihn zum Vater kommt. Wir müssen deutlich machen, dass es nicht stimmt, wenn neuerdings immer wieder behauptet wird, Allah sei derselbe Gott wie der Gott der Bibel. Ich möchte es so sagen: Allah will gar nicht derselbe Gott sein. Er ist zum Gott der Bibel in Konkurrenz getreten und lässt durch Mohammed in seinem Buch behaupten, dass Allah keinen Sohn hat.

Im Koran lauten diesbezügliche Stellen folgendermaßen: „Auch das sind Ungläubige, welche sagen: Allah ist der dritte (einer) von dreien; denn es gibt nur einen einzigen Gott. Christus, der Sohn Marias, ist nur ein Gesandter, so wie ihm auch Gesandte vorangegangen sind“ (Aus Sure 5). „Das ist nun Jesus, der Sohn der Maria; das Wort ist Wahrheit, das sie bezweifeln. Aber nicht ziemt es sich für Allah, dass er einen Sohn hätte. Lob und Preis sei ihm!“ (Aus Sure 19). „Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen! Sprich: Allah ist der alleinige, einzige und ewige Gott (der Unwandelbare). Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt, und kein Wesen ist ihm gleich“ (Sure 112).

In der mir vorliegenden ungekürzten Koranausgabe aus dem Jahr 1959 schreibt Dr. Leo Winter in seiner Einführung: „Mohammed verkündet die ihm von Fall zu Fall gewordenen Offenbarungen Allahs, des „alleinigen einzigen Gottes seit Ewigkeit, Welterschaffers und Herrn aller Weltenbewohner, der keinen Sohn und Helfer besitzt und benötigt“.“

Diese Zitate sprechen deutlich gegen die Gottessohnschaft Jesu Christi.

Die Kreuzigung Jesu wird im Koran ausdrücklich abgelehnt. Ich zitiere den entsprechenden Text: „Und wenn sie sprechen: Wir haben den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Allahs, ermordet – sie ermordeten ihn doch nicht, noch töteten sie ihn am Kreuze, sondern es erschien ihnen nur so. Vielmehr erhöhte ihn Allah zu sich, und Allah ist allmächtig und weise.“ Die zentrale Bedeutung von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi wird von keinem Muslim anerkannt oder auch nur verstanden. Nach muslimischer Auffassung war „Jesus der letzte große Prophet vor Mohammed, ein Musterbild der Armut und Bescheidenheit, dem es fern lag, göttliche Ehren zu beanspruchen.“ (Aus: Heiler, „Religionen der Menschheit“, Seite 826.) Wenn wir das bisher Beschriebene in Betracht ziehen, ist es offensichtlich, dass Islam und Christentum durch einen breiten Graben getrennt sind. Ihn einfach zuzuschütten, ist nicht möglich – es sei denn, der Christ gibt das Herzstück seines Glaubens auf. Eine Einheit der Religionen anzustreben, wie dies immer deutlicher betrieben wird, müssen wir um der biblischen Wahrheit willen ablehnen. Es mag gut gemeint sein und dem Druck der notvollen Weltverhältnisse, die immer zwingender eine Welteinheit fordern, entsprechen, aber der Preis der Einzigartigkeit Christi ist zu hoch.

Wir können tolerant sein. Weil Christus die Seinen zur wahren Liebe befreit und mit seiner Liebe beschenkt, ist die Liebe das Grundprinzip für ihr Handeln. Liebe kann nicht fanatisch sein. An dieser Stelle könnte das Hohelied der Liebe durchbuchstabiert werden, wie es Paulus in 1. Korinther 13 beschreibt, z.B.: „Die Liebe eifert nicht.“

Dass ein Glaube ohne Liebe fanatisch macht, zeigen die so genannten Fundamentalisten jeglicher Glaubensform. Auch Christen haben an diesem Punkt schon schrecklich gesündigt. Ich erinnere an die blutigen Verfolgungen und Hinrichtungen Anders-gläubiger. Wenn heute islamische Fundamentalisten in Ägypten Reisebusse überfallen, ist dies gewiss verwerflich. Christen können aber nicht Gleiches mit Gleichem vergelten.

Als in einer Stadt, in der ich tätig war, die Muslime ein Gebäude für ihre Zusammenkünfte erwerben wollten, wurde ich bestürmt, bei der Stadt Einspruch zu erheben. Ich sollte eine christliche Gegenaktion starten, zumal dieses Gebäude auch noch in der Nähe unserer Kirche stand. Ich konnte diese Gegenaktion nicht durchführen. Meine Antwort war, dass wir vielmehr den Muslimen freundlich begegnen und sie von der „Überlegenheit“ christlicher Liebe überzeugen sollten. Das meine ich mit dem Satz: Wir können tolerant sein.

Diese Toleranz hat freilich auch eine völkerrechtliche Seite. Die Toleranz, die Muslime aufgrund der gesetzlich verankerten Religionsfreiheit bei uns erfahren, sollte christlichen Gemeinden in ihren Herkunftsländern auch gewährt werden, entspricht sie doch der allgemein gültigen Menschenrechte. Aber einklagen können wir sie nicht. Wir können darauf hinweisen und unter Umständen eine Regelung von Regierung zu Regierung anstreben. Die Pflicht zur Nächstenliebe besteht für Christen aber unabhängig davon.

Jesus selbst hat für eine so verstandene Toleranz ein Beispiel gegeben. Ich zitiere Markus 9, 38~0: „Johannes sprach zu ihm: Meister, wir sahen einen, der trieb böse Geister in deinem Namen aus, aber wir verboten’s ihm, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus aber sprach: Ihr sollt’s ihm nicht verbieten. Denn niemand, der ein Wunder tut in meinem Namen, kann so bald übel von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“

Ein weiteres Mal musste Jesus bei seinen Jüngern eine falsche Intoleranz zurechtrücken. Als sie auf dem Weg nach Jerusalem waren, sollte in einem Dorf der Samariter Herberge gemacht werden. Die Samariter lehnten das ab, weil sie keine Gemeinschaft mit den Juden hatten. Die Jünger waren darüber so erbost, dass sie einen Racheakt erbaten: sie wollten Feuer vom Himmel fallen lassen. Jesus wehrte ihnen mit dem Wort: „Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?“ (Lukas 9,55).

Christen sind Gottes Kinder und durch den Geist Gottes mit der Kraft der göttlichen Liebe begabt. Dass dies keine billige Allerweltsliebe ist, die einfach alles toleriert, formuliert Paulus mit dem Satz „Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit“ (1. Korinther 13, 6).

Wie ist es möglich, Intoleranz und Toleranz gleichzeitig zu praktizieren, ohne dass ein angepasstes Situationsverhalten entsteht? Anders gefragt: Wie kann ich herausfinden, wo und wann ich Liebe üben bzw. wo und wann ich um der Liebe willen kompromisslos bleiben muss? Nochmals anders gefragt: Wo und wann kann ich ja sagen bzw. wo und wann muss ich nein sagen?

Die Lösung für diese gewiss nicht leichte Fragestellung liegt meines Erachtens in der Fähigkeit zur Unterscheidung:

Wir unterscheiden Sache und Person.

Am Beispiel der Muslime müssen wir dann die Lehre des Islam ablehnen – das ist die Sache -, dem Muslim als Person aber müssen wir in der Liebe Christi begegnen. Ich habe den Eindruck, dass dies häufig durcheinander gebracht wird. Was böse, verkehrt und ungerecht ist, kann nicht mit dem Hinweis auf die Liebe geduldet werden. Obwohl Gott in seiner Liebe barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Güte ist, setzt er seine Gerechtigkeit im Gericht durch. Er lässt nicht einfach alles durchgehen. Er sagt zum Bösen in jeder Gestalt nein. Er hat zum Beispiel die Homosexualität deutlich verneint (3. Mose 18, 22). Trotzdem ist in der Christenheit eine heiße Diskussion darüber entbrannt, ob sie unter gewissen Umständen doch bejaht werden könnte. Als ich einmal in einem Gespräch darauf hinwies, dass Gottes Wort zur Homosexualität ein klares Nein sage, war die Antwort, dass dies im Alten Testament so sei, weil dort das Kinderkriegen als besonderer Segen Gottes gewertet wurde. Bei Homosexuellen sei dies ja offensichtlich nicht möglich. Darum das Verbot. Als ich darauf hinwies, dass Paulus in Römer 1, 18ff. ebenso deutlich spreche, kam die Erwiderung: „Paulus hat dort als Jude gesprochen!“ Das sollte heißen: „Das ist für uns nicht verbindlich.“ Eine solche Schriftverdrehung kann ich nicht akzeptieren. Dabei liegt es mir fern, über einen homosexuell gebundenen Menschen den Stab zu brechen. Das kann niemand tun. Aber wir müssen Sache und Person unterscheiden! Wir müssen Sünde und Sünder unterscheiden.

Wenn wir aus falsch verstandener Liebe nicht mehr wagen zu sagen, was Sünde ist -dabei ist und bleibt uns die Bibel der Maßstab-, dann öffnen wir Tor und Tür für das Böse. Der Grundsatz „den Sünder lieben und die Sünde hassen“ ist nicht veraltet. Er ist göttlichen Ursprungs.

Ich müsste dem homosexuell Gebundenen sagen, dass sein Verhalten vor Gott und Menschen Sünde ist. Ich könnte aber in einem Atemzug hinzusetzen, dass er als Sünder von Gott geliebt ist. Notwendig ist allerdings, dass er sich von der Sünde distanziert. Das ist in der Sprache der Bibel Buße. Jesus hat gesagt, dass im Himmel Freude ist über einen Sünder, der Buße tut (Lukas 15, 7). Wir können nicht gleichzeitig Gottes vergebende Liebe wollen und an der Sünde festhalten. Der Prophet Jesaja spricht einen Weheruf aus, der mich schon immer erschüttert hat und der heute immer mehr an Aktualität gewinnt: „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen“ (Jesaja 5,20). Der Prophet sagte dies dem Volk Gottes! Wenn bei ihm eine derartige Verdrehung Eingang gefunden hatte, dann konnte die Gerichtsantwort Gottes nicht mehr fern sein. Das musste Israel als Gottesvolk erfahren. Das wird auch die Gemeinde Jesu Christi erfahren, weil das „Gericht am Hause Gottes anfängt“ (1. Petrus 4, 17).

Schwierig wird es, wenn eine Person an einer falschen Sache (sprich: Sünde) festhält. In diesem Fall erfährt die „Sache“ (z.B. eine offensichtlich falsche Lehre) eine Steigerung durch das falsche (nämlich gottwidrige) Verhalten. Der Lösungsvorschlag, Sache und Person zu unterscheiden, ,wird dann ungemein erschwert. Es kann Situationen geben, wo aus dem Unterscheiden ein Scheiden wird, wenn Sünder und Sünde sich nicht trennen. Mein Nein zur Sünde kann dann auch zu einem Nein zum Sünder werden, wiewohl das Angebot der Liebe Gottes immer bestehen bleibt. Als Christ bin ich ein Vertreter der Liebe Gottes.

Damit komme ich zu einem weiteren Grundgedanken: Wir missionieren im Dialog.

Wenn „Mission Dank für Golgatha ist“, dann kann sich kein wahrer Christ dem Missionsauftrag entziehen. Unsere Missionsfähigkeit ist der Echtheitstest für unseren Glauben. Im Dialog der Religionen wird immer lauter die Meinung vertreten, dass Gott in jeder Religion vorhanden sei. Des halb sei jeder Bekehrungsversuch seitens der Christen ein hochmütiges Unterfangen. Es gehe heute lediglich nur noch um einen Dialog, d.h. um das Gespräch. Und dies wohl auch ganz unverbindlich.

Wer von der Einzigartigkeit Christi überzeugt ist, kann dem nicht zustimmen. Er würde seinen Herrn verraten und den Andersgläubigen der Verlorenheit überlassen. Mit echter Liebe hat dies nichts zu tun, auch wenn eine solche Weitherzigkeit damit begründet wird. Es gibt auch falsche Liebe!

Ich meine mit Dialog nicht das unverbindliche Gespräch, sondern das Gespräch als missionarische Methode. Das ist eine Möglichkeit unter vielen anderen. Die Botschaft vom einzigen Retter der Welt sollte auf allen „Wellenlängen“ weitergegeben werden: rufen, predigen, einladen, erzählen, warnen, mahnen, evangelisieren vor vielen und vor einzelnen, über die Medien und im kleinen Kreis, durch Lautsprecher und unter vier Augen, durch Wort und Wandel, dringlich und zurückhaltend, in angreifender und abwartender Liebe, im Zupacken und Loslassen… In allem spielt das Gespräch eine wichtige Rolle. Es hat Brückenfunktion. Das Wort ist das Transportmittel, durch das die Botschaft zum Gesprächspartner gebracht werden soll. Der Apostel Paulus hat seinem geistlichen Sohn Timotheus geschrieben: „Predige (wörtlich: herolde) das Wort, steh dazu, es sei zurzeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren“ (2. Timotheus 4,2-4). Ob diese Zeit heute ist? Ich meine ja!

Um so mehr gilt, was ich mit dem nächsten Grundgedanken formulieren möchte:

Wir können als Überzeugte überzeugen. Das ist gewiss kein Erfolgsrezept. Aber ohne persönlich davon überzeugt zu sein, dass uns in Jesus Christus die „Wahrheit in Person“ gegeben ist, kann unser Zeugendienst nicht gelingen. Es ist dringend notwendig, bei dem einen zu bleiben (oder wieder dahin zurückzukehren?), was einzig Not tut: die Rettung unserer Welt und jedes einzelnen in „Jesus allein“ zu bezeugen. Ich vergesse nicht den drastischen Vergleich, den Kurt Tucholsky, Schriftsteller und Zeitkritiker am Anfang unseres Jahrhunderts, den Kirchen angehängt hat. Er verglich sie mit einer heraushängenden Zunge, ausgelöst durch die vielen Aktivitäten und dadurch, dass sie jeglicher Neuerung hinterherhetzen müssen: Wir auch! Wir auch! Das alles können wir auch! Den schrecklichen Vorwurf, die Kirchen seien rückständig, galt es auszuräumen. Darum alles mitmachen: Wir auch! Die ersten Christen aber hatten gesagt: Wir!

Von diesem „Wir auch“ müssen wir wieder loskommen. Treffsicher ist in dem „Wir“ die Überzeugung auf einen Nenner gebracht, dass „Jesus allein“ nötig ist und völlig genügt.

Wem diese Überzeugung ins Herz geschrieben ist, der kann sich nicht in hundert Experimente verlieren. Er wird zwar in seinen Methoden hundert Möglichkeiten erwägen, aber in seiner Zielsetzung bleibt er bei dem einen: Menschen von der Einzigartigkeit Christi zu überzeugen. Voraussetzung ist, dass ich selber glaube, was ich vertrete. Den Vorwurf, ich sei einseitig oder nicht zeitgemäß oder nicht tolerant genug oder rückständig oder hochmütig oder engstirnig oder… (da kann vieles zusammenkommen!) kann ich getrost auf mir sitzen lassen. Nicht umsonst ist der Zeuge im Griechischen der „martys“. In diesem Wort steckt der Begriff „Märtyrer“.

Ich habe den Eindruck, dass wir diese Haltung wieder neu lernen müssen. „Leide mit als ein guter Streiter Jesu Christi“, schreibt Paulus an Timotheus (2. Timotheus 2,3). Wir alle müssen es uns von Paulus immer wieder sagen lassen.

Ich möchte noch etwas zum Thema Überzeugen sagen: Es kann nicht gemeint sein, dass ich es selbst in der Hand habe, einen anderen Menschen zum Glauben zu bringen. Ich kann lediglich Hilfs- und Wegweiserdienste leisten. Aber diese muss ich überzeugt tun und mit der ständigen Herzensbitte: Herr Jesus, überzeuge du! Es ist immer ein Wunder der Gnade Gottes, wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus Christus findet.

In einem letzten Grundgedanken will ich den Dauerauftrag für Christen beschreiben:

Wir wollen Menschen für „Jesus allein“ gewinnen.

Auch bei diesem Thema kann uns der Apostel Paulus als Vorbild dienen. Er schreibt im 2. Korintherbrief (5, 11): „Weil wir nun wissen, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir Menschen zu gewinnen.“ Und im Brief an die Kolosser heißt es (1,28): „Den (Christus) verkündigen wir und ermahnen alle Menschen und lehren alle Menschen in aller Weisheit, damit wir einen jeden Menschen in Christus vollkommen machen.“

Zu dieser Aufgabe der „Seelenrettung“ -wie dies früher hieß – hat uns Jesus selbst beauftragt. Zu dem Jünger Petrus sagt er nach dem überraschenden Fischzug: „Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen“ (Lukas 5, 10). Dass dies nicht Jagd auf Menschen im üblen Sinn bedeuten kann, ist klar. Trotzdem muss betont werden, dass der missionarische Dienst der Christen nicht Menschenfängerei ist, wie sie die Gurus aller Spielarten betreiben. Diese versklaven, Christus befreit. Zu diesem Freiwerden rufen wir, wenn wir auf Jesus hinweisen.

Unser Dienst der Rettung ist ein Wegweiserdienst. Im Wirrwarr der vielen Meinungen und Angebote sagen wir, dass „Jesus allein“ wirkliche Hilfe bringt. Wir sagen auch, dass nur eine Bindung an Jesus Christus wahre Freiheit bedeutet. Deshalb kann es auch nie um eine Bindung an Menschen gehen.

Am Anfang steht die Glaubensverbindung mit Jesus. Damit diese entstehen kann, verkündigen wir das Evangelium. Der andere muss zuerst zu hören bekommen, dass es eine Rettung und den Retter gibt. Es muss ihm gesagt werden. Aus dem Hören kann der Glaube entstehen. Glaube ist die positive Reaktion auf das, was ich im Evangelium angeboten bekomme. ,Ich nehme die Opfertat Christi als für mich geschehen an. Weil es in dieser Welt niemand gibt, der für unsere und für die Sünden der ganzen Welt (1. Johannes 2,2) den Loskaufpreis bezahlt hat als „Jesus allein“, darum kann das Ziel unseres Zeugendienstes nur sein, dass Menschen Christus im Glauben erfassen.

Daraus ergibt sich folgendes: Jesus hat in dieser Welt „seinen Leib“, das ist seine Kirche oder Gemeinde, die Schar aller Christusgläubigen. Wer zum Glauben an ihn findet, der kommt zur Gemeinde hinzu. Er bleibt nicht allein. Er schwebt mit seinem Glauben nicht im luftleeren Raum. Christus bindet die Seinen an sich und an seine Gemeinde. Dies kann aber niemals eine neue Versklavung im Sinne einer Menschenknechtschaft bedeuten, sondern Gemeinschaft der Heiligen. Gemeinde ist der Ort der Glaubensgemeinschaft, wo im Hören auf das Wort die Sammlung (sprich: das Auftanken) geschieht für die Sendung in die Welt hinein. Der Missionierte und für Jesus Gewonnene wird selbst zum Missionar für „Jesus allein“.

Quelle: Christliches Verlagshaus Stuttgart

Autor: Karl Layer

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314. Wenn Sie die Bildzeitung lesen, dann sollten Sie erstrecht dies lesen

Mittwoch, 20. Juni 2012 | Autor:

Lieber Blog Besucher,

ich biete Ihnen in diesen Artikel eine wahre Schatztruhe an. Öffnen Sie den Deckel und staunen Sie.

Der hohe Priester

Der Geist Jesu Christi

Ich gehe davon aus, dass Sie großen Gewinn aus diesen beiden Berichten gezogen haben.

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261. Werte – Orientierung! Warum wir Werte brauchen.

Mittwoch, 30. März 2011 | Autor:

Foto Wikipedia Rayn Lawer Z2 Wallstreet.

 

Vorwort

Warum wir Grundwerte brauchen

Auch im demokratischen Staatswesen scheinen Skandale und Affären zum Alltag zu gehören. Hochkarätige Politiker, Wirtschaftsbosse, Sportexperten usw. kommen in die Schlagzeilen, werden angeklagt, müssen abtreten und hinterlassen oft genug einen Scherbenhaufen. Manchmal kommt ihr Fehlverhalten früher und manchmal leider erst später ans Licht.
Analysiert man ihr Verhaltenskonzept, so wird klar, dass sie durchweg an der Missachtung elementarer Grundwerte gescheitert sind. Sie glaubten, ihre Lebensziele auch ohne eine ethisch-moralische Werte-Orientierung gut, vielleicht sogar besser erreichen zu können. Daher versuchten sie, Karriere und ethische Orientierung – die für sie „Privatsache“ ist -, voneinander zu trennen.
Fragt man, über welche Wertdefizite am häufigsten „gestolpert“ wird, so sind vor allem mangelnde Ehrlichkeit, Selbstlosigkeit und Nächstenliebe zu nennen. Diese Grundwerte menschlichen Handelns gehören jedoch zur geistigen Struktur des Universums. Es sind gleichsam „Naturgesetze“, deren Missachtung sich – wie im physikalischen Bereich – oft schmerzlich rächt. Wer das verkennt oder ignoriert, wird die Folgen schon im Diesseits und noch konsequenter im Jenseits zu spüren bekommen.
Sich an den Grundwerten zu orientieren, optimiert die Lebensqualität und den Lebenserfolg jedes Menschen. Es wird längerfristig auch dem eigenen Umfeld in Familie, Beruf, Politik und Gesellschaft zugute kommen.

Insofern ist es sehr zu begrüßen, dass die Wertefrage in der heutigen Diskussion wieder ins Blickfeld rückt. Man beginnt zu begreifen, dass wir wertorientierte Mitarbeiter, Chefs und Politiker brauchen. Man beginnt Charakterqualitäten, die auf Werten basieren, ganz neu zu schätzen.

Welchen Ursprung haben ethische Werte?

Viel zu selten wird heute jedoch gefragt, woher die ethisch-moralischen Grundwerte kommen und warum es sie letztendlich gibt. Die Antwort ist eindeutig, wenn man akzeptiert, dass ein Schöpfer des Universums da ist, der alle Dinge erschuf und erhält. In der Bibel erfahren wir, dass die ethisch-moralischen Werte von Anbeginn Gottes Wesensmerkmale waren und sind. Folglich ist der Ursprung aller Wert-Qualitäten weder beim Menschen noch im Humanismus oder in der Aufklärung, sondern in Gott selber zu suchen. „Gott ist die Liebe“ wird in der Bibel u. a. über die Quelle des wohl höchsten Wertes bezeugt (1 Johannes 4,16).
Dass wir Menschen die göttlichen Grundwerte besitzen und ausleben können, ist einerseits ein Geschenk. Andererseits ist dafür jedoch eine intakte Beziehung zu Gott, als der Quelle, vonnöten. So war es zunächst ungetrübt im Paradies. Durch den Sündenfall jedoch haben wir Menschen nicht nur Gott, sondern auch seine guten Werte verloren. In einem Dasein ohne Gott ist das Chaos jedoch vorprogrammiert. Die Menschheitsgeschichte seit dem Sündenfall liefert dafür genügend Beweise.

Wie wir die Grundwerte verwirklichen können

Aber Gott hat seine verirrten Geschöpfe dem Chaos nicht überlassen. Er sandte Jesus Christus als Retter in diese Welt. Durch seinen Sohn bietet er allen Menschen die Chance, ihn selbst und die verlorenen Werte wieder zu finden (Kolosser 1,3). Menschen, die an Jesus glauben, werden von dieser Chance Gebrauch machen. Sie werden die Grundwerte in ihrem Einflussbereich selber ausleben und weiter vermitteln. Politiker sind dabei nicht ausgenommen. Ohne eine Beziehung zu Jesus Christus jedoch werden wir die Werteorientierung zwar einfordern, aber wenig zur Besserung beitragen können.

Zum Konzept der vorliegenden Werte-Orientierung

Um Missverständnissen vorzubeugen, bin ich den Lesern noch folgende Hinweise schuldig: Bei den meisten Themen dieser Bro-schüre handelt es sich um bereits publizierte Beiträge der PBC-Zeitschrift „Salz & Licht“. Und zwar in der Rubrik „Das geistli-che Wort“, die ich seit Jahren betreue. Diese Artikel betreffen zwar alle den Wertebegriff, sind aber nicht speziell auf diesen fixiert. Der Leser darf also keine explizite Abhandlung über die Wertefrage erwarten. Da die Diskussion darüber z. Zt. jedoch stark expandiert, kann diese Schrift zum Werteverständnis aus biblischer Sicht seinen Beitrag leisten.

• Passagen und Beispiele, die nur indirekt mit der Wertefrage zu tun haben, wurden bewusst im Manuskript belassen. Wir möchten nämlich nicht nur Sachinformation, sondern auch Hilfen zur persönlichen Gottesbeziehung und zum Vertrauen auf Gottes Wort bieten. Als Christen wollen wir wertorientiertes Verhalten nicht nur einfordern, was wenig hilfreich wäre. Wir möchten vielmehr die Kraftquelle aufzeigen, die unserer Gesellschaft aus der Sackgasse heraus helfen kann: Jesus Christus. Ihn zu kennen wird wesentlich dazu beitragen, über christliche Werte nicht nur zu reflektieren, sondern diese in die Tat umzusetzen.
• Diese Publikation ist nicht als offizielle Verlautbarung oder gar als Glaubens-Manifest der Partei Bekennender Christen (PBC) zu betrachten. Die Themenbeiträge im PBC-Organ „Salz und Licht“ haben zwar im Parteikonsens breite Zustim-mung erfahren. Jedoch ist zu bedenken, dass in einer Partei – noch mehr als in jeder Christengemeinde – verschiedene Sichtweisen nicht nur zugelassen, sondern für einen Klärungs- und Läuterungsprozeß sogar notwendig sind. Das soll auch für die vorliegende Werte-Orientierung gelten. In den wesentlichen Aussagen stehen PBC-Vorstand, Redaktions-Team und Mitgliedschaft dahinter. In Detail-Fragen vertrete ich als Autor natürlich meine persönliche Sicht.
H. Masuch

Geleitwort

So weit ich erkennen kann, wurde die gegenwärtige Wertediskussion in unserer Gesellschaft von Christen angestoßen. Sie hat inzwischen weite Kreise in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erreicht. Aus der Katastrophe des zweiten Weltkrieges und der Erfahrung der grausamen Ernte eines widergöttlichen Wertesystems heraus, das selbst ein „tausendjähriges Reich“ bauen wollte, entstand die Bundesrepublik Deutschland mit einer Verfassung, die sich auf den lebendigen Gott in ihrer Präambel bezieht. Auf ungeheuer schmerzliche Weise hatte sich erwiesen, wo es hinführt, wenn Menschen sich auf ein Wertesystem ohne Gott einlassen.

1968 war ich in der Mittelstufe des Gymnasiums. Ich weiß noch, wie eine Mitschülerin mir klar machen wollte, dass die Mao-Bibel zukunftsweisend sei und ich meine Bibel besser ins Antiquariat geben sollte. Kaum jemand kennt heute mehr dieses rot eingebundene Buch.
Die 68er-Bewegung in Deutschland hat gewiss auch berechtigte Themen angesprochen,. Anfangs wollten die Studenten auf der Straße, später im „Gang durch die Institutionen“ ihre „neue Gesellschaftsordnung“ bauen. Das ist zum Teil auch gelungen, allerdings mit bitteren Früchten: Kindermangel, jedes Jahr mindestens 160.000 Abtreibungen, von Scheidungs- und Trennungsfolgen traumatisierte minderjährige Kinder in ähnlicher Größenordnung, Auflösung sittlicher Werte, Sozialkosten in unbezahlbarer Höhe und manches mehr.
So kommt die Wertediskussion mit der Götterdämmerung der 68er-Bewegung zum jetzigen Zeitpunkt nicht unerwartet. Führende Politiker bestätigen, dass nach ihrer Ansicht die deutsche Gesellschaft nicht wisse, wo sie in 10 Jahren stehen wolle. Auch sie selbst, die Politiker, hätten keine Antwort. Wir befinden uns mitten in einem höchst spannenden Umbruch. Kein Zeitpunkt wäre günstiger, als jetzt gesellschaftlich zu fragen, welche Werte tragen, welche Weltanschauung gute Früchte hervorbringt. Was im persönlichen Leben gilt, lässt sich auf Gruppen von Menschen (Familien, Ortschaften, Städte, Völker und Nationen) übertragen. Die Bibel tut das an vielen Stellen, z.B. als Jesus zu Ortschaften personal spricht .
Herbert Masuch gelingt es immer wieder, diesen Zusammenhang deutlich zu machen und motivierend, also in Bewegung setzend, zu veranschaulichen. Wir danken ihm als PBC für seine zahlreichen Beiträge und wünschen uns, dass die vorliegende Schrift sowohl unserer Gesellschaft wie auch vielen Einzelnen zu einer Reflexion und erfolgreichen Neuausrichtung ihrer Entscheidungsgrundlagen hilft.

Weissach, den 20. Mai 2006, Dr. Walter Weiblen, Bundesvorsitzender der PBC

C h r i s t e n h a b e n W e r t e
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Selbstwert-Optimierung

Wohl alle Psychologen sind sich darin einig, dass ein positives Selbstwertgefühl die Lebensqualität eines Menschen erhöht. Das volle Ja zu sich selbst festigt die Persönlichkeit, weckt Vertrauen zur Umwelt und befähigt, den Selbstwert anderer zu stärken.
Wen wundert’s, wenn jeder bemüht ist, seinen Selbst-Wert zu optimieren und auch – zu testen. Das Letztere wird jedoch problematisch. Und zwar deshalb, weil wir bei der Selbstbewertung ein Plus- und ein Minuskonto im Gewissen vorfinden, welches unbedingt mitreden will. Außerdem wissen wir nicht recht, woran wir uns bei der Selbsteinschätzung orientieren sollen. Um einer Selbsttäuschung vorzubeugen, ist beim Wertetest die Liebe zur Wahrheit gefragt. Auch tun wir gut daran, wenn wir unseren Selbstwert nicht halbherzig, sondern ganzheitlich testen. Beim „Test-Verfahren“ kommen gleichsam drei Orientierungs-Ebenen in Betracht, die wir kennen und zulassen sollten. Es gilt, zwischen einer Selbstbewertung „von außen“, „von innen“ und „von oben“ zu unterscheiden. Lassen Sie uns diese drei Bewertungs-Ebenen nun kurz betrachten.

Die Selbst-Bewertung „von außen“

Dabei geht es hauptsächlich um das Werturteil durch andere Menschen. Wir orientieren uns daran, wie Familienglieder, Mitschüler, Kollegen, Vorgesetzte, Freunde, Mitchristen, Nachbarn usw. uns einschätzen und über uns denken. Bei Wahlvorgängen erkennt man häufig an der Reaktion der Betroffenen, wie sehr sie das Wahlergebnis beglückt oder frustriert. Entscheidend für ihre Selbstbewertung ist allerdings, ob oder wie weit sie das Werturteil der Mehrheit für sich selbst übernehmen.
Auf die Bewertung „von außen“ ist jedoch wenig Verlass. Die Volksmeinung kippt rasch vom begeisterten „Halleluja“ zum spöttischen „Kreuzige ihn!“. Manch einer wird von Freunden enttäuscht und vom Lebenspartner verlassen. Das könnte für ihn eine „Inflation“ der eigenen Werte bedeuten?

Die Selbst-Bewertung „von innen“

Dabei haben wir die individuellen Lebens-Qualitäten im Blick. Dazu gehören die angeborenen, die ererbten und die selbst erworbenen Werte. Beispielsweise vertraute der „Verlorene Sohn“ zunächst auf seinen väterlich ererbten Besitz. Darunter verstehen wir nicht nur Geld und irdische Güter. Zu den ererbten Werten gehören u. U. attraktives Aussehen, interessante Mentalität, liebevolle Erziehung mit viel Zuspruch und Lob, gutes soziales Umfeld, elterliches Ansehen, so wie Begabung und Bildung. Natürlich bedeuten durch eigenen Fleiß erworbene Werte dieser Art zumindest ebenso viel.
Ohne Frage wird durch solche individuellen Attribute unser Wertbewusstsein erhöht. Was aber, wenn wir keine ausgesprochenen „Glückspilze“ sind? Was, wenn wir uns auf der Schattenseite des Lebens vorfinden? Wenn Pläne zerplatzen? Schicksalsschläge eintreffen? Wenn wir Zuhause, auf dem Schulhof, bei der Arbeit usw. viel gemobbt und „getreten“ werden? Wenn wir aus lauter Mutlosigkeit einer Sucht erliegen? Wird, ja muss das nicht Minderwertigkeitskomplexe erzeugen? Wird uns der unvermeidbare Drang zum Wertausgleich (Kompensierungsbestreben) schließlich zu Neurotikern machen?
Auch Glückspilzen macht bei der Selbstbewertung eine geheime Sorge zu schaffen. Es ist der von der Psychologie oft übersehene Faktor Gewissen. Dieses bewertet unser Denken und Tun bis in die Träume hinein nach dem Wertmaßstab von Gut und Böse. Durch jede gute Tat wird unser Selbstwertgefühl erhöht, während jede böse Tat es entsprechend verringert. Die Bibel bezeichnet böse Taten als Sünde und Schuld, was die Seele beunruhigt und das Gewissen belastet. Daraus resultiert die verborgene Angst, nach unserem Tod dem richtenden Gott zu begegnen.

Die Selbst-Bewertung „von oben“

Die wichtigste Ebene bei unserer Selbstbewertung ist die Frage, wie Gott über uns denkt. Eigentlich müsste er wegen unserer Abkehr von ihm mit uns zürnen. Wie der „Verlorene Sohn“ haben wir viel von seinem wertvollen Erbe schuldhaft „verprasst“. Wie er sollten wir daher reumütig sprechen: „Vater, ich bin nicht wert, dein Sohn zu heißen“. Verzeih mir bitte und nimmt mich – so wie ich bin – wieder an. Wenn wir das ehrlich tun, dann erleben wir wie der „Verlorene Sohn“ die Vergebung all unserer Sünden. Wie den begnadigten Sohn wird Gott uns in seine Arme schließen. Um uns seine Liebe zu bekunden, wird er auf das Sühneopfer Jesu Christi, hinweisen. Das Wertvollste, was Gott besaß, seinen lieben Sohn, ließ er am Kreuz für uns sterben.
Wer das glaubt und zu Gott heimkehrt, hat nicht nur ihn, sondern alle verlorenen Werte wieder gefunden. Ein neuer Ring, neue Kleider und Schuhe und sogar ein Freudenfest zeigen an, wie reich ein von Gott begnadigter Mensch dadurch wird.
Das bedeutet praktisch: Die Minderwertigkeits-Panik ist der Freude gewichen. Die stressige Jagd nach dem Wertausgleich ist nun überflüssig geworden. Die Neurosegefahr ist überwunden. Darum orientieren Sie sich in Ihrer Selbstbewertung daran, dass Gott Sie unendlich wert schätzt und durch Jesus ohne Vorbehalt liebt.

Gottes Wort – Basis für Werte

„Herr Ministerpräsident, zu Beginn eine Frage…“,
mit diesen Worten eröffnete Heinz Matthias, Vorsitzender des Arbeitskreises christlicher Publizisten (ACP), eine Gesprächsrunde mit Dr. Christian Wulff im Landtag Hannover. Wulff, Ministerpräsident von Niedersachsen, wurde gefragt, ob er sich die Verbreitung der christlichen Botschaft als effizient für seine Landespolitik vorstellen könnte. Begründen konnte Matthias seine Frage mit dem Hinweis auf überzeugende Erfolge des Evangelisten Reinhard Bonnke in Afrika. Nur bei einem seiner Verkündigungs-Feldzüge in Nigeria hätten sich etwa 1,6 Millionen Afrikaner für den Glauben an Jesus Christus entschieden. Als Folge davon habe es rückläufige Strafdelikte und Polizeieinsätze, Versöhnung zerstrittener Familien, eine Menge freiwilliger Bekenntnisse von Straftaten, Geldrückzahlungen u. a. bei den Behörden gegeben.
Diese positiven Auswirkungen des gepredigten Evangeliums auf die dekadente Gesellschaft seien von einigen Regierungen teilweise dankbar erkannt und begrüßt worden. Seit Jahren beobachtet man in Afrika, wie sehr es dem Volkswohl dient, wenn der Glaube an Gottes Wort das Denken und Handeln der Menschen zum Guten verändert. Darum werden Evangeliumsfeldzüge und andere Missionsinitiativen, etwa dem Evangeliums-Rundfunk, von höchsten Regierungsstellen, wie z. B. dem Präsidenten von Benin, Mathieu Kerekou, aktiv unterstützt.
Ministerpräsident Wulff stimmte dem Argument und seiner versteckten Herausforderung wohlwollend zu. Ihm sei klar, betonte er, dass es sich für Politiker auszahle, den Einfluss des Wortes Gottes vor allem etwa im Schulunterricht nach Kräften zu fördern.
Die Tatsache, dass der Glaube an Jesus Christus nicht nur für den Himmel gut ist, sondern Menschen, ja Völker und Kulturen erneuert hat, wird heute leider weithin vergessen. Dabei sollte gerade uns Europäern klar sein, wie viel wir im Hinblick auf Menschenwerte, Kultur und Fortschritt den Kräften des mündlich und schriftlich bezeugten Wortes Gottes verdanken.
Das Geheimnis der erneuernden Kraft besteht darin, dass Menschen im Evangelium dem lebendigen Christus begegnen. Wo er Einlass findet, da beginnt seine Zusage: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) sich schon hier und jetzt zu erfüllen. Einige Beispiele sollen deutlich machen, wie stark der Einfluss Jesu Christi Menschen verändern kann. Dabei wird erkennbar, dass die erneuerte Gesinnung hilfreich und nützlich für das Gemeinwohl ihrer Mitmenschen ist.

„Ich erstatte es vierfach zurück!“

Zachäus ist Zollbeamter in Jericho. Seine staatlich geschützte Position verschafft ihm im Umgang mit Geld gute Chancen. Seine Lebenseinstellung lautet: Geld macht glücklich! Die Konsequenz dieser Grundhaltung heißt folglich: Geldbeschaffung ist das erste Gebot! Nach seinen Wertmaßstäben befragt, hätte er geantwortet: Was mein Glück optimiert, ist erlaubt. Und zunächst scheint alles gut zu gehen. Zachäus wird reich – allerdings auf Kosten vieler betrogener Menschen. Doch Zachäus merkt bald: Geld macht doch nicht glücklich. Tief im Herzen bleibt eine Leere. Er spürt ein gähnendes „Schwarzes Loch“. Dann aber begegnet ihm Jesus und ruft: Zachäus, komm von deinem hohen Baum schnell herunter! Er tut es spontan und nimmt Jesus auf. Das macht ihn unerhört froh und verändert sein Denken. Jesus hat ein Wunder in seinem Herzen getan. Er ist plötzlich ganz sicher: Ich brauche den Mammon nicht mehr, um glücklich zu sein. Jesus achtet und liebt mich und ich darf sein Freund sein. Und das macht mich glücklich genug.
Die Begegnung mit Jesus hatte das vollbracht, was Gerichtsverfahren und Strafen niemals bewirkt hätten. Es beflügelt ihn, das ergaunerte Geld loszulassen, es vielfach zurückzuerstatten, damit Gutes zu tun. Die Stadt Jericho erhielt einen „neuen“ Beamten. Die betrogenen Mitbewohner staunten nicht schlecht. Wer gibt denn schon freiwillig Geld zurück – und dazu mehr als nötig? Die Zollpassanten atmeten auf. Sie profitierten von der Jesusbegegnung des ehrlich gewordenen Beamten. Kaum auszudenken, wenn wir alle so wie Zachäus würden, haben einige wohl bei sich selber gedacht. Das gäbe die ersehnte „heile Welt“ – ohne Soldaten, Gerichte, Gefängnisse und Zollbeamten.

„Einen Psychiater brauche ich nicht mehr“

„Gerda“ ist eine mitfünfziger Witwe. Sie lebte zuletzt ohne Trauschein mit einem Witwer zusammen. Nach seinem Tod war sie oft deprimiert, konsultierte laufend Ärzte, schluckte Mengen von Tabletten und landete schließlich beim Psychiater. Die Fahrten dorthin mit dem Taxi und die Gesprächstherapie bezahlte natürlich die Kasse. Aber das alles half Gerda nicht viel. Die Depressionen machten ihr weiterhin schwer zu schaffen. Dann aber hörte sie in einem Hauskreis und in einer christlichen Gemeinde zunächst gelegentlich und bald regelmäßig auf Gottes Wort. Die Frohe Botschaft von Jesus Christus berührte ihr belastetes Herz. Sie lud ihre Lebensschuld beim Mann von Golgatha ab und freute sich über die Vergebung ihrer Sünden.
Mehr und mehr löste sich der Druck von Gerdas Herzen. Gottes Wort – und mit ihm Jesus selbst – bewies zunehmend seine heilende Kraft. Entspannt konnte sie bezeugen, was sie nun mit Jesus erlebte und an ihm besaß. Auf die Frage eines Bekannten, ob sie denn ihren Psychiater noch brauche, meinte sie erstaunt:“ Eigentlich nicht!“ Und entsprechend handelte sie. Sie hatte etwas Besseres gefunden. Seit Jahren ist Gerda eine dienstbereite, fröhliche Christin, verteilt Schriften und betreut bedürftige Menschen. Die Begegnung mit Jesus Christus wirkte sich für sie und ihre Umgebung sehr positiv aus. Es profitieren sowohl Hilfsbedürftige als auch die Steuerzahler und Krankenkassen – und damit letztlich Gesellschaft und Staat. Kaum auszudenken, wenn wir alle uns von Jesus so umwandeln ließen.
Kaum auszudenken, wenn wir alle uns von Jesus so umwandeln ließen. Ob wir dann überhaupt noch die teuren psychiatrischen und pharmazeutischen Therapien nötig hätten? Wäre dann nicht auch die Suchtproblematik, deren Behandlung ebenfalls kostspielig ist, zum Wohle aller sehr schnell gelöst? Auf jeden Fall hätten die Krankenkassen und Politiker dann viel weniger Sorgen. Gerdas Beispiel lässt erkennen, wie sehr die Heilkraft Jesu Christi Menschen zu verändern vermag.

„Den Auspuff bitte nicht!“

Zuletzt noch ein Beispiel aus eigenem Erleben: Nach einem Auffahrunfall notierte ein Gutachter den erheblichen Sachschaden am Heck meines Audi. Vor einiger Zeit hatte ich die defekte Aufhängung am Auspuff provisorisch schon mal selbst „repariert“. „Schade“, bemerkte ich scherzhaft nebenbei, „dass der Auspuff beim Unfall nicht auch demoliert worden ist“. Der Werkstattmeister flüsterte mir wohlwollend zu: „Das kriegen wir schon irgendwie hin“. Und tatsächlich „erinnerte“ er zweimal den Gutachter, doch den Auspuff beim Notieren nicht zu vergessen. Beide Male habe ich dann aus Gewissensgründen bemerkt, der Auspuff sei beim Unfall nicht beschädigt worden. Meister als auch Gutachter schwiegen zwar dazu, haben sich jedoch wohl gefragt, warum man so naiv sein kann, und den Tausender für den fälligen Auspuff lieber selbst bezahlen wollte.
Vielleicht wird ihnen der Aufkleber auf der Heckscheibe weiter geholfen haben. Da stand nämlich: Gottes Kraft? Ja bitte! Und diese Antwort war unbedingt nötig. Denn in eigener Kraft bzw. vor meiner Wiedergeburt hätte ich mich beim „billigen Auspuff“ wie jeder „normale“ Mensch über den Glückszufall natürlich gefreut. Jetzt aber mit Jesus im Herzen hat die Versicherung – nein, haben die vielen Versicherungsnehmer, die jeden Versicherungsbetrug mit barem Geld ausgleichen müssen, davon profitierten können.
Nicht auszudenken, wenn alle Versicherten, Werkstätten und Gutachter und – und – und – sich von Jesus im Herzen umkrempeln ließen. Ob unsere Staatsmänner sich dann noch für eine teure Justizbehörde, die Bestrafung großer und kleiner Betrugsskandale, für den Polizeiapparat, für Gefängnisse und die Armee sorgen und herumstreiten müssten? Ich denke nicht.
Worum sie aber beim heutigen Notstand unseres Staatshaushaltes umso dringlicher besorgt sein sollten, ist die Ausbreitung des Wortes Gottes im ganzen Land. Eine Politik ohne oder gar gegen den Einfluss der Bibel und Jesu Christi ist volksschädlich und daher grundsätzlich falsch, mit Gott und seinem Wort aber grundsätzlich richtig. Lasst uns für unsere Spitzenpolitiker beten!
Wertmaßstäbe göttlicher Weltpolitik

„Gott sitzt im Regimente“
Der Weltsicherheitsrat wurde eingesetzt, um den Völkerfrieden zu sichern. Diverse Friedensbewegungen verfolgen ein ähnliches Ziel. Doch das Resultat ist ernüchternd.
Kaum schien die atomare Bedrohung vorüber, führen wir einen „Weltkrieg“ gegen bombende Terroristen. Nicht auszudenken, wenn es diesen gelänge, nukleare Energie gegen den „Rest der Welt“ einzusetzen. Und die neue atomare Gefahr eskaliert, gleichgültig ob die bedrohten Völker auf Diplomatie oder auf Gewaltmaßnahmen setzen.
Angesichts dieser weltweiten Rat- und Hilflosigkeit tut es Not, ernsthaft über die Prinzipien der göttlichen Weltpolitik nachzudenken. Dadurch wird uns die Kausalität von Frieden und Krieg, Wohlergehen und Chaos, Segen und Fluch erst recht bewusst. Dies wiederum befähigt und nötigt uns zu ehrlichen Konsequenzen.

1. Die Tatsache der göttlichen Weltpolitik

Vers 5 unseres Textes bestätigt, dass Gott, der Herr, den Verlauf von Kriegsereignissen aktiv bestimmt. Kriegsbeginn, Sieg oder Niederlage werden als „Werk des Herrn“ bezeichnet. Er ist es, der auch die Zerstörung nicht nur zulässt, sondern selber „anrichtet“, also verordnet. Israel hat mehrfach erlebt, dass Gott ein fremdes Volk zum Gericht „herbei pfeifen“ kann (Jesaja 5,26). Diese Weltsicht, in der Gott „das Herz Könige lenkt, wohin er will“ (Spr 21,1), muss die heutige Generation ganz neu entdecken – und akzeptieren.
Im Neuen Testament informiert vor allem die Offenbarung des Johannes über den hohen Stellenwert der göttlichen Weltpolitik. Sie legt Gottes souveränes Handeln in Gericht und Gnade eindeutig offen. Auf seinen Befehl werden u. a. die Gerichtsposaunen geblasen (8,2) und die Zornesschalen über die gerichtsreife Erde ausgegossen (15,7). Die Folge davon sind Kriege, Epidemien und Naturkatastrophen. Zufälligkeiten im Welt- und Naturgeschehen sind deshalb ausgeschlossen. Obwohl die Bibel oft davon spricht, dass Gott die höchste Instanz im Universum ist, wird sein Weltregiment heute leider kaum noch gesehen und ernst genommen. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen.

2. Die Motivation der göttlichen Weltpolitik

Gott ist Schöpfer und Erhalter von Himmel und Erde sowie aller Tiere und Menschen. Als wichtiges Motiv seiner Regentschaft ist zunächst Wohlergehen und Fortbestand seiner Geschöpfe zu nennen. Er hat sie nicht mit der Absicht, sich selber zu quälen, sondern zur Freude am Dasein erschaffen.
Seit die Lebensfreude durch den Sündenfall der Todesangst wich, bemüht sich Gott, die menschliche Lebensqualität in Liebe und durch Ernst zu verbessern. Auch wenn Gott Schuld bestrafen muss, streckt er den Reuigen liebend seine Hände entgegen.
Eine weitere Absicht von Gottes Weltpolitik nennt uns Vers 11. Es ist sein Anspruch, als „der Höchste auf Erden“ erkannt und geachtet zu werden.
Da Gott tatsächlich das A und O, Ursprung und Ziel aller Dinge ist, besteht sein Anspruch, „du sollst Gott fürchten, lieben und ehren“ zu Recht. Dazu wurde der Mensch letztendlich erschaffen. Im Römerbrief benennt Paulus es als Grundübel, Gott die Ehre, die ihm gebührt, zu verweigern (Römer 1,21 ff.). Gott ist nicht nur ein liebender, sondern auch ein heiliger Gott. Er eifert um seine Ehre und ist nicht bereit ist, sie einem anderen zu lassen.

3. Das Werte-Prinzip der göttlichen Weltpolitik

Es stellt sich die Frage, nach welchen Prinzipien Gott seine Menschheit regiert. Dabei stoßen wir auf die Grundwerte, die Gottes Wesen und Charakter ausmachen bzw. sein Handeln bestimmen. Da nichts Böses in Gott ist, sind es Werte des absolut Guten. Zum Guten gehört einerseits, „geduldig, barmherzig, gnädig und von großer Güte“ zu sein. Andrerseits ist Gottes Denken und Tun vom Prinzip der Gerechtigkeit, Wahrheit, Echtheit und Reinheit bestimmt.
Weil er alleine Gott ist, gehört zu seiner Weltpolitik auch die Kompetenz der Judikative (Gerichtsbarkeit) und der Exekutive (Gerichtsvollzug). Da in Gott „keine Finsternis ist“, wäre es vermessen, ihm Fehlverhalten in seiner Weltregierung zu unterstellen.
Der Mensch, als Ebenbild Gottes erschaffen, erhielt vollen Anteil an des Schöpfers ethisch-moralischen Werten. Sie sind die Basis für sein Wohlergehen als Individuum, in Familie, Gesellschaft und Volk. Allerdings dokumentiert die Menschheitsgeschichte bis heute, dass uns Gott und seine Werte durch die Sünde verloren gingen. Nur ein Schatten davon blieb nach dem Einbruch des Bösen zurück. Nur so lassen sich Chaos und Sterben auf dieser Erde sinnvoll erklären.
Aber Gott hat seiner Menschheit durch Jesus Christus neuen Zugang zu sich selber und zu seinen Werten geschenkt. In Jesus lassen die Zwänge des Bösen sich stoppen. Allein Jesu Werte-Potential vermag uns persönlich, aber auch unsere dekadente Ge-sellschaft zum Guten zu ändern. Durch moralische Appelle – ohne Jesus – ist das Böse nicht auszurotten. Darum tun wir gut daran, Gottes Sohn bewusst aufzunehmen, um seine Werte tief in uns zu verankern.

4. Das Kausalitäts-Prinzip der göttlichen Weltpolitik

In unserem biblischen Leitwort finden sich drei Befehle (Imperative): 1. „Kommt her und schauet“ (V.9), 2. „seid stille“ und 3. „erkennt, dass ich Gott bin“ (V.11). Damit nennt Gott gleichsam seine Bedingungen für eine Wende zum Guten. Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft, doch auch jeder Einzelne sind durch Gottes Worte vor eine Entscheidung gestellt. Bewusste Abkehr vom Bösen und konsequente Hinkehr zu Jesus Christus wären daher folgerichtig, so bald wir an Gottes Kausalitäts-Prinzip glauben.
Ursache und Wirkung lassen sich nicht voneinander trennen. In dem Maße, wie Bibelglaube und Gottesfurcht im Lande abnehmen, werden Unmoral, Wirtschaftsruin, Kriegs- und Terrorgefahr usw. zunehmen müssen. Umgekehrt allerdings auch. Gottes Wort wird Recht behalten: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben“ (Spr 14,34). Das ins Weltall gemeißelte Kausalitäts-Prinzip wird niemand „aushebeln“ können. Darum: “Suchet Gott, so werdet ihr leben!“ (Amos 5,4).

Ergänzungs-Aspekt:

Christen machen Friedens- und Weltpolitik

Zu den Zielen der PBC gehört es, durch politische Arbeit Einfluss auf das Wohlergehen des Volkes zu nehmen. Ob das Verheißung hat, sehen Christen z. T. kritisch, zumindest jedoch recht verschieden. Ihnen sei gesagt, dass PBC-Mitglieder ihr politisches Engagement als solches in der Regel nicht überschätzen. Sie wissen, dass ihr Bemühen den Mitmenschen nur in dem Maße nützt, wie sie selbst „bibeltreu“ leben. Dieses geistliche Prinzip gilt jedoch nicht nur ihnen, sondern allen, die bestrebt sind, der Welt als Christen zu dienen. Wer konsequente Nachfolge Jesu praktiziert, Liebe übt, geistlich denkt und handelt, der ist dem Volksganzen nützlich und damit „politisch aktiv“, ob er PBC-Schriften verteilt oder nicht.
Weshalb dieses geistliche Prinzip sich bei allen Nachfolgern Jesu positiv auswirkt, hat u. a. folgenden Grund: Christen sind mit ihrem Erlöser existentiell verbunden. Was mit Christus geschah, das geschah auch mit ihnen. Sie starben mit ihm am Kreuz (Rö-mer 6,11) und sind zugleich mit ihm auferstanden (Kolosser 2,12ff.). Christus lebt jetzt in ihnen. Diese Tatsache befähigt sie, Jesu Liebe, Wahrheit, Treue, Reinheit usw. weiter zu geben. Dadurch gestalten sie oft unbemerkt auch das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben. Sofern sie ihr Licht leuchten lassen, werden sie zum „Salz und Licht“ für die Welt (Matthäus 5, 13-14).
Wie sich das auch auf politischer Ebene auswirkt, habe ich in dem Buch: „Pflüget ein Neues!“ zu erläutern versucht (siehe Buch-hinweise, letzte Seite). Hier folgt eine Passage daraus:

Jesus-Beziehung wirkt sich aus

Wer den Frieden von Christus erwartet, der empfängt ihn zunächst für sich selbst. Doch er wird dadurch auch befähigt, Frieden in der Welt zu verbreiten. Wer Jesus jedoch ablehnt, entscheidet sich gegen den Frieden. „Die Gottlosen haben keinen Frieden“, sagt Gottes Wort (Jesaja 48,22). Zerstörende Kräfte, wie Neid, Habsucht Mordlust und Machtgier greifen dann um sich und ruinieren den Frieden.
Daher werden nur Menschen, in denen Christus regiert, etwas zum Frieden in der Welt beitragen können. Und sie werden es in dem Maße tun, als sie Christus durch sein Wort in sich Raum geben. Ihre vom Heiligen Geist gewirkte Fürbitte, ihre Vergebungsbereitschaft, ihre Versöhnung stiftenden Worte und Taten sind „Bausteine“ des Weltfriedens. Sie bilden das eigentliche Friedenspotential in den Familien, der Gesellschaft und den Nationen. Sie sind der wichtigste Faktor wahrer Friedenspolitik.

Friedenspotential durch gelebte Liebe

Dieses Friedenspotential eines Volkes deckt sich keineswegs mit der Größe und Mitgliederzahl seiner Kirchen. Was bei Gott zählt, ist die vorhandene Geistesfrucht (Galater 5,22), ist zuallererst die gelebte göttliche Liebe. Scheinfrömmigkeit hindert den Frieden. Doch echte Friedenssubstanz entsteht durch den „Christus in uns“. Nach diesen Kriterien disponiert Gott seine Friedens- und Weltpolitik.
Das zuletzt Gesagte macht deutlich, warum Christen heute dringend gerufen sind, ihr Fleisch zu kreuzigen und „im Geist zu wandeln“ (Galater 5,16-26). Praktizierte Heiligung ist niemals Selbstzweck, sondern dient dem Weltfrieden und auch dem Frieden unter den Christen. Nichts ist daher dringlicher, als Gottes Appell ernst zu nehmen und in der Kraft Jesu Christi ein Neues zu pflügen. Gott ist auf der Seite derer, die es in festem Vertrauen wagen, das Verheißene Land einzunehmen, die bereit sind, zu glauben und… zu gehorchen.“

Politik und Wahrheit?

Warum „bibeltreu?“

Es geht um eine kleine Operation an der Zunge. Ich frage den untersuchenden Oberarzt nach dem Heilungsverlauf im Mundraum, weil ich eine Komplikation befürchte. „Kein Problem“, meint er überzeugend. „Im Mund heilt alles schnell und phantastisch“. Ich staune. „Dann hat der Schöpfer das ja wunderbar eingerichtet“, entfährt es mir. „Ja, in dieser Sache ganz bestimmt“, bestätigt der Arzt. Auf meine Frage, ob er denn an den Schöpfer-Gott glaube, nickt er beim Fortgehen. Das ist in Gegenwart von Kollegen schon recht mutig.
Ein Bekenntnis zur Wahrheit der ganzen Bibel ist dann noch ein weiterer, wichtiger Schritt. Denn es steht doch geschrieben: “Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1 Mo 1,31). Solch einem Bekenntnis geht zumeist die nötige Erkenntnis voraus. Und dieser ein ehrliches Suchen und Finden. Bibeltreue Christen haben die Wahrheit gesucht und ge-funden. Sie glauben, dass die biblische Botschaft „lebendig und kräftig“ ist, weil Gottes Geist es ihnen offenbart hat. Sie haben die Dynamik des Wortes Gottes persönlich erlebt. Täglich erfahren sie, dass es gut ist, dem Herrn und seinem Wort zu vertrauen. Darum haben sie sich freiwillig und von Herzen der Autorität des göttlichen Wortes unterstellt.
Wie Luther 1522 vor dem Kaiser in Worms, so bekennen sie mutig: „Mein Gewissen ist gefangen in Gottes Wort“. Seinen Weisungen vertrauen und gehorchen sie mehr, als allen klugen, hohen oder tiefen menschlichen Worten.

Was ist Wahrheit?

In Jerusalem residierte der römische Feldherr Pilatus. Er verkörperte in der jüdischen Provinz die Judikative und Exekutive. Sei-nem Urteil und Befehl unterstanden Römer und Juden. In dieser hohen Position wird er unvermutet vor die Frage nach der Wahrheit gestellt. Sie ist ihm unbequem. Über den „König der Wahrheit“ müsste er ja nach den Prinzipien der Wahrheit entscheiden. Das aber kollidiert mit seinem Drang um die Beliebtheit beim Volk. Was soll er tun? Zutiefst weiß er: Ich müsste mich gegen das Volk und für Jesus entscheiden. Das möchte er zumindest versuchen. Doch wenn es zu hart wird, so denkt er, bleibt noch ein Ausweg, nämlich die Wahrheit zu relativieren. „Was ist Wahrheit?“ fragt Pilatus Jesus daher pathetisch. Statt sie zu tun, will er über die Wahrheit zunächst diskutieren.
Doch diesen Fluchtweg vor der Wahrheit hatte Jesus ihm schon im Vorfeld verbaut. „Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme“, ließ er ihn wissen. Liebe zur Wahrheit oder „aus der Wahrheit sein“ sieht Jesus als Bedingung, um die Wahrheit zu finden. Wo diese Grundeinstellung vorhanden ist, da geht es ums Hören auf sein Wort und ums Gehorchen, nicht aber ums Philosophieren.
Die Bibel ist Gottes inspiriertes, voll gültiges Wort. Sie ist die kompetente, für alle Menschen verbindliche Wahrheit! Geradezu vermessen ist der stolze Versuch, zwischen Mythos und Wahrheit in der Bibel unterscheiden zu wollen. „Es steht geschrieben!“ Damit widersteht Jesus selbst dem Versucher. Damit verweist er alle Wahrheitssucher auf den hohen Stellenwert dessen, was Gott in seinem Wort zu uns sagt. Wer aus der Wahrheit ist, den „hungert“ nach der Wahrheit im göttlichen Wort. Er findet Zeit, es zu hören, zu lesen, zu befragen, ja gleichsam zu „essen“. Das deckt sich mit Jesu Mahnung an jung bekehrte Christen: „So ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8, 31.32).

Die Wahrheit und die Motive

Die Wahrheit zu wissen, bedeutet noch lange nicht, sie auch zu tun. Wir entscheiden nach unseren Motiven. Pilatus entscheidet zu seinem eigenen Nutzen. Die Gunst des Volkes bedeutet ihm mehr als die Stimme der Wahrheit in seinem Gewissen. Jeder, der lügt, weiß es eigentlich besser. Wahrheitsliebe oder Eigenliebe, zwischen diesen Komponenten haben wir alle sehr oft zu entscheiden. Wie wir es tun, das wird größtenteils durch unsere Motive bestimmt. In der Regel werden wir uns der verborgenen Entscheidungs-Mechanismen gar nicht bewusst. Selbstliebe ist als Entscheidungs-Regulator und Handlungsmotorik bei unbekehrten Menschen zwar verschieden ausgeprägt, aber normal. Das wird erst anders, wenn sie sich für Jesus und damit für die Wahrheit entscheiden. Der Heilige Geist kehrt dann ein und beginnt ihre Motive zu verändern. Die Liebe zur Wahrheit setzt sich nun mehr und mehr durch.
Menschen jedoch, die sich wie Pilatus der Wahrheit verschließen, werden nicht frei. Wo ihnen die Wahrheit begegnet, weichen sie aus, argumentieren dagegen oder versuchen, sie zu manipulieren. Christen aber sind – wie ihr Meister – dazu geboren, bzw. wiedergeboren, um für die Wahrheit zu zeugen. In allen Lebensbereichen, wie Familie, Kirche, Politik und Gesellschaft kämpfen sie für die Wahrheit, sind sie bemüht, ihr zum Sieg zu verhelfen. Sie sind „bibeltreu“, denn sie beurteilen die oft heiß umstrittenen Punkte konsequent am Buch der Wahrheit, der Bibel.

Kampfplätze der Wahrheit

Zuletzt seien noch einige aktuelle Streitfragen im Kampf um die Wahrheit genannt:
Im Streit um Evolution oder Schöpfung wird oft ohne jegliche Beweise „im Namen der Wissenschaft“ für die Evolutions-Theorie, also eine Schöpfung ohne Gott, argumentiert. Grund dafür: Versteckte Angst, Gott einmal begegnen zu müssen.
Im Streit um eine reale Hölle wird trotz eindeutiger und häufiger Aussagen Jesu darüber gespöttelt und den Bekennern dieser Wahrheit Angstmacherei unterstellt. Grund dafür: Sich wegen der Realität des Jüngsten Gerichtes und der Hölle nicht bekehren zu müssen.
Im Streit um die Abtreibungsfrage wird trotz vorhandener Wohlstandssituation oft mit Argumenten der „Sozialen Indikation“ und „legitimen Rechte der Frau“ für das Töten des Kindes votiert. Grund dafür: Gott und seine Gebote und Warnungen vor den Folgen werden ignoriert. Eigenes Wohlergehen wird höher bewertet als menschliches Leben.
Im Streit um die Homosexualität wird trotz klarer göttlicher Verurteilung und der bekannten schrecklichen Folgen zunehmend dafür plädiert und gestritten. Der Grund dafür: Rebellion gegen Gottes Sexualordnungen und versteckte Liebe zur Sünde.
Beim Friedens-Verständnis im Nahost-Konflikt wird trotz eindeutiger terroristischer Fakten das Böse unterschwellig im Namen des Friedens geschützt, während befreiende Maßnahmen als Kriegstreiberei gelten müssen. Grund dafür: Ehrfurchtsloser Umgang mit der Wahrheit. Sie wird zu eigenen Gunsten manipuliert.
Bei Wahlversprechungen ist den Politikern, bzw. den Parteien scheinbar alles erlaubt. Gegen besseres Wissen werden schädliche Fakten verschwiegen und unerfüllbare Zukunftschancen versprochen. Grund dafür ist eine Politik ohne Gott und ohne Res-pektierung seiner Ordnungen, obwohl gerade diese hochgradig zum Wohle der Menschen beitragen würden. (Beispiele: u.a. Sozialismus und Drittes Reich, Volksbetrug und Skandale)
„Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme“, hat Jesus dem autonom agierenden Statthalter Pilatus gesagt. Gerade Machthaber und sonstige Verantwortungsträger tun gut daran, auf Jesu Worte zu hören und – danach zu tun. In dem Maße, wie sie das tun, werden sie die Wahrheit erkennen. Die erkannte Wahrheit wird sie von ihrer Selbstliebe befreien. Und als Befreite werden sie dem Wohl ihrer Familien, Betriebe und dem Volksganzen bestens zu dienen vermögen.

Heile Welt durch heile Menschen

So wird die Welt wieder heil

Ein Vater hatte in seiner Zeitung eine Weltkarte gefunden. Er zerschnitt diese in Stücke, gab sie seinen Kindern und sagte: „Versucht doch mal, sie wieder zusammen zu setzen“. Schon nach fünf Minuten erschienen sie triumphierend mit der wieder „heilen Welt“. Auf die erstaunte Frage des Vaters, wieso das so schnell ging, antwortete der Älteste: „Das war keine Kunst. Auf der Rückseite fanden wir ein Bild von einem Menschen. Und sieh, Papa, so bald der Mensch so war, wie er sein sollte, war die Welt es auch“.

Die Kinder hatten entdeckt, Welt und Mensch gehören wie die beiden Seiten einer Münze oder Zeitung zusammen. Schnell war nun eine patente Lösung gefunden, die kaputte Welt wieder heil zu bekommen: Wenn der Mensch heil ist – was ihnen offensichtlich leichter schien -, dann ist auch die Welt wieder heil, folgerten sie richtig.

Diese simple Kinderlogik ist in den Regierungskonzepten von Politikern und Parteien leider selten zu finden. Ganz im Gegenteil. Vor jeder Wahl wird uns mit griffigen Slogans erklärt und versprochen, mit welchen Rezepten die kaputte Welt wieder heil werden soll. „Vertraut uns!“ kann man überall lesen und hören; „wir sind tüchtig; wir schaffen eine heile, bessere Welt!“. Was dabei nicht gesagt, aber suggeriert wird ist der Zusatz:  Mit uns klappt es, ohne vorher den Menschen zu „heilen“!

Wie naiv und zugleich überheblich!  müsste eigentlich jeder denkende, geschichtsbewusste Mensch dazu sagen. Aber weit gefehlt. Mit diesem „Speck“ haben schon Karl Marx und Hitlers Propagandaminister Göbels ihre „Genossen“ gefangen. Und bis heute lassen sich alle Wahlkampfthemen und – Thesen auf das Versprechen reduzieren:  Wir machen die kaputte Welt wieder heil!

Das Problem ist der Mensch

Doch die vollmundigen Wahlkampfmanager übersehen oder ignorieren folgendes: Die kaputte Welt lässt sich nicht durch kaputte Menschen zum Guten verändern. Die kommunistische Idee: Ändere die Verhältnisse, dann ändern sich die Menschen, hat sich als fataler Irrtum erwiesen. Durch alle revolutionären Bestrebungen wurde mehr zerstört als geheilt. Auch die Versuche, nicht durch Gewalt, sondern mit demokratischen Mitteln eine „heile Welt“ zu schaffen, haben Lüge, Korruption, Betrug, Unmoral usw. nicht beseitigen können.

Das Problem liegt tiefer. Es liegt im kaputten, unheilen Menschen. Die Kinder im obigen Beispiel hatten schnell entdeckt, dass nicht nur das Welt-Bild, sondern auch das Menschen-Bild auf der anderen Seite des Blattes zerstört worden war. Und ihre Logik: „Wenn der Mensch so ist, wie er sein soll, dann ist die Welt es auch“, führte sie zu einem kühnen Entschluss. Sie änderten ihre Taktik und machten sich daran, zuerst das Bild des Menschen zu „heilen“. Dabei erlebten sie einen raschen Erfolg.

Die Einsicht, dass nur heile oder geheilte Menschen eine heile Welt schaffen können, würde die politischen Konzepte und Wahlversprechungen ändern. Die Spitzenpolitiker müssten dabei sehr bescheiden werden. Denn obwohl die Kinder glaubten, dass es leichter sei, den Menschen statt die Welt zu restaurieren, stehen Politiker dabei vor einem Riesenproblem. Es wird nicht nur schwieriger, sondern unmöglich für sie sein, kaputte Menschen so umzugestalten, wie sie sein sollten. Ehrlicherweise müssten sie dann auf ihren Wahlplakaten die Parole ausgeben:

Ihr Menschen ändert euch! Bessert Euer Leben, dann ändern sich – ganz von selbst – die Verhältnisse und damit die Welt! Aber – würde sich sofort der Protest erheben: Mit solch „naiven“ Werbetexten lassen sich doch keine Wähler gewinnen! Das stimmt. Und warum nicht? Letztlich deshalb, weil jeder Aufrichtige weiß, dass auch er selbst es nicht schafft, sich zu ändern. Darum einigt man sich auf den Versuch, – mit oder ohne Waffen – zuerst lieber die Welt zu verändern.

Wer beseitigt das Böse?

Wir halten fest an der Kinderlogik: „Wenn der Mensch so wird, wie er sein soll – nämlich das Ebenbild Gottes – ,  dann wird auch die Welt, wie sie sein soll, nämlich heil und gut und vollkommen. Damit stehen alle Weltverbesserer, Politiker, Gewerkschafter, Pädagogen aber auch Theologen vor der unlösbaren Aufgabe, den Kern des Menschen, sein Wesen und Herz zu verändern. Das eigentliche Problem dabei ist nicht der Mensch selbst, sondern das Böse im Menschen. Jesus sagt: „Aus dem Herzen der Menschen kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier…“ (Mk 7,21.22).

Dieses Grundproblem, das die Bibel „Sünde“ nennt, müsste gelöst und beseitigt werden, um eine heile, harmonische Welt zu bekommen. Wer aber kann das schaffen? Wer vermag dieses Wunder zu tun? Versucht haben es im Verlauf der Geschichte unzählige Regenten, Revolutionäre, Juristen, Humanisten und in jüngster Zeit ein Heer von Psychologen. Nicht zu vergessen wären die unzähligen Versuche von Menschen aller Rassen, Religionen und Konfessionen, sich durch gute Vorsätze und asketisches Mühen aus eigener Kraft zu verändern. Und schließlich wären sogar auch „Mose und die Propheten“ zu nennen. Sie alle scheiterten am schier unheilbaren Krebsgeschwür der Sünde, an der fatalen Dynamik des Bösen mit seinen chaotisch-tödlichen Folgen.

Jesus allein schafft heile Menschen

Aber Gott wollte nicht, dass seine Menschheit im Zwangsmechanismus des Bösen zu Grunde geht. Er sandte den großen Retter, und Befreier in diese chaotische Welt.  Dieser Heiler (Heiland) der ganzen Welt ist sein eigener Sohn. Sein Name heißt: Jesus Christus. Durch ihn hat letztlich Gott selber seiner versklavten Menschheit Heil und Rettung gebracht. Am Kreuz von Golgatha hat Jesus den Teufelskreis der Sünde gesprengt. Durch den Glauben an ihn können Menschen aller Rassen, Religionen, Parteien und Gesellschaftsschichten jetzt den Zwängen des Bösen entrinnen. Nur in dem Namen Jesus, der über alle Namen ist, kann der Mensch wieder „so  werden, wie er sein sollte“. Und nur so – nämlich in der Kraft Jesu Christi – wird dann auch die von der Sünde gebeutelte Welt so, wie sie sein sollte, und wie alle Menschen es wünschen.

Der Apostel Petrus klärt diesen Sachverhalt ein für alle mal mit dem programmatischen Satz: „Es ist in keinem anderen Heil (oder Heilung) ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darin sie gerettet werden können, denn allein der Name Jesus“.

Gehören Politik und Jesus zusammen?

Offen bleibt nun noch die Frage, ob denn Parteien und Politiker zu diesem Allheilmittel der kranken Gesellschaft etwas beitragen können und sollen. Wäre es nicht besser, dieses Zeugnis vom einzigen Retter  und Weltverbesserer, Jesus, den Kirchen zu überlassen? Ja und nein! Gewiss haben Politiker nicht im Reich Gottes, sondern in den Reichen dieser Welt zu regieren. Wenn sie jedoch vom obigen Sachverhalt überzeugt sind, wird es ihre Pflicht sein, alles politisch Mögliche zu tun, damit in ihren Ländern die Proklamation des Namens Jesus nicht unterdrückt, sondern nach Kräften gefördert wird. Denn je mehr Bürger sich durch Jesus vom Joch des Bösen – etwa Satanismus und Spiritismus, Unmoral und Gewalt – befreien lassen, umso leichter wird es sein, in einem solchen Land zu regieren (dann ist es „keine Kunst“, die Welt wieder heil zu bekommen).

Andererseits können Politiker bis hinein in die Gesetzgebung einiges tun, um die Prinzipien der Sünde und damit des Verderbens (Homogesetze u. a.) zu unterstützen. Deshalb ist es nicht gleichgültig, ob gottesfürchtige oder gottlose Politiker im Lande regieren. Immer wird  sich nämlich die biblische Wahrheit bestätigen: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben“ (Spr 14,34).

Freier Wettbewerb der Religionen

„Buddhas Weg zum Glück“ –  heilsamer „TÜV“ für selbstsichere Christen

 

Stellungnahme zur Pressekritik über die freie Initiative „Buddha oder Christus“ [1] während des Dalai Lama Besuches in Schneverdingen 1998

Nach der Abreise des Dalai Lamas aus Schneverdingen haben wir viel „Prügel“ einstecken müssen. Mit „wir“ meine ich uns drei Referenten, die wir die Alternativabende in Schneverdingen unter dem Motto: Buddha oder Christus? verantwortet haben: Dr. theol. Manfred Dreytza, Dozent im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen, Prof. Dr. Reinhard Franzke, Erziehungswissenschaftler aus Hannover, und mich als Evangelisten.

Von einigen Medien hagelte es nur so an herber Kritik. Schon vor und während der Veranstaltungen wurden wir bei Interviews provokativ gefragt: „Haben Sie Angst?“ oder: „Wollen Sie den Dalai Lama bekehren?“ „Der Spiegel“ karikierte uns als „die Freikirchler im Hinterzimmer von Schneverdingen“ und unterstellte kühn: „die den Dalai Lama so schnell wie möglich wieder nach Indien verfrachten wollten.“ Ähnlich wurde unsere Initiative von der „Frankfurter Allgemeinen“, der „Süddeutschen“ und der „Welt“ z. T. missverstanden.

„Ökumene ohne Lama“ betitelte eine heimische Zeitung ihren vorwurfsvollen Kommentar zu unserer christlichen Alternative. Eine andere überschrieb einen geharnischten Leserbrief mit dem Werturteil: „Christliche Intoleranz“. Auch dabei ging es um die schlimmen „Freikirchler“, die so unloyal denken.

Alle diese Vorwürfe zeugen von Unwissenheit und treffen ins Leere. Denn verantwortlich für die Abende waren weder die örtlichen Pastoren oder Kirchen, sondern allein wir drei Referenten. „Freie Initiative – nicht konfessionell“, war auf unseren Einladungen deutlich lesen. Darum trifft uns alleine jegliche „Schuld“.

Worum es uns Referenten wirklich ging, hat das NDR-Fernsehteam am besten verstanden und auch in der Sendung „Panorama“ im Ersten gebracht. Dort blendete man eine Szene ein, in der ich sinngemäß etwa folgendes sagte: „Wir tun dies hier nicht, um unsere Religion zu verteidigen. Ich verstehe mich vielmehr – bildlich gesagt – wie einen Autoverkäufer, der mit Christus etwas Wertvolles, ja „das Allerbeste“ anbieten kann. Prüfen und vergleichen Sie bitte! Toll wäre es, wenn Sie gleich eine „Probefahrt“ machen würden. Ich möchte natürlich gern, dass Sie sich für mein „Fahrzeug“ entscheiden.“

 

Religionskonkurrenz nicht verbieten

 

Dieses Beispiel macht deutlich, dass wir die Religionskonkurrenz heutzutage weder verbieten noch ausschalten sollten. Das würde gegen die Prinzipien der „freien Marktwirtschaft“ bzw. der Religionsfreiheit sträflich verstoßen. Ganz im Gegenteil. Jedermann weiß: Konkurrenz belebt das Geschäft! Und gerade deshalb können wir den buddhistischen Vorstoß ins so genannte „christliche“ Territorium eigentlich von Herzen begrüßen.

Es wird hohe Zeit, dass die christlichen Konfessionshüter endlich den Staub aus ihren „Regalen“ wischen. Einige von ihnen sollten überprüfen, was sie in ihrem „Laden“ überhaupt noch besitzen. Die Zeiten sind vorbei, wo man selbstverständlich im Geschäft nebenan kaufte. Wer im harten Wettbewerb überleben will, muss Qualität anbieten können. Das gilt auch für die christlichen Kirchen. Und die müssen die Konkurrenz heidnischer Religionen wahrhaftig nicht fürchten. Vorausgesetzt, ihre Repräsentanten sind wiedergeboren und haben den „Weg zum Glück“, wie der Dalai Lama es nennt, persönlich in Christus gefunden. Andernfalls wird ihr Angebot heute kaum überzeugen.

Um das Bild vom Autoverkauf nochmals aufzugreifen. Der Buddhismus hat eigentlich gar kein echtes Auto anzubieten. Dieses asiatische „Gefährt“ gleicht eher einem „Treto-Mobil“. Wer einsteigt, muss seine Reise zum Ziel, dem Nirwana, gleichsam „ohne Motor“ ganz durch eigene Anstrengung schaffen. Er findet zudem weder einen Helfer noch die Kraft vorwärts zu kommen. Denn im Buddhismus gibt es keinen lebendigen Gott. Ein Christ dagegen erhält beim Reisebeginn, seiner Bekehrung,  ein voll intaktes Reisegefährt. Für genügend „Kraftstoff“ sorgt der Heilige Geist. Er braucht nur loszufahren, wieder aufzutanken und auf die Verkehrsregeln zu achten. Bei Problemen jeglicher Art hilft ein bewährter „Reiseführer“, der immer nahe ist: Jesus Christus.

Und das Reiseziel? Ewiges Leben in der Nähe Gottes mit einem neuen unsterblichen Leib ist das Ziel, auf das man sich freut. „Buddhas Weg zum Glück“ hingegen soll im völligen „Aus“ unserer Persönlichkeit enden. Ein Aufgehen im Nichts – ohne jegliche Wünsche, Gefühle und Regungen als erstrebenswert anzusehen, fällt eigentlich schwer. Daher appellierten wir während unserer Vorträge: Informieren Sie sich genau! Vergleichen und testen Sie, bevor Sie sich für Buddhas Weg der Selbsterlösung oder für Christus als Ihren Erlöser entscheiden. Beides miteinander geht nicht.

Aber vielleicht liegt Ihr Problem ganz woanders. Eventuell scheuen Sie – wie manchmal beim Autokauf – noch den Preis. Und Sie ahnen: der Preis ist mein Herz. Das stimmt! Aber bedenken Sie: Jesus Christus opferte sein Herz und sein Leben für Sie. Das ist echte Liebe! Entschließen Sie sich gerade jetzt, ihn wiederzulieben – auch wenn es Sie scheinbar viel kostet.

 

Jesus im „Schiff“ der Partei

Es ist schon toll, ein eigenes Boot zu besitzen. Petrus konnte stolz darauf sein. Niemand sonst durfte darüber verfügen. Er selbst entschied, was damit geschah und – wer einsteigen durfte. Hauptsächlich diente sein Fischerboot ihm als Hilfsmittel, um zu arbeiten und dadurch Geld zu verdienen. Und dazu brauchte er es gerade jetzt, als sich gleich nebenan Tausende um Jesus drängten. Dieser hatte Mühe, der Volksmenge Gottes Botschaft verständlich zu sagen. Doch dann entdeckte Jesus den Petrus mit seinem Boot. Das ist die ideale Kanzel zur richtigen Zeit, wurde ihm klar. Aber dieses Boot war leider besetzt. Petrus benötigte es dringend für seine eigenen Zwecke. Doch Jesus wagt es, ihn um sein Boot und seine kostbare Zeit für Gottes Zwecke zu bitten. Petrus willigt ein. Damit stellt er sich und sein Werkzeug in den Dienst Jesu Christi. Er wird zu einem Helfer, Gottes Herrschaftsanspruch in dieser Welt zu verkünden. Lassen Sie mich das Fischerboot und seinen Besitzer zunächst mit unserem persönlichen Leben vergleichen.

Jesus, Kapitän unseres Lebens!?

 

Jeder – auch der ärmste Mensch – ist alleiniger Herr über sein Leben. Wie ein Kapitän vermag er sein Lebensschiff auf dem Meer der Zeit souverän zu lenken. Er kann über seinen Körper, seine Stimme, seine Sexualität, über alle ererbten und erworbenen Fähigkeiten nach Belieben verfügen. Er bestimmt den Kurs, die Fracht, die Anlegeplätze und -zeiten auf der Fahrt durch sein Leben.

Und normalerweise lässt er sich dabei von seinen eigenen Plänen, Wünschen und Impulsen bestimmen. So lebt er bewusst sein eigenes Leben, für dessen Kurs er allerdings dem Lebensschöpfer verantwortlich ist. Denn schließlich hat Gott, dem alles gehört, ihm sein Lebensschiff lediglich „auf Zeit“ ausgeliehen.

Wenn aber Jesus – wie damals bei Petrus – in das Lebensboot eintritt, möchte er es für seine Zwecke und Ziele benützen. Schnell wird klar, dass sie mit dem eigenen Lebensprogramm, etwa der Selbstverwirklichung, kollidieren. Es gilt zu entscheiden, ob man Jesus einlassen will oder nicht. Wer ihn aufnimmt, übergibt ihm damit die Kompetenz über das Boot seines Lebens. Wie Petrus stellt er seine eigenen Pläne zurück und tut das, was Jesus ihm sagt – worum er ihn bittet. Die Selbstherrschaft ist vorbei. Die Christus- und Gottesherrschaft hat mit der Bekehrung begonnen.

Jesus, Kapitän der Partei!?

 

Doch das Fischerboot des Petrus ist auch mit einer Partei zu vergleichen. Ihre Spitzenvertreter benützen es als Hilfsmittel für ihre Parteiziele und dabei auch für Privatinteressen. Es steht ihnen frei, den Parteikurs zu bestimmen und in ihrer Politik linke oder rechte Akzente zu setzen. So ein „Parteiboot“ lässt sich – wie bei der NSDAP – sogar zum Machtmissbrauch und zur Menschenvernichtung benützen. Man kann im Parteiboot aber auch Sittenzerfall, wie Schwulen- und Lesben-Legalisierung oder Kindesmord im Mutterleib als Wohlstandsrezept propagieren.

Wie der Parteiapparat genutzt wird, hängt vor allem davon ab,  ob Jesus Christus den Mandatsträgern in ihrem Parteiboot willkommen ist oder nicht. Dabei geht es nicht um die Frage, ob der Herr aller Herren als stiller Gast in dem Boot irgendwo ein C-Eckchen erhält, sondern ob die Bootseigner sich selbst samt ihrem Boot Jesu Autoritäts-Anpruch unterstellen.

Damit wären wir beim Hauptanliegen der PBC. Wie Petrus einst, so möchten wir Jesus eintreten lassen. Er soll nicht nur ein Gast, sondern Chef unseres Parteibootes sein. Wir wollen es als ein Werkzeug und Hilfsmittel für Jesu Ziele gebrauchen. Und sein Anliegen ist es auch heute, die Prinzipien des Reiches Gottes unter allem Volk  zu dessen Wohl bekannt zu machen und – möglichst viel davon zu realisieren.

Wie Petrus einst sein Boot, so wollen wir das PBC-Gefährt so steuern, das  JESUS daraus deutlich hörbar zu unseren Mitmenschen reden kann. In die Politik übersetzt heißt das, wir bemühen uns um ein Parteiprogramm und -konzept, dass sich in jeder Sparte mit Jesu Grundsätzen deckt. Ob es um Fragen der Familien-, Gesundheits-, Wirtschafts- oder Finanzpolitik geht, bei jeder Sachdiskussion, jedem Werbeslogan, jedem Gesetzesentwurf wollen wir fragen: Wie würde Jesus in dieser Sache entscheiden?

Kompetente Auskunft darüber finden wir im Buch der Wahrheit, der Bibel. Als Partei bibeltreuer und bekennender Christen muss unsere Politik mit Gottes und Christi Wort übereinstimmen bzw. kompatibel sein. Und sie wird es in dem Maße, wie wir selbst „bibeltreu“ leben.

C h r i s t e n   l e b e n   W e r t e

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Neues Eheglück durch Jesus Christus

Bibelorientierte Familienpolitik

 

Im Wahlkampf findet man rechts und links inhaltlich z. T. kontroverse Programmangebote. Alle aber – darin ist man sich einig – wollen das Wohl der Familien fördern und stützen.

Wichtiger als die hochtönenden Absichtserklärungen sollte dem kritischen Wähler jedoch die Frage der Machbarkeit sein.  Das Hauptkriterium bibeltreuer Wähler lautet nämlich: Will eine Partei ihre Ziele mit oder ohne Gottes Beistand erreichen? Gewiss, Ziele und Pläne für das Volkswohl sind wichtig. Zu Recht erwarten die Bürger, dass daran fleißig gearbeitet wird. Bei einer Parteipolitik ohne Gott ist die Enttäuschung jedoch vorprogrammiert. Die Rechnung, glückliche Ehen und Familien in eigener Kraft, also ohne Gottes Segen und Hilfe schaffen zu wollen, geht nicht auf. Auch für das Bemühen um heile Ehen und Familien gilt: „Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen“. In einem Lied heißt es treffend: „Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht. Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht“.

Gott will glückliche Ehen und Familien.

 

Schließlich ist Gott der Familien-Erfinder- und auch Begründer. Satan dagegen macht alles kaputt. Er hat das Böse und die Sünde erfunden. Schon im Paradies suggerierte er: Du brauchst Gott nicht, um glücklich zu sein. Und der Mensch fiel darauf herein – mit entsprechend chaotischen Folgen. Doch Gott gab nicht auf. In Jesus bietet er den  betrogenen Menschen einen Neuanfang an. Wer umkehrt und Jesus annimmt, kann von vorne beginnen. Er findet das Glück eines versöhnten Lebens mit Gott. Das verändert sein Denken, Fühlen und Wollen – auch in den Bereichen Familie und Politik. Jesus schenkt Frieden ins Herz und heilt zerbrochene Ehen. Dass dies stimmt, darüber möchte ich folgendes aus eigener Erfahrung berichten:

Zunächst hört die junge Frau dem Vortrag einer Christin eher skeptisch zu. Dann fasst sie Vertrauen und vereinbart mit ihr ein Gespräch. Dabei kommt sie auf ihre drückenden Probleme zu sprechen. Für sie steht momentan viel auf dem Spiel. Noch mehr als der berufliche Konkurs machte ihr die zerbrochene Ehe zu schaffen. Die Scheidung ist bereits eingereicht. Wie soll es weitergehen? Was wird aus ihrer süßen Tochter? Lohnt es sich überhaupt, ohne jede Zukunftsperspektive noch weiter zu leben?

Die Christin hat selbst Familie und weiß auch um Eheprobleme. Bevor sie jedoch darauf eingeht, kommt sie auf eine andere Beziehung zu sprechen. Noch wichtiger als das Verhältnis zu ihrem Mann ist ihr die Beziehung zu Jesus Christus. „Wenn diese vorhanden und  intakt ist“, bemerkt sie im Blick auf ihre eigene Situation, „dann kommen wir auch in der Ehe miteinander zurecht. Ich bleibe nämlich mit meinen Schwierigkeiten nicht allein“, fährt die Christin fort; „ich kann sie mit Jesus besprechen. Er steht mir bei und hat uns bisher immer aus der Klemme geholfen. Aber ohne den Kontakt mit Jesus wäre meine Ehe sicher auch schon kaputt.“

„Mit Jesus sprechen?“

Die junge Frau wird neugierig. „Mit Jesus sprechen“, wiederholt  sie erstaunt; „daran habe ich bisher nicht gedacht. Ich bin zwar evangelisch erzogen. Aber so eine direkte Beziehung zu Jesus unterhalten, das kenne ich nicht. Aber ich könnt’s  ja vielleicht mal versuchen.“

„Das wäre gut“, erwidert die Christin. „Doch bevor wir das tun, will ich Ihnen kurz erklären, wie unsere kaputte Beziehung zu Gott wieder heil werden kann. Der Kontakt nach oben ging nämlich durch unser eigenes Verschulden zu Bruch“. „Unser eigenes Verschulden?“ unterbricht die junge Frau. „Ja, das geschah ähnlich, wie es bei Ehescheidungen häufig geschieht. Bevor Ehen scheitern, ist meist eine fremde Beziehung im Spiel. Der eigene Ehepartner wird zugunsten eines Rivalen vernachlässigt und schließlich verlassen.“ Die junge Frau nickt betroffen. „Man ‚geht fremd‘ auf Kosten des anderen und wird dadurch schuldig an ihm. Die Ehebeziehung ist zerbrochen und muss wieder heil werden, wenn man neu anfangen will.“ „Ich verstehe“, bestätigt die junge Frau, „aber wie – oder was kann ich denn tun, um mit meinem Mann neu zu beginnen?“ „Sie müssen die eigene Schuld einsehen, dazu stehen und Ihren Partner um Verzeihung bitten“, lautet die Antwort. „Das leuchtet mir ein“, meint die junge Frau, „aber was ist, wenn mein Partner nicht will?“

„Daran scheitert es leider oft“, gesteht die Christin, „denn des Menschen Herz ist laut der Bibel ‚ein trotziges Ding‘. Aber Gottes Herz ist für jeden jederzeit offen. Die Verbindung zu uns war ihm so wichtig, dass er seinen Sohn am Kreuz für uns sterben ließ, um  unsere Schuld zu vergeben. Was Sie also – ganz für sich selbst –  bekommen könnten, wäre eine neue, intakte Beziehung mit Gott. Jesus ist ihr Mittler. Er wäre bereit, zu verzeihen, sobald Sie ihn darum bitten. Er liebt uns Sünder und stößt niemand hinaus. Jetzt liegt es nur noch an Ihnen , ob sie eine neue Beziehung mit Gott eingehen wollen.“ Das wäre möglich durch ein schlichtes Gebet.

Jesus macht kaputte Familien neu!

Die junge Frau ist bereit. Sie faltet die Hände und stammelt einige Worte um Vergebung ihrer Sünden. Auch die Christin betet. Sie dankt Gott und bestätigt der jungen Frau, dass Gott ihr Gebet erhört hat. Sie darf glauben, dass ihre Schuld vergeben und ihre Beziehung zu Gott geheilt worden ist. Dann wird sie ermutigt, Jesus selber dafür zu danken. Sie tut es und bittet Gott spontan, auch ihre Ehe zu heilen. „Vor allem aber“, fügt sie hinzu, „lass meinen Mann auch zu dir finden wie mich, damit wir zu dritt eine neue Beziehung beginnen.“

Und Gott hat auch dieses Gebet auf erstaunliche Weise erhört. Ihr Mann befand sich während dieser Woche beruflich in England. Dort erlebte er „zufällig“ einen Gottesdienst. Zum Schluss wurde er – wie seine Frau in Deutschland – dazu ermutigt, sein Leben in einem persönlichen Gebet Jesus zu übergeben. Er tat es, wurde darüber froh und betete spontan, dass nun auch seine Frau in Deutschland zu Gott finden möchte. Er ahnte nicht, dass sein Gebet so schnell erhört worden war. Ähnlich erging es seiner fast von ihm geschiedenen Frau, die ihrerseits für ihn betete.

Unvergesslich bleiben mir die Augenblicke, als die beiden sofort nach seiner Heimkehr Hand in Hand in unserem Wohnzimmer standen. Die Scheidung war nicht mehr aktuell. Gott schenkte ihnen bald noch ein zweites Kind und inzwischen konnten sie sich in ihrem Beruf wieder selbständig machen. Jesus hatte an beiden ein Wunder getan. Wir haben ihm miteinander von Herzen dafür gedankt. Und die Eheprobleme? Ganz sicher gab und gibt es noch welche. Aber sie bleiben damit nicht allein. Jesus ist für sie da und sie dürfen ihm allezeit alles sagen. Er hat sie bisher nicht enttäuscht, sondern ihnen stets weiter geholfen.

Ob auch Sie es mal mit Jesus versuchen?

Nach Grundwerten handeln

Grundwerte aktuell

 

Dass Politiker auch über Grundwerte sprechen, gehört heutzutage zum guten Stil. Zumeist bleibt jedoch offen, was sie darunter verstehen und inwieweit sie sich selbst danach richten. Gleichwohl signalisieren unsere Verantwortungsträger damit, dass es richtig ist, auf die Grundwerte des Lebens zu achten. Das hat schon Salomo gewusst, der als König über ein großes Reich regierte. In seinen Weisheitssprüchen versuchte er einige dieser Grundwerte sogar zu beschreiben. Drei davon scheinen mir für das persönliche und politische Leben sehr aktuell zu sein: In Kapitel 25, Vers 11 spricht Salomo ‚über richtiges Reden’, in Vers 15 ‚von der Kraft der Geduld’ und in den Versen 21-22 ‚von der Kraft der tätigen Liebe’.

Grundwert: wahr und besonnen reden

„Ein Wort, geredet zur rechten Zeit“, ist für Salomo, den Meister weiser Sprüche, „wie ein goldener Apfel auf silbernen Schalen“. Damit sind gewiß keine flüchtigen Worte gemeint, die uns schon mal entfahren können. Solche Worte passen nicht auf silberne Schalen. Salomo spricht hier von Redenden, die behutsam sind und sich ihre Worte gut überlegen.

Auf jeden Fall gehört dieser Wunsch, dass man seine Worte gleichsam auf silberne Schalen legen möchte, zur Grundgesinnung von Christen. Sie möchten Schüler ihres Meisters sein. Sie möchten lieben, denken, handeln und natürlich auch reden wie ihr Erlöser und Herr.  Bei Jesus lagen alle Worte, die er sprach, gleichsam wie „goldene Äpfel auf silbernen Schalen“. Ganz gleich, ob er tröstete, zum Vertrauen ermahnte oder die Jünger wegen ihres Kleinglaubens schalt: er redete immer mit helfender Absicht und immer zur richtigen Zeit.

Im politischen und geschäftlichen Leben scheint es schier unmöglich zu sein, immer wahrhaftig und besonnen zu reden. Und gerade das Reden „zur rechten Zeit“ erscheint oft problematisch. Es mag gut gemeint sein, wenn wir – wie Petrus – zur Selbstverteidigung oder gar zum Rechtsweg raten. Aber wäre das wirklich das richtige Wort „zur richtigen Zeit“? Manchmal fragen sogar Christen: schaffen wir es überhaupt, unserer Umgebung Worte darzubieten, die „goldenen Äpfeln auf silbernen Schalen“ gleichen? Und besteht nicht die Gefahr, dass wir dabei hochmütig werden?

Grundwert: Geduld beweisen

 

In Vers 15 heißt es: “Durch Geduld wird ein Fürst überredet …“. Hier spricht Salomo also von der Kraft der Geduld. Er behauptet, dass wir sogar ohne Worte zum Ziel kommen können. Folglich muss es eine Kraft geben, die mehr bewirkt als kluge Argumente es können. Sein Geheimrezept heißt schlicht und einfach Geduld. Um seine These zu bekräftigen, spricht Salomo von einem Fürsten, der sich durch Geduld überzeugen lässt. Gebieter sind in der Regel kluge, nüchterne Menschen. Sie lassen sich von Stimmungen oder Verhandlungstricks nicht so schnell beeinflussen.

Natürlich war auch Salomo selbst nicht vollkommen. Gewiss gab es Menschen, die sich manchmal mit mit ihrem König in Geduld üben mussten. Wir haben dabei etwa an seine Diener oder Berater zu denken. Wenn sie auf seine Launen und Fehler geduldig und nicht gekränkt reagierten, beeindruckte es ihn stärker als ihre höflichsten Worte.

Salomos weiser Spruch: „Durch Geduld wird ein Fürst überredet“, ist ein  deutlicher Hinweis für Christen. Sie kennen den hohen Zeugniswert von Besonnenheit, Ausdauer und vor allem Geduld. Sie haben sich entschieden, Jesus darin ähnlich zu werden. Von ihm heißt es, dass er „nicht wieder schmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt; er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet“ [1Petr 2,23].

Dass es möglich ist, im turbulenten Alltag Geduld zu praktizieren, beweisen tagtäglich unzählige Christen. Ein Zeuge Jesu erhielt beispielsweise beim Traktatverteilen in der Bahn eine kräftige Ohrfeige. Er konnte antworten: “Schlag ruhig auch auf die andere Seite. Mein Heiland liebt dich trotzdem!“ Oder da ist ein anderer junger Christ, der es lernte, das Mobbing am Arbeitsplatz um Jesu willen ohne Widerspruch zu erdulden. Oder ich denke an jene junge Frau und Mutter, die beim Fremdgehen ihres Mannes nicht nur treu blieb, sondern manche Demütigung geduldig ertrug.

Politiker sind in ihrer ständigen Öffentlichkeitsarbeit auf die Grundwerte Wahrheit und Zuverlässigkeit geradezu angewiesen. Jedes Manipulieren bei Wahlversprechungen usw. holt sie im parlamentarischen Alltag allzu rasch wieder ein.

Grundwert: selbstlos lieben

 

Salomo spricht in den Versen 21 und 22 von der Kraft tätiger Liebe. Er ruft auch uns auf: „Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser, denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt häufen, und der Herr wird dir’s vergelten“. Dabei ist festzustellen, dass die Forderung, „speise deinen Feind mit Brot“, mehr ist, als die zehn Gebote es uns abverlangen. Auch der Befehl, „du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst“, wird vom Aufruf zur Feindesliebe noch übertroffen.

Jesus hat in seiner Bergpredigt die Anweisung Salomos für Christen als verbindlich erklärt: „Ich aber sage euch: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, segnet die euch fluchen und tut wohl denen, die euch hassen“ (Mt 5,43 ff.). Er fordert sogar: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“ (Mt 5,48). Durch praktizierte Feindesliebe wird diese Vollkommenheit wahrlich geziert und gekrönt.

Salomo und Jesus gehen also offensichtlich davon aus, dass es Glaubenden trotz ihrer Schwachheit möglich ist, ihre Feinde zu lieben, ihnen zu verzeihen und sie, falls nötig, zu speisen. Angesichts dieser geforderten Feindesliebe rufen manche Christen jedoch bestürzt: Das schaffe ich nie! Selbst Paulus bekennt doch: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“(Römer 7,19). Wer also meint, er brächte es fertig, seine Feinde zu lieben, der betrügt sich doch wohl selbst.

Wäre damit wirklich schon alles gesagt, liebe Leser, könnten wir über Salomos Zuspruch in Vers 22 nur müde lächeln. Er verheißt dort: “denn du wirst feurige Kohlen auf sein Haupt häufen (das geschah in kalten Nächten durch wohltuende Wärme nach einem spezielles Verfahren), und der Herr wird dir’s vergelten“. Zu glauben, dass Jesus selbst dies getan hat, fällt uns nicht schwer. Er hat Freunde und Feinde nicht nur gesättigt, sondern für uns alle sein Leben gelassen. Aber wäre es nicht vermessen, so fragten wir bereits, wie Jesus handeln und leben zu wollen? Würde und müsste uns so etwas nicht auch hochmütig machen? Offensichtlich nicht, denn Jesus selbst hat gesagt: „Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun“ (Johannes 14,12).

Jesus in uns – Grundwert der Christen

 

Dass dies tatsächlich möglich ist, lässt sich schon am Verhalten der ersten Christen in der Apostelgeschichte klar erkennen. Auch im weiteren Verlauf der Kirchengeschichte sind unzählige Christen ihren Spuren gefolgt. Viele haben aus Liebe zu Jesus Verfolgung und Tod auf sich genommen (Hebr 11). Und bis heute  können viele Nachfolger Jesu im oft schweren Alltagskampf mit Paulus bezeugen: „In dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat, Jesus Christus“ (Römer 8,37).

Wie das praktisch möglich ist, seinen Feind zu speisen und feurige Kohlen auf seinen Kopf zu häufen, berichtet der originelle italienische Christ Dabotzzo aus der Hungerzeit nach dem Krieg. Als er eines Nachts spät nach Hause kam, lud ein Dieb gerade sein Brennholz auf den eigenen Wagen. Dabotzzo sah seine Hektik und bot sich an, ihm bei seiner schweren Arbeit zu helfen. Als sie fertig waren, lud er ihn ein, in seinem Hause erst noch etwas zu essen. Der Dieb, der wahrscheinlich daheim frierende Kinder hatte und wie viele andere damals Hunger litt, ging darauf ein und ließ sich von Dabotzzo bewirten. Dass die „feurigen Kohlen über dem Haupt“ zu seiner Reue beigetragen haben, ist sehr wahrscheinlich. Vermutlich mehr, als der übliche Schritt, schnell die Polizei anzurufen. Keine Frage also, dass Christen die Bergpredigt praktisch ausleben können. Allerdings werden sie solch ein Überwinderleben erst schrittweise einüben müssen. Doch es klappt, weil der Heilige Geist ein guter Helfer und Lehrmeister ist.

Jesus in uns – Wert-Realisierung bei Christen

 

Wie aber kommt man nun dahin, dass dieses Menschenunmögliche zur Tat wird, ohne dass wir darüber hochmütig werden? Haben wir nicht wenigstens etwas Lob und Ehre dabei verdient? Jesus selbst gibt auf diese heikle Frage eine klare Antwort. Er weiht seine Jünger in das Geheimnis ein, wie sie „Gottes Werke“ tun können, ohne stolz zu werden. Jesus offenbart ihnen: „Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst aus“. Sondern „der Vater, der in mir wohnt, der tut seine Werke. Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir“ (Johannes 14, 10-11). An anderer Stelle bekennt Jesus sogar ähnlich wie wir: „Ich kann nichts von mir aus tun“ [Johannes 5,30]. Nur weil der Vater, also Gott selbst, in Jesus wohnte und wirkte, konnte er Wunder tun und seine Feinde lieben. Aber eigentlich liebte, sprach und wirkte nicht er, Jesus, sondern Gott liebte und wirkte durch ihn. Und darum waren seine Zeichen und Wunder letztlich nicht seine, sondern Gottes Werke und Taten.

In gleicher Weise – also durch Christus in uns – können und sollen auch wir – seine Jünger – es tun. „Wo bleibt dann aber der Ruhm? Er ist ausgeschlossen“ (Römer 3,27).

Politiker im Sinne Christi – Bausteine der Demokratie

 

„Pray for as!“

„Bete für uns, wir stehen vor einer schwierigen Aufgabe!“ So tönt es plötzlich aus dem Autoradio, während ein Politiker sein Anliegen kommentiert. Ich befinde mich auf meiner ersten Reise durch die USA und staune nicht schlecht. Noch nie habe ich solch ein Gebetsbekenntnis von Politikern im deutschen Sprachraum gehört. Was ist das für ein Land? denke ich. Hier gibt es also Politiker, die Gottes Wort lieben und an die Macht des Gebetes glauben. Und sie schämen sich nicht, dies öffentlich zu bekennen.

„Gott segne Amerika!“

Es ist in der Tat etwas Besonderes um dieses Ursprungsland der modernen Demokratie. Es ist ein Land, in dem ein weltweites Gebets-Frühstück stattfindet, ein Land, in dem höchste Politiker sich nicht schämen, in der Öffentlichkeit zu beten. Das Gebetsbekenntnis des weltweit wohl bedeutendsten Staatsmannes, George Bush, passte während seiner Wahlkampagne uns Deutschen gar nicht in die politische Szene. Es wurde in den Medien vielfach ausgeblendet und vielfach missdeutet.

Trotz mancher Fehler, die im Washingtoner Kapitol vorkommen mögen,  stellen sich den Kritikern jedoch u. a. folgende Fragen: Warum sind die USA überhaupt zur dominierenden Weltmacht geworden? Warum hat ihre Regierungsform den Zusammenbruch mancher ideologisch-diktatorischen Staatsgebilde souverän überdauert? Warum ist vom Kontinent der „Neuen Welt“ – trotz einiger Missklänge – bisher weltweit viel helfende, regenerierende Kraft ausgegangen?

All diese Fragen sollten wir nicht nur personell oder punktuell zu verstehen suchen. Sie haben etwas, ja sehr viel mit der Geschichte der Vereinigten Staaten zu tun. Einen kleinen Eindruck davon sollen uns einige Streiflichter aus dem Leben von William Penn übermitteln. Obwohl weniger bekannt als andere geschichtliche Größen, könnte man ihn als einen der Väter des demokratischen Staatswesens bezeichnen. Ich entnehme die folgende Kurzbiographie meinem Buch: So machten sie es! ·

 

William Penn (1644-1718), – ein „Vater“ der modernen Demokratie

Der Sohn eines englischen Admirals hatte in der „Gesellschaft der Freunde“ (Quäker) Christus und seine Liebe persönlich erlebt. Diese menschenfreundliche Gottesliebe wirkte sich durch Penns Lebenswerk auf die religiöse, soziale und politische Entwicklung Amerikas positiv aus. Doch bevor der begabte Jurist und Theologe in seiner privaten Kolonie Pennsylvanien das „heilige Experiment“ eines freiheitlichen Staates verwirklichen konnte, wurde auch er zunächst in seiner englischen Heimat kirchlich-staatlich verfolgt. In Mayers Lexikon ist zu lesen:  „… als Quäker wiederholt verhaftet, schrieb Penn im Gefängnis (1669) ‚Ohne Kreuz keine Krone’“. Diesem grundlegenden Werk  zur Moraltheologie der Quäker folgte 1670 eine Abhandlung über die Toleranz…“   Ähnlich wie John Bunyan hat er also zunächst in der Gefängniszelle praktische „Kreuzestheologie“ erlernen müssen. Doch dort im Erleiden der Schmach Jesu Christi wurde das Fundament für sein Lebenswerk und sein Lebens-Zeugnis gelegt.

Wie die Herrnhuter Brüder nach ihrem „Pfingsten“, so lernte es William Penn im Gefängnis, seinen Peinigern zu vergeben und alle Menschen zu lieben. Es war die Liebe Christi, die ihn dazu trieb, das ererbte Vermögen seines Vaters für das Erschließen der eigenen Kolonie Pennsylvanien einzusetzen. Es war die Gesinnung Christi, die ihn dort den „ersten modernen Staat der Weltgeschichte“ (W. Zeller) errichten ließ. Dies war ein Staat, in dem allen Eingewanderten durch die „Charter of Liberties“ die freiheitlichen politischen Rechte zuerkannt wurden. In diesem Staat haben Toleranz und Menschenrechte erstmals eine Heimstatt gefunden.

Weil Christi Geist der Liebe sich in Penns Charakter auswirkte, darum… wurde Pennsylvanien bald eine Zufluchtstätte für religiös Verfolgte  aus ganz Europa. Mennoniten und Täufer aller Art, böhmische Brüder, Schwenckfelder und vor allem Separatisten sämtlicher Richtungen, besonders aus Deutschland, wanderten in Pennsylvanien ein. Die evangelische Universalität der Liebe in urapostolischer Reinheit zu verwirklichen, das sollte der Sinn von Penns ‚heiligem Experiment‘ sein.“

Weil Christi Natur sich in Penn ausdrückte, darum hat er 1676 West Jersey und im August 1682 Delaware mit der gleichen Absicht erworben, darum betrieb er überall eine indianerfreundliche  Politik, darum schuf er Handelsmöglichkeiten mit den Ureinwohnern, schloss mit ihnen einen „Friedensbund“ und wahrte Frieden, darum bemühte er sich durch großzügige Bedingungen um das Wohl der hereinströmenden Siedler und Emigranten. Weil Penn von der Barmherzigkeit Christi erfüllt war, darum betrieb er deren Angelegenheiten erfolgreich bei der Regierung und bewirkte 1683 die Gründung des Staates Philadelphia (=Bruderliebe), darum schrieb er ca.100 religiöse, teils aber auch bahnbrechende politische Schriften über Toleranz, Demokratie und Zusammenarbeit, darum schlug er bereits damals (!) im „Essay zum gegenwärtigen und zukünftigen Frieden in Europa“ eine internationale Organisation zur Vermeidung von Kriegen durch Schiedsgerichtsbarkeit vor (UNO!) und darum entwarf er bereits 1696 den Plan einer „Union der Amerikanischen Kolonien“ .

So hat William Penn sich zum Wohle unzähliger Glaubensflüchtlinge vorbildlich eingesetzt. Er hat durch seine bibelorientierte Staatspolitik die demokratisch freiheitliche Entwicklung Amerikas entscheidend gefördert. Ebenso hat er durch seine Bemühungen um Gerechtigkeit und Völkerfrieden zum Wohl der gesamten Zivilisation beigetragen.

In seiner Schrift „Eine ernste Ermahnung an alle Menschen, sich zum Herrn zu bekehren und ihn zu suchen, so lange er zu finden ist“, die alle Einwanderer seiner Kolonie ausgehändigt erhielten, schreibt er u. a.:

„Liebe Freunde, ihr müsst täglich euer Kreuz auf euch nehmen und Jesus  nachfolgen, sonst könnt ihr nicht seine Jünger sein, seine Nachfolger, sein Volk, seine Freunde, diejenigen, an denen er Wohlgefallen hat. Seine Lehren sind nicht so sehr die guten Worte, die ihr in Glaubensbekenntnissen und Katechismen lest, als vielmehr das Leben und das innere Lehren seines Geistes in euren Herzen. Und seine Religion ist nicht Meinung, sondern Erfahrung… Bekehrung, Wiedergeburt, kurz Unbeflecktsein und ‚Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn sehen wird‘ (Hebräer  12,14)… Denn ein Glaube, der keine Frucht hervorbringt und weder die Welt überwindet noch durch Liebe und Gehorsam tätig ist, kann nicht  wahrer Glaube sein…

Gebt euch nicht zufrieden mit Äußerlichkeiten, mit einem Namen, einem Bekenntnis, Kirchenmitgliedschaft! Denn es kommt nicht bloß auf das an, was ihr sagt, sondern vielmehr auf das, was ihr tut… Gott fordert das Herz: ‚Gib mir, mein Sohn, dein Herz!‘ (Sprüche 23,26). Er  hat den Menschen alles Übrige gegeben. Aber das ‚Herz‘ will Gott für sich selbst haben, wenn ein Mensch ihn zu seinem Gott und Freund haben will… Möge er euch mit der Macht seines Geistes ergreifen! Möge er euch euren Ungehorsam ihm gegenüber tief  bewusst werden lassen… Möge er euch einen  neuen rechten Geist geben (Psalm 51,12), dass ihr heilig, eifrig und mildtätig  seid, dass ihr tut, was ihr sagt und dass ihr die ewige Wahrheit nicht nur bekennt, sondern besitzt“.

Nach dem Geheimnis seines die Weltgeschichte verändernden Handelns befragt, würde er bescheiden antworten: Nichts von alledem geschah auf Grund meiner eigenen Klugheit und Kraft. Aber ich wurde von neuem geboren. Christus lebt jetzt in mir. Er ist mein Retter, aber auch die verborgene Dynamik in meinem Planen und Tun. Seine Weisheit und Menschenliebe ist die meine geworden. „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus“ (Phil 4,13).

Neben William Penn wurde das US-Staatsgefüge von einer Reihe überzeugter Christen gelenkt und geprägt. Woher aber kamen sie? Europas geistliche Elite wurde vor und nach der Reformation „im Namen Gottes“  verfolgt und in die „Neue Welt“ gleichsam vertrieben. Und der Same ihres Leidens- und Lebens als entschiedene Christen konnte dort ungehindert gedeihen. Sie haben viel gearbeitet, gebetet, evangelisiert, große Erweckungen erlebt, Gemeinden gegründet, sich aber auch politisch betätigt. Und die ganze Welt hat – bis heute –  viel davon profitiert.  Geradezu phänomenal ist es, dass sich führende Politiker der ganzen Erde jährlich in Washington zu einem Gebetsfrühstück treffen.

Bibeltreue Politik wirkt sich aus

Gottesfurcht – bestes Heilmittel

Sünde macht krank

Während einer Freizeit im Allgäu nahm ein jüngeres Ehepaar bei meinen Andachten teil. Kurz vor der Abreise erfuhr ich von ihnen, dass sie einen Kur-Urlaub machten. Die junge Frau litt an Schlaflosigkeit, hatte Angstgefühle und Probleme mit ihren Nerven. „Sie brauchen Entspannung. Fahren Sie mal in die Berge“, hatte ihr Arzt ihr geraten. „Inzwischen bin ich geheilt“, erklärte sie freudig. „Aber  mir ist jetzt auch bewusst geworden, warum es gesundheitlich bergab mit mir ging“, fügte sie eilig  hinzu.

Zu ihren drei Kindern hatte sich nämlich – ausgerechnet beim Bau ihres Hauses – noch ein weiteres angemeldet. Beide Eheleute meinten, triftige Gründe gehabt zu haben, um ihr Kind abzutreiben. Und trotz ihres mahnenden Gewissens haben sie die Kindestötung im Mutterleib dann doch vornehmen lassen.

„Kurz darauf begannen meine Beschwerden“, gestand die Frau. Beim Hören auf Gottes Wort war ihr jetzt jedoch klar geworden, dass sie gesündigt hatten. Sie hatten Gottes Gebot: “Du sollst nicht töten“, ignoriert und dagegen verstoßen. Aber Sünde trennt nicht nur von Gott, sie macht auch krank. Sie belastet den Leib und die Seele. Das hatten sie lange Zeit schmerzlich erlebt. Doch dann taten sie das einzig richtige: Sie vertrauten Gottes Zusage: „So wir aber unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns – um Jesu willen – die Sünden vergibt…“ Und sie sind mit ihrer Sündennot zu Jesus gekommen. Dadurch wurde vor allem die Frau  in der Seele entlastet und am Leibe geheilt.  An ihr hat sich das obige Bibelwort buchstäblich erfüllt.

Politische Konsequenzen

Was hat aber dieses Beispiel mit Politik zu tun, wird man fragen? Nun, wir können die menschliche Gesellschaft als organisches Ganzes, also auch als einen Leib betrachten. Für eine Volksgemeinschaft gilt aber das gleiche biblische Prinzip: „Fürchte den Herrn und weiche vom Bösen. Das wird deinem Leibe (deinem Staatswesen) heilsam sein und deine Gebeine erquicken“. „Fürchte den Herrn“ bedeutet etwa für die regierenden Parteien eine konsequente Politik „in der Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Das schließt die ständige  Rückfrage ein: Decken sich unsere Aussagen und Entscheidungen mit dem Willen Gottes in seinem Wort? Man kann nämlich nicht „Gott fürchten“ und zugleich seine ethisch-moralischen Weisungen relativieren oder gar mit Füßen treten.

Eine Politik, die sich nicht mit Gottes Geboten deckt, ist langfristig zum Scheitern verurteilt. Bei Wahlkampfaussagen oder Gesetzentwürfen muss das Prinzip gelten: Wie denkt Gott darüber? nicht aber: Was will das Volk? bzw.:  Wie wird die Volksmehrheit darauf reagieren? Nur Wahrheit, Gerechtigkeit, Treue, Gottesfurcht, d.h.  konsequente Abkehr vom Bösen, wird langfristig zum Wohl des Volksganzen führen. An diesen biblisch-christlichen Grundsätzen müssen besonders die C-Parteien sich messen lassen. Anlass zur Einsicht und Umkehr ist – wie beim obigen Ehepaar – auch für Politiker genügend vorhanden.

 

Schlussfolgerungen

 

Die Bibel lehrt eindeutig: Gottesfurcht lässt erkrankte Menschen, aber auch Familien, Betriebe, Regierungen und Völker gesunden. Das ließe sich durch viele Beispiele und Recherchen  erhärten. Daraus resultiert aber für Christen und Gemeinden die Pflicht, diese Gute Nachricht allen leidenden Menschen klar zu bezeugen. Dies werden sie tun, wenn sie nach Jesu Befehl „ihre Nächsten wie sich selbst“ wirklich lieben. Für Verantwortungsträger in der Medizin, Erziehung, Wirtschaft, Politik usw. ergibt sich die gleiche Schlussfolgerung, wenn sie das Wohl ihrer Mitmenschen ernsthaft wollen und suchen. Aufgabe der Regierenden aber ist es, ihre politische Arbeit konsequent an den Prinzipien und Wertmaßstäben der Bibel zu orientieren. Politiker, die ihr Volk lieben, werden ferner alles tun, um den Einfluss des Heilmittels „Gottesfurcht“ in jedem Gesellschaftsbereich zu verstärken.

C h r i s t e n   v e r m i t t e l n   W e r t e

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Kriesen meistern – mit welchem Konzept?

Joschaphat war König von Juda. Dieses hohe Amt war mit Ehre, Machtkompetenz und Privilegien verbunden. Eine solche Führungsposition ist begehrt und oft heiß umstritten. Übersehen wird dabei jedoch häufig die Bürde, dass nämlich Regenten für die Krisen ihres Volkes zuständig, ja verantwortlich sind. „Es kommt gegen dich eine große Menge…“ eröffneten die „Hiobsboten“ dem König Joschaphat. Als Staatsoberhaupt war er jetzt gefordert, die Kriegsbedrohung zu meistern.

Heutzutage sind Staatsführer, Minister und Abgeordneten der Regierungsparteien für die Kriesenbewältigung zuständig. Katastrophen, Epidemien, wirtschaftlicher Niedergang, aber auch ethnische Spannungen, religiöser und ethischer Werteverfall mit daraus resultierender Unmoral und Gesetzlosigkeit gehören zu den volksinternen Krisen.  Diese sind dann in der Regel Auslöser für die gefürchteten weltweiten Krisen, wie Weltwirtschafts-Katastrophen, Terrorismus und Krieg.

Um gewählt zu werden, versprechen alle Parteien kühn: Wir haben die Leute und die Konzepte, um jede Krise zu meistern! Ob es zu ihrem Regierungskonzept gehört, nach Gottes Weisung und Hilfe zu fragen, ist den Wählern im „Christlichen Abendland“ heute ziemlich gleichgültig. Darauf Wert zu legen, scheint auch im europäischen Parlament als überspannt und daher eher schädlich zu gelten. In Brüssel wurde man sich einig, im politischen Geschäft nicht mehr von Gott, geschweige denn von „Sünde“ zu sprechen. Von einem Aufschrei der europäischen Christen bei solch krasser Abkehr von der christlichen Wertorientierung hört man nicht viel. Praktizierenden Christen stellt sich hier die Frage:

Deutschland – Europa: Wohin?

 

Dass die Amerikanischen Wähler ihre hohen Regierungsämter zunehmend mit gottesfürchtigen  Politikern besetzen, wird im „alten Europa“ belächelt. Vor allem wohl deshalb, weil sich Amerikas führende Staatsmänner offen zur Gottesfurcht im politischen Handeln bekennen.  Dabei liegen die positiven Ergebnisse ihrer weitgehend bibeltreuen Politik geschichtlich offen. Niemand kann leugnen, dass die Völkerwelt durch diese Politik nach göttlichen Grundwerten  vor allem bei der Krisenbewältigung stark profitiert. Es mag auch in Washington Pannen geben. Doch was falsch oder richtig war, muß und wird sich jeweils erst langfristig zeigen.

Wie existentielle Krisen – auch in der Politik – mit Gottes Hilfe zu bewältigen sind, können wir von Israels Staatsoberhaupt, Joschaphat, lernen. Sein Verhalten in  einer Volkskrise soll uns auch als Richtschnur in persönlichen Notlagen weiterhelfen. Unsere Krise mag den Beziehungsbereich, den Gesundheitsbereich, den Gemütsbereich, den Finanzbereich oder den Bereich Sünde betreffen. Joschaphats Lösungskonzept ist immer ermutigend, unbedingt wirksam und – praktikabel (es ist spannend, den ganzen Bericht aus 1 Chron 20 nach zu lesen):

1.Schritt: Die Krise ernst nehmen und die Siegeschance nüchtern überdenken (V. 1-3a)

 

Joschaphat war von der Nachricht, gegen „eine große Menge“ von drei Heeren kämpfen zu sollen, tief betroffen.  Da ihm keine Zeit zum Aufrüsten blieb, war die Krise perfekt. Sprüche, wie „ich schaffe es schon!“ oder „nur keine Panik!“ erschienen absurd. Es war sinnlos, die Gefahr herunterzuspielen und die eigene Kraft zu überschätzen. Die Fakten waren zu eindeutig und Hilfe von außen war nicht in Sicht. Joschafat musste zugeben: Der Feind ist mir zu mächtig. Mein Kraftpotential reicht nicht aus, um zu siegen. Diese ehrliche Bilanz war schmerzlich und stürzte den König in eine seelische Krise: „Joschafat aber fürchtete sich“.

Seine Schwachheit ehrlich einzugestehen demütigt zwar, ist aber der erste wichtige Schritt, um Krisen zu überwinden. Dieser Schritt wäre angesichts des weltweiten Terrorismus und der Wirtschaftskrisen für exponierte Politiker sehr heilsam. Er wäre aber auch heilsam und unerlässlich bei allen beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Krisen, die uns als Einzelpersonen bedrücken und stressen.

2. Schritt: Die Krise Gott übergeben (V. 3-6.12-13)

 

Joschaphat lässt sich von seiner seelischen Krise nicht zu sehr beherrschen. Er flieht nicht ins Selbstmitleid oder in den Rausch von Beruhigungsmitteln, die es in Form von Alkohol schon damals gab. Als befugter Feldherr mobilisiert er auch nicht noch schnell die Reservisten. Israels König kennt einen besseren Weg, um die Volkskrise zu überwinden. „Er richtete sein Angesicht darauf, den Herrn zu suchen“, heißt es im biblischen Leittext (V.3b). Er sucht die Krisenhilfe zuallererst im Gebet, und damit bei dem lebendigen Gott. Beten zur Krisenbewältigung erscheint Staatsführern zumeist weder attraktiv noch vernünftig zu sein. Sie wollen Stärke beweisen. Beten gilt bei ihnen vielleicht als naiv, weil sie dadurch ihre Ohnmacht zugeben würden. Wer jedoch betet, bekennt zwar einerseits seine Schwachheit, aber er bekennt gleichzeitig sein Vertrauen auf den allmächtigen Gott.

Joschaphat tut dies nicht nur versteckt für sich. Er mobilisiert sein ganzes Volk zur Krisensanierung  durch bußfertige Hinkehr zu Gott: „Er ließ in ganz Juda ein Fasten ausrufen… und sie kamen zusammen, den Herrn zu suchen“ (V.3-4). Öffentlich bekennt der König dabei: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern unsere Augen sehen nach dir.“ Während einer Autofahrt in den USA hörte ich einen Politiker bei seinem Lagebericht plötzlich sagen: „betet für uns!“  Sollte ein Gebetsaufruf bei Politikern nicht auch im christlichen Abendland möglich sein, ja sogar als Führungsqualität gelten!? Beten wäre also der zweite wichtige Schritt zum Überwinden auch von persönlichen Krisen.

3. Schritt: Gottes Wort und Geist ehren (V.14-17)

 

Wenn gebetet wird, greift Gott ein. Er pflegt jedoch vor der direkten Erhörung zunächst deutlich zu reden. Gott will, dass die bedrängten Beter durch seine Verheißungen ermutigt werden. Gleichzeitig sollen sie praktische Weisungen erhalten und sich im Vertrauen auf seine Zusagen stützen. Gott inspirierte einen schlichten Boten, dem betenden Volk folgende Botschaft als sein Wort zuzurufen: „Ihr sollt euch nicht fürchten und nicht verzagen vor diesem großen Heer; denn nicht ihr kämpft, sondern Gott… tretet nur hin und steht und seht die Hilfe des Herrn, der mit euch ist… Morgen zieht ihnen entgegen.“ Damit hatte Gott den betenden Israeliten die Bewältigung ihrer Krise zunächst fest zugesagt.  Doch sie mussten ihr Gottvertrauen jetzt durch sehr ungewöhnliche Schritte „beweisen“. Allerdings  sollte ihr Beitrag bei der bevorstehenden Schlacht sie nicht überfordern. Gott erwartete nur, dass sie „hintreten“ und „stehen“ und die Hilfe des Herrn „mit ansehen“ sollten. Das war in der Tat kinderleicht. Mit Stehen und Zusehen konnte man sich natürlich keinen Ruhm erringen. Und genau so sollte es sein. Die betenden und vertrauenden Israeliten sollten Gottes Allmacht erleben und ihn allein dafür preisen (Psalm 50, 15).

Dieses Ziel verfolgt Gott auch bei den Krisenerfahrungen, die wir persönlich erleben. Darum ist es wichtig, nicht nur um Krisenhilfe zu beten, sondern Gottes Willen in seinem Wort, der Bibel, zu erforschen. Wenn wir seinen Zuspruch, aber auch seine Befehle ernst nehmen, werden wir den Sieg bald erfahren.

4. Schritt: Im Glauben für Gottes Eingreifen danken (V.19-20)

 

Es ist üblich, Gott in einer Krise solange um Hilfe zu bitten, bis diese eintrifft. Erst dann scheint es uns nötig und sinnvoll zu sein, ihm für den erlebten Beistand zu danken. Wie der ungläubige Thomas möchten wir erst schauen und danach dann auch glauben. Doch wenn Jesus sagt, „Wer da bittet, der empfängt“ (Mt 7,8), dann empfangen Beter schon, während sie bitten (1 Jo 5,15). Und deshalb können und sollten Sie sofort für das Empfangene danken – auch wenn Sie es erst später erleben.

Was Krisenbewältigung „im Glauben“ heißt, können wir von König Joschaphat lernen. Er und sein Volk stützten sich fest auf Gottes Zusage: „…denn nicht ihr kämpft, sondern Gott“ (V.15). Und weil der Sieg ihnen deshalb absolut sicher war, „…schickten die Leviten sich an, den Gott Israels mit lauter Stimme zu loben“ (V.18-19). Joschaphat „bestellte Sänger für den Herrn, dass sie…vor den Kriegsleuten herzogen und Loblieder sängen“. Im Glauben waren sie schon die triumphierenden Sieger. Sie handelten daher so, als wäre die Krise beendet und die große feindliche Heeresmacht schon besiegt.

Darauf wartet Gott. Und auch Jesus betonte, „selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Sie glauben, weil Gottes Wort es ihnen zugesagt hat und weil sie mit „gewisser Zuversicht“ darauf vertrauen dürfen (Hebr 11.1). Wie manche persönliche Krise wäre schon früher zu Ende, wenn man aufhören würde, weiter zu betteln, und kühn beginnen würde, für die Erhörung im Voraus zu danken.

 

5. Schritt: Gottes rettende Allmacht erleben (V.22ff.)

 

Wann und wie Gott konkret eingreift, um die Krise in einen Sieg zu verwandeln, müssen wir ihm überlassen. Jede Krisenüberwindung fällt anders aus. Aber in der Regel wird aus dem Gott ehrenden Glauben, wenn er bewährt ist (Jakobus 1,3.12), ein frohlockendes Schauen. Bezeichnend ist die Aussage: „Und als sie anfingen mit Danken und Loben, ließ der Herr einen Hinterhalt kommen…“ (V.22). Sie waren nun vom Glauben zum Schauen gekommen. Später kamen die Israeliten im Lobetal noch einmal zusammen, um Gott für die konkret erlebte Hilfe zu danken. Vielleicht ist für Sie, lieber Leser, das Danken „im Glauben“ jetzt dran (4), um einen Sieg aus Ihrer Krise zu machen.

Terror-Schock  –  Gottes weltweiter Weckruf

Biblische Aspekte zum tragischen Weltkonflikt seit dem 11. September 2001

 

Der Schock sitzt tief

Die einstürzenden Turmriesen des Welt-Wirtschafts-Zentrums trafen die heutige Wohlstandsgesellschaft ins Herz. In der Tat ist die Welt seit dem 11. September 2001 anders geworden. Diese traumatische Katastrophe in den USA wurde zu einer globalen Kanzel. Überzeugender als die besten Prediger schleuderte sie die eindeutige Botschaft in die aufgeschreckte – vor allem westliche – Welt:

  • Das menschliche Leben kann brutal plötzlich zu ende sein
  • Absolute Sicherheit gibt es nirgendwo auf der Welt
  • Modernste Abwehrmaßnahmen (Pentagon) können nicht schützen
  • Bleibender Wohlstand lässt sich durch nichts garantieren
  • Wenn dich selber die Schuttmassen zermalmt hätten – wo wärst du jetzt?

Eine Welle existentieller Angst hat die Menschen im westlichen Kulturkreis überrollt. Mit dem World-Trade-Center als stolzem Symbol florierender Marktwirtschaft ist der Traum vom gesicherten Wohlstand für viele wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Wochen später – während ich dies schreibe –  wird die Welt durch gezielt adressierte Briefe mit bakteriellen Milzbrand-Erregern in Atem gehalten. Die Sicherheit der westlichen Welt ist dahin. In diesem Höllenszenarium tauchen verdrängte Fragen gespenstisch wieder auf: Wenn die irdischen Güter und Werte so zerbrechlich sind, reflektiert man, wofür lohnt es sich dann überhaupt noch zu leben? Gibt es andere, unzerstörbare Schätze und Werte? Auch wenn diese Fragen nicht ausgesprochen werden, so hängen sie atmosphärisch in der Luft und drängen spürbar ins Bewußtsein der Menschen. Mehr als sonst wird sogar über Gott wieder nachgedacht und gesprochen. Nicht selten entlädt sich die innere Unsicherheit jedoch in der vorwurfsvollen Frage:

Wo war denn Gott bei der Tragödie am 11. September?

Wer so fragt, geht davon aus, dass dieser Gott – wenn es ihn denn gibt – sich gefälligst um unser irdisches Glück zu kümmern hat – und zwar bedingungslos und so, wie wir es uns wünschen. Wenn diese Rechnung nicht aufgeht, dann wird der Schöpfer von seinem Geschöpf als ungerecht, hart und lieblos verklagt. Geradezu empört fragt man dann, wie Gott so etwas Schreckliches zulassen kann.

Ein solches Gottesbild ist selbst gestrickt, anmaßend und entspricht absolut nicht dem Gott, der seinen Sohn für uns gab. Die Bibel spricht wohl von einem Gott, der uns erschuf, der uns als Vater liebt und unser Bestes will. Sie spricht allerdings auch vom Menschen, geschaffen nach Gottes Bild. Das zeichnet ihn aus. Er kann über die Beziehung zu Gut und Böse, zu Gott und Satan eigenständig – und damit verantwortlich – nachdenken und auch entscheiden. Die Bibel berichtet zudem, wie das Böse – trotz Gottes Warnung – in unser Paradies hereinbrach. Sie spricht deutlich vom Sündenfall. Und sie berichtet von Hass, Streit und Leid, von Kriegen, Schmerzen und Tod als dessen schreckliche Folgen. Die Schuld für alles Elend in der Welt – einschließlich aller Terrorattacken – liegt grundsätzlich niemals bei Gott, sondern einzig und alleine bei uns Menschen. Dennoch liebt Gott seine gefallene Welt (Johannes 3,16). Als Beweis dafür opferte er seinen eigenen Sohn. Er versöhnte die Welt mit sich selbst, geht allen Verlorenen nach, sucht in Güte und Gericht ihre Umkehr und möchte alle – auch Terroristen –  aus ihrer Verlorenheit retten. Um das zu erreichen, muss Gott – wie Eltern bei ihren Kindern – manchmal aus Liebe hart strafen.

Aber… kontern viele empört: Gott ist trotzdem ungerecht, denn das Lebensschicksal entspricht oft nicht den menschlichen Taten. Warum mussten die gerade im World-Trade-Center Anwesenden so plötzlich sterben? Waren sie größere Sünder und damit schuldiger als alle, die davon kamen und als wir, die wir heute noch leben?

Wikipedia NOAA (httpwww.noaanews.noaa.govstoriesimagesgroundzero.WTCgroundzero

 

Was sagt Jesus zur Tragik des 11. September?

Mit ähnlichen Fragen wurde Jesus konfrontiert, als ihm einige Zuhörer von einem blutigen Massaker unter friedlich opfernden Juden erzählten. Seine Antwort zeigt zunächst, dass nicht alle unsere Fragen beantwortet werden können und müssen. So geht er auf die Frage, warum  gerade sie? überhaupt nicht ein. Jesus bestätigt den Fragern jedoch, dass die Getöteten keineswegs schuldiger waren, als andere auch. Auch die Frage nach der Schuld des Pilatus bei diesem Massaker ignoriert Jesus völlig. Er sieht sich im Moment nicht beauftragt, darüber zu richten. An dieser Stelle unterscheiden Jesus und seine Nachfolger sich von den heutigen Regierungsvertretern. Ihr Mandat besteht gerade darin, die Ordnung in einem Rechtsstaat wenn nötig auch durch Ausübung von Gewalt zu erhalten, Unrecht zu bestrafen und ihre Mitbürger möglichst zu schützen. Insofern erfüllen George W. Bush und die verbündeten Machthaber – auch als Christen – ihre von Gott gegebene Pflicht, wenn sie zur Waffe greifen und den Terrorismus bekämpfen.

Ohne zu diskutieren, wendet sich Jesus jedoch direkt an die Fragenden selbst. Er zieht aus dem tragischen Ereignis eine Schlussfolgerung, mit der sie nicht rechnen: „Wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr alle auch so umkommen“, lässt er sie wissen. Jesus geht es also nicht um Standpunkte über den tragischen Sachverhalt. Es geht ihm vielmehr um die persönliche Umkehr und Rettung derer, die jetzt noch leben. Weil ihm das so wichtig ist, fügt er ein weiteres Beispiel an, das dem Terror der islamischen Luftpiraten völlig neue Akzente verleiht. Weil sein Beispiel mit dem Einsturz der gigantischen Bauwerke in New York nahe liegt, möchte ich Jesu Worte hier in direkte Anwendung bringen: „Oder meint ihr, dass die ca. 3000, auf welche die beiden Türme des World-Trade-Center fielen und sie erschlugen, schuldiger gewesen seien als alle anderen Menschen, die in New York wohnen? Ich sage euch: Nein; sondern, wenn ihr nicht zu Gott umkehrt, werdet ihr alle, die ihr darüber entsetzt seid, auch ebenso umkommen.“

Gott redet durch die heutige Existenzbedrohung zu allen bestürzten, ratlosen Menschen. Sein Weckruf lautet: Tut Buße! Kehrt um! „Suchet Gott, so werdet ihr leben!“ (Amos 5,6) und Frieden und Geborgenheit finden!

Gottes Weckruf an die Verantwortungsträger in Wirtschaft und Politik

Rein äußerlich sind die Hauptakteure auf der Weltbühne der Politik und Wirtschaft durch den Dschihad der islamischen Extremisten tatsächlich erwacht. Erstaunlich rasch haben die Regierungen zu einer „Völkerallianz wider den Terrorismus“ zusammengefunden. Schnell wurden die Zentren der Terrorszene lokalisiert, die politischen, psychologischen und militärischen Kräfte zum Gegenschlag mobilisiert und koordiniert. „Habt keine Angst, wir haben die Lage im Griff!“, ließen die Machthaber der westlichen Welt immer wieder durch die Medien verkünden. „Wir werden den Terror bezwingen! Wir werden für Frieden und Sicherheit sorgen“!

Gewiß, darüber mag man sich freuen. Für äußere Sicherheit zu sorgen, ist der Politiker Pflicht.

Bibelkenner aber fragen sich: Haben die Großen dieser Welt bei alledem Gottes Reden gehört? Verstehen sie sich als Werkzeuge der allerhöchsten Regierungsinstanz, dem lebendigen Gott?  Und wissen sie sich bei der Handhabung ihres Machtapparates  abhängig von dem Herrn aller Herren? Wichtig ist ferner die Frage: Haben unsere amtierenden Politiker schon erkannt, dass Gott auch sie zur Umkehr und Gottesfurcht ruft, dass es auch Ihnen gilt: „Wenn ihr nicht Buße tut. so werdet ihr auch also umkommen!“ Vielleicht begreifen sie noch nicht, dass sie laut Psalm 46, 9-11 nur Gottes „Handlanger“ sind und letztlich nicht an den Hauptschalthebeln der Weltpolitik sitzen. Dort heißt es nämlich: „Kommt her und schauet an die Werke des Herrn, der auf Erden solch Zerstören anrichtet, der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen (oder auch Wolkenkratzer) mit Feuer verbrennt. Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden!“

Dennoch bleibt wahr: Obwohl Gott in die Welt- und Menschengeschichte oft warnend und richtend eingreift, bleibt er der liebende Gott. Wie weit es dabei kommen kann und wann er der Bosheit Einhalt gebietet (Hiob 38,12), müssen wir vertrauend und demütig ihm überlassen. Stets möchte Gott, dass wir seine Güte, aber auch sein hartes Reden  als Weckruf zur Umkehr, aber auch zum Mitgefühl und praktischer Hilfe an den Betroffenen verstehen und – danach tun. Solche gute „Frucht der Betroffenheit“ hat sich nicht nur in den USA während und nach der Katastrophe oft deutlich gezeigt.

 

Gottes Weckruf an gleichgültige Nichtchristen

Gottes Wort missbilligt die verbreitete Meinung, dass die Schlüsselpersonen der Weltpolitik für Frieden oder Krieg, Wohlstand oder Chaos hauptverantwortlich sind. Mit Jesu Worten: „Wenn ihr nicht umkehrt…“ wird klar, dass jeder Mensch für sein irdisches und ewiges Schicksal selbst verantwortlich ist. Mit dem warnenden Hinweis: „so werdet ihr alle genau so umkommen“, meint Jesus nicht, dass alle in einem gekaperten Jet oder unter Turmtrümmern umkommen werden. Das beträfe ja „nur“ ihr Ergehen in der irdisch-zeitlichen Dimension. Jesu Weckruf weist darüber hinaus. Er will den Blick auf unser Schicksal nach dem Sterben, also in der Ewigkeit richten. Dieser Aspekt ist bei allen Stellungnahmen zum Terrorskandal kaum oder gar nicht zur Sprache gekommen. Alle Welt tut so, als sei nur unser irdisches Dasein bedroht, als sei es der allergrößte Verlust, irdische Güter, irdisches Leben und Glück etwas früher als „normal“ zu verlieren.

Allen, die nur im Diesseits verankert sind, gilt daher Jesu Weckruf: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können (etwa die Terroristen). Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu werfen. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch!“ (Lukas 12, 4-5). Ihr habt die Symbole der Weltwirtschaft in Rauch und Trümmern versinken sehen, warnt Jesus jeden, der gleichgültig ist. Denke daran, dies ist nur ein Vorspiel des Jüngsten Gerichtes. Bald komme ich, um alle Menschen zu richten. Wache auf! Überlege und entscheide, ob du die Ewigkeit im Himmel oder in der Hölle zubringen willst!

Gottes Weckruf an weltverliebte, lauwarme Christen

Die Terror-Tragödie soll nicht nur Unbekehrte aufrütteln, sondern mahnt auch irdisch gesinnte und daher gefährdete Christen. Sie werden täglich versucht und mit Satans Slogan: „Wohlstand, Wohlstand über alles“, überall konfrontiert. Deshalb mahnt die Bibel ernsthaft, wachsam zu sein, um nicht bei fleischlicher Gesinnung „das Verderben zu ernten“ (Galater 6,8). Noch ernster ist Jesu Hinweis, dass sogar „Steine schreien“, also predigen, werden (Lukas 19,40). Die lange noch rauchenden Trümmerberge in New York-Manhatten haben – wie einst die Ruinen im Dritten Reich – nun auch zu schreien begonnen: Habt ihr vergessen, dass Himmel und Erde vergehen werden, demonstriert Jesus drastisch den Christen, die Gott und dem Mammon zugleich dienen möchten. Bedenkt, dass dieser Planet und alle Werke, die darauf sind, bald im Feuer verbrennen (2 Petr. 3,10).

„Wenn das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und Wesen… Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, auf welchen Gerechtigkeit wohnt“ (2 Petr. 3.11.13). Warum richtet ihr Christen euch auf dieser krisengeschüttelten Erde so ein, als ob sie eure Heimat wäre, als ob ihr für immer hier bleiben dürftet? Wacht auf! Ich komme bald! Jagt der Heiligung nach, ohne die niemand mich sehen wird! (Hebr. 12,14).

Gottes Weckruf an entschiedene Christen

Durch den „Paukenschlag“ am 11. September möchte Gott auch treue Christen ganz neu erwecken. Vorbild dafür ist uns der Prophet Jeremia, der noch Schlimmeres als die Katastrophe in New York miterlebte: Tausende seiner Glaubensgeschwister lagen hingemetzelt in Jerusalems verwüsteten Gassen. Ihr heiliger Tempel war verbrannt, die Stadtmauern eingerissen und ein Großteil der Überlebenden war nach Babylon deportiert worden. Was wir heute kaum zu denken, geschweige denn  zu äußern wagen, ist die Erkenntnis Jeremias, dass Gott auch solche harten Ereignisse nicht nur passiv zulässt, sondern – man höre und staune – dass er sie aktiv anordnen und durch heidnische „Fremdarbeiter“ ausführen lassen kann. Und das, obwohl – oder gerade deshalb, weil er sein Volk liebt und es zu sich zurückrufen will. Jeremias Reaktion darauf könnte und sollte für entschiedene Christen beispielhaft sein:  – Keine Anklage gegenüber Gott oder den heidnischen Feinden!  – Kein Appell zur Rache oder Vergeltung!  – Kein Vorwurf gegenüber seinen verweltlichten Brüdern! Jeremias Gesinnung spiegelt vielmehr die Hauptmerkmale gereifter Christen: – Beugung unter Gottes gerechtes Gericht, – Solidarität mit seinen gestrauchelten Brüdern, – stellvertretende Buße und – barmherziges  für-andere-Beten.

Der folgende Gesinnungsspiegel Jeremias ist wahrlich ein Weckruf an mit betroffene Christen:

„Wer darf denn sagen, dass solches geschieht ohne des Herrn Befehl und dass nicht Hartes (Luther: Böses) und Gutes kommt aus dem Munde des Allerhöchsten? Was murren denn die Leute in ihrem Leben? Ein jeder murre wider seine Sünde!

Laßt uns erforschen und prüfen unseren Wandel und uns zum Herrn bekehren! Laßt uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel! Wir, wir haben gesündigt und sind ungehorsam gewesen, darum hast du nicht vergeben. Du hast dich in Zorn gehüllt und ohne Erbarmen getötet…Wasserbäche rinnen aus meinen Augen über den Jammer meines Volkes“ (Klagelieder Jer. 3,37-48).

Wenn wir Gottes Weckruf ernst nehmen und umkehren, erfahren wir seine Verheißung: „Ich weiß wohl, was für Gedanken ich über euch habe, Gedanken des Friedens und nicht des Leides“ (Jeremia 29,11)

Die Einfluss-Chancen bibeltreuer Christen

Leserbrief –Antwort zu der Behauptung eines C-Politiker in idea Spektrum, dass „christliche Kleinparteien chancenlos“ sind

Stärkste politische Kraft: Gottes Wort

 

Unterstützen möchte ich den Appell des sächsischen CDU-Chefs, Fritz Hähnle, Christen sollten sich offensiver in der Politik engagieren. Seine „Kritik an den christlichen Kleinparteien“ kann ich jedoch nicht befürworten. Obwohl sie für den Einzug in den Bundestag noch chancenlos sind, ist ihr Einfluss für das Wohl unseres Volkes keineswegs so gering, wie Hähnle es sieht.

Wenn die Motive und Ziele einer christlichen Kleinpartei 1. parteipolitisch vertretbar, 2. aber zugleich biblisch-dynamisch sind, dann kann sie auf der Schiene der politischen Wahlszenerie sehr viel bewirken. Es gibt kaum größere Chancen, breite Volksschichten mit der vitalen Lebenskraft des Wortes Gottes zu erreichen, als mit den Werbemitteln demokratischer Parteipolitik. Und zwar auch ohne ein Mandat zu erringen. Einer Partei, die ernsthaft politisch arbeiten, dabei aber Gottes Wort als „stärkste politische Kraft“ mit einbringen will, stehen gleichsam alle Türen ins Volk hinein offen. Dazu wird ein solches Bemühen teilweise vom Staat finanziert.

Der Einwand, mit Bibelzitaten betreibe man einen „Missbrauch fremder Ressourcen“, ist völlig unakzeptabel.

Christen glauben an die erneuernde Kraft und den hohen Wahrheitsgehalt des Wortes Gottes. Wo dieses offenbar wird, wirkt es sich in jedem Fall zum Besten für den Einzelnen, aber auch für das Volksganze aus. Und nirgendwo ist es verboten, die Grundwerte der Bibel, etwa Wahrheit, Frieden, Liebe und Gerechtigkeit mit parteipolitischen Zielen in Beziehung zu bringen. Im Gegenteil: Je mehr das geschieht, umso besser für unser Land. Und warum sollte die Gesellschaft nicht durch Plakate und Handzettel dazu motiviert werden, ihr Wohlergehen zuallererst von Gottes Hilfe, Weisheit und Kraft zu erwarten.

Pluspunkte bibelorientierter Werbe-Konzepte

Kluge Sprüche, wie „Wort Gottes und Politik müsse man trennen“, bestätigen nur, dass ihre Verfechter die aufbauend wirkende Kraft der Bibel persönlich nicht kennen. Überzeugte Christen sollten daher bei den jeweiligen Landtags- Bundestags- und Europawahlen ihre einmaligen Zeugnischancen mutig nutzen. Und zwar ohne ein schlechtes Gewissen.

Folgende Pluspunkte sprechen für bibelorientierte Werbeprinzipien entschieden christlicher Parteien :

  • Chancen, durch politisch kompetente, bibeltreue Mandatsträger dem Volkswohl „in der Verantwortung vor Gott und den Menschen“ zu dienen.
  • Unbegrenzte Einfluß-Möglichkeiten mit Handzetteln und Plakaten auf alle Generationen und Voksschichten ohne Erlaubnisprobleme. Dabei lässt sich bei Verzicht auf Personalwerbung das Wert-Potential des Wortes Gottes in den Mittelpunkt stellen.
  • Offene Türen für die Weitergabe tragender Lebenskonzepte in der weltlichen Presse. Hingegen werden bei missionarischen Gemeinde- oder Allianzaktionen bibelbezogene Aussagen zumeist ignoriert.
  • Möglichkeiten, bei Wahlversammlungen, Demos u. a. unser Volk zur Gottesfurcht als sichere Basis für Wohlstand und Frieden zu rufen.
  • Möglichkeiten, bei den aktuellen Wahlkampfthemen, wie Menschenrechte, Lebensschutz, Sicherheit, Weltfrieden, Wirtschaftsstabilität  usw. die Sicht Gottes zur Geltung zu bringen.
  • Möglichkeiten, Gottes Prinzipien für gesichertes Volkswohl in Fernsehspots und öffentlichen Diskussionen zu bezeugen.
  • Möglichkeiten bei gewisser Größenordnung, durch entschieden gläubige Mandatsträger in Rathäusern und Parlamenten sachbezogenen Einfluss auf das Geschehen in Volk und Gesellschaft zu nehmen.
  • Möglichkeit für Gottes Volk, Einheit zu praktizieren und bei der wichtigsten Aufgabe, „Salz und Licht der Welt“ zu sein, zusammenzurücken.

Aus den genannten Gründen plädiere ich dafür, christliche Kleinparteien, die obige Chancen wahrnehmen, zu ermutigen und nicht zu behindern. Die Stimmen, die man ihnen gibt, sind keineswegs „verloren“. Im Gegenteil: sie haben einen Bekenntniswert, der sich auch ohne Mandatserfolge positiv für das Volksganze auswirken wird. Dagegen wird Gottes Wort – etwa in der Abtreibungsfrage – von den großen Parteien kaum noch ernst genommen.

Einheit bekennender Christen

Noch besser, als mehrere christliche Kleinparteien zu haben, wäre es zweifellos, wenn diese angesichts ihres wichtigen Auftrags fusionieren würden. Was bibelorientierte Parteien in Konkurrenz niemals schaffen werden, das wäre gemeinsam gut zu erreichen. Mein Wunsch und Gebet ist es, dass wir als Gemeinde Jesu aus Liebe zu unserem immer gottloser werdenden Volk zusammenrücken. Gott hat uns in Deutschland ein neues Miteinander zwischen jahrzehntelang getrennten Christen geschenkt. Das wirkt sich auf der missionarischen Ebene – etwa bei pro Christ – bereits positiv aus. Es wäre ein weiterer großer Sieg, wenn wir auf der Basis einer geeinten Partei bekennender Christen unseren wichtigen Auftrag wahrnehmen würden.

Auftrag der PBC Weckruf an „Ninive“

Rettungsabsicht – Gottes Motiv

Jona war ein frommer Israelit. Er hielt nicht viel von den gottlosen Heiden. Schließlich hatten diese Ungläubigen Gottes Zorn und Strafe verdient. Aus dieser Sicht erhielt Jona einen seltsamen Auftrag. Er sollte zu ihnen gehen, um sie zur Umkehr zu rufen. Warum denn?  Seit wann kümmert Gott sich um Atheisten? fragt er sich. In Ninive ist alles, was Lust bereitet, erlaubt.  Im Regierungspalast der Hauptstadt des großen Assyrerreiches, zu dem eine 30 Meter breite Prachtstraße führt, verneinen die Machthaber eine Politik „in Verantwortung vor Gott und den Menschen“.

Sollte der fromme Jona sich nicht empört von Ninive abkehren? Sollte er das „schmutzige Geschäft“ der Regierenden und die Lustgier der Bürger nicht zum Gericht ausreifen lassen? Wäre es nicht geistlicher, im Tempel zu bleiben und in der „Gemeinschaft der Heiligen“ Psalmen zu singen? Jona versucht es. Aber bei seinem Fluchtversuch pfeift Gott den frommen Egoisten zurück. Im dunklen Bauch des Fisches bringt er ihm bei, dass sein Rettungswille alle Menschen umschließt. Gott liebt die ganze verlogene, verlorene, gottlose Welt. Er liebt auch die Leute in Ninive. Und weil Gott alle liebt, darum will er nicht, dass Ninive untergeht. Er will vielmehr, dass sich sowohl die Machthaber als auch die Bürger Ninives bekehren und leben (Hesekiel 18,23).

Damit das auch im heutigen „Ninive“ möglich ist, sandte Gott unserer vom Bösen gebeutelten Welt seinen Sohn Jesus Christus. Durch sein Sterben am Kreuz ist klar geworden, dass der „Vater aller Völker“ keinen Gefallen an ihrem Untergang hat. Sein Ziel mit uns Menschen ist das Ewige Leben, aber auch „Friede und Wohlergehen auf Erden“ (Lukas 2,14). Um das zu verwirklichen, braucht Gott heute noch Boten. Er sandte damals Jona nach Ninive, um dieser großen Stadt noch eine Chance zu geben. Er sendet seit Pfingsten Apostel, Missionare und Pastoren (Hirten) in alle Welt. Und er beauftragt mit der gleichen Botschaft sogar Politiker und – so seltsam es klingt – auch eine Partei.

Gottlosigkeit – Volksgefahr Nr.1

Jonas Auftrag war es primär, die Bürger und Machthaber Ninives zu warnen und zur Umkehr zu rufen. „Ninive wird untergehen“, rief er laut in das pulsierende Stadtleben hinein. Gottes Geduld geht zu Ende. Er liebt Euch. Aber ihr verachtet ihn. Ihr orientiert euch am Lebensgenuss und fragt nicht nach Gottes Geboten. Aber damit schadet ihr euch selbst. Glaubt es doch: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben“ (Spr 14,34).

Manche Leute raten uns als Partei, mehr Politik zu machen und den Mahnruf: „ohne Gott geht alles kaputt“, gefälligst den Kirchen zu überlassen. Erstens stellt sich die Frage, ob die Kirchen das wirklich tun. Zweitens rufen wir deshalb zu einer Politik nach Gottes Maßstäben auf, weil wir unsere Mitmenschen lieben. Gottes Liebe drängt uns, „der Stadt Bestes“ zu suchen. Das Beste für ein Volk und seine Regierung aber ist eine „Politik unter Gott“. Das bedeutet eine klare Orientierung in allen politischen Sachfragen und persönlichen Lebenslagen am Vorbild Christi und dem Wort Gottes.

PBC-Weckruf: Umkehr oder Untergang

Mit dem Regierungsverlust der CDU hatte für Deutschland scheinbar eine bedrohliche Ära begonnen. „Rot/Grün wird unser Land ruinieren!“ riefen entsetzt manche Christen. Doch die Gefahr liegt nicht bei Rot/Grün. Der Gesinnungstrend in Richtung „weg von Gott“ hat in unserem Land schon sehr viel früher begonnen. Der Machtwechsel in Berlin deckt nur auf,  ob die Mehrheit der Bundesbürger ohne Gott leben und regiert werden will oder nicht.

Aus einem Dasein ohne Gott ergeben sich irdisch-zeitliche, aber auch zeitlos-ewige Konsequenzen. Die Letzteren sind weit schlimmer als politisches Chaos und daraus folgendes irdisches Leid. Auch dazu können Christen nicht schweigen. Es kann ihnen nicht gleichgültig sein, wo ihre Landsleute die Ewigkeit zubringen werden. Ihr Auftrag ist es, jede Regierung, aber auch jeden Bürger vor den diesseitigen und jenseitigen Folgen einer Abkehr von Gott klar zu warnen. Daher sind Christen gefragt, ob sie nur Kopf schüttelnd dastehen oder – auch als Partei – etwas tun wollen, um – wie Jona – die drohende Zukunftsgefahr von ihren Mitmenschen abzuwenden.

Gott will es, dass wir unser Möglichstes tun. Wenn wir echte Liebe empfinden, werden wir – auch mit den Mitteln einer Partei – den Menschen in ihrer totalen Existenz zu helfen versuchen.

Jonas Unwürdigkeit – kein Hindernis

Wer Christi Zeuge sein will, steht vor der Frage: bin ich dazu fähig und würdig genug? Wann kann Gott mich gebrauchen? Betrachten wir Jona. Stimmt es wirklich, dass Gott solche unfertigen Heiligen, solche dickköpfigen Egoisten wie Jona – und wie mich – beauftragt und gebraucht? In der Tat, Jona kann noch „sehr verdrießlich“ und sogar „zornig“ werden (4,1). Er ist also noch launisch und unbeherrscht in seinen Gefühlen. Ich werde froh. Dann gibt es auch noch Hoffnung für mich! Dann kann Gott ja auch mich, den leider noch so jona-ähnlichen Boten gebrauchen. Er erwartet also bei seinen Dienern nicht makellose Heiligkeit und vollkommene Reife. Er sendet sie so, wie sie sind.

Als Evangelist habe ich oft die froh machende Wahrheit bezeugt: „Komm zu Jesus, so wie du bist! Begehe nicht den Fehler, dich zunächst selber bessern zu wollen. Spar dir diese Mühe. Du verlierst nur Zeit. Komm mit deinen Fehlern und Sünden, dann wird dich Jesus verändern.“ Genauso Mut machend ist die Wahrheit, die Christen bei Jona entdecken. Sie lautet: „Geh im Auftrag Christi, so wie du bist! Warte nicht, bis du vielleicht heiliger oder würdiger bist. Bastle nicht an dir selber herum. Spar dir diese Mühe. Gehorche und gehe! Dann wird Gott dich verändern. Gott braucht Zeit, um deinen Charakter zu ändern. Und er kann nicht warten, bis du vollkommen bist. Sonst würde er dich erst im Himmel senden können. Nein, stehe zu deiner Unvollkommenheit und gehe – geh wie du bist!  Denk an Jona und gehe trotzdem!

PBC

 

Erlebte Rettung –  Dynamik politisch aktiver Christen

Was zur PBC-Mitarbeit motiviert

 

Politische Arbeit ist ein Kräfte- und Zeit forderndes „Geschäft“. Es stellt sich deshalb die Frage, was Christen motiviert, sich neben ihren beruflichen, familiären und gemeindlichen Pflichten, z. T. auch spürbar finanziell, für die PBC-Arbeit zu engagieren. Sie tun es zudem oft gegen die Grundstimmung in ihren christlichen Gemeinden, welche die Parteiarbeit, speziell in der PBC, noch als wenig nützlich bewerten.

Ihr Einsatz und Eifer erklärt sich aus ihrer Grundeinstellung als „Dienst für Gott“ an den Menschen. Diese Grundeinstellung geht in der Regel auf eine Erfahrung zurück, die sie „persönliche Errettung“ oder „Wiedergeburt“ nennen. Dadurch wurden sie mit einer übernatürlichen Energiequelle, nämlich der Liebe Gottes, verbunden. Diese Liebe motiviert, befähigt und drängt sie, sich für das zeitliche und ewige Wohl ihrer Mitbürger einzusetzen. Was es um diese Grunderfahrung der geistlichen Wiedergeburt ist, wollen wir an Hand des obigen Bibelwortes aus Johannes 10 überdenken:

Was geschieht bei der Wiedergeburt?

 

Bei meinem morgendlichen Spaziergang entdecke ich mitten auf den überschwemmten Wümme-Wiesen einige Schafe. Obwohl das Wasser schon ihren Bauch umspült, stehen sie alle vom Ufer abgewandt und starren in die steigende Flut. Nach einiger Zeit wird mir klar, dass die „dummen“ Schafe wohl wirklich nicht in der Lage sind, sich selber zum rettenden Ufer zu wenden.  Sie stehen hilflos da und werden ertrinken, wenn nicht bald etwas geschieht. Ich entschließe mich, ihren Besitzer zu informieren.

Wie ich später beobachten konnte, führte seine Rettungsaktion zum Erfolg. Während ich darüber nachdachte, wie der Schafbesitzer die Rettung wohl bewerkstelligt hat, fiel mir ein Bibelwort ein: „Meine Schafe hören meine Stimme und… folgen mir“, hat Jesus einmal gesagt. So einfach ging also die Rettung wahrscheinlich vonstatten, wurde mir klar: Der Eigentümer hat am rettenden Ufer gestanden und nach seinen Schafen gerufen. Diese haben daraufhin 1. seine Stimme gehört, 2. sich von der Strömung ab- und dem Hirten zugewandt und 3. sind sie dann zu ihrem Retter ans Ufer gekommen. Sowohl der Hirte als auch die Schafe haben also zur Rettung Entscheidendes beigetragen.

Rettungs-Angebot ganz persönlich

 

Dieses Erlebnis möchte ich jetzt geistlich deuten. Die zentrale Botschaft des Neuen Testamentes lautet: „Er, Christus, wird sein Volk retten aus ihren Sünden!“ Einen Retter aber braucht nur, wer sich in Gefahr befindet – wie zum Beispiel die ertrinkenden Schafe. Das trifft rein äußerlich hierzulande auf die wenigsten von uns zu. Es geht uns trotz Rentenkürzungen und Rezessionen (noch) rundherum gut. Wozu also ist da noch ein „Retter“ vonnöten?

Dennoch brauchen wir ihn. Denn die ersehnte „heile Welt“ werden weder Politiker noch Parteien auf Erden jemals erreichen. Und wenn sie es schaffen würden, dann müssten wir Todeskandidaten dieses irdische Paradies viel zu schnell und leider oft sehr plötzlich verlassen.

Die bedrohende Flut lässt sich mit der Stunde unseres Sterbens vergleichen. Und die kommt bestimmt. Nach der Bibel folgt darauf dann das Jüngste Gericht, in dem wir uns für unser Handeln und Tun vor Gott verantworten müssen. Wer die Bibel ernst nimmt weiß, dass Gott Gutes liebt, aber Böses hasst und bestraft. Gott bezeichnet jede Übertretung seiner heiligen Gebote als Sünde. Sünde aber trennt von Gott. Folglich werden alle, die gesündigt haben, auch im Jenseits fern von Gott sein und bleiben ewig verloren. Dies zu erleben wäre schlimmer, als politisches Chaos oder irdisches Leid oder als die Sterbestunde als solche.

So betrachtet gleichen viele Zeitgenossen jener Schafherde in den steigenden Fluten. Dabei ist der momentane „Wasserpegel“ der Gesetzlosigkeit sehr bedrohlich: Abkehr von Gott, Kirche und Bibel gilt heute als emanzipiert und vernünftig. Missachtung der göttlichen Lebensordnungen, etwa in Sachen Sexualität, Familie, Lebensschutz und Okkultismus wird als „Freiheit“ bewertet. Verblüffend ähnlich ist jedoch auch die Orientierungs- und Hilflosigkeit der oft erfolgreichen Menschen. Sie sind „wie Schafe ohne einen Hirten“. Sie sind  „blind“,  weil sie weder das nahende Gottesgericht fürchten noch ihren Retter kennen und suchen. Sie leben leichtfertig in den Tag hinein, denn sie haben die drohende Katastrophe der ewigen Todesfluten noch nicht im Blick.

Doch gerade zu diesen „verlorenen Schafen“ hat Gott seinen Sohn, Jesus Christus, gesandt. Er ist  mitten in die Fluten der Sünde gekommen, um uns vor dem ewigen Tod zu erretten. Er hat am Kreuz von Golgatha zur Vergebung aller menschlichen Schuld sein Leben gelassen. Nun aber steht er als der Auferstandene gleichsam am Lebensufer der hochgefährdeten Menschen und ruft sie mit Namen. „Wendet euch zu mir!“ erklingt sein Ruf. „Ihr müsst nicht ertrinken! Starrt nicht auf die Todesflut um euch her! Ihr braucht nur auf mich zu schauen und zu mir zu kommen!“

Die Schafe auf der überfluteten Wiese überhörten die Stimme ihres Hirten nicht. Sie wandten sich zu ihm, kamen und wurden gerettet. Und das war keineswegs dumm, wie wir es bei Schafen manchmal vermuten. Sie waren klug genug, um dem Ruf des Hirten zu folgen und das nötige zu ihrer Rettung zu tun.

Diese Klugheit, durch die man ewig gerettet wird, vermisse ich bei vielen Mitbürgern in unserem Land. Zum „Jahr der Bibel“ bot ich gemeinsam mit anderen Christen auf einigen Marktplätzen kostenlos Bibeln und Jesus-Film-Videos an. Circa 90 Prozent aller Passanten lehnten unsere Gutscheine, die wir ihnen entgegen strecken, gleichgültig ab. Sie brauchten Gottes Wort scheinbar nicht. Fazit: Die „dummen“ Schafe reagieren klüger als manche selbstsicheren Zeitgenossen.

Rettungs-Annahme ganz persönlich

 

Dennoch gibt es auch heute Menschen, denen ihre Sünden Leid tun und die mit Gott klar kommen möchten. Sie empfinden ihr erwachtes Gewissen wie eine bedrohende Flut. Wie die „klugen“ Schafe lassen sie sich daher von Jesus aus dem Tode zum Leben rufen. Sie „hören“ seine Stimme, wenden sich vom Strom des Verderbens weg und kommen zu ihm, wodurch sie gerettet werden. Denn wer zu Jesus kommt, der wird von ihm angenommen, so wie er ist. Er empfängt Vergebung all seiner Schuld und das Ewigen Leben.

Erst durch diese bewusste und persönliche Hinkehr zum Retter, Jesus, wird man ein begnadeter Sünder und somit ein Christ. Kirchenzugehörigkeit und Sakramentshandlungen bewirken noch keine Wiedergeburt. Erst durch die Geburt aus „Wasser und Geist“, die durch bewussten, persönlichen Glauben (Johannes 3,5) geschieht, werden wir mit der „Kraft des heiligen Geistes“ erfüllt (Apostelgeschichte 1,8; 2,38). Aus dieser göttlichen Kraftquelle fließen dann geistliche Impulse in unsere Leben. Wir lernen es, uns von Gottes Geist leiten und bewegen zu lassen. Diese neue innere Kraft befähigt dazu, uns – als Sonderauftrag – etwa auch gesellschaftspolitisch zu engagieren.

Gerettet sein gibt Rettersinn

Christen versuchen es allerdings, ihren Mitmenschen umfassend zu helfen. Sie denken über das Wohlergehen im kurzen irdischen Leben mit seinen begrenzten politischen Strukturen hinaus. Es gibt so etwas wie eine geistliche Verantwortung der Wiedergeborenen für ihre Mitbürger. Darum werden sie ihre politische Arbeit mit der Weitergabe der Frohen Botschaft verbinden. Bei dieser Frage denke ich an meinen eigenen Part bei der erwähnten Rettung der Schafe. Wie ich es nicht übers Herz brachte, die bedrohten Tiere ertrinken zu lassen, so engagieren sich Christen angesichts der vom ewigen Tod gefährdeten Menschen. Als Gerettete können wir nicht etwa Kopf schüttelnd am trockenen Ufer stehen und klagen. Wir werden vielmehr wie Jesus ein tiefes Mitleid empfinden. Seine Retterliebe drängt uns, möglichst viele Menschen vor der drohenden Verdammnis zu retten.

Gewiss, ich selber konnte für die Schafe nur wenig tun. Darum wandte ich mich an ihren Besitzer, der dann die Rettung vollbrachte. Das ist ein Bild für die wichtigste Aufgabe derer, die schon gerettet sind, nämlich für die bedrohten Menschen  zu beten. Wenn wir um die Rettung Verlorener beten, dann wird ihr Besitzer – wie im obigen Fall – sein Möglichstes tun, um sie zu retten. Er will jedoch, dass auch wir dabei unser Möglichstes tun. „Wir sind Botschafter an Christi Statt“ (2 Korinther 5,20). Wir können, ja sollen in Jesu Namen gleichsam ans Ufer treten und den Ertrinkenden zurufen: Hier ist Jesus, euer Retter! Wendet euch zu ihm und kommt ans rettende Ufer. Warum wollt ihr sterben?

Kriminalität und Suchtproblematik

Ursachenforschung und Therapie-Angebot

Versteckte Motorik aller Sucht- und Gewaltproblematik

 

Ein bekannter Fernsehmoderator wurde vor einigen Jahren beschuldigt, sein  journalistisches  Können missbraucht zu haben. Man warf ihm vor, er  hätte sich dem Dienste Hitlers und seiner Nazipropaganda bedingungslos unterstellt.  In einem Interview erklärte der Betroffene daraufhin: „Es tut mir leid und ich schäme mich dessen. Doch  ich wurde durch den Druck des damaligen Regimes dazu gezwungen.“

Einen solchen Druck oder gar Zwang gab es damals tatsächlich. Unser Deutsches Volk hatte den Diktator Hitler an die Macht kommen lassen und sich seiner Herrschergewalt freiwillig unterstellt (Wahlgang 1933 mit 43,9%). Danach missbrauchte der Gewählte seine Machtstellung und diktierte, wie gegrüßt, was geschrieben, gesprochen und geglaubt werden sollte. Und  die  Untertanen im Reiche Adolf Hitlers glaubten, grüßten, schrieben, kämpften und starben nach seinem Befehl. Der beschuldigte Fernsehmoderator erklärte, dass eine Befehlsverweigerung für ihn den Tod in irgendeiner Strafkompanie bedeutet hätte. Das Regime war brutal. Es gab keine Chance, in diesem Reich frei zu leben.

Das  veranschaulicht eine andere verborgene Diktatur, die noch viel schrecklicher ist. Die Bibel spricht nämlich von einem Diktator in der unsichtbaren Welt. Es ist der Teufel, der als „Fürst dieser Welt“ die ganze Menschheit beherrscht. Er erhielt seine Machtposition durch eine Fehlentscheidung bzw. die freie Wahl der ersten Menschen.

Durch finstere Kräfte zwingt er seitdem alle Erdenbewohner, Böses zu tun. Und jeder Mensch in jeder Nation bekommt  die Diktatur des Bösen drastisch zu  spüren.

Satan ist kein Mensch, sondern ein mächtiges Geistwesen. Seit Adam sich gegen Gott und für das Böse entschied, hat er auf dieser Erde sein  „Weltreich“ errichtet. Jeder neue Erdenbürger ist diesem  versteckten Machthaber schon als  Kind unterstellt. Wie in Hitlers Reich muß man hassen, schimpfen, fluchen, neiden, streiten und morden. Gute Ratschläge, Gesetze, Drohungen oder auch Strafen ändern daran prinzipiell nichts.

 

Die Motorik des Bösen wirkt sich aus

 

Unter  der Knute dieses Erzdiktators wird viel geweint und gelitten. Ich muss  jetzt  an  die Zehntausende junger Menschen denken, die Gebundene der Drogen und des Alkohols sind. Wenn man ihre ausgemergelten Gestalten, ihren Hunger nach Selbstwert, ihren Zwang nach neuem „Stoff“  miterlebt, könnte man weinen. Viele von ihnen landen im Gefängnis, in der Heilanstalt und oft auf dem Friedhof. Aber es gibt in unserer so genannten Wohlstandsgesellschaft noch andere Friedhöfe, Friedhöfe  des Glücks, der Ehen, der Familien und Millionen ungeborener Kinder, die in Mülleimern landen.

Politiker, Regierungsmehrheiten und Gerichtsinstanzen sind dazu da, Dämme zu errichten und die zerstörende Flut des Unrechts in Grenzen zu halten. Tragisch wird es dann, wenn solche Schlüsselpersonen bzw. Gremien sich nicht von Jesus, sondern vom „Fürsten dieser Welt“ bestimmen lassen (Johannes 12,31). Dann werden Entscheidungen getroffen, Gesetze erlassen und Gerichtsurteile gefällt, die den Menschen mehr schaden als nützen. Das zeigt sich in der Missachtung göttlicher Grundordnungen, die Wahrheit postulieren, eheliche Treue fördern und menschliches Leben grundsätzlich schützen. Wo aber Willkür herrscht und Gottesfurcht nichts mehr gilt, da ist Gottes Gericht im Diesseits und am Jüngsten Tag vorprogrammiert.

Einzigartige Chance: Motorik zum Guten

 

Auf diesem Hintergrund wird verständlich, warum die Botschaft vom Retter, Jesus Christus, „Evangelium“ heißt. Evangelium bedeutet „Frohe  Nachricht“. Es ist die gute Nachricht, dass alle Gebundenen durch Jesus Christus wieder frei werden können. Aber  die  Zwangsherrschaft  Satans musste  zunächst gebrochen werden, wie es im  Hitlerreich durch die Alliierten geschah. Und das hat Jesus Christus durch sein Leiden  und  Sterben am Kreuz von Golgatha für das ganze Menschengeschlecht vollbracht. Er hat einerseits „unseren Schuldbrief getilgt“, jedoch zugleich das Böse entmachtet (Kolosser 2,14-15). Dadurch wurde dem Teufel  und  seinen Gewaltigen ihr Anspruch auf die Menschheit genommen.

In Jesu Ausruf am Kreuz: „Es ist vollbracht“  liegt eine Chance ohnegleichen. Trinker, Diebe, Triebtäter usw. empfangen Sündenvergebung und können einen Neuanfang wagen. Jesus hat sie aus den Zwangsmechanismen des Bösen befreit. „Gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!“ sagt er zu der überführten Ehebrecherin – und damit zu allen, die unter Zwängen leiden und davon frei werden möchten.

Wir sollen aufhören zu sündigen? Ob Jesus es wirklich so radikal meint? Dabei erhebt sich doch die berechtigte Frage, ob das konkret möglich ist, ob wir es können. Ja, du kannst es! ruft Jesus uns zu. Denn ich habe dich mit meinem Blut für Gott erkauft und zur Freiheit berufen. Du empfängst den Heiligen Geist und mit ihm die Motorik zum Guten.

Befreiung persönlich erleben

Als junger Christ lag ich oft als Versager am Boden. Ich erlebte, was es heißt, von einer bestimmten Sünde zwar lassen zu wollen, es jedoch nicht zu können. Mit dem Apostel Paulus seufzte ich: „Ich elender Mensch, wer wird mich (davon) erlösen?“ (Römer 7,24). Wie froh wurde ich  dann aber,  als ich in Römer 6, Vers 14 las: „denn die Sünde wird nicht mehr über euch herrschen können“. Mir wurde klar: Recht frei sein heißt also: Ich muss den Kommandos Satans etwa zur Augen- und Sinneslust nicht mehr gehorchen. Jesus hat mich befreit, darum darf der Erzdiktator mich nicht länger zwingen, Böses zu tun. Mehr und mehr begriff und erlebte ich, was es heißt, als von Jesus Befreiter nicht mehr fluchen, stehlen, lügen, groß tun oder mich ärgern zu müssen. Dafür folgendes Beispiel:

Wahrend einer Evangelisation begrüßte mich ein Mann ziemlich barsch mit den Worten: „Ich muss ihnen sagen, dass sie ein Lügner sind. Und  dazu sind sie ein Halunke und ein Dackel und ein Betrüger“. Es folgten noch weitere „Koseworte“, die ich hier nicht aufzählen möchte. Diese „geballte Ladung“ von Schmähungen verschlug mir zunächst die Sprache. Doch statt aufzubrausen konnte ich ihm ruhig entgegnen: „So, jetzt kommen Sie erst einmal rein, und dann erklären Sie mir, was Sie mit ihrer Attacke bezwecken“.  Er tat es mit den Worten: “Sie behaupten auf der Rückseite ihrer Einladung, dass Jesus Sie u. a. vom Jähzorn befreit hat und Sie sich daher nicht mehr aufregen müssen. Dass das eine Lüge ist, wollte ich Ihnen durch meine Schimpfattacke beweisen. Denn bei mir gehen die Gäule bei jeder Kleinigkeit durch“.

Sein drastischer Beweisversuch klappte trotz meiner ähnlichen Veranlagung nicht. Dagegen konnte ich ihm  sagen, dass Jesus auch ihn vom ererbten Zwang zum Jähzorn befreien kann. Er brauchte ihm nur Einlass in sein Herz zu gewähren, um sich dann von ihm davon lösen zu lassen.

Vielleicht macht auch Ihnen, lieber Leser,  momentan eine sündige Gewohnheit zu schaffen. Sie sind es leid, Gefühle zu hegen oder Dinge zu tun, die Sie eigentlich hassen. Bei manchem, was immer wieder passiert, schämen Sie sich,  Christi Jünger zu sein. Sie möchten frei werden von verborgenen oder offenen Zwängen.

Hören Sie: Ihre Diktatur ist zu Ende! Jesus hat auch Sie vom Zwang zur Sünde befreit. „Er wird sein Volk erretten von ihren Sünden“. Damit ist sowohl die Sünden-Schuld als auch die Herrschaft der Sünde gemeint.

Sicher werden Sie nicht alle Unarten und Zwänge mit einem Mal überwinden. Christen erleben „einen Sieg nach dem anderen“ (Psalm 84,8) und nicht alle Siege zugleich. Und gelegentlich kann es auch Niederlagen geben, die Jesus dann gerne verzeiht (1 Johannes 1,9). Dennoch bleibt unser obiges Leitwort  wahr: „Er wird sein Volk retten von ihren Sünden“.  Wenn Sie Jesus bewusst aufgenommen haben, dann wohnt jetzt der Sieger in Ihnen. Das Apostelwort: „Der in Euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist“, gilt auch für Sie.

Befreit werden wollen

 

Jesus erwartet allerdings von jedem Menschen eine Sinnesänderung, das heißt eine klare Absage in Bezug auf das  Böse. Sonst hätte er etwa die Ehebrecherin nicht aufgefordert: „Gehe hin; sündige fortan nicht mehr!“  Somit  gehört zur Guten Nachricht der deutliche Ruf: Weil der Befreier da ist, darum verlaßt euren  Kerker! Laßt  Euch nicht länger knechten! Tretet aus der Diktatur Satans mutig heraus!

Bloße Trauer über Ihre Bindungen befreit Sie, lieber Leser,  noch nicht. Durch Buße kehren Sie dem Teufel den Rücken. Sie sagen ihm ab.  Sie weigern sich, fortan sein Sklave zu  sein.

Eine  ähnlich frohe Botschaft vernahmen am 9.November 1989 die Einwohner in Ostberlin. „Die Mauer ist durchbrochen“, hieß es plötzlich, „die Grenze ist offen!“ Und dann erlebten wir im Fernsehen mit, wie Hunderttausende  bisher  unterdrückter Menschen sich  durch die ersten Öffnungen drängten. Sie waren befreit, darum nützten sie jetzt ihre Chance. Sie wollten endlich ihr „Gefängnis“ verlassen. Und als sie es wagten, erlebten sie, was sie vielleicht nur recht zaghaft glaubten: sie waren tatsächlich befreit.

Ähnlich ergeht es glaubenden Christen. Sie lesen oder hören Jesu Zusage: “Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei!“ ( Johannes 8,36). Sie glauben es kühn und handeln danach. Dabei erfahren sie: Jesus hat ihre Ketten tatsächlich gesprengt. Lästige Gewohnheiten  und Bindungen verlieren ihre Gewalt. Die Trunksucht wird bewältigt. Die Gedankenwelt wird sauber. Die kranke Ehe kann wieder gesunden usw.

Gottesfürchtige Politik – Motorik zum Guten

 

Gottesfurcht in der Kraft Jesu Christi: Ein besseres Therapie-Angebot gibt es nicht. In der Völkergeschichte gab es immer wieder gottesfürchtige Regenten. Auch in der Neuzeit gab und gibt es politische Verantwortungsträger, die Jesus ehren und lieben. Sie beweisen, dass es auch in Regierungsämtern möglich ist, als selbst Befreite Gott und den Menschen zu dienen.

Zuletzt noch eine persönliche Frage: Haben Sie, liebere Leser, Jesus schon konkret als Retter und Herrn aufgenommen? Ich  lade Sie ein, Ihr Leben gerade jetzt in einem schlichten Übergabegebet für Jesus zu öffnen. Damit tun Sie den entscheidenden Schritt in sein Reich, in die Freiheit, ins Leben. JESUS verspricht Ihnen: „Wer mein Anklopfen hört und mir auftut, zu dem kehre ich ein“ (Offenbarung 3,20). Glauben Sie es! Und sagen Sie ihm:

„Herr  JESUS, danke, dass du auch bei mir, einem Sünder, anklopfst.   Vergib mir bitte all meine Sünden und kehre bei mir ein durch den Heiligen Geist. Ich entsage dem Teufel und all seinen Werken. Ich will für immer dein sein und bleiben. Amen“.

Wenn Sie jetzt – oder schon früher – so ähnlich gebetet haben, dann hat Jesus Sie ganz sicher erhört. Er ist nun drinnen und nicht mehr draußen. Dann hat sich bei Ihnen auch der eigentliche Zweck der Geburt Jesu erfüllt: „Er wird sein Volk retten von ihren Sünden“. Freuen Sie sich darüber und beginnen sie, ihm dafür zu danken!

C h r i s t e n   v e r t e i d i g e n   W e r t e

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Die PBC als prophetische Stimme

Die Dringlichkeit der prophetischen Stimme

 

In der Präambel des Grundsatzprogrammes der PBC sind zwei Aussagen der bibeltreuen Partei als wichtiges Bekenntnis zu werten.

1. wird bezeugt, dass ihre Mitglieder „aus Liebe und Gehorsam Gott gegenüber politische Verantwortung übernehmen“ wollen. Dieses Versprechen wurde und wird in der PBC besonders in jüngster Zeit bewusst ernst genommen. 2. steht dort der warnende Satz: „Die PBC will das Bewusstsein fördern, dass sich jeder Mensch für sein Handeln in Familie, Gesellschaft und Politik vor dem Schöpfer des Himmels und der Erde verantworten muss“.

Somit versteht sich die PBC neben ihrer politischen Arbeit auch als Gottes prophetische Stimme inmitten der gottlosen Trends unserer Zeit. Die Hauptaufgabe aller Propheten bestand nämlich darin, Sünde beim Namen zu nennen und ihr Volk vor Gottes Strafe zu warnen. Dass dieser prophetische Warnruf heute dringend nötig ist, davon sind PBCler zutiefst überzeugt. Sie glauben ferner, dass Gott ihre Partei nicht zuletzt wegen dieses Weckrufes ins Dasein rief. Gott liebt Deutschland und möchte seine Bürger vor einer katastrophalen Zukunft warnen und retten.

Diesen prophetischen Auftrag erfüllt die PBC besonders wirksam mit ihren Plakaten. Abertausende lesen u. a. „an den Hecken und Zäunen“: „Ohne Gott geht alles kaputt – JESUS macht alles neu!“ oder: „Wahre Liebe nur in der Ehe! denn ‚Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten!’“ Wie dringend gerade dieser Warnruf heute ist, wurde mir kürzlich beim Vorbeigehen am eingeschalteten Fernseher erschreckend bewusst. Der Moderator irgendeiner Show fragte doch tatsächlich seine Zuschauer: „Wie lange braucht wohl ein Mann, um eine Kuh zu schwängern?“ Ich war schockiert! Sind wir schon so weit? durchfuhr es mich. Kann man so etwas Widerliches heute ungeniert und fast empfehlend in den Medien sagen?

Sind wir es schon überdrüssig, die Schwulen- und Lesben-Schweinerei in Dur und Moll zu hofieren? So etwas habe ich bislang auch im Fernsehen noch nicht erlebt. Wird man uns in den Medien bald Hurerei mit Tieren demonstrieren?

Nein, dazu können Christen nicht schweigen. Wer Gott und die Menschen liebt, wird laut: Halt! Halt! rufen. Er wird vor Gottes Gericht auf Erden und in der Hölle warnen müssen. So machten es alle wahren Propheten. So machte es auch ein PBC-Mitglied, dessen E-Mail ich kürzlich erhielt. Dort steht: “Ich ermutige euch hiermit, es mir gleich zu tun und den beiden öffentlich – rechtlichen Sendern Eure Empörung darüber mitzuteilen,  dass der 31.10. als ‚Reformationstag’ völlig aus dem Programminhalt verschwunden ist. In ähnlicher Weise könnte man vielen privaten Sendern anlasten,  dass am 31.10. eine Flut von Horror-Schund über die Bildschirme schwappte,  was wir nicht einfach hinnehmen können“.

Die Kompetenz und Kühnheit der prophetischen Stimme

Dieses Mandat, Gottes warnende Stimme zu sein, gilt übrigens nicht nur der PBC, sondern generell allen Christen. Unser obiges Bibelwort sprach Jesus nach einem dramatischen Wehe-Ruf über einige galiläische Städte. Falls eine Stadt seine Boten nicht aufnehmen würde, betonte er, so sollten seine Boten den Staub dieser Stadt von ihren Schuhen schütteln. Damit ermächtigte Jesus seine Diener damals und heute, mit gleicher Kompetenz und Kühnheit aufzutreten, wie er selber. „Gleichwie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“ lässt er sie wissen. Zum Auftrag der Boten Jesu gehört einerseits die gute Nachricht: “Das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen“ (Vers 17).  Denen jedoch, die Jesus und seine Liebe verachten, haben sie – wie Jesus, Paulus usw. – glasklar Gottes Zorn und Gericht zu bezeugen (Römer 2,5).

Zeugen Jesu – auch in der PBC – haben also keinen Grund, um Gunst zu buhlen oder gar leise zu treten. Ganz im Gegenteil! Sie sind höchst autorisiert. Sie haben das Mandat des Herrn aller Herren, auch die Machthaber dieser Welt zum Gehorsam gegenüber Gott aufzurufen. Ermutigend sagt Jesus ihnen: „Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat“(Lukas 10, 16). Eine höhere Kompetenz gibt es nicht.

Die Deutlichkeit der prophetischen Stimme

Jesu Boten definieren Gottes Zorngericht in zweifacher Weise. Zum einen sind damit katastrophale Entwicklungen, wie wirtschaftlicher Bankrott, Terror, blutige Kriege, aber auch nationale oder globale Naturkatastrophen gemeint. Letztere haben in letzter Zeit dramatisch zugenommen.

Interessanterweise bezeichnet der Apostel Paulus gewisse Perversionen, wie etwa Homosexualität, als ein Strafgericht Gottes bereits im irdischen Leben. Es ist bekannt, dass u. a. der tödliche Aids-Virus vor allem in der Homo-Szene und bei anderen sexuellen Exzessen verbreitet wird. Schon zu der Apostel Zeiten haben Homos an qualvollen Geschlechtkrankheiten, wie Syphilis, leiden und sterben müssen. Dazu sagt Paulus: „Sie haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selber empfangen“ (Römer 1,17b).

Zum anderen verweist Jesus auf die furchtbaren Folgen der Gottlosigkeit im jüngsten Gericht. Den Menschen, Städten und Völkern, die Jesu Botschaft ablehnen, seine Boten belächeln oder gar misshandeln, gilt sein Wort: “Ich sage euch: es wird Sodom erträglicher ergehen an jenem Tage (des Gerichtes)“ (Lukas 10,11.12). Jesus hat sein „Wehe dir“ über konkrete Städte, wie Betsaida und Chorazim, ausgerufen, weil sie nicht umkehren wollten. Wen darf es wundern, wenn seine heutigen Boten bei gleichem Verhalten: „Wehe dir, Berlin!“, „Wehe dir, Moskau“, oder „Wehe euch, ihr Selbstmord-Attentäter!“ rufen müssen. „Nehmt es ernst“, mahnen sie: „mit Eurem Tod ist nicht alles zu Ende! Ihr werdet euch für euer Tun vor dem höchsten Richter verantworten müssen. Darum solltet ihr euch nicht vor Menschen fürchten, sondern vor dem, der töten und in die Hölle werfen kann. Diese Wahrheit ist in der Präambel des bundesdeutschen Grundgesetzes enthalten. Sie erinnert nämlich an die „Verantwortung vor Gott und den Menschen“.

Die geschichtliche Tragweite der prophetischen Stimme

Es wird kaum beachtet, welches Gewicht etwa die Infostände, Plakate und Handzettel der PBC vor dem Richterthron Gottes haben werden. Das gilt natürlich für jede missionarische Bemühung der Christen. Jesus wirft alles, was er und seine Jünger etwa in Kapernaum vollbracht haben, als Indiz in die Waagschale dessen, der letzte Urteile spricht. Diese Stadt hatte durch sein Wirken so viele Chancen zur Umkehr erhalten wie kaum eine andere, dieselben aber nicht wahrgenommen. Jesus sagt ihr deshalb knallhart: Verpasste Chancen erhöhen die göttliche Strafe: „Du wirst bis zur Hölle hinunter gestoßen werden!“ Dabei ist sein scharfes Gerichtswort eine letzte Chance für jene bevorzugte Stadt, nun doch noch Buße zu tun.

Die geschichtliche Bevorzugung der drei Städte Galiläas lässt sich exakt auf unsere deutsche Situation übertragen. Durch die Reformation wurde Deutschland – wie Kapernaum – geradezu „bis zum Himmel erhoben“. Luther, Spener, Francke, Hofacker und sehr viele Erweckungsprediger haben u. a. an Deutschlands Türen geklopft. Sie haben nicht nur das geistliche, sondern auch das geistig-kulturelle, wissenschaftliche, das soziale, ja sogar das wirtschaftliche Leben positiv christlich geprägt. Sie haben ethische Werte vermittelt und für die demokratische Regierungsform eine gute Basis geschaffen.

Wenn in Gerhard Schröders zweiten Bundeskabinett neben ihm weitere  5 Minister bei ihrem Amtseid bewusst auf Gottes Hilfe verzichtet haben, dann stellt sich im Blick auf die irdische und ewige Zukunft die sehr ernste Frage: Deutschland, wohin? Gerade deshalb ist es die Pflicht aller Christen, zu beten, Gottes Gnade und Gericht  zu bezeugen und auf eine Umkehr zu Gott zu hoffen.

Wenn die Steine schreien

Wer als Tourist durch Israel reist, sieht eine Menge Ausgrabungsstätten. Ruinen von Samaria, Kapernaum, Jericho, Jerusalem usw. erinnern an Baukunst und Wohlstand vergangener Zeiten. Besonders eindrucksvoll waren für mich die Ruinenfelder um den Tempelberg mit der Klagemauer. Sogar Säulenreste des Herodianischen Tempels gab es hier zu bewundern. Ich begriff, dass die Jünger nicht übertrieben hatten, wenn sie damals begeistert ausriefen: „Meister, siehe, welch ein Bauwerk ist das!“ Doch was man heute rundherum sieht, ist nicht großartig, sondern eher deprimierend: Mauerreste, Trümmerfelder, Ruinen!

Israels Schicksal – Gottes Weckruf an alle Menschen

 

Gewiß, seit es den Staat Israel gibt, wurde manches Neue geschaffen. Dennoch drängen sich jedem geschichtlich Informierten folgende Fragen auf: Warum wurde Jerusalem samt dem Tempel im Jahre 70 total zerstört? Warum wurden alle Juden aus ihrer Heimat vertrieben und unter alle Völker zerstreut? Warum durften sie „ihr“ Land – ihre Heilige Stadt – Jahrhunderte lang nicht betreten? Warum hat es den Staat Israel fast 2000 Jahre lang nicht mehr gegeben? Warum haben die Juden überall so viel Elend und Verfolgung erlitten? Warum wird Ihnen das Eigentumsrecht auf ihr Land und ihre Hauptstadt bis heute so beharrlich streitig gemacht? Und warum steht auf ihrer heiligsten Stätte immer noch eine fremde Moschee, was sie zwingt, an der Klagemauer zu beten?

Die Antwort auf all diese Fragen hat Jesus bereits den Pharisäern gegeben. Als führende Volksvertreter  wollten sie es Jesu Jüngern verwehren, ihn als König zu proklamieren und zu verehren. Darauf antwortete Jesus prophetisch: „Wenn diese schweigen werden, dann werden die Steine schreien“. Damit hat Jesus die jüdische Volkskatastrophe nicht nur vorausgesagt, sondern auch die Ursache dafür benannt: Sie geschah als Gottes Gericht. Die damaligen Volksführer versuchten, Jesu Jünger zum Schweigen zu bringen. Wer aber Christi Königsherrschaft ablehnt oder zu verhindern sucht, den trifft Gottes Strafe.

Gott hatte Israel lieb. Darum hat er zunächst seinem Volk den Messias und Retter gesandt. Doch der Messias war zugleich auch Israels König. Mit Jesus war die Königsherrschaft Gottes für sein Volk angebrochen. Ein König aber besitzt Autorität und Anspruch, zu herrschen. Es ist recht und billig, ihn zu verehren, ihm aber auch zu gehorchen. Und genau das wollten die Obersten Israels nicht. Sie erkannten nicht, was zu ihrem Frieden diente. Darum weigerten sie sich¸ Jesus als ihren König und Herrn anzuerkennen. Schnell gelang es ihnen, die Jünger Jesu zum schweigen zu bringen. Und bald grölten die manipulierten Bürger Jerusalems: „Hinweg mit ihm! Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche! – Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Schließlich hing Israels König verstoßen und verachtet am Kreuz.

Entscheidungsfreiheit hat Konsequenzen

 

Gott gestattet es uns, Jesus und seine Boten zum Schweigen zu bringen. Er lässt es zu, uns seiner Autorität zu verweigern. Aber solches Nein zum König JESUS hat Konsequenzen. Es wirkt sich katastrophal aus für Völker, Familien und einzelne Menschen. Die Steine als Zeugen menschlicher Größe und Herrlichkeit werden zu Ruinen – sie beginnen „zu schreien“. Sie „predigen“ allen Betrachtern und Bewunderern solcher Ruinen: Seht, so ergeht es denen, die ihren Messias und König, ablehnen, die ihm Ehre und Gehorsam verweigern!

Die Steine Kapernaums, Jerichos, vor allem aber Jerusalems haben vor fasst 2000 Jahren zu schreien begonnen. Und sie schreien noch heute. Die Säulenreste des Herodianischen Tempels hat man freigelegt, damit sie „schreien“ können. Und ihre Botschaft an die Touristen aus allen Völkern lautet: Seht, Christi Gerichtsdrohung hat sich erfüllt. Nehmt es zu Herzen, dass alle Christusverleugner- und Gegner nicht ungestraft bleiben werden.

Seht Gottes Gerichtsernst am Volk der Juden. Wenn er sein erwähltes und geliebtes Volk nicht verschont, sondern so Furcht erregend bestraft hat, wie wollt ihr anderen dem Strafgericht Gottes entfliehen? Wenn das schon am „grünen Holz“ Holz geschieht – Israel – (Lukas 23, 31), was soll erst „am dürren Holz“ werden – den Heiden? Wenn ihr Jesus nicht ehrt, sondern ablehnt, wird es euch ebenso ergehen. Und der Volkerapostel Paulus warnt: „Sieh die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst gegenüber denen, die gefallen sind“ (Römer 11,22). Wer nicht ein Zeuge für Gottes Königsherrschaft durch Jesus sein will, der wird ein Zeuge für Gottes Gericht.

Und das gilt bis heute. Es gilt für die Ruinenfelder zerbombter Städte als Folge des gottlosen Hitler-Regimes. Die Trümmerfotos „schreien“ aus den Geschichtsbüchern weltweit, dass Christus-Hasser nicht ungestraft bleiben können. „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Und es gilt für alle Völker und Regierungen aller Zeiten, genauso wie für jeden einzelnen Menschen.

Die Botschaft historischer Stätten: Kehrt um!

Es ist gut, dass viele Christen nach Israel reisen. Aber sie sollten nicht über die „Romantik“ historischer Ausgrabungen schwärmen, sondern das „Schreien“ der Steine tief in ihr Herz dringen lassen. Und diese Predigt der Steine sollten sie in ihren Heimatländern laut werden lassen. Es ist gut, dass viele Politiker und Verantwortungsträger die Steine archäologischer Stätten, vor allem der Klagemauer, persönlich betrachten. Sie sollten angesichts des Gerichtsernstes Gottes zutiefst erzittern und sich fragen: Welche Autorität hat das Wort des Königs aller Könige, Jesus, in meiner Politik, meiner Familie und in meinem persönlichen Leben? Die Steine werden sie überzeugen können, dass es sich lohnt, Jesus – auch in der Politik – zu ehren und Herr sein zu lassen.

Politik ohne Gott – „Ist das gut so“?

Los-von-Gott-Symptome – ist das gut so?

„Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen… hat sich das Deutsche Volk (1949) … sein Grundgesetz gegeben“. Doch die Zeiten ändern sich. Zwar steht dieser Satz noch immer in der Verfassungspräambel. Aber die Ehrfurcht vor Gott ist auf der politischen Bühne heute eher verpönt als gefragt. Durchweg schämt man sich, den Namen Gottes im „politischen Geschäft“ überhaupt noch zu nennen. Hingegen äußert ein hochrangiger Politiker ohne Schamgefühl in aller Öffentlichkeit: „Ich bin schwul – und das ist gut so“.

Tragisch daran ist vor allem die Tatsache, dass daraufhin nichts passiert. Wowereits Bekenntnis zur Homosexualität wird von der Öffentlichkeit nicht nur toleriert, sondern zum Teil sogar hofiert. Wir fragen:  warum ist solche Haltung, die massiv gegen das Grundgesetz und Gottes Gebote verstößt, heute akzeptabel geworden? Antwort: wir haben uns daran gewöhnt, Politik und persönliche Gottesbeziehung voneinander zu trennen. Obwohl die „Verantwortung vor Gott“ als Basiskomponente im Grundgesetz verankert ist, setzten sich hochrangige Politiker mit der Floskel, das sei doch wohl Privatsache, galant darüber hinweg. Wichtig ist ihnen die  politische Karriere. Wie man Gott gegenüber denkt und lebt, dafür sei man doch niemandem Rechenschaft schuldig, folgern sie. Wirklich nicht!? Wenn unsere Verfassung noch gilt, dann sollte Berlins Bürgermeister sich fragen, ob er seine Homopraxis Gott und den Menschen gegenüber verantworten kann.

Los-von-Gott-Trend in der Gesellschaft – Ist das gut so?

Es wäre falsch, den Politikern oder Parteien die Hauptschuld für gottlose Trends zuschieben zu wollen. Sie sind durch das Votum des Volkes an die Macht gekommen. Daher orientieren sie sich im Wahlkampf primär an den Trends und Wünschen der Bürger, wobei Trendmeldungen ihnen wichtig erscheinen.

Vielleicht hat Herr Wowereit nur ausgesprochen, was er als Grundstimmung im Volk erspürt hat. Wahrscheinlich hätte er es nicht getan, wenn die Gottesfurcht im unserer Gesellschaft noch dominieren würde. Dieser Hintergrund betrifft auch das Entscheidungs-Gerangel um den Abtreibungsparagraphen 218, dem schließlich indirekt zugestimmt worden ist.

Allerdings ist zu fragen, ob diese Abstimmung zwischen Parteien und Bürgern inhaltlich dem Grundgesetz und den Lebensordnungen Gottes entspricht. In einem demokratischen Staatswesen ist jeder Bürger für Gesinnungstrends und ihre Folgen verantwortlich. Daher sollte eine Gesellschaft, die sich „Politik mit Gott“ ins Stammbuch schreiben ließ, auch „in der Verantwortung vor Gott“ zu handeln suchen. Sie sollte sich fragen, ob sie einen Amtsträger, der Gottes Gebote mit Füßen tritt und Sünde als „gut“ deklariert, noch als Amtsträger verantworten  kann. Falls sie dies toleriert, macht sie sich nach geltendem Staats- und Gottesrecht selber schuldig. Die Obrigkeit ist nicht autonom. Sie ist von Menschen und „von Gott eingesetzt“ (Römer 13, 1). Sie ist Gott als höchster Autorität und Instanz verantwortlich. Daher lassen sich politische Verantwortung und individuelle Lebens-Verantwortung nicht willkürlich trennen.  Politiker müssen sich von Gott und Menschen allezeit fragen lassen: Wie gehe ich mit Gottes Geboten, den staatlichen Ordnungen, den Spendengeldern, den Bonus-Meilen, den Ehepartnern, den eigenen Kindern, mit der Wahrheit und Ehrlichkeit um?

„Schwule“ Kirchenpolitik – Ist das gut so?

 

Zur Gesellschaft oder Volksgemeinschaft gehören natürlich auch unsere Kirchen. Wenn irgendwo, dann  wäre bei ihnen zu erwarten, dass sie die göttlichen Lebensordnungen auch für die Politik akzeptieren. Mehr noch: Geistliche Leiter haben darauf zu achten, dass göttliche und staatliche Gesetzgebung sich vereinbaren lassen. Da Kirchen eine besondere Vorbildfunktion innerhalb der Gesellschaft besitzen, muss dieses Prinzip zuallererst für kirchenpolitische Maßnahmen gelten. Dass dies oft nicht mehr zutrifft, liegt auf der Hand. Wir erleben, dass offiziell-kirchlichliche Verlautbarungen und -Praktiken – etwa in der  Schwulenfrage –  den Los-von-Gott-Trend bewußt unterstützen. Homosexualität beispielsweise bezeichnet Gott in seinem Wort als „ein Gräuel“ (3 Mose 18,22). Unter „schwuler Kirchenpolitik“ verstehe ich jenen scheinfrommen Amtsmissbrauch, der Gottes klare Weisungen ignoriert und Sünde mit dem Anschein von Toleranz und Nächstenliebe schmückt.

Parallel dazu liegt der kirchliche Trend, Amtsführung und persönlichen Lebensstil voneinander zu trennen. Schwule und außereheliche Beziehungen in Pfarrhäusern, Ehetrennung, vernachlässigte Kinder durch doppelte Berufstätigkeit der „Geistlichen“ usw. sind dann eben Privatsache, die mit ihrer Amtsverantwortung  nicht kollidiert. Ist das gut so? Keineswegs, denn es deckt sich nicht mit der Bibel. Natürlich wäre alles Dulden und Zudecken sündiger Handlungen auch bei Verantwortungsträgern in Freikirchen, Gemeinschaften, Bibelkreisen, C-Parteien usw. als Los-von-Gott-Trend zu bezeichnen.

Wäre das gut so? Keineswegs! Wo nicht eingegriffen wird, wo nicht Beugung und Buße geschieht, wo man Sünde still toleriert oder lautstark verteidigt, da praktiziert man Kirche ohne Gott – Christsein gegen Gottes Gebote.

 

Christi hin-zu-Gott-Konzept   –  Das ist gut so!

 

Jesus antwortet auf die scheinfromme Frage: „Ist’s recht, dem Kaiser Zins zu geben oder nicht?“ mit einem anderen Konzept. Er verwirft das alternative Denken im entweder – oder. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“, kontert er schlüssig und souverän. Damit ist gesagt: Politik und Gottesfurcht, staatliche und göttliche Ordnungen, Amtsverantwortung und Lebensverantwortung sind nicht alternativ. Sie gehören zusammen. Sie bedingen und ergänzen sich. Das entschuldigt und vertröstet nicht, sondern fordert heraus.

Aber Jesus stellt nicht nur klar, was Gott von uns fordert. Ihm gegenüber wären wir nämlich – anders als dem Staat gegenüber – sehr schnell überfordert. „Gebt Gott, was Gottes ist”, das bedeutet doch, alle seine Gebote zu halten und „ihn lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele und allen Kräften – und unseren Nächsten wie uns selbst“. Wer könnte das schon aus sich selbst?

Doch Jesus ist gekommen, dass wir in ihm und durch ihn „das Leben und volles Genüge haben sollen“ (Johannes 10,11). Und das bedeutet, genügend Kraft, Weisheit, Geduld, Frieden usw. im Leben und Sterben von ihm geschenkt zu bekommen. Es bedeutet deshalb auch, Gott und dem Kaiser, ja auch dem Nächsten und sogar unserem Feind alles Nötige geben zu können. Doch das klappt nur, wenn wir uns bewusst, persönlich und klar für die „Partei“ der Jesusnachfolger entscheiden. Mit dem „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde“ hat der „Parteichef“, Jesus, die Aufnahmebedingung deutlich umrissen. Als Mitglied seiner „Partei“ bzw. Jüngerschaft (nicht mit PBC-Mitgliedschaft zu verwechseln) empfängst Du Schuldvergebung und Ewiges Leben und – die nötige Kraft für die „Fraktions-Konsequenzen“.

Palästinenser-Konflikt   aktuell!

Warum kommt Israel nicht zur Ruhe?


NAI

Der Konflikt Israels mit den Palästinensern spitzt sich zu. Seit Jahrzehnten wird im Heiligen Land um die Besitzrechte geschossen, gebombt, demonstriert und verhandelt. Zunehmend wird den Israelis sogar das Hoheitsrecht über ihre Landeshauptstadt Jerusalem streitig gemacht. Mit Sorge verfolgt die Welt, wie verbissen die Nachkommen der Söhne Abrahams, Isaak und Ismael, sich bekämpfen. Doch alle Schlichtungsversuche können den Konflikt nicht entschärfen. Andere Konfliktherde, wie etwa im Irak oder in Bosnien, wurden bzw. werden befriedet. Aber der Palästinenserkonflikt eskaliert. Warum das eigentlich so ist, darüber wollen wir jetzt Gottes Wort, und damit ihn selber, befragen:

Im obigen Bibeltext nimmt der Apostel Paulus auf dramatische Vorgänge in der Geschichte des Volkes Gottes Bezug: „…Sie wurden in der Wüste erschlagen… und von den Schlangen getötet… an einem einzigen Tag kamen 23 000 um…“ (1 Korinther 10, 5-9). Die Frage nach dem „Warum“ dieser Tragik ist Paulus wichtig. Er führt sie auf die konkrete Missachtung der Gebote Gottes und somit auf Sünde zurück. Daher deutet der Apostel das tragische Ergehen der Juden als dringende Warnung für Heiden und Christen.

 

Israel, Gottes Lehrbeispiel für die Welt

 

Bevor wir darauf eingehen, wovor Gott uns durch Israels Beispiel warnt, wollen wir die geschichtliche Sonderstellung dieses kleinen Volkes betrachten. Überall auf der Erde haben die zivilisierten Völker Juden in ihrer Mitte und müssen sich mit ihnen befassen. Überall weiß man, dass Gott sich dieses Volk auserwählt hat und ihm sein Gesetz und das Land Kanaan gab. Es dürfte jedoch auch bekannt sein, was Gott von seinem Volke erwartet: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert,  nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8).

In der Anrede „Mensch“ wird klar, dass Gott damit nicht nur Israel meint. Zunächst aber waren die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs Gottes Eigentumsvolk. An ihnen und durch sie wollte Gott der Welt demonstrieren, welchen Segen es bringt, ihn zu lieben und ihm zu gehorchen. Zugleich aber sollten alle Menschen beobachten können, „welchen Jammer und Herzeleid es bringt, den Herrn seinen Gott zu verlassen und ihn nicht zu fürchten“ (Jeremia 2,19). Somit hat Gott sein altes Bundesvolk eindeutig als Orientierungsfaktor und Lehrbeispiel für alle Völker und Zeiten gesetzt. Wir tun also gut daran, ernsthaft zu fragen: Gott, was hat das Dilemma im Nahen Osten für die Welt und für mich zu bedeuten?

Lassen Sie uns drei geistliche Lehren aus der Palästinenser-Problematik ziehen und näher betrachten:

1. Lektion: „Fleisch und Geist“ können nicht kooperieren [1]

 

Bekannter weise kann das „Gelobte Land“ nur den Israelis oder Palästinensern eine Existenzbasis bieten. Die im Westjordanland und Gazastreifen lebenden Araber fühlen sich bedrängt und benachteiligt.  Sie möchten das Land für sich alleine besitzen und die Juden vertreiben. Zusätzlich drängen die geflüchteten Palästinenser von außen wieder herein. Verhandlungen und Verträge sind eine Farce, solange beide Seiten um die Vorherrschaft streiten.

Diese Situation bietet ein treffendes Beispiel für den Zwiespalt zwischen Geist und Fleisch im Herzen des Christen. „Denn das Fleisch (Ismael) begehrt auf gegen den Geist (Isaak) und der Geist gegen das Fleisch; die beiden sind gegeneinander…“ (Galater 5, 17). Der Geist kämpft um die Alleinherrschaft des „Christus in uns“ (Galater 2, 20), das Fleisch dagegen um die Rechte des eigenen Ich und der „Sünde in uns“. Diese beiden Geistesmächte verkörpern Licht und Finsternis, Gerechtigkeit und Sünde, Gott und Satan. Sie können und werden niemals kooperieren. Gott hat den Israeliten bei der Landnahme Kanaans jede Beziehung mit den Kanaanitern streng untersagt. Andernfalls hätte es für sie bittere Folgen: „Wenn ihr die Bewohner des Landes nicht … vertreibt, so werden euch die, die ihr übrig lasst, zu Dornen in euren Augen werden, und zu Stacheln in euren Seiten und werden euch bedrängen in dem Lande in dem ihr wohnt“ (4 Mose 33,55). Und genau das spielte sich bald danach und spielt sich noch heute in Israel ab.

„Eroberungskrieg“ im eigenen Herzen

 

Israels Landeinnahme in Kanaan ist ein Beispiel für den Konflikt im „Herz-Territorium“ jedes Christen. Bei der Bekehrung durchschreitet der erlöste Mensch gleichsam den Jordan. Das „Gelobte Land des Herzens“ ist jedoch zunächst noch besetzt. Unter Führung des zweiten Josua, Jesus,  beginnt nun aber ein „Eroberungskrieg“. Die „Städte“ darin sind die alten Charakterschwächen und Lieblingssünden. Sie sind –  wie Jericho – mit hohen Mauern umgeben. Die bewaffneten „Kanaaniter, Pheresiter, Jebusiter“ usw. lassen sich mit unseren Leidenschaften und den Begierden vergleichen. Die Söhne Enaks, „Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Wesen“ (1 Johannes 2,16) sind wie die gefährlichen Riesen in Kanaan.

Aber Christen müssen ihre inneren „Kanaaniter“ nicht alleine besiegen. Mit ihnen ist Immanuel, JESUS, ihr Sieger und Herr (Jesaja 8,10; Römer 8,37). Er hat alle Feinde in uns und um uns bereits am Kreuz überwunden. Dennoch geschieht unsere Lebens-Durchheiligung nicht im Handstreich, sondern als ein Prozess. Doch sie gleicht – wie in Kanaan – einem Siegeszug: Schlacht um Schlacht, Festung um Festung wird die Sünde in uns durch Jesu Kraft überwunden. Aber aufgepasst: Bei fehlender Konsequenz gab und gibt es – wie bei Achans‘ und Ananias‘ Geldverliebtheit oder Davids Augenlust – dennoch Niederlagen.

Damit kommen wir bei der geistlichen Deutung des Paläsinenser-Problems zu einem weiteren Aspekt.

 

2. Lektion: Nur völlige Gottes-Herrschaft gewährleistet Frieden

Genau genommen handelt es sich im Nahen Osten nur vordergründig um ein Palästinenserproblem. Letztlich geht es um einen Konflikt Gottes mit den Israelis. Israel war und ist Gottes erwähltes Volk. Es war Gottes „Heiliges Land“, das die Kinder Israel durch Josua empfingen. Er selber wollte inmitten seines Volkes in seinem Land  wohnen. Das geschah zunächst in der Stiftshütte und später im Tempel. Als Eigentümer eiferte Gott für sein Volk und sein Land. Er wollte Alleinherrscher sein und fremde  Besitzansprüche weder in Jerusalem noch in Kanaan dulden. Israel wurde beauftragt, Gottes Eigentumsrecht im Heiligen Land zu verwirklichen. Diesem klaren Auftrag Gottes (5 Mose 7,1 ff. u. a.) ist sein Volk leider nur zum Teil nachgekommen. Die Ureinwohner Kanaans wurden nicht völlig von ihnen besiegt bzw. aus dem Lande verwiesen.

Die Israeliten entheiligten Gottes Land, indem sie „Palästinenser“ darin wohnen ließen, mit ihnen kooperierten und schließlich ihren Gottheiten dienten. Dadurch gerieten sie mit Gott in Konflikt. Und daraus erwuchs – laut Gottes Ankündigung – der Konflikt mit den Kanaanitern. Das Richterbuch zeigt, dass die Israeliten nur, aber immer dann Frieden hatten, wenn sie Gott aufrichtig liebten und dienten. Eine Vermischung von Gottesdienst und Götzendienst führte immer zum Krieg. Und so ist es bis heute geblieben. Fast an jedem Tag bestätigen die Medien der ganzen Welt, dass es zwischen Israelis und Palästinensern ums Entweder-Oder geht, dass die Oberhoheit über das Heilige Land nicht geteilt werden kann.

Dieser schwelende Palästinakonflikt ist Beispiel und „Predigt“ für alle Menschen, besonders aber für Christen.  „Wer Ohren hat zu hören, der höre“: Ihr Menschen seid von Jesus für Gott „teuer erkauft“. Euer Leib, eure Seele und euer Geist sind Gottes „Heiliges Land.“ Darum eifert Jesus um euch. Er allein will in Euch wohnen, regieren und wirken. Vertraut ihm. Verherrlicht ihn in der Familie und im Beruf. Lasst euch im politischen Handeln von den Prinzipien seines Wortes bestimmen. Duldet keine „Kanaaniter“ in euren Herzen. Widersteht jeder Sünde. Weiht euch immer wieder neu und völlig dem Herrn.

3. Lektion: Inkonsequenz in Bezug auf Gott hat schmerzliche Folgen

 

Auf die Frage nach einem Beweis für die Wahrheit der Bibel soll General von Zieten dem preußischen König, Friedrich dem Großen, geantwortet haben: „Majestät, die Juden!“ Damit meinte von Zieten die Tatsache, dass Gott sein Volk wegen seiner Sünde zwar hart bestraft, es aber dennoch nicht untergehen lässt, weil er es liebt. Dieser Hinweis auf  „die Juden“ ist angesichts der Palästinakrise wieder höchst aktuell. Am Ergehen Israels können Heiden und Christen Gottes Gerichtsernst, aber auch seine Güte erkennen (Römer 11,22). „Den Ernst Gottes an denen, die gefallen sind“, fährt Paulus fort, „die Güte Gottes aber dir gegenüber, sofern du bei seiner Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen“.

Bestraft wurde Israel, weil es nicht konsequent war beim Eroberungskrieg – obwohl der Sieg ihm gewiss war. So werden auch Christen, wenn sie nicht fortfahren, sich „von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes zu reinigen und die Heiligung zu vollenden“ (2 Korinther 7,1) vor Gottes Richterthron „Schaden erleiden“ (1 Korinther   3,15).

Gottes Gnade wirkt beides in uns, „das Wollen und das Vollbringen“ (Phil 2,13). Wohl dem, der Gottes Gnade beides in sich wirken lässt. Bedauernswert ist der, welcher Gottes Gnade – auch die Heiligungsgnade – zu seinem Schaden versäumt.

Zuletzt sei noch betont, dass Gott in Jesus sowohl Juden als auch Palästinenser liebt. Auf beiden Seiten gibt es bewusste Christen, die sich respektieren und lieben. Dennoch bleibt im irdischen Konsens der Beispielcharakter des Konfliktes als Mahnung erhalten.

Grundrecht auf den „eigenen Bauch“?

Welches ist die höchste Instanz?


Es fällt auf, dass Politiker sich häufig auf Grundwerte und Menschenrechte berufen. Selten jedoch wird gesagt, was sie konkret damit meinen. Dabei ist u.a. im Grundgesetz der BRD einiges darüber zu lesen. Da heißt es beispielsweise in Artikel 2 „…Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich“. Ebenso ist nach Artikel 4 „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses… unverletzlich“.

In diesem verbrieften Grundrecht auf Freiheit ist doch das Recht auf den „eigenen Bauch“, sprich Abtreibungsfreiheit, enthalten – oder? Keineswegs, kontern die Konservativen. Denn Abtreibung ist schließlich  gewollte Tötung menschlichen Lebens. Und diese kollidiert laut Artikel 2 mit dem „Recht auf Leben“. Mal langsam, tönt es beruhigend von links. Bei uns gilt, wie die rechtsstaatliche Gesetzgebung den Begriff  „Leben“ definiert.

Damit stellt sich die wichtige Frage, ob der Gesetzgeber wirklich die letzte Ordnungsinstanz ist. Oder gibt es eine noch höhere, übergeordnete Autorität, die alle irdischen Gesetzgeber respektieren sollten? Entscheidet nicht Gott, der Herr, letztlich über Recht und Unrecht im Leben? Ganz sicher! beteuern die Christen. Schließlich hat doch Gott das Weltall und alles Leben erschaffen. Er allein ist daher befugt, Gut und Böse zu definieren und auch für die Justiz ethische Normen zu setzen.   Nicht so absolut! wird man ihnen „im Namen des Volkes“ entgegnen. Es mag ein moralisches Naturrecht geben. Doch weil Religion laut Gesetz „Privatsache“ ist, kann man Politik und Justiz nicht verpflichten, den Gott der Bibel zu favorisieren. In einer multireligiösen Gesellschaft  entbindet das Toleranz-Prinzip aus der offiziellen Verantwortung vor einem christlichen Gott. Bekenntnis-Passagen zum Gott der Bibel können wir in der EU-Verfassung daher nicht dulden.

Religion – reine Privatsache?

 

Bricht bei dieser Europa prägenden Los-von-Gott-Entwicklung nicht das christliche Weltbild zusammen? ereifern sich entschiedene Christen besorgt.  Keineswegs! müssen sie sich jedoch sagen lassen. Christusglaube und Gottesfurcht werden ja per Gesetz nicht verboten. Auch haben Christen, samt ihren Initiativen und Kirchen volle Freiheit, ihren Glauben zu praktizieren. Auch bei strikter Trennung von Kirche und Staat kann das Zitat von US-Präsidenten George Bush, das ich kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung las, für alle politischen Mandatsträger gelten. Er sagte: „Ich verstehe vollkommen, dass es Aufgabe des Präsidenten ist und immer sein wird, das großartige Recht der Menschen zu schützen, ihren Glauben zu praktizieren, wie sie es wünschen – oder auch keinen Glauben zu praktizieren“.

Diese Freiwilligkeit der Gottesverehrung deckt sich durchaus mit dem Verständnis der Bibel. Oft wird vergessen, welche Würde Gott uns Menschen mit der Entscheidungsfreiheit verlieh. Er hat uns als „Krone der Schöpfung“ so hoch geadelt, dass wir ihm freiwillig dienen, ihm aber auch bewusst absagen können. Von dieser Freiheit machen Adams Kinder seit dem Sündenfall leider Gebrauch. Und Gott lässt es zu.  Nach seinem Prinzip der Freiwilligkeit akzeptiert und toleriert er bis heute die schlimmsten Sünden. Er toleriert daher auch, dass Sünder ihr  „Recht auf den eigenen Bauch“ lauthals demonstrieren.

Wer ist wirklich glücklich?

 

Gott freut sich, wenn Menschen umkehren und nach ihm zu fragen beginnen. Wer das tut, wird in der Bibel glücklich genannt. „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen“,  steht in Vers 1 unseres Psalmwortes. Glückselig ist also, wer  frei-willig umdenkt, um sich für Gott und sein Wort zu entscheiden. Darüber wird man im „Rat der Gottlosen“ wahrscheinlich spotten, wie es Minister Rocco Buttiglione nach  seinem Wahrheitsbekenntnis im europäischen Rat erfahren musste. Aber man hat sein bibeltreues Bekenntnis: „Homosexualität ist für mich Sünde“ auch nicht verhindern können. Auf die Frage, was uns zu solch mutigem Bekenntnis befähigt, antwortet Martin Luther in seinem Wormser Bekenntnis vor Kaiser und Reich. Statt die Wahrheit zu verleugnen bezeugt er unter Todesgefahr: „Mein Gewissen ist gefangen in Gottes Wort“. Zu seinem furchtlosen Standpunkt gelangte Luther durch eifriges Forschen in Gottes Wort. „Gottes Wort geht mir über alles“, hat er noch erklärend gesagt.

Nützt Frömmigkeit in der Politik?

 

Statt die Bibel zu kritisieren, haben wahre Christen „Lust am Gesetzt des Herrn und sinnen darüber nach Tag und Nacht„ (V.2). Ehrfurchtsvoller, täglicher Umgang mit der Heiligen Schrift macht innerlich stark und verleiht einen stabilen Charakter. Ja, noch mehr. Wer die Bibel aufrichtig  liebt, „der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit. Und was er macht das gerät wohl“ (V.3). Hier liegt das Geheimnis eines für die Familie, die Gesellschaft und Politik gesegneten Lebens, ob man Kanzler oder Türhüter ist. Bildung, Wissen und beruflicher Fleiß gleichen beim Gießen einer Betondecke dem Wasser und Mörtel. Doch erst der eingemischte Zement macht sie tragfähig, um darauf weiter zu bauen. Der Stabilitätsfaktor für das Leben heißt Gottes Wort. Wer davon nicht genug investiert, baut ein brüchiges Haus und wird seine Umwelt gefährden. Er ist mit der „Spreu, die der Wind verweht“, zu vergleichen (V.4), Egal ob er als Bauer, Handwerker, Firmenboss oder als Spitzenpolitiker tätig ist.

Durch die Wahlkampagne um den US-Präsidenten George Bush hat die Weltöffentlichkeit einen Einblick in die Glaubenshaltung und -praxis des z. Zt. weltweit wohl einflussreichsten Mannes erhalten. Seine Frömmigkeit ist in Europa bekanntlich umstritten. Fest steht allerdings, dass alle Welt inzwischen weiß: Man kann auch durch Frömmigkeits-Attribute Wähler und Wahlen gewinnen! Natürlich lässt sich auch Gläubigkeit – wenn sie gefragt ist – wahlpropagandistisch missbrauchen, was Bush ja auch unterstellt worden ist.

Fest steht laut Psalm 1 auf jeden Fall dies: wenn das übermittelte Frömmigkeitsbild von Bush stimmt, also wahr ist, dann kann Amerika und die Welt in seiner neuen Amtszeit viel Gutes erwarten. Sein Glaube wird fruchtbar sein und was er macht, das wird wohl geraten (V.3). Es wird der ganzen Welt also helfen und nützen. Fehlt es bei Busch jedoch an der beteuerten Liebe zu Jesus, zu Gottes Wort und zu den Menschen, dann wird es weltweit Enttäuschungen geben. Das gleiche gilt für alle Spitzenpolitiker – auch für die unseren. Es wird sich langfristig bei allen Parteien, aber auch im Privatleben als gültige Wahrheit beweisen.

Parteiskandale  –  ihr großer Nutzen

Nur auf den Herrn, Herrn, ist Verlass

 

In einer vollbesetzten Kirche erhob sich etwas schüchtern ein junger Mann. Er war beauftragt, die Festversammlung zum Jubiläum zu grüßen. Laut erklang es dann von der Empore über den Kirchenraum: „Die Nachbargemeinde… grüßt mit dem Bibelwort aus Sprüche 3,5: ‚Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen – Vorstand…‘“ Dieser Versprecher wurde mit einer Lachsalve quittiert, denn statt „Vorstand“, steht in der Bibel natürlich „Verstand“.

„Verlass dich nicht auf deinen Vorstand!“ klingt natürlich provokativ. Dennoch steckt eine Portion Wahrheit dahinter. Einerseits sollte sich ein Verein, eine Gemeinde, eine Partei auf ihr Leitungs-Team, ihren Vorstand, verlassen können. Anderseits werden diejenigen immer wieder enttäuscht, die sich nicht auf den Herrn, sondern „nur“ – oder doch primär – auf den Vorstand, und damit auf fehlerhafte Menschen verlassen.

Gerade auf dem politischen Sektor können Affären und Skandale sehr heilsam sein. Sie sind wie geschaffen, um die Menschen zur Besinnung zu bringen. Unser deutsches Volk wurde durch diverse Enthüllungen über das, was sich Spitzenpolitiker geleistet haben, gehörig erschreckt. Das Stimmungsbild tendierte bei der CDU-Konten-Affäre zu der Schlussfolgerung, dass wohl alle Politiker Lügner seien; zumindest könne man sich auf keinen von ihnen verlassen. Diese Einsicht ist richtig und könnte für eine geistig-moralische Wende in unserem Land bedeutungsvoll sein.

Allerdings hätte es unsere gottlos werdende Gesellschaft bitter nötig, zunächst reumütig an die eigene Brust zu schlagen, statt Steine auf ihre Idole zu werfen. Auch Politiker sind manipulierbare, versuchliche Menschen. Macht und Mammon („Ma-Ma“) sind Versuchungen, denen – außer als Christ – niemand zu widerstehen vermag. (Ob und wie weit Christen ihr geistliches Kraftpotential kennen und nützen, ist eine andere Frage.) Da es in der Politik um das Wohl und Wehe vieler Menschen geht, sollten diese sich nicht primär auf hochrangige Volksvertreter, sondern auf den Herrn aller Herren verlassen. Wenn Politiker versagen, kann es daher ein Appell Gottes zum Umdenken sein.

Wer garantiert Wohlfahrt und Glück?

 

Während der „Heils-Ära“ des 3. Reiches war unser deutsches Volk einem fatalen Trugschluss verfallen. Es erhoffte seine Wohlfahrt, sein Glück und eine rosige Zukunft nicht von Gott, sondern von einem System, einer Partei, und von der Führungsqualität eines Menschen. Millionen schwörten auf den Führer, rissen ihre Arme empor und bekannten euphorisch mit dem Führergruß, wer ihr „Heilbringer“ war, von wem sie alles Gute erhofften. Ströme von Blut und Tränen und Berge von Trümmern waren nötig, bis wir – ich gehörte leider dazu – unsere Fehlorientierung, die Vergötzung eines Menschen erkannten.

Wer war denn an dieser Weltkatastrophe letztendlich schuld? Allein der Führer? Weit gefehlt! Wir, das Volk, hatten ja an ihn geglaubt, ihm zur Macht verholfen, ihm die Treue geschworen. Wir, das Volk der Reformation, hatten Gott den Rücken zugekehrt, seine Bekenner umgebracht, seinen Mahnruf: „Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen“, überhört – ignoriert – als volksschädlich von uns gestoßen. Sicher gab es Ausnahmen. Doch die Majorität gab den Ausschlag und setzte sich durch.

Die „Stunde der Wahrheit“ kam und – sie wird immer kommen. Sie bringt das Ende der Täuschung, führt also zur End-Täuschung und damit zu einem herben Erwachen. Hier aber  liegt die Chance zur Umkehr,  zur Umorientierung auf Gott. Wie gut, dass unsere damaligen „Götter“ sich durch die Kriegskatastrophe als Volksverführer entpuppten. Sie hatten Stärke gezeigt, uns den Himmel auf Erden versprochen, weil wir einen Gottesersatz haben wollten.

Wie gut, dass unsere heutigen „Götter“ früh genug ihre „Menschlichkeit“ zeigen. Wie gut, dass unser Glaube an große Menschen, Volkshelden und an die Allmacht des Staates zu wanken beginnt. Welch eine Chance, rechtzeitig umzudenken, uns auf den wahren Gott, seine Allmacht und sein Heilsangebot zu besinnen. Wie gut, dass das gepriesene demokratische Parteiensystem durch seine Skandale fragwürdig wird. Es kann, es darf nicht länger als Allheilmittel für unsere Gesellschaftsprobleme, als tragende Basis für Wohlstand, Frieden  und eine gesicherte Zukunft propagiert werden.

Das Problem liegt nicht im System

 

Aber die Gefahr liegt nicht im System. Viele, die sich von einer neuen Regierungsform Großes erhofften, wurden bitter enttäuscht. Andererseits hat sich sogar das monarchische Konzept – etwa unter dem König David – zum Wohl des Volksganzen bewährt. Das Problem liegt nicht im System. Es liegt beim Umgang mit dem System. Unsere Not besteht darin, dass uns die sittlich „stabilen“ Mandatsträger fehlen. Wie gut, dass unsere junge Generation gleichsam genötigt wird,  sich mit den Ursachen aller Skandale auseinanderzusetzen.

Bei ehrlicher Ursachenforschung tun wir gut daran, zur Bibel zu greifen. Sie zeigt uns einerseits, warum politische Skandale, Fehlentwicklungen und Volkskatastrophen entstehen, jedoch zeigt sie auch, wie sich diese vermeiden lassen. Ihre Weisung lautet: „Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand…fürchte den Herrn und weiche vom Bösen…“ Dieses Rezept gilt sowohl Politikern, als auch Völkern und Einzelpersonen. Gottesfurcht und Gottvertrauen sind die tragenden Säulen für das Wohlergehen im politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Leben.

Gottesfürchtige Politiker werden „in der Verantwortung vor Gott und den Menschen“ denken und handeln. Sie werden das Böse, Gesetzwidrige und ethisch Verwerfliche meiden. Das aber wird sie bewahren, in moralische Konflikte und deren Folgen hineinzugeraten.

Durch Gottvertrauen als zweiter tragender Säule werden Christen in der Handhabe von Böse und Gut, von Recht und Unrecht konsequent. Sie wissen, dass zweifelhafte Tricks und Machenschaften gar nicht nötig sind, um weiter zu kommen. Glaubende verlassen sich auch beim finanziellen Bedarf auf den Herrn. Und wer das tut – und zwar „von ganzem Herzen“, – der kann und wird auf die Geldbeschaffungs-Tips des Verstandes verzichten.

In der Geldfrage werden sich gerade die C-Parteien fragen müssen, ob Gottvertrauen oder Geld-Vertrauen ihr Handeln bestimmt. Wo die Glaubensbasis verlassen wurde oder wird, gilt es umzudenken und – entsprechend zu handeln. Das aber wäre das Gegenteil von Entschuldigen und Vertuschen, bis es absolut nicht mehr geht. Die Bibel sagt: „Wer jedoch seine Sünde leugnet, dem wird es nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen“ (Sprüche 28,13).

Es bleibt dabei: Wir brauchen Politiker, Juristen, Unternehmer, Handwerker usw., die Gott fürchten, ihm vertrauen und vom Bösen weichen. Ein Volk, das diese Haltung fördert, ist glücklich zu schätzen. Denn „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben“ (Spr 14,34).

Gott lässt sich nicht (ver) spotten !

Während ich dieses schreibe, spüre ich noch einen „Hexenschuss“ in meinem Rücken. „Ja, die kleinen Sünden bestraft der Herrgott sofort“, meinte jemand schelmisch, als ich es erzählte. Es sollte ein Scherz sein. Aber sein Spruch gab mir zu denken. In der Bibel steht: „Ir ret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten (Galater 6, 7-8). Spontan fragte ich mich:

Darf der Herrgott heute überhaupt noch bestrafen?

 

Würden wir unsere Zeitgenossen danach befragen, dürfte er es eigentlich nicht. Wenn es einen Herrgott überhaupt irgendwo gibt – so die heutige Meinung -, dann sollte er gefälligst akzeptieren, was wir hier auf Erden für richtig und falsch, für gut oder böse befinden. Noch besser wäre es, er hielte sich aus unseren Geschäfts- und Privatangelegenheiten völlig heraus. Schon gar nicht hat er uns in der Politik drein zu reden. Was hier akzeptabel ist, bestimmen wir selbst. Sein „Geschäft“ ist es schließlich, uns gnädig zu sein. Aber „gnädig sein“ ist schon zu weit gegriffen. Das setzt ja voraus, dass Gott kompetent wäre, uns Verhaltensregeln, sprich Gebote, vorzusetzen. Auf Gnade angewiesen zu sein, das hieße doch, dass wir schuldig werden könnten und uns vor Gott, als unserem Richter, verantworten müssten. Das aber geht aufgeklärten, denkenden Menschen entschieden zu weit…

Nur infolge dieser gottlosen Grundhaltung ist es erklärbar, dass man zunehmend die Freiheit und Frechheit besitzt, etwa Gewalt, Pornos und Hurerei zu legalisieren, Babys im Mutterleib zu zerstückeln, Homo- und Lesben-Ehen zu sanktionieren und sogar kirchlich zu segnen. Nein, einen Herrgott, der Maßstäbe setzt, der richtet und bestraft, den darf es nicht geben. Wer nämlich den ewigen Richter, den Himmel und die Höllenstrafe ernst nimmt, der müsste Gott konsequenterweise fürchten und – sich zu ihm bekehren. Welch eine Zumutung wäre das für moderne Menschen! Aber die Bibel sagt warnend: „Irret euch nicht; Gott lässt sich nicht spotten!“

Dürfen Christen von Gottes Strafe reden?

 

Würden wir „aufgeklärte“ Mitbürger – aber auch viele  Christen – danach fragen, dürften sie es eigentlich nicht. Mit einem „Gott der Rache“ soll mir keiner kommen, sagen die einen. Das ist längst überholt. Einen lieben Gott, der gutmütig lächelt, den akzeptiere ich noch, bekommt man  zu hören. Angepasste Christen argumentieren ganz ähnlich: „Bangemachen gilt nicht“, wenden sie ein, wenn andere über den „Tag des Gerichtes“ oder gar über ein ewiges Verlorensein in der Hölle sprechen. Das macht depressiv und begünstigt Komplexe. Predige die Liebe und den gnädigen Gott, um Menschen zu gewinnen und sie nicht zu erschrecken, belehren sie. Und weil sich davon auch Verkündiger beeindrucken lassen, darum hört man kaum noch in einer Predigt: „Irret euch nicht; Gott lässt sich nicht spotten“.

Doch Christen, die einseitig nur Liebe predigen, sind falsche Propheten. Wer ihnen glaubt, der sündigt weiter und – geht ewig verloren. Beim bloßen Liebesgesäusel werden die Gewissen nicht geweckt, werden Menschen in ihrem Todeszustand belassen. Jesus, als größtes Vorbild für Prediger, hat oft von Gottes Gericht, vom Wurm, der nicht stirbt und vom Feuer der Hölle gesprochen. Erst wer das hört und ernst nimmt, wird zu fragen beginnen: „Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“. Er erkennt sein Verlorensein und benötigt die vergebende Gnade. Auch die Apostel predigten vom zukünftigen Gericht. So sprach Paulus vor dem römischen Statthalter Felix nicht (nur) von Gottes Liebe, sondern von der „Gerechtigkeit… und von dem zukünftigen Gericht“. Kein Wunder, dass dieser erschrak (Apostelgeschichte 24,25). Den Athenern bezeugte Paulus auf dem Gerichtsplatz, dem Areopag, dass „Gott den Erdkreis richten wird mit Gerechtigkeit“ (Apostelgeschichte 17,31). Je dreister sich die Gottlosigkeit heute gebärdet, umso kühner sollten Christen – wie einst Noah und Lot –  ihren Zeitgenossen zurufen: „Irret euch nicht; Gott lässt sich nicht spotten!“

Gibt es eine kollektive Bestrafung?

 

Dass Gott sich nicht spotten lässt, sondern Sünde bestraft, bestätigte sich mehrfach an Israel als gesamtem Volk. Gewiss hat es während der Babylonischen Gefangenschaft neben Jeremia noch weitere „Gerechte“ gegeben. Aber sie erlitten als Glieder des Volksganzen eine Art kollektives Gericht. Ebenso sind im Jahre 70 n. Chr. die Gerichtsworte Jesu über Israel als gesamtem Volk in Erfüllung gegangen. Jerusalem wurde geschleift und Tausende Juden gekreuzigt. In Israel gab es damals nicht wenige Christen. Soweit sie nicht flohen, verloren sie – wie die anderen Juden – Heimat, Besitz und liebe Menschen. Ebenso ist es vielen Christen an den Kriegsfronten, im Bombenchaos, bei der Gefangenschaft und Vertreibung ergangen. Ja, es gibt eine kollektive Bestrafung, ein Gerichtshandeln Gottes an ganzen Völkern. Gerade  Großreiche mussten erleben, dass Gott – wie bei Belsazar in Babylon – sein „Mene mene tekel u-parsin“ (gewogen, gewogen und zu leicht befunden) spricht. Nach dem Ausmaß der Gottentfremdung, die wir heute erleben, könnte Gottes Gerichtsschwert Deutschland, aber auch Europa sehr bald wieder treffen.

In Bezug auf die  Kollektivschuld müssen wir davon ausgehen, dass es heutzutage einen Unterschied gibt zwischen hierarchisch bzw. diktatorisch beherrschten und demokratisch regierten Staaten. Im ersten Fall trugen Allein- und Gewaltherrscher, wie Cäsar, Napoleon, Stalin  und Hitler wohl die Hauptschuld an den Gerichtskatastrophen. Im demokratischen Staatswesen jedoch wählt und autorisiert das Volk seine Regierung. Es entscheidet daher selbst, ob seine Machthaber politische Entscheidungen nach Gottes Maßstäben oder nach antichristlicher Meßlatte treffen.  Entsprechend mehr werden Demokraten für göttliche Gerichtsmaßnahmen auch kollektiv verantwortlich sein.

Gibt es eine Bestrafung für Christen?

Gelegentlich ereifern sich Christen für die gut gemeinte, aber unbiblische Lehre, ein Christ könne nicht mehr verloren gehen, ganz gleich, wie er lebt. Das klingt recht lieb und ermutigend, ist aber gefährlich, weil es nicht biblisch ist und Christen gleichgültig macht. Paulus schreibt das aufrüttelnde „Irret Euch nicht!“ keineswegs an Gottlose, sondern zuerst an Christen. Wer als Christ  „auf sein Fleisch sät, der wird vom Fleisch das Verderben ernten“, redet er ihnen ins Gewissen. Nur wer geistlich lebt und handelt, „erntet von dem Geist das ewige Leben“ (V.8). Auch Christen brauchen also die Botschaft vom „Tag des Gerichtes“. Sie sollen nicht dem Irrtum verfallen, sie könnten „Gott schauen“, ohne heilig bzw. geistlich zu leben (Hebräer 12, 14). Der Apostel  Paulus spricht davon, dass diejenigen, „die Christus angehören, ihr Fleisch samt den Lüsten und Begierden gekreuzigt haben“ (Galater 5,24). Gerade daran und an den Früchten des Geistes erkennt man echte Christen. Das zu versäumen bzw. umgehen zu wollen hieße, „das Verderben“ zu ernten. Wohl dem, der sich warnen lässt und danach tut.

Zum Dialog der Religionen

Biblische Position zum Auftrag der Kirchen

Eigentlich ist es Auftrag der Kirche, Politiker vom Wort Gottes her in ihren oftmals schwierigen Entscheidungen zu unterstützen. Sie benötigen es, an ihre „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ erinnert zu werden. Nicht selten jedoch haben Politiker die Kirche auf ihre eigentliche Aufgabe, nämlich die Verkündigung und Missionierung, hinweisen müssen. Wenn nämlich Propheten auf Abwege geraten, wie Bileam einst, dann kann Gott sie schon mal durch einen „Esel“ (auch eine Partei) zur Sinnesänderung rufen. Als solch einen Mahnruf bitte ich meinen nachfolgenden Leserbrief zu verstehen, den ich der Aktualität wegen hier übernehme.

„Faszination der Religionen?“

 

Man reibt sich die Augen: Die Evangelische Landeskirche fördert einen „Dialog der Religionen“ Wie ist so etwas  möglich? Vor kurzem noch wurden etwa aus Hermannsburg Missionare zur Bekehrung der Heiden entsandt, und heute sprechen kirchliche Vertreter  von der „Faszination der anderen Religionen“. Leidenschaftlich bestand Martin Luther, der Begründer auch meiner Kirche, auf dem „sola scriptura“ (alleine die Schrift). Heute geht es seiner Kirche um „die Anerkennung anderer Religionen. .., da sie sich auch auf eine Offenbarung berufen“. Einst befahl Jesus seinen Dienern: „Machet zu Jüngern alle Völker“ (Matth. 28,19). Heute klärt die Kirche ihre Glieder beim Bemühen um einen interkonfessionellen Dialog über das Gegenteil auf. So belehrte z.B. Professor K. aus Osnabrück, anlässlich eines evangelischen Vortragsabends seine Zuhörer: „Jesus müsse als Reformator innerhalb seines eigenen Volkes (Israel) gesehen werden“, denn schließlich „sei alle Religion Weggemeinschaft zu Gott“. Im Andachtsraum des neuen Berliner Bundestages wurde mit Einverständnis der EKD auf das Symbol des Kreuzes verzichtet, um auch mit Buddhisten und Moslems einträchtig beten zu können.

Als ich das las, wurde ich zugleich traurig und zornig. Wohin ist die Kirche Christi und Luthers denn heute gekommen? Hier wird Christi Befehl, die Völker zu missionieren, von kirchlichen Vertretern im Namen religiöser Loyalität und so genanntem „Weltfrieden“ abgeblockt. Nicht genug, dass man selber nicht missioniert, indirekt verunglimpft man diejenigen, die den Missionsbefehl Jesu ausführen möchten.

Ich will den Vertretern dieser humanistischen Denkweise zugute halten, dass sie es mit ihrem Dialog- Getue gut meinen und wahrscheinlich nicht besser wissen. Aber vom Konsens der neutestamentlichen Botschaft beurteilt, haben sie sich in die falsche Richtung einer Einbahnstraße verirrt. Dabei behindern sie nicht nur den „normalen Verkehr“ des Reiches Gottes, sondern gefährden hochgradig die Verkehrsteilnehmer auf der richtigen Spur. Sie sind nach biblischer Ausdrucksweise „Wölfe im Schafspelz“ und gefährliche „falsche Propheten“, vor denen die Herde Christi gewarnt werden muss.

 

Konsequenzen des Religions-Dialogs

 

Wer als bibeltreuer Christ logisch weiterdenkt, wird über die ungeheuren Konsequenzen des empfohlenen Religionsdialogs zutiefst erschrecken: Wenn es stimmt, dass Gott auch die Menschen aller anderen Religionen bereits „zu sich gerufen“ hat, wie der Theologe, Professor K., behauptet, dann hat sich Jesus mit seinem Missionsbefehl klar geirrt. Dann müssten wir ihn als lästigen Unruhestifter und nicht als Friedensbringer betrachten. Mehr noch: Wenn die Anhänger Mohammeds, Buddhas, der esoterischen Kulte usw. auch ohne Christi Versöhnung zu Gott finden könnten, dann hätte er sich seinen Passionsweg ans Kreuz ersparen können. Dann wäre das Zeugnis der Apostel: „Es gibt in keinem anderen Namen Heil und Errettung“, als eben in Jesus (Apostelgeschichte 4,12), bloße Volksverdummung und letztlich Betrug. Dann wäre auch jede Passions- und gar Karfreitagspredigt der reinste Bluff. Dann aber sollte man konsequenterweise alle Kirchentore  schließen und alle Pfarrer entlassen. Ähnliches haben antichristliche Ideologen und Diktatoren ja schon mehrfach versucht. Ohne es zu merken, sägen die Dialogverfechter folglich an dem Ast des Kirchenbaumes, auf dem sie selbst sitzen.

Aber glücklicherweise ist die theologische Richtung, die stolz postuliert, „Gott sei nicht auf einen Namen (Jesus) festzulegen“, in der Tat nur ein Ast am großen Baum der geschichtlichen Kirche. Es gibt nach wie vor Pfarrer, Diakone, Lehrer und Laien, die – Gott sei gedankt – Jesus als den einzigen Weg zu Gott und als die Wahrheit verkündigen. Sie haben Christus als den Befreier persönlich erfahren (Johannes 3,36) und können es nicht lassen, allen Menschen von seiner Liebe zu sagen. Natürlich wünschen und erstreben sie, dass die Menschen dabei zu Jesus finden, ihn annehmen und seine Nachfolger werden. Das aber hat nichts mit Intoleranz oder gar Diskriminierung zu tun. Intolerant wäre nur der Versuch, jemand zu bedrängen oder gar gewaltsam bekehren zu wollen.

Genauso intolerant wäre es aber, bekennenden oder auch missionierenden Christen „Diskriminierungsabsichten, sektiererischen Eifer oder gar „gefährlichen Fundamentalismus“ zu unterstellen. Für die rechtstaatliche Gesetzgebung ist dies ein allergischer Punkt. Je nach dem vorherrschenden Einstellungstrend kann sie sich vom pro-christlichen oder aber vom anti-christlichen Geist beeinflussen lassen. Nach biblischer Voraussage haben bekennende Christen mit diskriminierender Verkennung zu rechnen. Das wird und darf sie jedoch nicht daran hindern, Jesus Christus allein als den Weg, die Wahrheit und das Leben aller Welt zu bezeugen.

Aktive Sterbehilfe  –  Herausforderung für entschiedene Christen

Willkür-Gesetze ohne Bindung an Gott

 

Nachdem der Niederländische Senat im April 05  “das Gesetz über die Kontrolle der Lebensbeendigung auf Verlangen und der Hilfe bei Selbsttötung“ beschlossen hat, ist auch in Deutschland die Diskussion über die “aktive Sterbehilfe“ voll entbrannt. Nach Umfragen stimmen nahezu 70% der Befragten der niederländischen Regelung im Wesentlichen zu. Eine immerhin erhebliche Mehrheit ist also der Meinung, dass sie im Notfall über die Beendigung des eigenen Lebens entscheiden dürfte.

Schaut man sich das niederländische Gesetz näher an, wird die Schwachstelle des Gesetzes sofort offenbar: sie liegt bei dem behandelnden‚ also dem tötenden Arzt. In Kapitel II des Gesetzes wird ihm die Verantwortung für die Rechtmäßigkeit der Tötung auf Verlangen bzw. der Hilfe bei der Selbsttötung auferlegt. (Allerdings soll er noch einen weiteren Arzt um Rat fragen.) Der behandelnde Arzt soll „überzeugt sein, dass der Zustand des Patienten aussichtslos und sein Leiden unerträglich war“. Wer aber kann solch eine Überzeugung in Bezug auf ihre Stichhaltigkeit nachprüfen? Etwa die Kommission, die nach dem Gesetz die Tötungsfälle nachträglich überprüfen soll? Jeder in frage kommende Arzt wird doch beschwören, dass er im Sinne des Gesetzes „überzeugt“ war. Eine durchaus denkbare Absprache mit den Angehörigen, die nicht mehr pflegewillig waren, oder eine mögliche Absprache mit dem Krankenhauspersonal, das nicht mehr pflegewillig war, oder mit dem Krankenhausträger, der an die anfallenden Kosten dachte, wird im Gesetz nicht berücksichtigt.

Die Niederlande verabschieden sich mit diesem Gesetz vom „Hippokratischen Eid“, einer seit über 2000 Jahren geltenden Selbstverpflichtung der Ärzteschaft. Der “Eid des Hippokrates“ lautet (in Auszügen): “Ich schwöre bei… (es folgen die Namen von göttlichen Mächten): Meine Anordnungen will ich geben nach meinem Können und Wissen zum Nutzen der Leidenden, Verderben und Schaden aber ihnen wehren. Auch werde ich tödliches Gift niemandem geben, mag er selbst darum bitten, und auch keinen Rat dieser Art erteilen. Auch werde ich nie einem Weibe ein Mittel zur Vernichtung der Leibesfrucht reichen. Lauter und gottgefällig will ich bewahren mein Leben und meine Kunst.“

Gott selbst will Lebens-Schutz (1 M0 2,13)

 

Glücklicherweise haben sich führende Repräsentanten auch des Protestantismus ablehnend zum niederländischen Gesetz geäußert. Frau Margot Kässmann, die Bischöfin von Hannover, bringt die Auffassung der Heiligen Schrift auf den Punkt, wenn sie in einem Interview mit einem niederländischen Arzt, der in etwa l00 Fällen aktive Sterbehilfe geleistet hat, sagt: “Das Leben ist ein Geschenk Gottes, über das ich selbst nicht verfügen darf.“ Sie setzt aber dem niederländischen Modell etwas anderes dagegen: 1. Die Patientenverfügung – das bedeutet: der Patient sagt oder schreibt, ab wann er keine lebensverlängernden Maßnahmen haben möchte (er bittet damit um die Gewährung passiver Sterbehilfe, die erlaubt ist)‚ 2. Palliativmedizin, d.h. die Verabreichung von schmerzstillenden Mitteln, die nicht unbedingt lebensverlängernd wirken, und 3. Ausbau der Hospizbewegung, u. a. Einrichtung von Sterbekliniken mit christlichem Geist, in denen die Patienten besondere Pflege, Zuwendung und optimale Schmerztherapie erhalten.

Die bisher geltenden Grundsätze der christlichen Ethik sind tatsächlich durch das niederländische Gesetz infrage gestellt worden, denn diese Ethik lehrt von ihren Anfängen an, die schon im AT liegen, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist, der ihn geschaffen und damit gewollt hat. Der Mensch gehört also Gott und nicht sich selbst. Daher darf er sein Leben nicht selbstmächtig beenden oder beenden lassen oder – das gilt für den Arzt – das Leben eines anderen beenden, auch wenn dieser es wünscht. Den Zeitpunkt des Todes muss der Mensch dem Schöpfer überlassen, der ihn nach dem Tod vor das Gericht stellen wird. Dort wird ein jeder gefragt werden, was er mit diesem hohen Gut „ Leben“ gemacht hat.

Gottesfurcht – Antrieb für Hilfe zum Leben

 

Letztendlich ist der Verlust der Gottesbeziehung im Abendland der Grund, warum ein solches Gesetz in unserem Nachbarland beschlossen werden konnte. Die Niederlande sind allerdings extrem humanistisch-emanzipatorisch, also atheistisch geprägt. Weil aber die Glaubenssubstanz in den anderen Ländern nicht viel stärker ist‚ besteht die große Gefahr, dass die Niederlande mit diesem Gesetz zu einem Vorreiter für ganz Europa werden. In dem besagten Interview von Frau Kässmann mit dem niederländischen Arzt, der in vielen Fällen aktive Sterbehilfe geleistet hat, sagte dieser auf die Frage, was nach dem Tode käme: “Nichts, gar nichts. Es gibt keine Existenz nach dem Tod. Das ist das Ende. Das Leben ist zwecklos und sinnlos.“ Das ist eine klassische Beschreibung des Geistes, aus dem die Erlaubnis zur aktiven Sterbehilfe geboren wurde.

Nicht nur die christliche, sondern auch die jüdische und sogar die islamische Ethik verbieten genauso wie der Eid des Hippokrates die aktive Sterbehilfe. Daran ist zu ersehen, dass die Ablehnung der aktiven Sterbehilfe auch einem Grundempfinden aller Menschen entspricht. Schon im Eid des Hippokrates wird deutlich, dass die Unverfügbarkeit des Lebens eines Menschen vom Augenblick der Empfängnis an bis zu seinem Tod gegeben ist. Wie viel mehr werden bibeltreue Christen sich dem klaren Gebot Gottes: “Du sollst nicht töten“ verpflichtet wissen. Dieser Befehl  der höchsten Autorität im Universum bezieht sich so wohl auf das Töten des fremden, als auch des eigenen Lebens, ganz gleich in welcher Situation oder Phase. Abtreibung, therapeutisches Klonen und auch die Präimplantations-Diagnostik überschreiten genauso wie die aktive Sterbehilfe eine Grenze‚ die Gott selber gesetzt hat. Gottes Wille wird dadurch total ignoriert. Damit ist deutlich, dass die Herausforderung durch das niederländische Gesetz nicht nur auf ethischem Gebiet liegt. Es handelt sich im Kern um eine Herausforderung, Gottes Lebensordnungen zu respektieren und ihn zu fürchten. Unsere Aufgabe als Christen besteht folglich darin, alle verfügbaren Wege zu beschreiten, damit unser Kontinent wieder zum Glauben an den dreieinigen Gott zurückfindet. Politiker sind dabei keineswegs ausgeschlossen.

E r g ä n z u n g s t e i l

Biblische Glaubenshilfen für Christen

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Die Bedeutung christlicher Werte in der Völkergeschichte

von Pfarrer i. R. Hans-Christoph Gensichen

Woher Werte kommen

 

Die christlichen Werte haben ihren Ursprung in Gott selbst. Die Offenbarung der göttlichen Werte geschah zunächst gegenüber dem Volk Israel auf dem Berge Sinai durch Mose. Diesem Akt geht eine Geschichtsepoche voraus, die allgemein “Urgeschichte” genannt wird. Es ist die Zeit zwischen der Schöpfung und Gottes Reden zu Abraham. Ihre wichtigsten Aussagen finden wir in Genesis 1-11.

In den zehn Geboten ist die Grundlage aller Werte enthalten. Die ersten fünf auf der ersten Tafel regeln die Beziehung zu Gott und die zweiten fünf auf der zweiten Tafel die Beziehung der Menschen untereinander. Seit der Ausgießung  des Heiligen Geistes und durch die Verkündigung  der Kirche wurden diese Werte auch den übrigen Völkern vermittelt.

Was Werte sind

 

–  Als erster von Gott gesetzter Wert ist die Schöpfung der Welt zu nennen. Dass überhaupt etwas da ist, ist das Basis-Geschenk Gottes an seine Geschöpfe ( Genesis 1 und 2 ). Das Universum, also Himmel und Erde und alles, was darin ist, sind folglich von höchstem Wert für uns Menschen.

–  Der nächste große Wert ist der Schutz des menschlichen Lebens. Der Mensch ist Gottes Ebenbild und steht deswegen unter Gottes besonderem Schutz, vgl. Genesis 1, 4, 8 und 9.  In dem Bund, den Gott mit Noah schließt, verpflichtet er sich zum Schutz des Lebens für die gesamte Menschheit.

–  Der nächste wichtige Wert ist die Verehrung des einzigen Gottes, der sich zunächst Israel als seinem Volk offenbart hat ( 1. – 3.Gebot ). Der Schöpfer des Universums will seine Ehre „keinem anderem lassen“.

–  Der nächste Wert ist die Einhaltung des Sabbats. Der Rhythmus von sechs Arbeitstagen und einem Feiertag  ist eine hilfreiche Grundordnung für das Leben der Menschen. Deswegen ist die Sieben-Tage-Woche auch von nichtchristlichen Völkern übernommen worden. Verbunden mit der Woche ist die Gliederung des Jahres durch Feiertage, die erstens dem natürlichen Jahresrhythmus von Saat und Ernte folgen, zweitens aber dem Ablauf der Geschichte Israels, d.h. der Heilsgeschichte, entsprechen.

–  Der nächste Wert ist die Verehrung der Eltern ( fünftes Gebot ). Die Achtung der Eltern ist einer der segensreichsten Werte für das Volk Israel und auch für die Kirche geworden. Dadurch blieb das Volk Israel trotz der Verfolgungen bestehen. Achtung der Eltern ist aber auch ein Menschheitswert schlechthin, weshalb er als wichtiger Baustein im Familienkonsens erkannt worden ist. Das fünfte Gebot steht auch deshalb auf der ersten Tafel, die es mit Gott zu tun hat, weil durch die Eltern der Glaube an Gott den Kindern vermittelt wird. Somit ist die Tradition der Wertevermittlung als solche ein wichtiger Wert.

–  Der erste Wert auf der zweiten Tafel, der Tafel, die es mit dem Verhältnis der Menschen untereinander zu tun hat, betrifft  wieder den Schutz des Lebens. Der Mensch ist Gottes Ebenbild. Der Mord an einem Menschen ist immer ein direkter Angriff auf Gott selbst, der es erschuf und bewahrt sehen will.

–  Der zweite Wert auf der zweiten Tafel ist die Ehe. Die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau ist die seelisch-leibliche Verbindung zweier Menschen verschiedenen Geschlechts, die auf Dauer angelegt ist und die Gott besonders schützt. Die Sexualität, die Kraft, Kinder zu zeugen und zu empfangen, ist somit der Ehe vorbehalten.

–  Der nächste Wert ist das private oder gemeinschaftliche Sach-Eigentum. Es ist gleichsam ein Teil der Person und wie diese selber geschützt.

–  Der nächste Wert – im neunten Gebot – ist die Wahrheit. Vor allem in gerichtlichen Auseinandersetzungen darf eine Aussage niemanden auf Kosten der Wahrheit gefährden oder ihm Nachteile bringen. Auch beim neunten Gebot geht es wieder um den Schutz der Person als Gottes Ebenbild.

–  Das zehnte Gebot betrifft den Wert des Gewissens. Das Gewissen soll die Begehrlichkeiten des Menschen kontrollieren. Paulus sagt im Römerbrief in Kapitel 2, dass das Gewissen als Kontrollorgan bei allen Menschen vorhanden ist. Das befähigt sie, sich selbst ein Gesetz zu sein bzw. es in sich vorzufinden, auch wenn sie die zehn Gebote noch nicht kennen. Was Werte sind, definiert das Gewissen auch ohne Bibelbezug durch den hohen Rang des Guten. Die Pflege des Gewissens ist daher von erheblichem Wert für alle Menschen.

Die Offenbarung Gottes und seiner Werte kommt zum Ziel in der Fleischwerdung seines Sohnes Jesus Christus. Dessen Verkündigung vollendet die Festlegung der Werte in Gottes Geboten. Sie gipfelt in dem Doppelgebot der Liebe, insbesondere in der Bergpredigt. Darin wird die Liebe zum Nächsten von Jesus erweitert durch die Liebe zu unseren Feinden. Die Liebe ist daher der grundlegende Wert, der uns von Gott anvertraut worden ist.

Was die Werte zur Tat werden lässt

 

Das Grundproblem besteht  nun darin, dass es schwer, ja menschen-unmöglich ist, die Werte des Guten ohne weiteres in Familie, Politik, Gesellschaft usw. zu realisieren. Darauf hinzuweisen und sie einzufordern, ist zwar richtig und wichtig. Da es jedoch auch Kräfte des Bösen/Unwerten gibt, werden bloße Appelle von Theologen, Politikern usw. die Menschen schnell überfordern. Allein die Frohe Nachricht der Bibel verhilft dazu, gute Werte in die Tat umzusetzen.

In Jesus Christus schenkte Gott uns den höchsten Wert, über den er selber verfügt. Aus Liebe sandte er seinen Sohn in unsere chaotische Welt. Der Höhepunkt der Liebe des Schöpfers zu seinen Geschöpfen erweist sich im Sterben seines Sohnes am Kreuz. Die Versöhnung des Sünders mit Gott aufgrund des Todes und der Auferstehung Jesu veränderte den Lauf der Geschichte. Sie beinhaltet den Freispruch im jüngsten Gericht und die Gabe des ewigen Lebens. Dieser höchste Wert wird durch persönliche Umkehr/Buße im Glauben erfasst und in der Kraft des Heiligen Geistes weiter vermittelt (Apostelgeschichte 1,8). Die Vermittlung der göttlichen Werte geschieht durch das gepredigte „Wort vom Kreuz“ und zugleich durch helfende Taten.

Dass dadurch Menschen, ja ganze Kulturen positiv verändert werden können, hat sich im Verlauf der Kirchengeschichte erwiesen. Die erneuernde Kraft der Liebe Gottes schuf und hinterließ als prägenden Faktor wertvolle Segensspuren in der Kultur des christlichen Abendlandes. Diese haben  sich inzwischen weltweit multipliziert.  Was wäre Europa ohne die Vorbilder der Barmherzigkeit, die von Jesus, als der Mitte ihres Denkens, lebten und schafften. Zu ihnen gehörten unter vielen anderen:  – Franz von Assisi,  – August Hermann Francke, – Elisabeth Fry, – Friedrich von Bodelschwingh, – Henry Dunant, – Mathilda Wrede, – Johann Hinrich Wichern und auch – Mutter Theresa. Die Liste ließe sich durch herausragende Namen aus den Bereichen Forschung, Literatur, Bildung, Kunst usw. schier endlos erweitern.

Durch den überragenden Erweis christlicher Grundwerte werden alle Menschen motiviert, die Versöhnung mit Gott anzunehmen und ebenfalls weiterzugeben. Die christliche Verkündigung, also das “Evangelium”, ist daher zu einem besonders hohen Wert für die Menschheit geworden. Für die Annahme christlicher Grundwerte hat Gott die Völkerwelt gut vorbereitet. Auf Grund ihrer göttlichen Herkunft spüren alle Menschen eine tiefe Sehnsucht nach ihm und seinen Werten in ihren Herzen.

Was Werte läutert und Zukunfts-Perspektiven verleiht

 

Neuere Bewegungen, wie Aufklärung und Humanismus, basieren auf den christlichen Werten, ohne dies anzuerkennen. Sie haben aus sich selbst keine neuen Grundwerte hervorgebracht oder erfunden.  Höhepunkt der christlichen Grundwerte ist die Hoffnung über das Diesseits hinaus auf die Wiederkunft Jesu Christi. In seinem jüngsten Gericht wird alles Böse und Chaotische endgültig ausgeschieden.  Das himmlische Reich Gottes wird  die bisherige Geschichte beschließen und etwas völlig Neues eröffnen. Auf Gottes neuer Erde werden sich die bislang noch sehr umkämpften christlichen Grundwerte ungehindert entfalten können.  Die erlösten Menschen sowie die übrige Schöpfung werden die Gestalt erhalten, die sie nach Gottes ewigem Plan haben sollten.

Die Ewigkeits-Perspektive macht einerseits im Blick auf das Jenseits froh und gewiss, andererseits befähigt sie im flüchtigen Diesseits zum Handeln in „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ (Präambel im BRD-Grundgesetz).

Anmerkung

 

Obwohl alle Werte von Gott kommen ist es hilfreich, zwischen den allgemeinen bzw. natürlichen Werten und den geistlichen Werten (Mt 13,11.24) zu unterscheiden. Die allgemeinen Werte sind allen Menschen über die Vernunft und das Gewissen zugänglich. Die geistlichen Werte dagegen können nur von Wiedergeborenen empfangen und realisiert werden (Johannes 3,3-5). Es wäre daher falsch, sie bei Unwiedergeborenen zu erwarten oder gar einzufordern.

Hier eine unvollständige Aufstellung der unterschiedlichen, sich aber letztlich ergänzenden Werte:

Allgemeine/natürliche Werte                                                  Geistliche/christliche Werte

Verehrung des Schöpfer-Gottes (Römer 1,19-20)Die Schöpfung

Der Mensch, seine Würde, sein Leben

Die Menschenrechte

Das Gewissen

Der Ruhetag

Die Eltern und Familienbezüge

Die Glaubenstradition in der Familie

Gottes Wort, die Kirche

Das Christentum

Glaubensfreiheit

Das Herkunftsvolk

Die Ehe

Die bürgerlichen Tugenden

Das Eigentum

Die Wahrheit

Die GerechtigkeitGottes DreieinigkeitGottesliebe und Gottesfurcht

Gottes Gesetz und Gebote

Christi Menschwerdung

Christi Versöhnung am Kreuz

Christi Orientierungs-Vorbild

Das Evangelium

Der rettende Glaube

Gemeinschaft der Christen

Die göttliche Liebe (1 Korinther 13)

Die Gaben und Kräfte des Heiligen Geistes

Die Früchte des Geistes (Galater 5)

Der christliche Lebensstil (Heiligung)

Die Werke der Liebe und des Geistes

Die Ewigkeitshoffnung

Das Ewige Leben

Die Wiederkunft Jesu

Christi Kreuz – unser Schicksal

Auf welcher Glaubensbasis gelangen Christen vom Wollen zum Tun?

Schicksalsgemeinschaft

 

Wieder einmal hat mich die Botschaft vom Kreuz und von der Auferstehung Jesu Christi gefesselt. Lassen Sie mich zeugnishaft davon berichten. Beim Lesen von Kapitel 6 im Römerbrief werde ich an den Buchtitel „Jesus – unser Schicksal“ von Pastor Wilhelm Busch erinnert. Genau das ist in Vers 4 dieses spannenden Kapitels gemeint, fällt mir auf. Ich staune. Das ist mehr als nur zu glauben, dass Jesus lebt und ich am Jüngsten Tag bei ihm sein werde, wird mir klar. Hier steht doch eindeutig, dass ich schon jetzt – und zwar zusammen mit Christus – gestorben und auferstanden bin. Folglich ist das, was an Christus geschah, auch schon an und mit mir geschehen: Sein Tod ist zugleich mein Tod und seine Auferstehung zugleich meine Auferstehung geworden.

In Vers 5 wird diese Wahrheit von Paulus noch vertieft und begründet. Er bezeugt, dass Christen „mit Jesus verbunden und ihm gleich geworden“ sind. Das heißt im Klartext: Wenn ich Jesus angehöre und im Heiligen Geist eins mit ihm bin (die Taufe gilt als Bekenntnis dafür), dann ist JESU Schicksal mein Schicksal geworden. Dieser Gedanke paßt zwar nicht in mein logisches Denken. Denn schließlich bin ich ja leiblich gesehen bislang weder gestorben noch auferstanden. Geistlich gesehen aber betrachtet Gott mich und alle, die „in Christus“ sind, – nur noch in der Schicksalsgemeinschaft mit seinem Sohn (Galater 2,19; Kolosser 3,1-39).

Konsequenz: Für die Sünde gestorben

 

Ich lese weiter. In Vers 6 wird mir bald klar, warum wir bei dem Einssein mit Jesus nicht zuerst an unseren Leib denken dürfen.   Paulus sagt: „Wir wissen, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, …so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen“.

Sofort frage ich mich, was hat Paulus mit diesem „alten Menschen“ gemeint? Mir fällt ein, dass in der Bibel die beiden Worte Adam und Mensch dasselbe bedeuten. Wenn es also einen „alten Menschen“ als Stammvater gibt, dann muss es auch einen „neuen Menschen“ als Stammvater geben. Dieser zweite Adam wäre dann Jesus Christus, folgere ich. Er hat durch sein Sterben und Auferstehen gleichsam eine neue Menschheitsfamilie begründet, nämlich seine Gemeinde, die Christen.

Das leuchtet ein. Doch nun drängt sich mir förmlich die Frage auf, was die Schicksalsgemeinschaft mit Jesus denn ganz praktisch bedeutet. Mein Blick fällt auf Vers 2 des  Kapitels, wo es heißt: „Wie sollten wir weiter in der Sünde leben wollen, der wir doch abgestorben sind“.

Das Erbgut des „Alten Menschen“

 

Der Begriff „Sünde“ regt mich an, zunächst über Eigenschaften vom „alten Menschen“, also von Adam, nachzudenken. Denn schließlich kann ich auch als Christ Adams notvolles Erbgut nicht leugnen. Zweifellos besteht eine tragische Schicksalsgemeinschaft zwischen Adam und mir. Denn Paulus kommt immer wieder auf die Begriffe Sünde, Sündendienst, Sündenlohn oder Sündenherrschaft zu sprechen. Er stellt fest, dass es von Adam her eine Erblast des Bösen gibt. Laut Römer 5, Vers 19 sind „durch die Sünde des einen Menschen die vielen zu Sündern geworden“. Auf Grund des Vererbungsprinzips kam es so zu meiner/unserer Trennung von Gott. Tod und Verdammnis waren die Folge. Hinzu kommt die verdorbene Gesinnung, also unsere nun vom Bösen beherrschte Natur. Die Sünde hat nämlich unser Denken, Fühlen und Wollen vergiftet. Bald nach dem Sündenfall stellte Gott fest: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“ (1 Mose 6,5).

Besonders tragisch ist ein weiterer Erbfaktor, den wir dem Fehltritt Adams verdanken: Die Sünde erhielt dadurch einen Rechtsanspruch, über Adams Kinder zu herrschen. Paulus geht davon aus, dass seitdem alle Menschen dem Bösen Folge leisten, also sündigen müssen, ob sie es wollen oder nicht. So tragisch ist die Erblast des „alten Menschen“. Daher der verzweifelte Aufschrei: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen?“ (Römer 7, 24).

Jetzt wird mir klar, warum in unserer Gesellschaft, den Familien, der Wirtschaft, der Politik usw. sich alles so notvoll darstellt, wie es ist. Im Hintergrund wirken die überkommenen Kräfte des Bösen sich zwanghaft aus. Darum die unglaublichen Tragödien im Kosovo-Krieg, darum weltweit die immer neuen Finanzskandale in der Wirtschaft und Politik, darum der unfaire Machtkampf in der Wahlszenerie, darum der brutale „Krieg“ gegen schutzlose Kinder im Mutterleib mit raffiniertesten Mitteln, darum… darum… darum!

Schnell sehe ich ein, dass man gegen dieses finstere Machtpotential weder mit Appellen noch Gesetzen, weder mit Diplomatie noch mit Panzern Entscheidendes ausrichten kann. Wer das etwa im Wahlkampf zu leisten verspricht, der ist blind für die Fakten. Allzu oft wurde bereits über Gräbern und Trümmern verzweifelt gerufen: Nie wieder Krieg! Angesichts der heutigen kriegerischen Eskalation steht die Menschheit erneut vor der Frage: Mit welchen Mitteln lässt sich dieser mörderische Teufelskreis, diese Bosheitsspirale der adamitischen Erblast überhaupt brechen?

Das Erbgut des „Neue Menschen“

 

Nun ist es Zeit, über das Erbgut des neuen Menschen, Jesus Christus, nachzudenken. Zunächst muss jedoch geklärt sein, ob zwischen ihm und uns überhaupt eine Beziehung besteht. Falls noch nicht, bleibt das Erbgut des alten Adam in uns aktiv. Wenn ja, sind wir mit dem neuen Erbträger und seinem Erbgut  verbunden. Wie man in die neue Erblinie hineinkommt, sei hier nur angedeutet. Es geschieht logischerweise durch eine neue Geburt. Wer sie erlebt, kann wie Petrus bekennen: „Gelobt sei Gott…, der uns wiedergeboren hat zu einem unverwelklichen Erbe“ (1 Petrus 1, 3).

Wie sich die Verbindung oder Schicksalsgemeinschaft mit Jesus bei wiedergeborenen Menschen auswirkt, lässt sich kurz gefasst wie folgt darstellen:

Jesus hat die uns von Gott trennende Sündenschuld auf sich genommen. Durch seinen Tod am Kreuz hat er uns verstoßene Adamskinder mit Gott versöhnt. Der Zugang zur Gemeinschaft mit Gott ist nun für alle offen.

1.       Jesus hat nicht nur unsere Sündenschuld, sondern auch unsere Sündennatur in seinen Tod mitgenommen. Diesen so genannten  „alten Menschen“ wollte Gott nicht bessern, sondern für immer vernichten. „Wir wissen“, sagt Paulus in Vers 6, „dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist“. Somit sind wir von den Zwängen der alten Natur erlöst und befreit.

2.       Allen, die mit Jesus eins werden, gibt er Anteil an Seiner Natur. Durch die Schicksalsgemeinschaft mit Jesus in Tod und Auferstehung wird Seine Natur zu meiner neuen Natur. Durch die Wiedergeburt bekomme ich sein göttliches Wesen als Erbgut geschenkt.

3.       Jesus hat mich nicht nur von der Sündennatur, sondern auch von jedem Rechtsanspruch der Sünde befreit. Über einen Toten kann niemand kommandieren und herrschen. „Wie sollten wir der Sünde weiter leben oder dienen wollen, der wir doch gestorben sind“, sagt Paulus in Vers 2 allen Christen. In Vers 11 resümiert er: „So auch ihr, haltet euch dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebet Gott in der Gemeinschaft mit Christus Jesus“. Ermutigend fügt er in Vers 14 hinzu: „Denn die Sünde wird über euch nicht mehr herrschen können…“

4.       Jesus hat mich erlöst zum Dienst und Leben für Gott. Meine Sündenschuld, die alte Natur und der alte Mensch bleiben gerichtet, getötet im Grab. Aber Gott hat mich zusammen mit seinen Sohn auferweckt. Christi Auferstehungsleben ist auch mein Auferstehungsleben. Weil Jesus mein Schicksal ist, darum gehöre und diene ich – wie er – fortan Gott und nicht mehr der Sünde.

Im Glauben handeln

 

Im Schlussteil von Römer 6 macht Paulus deutlich, dass die Schicksalsgemeinschaft mit Jesus sich im Alltag des Christen nicht automatisch vollzieht. Sie ist Gabe und Aufgabe zugleich. Sie ist für Christen die große Chance aber zugleich auch Anspruch und Pflicht.  Nicht grundlos mahnt der Apostel die Christen: „Wisset ihr nicht“, „haltet euch dafür“, „lasst die Sünde nicht mehr über euch herrschen!“.

In dem Maße, wie Christen ihr göttliches Erbgut verwirklichen, sind sie „Salz und Licht“ für ihr Volk, sind sie Hoffnungsträger für ihre Gesellschaft, wird auch ihre politische Partei dem Allgemeinwohl nützen.

Es ist Christi Nachfolgern jedoch auch möglich, die befreiende Schicksalsgemeinschaft mit Jesus zu ignorieren, bzw. nicht in die Tat umzusetzen. Aus Unwissenheit, Unglauben, aber manchmal auch willentlich passiert es leider oft, dass sich Christen weiterhin von ihrer alten Natur bzw. von der Sünde beherrschen lassen. Neid, Zank, Zorn, Zwietracht, Hader, Geiz, Hurerei usw. werden in solchem Fall nicht abgelegt, sondern entschuldigt und toleriert.  Vielleicht haben diese Christen die Botschaft vom Mitgestorben- und Auferstandensein noch nie gehört und verstanden. Vielleicht aber sind sie nicht bereit, diese Wahrheit, die ihrer Vernunft und Erfahrung zunächst widerspricht, im Glauben zu bejahen. Sie wollen zuerst erfahren, also sehen, dass es klappt, und es danach erst glauben. Vielleicht jedoch sind sie nicht konsequent genug und lieben weiterhin – auch als Christen – den Flirt mit der Sünde. Darum verteidigen sie ihre Kompromisshaltung und behaupten kühn, es sei nicht möglich, der Sünde konsequent zu entsagen.

 

Gefahr: Glaubens-Chancen verpassen

 

Solchen Christen schreibt Paulus ein sehr ernstes Wort. Ihr könnt weiter sündigen, räumt er ihnen ein. Aber wenn ihr der Sünde weiterhin dient, dann wisst, dass sie euch dafür auch belohnen wird. Und die Sünde belohnt ihre Diener mit dem angemessenen Sold. „Denn der Sünde Lohn ist der Tod“, lässt Paulus die Sündenliebhaber in Vers 23 wissen. Christen sollten also mit der Sünde nicht „spielen“. Billiger als ihr ernsthaft abzusagen und entschieden Jesus zu dienen, werden Christen ihr hohes Ziel, die Herrlichkeit bei Gott, nicht erreichen.

Wenn Sie, lieber Leser, das von Herzen möchten, dann danken Sie Gott, dass es Ihnen möglich ist in der Gemeinschaft mit Christus. Glauben Sie es! Leben Sie es aus und – bezeugen Sie es!

Zum Schluss noch eine Frage, die mir häufig gestellt wird: Wie kommt es, dass ich immer wieder in Sünde tappe, obwohl ich diese Botschaft glaube und nicht sündigen will? Meine Antwort lautet: Lass dir dein Einssein mit Jesus dadurch nicht in Frage stellen. Das Erbgut Christi, des neuen Menschen, bleibt voll wirksam in dir. Aber die Verwirklichung im Alltag vollzieht sich nach und nach. Die Aneignung dieses „herrlichen Erbes“ geschieht in einem Glaubensakt. Man nimmt es an und kann dafür danken. Dann aber muss der Glaube sich in der Praxis bewähren. Christen erhalten „einen Sieg nach dem andern“ und nicht alle Siege zugleich (Psalm 84,8). „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“, sagt der Apostel Johannes (Johannes 3,30). Darum ist es völlig normal, dass du neue Sünden entdeckst, dass du darüber erschrickst, sie bekennst, dann aber auch sofort ablegen solltest. Gefährlich wird es nur, mit erkannten Sünden zu flirten, anstatt sich als gestorben für sie zu halten. So bleibt dir einerseits ein frohes Besitzen, andererseits aber ein ernsthaftes Streben nach dem, was die Bibel Heiligung nennt.


[1] Hinweis: Das hier behandelte Thema. Heiligung als Eroberungskrieg ist ein  Hauptpunkt in dem Buch „Pflüget ein Neues!“ vom gleichen Verfasser. Es enthält eine vergleichende Studie über das irdische und das geistliche Kanaan. Zu erhalten für 6,- € unter Tel. 04263‘5140


[1]Initiiert von Herbert Masuch

  • Das Buch (220 S.) enthält eine Reihe von Kurzbiographien aus dem erwecklichen Protestantismus. Es ermöglicht einen biographischen Gang durch die neuere Erweckungsgeschichte. (Nur noch beim Autoren unter Tel. 04263’5140, Fax 983070 oder per Mail: herbert.masuch@ewetel.net für 6 Euro erhältlich).

Thema: Buch Betrachtungen | Ein Kommentar

181. Max Lucado – Verführer oder ….?

Montag, 27. Dezember 2010 | Autor:

 

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Ausführliche Informationen finden Sie im Buch(Betanien Verlag) von:

„Thorsten Brenscheidt: Max Lucado verstehen. Der Bestsellerautor und seine Botschaft“.

Die folgenden Ausführungen stammen von Thorsten Brenscheidt:


Bei den vielen Zitaten aus Lucados Veröffentlichungen fallen u.a. seine fragwürdigen Ausschmückungen auf. Zum Beispiel beschriebt er den Herrn Jesus in der Situation, als er Petrus sagt, er habe für ihn gebetet: „Entschuldigen Sie, aber ich höre die Stimme eines tätowierten, mit einer Lederjacke bekleideten Kerls, der auf den Straßen einer Großstadt herumlungert. „He, Petrus, Satan wollte dich umlegen, aber bleib cool. Ich habe ihm gesagt: Mach mal sachte.“(Wenn Christus wiederkommt, S.96).

Lucado schreibt Marta, der Schwester Marias und Lazarus(lukas 10,38-42), folgende abfällige Gedanken über Jesu Jünger zu: „Ich hätte Jesus bestimmt nicht eingeladen, wenn ich gewusst hätte, dass er die ganze Band mitbringt. Diese Kerle essen wie die Scheunendrescher und der Petrus rülpst immerzu.“(Er versetzt immer noch Berge, S.56).

Zudem vermittelt ein Lucado ein zweifelhaftes Gottesbild: „Aber Gott tanzt gern inmitten des Gewöhnlichen und in dieser Nacht hat er einen Walzer hingelegt.“(3:16 – Zahlen der Hoffnung, S.167). „Wie antworten Sie meistens auf die Einladung von Jesus zum Tanz?“(Werden wie Jesus, S.67).

Das sind nur wenige Beispiele aus der Fülle bedenklicher Zitate.

Der Bestsellerautor und seine Botschaft

Max Lucado – ein bekannter Name, ein Bestseller-Autor, laut „Reader’s Digest“ „der beste Prediger Amerikas“1, laut „Christianity Today Magazine“ „der Pastor Amerikas“2 und laut Neues Leben-Magazin Nr. 11/1998 der „wahre Meister der Wortmalerei“. Seine Popularität und sein Einfluss werden immer größer – mittlerweile auch in Deutschland. Seine Bücher erreichten bisher eine Gesamtauflage von über 50 Millionen Exemplaren und gewannen bedeutende Preise.
Eine Mitautorin der Zeitschrift „Aufatmen“, Anke Pagel, bekennt, dass biblische Geschichten, die sie „schon längst zu den Akten gelegt hatte“, durch Lucado „lebensnah und ermutigend“ wurden.3 Dies scheint das Geheimnis seines Erfolgs und seiner überaus großen Beliebtheit zu sein. Lucado erzählt biblische Geschichten auf seine ganz eigene Weise und unbefangen nach. Geistliche Wahrheiten werden durch Alltagsszenen illustriert und zudem so ausgedrückt, dass sie für jeden zu verstehen sind. Diese Übertragungen und dieser Stil sind es, die ihn zum Bestsellerautor machten.

Lucados Anliegen und sein Menschenbild



„Gottes Sache groß raus zu bringen“4, ist Lucados Anliegen. Wie ihm dies gelingt, sollen die nachfolgenden Auszüge aus seinen Büchern veranschaulichen. Einige seiner Buchtitel machen deutlich, worum es ihm geht: „Leichter durchs Leben“, „Ganz du selbst“, „Der Himmel applaudiert“, „Gott findet, du bist wunderbar!“, „Du bist große Klasse!“ und „Du bist einmalig“. Zu letzterem heißt es in einer Rezension: „Es vermittelt, dass jeder Mensch gut ist, wie Gott ihn gemacht hat und schenkt ein positives Selbstwertgefühl.“5 Durch Buchtitel wie „Es geht nicht um mich“ macht Lucado jedoch ebenso deutlich, dass es ihm in erster Linie um die Ehre Gottes geht. Die Bibel ist für ihn die Grundlage des Glaubens und Jesus Christus der einzige Weg zu Gott.
Bei näherem Hinsehen erscheint jedoch einiges Befremdlich. So sei Gottes Motiv zur Errettung des Menschen nicht nur seine Liebe. Nach Lucado glaubt Gott an ihn, respektiert, achtet und ehrt ihn.6 Zudem spekuliert Lucado, dass im Himmel der Herr Jesus folgendes sagt: ‚Ich bin so stolz, dass du dich von mir gebrauchen ließest. Wegen dir sind andere heute hier.“7 Die Ehre gebührt jedoch nicht dem Menschen, sondern allein Gott, zumal alle gute Taten auch von ihm bewirkt sind (Eph. 2, 8-10).
Nach Lucado dachte Gott bei der Schaffung des Menschen: „Doch dieser wird sein wie ich.“8 Die Folge: „Der Schöpfer hatte nicht ein Geschöpf, sondern einen anderen Schöpfer geschaffen.“9
Und durch eine weitere Geschichte suggeriert Lucado folgerichtig Selbstannahme:
„Kein Wunder, dass der Himmel Beifall klatscht, wenn Sie aufwachen. Ein Meisterwerk ist
aufgestanden. ‚Pst’, flüstern die Sterne. ‚Wie großartig dieses Kind ist.’ ‚Oh’, hauchen die Engel. ‚Was für ein Wunderwerk Gott geschaffen hat!’ Während Sie also stöhnen, ist die Ewigkeit fast sprachlos vor Staunen. Während Sie stolpern, sind die Engel hingerissen. Was Sie im Spiegel als morgendliche Katastrophe sehen, ist in Wirklichkeit ein morgendliches Wunder. Heiligkeit im Bademantel.“10
Während bei Lucado Gott begeistert und stolz auf den Menschen ist, stellt die Bibel dessen
Erbärmlichkeit und Sündhaftigkeit sowie dessen Abhängigkeit von Gottes unverdienter Gnade dar (Jes. 6, 5-7; Offb. 1, 17) – und die Notwendigkeit, von Gott begeistert zu sein.

Lucados Schreibweise und sein Umgang mit der Bibel

Detailliert beschreibt Lucado, was nach Jesu Tod geschehen sei:
„Drei Tage lang verweste der Leichnam Jesu. Denken Sie daran, er lag nicht einfach da. Er verweste. Die Wangen sanken ein und die Haut wurde bleich.“11 Die Bibel bezeugt das Gegenteil, nämlich dass er die Verwesung nicht sah (Apg. 13, 37; vgl. Ps. 16, 10; Apg. 2, 27+31; 13, 34).
Der neue Erzählstil Lucados geht manchmal sogar auf Kosten des ursprünglichen biblischen Zusammenhangs und der korrekten Reihenfolge. So haben zum Beispiel nicht nur Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen: „Doch Eva ist hereingelegt worden, und die Frucht wurde gepflückt, und nur wenige Absätze später folgen Mann und Sohn ihrem Beispiel, und die Ehrlichkeit aus paradiesischen Zeiten ist nur noch eine schöne, ferne Erinnerung.“12
Demnach ist auch der erste Sohn Kain aus dem Paradies vertrieben worden, auch wenn dieser erst im nächsten Kapitel (1. Mose 4, 1a) geboren wird.

Lucados Hilfs- und Stilmittel zum Verständnis der Bibel und ihre Gefahren


Lucado arbeitet immer wieder mit fulminanten Bildern, wenn er zum Beispiel 1. Korinther 13 als „den Mount Everest der Liebesbriefe“ bezeichnet.13 Das Heil bzw. die Bekehrung bezeichnet er sogar als Kur: „Und die einzige Kur hat Gott in Johannes 3, 16 beschrieben: Er liebt. Er gibt. Wir glauben. Wir leben.“14
„Irgendwie erwarten wir vielleicht einen zornigen Gott.“15 Aber diesen gibt es bei Lucado nicht. Wenn überhaupt, dann spricht Lucado höchstens von einem „zärtlichen Zorn Gottes“.16
Der Begriff „Zärtlichkeit“ spielt bei Lucado eine große Rolle: „Von seiner Zärtlichkeit trennt dich nur ein Gebet.“17 Nach einer Aneinanderreihung von leidenschaftlichen Sehnsüchten Gottes findet sich sogar eine Verniedlichung der Eigenschaft des Menschen als Sünder:
„Obwohl wir alle kleine Strolche und Lausebengel sind, hat er uns schon gesehen, bevor wir geboren wurden. Und er mag, was er sieht. Von Gefühlen überwältigt und von Stolz übermannt wendet sich der Schöpfer der Sterne uns, einem nach dem anderen, zu und sagt: ‚Du bist mein Kind. Ich liebe dich von ganzem Herzen.’“18
Dies impliziert, dass Sünde nicht so ernst genommen werden müsse und dass sie fast schon nicht der Rede wert sei. Es relativiert zudem den Wert der Erlösung durch Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz.
Auf die Dauer wird diese einseitige Sichtweise und Verzärtlichung von Gottes Wort jedoch dazu beitragen, es in seiner Gesamtheit miss zu verstehen. Der unkundige Leser ahnt nicht, dass er nur eine Seite der Medaille gezeigt bekommt, und dass vieles über das Geoffenbarte hinausgeht.
Lucado erweckt den Eindruck eines bequemlichen Christentums, das weniger mit Wachen und Beten zu tun hat, sondern mit Schlafen und Kuscheln. So heißt es in seinem Buch mit „Inspirationen aus Psalm 23“:
„Eine Herde von Schafen liegt im Kreis um ihren Hirten herum. Sie haben sich wohlig in das grüne Gras gekuschelt. … Wenn wir die Augen auf den Hirten gerichtet haben, können wir beruhigt schlafen. … Ändern Sie Ihren Blickwinkel und entspannen Sie sich.“19 „Kuscheln Sie sich ein, bis Sie ganz geborgen sind, umgeben und eingehüllt von den Halmen seiner Liebe.“20

Lucados Darstellung des Sohnes Gottes

In einer Übertragung der Auferweckung der Tochter des Jairus (Mk. 5, 22-43) beschreibt Lucado Jesus wie folgt:
„Er sah wie ein ganz normaler Mensch aus, etwas zu normal. Er trug eine Cordjacke mit aufgesetzten Lederstücken an den Ellbogen. Seine Hose war nicht neu, sah aber ordentlich aus. Kein Schlips. Der erste Ansatz einer Stirnglatze war zu sehen, das braune Haar war gelockt. … Er hatte schlanke, kräftige Hände. Jemand hatte mir erzählt, Jesus sei in Mississippi aufgewachsen, als Sohn eines Automechanikers.“21
Dann heißt es, dass Jesus „am frühen Ostermorgen lächelnd aus seinem dunklen Loch heraustrat und dem besiegten Lucifer die Frage stellte: ‚War das alles, was du auf Lager hattest?‘“22

Auf flapsige Art wird auch ein möglicher Gedanke von Nikodemus nach Jesu Auferstehung dargestellt:
„Was meinen Sie, wie Nikodemus reagiert hat, als sich die Kunde davon, dass Jesus aus dem Grab heraus und wieder auf den Beinen sei, auf den Straßen verbreitete? Hat er gelächelt und an das nächtliche Gespräch gedacht? Wiedergeburt? Aha. Wer hätte gedacht, dass er damit bei sich selbst anfängt?“23
Dass Jesus „Ringkämpfe mit seinen Brüdern“24 und eine „erste Schlägerei mit dem Nachbarjungen“25 gehabt hätte entspringt ebenfalls ausschließlich der Phantasie Lucados. Den späteren König David beschreibt Lucado als „pickeligen Jüngling“.26 Und Josef wird Unfähigkeit bescheinigt:
„Josef? Ein kleiner Zimmermann aus einem Dorf mit nur einem Kamel. Gibt es für Gott denn nichts Besseres? Jemanden mit einer Ausbildung, einem etwas erlauchteren Stammbaum? Jemanden mit etwas mehr Schlag? Dieser Typ schafft es ja noch nicht einmal, sich ein Hotelzimmer zu besorgen. Glauben Sie, der hat das, was man braucht, um Vater des Herrn des Universums zu sein?“27
Aus Jesus, dem „schlaksigen Jungen“28 und „dürren Burschen“29 wird bei Lucado „der kräftige, junge Zimmermann“30 und „der Eine, der mit den Sternen Murmeln spielte“31.

„Vielleicht war das Mädchen am anderen Ende der Straße in ihn verknallt oder umgekehrt. Womöglich hatte er knochige Knie. Eines ist jedoch sicher: Er war völlig Gott, aber auch völlig Mensch.“32 Dies gebraucht Lucado immer wieder als Rechtfertigung für seine Jesus-Phantasien.
Wie ergeht es dem bibeltreuen Leser bei solchen über die Bibel hinausgehenden, spekulativen Beschreibungen? Statt sich damit zu beschäftigen, was Jesus Christus gedacht, gesagt oder getan haben könnte, ist es vielmehr die Aufgabe des Menschen, allein das über ihn Offenbarte zu verstehen und im Glauben und Leben anzuwenden. Fängt man, wie Lucado, einmal damit an, stellt sich die Frage, wo die Grenzen für die Ausschmückungen in den biblischen Berichten liegen.

Kann man Gott zu ernst nehmen?


Außergewöhnlich – und das unterscheidet Lucado von den meisten evangelikalen Buchautoren – ist seine Prägung durch Bilder:
„Ich habe ein Bild von Jesus, auf dem er lacht. Es hängt an der Wand gegenüber von meinem Schreibtisch. Es ist eine eindrucksvolle Zeichnung. Jesus wirft den Kopf nach hinten. Sein Mund ist offen. Seine Augen funkeln. Er grinst nicht nur. Er lacht nicht nur stillvergnügt in sich hinein. Er lacht aus vollem Halse. Er hat Schwierigkeiten, Atem zu schöpfen. Ich bekam es von einem Priester der Episkopalkirche geschenkt, der immer Zigarren in der Tasche hat und Bilder sammelt, auf denen Jesus lächelt. ‚Ich schenke jedem Menschen eines, wenn ich denke, dass er dazu neigt, Gott zu ernst zu nehmen’, erklärte er, als er mir das Geschenk überreichte.“33
Lucado kommentiert dieses Anliegen nicht großartig, sondern schreibt nur: „Er hat den Nagel auf dem Kopf getroffen.“34 Aber kann man Gott zu ernst nehmen? Es geht nicht um Fanatismus, zwanghaftes oder krampfhaftes Christsein. Aber wie weit sind wir von Gottes Vorstellungen und Plänen und damit auch von seinem Charakter, ja von ihm selbst entfernt, wenn wir die Gefahr sehen, ihn und sein Wort zu ernst zu nehmen? Es ist ein Angriff auf Gottes Souveränität, seine Allmacht und alle seine vollkommen guten Eigenschaften, wenn dieses vermeintliche Gebot „Du sollst Gott nicht zu ernst nehmen!“ Beachtung findet.

Verschobene Maßstäbe

„Wenn Sie Probleme mit der Zeichnung des lachenden Jesus in meinem Büro haben, dann haben Sie auch Probleme mit dieser Geschichte“, meint Lucado schließlich in Bezug auf die Heilung der blutflüssigen Frau.35 In dem Gespräch mit dieser Frau sieht Lucado eine „satirische Neckerei“.36
Soviel zu einem christlichen Bestsellerautor, der in Zukunft möglicherweise noch viele Christen prägen wird. Mit seinem Gottesbild ist Max Lucado gewissermaßen ein Prototyp der Neo-Evangelikalen und auch Repräsentant eines sinnlichen Christentums ohne die Notwendigkeit der Buße und der Verdorbenheit des Menschen. Gottes Zorn und Gericht werden weitgehend ausgeblendet. Die Autorität der Heiligen Schrift wird relativiert durch Hinzufügungen und Phantasien. Die Ehre Gottes verblasst vor dem Anliegen, den Menschen Selbstvertrauen und Selbstliebe zu vermitteln.
Sind wir schon in der Zeit, in der „sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden.“ (2. Tim. 4, 3-4)?

1 http://www.acu.edu/events/news/archives2005/050415_best_preacher.html
2 http://www.christianitytoday.com/ct/2004/march/8.58.html
3 „Aufatmen“ Nr. 03/2005, S. 18
4 Ebd., S. 19
5 Anonym. Rezension bei Amazon.
6 „Liebe im Überfluss“, S. 71-72, 153, 157-158
7 „Wenn Christus wiederkommt“, S. 85-86
8 „Ruhe im Sturm“, S. 149
9 Ebd., S. 152
10 Ebd., S. 145
11 „Wenn Christus wiederkommt“, S. 35+38
12 „Werden wie Jesus“, S. 120
13 „Liebe im Überfluss“, S. 16
14 „3:16 für Teens“, S. 18
15 Ebd.
16 „Ruhe im Sturm“, S. 104
17 „3:16 für Teens“, S. 42
18 „Gott findet, du bist wunderbar“, S. 91-94
19 „Leichter durchs Leben für Mütter“, S. 50-51
20 Ebd., S. 56
21 „Ein Tag, der alle veränderte“, S. 124-125
22 „Ein Geschenk für dich“, S. 46
23 „3:16 – Zahlen der Hoffnung“, S. 19; Hervorhebung im Original
24 „Ruhe im Sturm“, S. 108
25 „3:16 – Zahlen der Hoffnung“, S. 173
26 „Ganz Du selbst!“, S. 56
27 Ebd., S. 172-3
28 „Das 3:16-Versprechen“, S. 14; „3:16 – Zahlen der Hoffnung“, S. 52
29 „3:16 für Teens“, S. 51
30 „Er versetzt immer noch Berge“, S. 110
31 „Ein Geschenk für dich“, S. 45
32 „Ruhe im Sturm“, S. 24
33 „Ruhe im Sturm“, S. 128
34 Ebd.
35 Ebd., S. 130
36 Ebd., S. 132

Lieber Leser,

leider ist es ein Trend in unserer Zeit, dass Wort Gottes nicht mehr zu achten, sondern viele Zeitgenossen, die das große Geld machen wollen, gehen mit diesem Wort achtlos um.

Für mich ist da ein Grenze erreicht, wo der Leser in die Irre geführt wird, und nicht mehr Jesus die Mitte bleibt.

Thema: "Christliche", Buch Betrachtungen | Beitrag kommentieren

81. Ist GOTT tot?

Freitag, 26. Februar 2010 | Autor:

Autor des Buches  D.König-Meier

„Gott ist tot“, sagte Nietzsche damals. Und er hat recht. Zumindest in der Hinsicht, dass Gott keine Bedeutung für den Großteil der Menschen in Deutschland hat. Die meisten denken: „Gott? Ich weiß nicht, ob ich es Gott nennen würde, aber ich glaube schon, dass es da irgendetwas Höheres gibt.“ Allerdings würde ihr Leben wohl genauso aussehen, wenn sie nicht an dieses Höhere glauben würden. In dieser Hinsicht ist Gott tatsächlich tot. Ohne Auswirkung auf ihr Leben.
Bleibt uns mittlerweile nichts weiter als ein beliebiger Gott, bei dem es letztlich egal ist, ob er existiert oder nicht? Gibt es keine Möglichkeit, konkreteres Wissen über Gott zu bekommen? Dieses Buch will einen Beitrag leisten, sich der Frage nach Gott verstandesmäßig nachvollziehbar zu nähern. Ich schreibe es im Glauben an Jesus Christus und die Bibel.

Bibelgläubige Christen werden oft als rückständig wahrgenommen. Der Eindruck ist weit verbreitet, dass sich der Christ in einem Rückzugskampf gegen die übermächtige Wissenschaft befindet, welche ihm mehr und mehr den Boden unter den Füßen wegzieht. Wie kam es zu diesem Eindruck? Wieso setzen sich bestimmte Meinungen gesellschaftsweit durch? Speziell bei näherer Betrachtung weltanschaulicher Fragen zeigt sich, dass Meinungen meist nicht das Ergebnis eines geistigen Höherentwicklungsprozesses sind, sondern oft nur von bloßer Rhetorik verbreitet werden. Die Meinungsmacher übertrumpfen sich in geschickten Formulierungen. Personengruppen und Ansichten können mit abschätzigen Bezeichnungen wie z.B. fundamentalistisch, intolerant, unwissenschaftlich oder radikal als intellektuell nicht weiter ernstzunehmend gebrandmarkt werden. Manche Worte sind so stark, dass der Zuhörer sie nicht weiter hinterfragt. Er denkt, der Fall sei längst klar. Dabei kann radikal dasselbe wie konsequent bedeuten. Nur dass das eine Wort negativ, und das andere positiv klingt. Einige Menschen gehen so weit, sich als Skeptiker oder Aufgeklärte zu bezeichnen. Damit suggeriert allein schon der Name verstandesmäßige Überlegenheit. Als ob skeptisches Denken dasjenige Merkmal wäre, welches sie von anderen unterscheidet. So bescheinigt schon die Namensgebung den anderen intellektuelle Zurückgebliebenheit. Menschen, welche die Existenz Gottes für wahr halten, werden belächelnd als Gläubige bezeichnet, was nach Hilflosigkeit klingt. Dabei hat der Atheist die Nicht-Existenz Gottes genausowenig bewiesen, was auch ihn zu einem Gläubigen macht. Nur dass sein Glaubenssatz heißt: Gott existiert nicht.

Die Schlacht mit Wörtern führt zu großer Verwirrung und oft auch zu einer gewissen Resignation bezüglich der großen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Gibt es Gott?

Dieses Buch beleuchtet diese Fragen und bemüht sich, zu zeigen, welche Realitäten hinter den Wörtern liegen. Es ist weniger zur Stillung intellektueller Neugier geschrieben worden als für Leute, die sich ernsthaft die existenzielle Frage stellen: Wie kann ich als denkender Mensch des 21. Jahrhunderts die Frage nach Gott zufriedenstellend beantworten? Zu dieser übergeordneten Frage hinführend, beschäftigt sich jedes Kapitel mit einer separaten Teilfrage. Kapitel 1 geht der Frage nach, inwieweit Wissenschaft ein geeignetes Hilfsmittel auf der Suche nach Gott ist. In Kapitel 2 geht es um den Atheismus als Alternative zum Glauben an Gott. Kapitel 3 behandelt den Agnostizismus, die weitverbreitete Alternative zu Gottglauben und Atheismus. Kapitel 4 fragt, wie weit man sich mit Hilfe des Verstandes manipulativer Meinungsverbreitung entziehen kann. Kapitel 5 schließlich zeigt die Sicht der Bibel, wie man Gott finden kann.

1. Was kann die Wissenschaft zur Frage nach der Existenz Gottes beitragen?

Die Wissenschaft hat der Menschheit viel Gutes gebracht. Besonders in der Medizin haben wir ihr viel zu verdanken. Während der vergangenen Jahrhunderte wurden Fortschritte gemacht, die sich früher nicht erträumen ließen. Damals haben Seuchen wie Pest, Cholera oder Tuberkulose ganze Landstriche ausradiert. Von Lepra oder Pocken verunstaltete Menschen fristeten ein einsames und geschmähtes Leben am Rande der Gesellschaft. Aus heutiger Sicht kleinere Verletzungen wie Knochenbrüche wurden zur Lebensgefahr. Der Sieg über solche Krankheiten und Verletzungen ist ein großartiger Triumph wissenschaftlicher Anstrengungen.
Nicht nur in der Medizin kann die Wissenschaft große Erfolge vorweisen. Unser hoher Lebensstandard wurde nur möglich mit Hilfe einer Vielzahl wissenschaftlicher Fortschritte. Auch konnten viele Naturphänomene entmystifiziert und auf naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten zurückgeführt werden, so dass man hinter einer Mondfinsternis heute keinen schrecklichen Dämon mehr vermuten muss [1].

Trotzdem gibt es Christen, die Wissenschaft nicht gutheißen. Sie haben sich auf die Ansicht eingelassen, dass der christliche Glaube und die Wissenschaft im Konflikt stünden und sehen die Wissenschaft teilweise sogar als Feindbild. Wie Wissenschaft und Glaube in einem fruchtbaren Verhältnis stehen können, wird in Kapitel 3 erläutert. Zu diesem Zeitpunkt sei erwähnt, dass wissenschaftsfeindliche Christen mit der Bibel im Widerspruch stehen, denn dort wird Wissen und Vernunft gutgeheißen: „Sprich zur Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne den Verstand deinen Freund.“[2]

Manche Vorstellungen von Gott können die Wissenschaft aber tatsächlich behindern. Wenn man hinter einer mysteriösen Naturerscheinung das unbegreifliche Wirken Gottes vermutet, kann einen das davon abhalten, die Naturerscheinung näher zu untersuchen. Gott nimmt dabei die Rolle eines Lückenbüßers ein, dessen Herrschaftsgebiet mit jeder neuen Entdeckung etwas kleiner wird. Die Bibel jedoch zeigt Gott nicht als Lückenbüßer, sondern als Verursacher und Erhalter der Naturgesetze, der Materie und der Lebewesen [3].

Pioniere der Wissenschaft reden über den Glauben an Gott

Der Glaube an Gott – wenn auch in verschiedener Ausprägung – zieht sich durch die bisherige Wissenschaftsgeschichte. Isaac Newton, der den Ausgangspunkt der klassischen Physik im modernen Sinne markiert, sagte: „Wer oberflächlich Physik treibt, der kann an Gott glauben. Wer sie bis zum Ende denkt, der muss an Gott glauben.“[4] Max Planck, der Begründer der Quantenphysik, erklärte: „Zwischen Religion und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch, wohl aber gerade in den entscheidenden Punkten volle Übereinstimmung. Der wohl unmittelbarste Beweis für die Verträglichkeit von Religion und Naturwissenschaft auch bei gründlich-kritischer Betrachtung ist die historische Tatsache, dass gerade die größten Naturforscher aller Zeiten, Männer wie Kepler, Newton oder Leibniz, von tiefer Religiosität durchdrungen waren.“[5] Werner Heisenberg, ebenfalls ein wichtiger Wegbereiter der Quantenphysik, sagte: „Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch; aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“[4]

Was ist mit Wissenschaft gemeint?

Was ist mit Wissenschaft überhaupt gemeint? Der Apparat aus Universitäten, Professoren und Veröffentlichungen ist die organisatorische Grundlage, auf der die maßgebliche Wissenschaft heute existiert. Das eigentliche Forschen, aus dem die Erkenntnisse gewonnen werden, kann in zwei Methoden unterteilt werden:

Die eine Methode ist die historische Wissenschaft, die herausfinden will, was in der Vergangenheit passierte und existierte. Dazu werden überlieferte Dokumente, Objekte und Zeugenaussagen sichergestellt und auf dieser Faktengrundlage möglichst genau frühere Situationen rekonstruiert.

Die andere Methode hat das Ziel, Naturgesetze zu ergründen. Die Vorgehensweise ist vom Prinzip her relativ einfach und kann am Beispiel eines Apfels, der vom Baum auf den Boden fällt, erklärt werden. Am Anfang hat man noch kein Wissen und startet mit einer Beobachtung: Man beobachtet, dass der Apfel vom Ast Richtung Erde fällt. Das könnte auch Zufall sein, denn vielleicht fällt er beim nächsten Mal Richtung Himmel. Dann beobachtet man ein weiteres Mal und stellt fest, dass der Apfel schon wieder Richtung Erde fällt. Das schwächt den Glauben daran, dass Zufall im Spiel ist. Beim dritten Mal wird der Glaube an den Zufall noch geringer und so bildet sich immer mehr die Vermutung heraus, dass der fallende Apfel nicht dem Zufall, sondern einer Gesetzmäßigkeit folgt. In unserem Fall nennt sich diese Gesetzmäßigkeit Gravitation. Wissenschaftlich formuliert bedeutet Gravitation, dass sich zwei Massen (Erde und Apfel) gegenseitig anziehen. Dabei ist festzuhalten, dass es keinen anderen logischen Grund gibt, warum der Apfel beim nächsten mal auch wieder Richtung Erde fallen sollte, als nur, dass er es bis jetzt immer getan hat. Man kann nicht beweisen, dass er tatsächlich einem unabänderlichen Naturgesetz folgt. Sondern wegen der Beobachtung, dass er bis jetzt immer nach unten gefallen ist, vermutet man einfach, dass er es auch beim nächsten Mal wieder tun wird. Folglich ist auch die Wissenschaft in ihrer grundlegendsten Basis ein Glaube. Der Wissenschaftler glaubt, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht, daran, dass die Naturgesetze zu jeder Zeit und an jedem Ort im Universum konstant bleiben. Er hat das nicht bewiesen, und er hat auch keine Möglichkeit, es zu beweisen. Er hat keine Möglichkeit, zu beweisen, ob nicht möglicherweise die Naturgesetze zu mancher Zeit an manchem Ort außer Kraft gesetzt sind. Er kann es nur glauben. Nun wäre es nicht angemessen, deswegen alle wissenschaftliche Erkenntnis in Frage zu stellen, denn immerhin hat sich dieser Glaube bewährt und wie eingangs erwähnt haben wir ihm viel zu verdanken. Trotzdem ist festzuhalten, dass man genau genommen die Aussage „Ich verlasse mich nicht auf Glauben, sondern auf Wissen“ nicht treffen kann.
Wenn man allerdings nicht daran glaubt, dass die Gravitation konstant bleibt, könnte man nicht ohne Angst durch die Welt gehen. Es könnten ja plötzlich die Äpfel vom Obststand nach oben oder zur Seite wegfliegen und einen verletzen. Im Film Matrix ist diese Angst dargestellt, indem fiktiv ein Naturgesetz außer Kraft gesetzt wurde, nämlich als der Hauptfigur Neo anfangs plötzlich der Mund zuwächst. Dabei hat sich die millionenfache Beobachtung, dass Münder nicht zuwachsen, beim millionenundeinsten Mal nicht wiederholt. Das Resultat war Panik und Angst.

Die prinzipielle Reichweite der wissenschaftlichen Methoden

Der praktische Nutzen von Wissenschaft ist folglich der: Wenn man auf der Glaubensbasis steht, dass die Naturgesetze immer konstant bleiben, dann kann man damit seine Umgebung kontrollieren und beherrschen. Wenn man sich darauf verlässt, dass sich der Apfel immer gleich verhält, kann man die zukünftige Position des Apfels voraussagen. Das heißt, man kann gezielt bestimmte gewünschte Situationen herbeiführen. Man kann zum Beispiel Äpfel gezielt in Obstkörbe fallen lassen oder, was vom Prinzip her das Gleiche ist, nur komplizierter: Man kann Menschen auf dem Mond platzieren.

Ist dieses Prinzip verstanden, dann wird auch deutlich, warum die Existenz Gottes mit dieser wissenschaftlichen Methode nicht bewiesen werden kann. Denn dann könnte man ihn beherrschen. Wenn Gott sich wie ein Naturgesetz immer gleich verhalten würde, dann könnten wir ihn für unsere Zwecke benutzen. Doch was wäre das für ein Gott, der, anstatt über uns zu herrschen, sich von uns beherrschen ließe? Gottes diesbezügliche Unbeweisbarkeit ist also kein undurchdachter Fehler beim Gottglauben, sondern hat seinen Grund.

Mit der zweitgenannten der beiden wissenschaftlichen Methoden ist es deshalb prinzipiell unmöglich, sich der Frage nach der Existenz Gottes zu nähern. Mit der erstgenannten historischen Methode verhält es sich etwas anders. Mit ihr ist es möglich, beispielsweise die Situation nach der Kreuzigung von Jesus vor knapp 2000 Jahren zu rekonstruieren und Plausibilitätsüberlegungen anzustellen, ob die Auferstehung nach drei Tagen wirklich stattfand[6]. Die historische Methode bietet allerdings nicht die Möglichkeit, Gott zu beherrschen, weil sie keine Naturgesetze, sondern Ereignisse aus der Vergangenheit untersucht, die im Labor nicht wiederholbar sind.

Die Wissenschaft ist für viele zur Religion geworden

Der Gesellschaftskritiker und Pionier der künstlichen Intelligenz, Joseph Weizenbaum, bezeichnet Wissenschaft als neue Weltreligion [7]. Das trifft in mehrerer Hinsicht zu.
Als erstes fällt auf, dass auch der Wissenschaftler, wie im vorletzten Abschnitt gezeigt, am Anfang seiner Arbeit eine Glaubensannahme trifft.
Außerdem schafft Wissenschaft Hoffnung. Das Hoffnungsvakuum, welches das Zurückgehen des Gottglaubens hinterlassen hat, wird an vielen Stellen von der Wissenschaft gefüllt. Neben dem natürlichen Wissensdurst des Menschen ist Hoffnung ein Hauptanreiz, Wissenschaft überhaupt zu betreiben. Das wird beim Betrachten der wissenschaftlichen Themen, die in den Medien präsent sind, deutlich. Die Wissenschaft tritt als hoffnungsvoller Retter vor der drohenden Klimakatastrophe auf. Von soziologischer Forschung erhofft man sich eine gerechtere Gesellschaft. Am deutlichsten sieht man den Hoffnungsaspekt der Wissenschaft am Beispiel der Medizin. Man erhofft sich bessere Medikamente gegen Depressionen, um so das Leben mehr genießen zu können. Man hofft auf wirksamere Haarwuchs- und Potenzmittel, um dem körperlichen Verfall entgegen wirken zu können. Die Hoffnungen zielen darauf ab, das Leben schöner und länger zu machen. Der mächtige Bezugspunkt dabei ist der Tod. Es gilt, ihn immer mehr zurückzudrängen und seinen Einflussbereich einzudämmen. Der drohende Tod beschleunigt die Forschung. Vor ihm gilt es zu flüchten. Im Kampf gegen den Tod setzen viele ihre Hoffnung auf die Wissenschaft. Ohne ihre Rettungsverheißungen würde die Wissenschaft viel von ihrer Beachtung verlieren. Der Mensch kann sich zwar vom Glauben an Gott lossagen, doch die Frage nach dem Tod will auch danach noch beantwortet werden. Von der Wissenschaft erhofft man sich diesbezügliche Antworten.

Zudem wird der Begriff Wissenschaft oft als Schlagwort verwendet, weil er nach intellektueller Überlegenheit klingt. Begriffe wie High-Tech oder modernste wissenschaftliche Methoden sind derart mit Vertrauens-würdigkeit beladen, dass die Menschen fast religiös an ihre Objektivität glauben. Diese Vertrauenswürdigkeit wird auch als kommerzielles Werbemittel eingesetzt. Sie verhilft klinisch getesteter Zahnpasta und ernährungswissenschaftlich empfohlenen Mahlzeiten zu höheren Verkaufszahlen. Die Wissenschaft umgibt der Ruf einer unfehlbaren und damit göttlichen Instanz, obwohl es viele Gefälligkeitswissenschaftler gibt, die positive Gutachten auf Anfrage erstellen. Die gelegentlich entlarvten Fälschungen schaden dem hohen Ansehen wenig. So stellten sich Laboruntersuchungen der Medizinischen Universität Wien, welche vorgaben, die Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung belegt zu haben, als Schwindel heraus [8]. Auch die als Sensation gefeierte Herstellung von maßgeschneiderten Stammzellen durch Klonen an der Universität von Seoul erwies sich als Fälschung [9].
Ein gewisses Maß an Vertrauen gegenüber der Wissenschaft ist aber nützlich. Denn ein Bäcker hat für gewöhnlich nicht die Möglichkeit, eigenhändig zu prüfen, ob Mobilfunkstrahlung schädlich für seinen Körper ist. Sonst hätte er keine Zeit mehr, die Brote zu backen, von denen sich der Wissenschaftler ernährt. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Denn genau genommen glaubt die große Mehrheit der Menschen nicht der wissenschaftlichen Methode selbst, sondern dem Wissenschaftler. Man sollte also immer im Hinterkopf behalten, dass ein menschlicher Vermittler existiert.

Die Wissenschaft kann ideologisch missbraucht werden

Das Vertrauen, welches sich die Wissenschaft durch sehr viel Arbeit über Jahrhunderte erworben hat, kann missbraucht werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn mit Wissenschaft ideologische Positionen untermauert werden sollen. Dabei ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse tatsächlich für eine bestimmte Weltsicht oder ein bestimmtes Menschenbild sprechen. Aber die Darstellung der neuen offensiven Atheisten – allen voran Richard Dawkins – hält einer sorgfältigen Prüfung nicht stand [1,10]. Dawkins verbreitet die Ansicht, dass die Wissenschaft für den Atheismus spricht [11]. Wegen seiner einseitigen Darstellung wird er deshalb sogar selbst von anderen atheistischen Wissenschaftlern kritisiert, die um ihre intellektuelle Glaubwürdigkeit fürchten [10]. Allerdings wird die öffentliche Meinung diesbezüglich mehr vom Ausmaß der Medienpräsenz als von Fakten geprägt. Die eigentliche Auseinandersetzung findet nicht, wie oft suggeriert, zwischen Religion und Wissenschaft statt, sondern zwischen verschiedenen Weltbildern. In diesem Fall zwischen Theismus und Atheismus [1]. Das wird auch daran deutlich, dass es praktisch alle an der hitzigen Diskussion beteiligten Positionen schon vor der Forschung gab. So besteht der Gedanke einer Schöpfung oder einer Evolution zeitlich gesehen schon viel länger, als versucht wird, diese Ansichten mit Fakten zu unterfüttern. [12] Das gilt auch für die Frage, ob Mann und Frau von ihrem Wesen und ihrer Veranlagung her verschieden oder gleich sind. Beide Ansichten gab es schon, bevor darüber soziologische Studien durchgeführt wurden. Gleiches gilt für die Frage, ob das Universum schon immer existiert hat oder einen Anfang hatte. Und ob es eher von Spuren eines absichtsvollen Schöpfers oder aber von purem Zufall geprägt ist.
Eine inhaltliche Untersuchung dieser Streitfragen zeigt, dass bei allen eben erwähnten Positionen Fragezeichen stehen bleiben. Folgerichtig gibt es sowohl Wissenschaftler, die an die Existenz Gottes glauben als auch solche, die dies nicht tun [10].

2. Der materialistische Atheismus sägt sich den Ast ab, auf dem er sitzt

Der Atheist Ludwig Feuerbach hat den Gedanken populär gemacht, dass Gott eine Erfindung des Menschen sei. Er drehte das biblische „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde“ um und behauptete: „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde“[15] Das nährte das Überlegenheitsgefühl vieler vermeintlicher Freigeister, die sich vom Christentum abwenden wollten und glaubten: „Die Bibelautoren des ersten Jahrhunderts konnten von solch modernen Erkenntnissen noch nichts wissen, aber jetzt sei es an der Zeit, die veraltete biblische Sichtweise hinter sich zu lassen.“ Dabei war Feuerbachs Behauptung gar nichts Neues. Schon der griechische Philosoph Xenophanes sagte ca. 500 v. Chr. sinngemäß dasselbe [16]. Paulus, ein Bibelautor, zitierte sogar an mehreren Stellen des Neuen Testaments griechische Philosophen und lässt so durchblicken, dass er sich mit ihren Ideen auskannte [17]. Feuerbachs Behauptung wurde später in der Psychologie umformuliert zu „Gott ist eine Projektion des Menschen“. Das heißt, wir würden in uns hineinschauen und uns dann einen Gott ausdenken, der die Eigenschaften hat, die wir in uns beobachten oder uns wünschen. Doch der Gedankengang hilft im Hinblick auf die Frage nach Gott nicht weiter. Denn es gibt kein Mittel, zu unterscheiden, ob die ähnlichen Eigenschaften daraus resultieren, dass entweder wir Gott erschufen, oder Gott uns.

Was sind die Aussagen des Atheismus, bzw. der materialistisch-deterministischen Variante des Atheismus?

Atheist ist jemand, der die Existenz Gottes nicht für wahr hält. Sehr verbreitet ist die materialistisch-deterministische Variante des Atheismus.

Materialistisch bedeutet, dass das komplette Universum aus nichts anderem besteht, als aus Materie, die von physikalischen Kräften bewegt und strukturiert wird. Die physikalischen Kräfte sind die Gravitationskraft, die elektromagnetische Kraft und die sogenannte schwache und starke Kernkraft. Deterministisch bedeutet, dass jedes Teilchen, welches sich im Universum bewegt – sei es das Atom eines Planeten oder das eines menschlichen Gehirns – sich ausschließlich deshalb bewegt, weil eine dieser vier Kräfte es dazu gezwungen hat. Weil die Kräfte gesetzmäßig immer auf die selbe Art und Weise wirken, liegt demzufolge heute schon fest, wo sich die Teilchen morgen befinden werden. Zum Beispiel liegt heute schon fest, welche Gedanken man morgen denken wird und welche Entscheidungen man treffen wird. Die Gedanken sind also determiniert, das heißt festgelegt. Die Kräfte haben mit der Zeit die Materie zu Galaxien, Sonnen und Planeten geformt. Auf unserem Planeten wurde die leblose Materie dann im Laufe der Evolution erst zu einfacheren und dann zu immer komplexeren Molekülverbänden strukturiert, bis schließlich die komplizierte Materiestruktur entstand, die sich heute „Mensch“ nennt.
Ob sich die Wirklichkeit derart mechanisch verhält, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht geklärt. Im Zeitalter der klassischen Physik (ca. 17. – 19. Jahrhundert) war eine umfassende mechanische Weltsicht sehr verbreitet, bis dann im vergangenen Jahrhundert die Entdeckung der Quantenmechanik (1925) diese Ansicht ablöste. Seitdem glaubt der Großteil der Physiker nicht mehr daran, dass sich Materie derart gesetzmäßig verhält. Allerdings lassen die Erkenntnisse der Quantenmechanik verschiedene Interpretationen zu, so dass die Frage nicht abschließend geklärt ist. [18, ]

Die Schlussfolgerungen des materialistisch-deterministischen Atheismus

Ungeachtet dessen, dass die Diskussion noch nicht entschieden ist, kann überlegt werden, was es denn für Konsequenzen hätte, wenn der materialistisch-deterministische Atheismus tatsächlich wahr wäre. Denn diese Version der Weltgeschichte würde für unsere Identität als Mensch grundlegende Folgen haben: Wir wären dann nicht mehr Lebewesen, sondern Objekte. Wir wären dann nicht mehr Personen, sondern Molekülmaschinen.
So würde der Stellenwert des Menschen fundamental reduziert. Da wir nur strukturiert angeordnete, aber letztlich leblose Materie wären, verschwände unsere Persönlichkeit, das heißt unser „Ich“, welches uns ausmacht. Es würde zu einer von physikalischen Kräften getriebenen und beherrschten Null schrumpfen. Den einen hätten die physikalischen Kräfte zum Theisten geformt und den anderen zum Atheisten. Autonome Entscheidungen, freier Wille und freie Meinung wären dann nur eine Illusion. Die ganze Diskussion verlöre ihre Bedeutung, denn sie würde von außen diktiert. Konsequenterweise wäre auch an Terroranschlägen und Völkermorden niemand schuld. Denn es wären die unabänderlichen physikalischen Kräfte, welche die Moleküle im Gehirn des Attentäters so angeordnet haben, dass sie unausweichlich den Entschluss zu dem Verbrechen formten. Warum sollte sich ein Mörder dann überhaupt noch verantworten? Wo doch nicht er als Person sich dazu entschlossen hätte, sondern die elektrochemischen Prozesse in seinem Gehirn den Mord erzwungen hätten?

Ausgehend von lebloser Materie lässt sich zudem nirgendwo eine Wertung ableiten. Man kann nirgendwo ableiten, dass etwas gut, schlecht oder eine Mischung von beidem ist. Denn dem materialistischem Atheismus zufolge hat sich die Materie zwar als Mensch angeordnet, aber man kann nicht sagen, dass das gut sei. Sie hat es eben getan. Die physikalischen Kräfte haben die Materie eben über die Zeit zu Menschen geformt. Es gibt keinen Grund, warum es besser sein sollte, dass die Materie als Menschmaschine angeordnet ist, anstatt als Blumenerde auf dem Boden zu liegen. Es gibt keinen Grund, warum man sich als Mensch beschützen sollte, warum Leben etwas Wertvolles sein sollte und warum der Mensch so etwas wie Würde besitzen sollte. Wenn es kein gut und schlecht gibt, dann kann auch Leid, Krankheit und Tod nicht als schlecht bezeichnet werden.
Viele Atheisten würden dem widersprechen und entgegnen, dass es in ihrem Denken sehr wohl Wertungen wie gut und schlecht gibt. Diese Wertungen begründen sie auf menschliche Empfindungen. Was man als leidvoll empfindet, ist schlecht. Was man als Freude bereitend empfindet, ist gut. Das Problem dabei ist allerdings, dass ihr materialistisches Denken schon viel früher greift. Es macht nämlich Aussagen darüber, wer sie als Menschen überhaupt sind: Eine von äußeren physikalischen Kräften angeordnete Materiestruktur und damit nichts, was Wertungen aufstellen könnte. Wenn die Materie vor Entstehung des Menschen wertefrei war, dann ist sie es auch danach. Denn durch die Entstehung des Menschen kam nichts Wesentliches dazu. Es hat sich lediglich die Materie anders angeordnet.

Wäre der materialistische Atheismus wahr, würden auch Liebe, Sinn, Empfindungen, Trauer, Freude oder das Bewusstsein selbst zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen, weil sie nur Illusionen wären, hervorgerufen von komplexen Zellverbänden. Angesichts dessen mag sich manch ein Atheist freuen. Denn wenn es keinen Sinn im Leben gibt, dann – so die Überlegung – kann er selbst einen festlegen. Doch „ihn“, der etwas festlegen könnte, gibt es seinem Denken zufolge gar nicht. Diesen Punkt kann schließlich auch Richard Dawkins nicht überwinden, wenn er vorschlägt, wir sollten gegen unsere Gene rebellieren, obwohl es seinen sonstigen Ausführungen zufolge „uns“ in dem Sinne gar nicht gibt [20, 21, 22]. Falls jemand trotzdem gegen die ihn beherrschenden Triebe rebellieren sollte, dann dem materialistisch atheistischen Menschenbild zufolge nur deshalb, weil andere Triebe, die aber auch von physikalischen Kräften gesteuert werden, stärker sind.

Der materialistisch-deterministische Atheismus treibt jeden Menschen, der ihn in allen seinen Konsequenzen anerkennt, in die Sackgasse des gedanklichen Stillstandes und der Handlungsunfähigkeit. Denn der Mensch hat keinen Antrieb zum Denken und Handeln mehr, wenn er erkannt hat, dass es auf ihn gar nicht ankommt. So zieht er sich selbst den Boden unter den Füßen weg. Falls der Atheist trotzdem noch weiterdenkt und weiterhandelt, zeigt er damit, dass er die logischen Schlussfolgerungen seines Weltbildes noch nicht anerkannt hat. Oder, wie Francis Schaeffer es ausdrückte: „Man kann nicht daran glauben, dass alles eine Maschine ist, und gleichzeitig das Ideal der Freiheit des Menschen anstreben.“ Schaeffer sagte auch die gesellschaftlichen Folgen voraus: „Überall wird den Menschen gesagt, dass der Mensch nur eine Maschine ist. Dadurch geht ihr Widerstand gegen die Manipulation Schritt für Schritt zurück.“ [13] Je mehr Raum diesem Denken gelassen wird, desto mehr verliert man die Fähigkeit des eigenständigen Entscheidens. Denn das Akzeptieren, dass es auf einen selbst nicht mehr ankommt, ist das Akzeptieren von Fremdbestimmung.

Das Denken des materialistischen Atheisten lässt zudem für ein Leben nach dem Tod keinen Raum. Das Leben vor dem Tod ist sein Ein und Alles. Doch obige Überlegungen zeigen, dass auch schon sein diesseitiges Leben zur Null wird.

Viele Atheisten haben dennoch eine hohe Moral

Trotzdem gibt es viele Atheisten, die freundlich und lebensfroh sind und einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, Gut und Böse haben. Das liegt einerseits allerdings daran, dass sie nicht der Logik ihres materialistisch atheistischen Denkgebäudes folgen, sondern ihrer Menschlichkeit. Ihrer Menschlichkeit, für die ihr Denken genau genommen keinen Platz lässt. Je mehr Raum dem materialistischen Denken gelassen wird, desto weniger Bedeutung haben Freude, Leid, Empfindungen, Liebe oder Würde. Andererseits liegt es aber auch daran, dass nicht jeder Atheist ein materialistisch-deterministischer Atheist ist.

Die Frage nach dem Ursprung entzieht sich der Reichweite der Logik

Abgesehen davon sind noch einige Scheinargumente in der öffentlichen Meinung verbreitet, was die Diskussion zwischen Theismus und Atheismus betrifft. So behaupten beispielsweise Theisten, es sei unlogisch, zu glauben, dass beim Urknall Materie aus dem Nichts kam. Genauso undenkbar sei es, dass Materie schon immer da war. Es müsse also einen Schöpfer geben, der den Urknall ausgelöst hat, oder sonstwie das Universum ins Leben gerufen hat. Atheisten hingegen geben eine ähnliche Überlegung an die Theisten zurück: Wenn Gott das wirklich getan hat, wer schuf dann Gott? Genausowenig, wie man sich vorstellen kann, dass Materie schon immer da war, kann man sich vorstellen, dass Gott schon immer da war.
Solcherlei Gedankenspiele helfen bei der Frage nach Gottes Existenz nicht weiter. Denn keine dieser Varianten ist verstehbar. Der menschliche Verstand ist schlichtweg zu klein dafür. Der Verstand kann lediglich von einer ersten unbegründeten Annahme ausgehen und von dort aus weiterdenken. Das heißt, man kann überlegen, was es für Auswirkungen hat, wenn am Anfang die ewige Materie oder aber der ewige Gott steht. Wer – wie viele Atheisten – von nichts als Materie als erste Ursache ausgeht, kann schlussfolgern, selbst nichts weiter als Materie zu sein. Wer – wie der Christ – vom persönlichen Gott als erste Ursache ausgeht, kann schlussfolgern, selbst eine Person zu sein.

Wohl auch wegen der verstandesmäßigen Fragezeichen wird der Atheismus in Reinform nur von einer kleinen Minderheit als Lebensgrundlage genannt. Ein größerer Teil unserer Gesellschaft bekennt sich dagegen zum Agnostizismus.

3. Die Alternative des Agnostizismus: Keine Entscheidung treffen

Agnostiker glauben, man könne nicht wissen, ob Gott existiert oder nicht. Diese Ansicht ist kennzeichnend für die gegenwärtige Gesellschaft.

Angesichts des Scheiterns der großen Glaubenssysteme wirkt der Agnostizismus reizvoll

Es kann allerdings nicht behauptet werden, dass der Agnostizismus sich aus einem fortwährenden Höherentwicklungsprozess der Geistesgeschichte entwickelt hätte und nun die bisherige Krönung des intellektuellen Fortschritts darstelle. Der Grieche Protagoras sagte schon ca. 450 v. Chr.: „Von den Göttern weiß ich nichts, weder dass es solche gibt, noch dass es keine gibt.“ [28]

Vor der Aufklärung, im Zeitalter der Übermacht institutioneller Religion, war die europäische Geschichte übersät mit Kriegen, Konflikten, Machtmissbrauch und Unterdrückung. Deshalb war der Atheismus infolge der Aufklärung eine hoffnungsvolle Alternative. Doch das Blutvergießen hörte damit nicht auf. Mittlerweile hat sich gezeigt: Machthaber und Regierungen, die sich auf den Atheismus berufen haben, verübten ebenso menschenverachtende Verbrechen. Krieg, Machtmissbrauch und Unterdrückung verschwanden nicht, als der Einfluss der Religion zurückging. Sie haben offensichtlich tiefere Ursachen. Mittlerweile hat sich eine Ratlosigkeit eingestellt. Sie findet ihren Ausdruck im Leitspruch vieler Agnostiker: „Man kann nicht wissen, ob Gott existiert. Deshalb ist die Frage nicht so wichtig.“
Diese Denkweise ist insofern richtig, als es tatsächlich keine logisch komplett schlüssige Herleitung für die Existenz und die Nicht-Existenz Gottes gibt. Was allerdings unberücksichtigt bleibt, ist, dass es trotzdem sehr große Konsequenzen nach sich zieht, wenn man an das eine, das andere oder keines von beidem glaubt. Auch wenn die Frage nach Gott durch logische Herleitung letztlich nicht gelöst werden kann, ist die Beantwortung wegen ihrer Auswirkungen doch von großer Bedeutung. Denn jede Einzelperson und jede Kultur geht von einer Glaubensbasis aus. Diese Glaubensbasis kann Aussagen enthalten wie z.B. „Gott existiert“, „Gott greift ein“, „Gott existiert nicht“ oder „Mit Gott ist nicht zu rechnen“. Die Glaubensbasis – unabhängig davon, ob sie bewiesen ist oder nicht – zieht sich durch das gesamte Leben der folgenden Generationen. Wohlstand oder Armut, die psychische Befindlichkeit, Angst oder Mut, Traurigkeit oder Freude, Depression oder Euphorie, seelische Erfülltheit und sogar innere Motive lassen sich sehr stark auf eine zugrundeliegende Glaubensbasis zurückführen. Das lässt sich an zahlreichen Beispielen zeigen. Drei davon werden im Folgenden beschrieben.

Erstes Beispiel dafür, wie die Glaubensgrundlage unser Leben prägt: Die Entstehung der Wissenschaft in der Neuzeit

Die moderne Wissenschaft ist nicht aus dem Nichts entstanden. Verschiedene Faktoren haben die Entstehung begünstigt bzw. erschwert. Begünstigend ist beispielsweise die im Menschen veranlagte natürliche Neugier, die ihn dazu bewegt, seine Umwelt zu untersuchen. Erschwerend ist, dass Wissenschaft auch Arbeit ist. Dieser Aspekt soll im Folgenden näher betrachtet werden. Arbeit ist anstrengender Aufwand. Aufwand wird aber oft erst dann betrieben, wenn am Ende der Arbeit ein Nutzen in Sicht ist. Hoffnung auf Nutzen fördert die Wissenschaft. Heutzutage ist es leicht, bei wissenschaftlicher Arbeit auf einen Nutzen zu hoffen. Denn die letzten Jahrhunderte haben gezeigt, dass wissenschaftliche Erkenntnis sehr hilfreich und nützlich in vielerlei Beziehung ist. Im Nachhinein ist es leicht, Wissenschaft gut zu heißen. Doch wenn man zurückdenkt, und sich in die Gedankenwelt eines Menschen hineinversetzt, der am Anfang steht, sieht die Situation anders aus.
Angenommen, dieser Mensch fängt gedanklich bei Null, also ohne Vorwissen, an. Nun will er die vielen Phänomene um sich herum verstandesmäßig erfassen. Einige Naturgesetze sind dann relativ offensichtlich herauszufinden. Der Zusammenhang zwischen Wolken und Regen, die Laufbahnen von Sternen oder die Abfolge von Jahreszeiten fallen in diese Kategorie. Bei vielen anderen Naturgesetzen ist es schwieriger, beispielsweise beim Elektromagnetismus. Die offensichtliche Beobachtung, die jeder beim Elektromagnetismus machen kann, ist, dass sich bestimmte Erze scheinbar magisch anziehen oder abstoßen. Dann stellt sich die Frage, ob man dieses Phänomen näher untersuchen soll. Doch wer garantiert einem, dass sich die enormen wissenschaftlichen Anstrengungen überhaupt lohnen, wo doch Blitzableiter oder Telegrafieanlagen zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt sind? Wer garantiert einem, dass ein Naturgesetz überhaupt herausfindbar ist? Wer garantiert einem, dass die wertvolle Zeit beim Forschen nicht verschwendet wird? Im Nachhinein, wenn man die funktionierende Telegrafenstation vor Augen hat, ist es leicht zu beantworten. Doch dieses Wissen hat man am Anfang ja noch nicht. Erschwerend kommt die typisch menschliche Eigenschaft hinzu, Unbekanntes zu mystifizieren. Blitze und sonstige Stromschläge wurden, weil sie nicht erklärt werden konnten, als Strafe von Naturgöttern und Dämonen angesehen. Das heißt, es braucht neben Motivation und viel überschüssiger Zeit auch noch Mut, um zu forschen. Deshalb sollte eine glaubensmäßige Grundlage die Hoffnung bieten, dass die uns umgebende Natur tatsächlich verstandesmäßig nachvollziehbaren Naturgesetzen unterliegt und nicht ungreifbar mystisch ist. Diese Weltanschauung fand sich in der Bibel, weil dort von einem vernünftigen Schöpfer die Rede ist. Das heißt, die Schöpfung ist verstandesmäßig nachvollziehbar, weil sie von einer vernünftigen Person geschaffen wurde. Auf Grund dieser Annahme hatten die Wissenschaftler trotz vieler Hindernisse die Hoffnung, weiterzuforschen. Der Gedankengang kann auch so formuliert werden:

1) Laut der Bibel wurde das Universum von einem persönlichen Wesen, nämlich Gott, erdacht.

2) Die Gedanken einer Person sind nachvollziehbar.

3) Deshalb ist das Universum verstandesmäßig nachvollziehbar.

4) Deshalb lohnt sich Nachdenken über das Universum. Mit anderen Worten: Deshalb lohnt sich Wissenschaft.

Mittlerweile wurde die Glaubensgrundlage, dass die Welt verstehbaren Gesetzen folgt, aus der Bibel gelöst und trägt sich nun selbst, weil es eine sehr erfolgreiche Glaubensgrundlage ist. Sie wird sogar als weltanschaulich neutral bezeichnet, weil das geschichtliche Bewusstsein verloren gegangen ist. Zwar waren nicht alle der ersten neuzeitlichen Wissenschaftler konsequente Christen, aber sie lebten alle im Einflussbereich des damals von der Bibel geprägten Weltbildes. Es finden sich zahlreiche Beispiele maßgeblicher Wissenschaftler, für die ihre wissenschaftliche Forschung eng mit der biblischen Weltsicht zusammenhing. So schrieb Isaac Newton gegen Ende seines Lebens mehr biblische als wissenschaftliche Abhandlungen. Später führten Männer wie Michael Faraday, der die elektromagnetische Induktion entdeckte und sich eng an die Bibel halten wollte, die Tradition fort. Faraday veranstaltete öffentliche Experimente, mit der Begründung, alle Menschen sollen sich an dem Wissen über Gottes Schöpfung erfreuen [13]. Im Lauf der Zeit geriet der weltanschauliche Zusammenhang zwischen Bibel und Wissenschaft immer mehr in Vergessenheit. Doch auch noch Männer wie J. Robert Oppenheimer, der später reumütige „Vater der Atombombe“, wiesen auf den geschichtlichen Zusammenhang hin. Obwohl er selbst wohl kein bibelgläubiger Christ war, stellte er in der Kulturzeitschrift „Encounter“ dar, wie die moderne Naturwissenschaft aus dem christlichen Weltbild geboren wurde [23]. Zwar haben auch Einflüsse des griechischen Denkens bei der Entstehung der modernen Wissenschaft geholfen, doch die entscheidende rationale Grundlage kam aus der Bibel, wie auch der Philosoph und Mathematiker Alfred North Whitehead bestätigte. In den Harvard University Lowell Lectures bezeichnet Whitehead das Christentum als Mutter der Wissenschaft, wegen der mittelalterlichen Lehre von der Rationalität Gottes [24].
Dieser geschichtliche Zusammenhang wird auch am Vergleich mit anderen Kulturen deutlich. Joseph Needham, die große Autorität auf dem Gebiet der chinesischen Wissenschaftsgeschichte, fand zwar Hinweise, dass zahlreiche Erfindungen, wie z.B. der Buchdruck, Schießpulver und der Kompass, in China schon länger als in Europa bekannt waren. Doch als Erklärung, warum sich aus diesem Vorsprung im Gegensatz zu Europa nie eine volle Naturwissenschaft mit umfassenden Theorien entwickelte, schrieb Needham bezüglich der Chinesen: „Es gab keine Zuversicht, dass der Code der Naturgesetze je entschlüsselt und gelesen werden könnte, weil sie keinerlei Zusicherung besaßen, dass es ein göttliches Wesen gab, das, noch rationaler als wir selbst, je einen solchen Code formulierte, der von uns gelesen werden könnte.“ [25]

Es gibt jedoch auch Beispiele dafür, wie Kirchen den wissenschaftlichen Fortschritt gebremst haben. Die Gründe dafür liegen aber eher in Befürchtungen, Machtpositionen zu verlieren, als im biblischen Weltbild.

Die Glaubensfrage, ob die Natur verstehbaren Gesetzen folgt, stellt sich in manchen Bereichen der Wissenschaft auch heute. Beispiele dafür sind die Untersuchung der Wetterentstehung, der Strukturbildung im Universum oder in neuronalen Netzen. Es ist eine Frage des Glaubens, ob man diese Phänomene als zufällig, gesetzmäßig oder mystisch ansieht.
Sieht man, wie es häufig in der heutigen Wissenschaft getan wird, solche Phänomene als zufällig an, dann kommt der Forschungsprozess zum Stillstand. Denn man erhofft sich dann nicht mehr, dass die untersuchten Prozesse vorhersagbar, d.h. verstehbar sind und hat deshalb keinen Grund mehr weiter zu forschen.
Oder man sieht die Phänomene als gesetzmäßig an und hat deshalb Grund und Motivation zum Weiterforschen, weil Gesetze erforscht werden können.
Oder man sieht die Phänomene als mystisch an. Dann gelten sie als geheimnisvoll und es können gute oder böse Mächte dahinter vermutet werden. Das ist rein logisch gesehen nicht ausgeschlossen, kann aber ein Hindernis für die Erforschung darstellen.

Zweites Beispiel dafür, wie die Glaubensgrundlage unser Leben prägt: Das Tempo des Lebens

Hartmut Rosa von der Friedrich-Schiller-Universität Jena habilitierte zum Thema „Soziale Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“. Er veröffentlichte einen Auszug seiner gewonnenen Erkenntnisse im Magazin „Spektrum der Wissenschaft“ [26]. Dort stellt er ein charakteristisches Merkmal der heutigen Zeit dar: Verschnellerung. Alles scheint sich zu verschnellern. Es hat lange gedauert bis die Menschheit sich vom rennenden Botschafter zur schnelleren Postkutsche entwickelt hat. Weniger lang hat die Entwicklung von der Postkutsche zur schnelleren Überbringung per Zug gedauert. Noch kürzer dauerte es dann bis zur Nutzbarkeit von noch schnelleren E-Mails, bis schließlich kurz darauf die SMS den Mensch davon befreite, Nachrichten nur von einem stationären Computer übermitteln zu können.
Technische Neuerungen sind die Voraussetzung für die Verschnellerung. Um von München nach Berlin zu kommen, brauchte man früher zu Fuß oder auch auf dem Pferd sehr lange. Die Erfindung von Zügen und Automobilen verkürzte die benötigte Zeit. Eigentlich führen technische Neuerungen also zu einem Zeitgewinn. Die Vermutung liegt nahe, dass dies zu mehr Lebensqualität, mehr sozialen Beziehungen, schöneren Erlebnissen, größerer seelischer Erfülltheit, Zufriedenheit und Sorglosigkeit führt. Trotzdem zeigt sich eine andere Entwicklung. Der Zeitgewinn hat stattdessen zu einem hektischen Wettlauf geführt. Obwohl die Menschen mehr Zeit zur Verfügung haben, werden sie immer gehetzter. Die vielen neuen Möglichkeiten und Erlebnisse haben einen Hunger nach noch mehr Möglichkeiten und Erlebnissen verursacht. Soziale, gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte des Lebens haben sich in einer Beschleunigungsspirale verfangen, die sich selbst weiter antreibt. Rosa zitiert Goethe, der schon früh den „veloziferischen“, also den teuflisch-schnellen Charakter der Neuzeit erkannte, deren Hauptmerkmal es sei, „nichts mehr reif werden zu lassen“.
Die Frage ist, ob diese Hetze zwangsläufig aus unserer menschlichen Veranlagung resultiert, oder ob es bestimmte Weltsichten gibt, die sie verstärken oder entkräftigen. Rosa stellt als Ursache für die Verschnellerungsspirale eine Kombination aus mehreren Faktoren fest. So hat der technische Fortschritt nicht nur zu einem Zeitgewinn geführt, sondern auch zahlreiche neue Möglichkeiten geschaffen, wie diese Zeit genutzt werden kann. Darüber hinaus nennt Rosa neben wirtschaftlichen Konkurrenzkämpfen und der Effizienzsteigerung durch Arbeitsteilung eine gewichtige kulturelle Ursache: „Beschleunigung trägt in sich die moderne Antwort auf den Tod.“ Denn früher ging man davon aus, dass nach dem Tod das ewige Leben wartet. Diese Überzeugung wich in der Moderne immer mehr der Ansicht, dass ewiges Leben zwar möglicherweise nach dem Tod kommt, aber man solle zumindest, weil es ja nicht bewiesen ist, nicht damit rechnen. Das führte zu einem diesseitigen Leben, welches so gelebt wird, als ob es das Jenseits nicht gibt. Das Diesseits ist dann das Einzige, was man hat. Man muss es festhalten auf Leben und Tod. Und die Zeit läuft unaufhaltsam ab. Deshalb muss möglichst viel in das diesseitige Leben hineingepackt werden. Möglichst viele Erlebnisse, möglichst viel Erfüllung, kurz: Möglichst viel Leben. Man fängt – oft unbewusst – das Rechnen an und kalkuliert: „Wenn ich in die gleiche Lebensspanne doppelt so viele Erlebnisse hineinpacke, dann ist es, als ob ich zwei Leben führe.“ Wer drei Leben führen will, der muss noch mehr Erlebnisse in die gleiche Zeitspanne pressen. Der innerste Antrieb ist letztlich: Man will das ewige Leben ins Diesseits holen.

Ausgehend von Rosas Erkenntnissen lässt sich die heutige Zeit besser verstehen. Die Gehetztheit kam nicht zufällig, sondern hatte ihre Gründe. Ein schwerwiegender Grund liegt im Wechsel der Weltanschauung.

Das von vielen als belastend hoch empfundene Tempo zieht sich durch alle Lebensbereiche und bezieht die gesamte Gesellschaft mit ein. Wirtschaftlich gesehen wurde der Kapitalismus zum Turbokapitalismus. Immer mehr Geld wird in immer kürzerer Zeit über den Globus geschoben, bis schließlich Finanzkrisen die Beschleunigung wieder ausbremsen. Wer in seiner Arbeitsleistung nicht mit der Beschleunigung der anderen Schritt hält, bleibt zurück und verliert womöglich seine Existenzgrundlage.
Wohnsitze, Überzeugungen, Ideen und Marktmonopole wechseln in immer geringeren Abständen. Arbeitsverträge werden kurzfristiger. Sogar Schnittfolgen in Videoclips werden immer schneller. Modetrends bezüglich Handys, Kleidung oder Musik- und Kunststilen lösen sich in immer kürzeren Abständen ab. Fastfood, Speed Dating, Multitasking und Wegwerfprodukte sind symptomatische Ergebnisse des Verschnellerungsdrucks. Wegen der Überflutung mit neuen Gedanken werden tiefgehende Analysen von oberflächlichen Zusammenfassungen verdrängt. Der Leistungsdruck verhindert Kreativität und Sorgfalt. Alles soll schnell, möglichst sofort zu haben sein. Die Ungeduld wirkt seelisch zermürbend. Man erlebt und leistet zwar mehr als früher, hat aber trotzdem stärker das Gefühl, zu wenig erlebt und geleistet zu haben.
Die Beschleunigung zeigt sich auch in zwischenmenschlichen Beziehungen. Partner wechseln immer häufiger. Freundschaften werden bei Schwierigkeiten und Streit eher beendet, als dass man anhaltend in den anderen investiert. Sicherheit, Geborgenheit und Gelassenheit werden langsam zurückgedrängt. Es gibt immer mehr oberflächliche, aber immer weniger tiefe Freundschaften. Am Beispiel zwischenmenschlicher Beziehungen wird ein Merkmal der heutigen Zeit schmerzvoll sichtbar: Die Quantität zerstört die Qualität.

Um Missverständnisse auszuschließen: Der Wechsel von einer Weltsicht, die mit dem Jenseits rechnet, zur heutigen Sicht ist nicht die einzige Ursache für Ruhelosigkeit, oberflächliche Beziehungen, existenzielle Sorgen, Unzufriedenheit, Hektik und innere Spannungen. Das wäre eine zu einfache Erklärung. Aber es ist ein grundlegender Sichtwechsel, der die heutige Zeit einschließt. Zeit ist ohne ewiges Leben die immer knapper werdende Ressource. Man könnte zu kurz kommen.

Der Tod ist die Geißel des Menschen. Er ist der Fixpunkt, an dem sich auch das diesseitige Leben orientiert. Er ist der mächtige Herrscher, dessen Anweisungen man zu befolgen hat. Er gibt das Tempo vor und zwingt zu schnellem Handeln.

Der Mensch hat Gott als beengende Fessel empfunden und sich von ihm befreit. Doch er ist in einer größeren Fessel gelandet, denn weil er nicht mehr mit dem Jenseits rechnet, verliert auch das Diesseits immer mehr an Qualität.

Drittes Beispiel dafür, wie die Glaubensgrundlage unser Leben prägt: Die moderne Sinnkrise entsteht durch Selbstthematisierung

Der Christ geht in seinem Denken von Gott aus, und erschließt sich von ihm aus seine Sicht auf die Welt und auf die eigene Person. Der materialistische Atheist geht, wie im vorigen Kapitel erläutert, von Materie aus und kann so in brutaler Konsequenz schlussfolgern, selbst nur Materie zu sein. Die meisten Menschen heute gehen dagegen von sich selbst aus und erschließen sich von dort aus ihre Umgebung. Obwohl der Mensch offensichtlich einen Anfang und auch ein Ende hat, obwohl seine Identität, also unter anderem sein Geschlecht, sein Aussehen und seine innere Veranlagung unabhängig von ihm festgelegt wurden, erhebt er sich zum Maßstab aller Dinge. Insofern macht er sich selbst zu Gott. Die Hoffnung unserer Zeit ist deshalb nicht Erlösung, sondern Selbstverwirklichung. Anders ausgedrückt: Selbsterlösung.

Die Folge davon ist Sinnlosigkeit. Denn Sinn wird immer nur von etwas Höherem, das heißt etwas Übergeordnetem, verliehen. Das wird am Beispiel einer Schraube deutlich. Eine Schraube hat für sich gesehen noch keinen Sinn. Sie bekommt erst Sinn, wenn ihr etwas Größeres von außerhalb Sinn verleiht. Beispielsweise, wenn sie eine Radkappe am Autoreifen hält. Die Radkappe und der Reifen haben für sich genommen auch keinen Sinn, sondern erst, wenn sie ein Automobil tragen. Das Automobil steht sinnlos in der Garage, bis eine Person es verwendet und ihm damit Sinn verleiht. Sinn wird logisch gesehen nur von etwas Übergeordnetem verliehen. Im gleichen Maße, wie man sich von Gott löst, steigt demnach das Potential, sein Leben als sinnlos zu empfinden.

Aus dieser Perspektive überrascht es nicht, wenn Depression mittlerweile als Volkskrankheit bezeichnet wird. Viele der neu auftauchenden psychischen Krankheiten dürften zumindest eine Teilursache darin haben, dass man den Sinn, den einem der übergeordnete Gott verleiht, unbeachtet lässt. Man kann zwar anderen Dingen Sinn verleihen, aber wer verleiht einem selbst Sinn? Der Medien- und Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz von der Technischen Universität Berlin schreibt treffend: „Die moderne Sinnkrise entsteht durch Selbstthematisierung.“ [27] Man endet als Selbstzweck.

Als Christ wird dem Menschen von Gott, der allem übergeordnet ist, Sinn verliehen. Gott hat den Menschen bewusst geschaffen. Er ist demnach gewollt und der Bibel nach sogar von Gott geliebt. Was das konkret bedeutet, wird in Kapitel 5 näher beschrieben.

Es gibt allerdings Menschen, die auch ohne den Glauben an Gott ihr Leben als sinnvoll empfinden. Man ist jedoch abhängig von allem, was man als sinnstiftend erlebt. Wenn man sich von der Abhängigkeit des ewigen Gottes löst, begibt man sich in andere, flüchtigere Abhängigkeiten. Ein als sinnvoll empfundenes Leben hängt von bestimmten Gegenständen, Zielen, Personen oder Erlebnissen ab. Fallen diese sinngebenden Bezugspunkte weg, stürzt man ins Leere. Spätestens der Gedanke an den Tod kann alle Erlebnisse und Errungenschaften eines Lebens zur Sinnlosigkeit schrumpfen lassen.

Diese drei Beispiele dienen als Illustration, wie stark die Auswirkungen verschiedener Perspektiven auf sich selbst, auf die Welt und auf Gott sind. Die persönliche Befindlichkeit wird davon vielfältig durchwoben. Unser Alltag und die Richtung der Gesellschaft wird stark davon geprägt.

Wo in diesem Fluss aus Glaubensannahmen und Folgen befindet sich der Agnostiker?

Welche Rolle nimmt nun der Agnostiker ein? Der Begriff Agnostiker leitet sich vom altgriechischen Wort für „nicht-wissen“ ab. Der Agnostiker ist demnach definiert als jemand, der bezüglich einer Frage – meist der nach Gott – nichts weiß. Er bietet keine Alternative zum Glauben an Gott oder an seine Nicht-Existenz, sondern er entscheidet einfach nicht. Die obigen drei Beispiele sind nur eine kleine Auswahl der enormen Wirkungen, die von der Frage nach Gott abhängen. Der Agnostiker kann dazu konsequenterweise nur schweigen. Er kann dazu keine Stimme erheben. Er schwimmt einfach mit, während andere die großen Fragen für ihn beantworten. Denn die Folgen dieser Fragen erfassen ja, wie gezeigt, die ganze Gesellschaft und damit auch ihn.

Natürlich ist ein Glaube nicht deshalb wahr, weil er an mancher Stelle nützlicher ist. Es muss andere Gründe als bloße Nützlichkeit geben, um einen Glauben annehmen zu können. Trotzdem verlangt das Leben, in welches wir Menschen hineingestellt sind, Entscheidungen. Es stellt Fragen, die nicht folgenlos unbeantwortet bleiben können. Wer nicht selbst entscheidet, für den entscheiden andere.

4. Die Rhetorik bezwingt den Verstand

Der Mensch wollte die Welt seit jeher verstehen und eine rationale Lebensgrundlage bekommen. Philosophen versuchten, große Gedankenkonzepte zu entwickeln, welche die Welt umfassend beschreiben. Mittlerweile hat sich Ernüchterung breit gemacht. Der menschliche Verstand ist offenbar nicht leistungsfähig genug, um alle Aspekte des Lebens in einem schlüssigen Denkmodell vereinen zu können. Ein grundlegendes Problem ist, dass jeglicher verbindliche Maßstab zerredet werden kann. An jeder Denkposition finden sich noch offene Fragezeichen. Sobald ein Gedanke, eine Sache oder eine Handlung als gut bezeichnet wird, finden sich unzählige Einwände, warum man es doch nicht als gut bezeichnen könne. Die unergründliche Komplexität der Welt kann benutzt werden, um jegliche Wertung zu zerreden, aber auch zu etablieren. Was gestern als gut galt, kann morgen als schlecht gelten und umgekehrt.

Die Praxis der Postmoderne zementiert das Recht des Stärkeren

Wo sind wir mittlerweile angelangt? Wer bestimmt die Richtung einer Gesellschaft, wenn jede Erkenntnis zerredet werden kann? Wenn man sich auf keinen objektiven Maßstab berufen kann, der Fehlentwicklung als Fehlentwicklung und Schlechtes als schlecht bezeichnet? Wenn mit Hilfe geschickter Rhetorik jede Meinung und jede Handlung gerechtfertigt werden kann? Was bleibt noch als Schutz vor Willkür?

Viele Denker haben versprochen, dass die Menschheit endlich befreit wird, wenn sie sich von der Autorität Gottes löst und selbst die Richtung vorgibt. Dieses Versprechen hat letztlich dazu geführt, dass man sich nun unter der Autorität anderer Herrscher wiederfindet. Denn als Wahrheit wird heute jene Meinung anerkannt, welche am lautesten vertreten wird und die geschickteste Rhetorik verwendet. Wolfgang Nestvogel hat es treffend beschrieben: „Die Praxis der Postmoderne zementiert das Recht des Stärkeren: Wer kann sich gesellschaftlich durchsetzen? Wessen Pressure-Groups sind am Besten organisiert? Welche Position gewinnt die mehrheitliche Zustimmung des Journalismus? Wenn es keine verbindliche Instanz gibt, die von allen anerkannt wird – von Regierenden und Regierten, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Eltern und Kindern -, dann entscheidet die Macht über das Recht. Dann bestimmt eine Macht-Elite oder Geld-Elite, welche ‚Wahrheit‘ zu befolgen ist. Dann gibt es keine Chance, diese Elite auf übergeordnete, gar transzendente Ansprüche zu verweisen.“ [14]

Ein Beispiel für die Praxis der Postmoderne: Die Auseinandersetzung um Abtreibung

Ein gutes Beispiel zur Illustration dieser Behauptung ist die Frage nach Abtreibung. Ob das Recht auf Abtreibung nun zu befürworten ist oder nicht, sei dahingestellt. Aber vor 60 Jahren war Abtreibung als unmenschlicher Eingriff in die Entstehung menschlichen Lebens von weiten Teilen der Gesellschaft nicht akzeptiert. Mittlerweile ist das Gegenteil der Fall, Abtreibung wird als Menschenrecht gefordert und nur noch eine Minderheit erhebt Einspruch dagegen. Wie konnte es zu dieser 180-Grad-Wendung kommen?

Die Rechtmäßigkeit von Abtreibung macht sich letztlich an der Frage fest, zu welchem Zeitpunkt der Mensch seinen Anfang hat. Ab wann kann man sagen, dass es sich bei der Leibesfrucht um einen Menschen handelt? Wenn es der Zeitpunkt der Zeugung ist, dann sollte man dem Recht auf Abtreibung grundsätzlich widersprechen, weil es sich dann um die Tötung eines Menschen handelt. Wenn es sich um einen späteren Zeitpunkt handelt, sollte man sich für die Legalität von Abtreibung bis zu diesem Zeitpunkt einsetzen.
Um die Entwicklung der letzten 60 Jahre nun als Fortschritt bezeichnen zu können, braucht man nachvollziehbare Kriterien, wann das Menschsein beginnt. Welcher Zeitpunkt soll als Ursprung des Menschen angesetzt werden? Die Zeugung? Sobald Arme, Beine und Kopf sichtbar werden? Sobald Hirnströme messbar werden? Bei der Geburt? Doch einen Monat vor der Geburt ist auch schon alles für das von der Mutter körperlich getrennte Leben vorhanden. Sobald sich das Bewusstsein entwickelt hat? Doch die wenigsten Menschen können sich erinnern, ihre frühe Kindheit bewusst erlebt zu haben. Außerdem: Besteht, wenn sich ein behindertes Kind ankündigt, eher das Recht auf Abtreibung?
Für diese Fragen gibt es kein eindeutiges medizinisches Kriterium. Wenn nicht einmal klar definiert ist, was Menschsein überhaupt ausmacht, dann kann man noch viel weniger einen Anfangszeitpunkt des Menschseins herausfinden. Was bleibt noch übrig? Warum war vor 60 Jahren das eine akzeptiert und jetzt das andere? Weil Menschen, die das Recht auf Abtreibung befürworten, rhetorisch geschickt und aktiv Öffentlichkeitsarbeit betrieben haben. Wer sich Gehör verschafft und geschickt reden kann, der gewinnt. Es ist nicht mehr eine Frage des nachvollziehbaren Verstandes, sondern eine Frage der Macht.

Vor zu extremen Ansichten wird gewarnt. Doch letztlich kann jede noch so extreme Ansicht gesellschaftsweit etabliert werden, unter der Bedingung, dass diese Ansicht langsam, schrittweise und sanft eingeführt wird. Denn der Verstand liefert keinen Maßstab, „extrem“ überhaupt verbindlich definieren zu können. Vielleicht sind gesellschaftliche Aussteiger extrem. Vielleicht ist aber auch die Gesellschaft selbst extrem. Als normal wird meist einfach unbegründet das angesehen, was man gewöhnt ist. Der menschliche Verstand bietet an vieler Stelle kein verbindliches Kriterium, Idiotie von Vernunft unterscheiden zu können. Deshalb können entgegengesetzte Meinungen im gleichen Maße Gültigkeit einfordern. Mit anderen Worten: Die Meinungen sind gleich gültig. Und das führt zu Gleichgültigkeit.

Sanfte Manipulation durch Rhetorik

Die Rhetorik der Medienlandschaft und Politik ist in hohem Maße dafür gerüstet, bestimmte Glaubensinhalte oder die Autorität bestimmter Personen und Gruppen möglichst widerstandslos zu etablieren oder zu verdrängen. Je mehr einem gesagt wird, dass man aufgeklärt ist, desto leichter lassen sich bestimmte Ansichten als rückständig abstempeln. Je überlegener man seine Freigeistigkeit bewertet, desto blinder ist man gegenüber Täuschung. Je stärker betont wird, dass bestimmte Ansichten, Personen und Gruppen als extrem abzulehnen sind, desto leichter wird es, anderen extremen Ansichten und Personen schleichend Akzeptanz zu verleihen. Je öfter man gesagt bekommt, dass gesellschaftsweit anerkannte Ansichten nur zufällig, aber nicht bewusst entstehen, desto mehr sinkt das Misstrauen angesichts bewusster Manipulationsmethoden.

Beliebige Ansichten können als modern, vorwärtsgerichtet oder zukunftsorientiert bezeichnet werden und bekommen dadurch den hoffnungsbeladenen Geschmack von Fortschritt. Doch der Fortschritt des einen ist der Rückschritt eines anderen. Genauso kann beliebigen anderen Ansichten ihr Glanz genommen werden, indem sie als veraltet, rückwärtsgerichtet oder überholt betitelt werden. Worte wirken auch ohne Begründung. Häufig werden Formulierungen verwendet, die eine inhaltliche Auseinandersetzung umgehen, wie zum Beispiel: „Die Wahrheit liegt in der Mitte.“ Doch woran lässt sich das festmachen? Vielleicht liegt sie tatsächlich in der Mitte. Vielleicht aber auch am Rand.

Ein Beispiel für Manipulation durch Rhetorik: Der Begriff „Toleranz“

Toleranz ist ein typisches Schlagwort, das mit zukunftsorientiertem und aufgeklärtem Denken in Verbindung gebracht wird und sich deshalb für Manipulationszwecke benutzen lässt. Es lohnt sich eine nähere Untersuchung des Begriffs. Zweifelsohne ist es etwas Gutes, andere Meinungen zu respektieren und Konflikte gewaltfrei beizulegen. Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich hinter dem Begriff Toleranz verbirgt. Tolerant sein heißt übersetzt „ertragen“ oder „zulassen“. Das bedeutet, ein toleranter Mensch erträgt andere Meinungen und lässt sie zu. Andere Meinungen zuzulassen, vielleicht sogar abstoßende oder gefährliche Meinungen, ist etwas Schwieriges. Es verwundert deshalb, warum vielen die Toleranz so leicht fällt und sie so gerne verteidigt wird. Es ist leicht, tolerant zu sein, solange die andere Meinung nicht den eigenen persönlichen Frieden und Wohlstand bedroht. Es ist leicht, tolerant zu sein bei Dingen, die einen nur indirekt betreffen. Es ist viel schwieriger, tolerant zu sein, wenn die eigene Selbstverwirklichung dadurch eingeschränkt wird.

Intoleranz wird dagegen als ein grundlegendes Übel unserer Zeit gesehen. Intolerant zu sein bedeutet übersetzt „nicht ertragen“ oder „nicht zulassen“. Man könnte auch „sich wehren“ dazu sagen. Das Dilemma ist: Wenn man nicht alles über sich ergehen lassen will, dann kann man es nicht vermeiden, intolerant zu sein. Doch wo liegt die Grenze? Wie viel kann man noch ertragen? Sollte man das Autofahren verbieten, weil es die Luft verpestet und die Erde erwärmt? Sollte man das Rauchen verbieten, weil es Passivrauchern schadet? Sollte man Drogen verbieten, weil deren Opfer von der Allgemeinheit finanziert werden müssen? Sollte man Lärm vom Nachbarn ertragen, obwohl man deswegen nicht einschlafen kann? Sollte man es ertragen, wenn einem in der Nacht immer die Bettdecke weggezogen wird? Sollte man eine Vergewaltigung ertragen? Sollte man sich gegen eine Kriegsarmee, die das eigene Land überfällt, wehren? Sollte man Finanzspekulation verbieten, weil dabei einfachen Arbeitern der Lohn ihrer Mühe genommen werden kann? Sollte man Religion verbieten, weil sie in mancherlei Augen unbehagliche Aussagen macht? Sollte man materialistisch-deterministischen Atheismus verbieten, weil er den Menschen zur Maschine macht?

In manchen Fällen ist es empfehlenswert, tolerant zu sein. In anderen Fällen ist es empfehlenswert, intolerant zu sein. Wo genau die Grenze liegt, kann nur von Fall zu Fall neu betrachtet werden.
Die manipulative Macht besteht nun darin: Obwohl der Verstand prinzipiell weder „Toleranz“, noch „Intoleranz“ bevorzugt, gilt Toleranz als überlegen. Toleranz klingt positiv, weil meist Begriffe wie Frieden, Gewaltfreiheit und friedliches Nebeneinander damit verbunden werden. Allerdings führt an vielerlei Stelle gerade Intoleranz zu Frieden und Gewaltfreiheit und schützt das friedliche Nebeneinander. Doch wer sich heute Toleranz auf die Fahnen schreibt, der ist automatisch auf der richtigen Seite. Schnell verstummen kritische Stimmen, denn keiner will die Harmonie zerstören. Schnell steht man im Abseits, wenn man als intolerant bezeichnet wird.

Die häufige Betonung von Toleranz schwächt das Selbstbewusstsein des vermeintlich Intoleranten. Sie führt zu Konfliktscheuheit. Sie weicht den Schutz auf, sich gegen Fehlentwicklung wehren zu können. Wenn die Toleranz vorschlägt, keine festen Positionen mehr zu beziehen, ist es umso leichter, die Ansichten und Hoffnungen der Menschen zu verschieben.

Der allgegenwärtigen Manipulation kann man sich nicht entziehen

Manipulation kann man sich nicht entziehen, weil die Täuschung nicht unbedingt in einer Fehlinformation liegen muss, die man als falsch entlarven könnte. Geschickter ist es, einfach eine den persönlichen Interessen dienende Vorauswahl an Information zu thematisieren. Verschwiegene Fakten machen nicht misstrauisch. Das ist oft auch das Problem an Studien und Statistiken, die in einem wissenschaftlichen Gewand präsentiert werden. Ein Globalisierungsbefürworter kann eine Statistik benutzen, um zu zeigen, dass durch die Globalisierung während der letzten 25 Jahre in einem bestimmten Land das Durchschnittseinkommen anstieg. Ein Globalisierungskritiker kann dieselbe Statistik benutzen, um zu zeigen, dass das Durchschnittseinkommen in diesem Land durch die Globalisierung im Vergleich zu anderen Ländern sank. Der unscheinbare Zusatz „im Vergleich zu anderen Ländern“ lässt die Sachlage in einem völlig anderem Licht erscheinen. Die Frage ist, wie Fakten präsentiert werden und welche Randbedingungen gesagt und welche verschwiegen werden. Die eben erwähnte Statistik dient entgegengesetzten Meinungen, je nachdem, wie die Zahlen präsentiert werden. Gleiches gilt für Fotos, die von kontrovers diskutierten Ereignissen oder Krisenregionen präsentiert werden. Man sieht das eigentliche Ereignis nur ausschnittweise. Der präsentierte Ausschnitt kann bestimmten Interessen dienen oder entgegenwirken.

Weil der Verstand nicht dazu fähig ist, bestimmt der Eigenwille von Personen die Richtung. Je mehr man glaubt, dass die Vernunft herrscht, desto argloser passt man seinen Willen dem der Einflussreichen an.

Manipulation verursacht Misstrauen. Doch Vertrauen ist dennoch von grundlegender Bedeutung

Ist man den Vorgaben mächtiger Personen also hilflos ausgeliefert? Wie kann man noch ruhig schlafen, wenn man erkannt hat, dass ein wesentlicher Teil des eigenen Denkens von anderen vorgegeben wird? Wie kann man trotz allem noch Gewissheit bekommen? Wer alle Behauptungen, die einen selbst betreffen, verstandesmäßig nachvollziehen will, wird schnell scheitern. Die Diagnose eines Arztes könnte erst nach jahrelangem Studium nachvollzogen werden. Um das Einsteigen in ein Flugzeug verstandesmäßig abzusichern, bräuchte es über Jahre gewonnenes ingenieurtechnisches Wissen. Um sein Leben verstandesmäßig abzusichern, bräuchte man mehr Zeit als das Leben dauert. Die Absicherung des Lebens geschieht deshalb in erster Linie durch Vertrauen. Man muss dem Arzt vertrauen. Man muss den Ingenieuren vertrauen, wenn man in ein Flugzeug steigt. Man muss dem Politiker vertrauen, wenn man ihm die Zukunft seines Landes überlässt. Ohne Vertrauen könnten Bäcker und Wissenschaftler keine Arbeitsteilung praktizieren. Ohne Vertrauen geht es nicht.

Die Frage lautet also oftmals nicht: „Wie verhält sich diese oder jene Sache?“, sondern: „Wem kann vertraut werden?“ Für diese Frage braucht es nicht nur reine Logik, sondern auch Menschenkenntnis. Wichtige Hilfsfragen dabei sind: „Ist die Person ernstzunehmend? Ist die Person kompetent? Ist die Person wohlwollend? Ist die Person aufrichtig?“
Eine tiefere Vertrauenswürdigkeit macht sich an folgenden Fragen fest: „Will mein Gegenüber mein Bestes und nimmt dafür gegebenenfalls eigene Nachteile in Kauf? Oder will es in erster Linie sein Bestes und nimmt dafür gegebenenfalls meine Nachteile in Kauf? Liebt mich die Person?“ Je mehr jemand bereit ist für einen anderen aufzugeben, desto vertrauenswürdiger ist er. Es werden viele Tricks angewendet, um diese hohe Form der Vertrauenswürdigkeit vorzutäuschen. Denn wem vertraut wird, der hat Macht. Man vertraut, weil man davon ausgeht, dass diese Macht zum Besten eingesetzt wird.

Das Leben konfrontiert einen ununterbrochen mit Situationen, in denen die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit beantwortet werden sollte. Sobald der Arzt sagt „Nimm das Medikament, sonst wird es dir schlecht gehen“ sollte man sie beantworten. Genauso, sobald der Händler sagt: „Kaufe, denn es ist ein gutes Geschäft“ oder der Banker: „Investiere, sonst wird dein Geld morgen nichts mehr wert sein“, der Wissenschaftler: „Höre auf, Auto zu fahren, sonst wächst bald keine Nahrung mehr“, der Prophet: „Kehr um, sonst wird Gott dich richten“. Das sind gewichtige Behauptungen. Von ihnen hängt Freude oder Leid ab. Sie schließen Neutralität aus.
Oft ist Voraussetzung dafür, die Vertrauenswürdigkeit einschätzen zu können, dass man sich mit der betreffenden Person auseinandersetzt und ernsthaft untersucht, was sie von sich preisgibt. Für die Lebenswirklichkeit ist nicht nur wichtig, was man glaubt, sondern auch wem man glaubt. Vertrauen ist nicht einfach. Denn wer vertraut, macht sich angreifbar. Wer nicht vertraut, ist hilflos und einsam.

5. Warum die frohe Botschaft der Bibel froh ist

Zahlreiche Personen, Organisationen und Bücher behaupten von sich, Wissen über Gott zu vermitteln. Es wäre falsch, kritiklos einfach das Gottesverständnis zu übernehmen, welches in der eigenen Kultur üblich ist. Die Ausgangssituation, die in allen Kulturen gleich ist, ist, dass wir in eine Welt geboren wurden, die trotz allem Leid auch viel Schönes bietet, für das man dankbar sein kann. Für den Großteil der Dinge, die unser Leben ausmachen, haben wir nichts getan. Die Luft, die wir atmen, der Körper, in dem wir leben oder die Früchte, die wir ernten – all das haben wir uns nicht verdient, sondern bekommen es von außen. Es ist naheliegend, die Ursache dieser Schönheit zu suchen. Wer das tut, dem ist in der Bibel versprochen: „Wenn du Gott, den Herrn, von ganzem Herzen und von ganzer Seele suchen wirst, dann wirst du ihn finden.“[29]
Einige sehen keine Veranlassung für die Suche, fühlen sich auch ohne eine Beziehung zu Gott wohl und freuen sich des Lebens. Sie ernähren und freuen sich an Sachen, die von außen kommen, für die sie nichts können und für die sie nichts getan haben. Sie nehmen die Geschenke, lehnen aber die Suche nach einem möglichen Geber ab.

Das klassische Erscheinungsbild von Religion schreckt oft ab

Ein Hindernis bei der Suche nach Gott ist, dass viele Menschen von Religion abgeschreckt sind. Was soll man von Religion und Kirche erwarten, wo doch das eigentliche Leben anderswo aufblüht? Religion tritt oft auf groteske Weise in Erscheinung. In ausgefallener Kleidung werden andächtige Prozessionen und undurchsichtige Rituale von allzu menschlich und fehlbar wirkenden Priestern und Mönchen durchgeführt. Als skeptischer Beobachter kann man sich nicht so richtig vorstellen, dass sich dahinter etwas Heiliges verbergen sollte, dem man sich ohne weiteres Nachfragen unterwerfen sollte. Imposante Bauten und prunkvoll verzierte Gegenstände mögen bezaubern, sind aber letztlich auch nur von Menschenhand erschaffen. Nachdem solche als heilig bezeichneten Gegenstände entmystifiziert worden sind, besteht kein weiterer Grund, sie zu verehren.
Auch was moralische und ethische Vorschriften angeht, zeigt sich keine offensichtliche Notwendigkeit für Religion. Es gibt Atheisten, die liebevoller, moralischer und gerechter leben als viele Christen. Zu allem Überfluss hat die Geschichte zahlreiche Beispiele für religiösen Missbrauch erlebt. Beispiele von hierarchischen Institutionen, Machtspielen und Heuchelei. Interessant, dass sogar selbst die Bibel zu religiösen Menschen sagt: „Euretwegen wird der Name Gottes von den Völkern verspottet.“ [30]

Was heute als Christenheit, sei es in oder außerhalb einer Kirche, existiert, ist eine vielfältige Mischung unter anderem aus biblischen, griechischen und animistischen Einflüssen. Doch Gott ist nicht gleichzusetzen mit Kirche. Wenn man zwischen Christenheit, Kirche und dem, was die Bibel über den Glauben sagt, unterscheidet, ergibt sich an vieler Stelle ein überraschendes Bild.

Die Bibel versteht sich als Offenbarung Gottes

Die Bibel versteht sich als Offenbarung Gottes. Das heißt, dass sie zwar von Menschen aufgeschrieben wurde, aber Gott die Quelle des Inhalts ist. [31] Wenn auch die Realität nicht viel von sich preisgibt, Gott tut es schon. Er schweigt nicht. Das Unwissen und die Probleme der Menschen sind ihm nicht egal. Er überlässt uns nicht uns selbst.

Es stellt sich die Frage, wie wir eine Offenbarung als von Gott gegeben identifizieren können. Wenn Jesus in der Bibel von einem Leben nach dem Tod, von Himmel und Hölle spricht, wie sollen wir dann prüfen, ob es das überhaupt gibt? Wir können es nicht selbst prüfen. Doch deshalb ist die Aussage von Jesus im Hinblick auf einen Erkenntnisgewinn für uns nicht wertlos. Denn nun sind wir konfrontiert. Wir sind konfrontiert mit einer Person, die behauptet, etwas über die großen Fragen zu wissen. So etwas behauptet man nicht einfach so. Man behauptet es immer mit einem bestimmten Ziel. Vielleicht ist das Ziel, mit einer erfundenen Geschichte Macht über andere Menschen auszuüben. Vielleicht ist das Ziel aber auch, seine Mitmenschen aus Mitleid zu warnen. Es hängt davon ab, ob die behauptende Person gutmütig oder bösartig ist. Und das wiederum lässt sich schon untersuchen. Es ist zwar nicht alles von Jesus überliefert, aber doch genug, um sich ein Urteil bilden zu können. Passt es zu Jesus Charakter, seine Mitmenschen mit einer bedrohlichen Aussage über das Jenseits knechten zu wollen? Passt es zu jemand, der bereit war, für seine Aussagen zu sterben? Solchen Fragen können wir uns nähern. Wir stehen demnach weniger vor der Frage: „Kann ich die Existenz von Himmel und Hölle beweisen?“, sondern vor der Frage: „Ist Jesus vertrauenswürdig?“
Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die biblischen Berichte historisch zuverlässig sind, das heißt, dass die Geschichten nicht erfunden oder wesentlich verfälscht wurden. U.a. Josh McDowells empfehlenswertes Buch Jesus von Nazareth [32] zeigt, dass man davon ausgehen kann.

Was hat Jesus überhaupt konkret gesagt? Und in welchen biblischen Kontext sind seine Aussagen eingebunden? Die nächsten Abschnitte fassen den wesentlichen Inhalt der Bibel zusammen. Außerdem wird Jesus Christus als Hauptperson der Bibel vorgestellt und so ein erster Blick auf seine Vertrauenswürdigkeit geworfen. Die Ausführungen sind dabei aus Sicht der Bibel formuliert.

Warum Gott den Menschen erschuf

Warum hat Gott, bildlich gesprochen, überhaupt auf den Startknopf gedrückt? Was hat ihn dazu bewogen, Menschen zu erschaffen? Damit sie sich an bestimmte Regeln halten? Wie langweilig. Damit sie sich kurz freuen und dann erlöschen? Wie tragisch. Damit sie vor sich hinleben und machen, was ihnen in den Sinn kommt? Wie sinnlos. Gott konnte die Katastrophe der Menschheit doch voraussehen? Wieso hat er die Schöpfung nicht einfach bleiben lassen? Er sah doch den vielen Schmerz, die Armut, den Hunger, die Kriege, den Liebeskummer, die zerbrochenen Herzen, die Resignation, die Gleichgültigkeit, den Egoismus, den Streit, die Einsamkeit und die Sorgen voraus? Wie konnte Gott nur Menschen erschaffen? Was rechtfertigt unser Dasein? Was im menschlichen Leben das Höchste, Schönste und Größte ist, war auch für Gott der höchste, schönste und größte Grund, den Menschen zu erschaffen: Die Liebe.

Von Schönheit und Schrecken der Liebe

Mit Liebe ist allerdings nicht das abgedroschene Allheilmittel gemeint, das schöngeistig vorschlägt: „Liebe deine Mitmenschen, dann wird alles besser. Liebe deinen Partner, dann wirst du glücklich.“
Liebe kann einen nicht nur das Schönste erleben lassen in Form einer Beziehung, sondern auch das Schlimmste in Form einer zerbrochenen Beziehung. Mit Liebe ist nicht zu spaßen. Sie ist nichts, mit dem man arglos umgehen könnte. Nichts, was unbedacht verschenkt werden sollte. Etwas, vor dem man erschrecken sollte. Im innerlich zerfetzenden Liebeskummer fragt man sich, ob das die Liebe wert ist. Nur weil die Liebe so große Freudengebäude wie nichts anderes aufbaut, wird der Schmerz ermöglicht, der beim Einriss derart großer Gebäude entsteht. Das Ausmaß der Schmerzen zeigt den großen Wert der Liebe. Was beim Zerbruch nicht wehtut, war nichts wert.

Gott will uns nicht nur dabei zusehen, wie wir uns gegenseitig lieben. Er will, dass wir ihn lieben. Gott hat sich ein Gegenüber geschaffen, das er lieben kann und das ihn lieben kann. Das war der Grund, warum er sich trotz allem dazu entschlossen hat, uns zu erschaffen. Das ist unsere Daseinsberechtigung. Die Bibel drückt es so aus: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft.“[33]

Das Herz, die Seele, der Verstand, die Kraft – diese Schätze können in einem unkontrollierbaren Anflug von Zuneigung und Verliebtheit an andere gehängt werden. Größer ist es aber, wenn man nicht einfach nur seinen wechselhaften Gefühlen folgt, sondern die Liebe zum Ausdruck bringt, indem man sich unabhängig von Hoch- und Tiefphasen für eine Person entscheidet. Wegen der Person selbst und nicht nur wegen einer flüchtigen Leidenschaft an der Person. Man sichert damit zu: Egal was passiert, meine Liebe bleibt.

Das will Gott von uns. Er schuf sich ein Gegenüber, das sich für oder gegen ihn entscheiden kann. Er hätte uns auch so schaffen können, dass wir zwangsläufig mit ihm leben. Aber dann wäre unsere Liebe nichts wert. Erzwungene Liebe ist nichts wert. Gerade die Möglichkeit, uns aus uns heraus für oder gegen ihn zu entscheiden, macht uns wertvoll und bedeutsam. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes von entscheidender Bedeutung. Entweder Gott schafft uns als Wesen, die zwangsläufig alles richtig machen. Dann sind wir allerdings Nullen, von denen nichts abhängt. Oder Gott schafft uns mit der Möglichkeit, uns zu entscheiden. Dann birgt das allerdings die Gefahr, dass wir uns gegen ihn entscheiden. Dieser Fall ist eingetreten. Der Großteil des Leides, der Armut und der Kriege kann auf falsche Entscheidungen von Menschen zurückgeführt werden. Aus dieser Perspektive wird auch plausibel, warum es bei einem guten Gott trotzdem schlechte Sachen in der Welt gibt.

Freiheit existiert nicht ohne Verantwortung

Unsere Möglichkeit der Entscheidung macht unser Leben faszinierend und reich. Es hängt von uns ab, ob es vielfältig, kreativ und immer wieder neuartig ist. Das Leben kann von uns in allen seinen Facetten aktiv gestaltet werden. Krieg oder Frieden hängen von uns ab. Genauso Gewalt oder Dialog. Kommunismus oder Kapitalismus. Aristoteles oder Platon. BILD oder Süddeutsche. Katastrophenhilfe oder Untätigkeit. Postkarte oder E-Mail. Betrunken oder Nüchtern. Aufstehen oder Liegenbleiben. Kathrin oder Julia. Markus oder Phillipp. Und schließlich Sarg oder Urne.
Wer man heute ist und wo man im Leben steht, hängt zwar nicht nur, aber doch maßgeblich von den bisherigen Entscheidungen ab.

Wenn wir entscheiden können, dann haben wir auch Verantwortung. Denn ob man Krieg oder Frieden, Monokultur oder Vielfalt, Kathrin oder Julia wählt: Jede Entscheidung zieht Freude und Leid für sich selbst und für andere nach sich.
Wenn wir Verantwortung haben, dann gibt es auch Schuld. Auf diese Weise ist Freiheit und Schuld verbunden. Wer sich als frei entscheidendes Wesen sieht, der kommt auch um eine mögliche Schuld nicht herum. Wer Schuld als nicht real bezeichnet, der gibt damit auch seine Freiheit auf.

Die Flucht vor der Schuld

Schuld ist ein zutiefst menschlicher Begriff. Man muss niemandem erklären, was er bedeutet, denn seine Bedeutung ist im Menschen veranlagt. Kinder und Erwachsene, Gebildete und Ungebildete verstehen das Phänomen Schuld. Es berührt den Kern des Menschseins. Deutlich wird das an den großen Anstrengungen, die unternommen werden, um vor den Anklagen des Gewissens zu flüchten. Menschen sind stets darum bemüht, ihre Taten zu rechtfertigen. Es ist menschlich, einem Gerechtigkeitsmaßstab, an dem sich Schuld messen lässt, genügen zu wollen. Es ist ein qualvoller, manchmal unerträglicher Zustand, von diesem Gerechtigkeitsmaßstab angeklagt zu werden. Es ist schmerzvoll, sich bewusst zu sein, das Falsche getan zu haben. Um diesem Schmerz zu entkommen, suchen Menschen nach Rechtfertigungen oder verdrängen die schmerzvollen Gedanken. Wenn einen das Gewissen anklagt, dann nimmt man leicht Unvernunft und Irrationalität in Kauf, nur um sich zu rechtfertigen.
Beispielsweise rechtfertigt man Selbstsucht, indem man auf die Selbstsucht anderer verweist: „Ich darf das, weil mir das auch schon angetan wurde.“ Doch die Selbstsucht des anderen macht nicht die eigene Selbstsucht zu etwas Gutem. „Aber das macht doch jeder!“, wird behauptet. Möglicherweise stimmt die Behauptung, doch deswegen ist es noch nichts Gutes. Gleiches gilt für die Behauptung „Wenn ich es nicht mache, dann macht es jemand anderes.“ Denn nur weil es andere machen, ist es noch nicht gut. Mit solchen Rechtfertigungen kann u.a. auch die Ausbeutung von Arbeitskräften und Entwicklungsländern moralisch erhoben werden. Denn „Wenn wir nicht ausbeuten, dann beuten andere aus.“
Irrationale Rechtfertigungen gibt es auf jedem intellektuellen und moralischen Niveau. Auch Bosheit kann gerechtfertigt werden, indem man sagt: „Letztlich sind wir nur höhere Tiere. Außerdem existiert Gut und Böse gar nicht.“ Mafia-Killer rechtfertigen ihre Morde, indem sie sich sagen, sie seien auf der richtigen Seite in einem ehrenhaften Krieg. In brutaler Konsequenz lässt sich sogar Völkermord rechtfertigen. Nämlich mit der Begründung, dass es im Laufe der Evolution der Menschheit immer zum Besten gedient hat, wenn Schwächere starben und sich Stärkere durchgesetzt haben.
Den Glauben an Gott lehnen viele ab mit der Rechtfertigung, dass dabei verstandesmäßige Fragezeichen bleiben. Auf der anderen Seite nimmt man aber bezüglich der eigenen Philosophie, der eigenen Identität und des Todes verstandesmäßige Fragezeichen doch in Kauf.

Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit

Der Gott der Bibel ist ein gerechter Gott. Das bedeutet, dass es ihm nicht egal ist, was auf der Erde passiert. Wir können wegsehen von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung in der Welt, aber Gott sieht das alles. Er sieht, dass wir uns gegenseitig ausbeuten, ausnutzen, anlügen – den ganzen Egoismus. Er steht dem nicht gleichgültig gegenüber. Er ist keine Witzfigur, bei der man tun und lassen könnte, was man will, ohne dass es Folgen hätte. Jeder Mensch wird sich vor ihm rechtfertigen müssen. Verbrecher und Ungerechte werden nicht davonkommen. [34]

Die Bibel spricht von einem Endgericht, in dem alles offengelegt wird und Gott für endgültige Gerechtigkeit sorgen wird. Jeder wird bekommen, was er verdient. Wir Menschen sind verantwortlich, ob Gutes oder Schlechtes die Welt kennzeichnet. Gott wird schließlich alle Konten ausgleichen, Gutes belohnen und Schlechtes bestrafen. Er wird für Gerechtigkeit sorgen, wo Gerechtigkeit im Diesseits nicht zu finden ist.

Ein solches Endgericht kennt man von vielen Religionen. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied in der Bibel: Es wird hier nicht unterschieden zwischen den Guten, die in den Himmel kommen und den Schlechten, die in die Hölle kommen. Sondern alle haben gesündigt, werden für ihre Schuld verurteilt und kommen nicht in den Himmel. Keiner ist vor Gott gerecht. Alle haben gesündigt und gehen deshalb verloren und blicken einer Ewigkeit in der Hölle entgegen [35]. Gott hat uns Menschen die Freiheit gegeben, auch Schlechtes tun zu können und wir haben es getan.

Das ist die Situation, in der Gott sich befindet. Als gerechter Gott müsste er die Menschheit aufgeben und der Verlorenheit in der Hölle überlassen. Nicht ein Einziger kann Gott durch sein sündloses Leben erfreuen. Der Zorn Gottes über unsere Sünde, unsere Ungerechtigkeit, unseren Egoismus und unsere Undankbarkeit liegt auf jedem Einzelnen und wartet darauf, loszubrechen. [36] Gott wird sich nicht unserer Ungerechtigkeit anpassen und gleichgültig wegsehen. Wir sollten uns eher seiner Gerechtigkeit anpassen. Die Erde, die wir zugrunde gerichtet haben, ist ein Vorbote, dass uns ein schreckliches Gericht erwartet. Jesus beschreibt die Hölle als „Äußerste Finsternis, wo das Weinen und Zähneknirschen sein wird.“[45] und „ein ewiges Feuer.“[46]

Gott ist ein Gott der Liebe

Gott nimmt die Verlorenheit der Menschen allerdings nicht kühl zur Kenntnis, sondern sie tut ihm unsäglich weh. Denn neben seiner Gerechtigkeit charakterisiert ihn auch seine Liebe zu uns. Seine Liebe bedeutet, dass er uns um keinen Preis in der Hölle sehen will. Er liebt uns unabhängig von unseren schlechten Taten und Gedanken und will das Beste für uns. Selbst wenn man ihn ignoriert und sündigt, liebt er einen. Seine Liebe ist bedingungslos. Er liebt auch die Perversesten und will keinen bestrafen. Er liebt sogar die Heuchler, die Mörder und die Kinderschänder. Er hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder. Er hasst Kinderschändung, aber er liebt den Kinderschänder. So schlimm sind die meisten zum Glück nicht, aber grundsätzlich gilt: Man kann gar nicht so verdorben und schuldig sein, dass Gott einen nicht mehr lieben würde. Gott nimmt einen an, egal was man hinter sich hat. Er ist wie ein Vater, der sein Kind in den Arm nimmt und liebt, egal ob es gewaschen oder von oben bis unten mit stinkendem Schlamm beschmutzt ist. Manche Menschen sind sich selbst nicht gut genug, nicht schön genug, nicht stark genug und sie fühlen sich nicht angenommen. Denen sagt Gott: „Mir bist du genug. Du musst keine Gegenleistung bringen, ich liebe dich ganz einfach, weil du da bist.“ Gottes größter Wunsch ist es, dass alle die Ewigkeit mit ihm verbringen.

Gerechtigkeit und Liebe stehen im Gegensatz zueinander

Wenn man beide Eigenschaften, Gerechtigkeit und Liebe, nebeneinander stellt, dann ergibt sich ein Widerspruch. Denn Gerechtigkeit und Liebe stehen im Gegensatz. Gottes Gerechtigkeit sagt: Alle haben gesündigt und verdienen die Hölle. Gottes Liebe sagt: Ich liebe alle; alle sollen zu mir in den Himmel.

Der Gegensatz wird anschaulich, wenn man sich eine Szene in einem Gerichtssaal vorstellt: Auf der einen Seite der Richter, auf der anderen Seite der schuldige Angeklagte. Er hat beispielsweise eine Bank überfallen und das Geld verprasst. Verschiedene Möglichkeiten sind vorstellbar: Entweder der Richter liebt den Angeklagten, lässt Barmherzigkeit walten und lässt ihn frei. Das wäre allerdings nicht gerecht. Denn der Angeklagte hat immerhin das Geld verprasst, für das andere hart gearbeitet haben. Oder aber der Richter ist gerecht und verurteilt den Angeklagten. Dann kann er aber nicht gleichzeitig auch barmherzig sein. Er muss sich für eines entscheiden.
In diesem Dilemma befindet sich Gott: Entweder Liebe oder Gerechtigkeit, aber beides geht nicht. Was für ein tragischer Zwiespalt! Wer kann ihn lösen?

In Jesus Christus vereint Gott Gerechtigkeit und Liebe

Um aus diesem Dilemma zu retten, unternahm Gott – motiviert von aufopferungsvoller Liebe – etwas für ihn sehr Schmerzvolles und Erniedrigendes: Er wurde ein Mensch und hat die Strafe, die wir Menschen gerechterweise verdient hätten, selbst getragen. Das ist Jesus Christus. [37] Gott wurde als Jesus Christus Mensch und hat sich an unserer Stelle kreuzigen lassen. Die Todesstrafe, die uns erwartet, hat er auf sich genommen. [38] Durch den Tod am Kreuz hat Gott Liebe und Gerechtigkeit zusammengebracht. Auf der einen Seite ist er nach wie vor gerecht: Er belohnt Gutes und er bestraft Schlechtes. Allerdings mit dem Unterschied, dass er jetzt nicht mehr uns, sondern sich selbst bestraft. Stellvertretend für uns. Dadurch hat die Liebe nun freie Bahn. Es steht nichts mehr zwischen dem schuldigen Menschen und Gott. Gott sieht ihn als gerecht an, obwohl er gesündigt hat. Die Tür zum ewigen Leben im Himmel ist offen. Der Vertrauensbruch zwischen Gott und Mensch ist gesühnt. Keine Schuld, keine Sünde, kein Lügen, Betrügen und Morden, kein Versäumnis, kein selbstsüchtiger oder überheblicher Gedanke, keine Ungerechtigkeit, keine Verachtung, keine Eigensucht, nichts steht mehr zwischen uns Menschen und Gott. Jesus hat für die Schuld vergangener Zeiten, der Gegenwart und der Zukunft ein für alle Mal bezahlt [39].
Was Gott getan hat, ist zu vergleichen mit einem Richter, der das gestohlene Geld aus eigener Tasche bezahlt, damit er den Angeklagten frei lassen kann. Jesus sagte: „Wer unter euch der Erste sein will, der soll allen anderen dienen. Genauso wie ich nicht gekommen bin, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und mein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“[40]

Vor 2000 Jahren waren die Menschen mit einer Person konfrontiert, die behauptete: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“[41], „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“[42] und „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“[43] Wer kann so etwas behaupten? Sind es die Aussagen eines Größenwahnsinnigen? Eines Lügners? Eines Verrückten? Oder spricht tatsächlich Gott selbst? Die Behauptungen sind zu weitreichend, als dass man sich ihnen teilnahmslos stellen könnte.
Die Menschen damals konnten ihm in die Augen sehen, mit ihm reden und ihn kennenlernen. Sie konnten unmittelbar untersuchen, mit was für einer Person sie es zu tun hatten. Ob sie vertrauenswürdig war oder Böses im Schilde führte. Heute kann man Jesus anhand der Zusammenfassung seines Lebens, aufgeschrieben in den vier Evangelien, untersuchen. Wer Gott kennenlernen will, kann sie lesen mit der ernsthaften Frage: Ist Jesus vertrauenswürdig, das heißt: Kann man ihm glauben?

Kommen also, weil Jesus für alle Schuld bezahlt hat, alle in den Himmel? Nein, denn Gott geht es nicht in erster Linie um ein Schuldenkonto, welches der Mensch bei ihm hat. Die Schuld war nur das tragische Hindernis, welches eine Trennmauer zwischen Schöpfer und Geschöpf baute[44]. Gott ist froh, wenn sie weg ist und nicht mehr daran gedacht wird, denn dann erst kann sich die Schönheit seines Plans mit den Menschen entfalten. Indem er am Kreuz alles Trennende abgeschafft hat, gibt er jedem Menschen die Chance, sich unbelastet von Leistungszwängen für oder gegen ihn zu entscheiden. Erst dadurch muss man Gott nichts mehr bringen. Erst dadurch muss man nicht mehr besonders religiös sein, um vor Gott bestehen zu können. Erst dadurch muss man nicht besonders gut, rein oder heilig sein, um von Gott angenommen zu werden. Erst dadurch kann Gott jeden lieben, unabhängig von den Sünden, die man begangen hat. Erst dadurch ist eine unbelastete Beziehung zwischen Gott und Mensch möglich. Eine mögliche Angst, Gott nicht genügen zu können, hat Gott am Kreuz ausgeschlossen. Jesus hat am Kreuz eine Liebesbeziehung zu Gott möglich gemacht, die nicht vom unterschwelligen Druck begleitet ist, einmal für begangene Sünden bestraft zu werden.

Was bleibt, ist ein Angebot, das Gott durch Jesus Christus jedem Mensch macht: „Willst du mit mir leben oder ohne mich?“ Aus dieser Entscheidung ergibt sich das ewige Schicksal des Einzelnen. Wer an Jesus glaubt, der kommt in den Himmel. Wer nicht an ihn glaubt, der geht verloren. An Jesus scheidet es sich. An ihm hängt unsere Ewigkeit.
Wir sind von unserer Schöpfung her darauf angelegt, mit Gott zu leben. In unserem Herzen gibt es einen leeren Raum, der sich danach sehnt, gefüllt zu werden und der ruft: „Irgendwas muss es da im Leben noch geben. Irgendwo muss noch mehr sein. Irgendwann muss ich es haben, anstatt immer nur nachzujagen.“ In diesen Raum passt Gott. Er füllt ihn aus und stillt die Sehnsucht. Gott kann ihn im Gegensatz zu den vielen verlockenden Angeboten, die das Leben anbietet, angemessen ausfüllen, weil er diesen Raum extra für sich geschaffen hat.
Gott tut alles, um unser Herz zu gewinnen, aber er zwingt uns nicht. Er lässt uns nach wie vor die Möglichkeit, uns gegen ihn zu entscheiden. Sein erstes Geschenk ist, dass er uns mit einem wunderbaren Körper und einer einzigartigen Persönlichkeit ausgestattet hat. Dann dürfen wir uns an der unfassbar vielfältigen Natur und an der Schönheit anderer Menschen freuen. Weil uns das nicht zum Danken veranlasst hat, sondern wir stattdessen sogar unzufrieden wurden, hat Gott immer wieder Propheten geschickt, die vor gottlosen Wegen warnten. Sie sagten: „Gott freut sich nicht am Tod des Sterbenden. Deshalb kehrt um und lebt.“[47] Gott bemüht sich darum, dass der Mensch von seinen selbstzerstörerischen Wegen zu ihm umkehrt. Schließlich, als aus Sicht der Gerechtigkeit schon alles verloren war, kam er selbst und wurde nicht nur verspottet und abgewiesen, sondern sogar getötet. Er hat uns auf vielerlei Weise umworben. Seine Liebe ging so weit, dass er sein Leben für uns eingesetzt hat. Mehr kann er nicht tun. Der Höchstpreis ist bezahlt. Trotzdem wurde er abgelehnt. Irgendwann ist das Liebeswerben vorbei und vielen Menschen wird er einmal sagen: Ich kenne euch nicht. [48]

Aus dieser Perspektive klärt sich die Frage, warum Gott die Menschen in nur zwei Gruppen – nämlich die Verlorenen und die Geretteten – einteilt, obwohl man offensichtlich nicht sagen kann, dass es auf der einen Seite die moralisch Guten und auf der anderen Seite die moralisch Schlechten gäbe. Die Moral der Menschen tritt in allen Schattierungen und Nuancen auf, von gut bis böse ist in kontinuierlichem Übergang alles vorhanden. Aber eine bewusste Entscheidung für Jesus zu treffen ist ein konkreter Schritt. Man kann sich prüfen, ob man diesen Schritt getan hat oder nicht. Der Himmel hängt nicht daran, wie gut oder schlecht man war, wie stark man glaubte oder wie hingegeben man lebte. Sondern er hängt daran, ob man sich für Jesus entschieden hat oder nicht.

Der Christ muss nicht mehr beten: „Bitte, Gott, mach, dass ich in den Himmel komme!“ Sondern er kann befreit beten: „Danke, Gott, dass ich in den Himmel komme!“ Denn für den Christ ist der Himmel sicher. Es gibt keine Sünde, keine Versagen und keine Umstände, die ihm seine Errettung wieder nehmen könnten. [49] Zwar sieht auch er Gottes Gericht entgegen, aber wofür sollte Gott ihn noch strafen? Alles, wofür er bestraft werden könnte, wurde bereits von Jesus am Kreuz gesühnt. Gott wird zahlreiche Sünden am Christ feststellen, doch er wird keine davon bestrafen. Denn der Christ sagt: „Stimmt, ich habe gesündigt. Aber Jesus ist dafür schon bestraft worden.“ Als Christ gehorcht man Gott nicht, um in den Himmel zu kommen, sondern weil man in den Himmel kommt.

Mancheiner wendet ein: „Dann kann ich ja tun und lassen, was ich will! Dann kann ich sündigen, lügen und betrügen, wie es mir passt. Denn ich komme ja sowieso in den Himmel.“ Doch warum sollte man das noch tun wollen, wo man doch als Christ seine Sünden als etwas Schlechtes, das Vergebung nötig hat, ansieht? Es geht ja nicht darum, aus Gott so viel Nutzen wie möglich herauszuziehen. Jesus hat sein Leben gerade deshalb gegeben, um uns von dieser eigensüchtigen Denkweise zu befreien. Sein vorrangiges Ziel war nicht, uns schuldenfrei zu machen, sondern mit uns zusammen sein zu können. Er ist aus Liebe für uns gestorben – warum sollten wir ihm mit Gleichgültigkeit antworten?

Zu einer Entscheidung für Jesus gehört, die eigene Schuld zuzugeben. Das kann eine große Hürde sein. Doch hinter dieser Hürde liegt Befreiung. Dahinter liegt eine innere Freiheit, wie sie davor nicht vorstellbar war. Vor Gott kann man Schuld nicht wiedergutmachen. Doch wer sie vor Jesus zugibt, dem ist sie vergeben. Jesus hat dafür bezahlt. Gott wird nicht mehr daran denken. Die Schuld interessiert ihn nicht mehr. Wer seine Fehler offenlegt und zugibt, der ist glaubwürdig. Die Vergebung ist ein Geschenk. Gottes Geschenk besteht darin, dass der Schuldige gerecht gemacht wird.

Zu einer Entscheidung für Jesus gehört Umkehr

Zu einer Entscheidung für Jesus gehört Umkehr. Das heißt, man ist nicht mehr sein eigener Herr, sondern Jesus wird der Herr. Man erkennt ihn damit als den an, der er ist: Der Herr und Gott über alles Existierende. Das beinhaltet auch die Bereitschaft, Dinge, die Jesus als Sünde bezeichnet, nicht mehr zu tun, bzw. Dinge, die ihm gefallen, zu tun.
Die Entscheidung zur Umkehr ist nichts, was man nebenbei tut. Denn Bedenken können sich dieser Entscheidung entgegenstellen. Es gibt Befürchtungen, dass Gott einem etwas vom schönen Leben wegnehmen will. Dass Gott einengen und die Freude nehmen will. Dass man seinen Verstand verleugnen muss. Dass leben mit Gott langweilig sein könnte. Doch das Gegenteil ist Gottes Ziel. Er will unser Leben zur Entfaltung bringen. Er will unser Bestes. Er will der dürstenden Seele Wasser geben. Er will dem Trauernden Trost, dem Verlorenen Rettung, dem Sinnlosen Sinn, dem Getriebenen Ruhe, dem Rastlosen Heimat, dem Einsamen Liebe, dem Sorgenbeladenen Frieden, dem Unsicheren Sicherheit, dem Kalten Geborgenheit und dem Verängstigten Freiheit geben. In ihm ist eine Freude, die überrascht. Er verspricht, ein besserer Herr über unser Leben zu sein, als wir es je könnten. Doch Gott verwirklicht diese Versprechen oft anders, als man es sich vorstellt. Denn auch das Leben mit Jesus ist nicht frei von Problemen, Schmerzen und Verzicht. Probleme, Auseinandersetzungen und innere Kämpfe können an mancher Stelle sogar zunehmen. Doch Gottes Wege gehen tiefer. Er weiß, dass Zufriedenheit etwas anderes als Problemfreiheit ist. Er weiß, dass die Erfüllung von Wünschen etwas anderes als innere Erfüllung ist. Er weiß, dass das Leben mehr ist als geordnet zu leben. Er weiß, dass Freude etwas anderes als Spaß ist. Er kennt unsere tiefsten Sehnsüchte. Er geht mit uns Wege, an deren Ende man erst sieht, dass himmlisch frohe Berge und verzweifelt dunkle Täler letztlich besser waren als langweiliges, schmerz- und freudeloses Flachland. Der Weg mit Gott ist vergleichbar mit dem eines Kindes, das sich zwar nicht auskennt, aber an der Hand eines liebevollen aufopferungsvollen Vaters sicher ans Ziel geführt wird.

Einen Anfang machen

Jesus verlangt keine perfekten Christen, die alles richtig machen. Stattdessen hilft er einem, wo man schwach, gefangen oder unbeholfen ist. Wer Christ wird, entscheidet sich nicht für ein Glaubenssystem, einen Moralkodex oder eine Ideologie. Sondern er lernt eine Person, nämlich Jesus Christus, den lebendigen und eingreifenden Gott, kennen. Ein Glaubenssystem steht fest, eine Person dagegen agiert und überrascht immer wieder aufs Neue.
Jemanden kennen zu lernen ist ein Prozess. Das Wesen und die Eigenheiten des anderen nehmen mit fortschreitender Zeit immer konkretere Formen an. Vertrauen wächst nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit. Man kann es nicht erzwingen. Aber man kann einen Anfang machen. Jesus will, dass man diesen Schritt tut und ihn persönlich in sein Leben aufnimmt.
Vor diese Entscheidung seist du als Leser dieses Buches gestellt. Jesus fragt dich: „Willst du mit mir leben?“ Wie lautet deine Antwort? Ich bitte dich darum, diese Frage ernst zu nehmen und darüber nachzudenken, um zu einem bewussten Ja, bzw. Nein zu kommen.
Er ist kein kalter Herrscher, sondern ein Gott, an dem man zweifeln kann. Den man lieben kann. Mit dem man ringen, streiten und reden kann. Zu dem man beten kann. Beten bedeutet, Gott in eigenen Worten und möglichst ehrlich zu sagen, was man von ihm erkannt hat, was man von ihm hält, was man an ihm bezweifelt, was man von ihm erwartet und was einen beschäftigt. Mit der Zeit bringt er einem bei, wie man ihm vertraut, betet, nachfolgt und was die Bibel meint.

Was nach der Kreuzigung passierte – Jesus lebt heute

Zum Abschluss des Buches seien die Begebenheiten der letzten Tage von Jesus auf der Erde erzählt. Welche Situation ergab sich damals in Israel, nachdem Jesus gekreuzigt wurde? Seine Jünger hatten alle Hoffnung auf ihn gesetzt. Von den Propheten des Alten Testaments wussten sie, dass ein Retter kommt, der in ihrem mühsamen Lebenskampf für sie siegen wird [50]. In Jesus glaubten sie, diesen Retter erkannt zu haben. Für ihn hatten sie ihre berufliche Existenz und ihren Wohnsitz aufgegeben. Jesus forderte die Leute auf, ihm nachzufolgen, ihn zu lieben und ihm zu gehorchen. Er ließ den Menschen nicht die Möglichkeit, ihn als Propheten oder Mensch, der seiner Zeit voraus war, zu sehen. Denn Jesus forderte das Höchste von den Menschen: Sie sollten ihm ihr Leben schenken [51]. Wie anmaßend, wenn er nur ein Prophet oder ein hochentwickelter Mensch wäre! Aber angebracht, wenn er tatsächlich der Sohn Gottes, der menschgewordene Gott ist.

Doch dann war er plötzlich tot. Genauso wie jeder andere Mensch. Wie deprimierend für die Jünger! Die Karte, auf die sie alles gesetzt hatten, war plötzlich nicht mehr vorhanden. Der Tod, der mächtigste Feind des Menschen hatte auch ihren göttlichen Retter eingeholt. Jetzt hatten sie weder eine gesicherte Existenz, noch eine Hoffnung auf Rettung. Mit Jesus ging alles, was den christlichen Glauben ausmacht, ins Grab. Denn alle Hoffnungen und Versprechen, von denen er sprach, sind untrennbar mit seiner Person verbunden. Er sagte nicht: „Ihr könnt ewiges Leben bekommen“, sondern „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ [52] Er sagte nicht: „Ich erzähle vom Licht der Welt“, sondern „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht in der Finsternis leben, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ [53] Er sagte nicht: „Ich zeige euch die Tür“, sondern „Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden.“ [54] Mit Jesus starb auch seine Rettung. Der Tod schien seine göttlichen Ansprüche widerlegt zu haben. Mit seinem Tod gab es keine Grundlage mehr für die Entstehung des Christentums, denn warum sollte man zu einem Toten beten?

Trotzdem sind die Jünger kurze Zeit später in alle Himmelsrichtungen ausgeschwärmt, und haben dynamisch von Jesus erzählt, bis schließlich im ganzen Mittelmeerraum Millionen von Menschen zu Christen wurden. Wie kam es zu der plötzlichen Wandlung? Woher nahm eine Handvoll mittelloser ungebildeter Leute die Kraft, die ganze damals bekannte Welt zu erreichen und zu verändern, obwohl kurz zuvor derjenige, an dem sie alle Hoffnung festmachten, gestorben war? Wieso nahmen sie dafür Spott, Schläge, Verfolgung, Gefängnis und sogar Tod in Kauf? Für einen Retter, der sie enttäuscht und betrogen hatte? Hatten sie den Verstand verloren? Wieso waren sie dann so überzeugend?

Sie taten es, weil Jesus wieder auferstanden ist. Nachdem er starb, als tot begutachtet wurde, begraben und bewacht wurde, wurde er nach drei Tagen wieder lebendig. Anfangs zweifelten sie noch, doch nach einer persönlichen Begegnung mit ihm stand für die Jünger fest: Jesus ist auferstanden! Der Tod ist besiegt! [55]
Weil sie ihn mit eigenen Augen sahen, konnten sie nicht mehr anders, als davon zu reden und die frohe Botschaft in die ganze Welt zu tragen. Die Botschaft, dass es Rettung gibt, weil der Retter lebt. Mit Jesus ist auch die bei seinem Tod verloren geglaubte Hoffnung wieder auferstanden. In ihm ist das neue Leben, das Licht der Welt und die Tür zur Rettung wieder auferstanden. Weil die Jünger Jesus wieder lebendig und später in den Himmel auffahren sahen, begannen sie zu verstehen: Das Handeln von Jesus hat am Kreuz nicht aufgehört, sondern dort erst richtig angefangen.

Zugegeben, es ist für uns heute schwer zu glauben, dass Jesus aus den Toten auferstanden ist. Auferstehungen passieren nicht. Diese Beobachtung hat sich millionenfach bestätigt. Doch auch die Jünger damals waren nicht dumm. Auch sie wussten, dass Tote nicht einfach auferstehen. Die Auferstehung war kein natürliches Ereignis. Es handelte sich um ein übernatürliches Handeln Gottes, der seine Macht demonstrierte. Seine Macht, die größer ist als der Tod. Jesus hatte sich endgültig als der Retter bewiesen. Und mit ihm sind auch seine Aussagen über Leben und Tod, über Rettung und Gericht auferstanden. Sein Versprechen, zu jeder Zeit der Geschichte einzugreifen, ist mit ihm auferstanden. Ein Toter kann weder handeln, noch helfen. Doch der auferstandene Jesus sorgt nun für das Eintreffen seiner Zusagen.

An der Auferstehung hängt der christliche Glaube, weil es der Glaube an den lebendigen Christus ist. Paulus schrieb dazu später in der Bibel, dass wenn Jesus nicht auferweckt worden ist, dann wäre der Glaube an ihn nichtig. Dann wären seine Nachfolger die Elendsten und Betrogendsten von allen [56]. Für die Jünger war diese Frage unzweifelhaft geklärt, weil sie Jesus mit eigenen Augen erst tot und dann unerwarteterweise wieder lebendig gesehen hatten. Sie setzten hoffnungsfroh ihr Leben aufs Spiel, um möglichst viele Menschen an der befreienden Botschaft teilhaben zu lassen.

Schlusswort

Trotz zahlreicher Erfindungen, wechselnder Philosophien und Gesellschaftssysteme sind die grundlegenden Zwänge und Probleme des Menschseins seit damals gleich geblieben. Damals wie heute stellt sich jedem die existentielle Frage, ob man geliebt oder einsam ist. Damals wie heute zersetzt eine scheinbar nicht zu bändigende Ruhm-, Macht- und Eigensucht das Zusammenleben. Damals wie heute hängt die Lebensqualität weniger von Wissen und materiellem Wohlstand als von einem zufriedenen Herzen ab. Und schließlich thront der Tod damals wie heute als Herrscher über unserem kurzen Leben und lässt es zur Nichtigkeit schrumpfen. Zu einem Hauch, der kurz da ist, um dann wieder zu verschwinden. Jesus hat all das besiegt. Er hat seine Liebe zu uns gezeigt, indem er für unsere Sünde am Kreuz starb. Er besiegt die destruktive Eigensucht, weil er das egoistische Herz jedes gehorsamen Gläubigen verändert. Er besiegt die Unzufriedenheit, weil in der Beziehung zu ihm eine überraschende neue Lebensqualität liegt. [57] Und schließlich hat er durch die Auferstehung den Tod besiegt. Durch ihn bekommt jeder Glaubende ewiges Leben.

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80336 München

Manche fühlen sich hilflos bezüglich der Frage, was von Jesus zu halten sei. Es empfiehlt sich, Gott um Klarheit zu bitten. Gott ist ein eingreifender Gott, der einem Wahrheiten und Zusammenhänge deutlich machen kann.

Als Christ ist es gut, seinen Glauben mit anderen Christen zu teilen. Es gibt verschiedenste Gemeinden und Gruppen, in denen man sich gegenseitig austauschen kann. Wichtig dabei ist, ob dort Jesus und die Bibel im Mittelpunkt stehen.

Für Fragen und Anregungen stehe ich gerne zur Verfügung:
D.Koenig-Meier@gmx.de
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Quellen

[1] Lennox, John, Hat die Wissenschaft Gott begraben?, Wuppertal, R. Brockhaus, 2002.
[2] Bibel, Sprüche 7,4
[3] Bibel, u.a. Röm. 11,36, Kol. 1,16-20, Joh. 1, 1. Mose 1
[4] Simon, L., Leisenberg, W., Wissenschaft contra Gott?, Holzgerlingen, Hänssler, 2007.
[5] Dürr, Hans-Peter, Planck, Max, Physik und Transzendenz, München, Scherz, 1986.
[6] McDowell, Josh, Die Tatsache der Auferstehung, Bielefeld, CLV, 2005.
[7] Weizenbaum, Joseph, Künstliche Intelligenz – Vision und Wirklichkeit, Technische Universität München, Vortrag, 10.05.2007.
[8] SPIEGEL ONLINE, Studien über Gefahren der Handystrahlung gefälscht, http://www.spiegel.de/netzwelt/mobil/0,1518,555130,00.html, 24.05.2008.
[9] SPIEGEL ONLINE, Klon-Star Hwang hat Studie komplett gefälscht, http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,392622,00.html, 29.12.2005.
[10] McGrath, Alister, Der Atheismus-Wahn, Asslar, Gerth Medien, 2007.
[11] Dawkins, Richard, Der Gotteswahn, Berlin, Ullstein, 2007.
[12] Junker, R., Scherer, S., Evolution – Ein kritisches Lehrbuch, Gießen, Weyel, 2006.
[13] Schaeffer, Francis, Wie können wir denn leben?, Holzgerlingen, Hänssler, 1985.
[14] Nestvogel, Wolfgang, Evangelisation in der Postmoderne, Bielefeld, CLV, 2004.
[15] Feuerbach, Ludwig, Das Wesen des Christentums, Stuttgart, Reclam, 1994.
[16] Heitsch, Ernst, Xenophanes. Die Fragmente, München/Zürich, Artemis, 1983.
[17] Bibel, Apg. 17,28, Tit. 1,12, 1. Kor. 15,33
[18] Bell, John Stewart, Speakable and Unspeakable in Quantum Mechanics, Cambridge University Press, 1988.
[19] Passon, Oliver, Bohmsche Mechanik, Frankfurt a. M., Verlag Harri Deutsch, 2004.
[20] Dawkins, Richard, Selfish Gene, Oxford University Press, 2006.
[21] Dawkins, Richard, River Out Of Eden, Basic Books, 1996.
[22] Dawkins, Richard, Lennox, John, The God Delusion Debate, http://www.dawkinslennoxdebate.com, Birmingham/Alabama, Alys Stephens Center, Podiumsdiskussion, 03.10.2007.
[23] Oppenheimer, J. R., On Science and Culture, Encounter, Oktober 1962.
[24] Whitehead, A. N., Science and the Modern World, Harvard University Lowell Lectures, 1925.
[25] Needham, Joseph, The Grand Titration: Science and Society in East and West, Buffalo, N. Y., University of Toronto Press, 1970.
[26] Rosa, Hartmut, Im Wirbel der Beschleunigungsspirale, Spektrum der Wissenschaft, Februar 2008.
[27] Bolz, Norbert, Die Religion des Letzten Menschen, Merkur, Nr. 700, August/September 2007.
[28] Diels, Hermann, Kranz, Walther, Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch, Berlin, Weidmann, 1956.
[29] Bibel, 5. Mose. 4,29
[30] Bibel, Röm. 2,24
[31] Bibel, 2. Tim. 3,16, Matt. 5,18, Luk. 24,44
[32] McDowell, J., Wilson, B., Jesus von Nazareth – Tatsachen und Argumente für die Wahrheit der Evangelien, Neuhausen/Stuttgart, Hänssler, 1995.
[33] Bibel, Mar. 12,30
[34] Bibel, u.a. Heb. 9,27, Apg. 17,31, Matt. 5,6, Joh 5,30; 17,25, Dan. 9,14, Psalm 11,7, Röm. 1-3
[35] Bibel, Röm. 3,23
[36] Bibel, u.a. Joh. 3,36, Heb 9,27; 10,30+31, Off. 18
[37] Bibel, u.a. Joh. 1,1-5+14, Joh. 5,18-23, Joh. 10,11 und 30-33, Joh. 12,44-46, Röm. 9,5, Phil. 2,6-7, Kol. 1,13-17, Kol. 2,9, Tit. 2,13, 1. Joh. 5,20, Math. 23,37, Math. 24,35
[38] Bibel, u.a. Röm. 3,10-31, Math. 20,28, Joh. 3,16, Jes. 53
[39] Bibel, Heb. 10,10
[40] Bibel, Matt. 20,27-28
[41] Bibel, Joh. 14,6
[42] Bibel, Joh. 5,24
[43] Bibel, Joh. 3,16
[44] Bibel, Jes. 59,1-2
[45] Bibel, Matt. 8,12; 22,13
[46] Bibel, Matt. 18,8; 25,41
[47] Bibel, Hes. 18,32
[48] Bibel, Luk. 13, 23-30
[49] Bibel, u.a. Röm. 8,35-39, 1. Joh. 5,13, Eph. 1,13+14, Phil. 1,6, Joh. 3,18
[50] Bibel, u.a. Mich. 5,1, 1. Chr. 17,11-14, 5. Mose 18,18+19, Jes. 7,14; 9,5-7; 35,4-10; 40,3-5; 53, Sach. 9,9
[51] Bibel, Luk. 9,23-25
[52] Bibel, Joh. 11,25
[53] Bibel, Joh. 8,12
[54] Bibel, Joh. 10,9
[55] Bibel, Luk. 24, Matt. 28, Mar. 16, Joh. 20+21
[56] Bibel, 1. Kor. 15,17-19
[57] Bibel, Joh. 10,10, Joh. 4,13-14

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77. Die Hütte – Kommentar 2

Freitag, 19. Februar 2010 | Autor:

Woher kommt dein Bild von Gott?

(mit Bezug zum Roman „Die Hütte“)

Hartwig Henkel

Unser Bild von Gott ist entscheidend für die Art der Beziehung, die wir zu Ihm entwickeln. Unser Bild von Gott bestimmt unser ganzes Leben! Das ist eine grundlegende Wahrheit aus der Bibel, die wir beachten müssen. Das soll mit einigen Aussagen der Schrift belegt werden:

Im Gleichnis von den Talenten ist die Passivität des dritten Knechtes eine direkte Folge seines falschen Bildes von seinem Herrn. Der Knecht sagt zum Herrn: „Ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist: du nimmst, was du nicht hingelegt, und du erntest, was du nicht gesät hast. „(Lu 19:21) Sein verkehrtes, negatives Bild von seinem Herrn erzeugte in ihm Furcht, und die führte zu Passivität. Das Gegenteil von Furcht und Misstrauen ist Vertrauen. Echtes Vertrauen zum Herrn entsteht, wenn das Wort Gottes uns Sein Herz, Seine Absichten und Motive offenbart. Die Wahrheit über Gottes Wesen soll in uns ganz lebendig sein. Das Wort Gottes, das durch den Heiligen Geist und unseren Fleiß in unserem Herzen Wohnung nimmt, hat allein die Kraft, das tief sitzende Misstrauen gegen Gott aufzulösen und stattdessen Vertrauen wachsen zu lassen. Auf dich vertrauen, die deinen Namen kennen; denn du hast nicht verlassen, die dich suchen, HERR. Ps 9,11 Jesus offenbarte den Namen Gottes und hat uns versprochen, dass Er fortfahren wird, das zu tun.
(Joh 17,26) Wir können und sollen das Wesen Gottes kennen lernen. Die Folge dieser Offenbarung Seines Wesens ist die Erfahrung der Liebe Gottes. Dass die Begegnung mit dem Herrn heilsame Gefühle freisetzt, finden wir auch in folgender Schriftstelle bestätigt:

Ich aber, ich werde dein Angesicht schauen in Gerechtigkeit, werde gesättigt werden, wenn ich erwache, mit deinem Bild. Ps 17,15 Die persönliche Erfahrung der Liebe Gottes führt auch zu Opferbereitschaft und Ausdauer. Von John Piper gibt es folgendes Zitat: “Wenn man mehr in Gott als in Wohlstand oder Menschenlob Zufriedenheit findet, wird man bereit, um Christi willen verfolgt zu werden.” (John Piper „Wenn die Freude nicht mehr da ist“ Seite 139) In Kapitel 8 des Römerbriefes zählt Paulus die enormen Schwierigkeiten der ersten Gläubigen auf, die sie wegen ihres Glaubens an Jesus von Nazareth als den Christus hatten:

Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Röm 8,35 Und dann folgt ein gewaltiges ABER! Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat. (V37) Im nächsten Vers gibt Paulus uns die Begründung, wie die Gläubigen zu solch einer tiefen Hingabe und Bereitschaft fähig waren, um der Wahrheit des anstößigen Evangeliums willens zu leiden. Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Mächte, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Röm 8,37-39

Der Heilige Geist will in uns eine ganz tiefe Überzeugung wachsen lassen, dass wir in allen Situationen in den liebenden Armen des himmlischen Vaters geborgen sind. Weil die echte Erkenntnis des Wesens Gottes so weit reichende Folgen hat, versucht der Teufel alles, um diese Erkenntnis zu verhindern. Satan will nicht, dass Menschen Gott erkennen, so wie Er wirklich ist. Er ist eifersüchtig auf Menschen, die zu dieser vertrauten Beziehung vom himmlischen Vater eingeladen sind und gönnt es ihnen nicht. Er will so viele Menschen wie möglich dazu verführen, sein furchtbares Schicksal in der nie endenden Qual des Feuersees zu teilen. Paulus schreibt von „den Ungläubigen, bei denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, damit sie den Lichtglanz des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus, der Gottes Bild ist, nicht sehen.“ (2.Kor 4,4) Wer das herrliche Angebot Gottes nicht sieht, bleibt verloren. Satan weiß auch ganz genau, dass Gläubige mit einer solchen Gewissheit, Sicherheit und Unerschütterlichkeit für ihn sehr gefährlich sind. Gegen Gläubige, die Ihren Gott mehr lieben als ihr eigenes Leben, kann der Teufel nichts ausrichten, weil er keine Waffen hat, die sie fürchten würden. Also will er auch Gläubige von der wahren Erkenntnis Gottes abhalten. Wie macht er das? Indem er ihnen Lügen über Gott vorhält. Lügen haben die Kraft zu binden und zu versklaven. Paulus beschriebt unseren Kampf gegen die Lügen des Feindes:

…denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig für Gott zur Zerstörung von Festungen; so zerstören wir Vernünfteleien und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi … 2.Kor 10, 4-5 Der Teufel baut im Bereich der Gedanken Höhen auf, die sich erheben gegen die Erkenntnis Gottes, das heißt sie verhindern, dass wir Gott sehen, wie Er wirklich ist. Und das tut er zur Zeit noch sehr erfolgreich. Wie viele an Jesus Gläubige gibt es zum Beispiel, die meinen, sie glauben an die Bibel als das Wort Gottes und sind doch davon überzeugt, dass ihnen Krankheit von Gott geschickt wird oder dass die Kraft des Heiligen Geistes nicht mehr für die heutige Zeit zur Verfügung stünde! Woher kommt diese Überzeugung? Sie glauben dem Wort von Menschen mehr als dem Wort Gottes. Sie haben Lügen über Gott gehört und angenommen. All die vielen Berichte in den Evangelien über den Heilungsdienst Jesu und Sein stellvertretendes Leiden und Sterben sagen ihnen nichts, weil sie dem Wort von Menschen mehr glauben als dem Wort ihres Retters. Je nach Art der Gedanken über Gott, die wir annehmen, entstehen in uns Zweifel und Misstrauen oder Glaube und Zuversicht. Die wahre Erkenntnis des Wesens Gottes bewirkt auch Ehrfurcht und Respekt vor Gott. Der Mangel an Ehrfurcht vor Gott ist eines der größten Probleme der heutigen Christenheit. Weil unser Gott das Böse hasst (Heb 1,9 und viele andere Schriftstellen), sollen wir ebenfalls das Böse hassen. (Ps.97,10 und Röm 12,9) Die Offenbarung des Wesens Gottes durch Sein Wort und den Heiligen Geist wird in uns diesen Hass auf das Böse hervorbringen. Das nennt die Bibel die Furcht des Herrn, eine Kraft in unserem Herzen, durch die wir vom Bösen weichen. (Spr 16,6 b) Diese Kraft der Erkenntnis Gottes kommt auch in folgender Prophetie über das Tausendjährige Reich zum Ausdruck:

Man wird nichts Böses tun noch verderblich handeln auf meinem ganzen heiligen Berg. Denn das Land wird voll von Erkenntnis des HERRN sein, wie von Wassern, die das Meer bedecken. Jes 11,9 Paulus spricht in 2.Kor 11,2- 4 vom Angriff des Teufels auf unsere Haltung der Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Geradheit gegenüber Christus. Der Teufel hat es also nicht auf unseren Glauben an sich abgesehen, sondern auf die Art, WIE wir dem Herrn glauben. Was Satan gefährlich wird, ist eine aufrichtige Haltung Christus gegenüber. Diejenigen, die den Namen des Herrn nicht verleugnen, sind die, die Sein Wort bewahren. (Off 3,8). Satan fürchtet nichts mehr als Gläubige, die das Wort Gottes festhalten und als Wahrheit verkündigen. Deshalb versucht er, Gläubige abzubringen von einer Haltung der Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Geradheit gegenüber Christus. Dieses Werk der Verführung geschieht durch die Verkündigung eines anderen Jesus und eines anderen Evangeliums. Wer diese verkehrten Botschaften annimmt, empfängt einen anderen Geist. Paulus prophezeite über eine bedeutende Bewegung unter den Nachfolgern Jesu in der Endzeit, in der Gläubige durch Lehren von Dämonen vom Glauben abfallen werden. (1.Ti 4,1). Dieser Abfall würde so bedeutend sein, dass Paulus ihn sogar als ein wesentliches Zeichen für die nahe Wiederkunft Jesu bezeichnete. (2.Th 2,3) Eine nähere Beschreibung dieser Endzeit-Bewegung gibt er im 2. Timotheus-Brief:

Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre! Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden. 2.Ti 4,2-4 Das griechische Wort für Fabeln bedeutet  erfundene oder erdichtete Begebenheiten oder Geschichten , Märchen, Legenden, Sagen und fantasievolle Geschichten. In anderen Briefen kommt Paulus ebenfalls auf die Bedeutung von Fabeln zu sprechen:

Dieses Zeugnis ist wahr. Aus diesem Grund weise sie streng zurecht, damit sie im Glauben gesund seien und nicht auf jüdische Fabeln und Gebote von Menschen achten, die sich von der Wahrheit abwenden! Tit 1,13-14 Das Entscheidende hier ist, das es sich um Geschichten und Gebote von Menschen handelt, die sich in ihrem Inhalt von der Wahrheit abwenden. Die Wahrheit des Wortes Gottes ist der Maßstab. Fabeln bringen auch Streitfragen auf und sind in keiner Weise für den Glauben förderlich. So wie ich dich bat, als ich nach Mazedonien abreiste, in Ephesus zu bleiben, damit du einigen Weisung erteilen solltest, nichts anderes zu lehren noch mit Fabeln und endlosen Geschlechtsregistern sich abzugeben, die mehr Streitfragen hervorbringen, als sie den Verwalterdienst Gottes fördern, der im Glauben geschieht. 1.Ti 1,3-4 Nachdem wir uns die Bedeutung unseres Gottesbildes vor Augen geführt haben, wenden wir uns nun der entscheidenden Frage nach der Quelle unseres Bildes von Gott zu. Woher beziehst du dein Gottesbild? Aus deiner frommen Erziehung? Aus charismatischen Visionen, Träumen, Prophetien? Angeblichen Offenbarungen der Maria? Den Medien? Wort zum Sonntag? Romanen, wie z.B. Goethes Faust (Wer ewig strebend sich bemüht, den können wir erlösen) oder, wie jetzt gerade aktuell, aus dem Roman „Die Hütte“? Oder entnimmst du dein Gottesbild aus der einzig zuverlässigen Quelle, dem ewigen Wort Gottes? Zur Erinnerung hier einige Schriftstellen, welche die Kraft der Wahrheit betonen:

Heilige sie durch die Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. Joh 17,17 Jesus sprach nun zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird uns freimachen. Joh 8,31-32
…und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet. 2.Ti 3,15-17 Alle Gläubigen nehmen für sich in Anspruch, der Bibel zu glauben. Aber wer wirklich dem Wort der Wahrheit hingegeben ist, wird sich auch in eindeutiger Weise von jeder Botschaft, die der Bibel widerspricht, distanzieren. Wir können nicht zur Wahrheit stehen, ohne zugleich die Lüge als Lüge zu bezeichnen und entsprechend zu behandeln. Oder ist der Gott der Bibel tolerant gegenüber Lügen? Ist es Ihm egal, was wir von Ihm glauben, Hauptsache, wir glauben überhaupt an Ihn? Wie muss es sich für unseren Gott anfühlen, wenn Seine Kinder, die Ihn angeblich lieben, Ihm Worte der Lüge in den Mund legen, die Er nie gesagt hat und nie sagen würde? Gott hat durch die Propheten geredet und sich offenbart durch Seinen Sohn Jesus Christus. Alle theologischen Aussagen müssen sich darin für immer messen! Nachdem Gott vor Zeiten manchmal und auf mancherlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er zum Erben von allem eingesetzt, durch welchen er auch die Weltzeiten gemacht hat; welcher, da er die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens ist und alle Dinge trägt mit dem Wort seiner Kraft, und nachdem er die Reinigung unserer Sünden durch sich selbst vollbracht, sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat, Heb 1,1-3 Jesus sagte auch: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“

Nun wollen wir uns einige populäre Lügen über Gott anschauen, wie man sie in moderner religiöser Literatur und in der Esoterik des so genannten New Age finden kann:

Lüge Nr. 1:

Es gibt viele Wege des Heils. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Zur Zeit ist bei vielen Christen der Roman „Die Hütte“ überaus populär. Der Autor William Young wirbt auf seiner Website für seinen Roman mit der Zeile “Gott, wie Sie ihn nie zuvor gesehen haben”. Er erhebt den Anspruch, „ein akkurates
Bild vom Wesen und Charakter Gottes“ zu zeichnen, (siehe Nachwort des Autors auf Seite 301). In diesem Buch finden sich erstaunliche Aussagen, die der Bibel entgegengesetzt sind. Am Anfang erzählt Mack seinen Kindern eine
Indianer-Legende von einer Häuptlingstochter, die sich für ihr Volk opfert, um es von einer Krankheit zu retten. „Nachdem sie gebetet und sich dem Großen Geist überantwortet hatte, erfüllte sie die Prophezeiung und stürzte sich ohne Zögern in den Tod.“ Macks Tochter Missy fragt: „Ist der große Geist ein anderer Name für Gott – du weißt schon, den Papa von Jesus?“ Die  Antwort von Mack: „Das will ich meinen.“ (Seite 36) Später spricht der „Hütten-Jesus“ zu Mack: „Ich bin der beste Weg, wie die Menschen zu Papa und Sarayu in Beziehung treten können.“ (Seite 125)
Aber Jesus hat in Wahrheit nicht gesagt, dass er beste Weg sei, sondern der einzige! Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Joh 14,6 Diesen absoluten Anspruch Jesu haben die Apostel geglaubt und unerschrocken verkündet: Und es ist in keinem anderen das Heil; denn auch kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden müssen. Apg 4,12

Lüge Nr. 2:

In der Hütte sagt der „Heilige Geist“: Ich habe eine große Vorliebe für Unbestimmtheit (engl. Uncertainty = Unklarheit, Zweifelhaftigkeit, Unsicherheit, Unwägbarkeit.) Das trifft zwar an vielen Stellen für Youngs Aussagen in dem Roman zu, nicht aber für den Heiligen Geist, wie die Bibel Ihn beschreibt.

In Seiner Liebe nimmt Gott alle Menschen an und sieht sie als Seine Kinder. Er gibt Gnade für alle. So liest man zum Beispiel auf der Website der Fokular-Bewegung: „Alle Menschen sind Kinder Gottes.“ Obwohl es in dem Roman keinen Hinweis auf eine Bekehrung des Mörders von Macks Tochter gibt, erklärt „Gott“: „Er ist mein Sohn. Ich möchte ihn erlösen“ (Seite 259)

 

In der Bibel sehen wir ganz klar, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes sind, aber nur diejenigen Kinder Gottes genannt werden, die Jesus aufnehmen. (Joh 1,12) Nur die Erlösten sind Kinder Gottes. Gott gibt Seine Gnade Dem Demütigen, aber dem Stolzen widersteht Er.

Lüge Nr. 3:

Wegen Seiner großen Liebe hat Gott keinerlei Forderungen an die Menschen. Denn Gebote und Forderungen sind Druck und Gott ist doch Liebe.

Später spricht der „Hütten Jesus“ zu Mack:  Ich  Zitate „Die Hütte“: „Lieben wir deshalb Gesetze und Vorschriften so sehr – weil sie uns eine gewisse Kontrolle über das Leben geben?“, fragte Mack. „Es ist noch viel schlimmer“, sagte Sarayu. „Gesetze verleihen euch die Macht, über andere zu urteilen und euch ihnen überlegen zu fühlen. Ihr glaubt, ein rechtschaffeneres Leben zu führen als jene, die ihr verurteilt. Regeln aufzustellen, besonders in der subtileren Form von Verantwortung und Erwartung, ist ein vergeblicher Versuch, Sicherheit aus Unsicherheit zu erzeugen. Und ganz im Gegensatz zu dem Bild, das ihr euch von mir macht, liebe ich die Unsicherheit. Regeln und Gebote können euch keine Freiheit geben. Sie haben nur die Macht, anzuklagen und zu verurteilen.“ „Augenblick mal!“ Mack wurde plötzlich klar, was Sarayu da gesagt hatte. „Soll das heißen, dass Verantwortung und Erwartung auch nur eine Form von Regeln sind und dass wir durch Jesus von ihnen befreit sind? Habe ich das richtig verstanden?“ „Stimmt genau“, sagte Papa. (Seite 235) Mack fragt: “Willst du damit sagen, dass ihr überhaupt keine Erwartungen an mich habt?“ Darauf antwortet Gott: „Mein Liebling, ich habe niemals  irgendwas von dir oder einem anderen Menschen erwartet.“ (Seite 238)

Der Gott der Bibel hat sehr wohl Forderungen und Erwartungen an die Menschen: Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, daß sie alle überall Buße tun sollen, Apg 17,30
Es ist verkehrt und sündhaft, nicht an Jesus zu glauben! (Joh 16,9)

Lüge Nr. 4:

Weil Gott Liebe ist, wird Er auch keine Menschen bestrafen. Zitat „Die Hütte“:
„Ich brauche die Menschen nicht für ihre Sünden zu bestrafen. Die Sünde trägt ihre eigene Strafe in sich“ (Seite136).

Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wegen des Vergehens seines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Jes 53,5 + 8 b sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, 2.Th 1,9 Wieviel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? Hebr. 10,29 wie [auch] Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die in gleicher Weise wie sie Unzucht trieben und hinter fremdem Fleisch herliefen, als ein Beispiel vorliegen, indem sie die Strafe des ewigen Feuers erleiden. Judas 1,7 der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber aufzubewahren für den Tag des Gerichts, wenn sie bestraft werden; 2.Pet 2,9 der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel her mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer. Dabei übt er Vergeltung an denen, die Gott nicht kennen, und an denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus nicht gehorchen; sie werden Strafe leiden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, 2.Th 1,7b-9

Im Roman „Die Hütte“ fehlt der Bezug zur Bibel als Wort Gottes Wort und ewig unveränderlicher und gültiger Maßstab, an dem jede Aussage über Gott gemessen werden muss. Stattdessen wird die Bedeutung der Bibel relativiert, denn Gott zeigt sich angeblich genauso gut auch durch Begegnung mit Kunst, der Natur oder einem Menschen. Mit diesen schwerwiegenden Fehlern und Schwächen erweist sich der Roman „Die Hütte“ keineswegs als eine Botschaft, die ein akkurates Bild von Gott zeichnet. Seine Ideen eines beliebigen Glaubens liegen voll im Trend der Zeit. Alle biblischen Aussagen, die für die stolze und rebellische menschliche Natur anstößig sind, werden weggelassen.

Der Skandal des Kreuzes wird dem Leser erspart. Man wird durch das Buch ermutigt, sich sein eigenes Bild von Gott zu machen. Der „Hütten-Gott“, der dem Menschen die Konfrontation mit seiner Verdorbenheit und Bosheit erspart, kann zwar trösten, beruhigen und schöne Gefühle erzeugen, aber nicht zur Umkehr und damit zur Rettung bringen.

DIE großen Fragen in der Endzeit, mit denen wir uns JETZT beschäftigen müssen, lauten:
Wer ist Jesus Christus? Was ist das wahre Evangelium?
Was bedeutet Sein Leiden, Sterben und Seine Auferstehung für uns?
Was bietet Er mir an und was erwartet Er von mir?

Schluß
Wir müssen jede Botschaft über Gott, ob von Goethe oder aus dem Roman „Die Hütte“ oder irgendeiner anderen Quelle sorgfältig prüfen, und zwar an der Heiligen Schrift, nicht unserem Gefühl.
Ganz gleich, wie sehr uns die Botschaft gefühlsmäßig angesprochen oder geärgert und empört hat! Gottes Wort unser Maßstab. Nur wenn wir das Wort übernehmen, können wir überhaupt den Willen Gottes erkennen. (Röm 12,2). Wer also das Wort Gottes als absolute Wahrheit verwirft, bleibt in der
Dunkelheit und Verwirrung, weil Gott dem Stolzen, der Wahrheit selbst definieren will, widersteht!
Nehmen wir das Wort an, geben wir uns dem Wort hin und beten wir Gott an über dem Wort! Nur so werden wir ausgerüstet, den endzeitlichen Verführungen zu widerstehen.

Die Antworten auf diese Fragen entscheiden, welchen Weg jeder von uns gehen wird.

Autor: Hartwig Henkel

Schlußbemerkung von mir:

Ich habe mir eine Vorlesung zu diesem Buch angehört, und am Ende auf die Lügen hingewiesen. Was mich erschüttert und gleichzeitig traurig gemacht hat, war die Aussage, dass das doch nur Wortglaubereien sind. So verkleidet, kommt die Verführung im 21.Jahrhundert daher.

Eine ähnliche Botschaft wie in diesem Artikel gibt es als kostenlosen Download unter Zwickau.

Thema: "Christliche", Buch Betrachtungen | 10 Kommentare

76. Die Hütte – Kommentar 1

Dienstag, 16. Februar 2010 | Autor:

„Die Hütte“ – „Das beste Buch über Gott seit der Bibel“?
Wolfgang Bühne

Eine kritische Rezension
Der amerikanische Bestseller „Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott“ von William Paul Young (seit über einem Jahr in der Bestseller-Liste der New York Times), ist in den USA mehr als 6,5 Millionen Mal verkauft worden und stürmt seit Juni 2009 nun auch die Bestseller-Listen in Deutschland, nachdem es im Verlag Allegria (Ullstein-Gruppe) erschienen ist und durch den Verlag „GerthMedien“ im evangelikalen Bereich verbreitet und vermarktet wird.
Bereits wenige Wochen nach dem Erscheinen gab es begeisterte Reaktionen. Viele Leser schreiben, das durch dieses Buch ihr „Gottesbild positiv verändert“ und die „Beziehung zu Gott (´Papa´) vertieft“ wurde. Andere seien durch die Lektüre „unglaublich berührt worden“ oder bekennen, dass ihr „spirituelles Leben völlig verändert“ wurde. Der amerikanische Theologe Peterson urteilt sogar, dass „dieses Buch für unsere Generation das ist, was Bunyans ´Pilgerreise´ für dessen Generation war“. Der ansonsten eher esoterische Verlag Allegria wirbt für seinen Bestseller mit dem Prädikat: „Das beste Buch über Gott seit der Bibel!“
Der Autor
Der Kanadier William Paul Young stellt sich im Anhang und Klappentext des Buches als Sohn von Missionaren in Papua-Neuguinea vor, der in seiner Kindheit sexuell missbraucht wurde und in seiner Jugend „mit Lügen, zwanghaftem Perfektionismus und allgegenwärtiger Scham“ (S.292) belastet war. Später „arbeitete er viele Jahre als Büroangestellter und als Nachtportier im Hotel“ und war „viele Jahre Mitarbeiter in einer christlichen Gemeinde. Mit seiner Frau Kim und seinen sechs Kindern lebt er in Happy Valley im US-Bundesstaat Oregon“ – so der Klappentext.
Er schreibt über sich selbst, dass er sich auf einem „schmalen Grat zwischen Selbstmord und Flucht bewegte – das alles versteckt unter einer Maske aus äußerer Anpassung, Spiritualität und Gesundheit“. Sein Lebenszug sei 1994 entgleist – „mit verheerenden Resultaten“(S. 292). Im Jahr 2005, als er 50 Jahre alt wurde, hätte Gott zu „seinem Herzen geflüstert“, dass dieses Jahr ein Jahr der „Heilung und Aussöhnung“ sein würde, wo Gott sein Leben „so wiederherstellen würde, wie es ursprünglich geplant war“ (S. 293). In diese Zeit fällt sein Entschluss, dieses Buch zu schreiben, in dem der Autor viele eigene Erlebnisse und Erfahrungen verarbeitet hat.

Entstehung und Zielsetzung des Buches


In den folgenden Monaten reifte der Vorsatz, seinen Kindern zu Weihnachten als Geschenk einen Roman zu schreiben – um ihnen eine „Geschichte zu erzählen, die ihnen Freude machte und durch die sie ihren Vater besser verstehen würden, und den Gott, den ihr Vater so sehr liebt“ (S. 295).
Das Manuskript wurde also zunächst nicht geschrieben, um einmal als Buch verlegt zu werden. Nachdem es aber einige Freunde gelesen hatten und davon begeistert waren, wurde es von „drei Brüdern im Geist“, die Erfahrung mit Medien hatten, redigiert und erweitert. Es sollte zunächst als Buch erscheinen, allerdings mit dem ausdrücklichen Ziel, Interesse für einen geplanten Kino- Film zu wecken, um damit „eine Welt hungriger Herzen zu erreichen“ (S. 292).
Da sich aber kein Verlag fand, der bereit war, dieses Buch ohne Abstriche zu veröffentlichen, gründete man 2007 einen eigenen Verlag, der „Die Hütte“ als erstes Buch herausgab.

Laut Verlagsangabe wurde das Buch „nur durch Mundpropaganda, Empfehlungen und Internetforen zum meistverkauften amerikanischen Bestseller 2008“, das inzwischen in viele andere Sprachen übersetzt und in über 25 Ländern verbreitet wurde.

Mit dem Erlös dieses Buches soll – wie erwähnt – ein „abendfüllender Film“ gedreht werden, „der weltweit ein großes Publikum erreicht und ein akkurates Bild vom Wesen und Charakter Gottes zeichnet, für eine Menschheit, die sich aus tiefsten Herzen nach einem solchen Gott sehnt“ (S. S. 301).

Geistige und geistliche Hintergründe

In seiner „Danksagung“ am Ende des Buches bekennt der Autor, dass er viele Anregungen „von einigen längst verstorbenen Herrschaften wie Jacques Ellul, George McDonald, A.W. Tozer, C.S. Lewis, Gibran, den Inklings und Sören Kierkegaard“ bekommen hat, sich aber auch lebenden Autoren und Rednern wie Ravi Zacharias, Wayne Jacobsen usw. zu Dank verpflichtet fühlt (S. 290).
Tatsächlich findet man in diesem Buch auch Zitate von Blaise Pascal, A.W. Tozer, Oswald Chambers usw., was darauf hindeutet, dass der Autor mit den Werken von Autoren vertraut ist, die man als konservativ, bibeltreu oder fundamentalistisch bezeichnen würde. Das wird manche Leser vielleicht verwirren, entspricht aber genau dem Inhalt des Romans, der ein Gemisch von sehr richtigen und biblischen Wahrheiten, wie auch von absolut gotteslästerlichen Vorstellungen vermittelt.

Interessant ist, dass Wayne Jacobsen, der Autor des in letzter Zeit vielgelesenen Buches „Der Schrei der Wildgänse“, großen Einfluss auf den Inhalt, die Bearbeitung und Verbreitung des Buches hatte. Für Young war Jacobsen „der einzige Autor, den ich kannte, der in einem meiner Geschichte verwandten Genre schrieb. Sein neuestes Buch ´Der Schrei der Wildgänse´ war ein paar Monate zuvor erschienen, und es gefiel mir sehr.“ (S. 296/297) Jacobsen ist einer der erwähnten „drei Brüder im Geist“ und wer sein Buch „Der Schrei der Wildgänse“ gelesen hat, wird viele seiner Ideen und seiner Gottes-Vorstellungen im Buch „Die Hütte“ wiederkennen.


Die Inhalt des Buches

Der erste, recht kurze Teil schildert mitreißend und emotional aufwühlend die Entführung von Macks jüngster Tochter „Missy“ während eines Familienausfluges. Ihre letzten Spuren hat man in einer verlassenen Schutzhütte tief in der Wildnis von Oregon gefunden, wo sich Hinweise finden, dass sie von einem Serienmörder ermordet wurde.
Vier Jahre später, mitten in der „großen Traurigkeit“, in der Mack mit Gott über den Verlust seiner Tochter hadert, erhält er eine rätselhafte Einladung von „Papa“ (Gott), der ihn für ein Wochenende in die besagte Hütte einlädt. Trotz aller Einwände seines Verstandes macht er sich auf den Weg und trifft dort persönlich „Gott“ (“Papa“) in der Gestalt einer „großen, dicken Afroamerikanerin“ (S. 94), die auch „Elousia“ genannt wird. Dann taucht eine „kleine, eindeutig asiatische Frau…mit melodiöser Stimme“ (S.95) auf, die sich „Sarayu“ nennt und den Heiligen Geist verkörpern soll und schließlich „Jesus“, der als gutmütiger, grinsender Handwerker dargestellt wird, der „Papa“ lachend als „Scherzkeks“ bezeichnet (S. 101).

Auf den folgenden fast 200 Seiten werden dann Begegnungen und Gespräche Macks mit der „Dreifaltigkeit“ geschildert, die ich teilweise als kitschig, blasphemisch und abstoßend empfand, so dass ich mich zum Weiterlesen zwingen musste und daher die begeisterten Reaktionen vieler Leser in keiner Weise nachvollziehen kann.
Spätestens ab dem 15ten Kapitel müsste jedem Bibelleser deutlich werden, dass man ein esoterisches Minenfeld betreten hat, wo sich Mack mit seinem verstorbenen Vater – zu Lebzeiten ein nach außen religiöser, aber ansonsten bösartiger Säufer, der zu Hause seine Frau verprügelt und Gott anschließend um Vergebung bittet (vgl. S. 10) – versöhnt und anschließend die ermordete kleine Missy nachträglich beerdigt wird und „Sarayu“ am Grab das Lied singt, dass Missy selbst für ihre Beerdigung geschrieben hat.

Warum man vor diesem Bestseller warnen muss!

1. Das Buch verstößt eindeutig gegen das zweite Gebot (2. Mo. 20,4 und 5. Mo. 4,23). Es vermittelt ein Bild von Gott, das eindeutig nicht mit der Heiligen Schrift – worin Gott sich selbst offenbart – übereinstimmt, sondern ist ein Produkt menschlicher Phantasie und humanistischer, esoterischer Vorstellungen. Und das ist Gotteslästerung, selbst wenn man dem Autor beste Motive zugesteht.
2. Das Buch wurde nach Aussagen des Autors nicht als unterhaltsamer Roman geschrieben, sondern mit der ausdrücklichen Absicht, ein „akkurates Bild vom Wesen und Charakter Gottes zu zeichnen“ (S. 301). Doch das Tragische ist, dass die vielen Leser in aller Welt hier ein völlig falsches Bild von Gott bekommen, bei welchem u.a. die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes ausgeblendet und damit die Leser getäuscht und betrogen werden. Der kumpelhafte „Papa“ dieses Buches entspricht nicht dem Gott der Bibel, „den kein Mensch sehen und leben kann“ (2. Mo. 33,20) und „vor dessen Angesicht die Erde entfliehen“ wird (Offb. 20,11).

3. Das Problem der Sünde, die Wirklichkeit der Hölle und der ewigen Verdammnis wird relativiert oder geleugnet. Es wird ein Wohlfühl-Evangelium suggeriert, das den Leser nicht zur Erkenntnis der eigenen Verlorenheit bringt und Jesus Christus nicht als Herrn unseres Lebens vorstellt.
Der Rezensent Daniel Hames urteilt sehr richtig: „Der dreieinige Gott wird zu einem … ´Verb´ gemacht, die Natur Christi wird zerteilt und sein Kreuzestod von jeder Bedeutung entleert. Das Heil hat folglich nichts mehr mit dem persönlichen Glauben an Jesus zu tun, sondern gilt automatisch allen Menschen.“
Winfried Kuhn, selbst Autor und Vertriebsleiter der Stiftung Christlicher Medien (Holzgerlingen) schreibt:

„Drei lustige oder abgedrehte Personen, die ein bisschen Seelenmassage betreiben, können doch die Wirklichkeit von Gottes Wesen nicht beschreiben. Worte wie Sünde, Gottes Gerechtigkeit, alles zentrale biblische Aussagen, bleiben fast unerwähnt oder werden weich gespült. Ja, selbst ewige Verlorenheit wird relativiert. Dieses Buch ist Wasser auf die Mühlen derer, die Gottes Gericht und große Teile der Bibel immer schon als Nikolaus-ähnliche Angstmache gesehen haben.“
„Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren, sich aber zu den Mythen hinwenden.“
Was uns nachdenklich, selbstkritisch und wachsam machen sollte…
Es scheint offensichtlich zu sein, dass der Autor in seinem Roman traumatische Erlebnisse verarbeitet hat, die er als Kind oder Jugendlicher in seinem evangelikalen Elternhaus oder Umfeld erlebte. Das verlogene Doppelleben, pharisäische Arroganz, abstoßende Unglaubwürdigkeit und das oft nur formale Christenleben ohne warmherzige Beziehung zu dem Erlöser scheint mir der Hintergrund dieses Buches zu sein. Immer wieder stößt man auf solche tragischen Zusammenhänge und die dadurch bedingte „Schlagseite“ als Reaktion. Und die begeisterten Reaktionen zahlloser Leser machen deutlich, dass leider genau dieses Zerrbild vom Christsein weit verbreitet ist und deshalb biblische Dogmatik, konsequente Nachfolge, verbindliches Gemeindeleben und die Anerkennung von Autoritätsstrukturen in Misskredit geraten sind.

Die beängstigende Frage taucht auf, ob die begeisterten Urteile vieler evangelikaler Leser ein Indiz dafür sind, dass auch der letzte Rest von Gottesfurcht unter uns Evangelikalen zu verschwinden droht und sich die mahnenden Worte aus 2. Tim. 4,3 buchstäblich erfüllt haben:

Deshalb wahrscheinlich auch die starke Betonung von Beziehungen, Liebe, „Papa-Gott“, Spiritualität, Intuition und Gefühlen, die in dem Buch „Die Hütte“, wie auch in „Der Schrei der Wildgänse“ und vielen anderen Publikationen erkennbar ist.
Damit sind solche Publikationen bei aller berechtigten Kritik am Inhalt und an der Einseitigkeit gleichzeitig auch eine starke Herausforderung, unser eigenes Bekenntnis und Leben als Nachfolger Jesu einer kritischen Selbstprüfung zu unterziehen. Wir sollten die Frage bewegen, ob in unserem persönlichen Leben wie auch im Gemeindeleben echte Charakterzüge unseres Herrn Jesus zu erkennen sind, die uns allein in der Heiligen Schrift gezeigt werden und Ausgewogenheit in Lehre und Leben bei uns zu finden ist.

Abschließend einige mahnende Worte von A.W. Tozer, der von W.P. Young zwar auch zitiert, aber – wie es scheint – nicht verstanden wurde:

„Ein träumerischer, sentimentaler Glaube, der das Gericht Gottes über uns ignoriert und auf die Beteuerungen der Seele lauscht, ist so tödlich wie Blausäure! Ein Glaube, der passiv alle angenehmen Texte der Bibel akzeptiert, während er die ernsten Warnungen und Befehle übersieht oder verwirft, ist nicht der Glaube, von dem Christus und seine Apostel geredet haben.“
(Aus A.W. Tozer: „“Verändert in sein Bild“, CLV, S. 109).

Ekklesia Nachrichten

Schlußbemerkung von mir:

Ich habe mir eine Vorlesung zu diesem Buch angehört, und am Ende auf die Lügen hingewiesen. Was mich erschüttert und gleichzeitig traurig gemacht hat, war die Aussage, dass das doch nur Wortglaubereien sind. So verkleidet, kommt die Verführung im 21.Jahrhundert daher.

Eine ähnliche Botschaft wie in diesem Artikel gibt es als kostenlosen Download unter Zwickau.

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68. Der versteckte JESUS

Dienstag, 26. Januar 2010 | Autor:

„Was für ein außergewöhnlicher Beruf!“ Diesen Satz bekomme ich als Restaurator immer wieder zu hören, auch wenn der Beruf leider oft nicht so spannend ist, wie es sich anhört. Stundenlanges Sitzen über einem Objekt, Staub und Dämpfe in den Arbeitsräumen, giftige Chemikalien – das alles gehört zu meinem Alltag. Doch der letzte Auftrag, den ich bekam, war ganz anders als alle vorherigen Arbeiten, denn dabei habe ich nicht nur Malereien freigelegt, sondern etwas noch Wertvolleres.

Aber eins nach dem anderen …

Alles fing mit dem Anruf eines Pfarrers aus Sachsen an, der mich unbedingt für ein besonderes Projekt engagieren wollte. Ganz aufgeregt schilderte er mir am Telefon, dass er alte Berichte aus dem Jahr 1751 über eine Dorfkirche in seinem Bezirk entdeckt habe, in denen von drei Jesus-Bildern die Rede sei. Diese Bilder haben wohl nicht in die damalige Zeit gepasst und so viel Anstoß erregt, dass die Kirchenleitung gezwungen war, sie übermalen zu lassen.
Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Im Laufe meiner Karriere hatte ich schon viele Jesus-Malereien restauriert. Alle schienen mir den Jesus darzustellen, der ungefähr 1,75 m groß und schlank ist, braune lange Haare, weiße Kleidung, bleiche Haut und ein Schaf im Arm hat. Das ist nichts, was mich persönlich vom Hocker reißt, und ich verstehe auch nicht, was andere so anziehend an dieser historischen Persönlichkeit finden. Aber da ich ein neugieriger Mensch bin und die Auftragslage ohnehin recht dürftig war, sagte ich zu, suchte noch am selben Abend meine Werkzeuge zusammen und machte mich am nächsten Morgen auf den Weg nach Sachsen.

Einige Stunden später öffnete der Pfarrer mit einem riesigen Schlüssel die schwere Holztür einer kleinen Kirche. Muffiger Geruch strömte uns entgegen. Meine Augen mussten sich erst einmal an die Dunkelheit in der Kirche gewöhnen. Wir setzten uns auf die Holzbänke, die genauso knarzen, wie ich das aus alten Kirchen kannte. Hinter dem Altar entdeckte ich schließlich die drei Malereien, die verschiedene Szenen aus dem Leben von Jesus zeigten. Nichts Besonderes – wie erwartet.
Darunter sollten also die ursprünglichen Bilder liegen. Erwartungsvoll sah mich der Pfarrer an. „Wie lange wird es dauern, bis Sie die Malereien freigelegt haben?“
„Nun ja, das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Von den Bestandteilen der Farbe, des Untergrundes und auch vom Raumklima. Nach den ersten Analysen kann ich Ihnen mehr sagen, aber das wird erst einmal einige Tage in Anspruch nehmen.“

Also machte ich mich an die Voruntersuchungen. Vielleicht bin ich hier ja einer ganz großen Sache auf der Spur, sagte ich mir in den folgenden Tagen immer wieder, um bei Laune zu bleiben, während ich erste Proben von Farbpartikeln und vom Untergrund entnahm und dann die üblichen Analysen durchführte.
Erste Freilegungsversuche mit verschiedenen Abbeizpasten scheiterten, weil der über der ursprünglichen Malerei liegende Anstrich ungleichmäßig angebracht worden war. Viele Stunden später konnte ich jedoch mit einer Kombination aus zwei Abbeizpasten bessere Freilegungsergebnisse am Rand der ersten Malerei erzielen.
Nach diesem ersten Erfolg holte ich den Pfarrer in die Kirche. Er sollte unbedingt dabei sein, wenn ich damit begann, das erste Bild freizulegen. Um die Malschicht zu schonen, entschloss ich mich, kein Dampfstrahlgerät, sondern Wasser und eine Bürste zu benutzen. Unter dem Bild des leicht verklärt blickenden Jesus, der in den Himmel auffährt, kam nach und nach eine ganz andere Szenerie zum Vorschein.
„Jesus lacht ja!“, rief der Pfarrer und ich war genauso überrascht wie er. Ein herzhaft lachender Jesus. Das war wirklich untypisch. So hatte ich Jesus noch nie gesehen.
Nachdem ich weitere Teile des Bildes freigelegt hatte, erklärte der Pfarrer mir aufgeregt: „Das könnte eine Darstellung der Hochzeit zu Kana sein. Jesus und seine Jünger waren auf eine Hochzeit eingeladen; dort hat er Wasser in Wein verwandelt.“
Es dauerte noch einen Tag, bis ich das erste Bild komplett freigelegt hatte. Es war ungewöhnlich gut erhalten. Mir fiel auf, dass Jesus im Gegensatz zu den Bildern, die ich bisher gesehen hatte, mit braunem Teint und sehr muskulös dargestellt wurde.
Der Pfarrer war begeistert, als ich ihn darauf ansprach. „Wissen Sie, Jesus hatte ein Handwerk gelernt; er war Zimmermann. Er hat Holz bearbeitet und transportiert. Dieser Körperbau ist bei derartiger Arbeit völlig normal. Und kennen Sie einen Südländer, der viel unterwegs ist und nicht braun gebrannt ist?“

Das leuchtete mir ein.
Als wir staunend vor dem ersten freigelegten Bild standen, schossen mir viele Fragen durch den Kopf: Sollte Jesus doch viel mehr Mensch gewesen sein, als ich mir das vorgestellt habe? Wieso soll er nicht auch hin und wieder gelacht haben? Was mache ich mit meinem bisherigen Bild vom melancholisch traurig dreinblickenden Jesus? In der folgenden Nacht konnte ich nicht schlafen, und ich schlich mich in die Kirche, um noch einmal in aller Ruhe das Bild auf mich wirken zu lassen.
In den nächsten Tagen machte ich mich an die Freilegung des nächsten Bildes, das Jesus bei der Heilung eines Kranken mitten in einer Menschenmenge zeigte. Mir fiel auf, dass das übermalte Bild wesentlich bunter war als das darüberliegende. Der frühere Maler hatte wesentlich intensivere und hellere Farben gewählt als sein Nachfolger einige Jahrhunderte später, bei dessen Werk hauptsächlich Braun- und Schwarztöne dominierten. Interessant. Vielleicht ist Jesus bunter, als ich mir das bisher ausgemalt habe! Erstaunlicherweise stellte sich im Laufe der weiteren Arbeiten heraus, dass auf dem unteren Bild die gleiche Szene dargestellt war wie auf dem, das sich jahrelang darüber befunden hatte. Aber Jesus heilte nicht mit ausgestreckter Hand, sondern hielt den Kranken im Arm und strich ihm mit der Hand über die Haare. Er schien sich zu freuen. Auch die Menschen um ihn herum zeigten viel mehr Freude und Emotionen als auf dem vorher darüberliegenden Gemälde. Einige jubelten und streckten die Arme in die Höhe, andere staunten mit offenen Mündern.

Jetzt war ich völlig baff. Ein Jesus, der Nähe zeigte, der hautnah am Schicksal der Menschen teilnahm. Keine Distanz, sondern Nähe. Schon wieder eine Überraschung.

Im Laufe der folgenden Tage wurde es für mich schon fast zur Gewohnheit, dass ich abends noch lange vor den freigelegten Malereien saß und sie eingehend betrachtete. An einem dieser Abende öffnete sich plötzlich die Kirchentür und der Pfarrer kam herein. Schweigend saßen wir einige Zeit nebeneinander da. Irgendwie musste er bemerkt haben, dass diese Bilder mich mehr berührten, als ich vielleicht zugeben wollte. Nach einer Weile sagte er: „Nehmen Sie doch Ihre Kulturbrille mal ab, dann können Sie Jesus noch genauer sehen.“ Verdutzt nahm ich meine Brille ab, aber alles wurde nur noch unschärfer. „Nein, nein“, sagte er lachend. „Ich meine die Kulturbrille.“

Ich sah ihn fragend an.
Jede Generation schafft sich ihren Jesus“, erklärte er. „Im 19. Jahrhundert war er der große Weisheitslehrer, im 20. Jahrhundert mal Revolutionär, mal Hippie. Man kann ihn einfach in kein Schema pressen. Er lässt sich nicht vereinnahmen. Er klettert aus jeder Schublade, in die wir ihn stecken, und jede Kultur hat ihre eigene Sicht von Jesus. Aber es geht darum, den echten Jesus in der Bibel zu entdecken.“

Ich stimmte ihm zu. „Das, was ich in den letzten Tagen durch diese Malereien von Jesus gesehen habe, hat mein Bild von ihm ganz schön auf den Kopf gestellt. Er ist greifbarer, menschlicher und göttlicher zugleich für mich geworden. Verstehen Sie, was ich meine?“, fragte ich ihn unsicher.

Er nickte.
Bei den Vorarbeiten zur Freilegung des dritten Bildes in der Mitte direkt über dem Altar, musste ich über die Worte des Pfarrers nachdenken. Es zeigte Jesus, wie er ernst und mit mahnendem Zeigefinger vor einer Menschenmenge eine Predigt hielt. Mir wurde bewusst, dass ich viele Vorstellungen über Jesus von anderen übernommen hatte, ohne selbst darüber nachzudenken. Und ich war sehr gespannt, welcher Jesus sich dieses Mal unter dem Bild verstecken würde.
Als ich mit der Abbeizpaste über den gestreckten Zeigefinger von Jesus strich, musste ich an die unzähligen Verbote denken, die ich in diversen Kirchen schon gehört habe. Aber die Frage war, ob Jesus auch in dieser Hinsicht anders sein würde, als ich es immer gedacht hatte …
Am nächsten Tag leistete der Pfarrer mir wieder Gesellschaft. Zum dritten Mal begann ich, mit Wasser und Bürste die Übermalung abzutragen. Der ausgestreckte Zeigefinger verschwand und im Laufe der folgenden Stunden wurde ein Jesus sichtbar, der einer Frau gegenüber auf dem Boden sitzt. Die Menschenmenge blieb, aber statt der Predigt ist eine andere Geschichte dargestellt, wie mir der Pfarrer erklärte. „Hier schleppen sie eine Ehebrecherin zu Jesus, die auf frischer Tat ertappt wurde. Sie wollen ihn auf die Probe stellen. Sie müssen wissen, dass auf so eine Tat nach dem jüdischen Gesetz der Tod durch Steinigung stand. Sehen Sie, hier und hier die Steine in den Händen der Menge …“

Und was hat Jesus gemacht?“, wollte ich wissen, während ich weiterbürstete.
„Er sagte zu den Menschen, dass jeder, der keine Sünde begangen hat, einen Stein auf die Frau werfen dürfe, und alle sind unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Ist das nicht genial? Und der Frau hat er ihre Schuld vergeben. Jesus ist so erfrischend unkonventionell und unorthodox. Er liebt und schenkt den Menschen Hoffnung und einen neuen Anfang, statt Regeln aufzustellen. Haben wir das nicht alle in unserem Leben bitter nötig?“

Ich blickte den Pfarrer an, und mir war fast so, als ob nicht ich diese Malereien freilegte, sondern Jesus die Übermalungen in meinem Herzen. Noch einige Wochen zuvor hätte ich nicht geglaubt, dass sich der echte Jesus hinter einigen Malereien verstecken und dass dies irgendeine Auswirkung auf mein Leben haben könnte. Ich kann nur alte Kunstwerke restaurieren. Aber er kann noch viel mehr. Er erneuert Menschen von Grund auf, und genau damit hat er gerade bei mir begonnen …

Christian Essl lebt mit seiner Familie in Lorsch, im südlichen Hessen, leitet das Schulungscenter einer Frankfurter Bank, liebt Bücher, besonders von Max Lucado, John Eldredge und Philip Yancey, und schreibt gerne Kurzgeschichten.

Die Geschichte „Der versteckte Jesus“ von Christian Essl ist dem Buch „Eine unerwartete Begegnung“ (Hrsg. Nicole Schol und Mirjam Kocherscheidt) entnommen (erschienen bei Gerth Medien, 2008).

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